Meddour, Fabrice – Ganarah 2: Ein Palast, Bäume und blutrote Früchte

Band 1: [„Die Tränen von Armon Surath“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4157

_Story_

Mit dem schwindenden Ruf ihrer Arena verfällt die einst so ruhmreiche Stadt Armon Surath langsam ins Chaos. Die Kämpfe werden eingestellt, und die wenigen ehrbaren Menschen hat es inzwischen nach Quintanaro verschlagen, wo die Kämpfer noch mit ehrlichen Mitteln agieren und die Turniere zumindest noch ein wenig Ansehen genießen. In der dortigen Arena macht seit einigen Tagen ein mysteriöser Fremder von sich reden, der nun in einem Finalkampf gegen einen Riesen zum Champion gekürt werden soll. Doch der Kampf wird jäh unterbrochen, als einige geisterhafte Gestalten in die Stadt drängen, der Fremde seine Maske abnehmen und in Gestalt Ganarahs die Bedrohung vertreiben muss.

Bestärkt durch diese Erfahrung, zieht es die einstige Königin von Armon Surath zurück an den Ort, an dem sie vor einigen Jahren ihre größten Erfolge feierte. Doch wieder trifft sie auf die geheimnisvollen Geister, und dieses Mal kann sie sich ihrem gewaltigen Einfluss nicht mehr entziehen …

_Persönlicher Eindruck_

Nach dem recht vielversprechenden Auftakt der neuen |Splitter|-Serie „Ganarah“ folgte mit ein wenig Abstand nun im Frühjahr die zweite Episode um die hübsche, bestimmte Kriegerin, reicht aber inhaltlich leider nicht ganz an den Auftakt heran. Fabrice Meddour hat es sich erneut zur Aufgabe gemacht, einen etwas komplexeren Plot zu stricken, der auch nicht direkt an die Ereignisse des ersten Bandes anknüpft, nichtsdestotrotz aber weiterhin auf die verzwickte Geschichte der Hauptdarstellerin und Titelheldin fixiert ist. Nur eben mit dem feinen Unterschied, dass ihre Entwicklung gerade im Schlussteil ein wenig seltsam anmutet.

Dabei beginnt „Ein Palast, Bäume und blutrote Früchte“ (welch merkwürdiger Titel im Übrigen) recht temporeich. Die Sage von einem neuen, unbesiegbaren Fremden geht um und versetzt die Kämpfer in den Arenen von Quintanaro in Angst und Schrecken. Niemand Geringerer als Ganarah verbirgt sich jedoch hinter der Maske des Unbekannten, sie muss jedoch bald nicht nur ihren direkten Gegner im Rondell, sondern einige zunächst übermächtig anmutende, seltsame Schemen bekämpfen. Und genau jene Gestalten sollen die Heldin auf ihrer weiteren Reise nach Armon Surath, den Ort ihrer Bestimmung, immer wieder aufsuchen, um sie früher oder später doch zu überwältigen. Kurz vor den Toren der fast verlassenen Stadt kommt es schließlich zur Katastrophe: Ganarah verwandelt sich in eine dieser Gestalten – und scheint für immer verloren.

Abseits des eigentlichen Geschehens führt Meddour zudem weitere Figuren geschickt in die Handlung ein. Die Königskinder von Quintanaro begleiten Ganarah ebenso wie ihr einstiger Gegner, ein mächtiger Riese. Selbst Dzeroff, einst bestrebt, Ganarah zu töten, schließt sich dem Trupp an, fest entschlossen, die Arena in Armon Surath wieder ins Leben zu rufen. Doch auch er kann nichts an den eigenartigen Wendungen ändern, die die Hauptdarstellerin zum Ende hin durchlaufen muss.

Eigenartig ist das Ganze vor allem deswegen, da die Handlung am Ende ein wenig überfrachtet wird. Es hagelt Action, Emotionen und dazu noch einen leichten philosophischen Touch, der aber letztendlich gar nicht so recht zum blutigen, manchmal eher überzogen harten Treiben passen will. Gerade die Titelfigur geht so manches Mal vergleichsweise brutal zur Sache und wird ihrer Rolle als Sympathieträgerin in diesen Phasen nicht zwingend immer gerecht. Eventuell wäre hier weniger mehr gewesen, denn ihre Glaubwürdigkeit als schier unbesiegbare Kriegerin hat Ganarah bereits im vergangenen Band eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Wie auch immer, diese kleinen Mängel sollen aber nicht davon ablenken, dass auch die zweite Episode von Meddours aktueller Serie definitiv lesenswert ist. Die großen Erwartungen, die vom Vorgänger suggeriert wurden, werden weitestgehend erfüllt und das hohe Niveau nahezu ausnahmslos gehalten. Und mehr braucht es schließlich auch nicht, um auch für „Ein Palast, Bäume und blutrote Früchte“ eine eindeutige Empfehlung auszusprechen.

|Originaltitel: Un palais, des arbrets et des fruits rouges sang
48 Seiten, gebunden, farbig
ISBN-13: 978-3-939823-62-9|
http://www.splitter-verlag.de

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