Merlau, Günter – Whitechapel (Die Schwarze Sonne VI)

Folge 1: [„Das Schloss der Schlange“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2317
Folge 2: [„Böses Erwachen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4022
Folge 3: [„Weißes Gold“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4023
Folge 4: [„Vril“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4308
Folge 5: [„Akasha“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4915
Folge 7: [„Goldene Morgenröte“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5102

_Story_

1838: Die Nationalsozialisten navigieren den amerikanischen Nordpolexperten Richard Evelyn Byrd auf ihre Seite, um ihn in eine weitere Expedition mit der |Schwabenland| einzubinden. Allerdings verfolgen die Deutschen insgeheim gänzlich andere Ziele und spotten bereits über Byrds Qualifikationen. Insbesondere der hinterhältige Weissthor plant in Indien bereits den nächsten großen Schlag, der unter Ausschluss der auf den Nordpol fixierten Öffentlichkeit in aller Ruhe ausgebrütet werden soll.

Unterdessen bekommt Arthur Salton im Jahre 1848 in seiner neuen, unfreiwillig gewählten Heimat enorme Schwierigkeiten. Der Rat des Dorfes lädt ihn zu einer Versammlung, in der über die mysteriösen Unfälle im Moor von Derbyshire beratschlagt werden soll. Mit ungutem Gefühl folgt Arthur der Einladung und soll auch Recht behalten. Das Rad soll erneut gedreht werden, was für Arthur so viel bedeutet, dass seine glückliche Zeit in der Vergangenheit sich dem Ende zuneigt.

Jules Verne fehlt derweil immer noch jegliche Spur von Nathaniel; dieser wiederum reist nach seinem Indien-Trip nach London, wo er die Jagd auf einen Prostituiertenmörder beginnt. Gemeinsam mit dem Yard und einem gewissen Arthur Doyle startet die Suche nach dem Mann, der sich Jack the Ripper nennt und die gesamte Öffentlichkeit in Unruhe stürzt. Als sich schließlich einige Informationen über einen Geheimbund alter Tage in die Ermittlungen einschleichen, nimmt der Fall eine erschreckende Wendung …

_Persönlicher Eindruck_

Mit der sechsten Folge der inhaltsschwangeren Mystery-Serie „Die schwarze Sonne“ scheint sich der Kreis der teils verwirrenden, insgesamt jedenfalls sehr weit reichenden Story langsam zu schließen. Erstmals werden direkte Antworten auf die Ereignisse in der ersten Episode angerissen, und auch wenn sich der Kreis der Akteure im Laufe der letzten Geschichten merklich vergrößert hat, scheinen einige Verbindungen und Stränge kontinuierlich mehr Sinn zu ergeben und der Lösung des großen Puzzlerätsels ein ganzes Stück näherzukommen.

Nichtsdestotrotz bleibt der Plot auch in „Whitechapel“ ein harter Brocken mit zahlreichen Verstrickungen, schwerwiegenden Wendungen und undurchsichtigen Mysterien, die nach wie vor nach konkreteren Zusammenhängen schreien. Entgegen der bisherigen Vorgehensweise hat das Team des |Lausch|-Verlags nun aber eine geordnete Struktur gewählt, die den Zugang zu den neusten Entwicklungen merklich erleichtert. Die drei Hauptstränge sind nicht mehr willkürlich vermischt, sondern werden in dieser Episode Schritt für Schritt abgearbeitet, wobei zwischen ihren Protagonisten und Persönlichkeiten immer noch eine kaum zu durchdringende Distanz vorhanden ist, die nach einer logischen Aufklärung verlangt. Aber wieder einmal wird der Hörer diesbezüglich auf die nächsten Kapitel von „Die schwarze Sonne“ verwiesen, die des Rätsels Lösung erneut einen Schritt näher kommen sollten.

Trotz der klareren Linie in dieser Folge scheuen die Autoren aber nicht davor zurück, die Story mit zusätzlichem Stoff zu versorgen. Der Nazi-Plot wird zwar einerseits wieder in den Fokus gerückt und als wichtiges Element in Erinnerung gerufen, doch fast noch eine Spur wichtiger scheint hier die Mordserie im London des 19. Jahrhunderts, deren Spuren zu einem berüchtigten Geheimbund führen. Dies ist schließlich auch der Abschnitt, der weiteren Zündstoff in die Geschichte einbringt und die Komplexität der bisherigen Episoden noch einmal nachhaltig bestätigt. Mittlerweile muss man ja schon fast enttäuscht sein, wenn nicht wieder namhafte Persönlichkeiten (in diesem Falle Doyle) bzw. frische Figuren in die Handlung eingreifen …

Andererseits versinkt die Geschichte in „Whitechapel“ so manches Mal zu stark in ihren erprobten Klischees. Die gesamte Geschichte des 19. Jahrhunderts, besonders was ihre Literatur betrifft, wird hier noch einmal auf phantastische Weise aufgerollt, mit anderen zeithistorischen Ereignissen gemischt und durch den fiktiven Fleischwolf gedreht. Bis dato war diese Masche ständig von Erfolg gekrönt, hier scheint sie jedoch ein wenig aufgesetzt und bemüht, da sie etwas routiniert dargebracht wird. Außerdem sind die Ideen auch nicht mehr ganz so revolutionär, geschweige denn mit einem derartigen Überraschungseffekt versehen, wie dies noch in den Folgen Nr. 3 & 4 der Fall war. Man weiß inzwischen, woran man ist und was man erwarten darf – und diesbezüglich besitzt die sechste Veröffentlichung im Bunde nicht ganz die Dynamik früherer Folgen.

Fans dürfen aber getrost durchatmen, denn von ihrem ganz besonderen Reiz büßt die Serie auch mit den teils stagnierenden Entwicklungen in „Whitechapel“ nicht ein. Womöglich ist es ja auch mal notwendig, die rasanten Verwirrspielchen ein wenig auszubremsen, um wieder ein bisschen Bodenhaftung zu bekommen. Hierüber wird die siebte Episode Auskunft geben, möglicherweise ja auch mit noch detaillierter Aufklärungsarbeit. Bis dahin bleibt mit „Whitechapel“ ein solides Kapitel, das man aber trotzdem erleben sollte und muss, damit der Faden nicht verlorengeht – und natürlich weil der Unterhaltungswert dank der ambitionierten Sprecher und der immer noch raschen Progression keinesfalls zu leugnen ist.

|ISBN-10: 3-939600-18-0
ISBN-13: 978-3-939600-18-3|
http://www.die-schwarze-sonne.de
http://www.merlausch.de

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