Nicolai, Lea – Hexen, Die

|“Wisse, du bist nicht allein“ (Gisela Graichen – Die neuen Hexen)|

_Straßburg 2011._ Nach einem Überfall in ihrer eigenen Wohnung hat sich das Leben für Ravenna komplett geändert. Die Angst sitzt ihr als beständiger Begleiter ständig im Nacken und nicht nur einmal ist es ihr passiert, dass sie einen Filmriss von mehreren Stunden hatte und dunkle Visionen sie heimsuchen. Da Ravenna sich in ihrer Wohnung nicht mehr sicher fühlt, ist ihre jüngere Schwester, die Wicca Yvonne samt ihrer Katzen bei ihr eingezogen. Um ihren Ängsten zu entfliehen, wagt Ravenna einen Ausritt. Ravenna reitet zu einem alten Kloster am Odilienberg, als ihr Pferd scheut und Ravenna in einen magischen Hexenring stürzt …

Straßburg 1253. Auf dem Odilienberg leben „die Sieben“, ein mächtiger Hexenzirkel, mit ihren Hexenschülerinnen in einem Konvent außerhalb der Stadtmauern Straßburgs. Seit die abtrünnige Elinor aus Rache, da sie nicht in den Kreis der Sieben aufgenommen wurde, den Dämon Beliar beschworen hat, kämpfen die Sieben gegen das übermächtige Böse. Beliar und Elinor wollen die Welt in die Finsternis stürzen und in ihrer Not rufen die Sieben eine Hexe aus der Zukunft, die mächtig genug scheint, Beliar zu stürzen.

Ravenna findet sich nach ihrem Sturz auf einem Pentagramm wieder und die Sieben lehren Ravenna, die bisher kaum mit Magie in Berührung kam, Hexenkunst zu wirken. Ravenna nimmt ihr Schicksal und das Erbe ihrer Vorfahren an, weil sie keine andere Wahl hat. Doch nichts hat sie auf das vorbereitet, was sie erwartet …

_Kritik_

Mit ihrem Debütroman „Die Hexen“ hat die Autorin Lea Nicolai einen fesselnden Roman um eine junge Frau, die lernen muss, mit ihren geheimnisvollen Kräften umzugehen, um das Böse in der Welt zu bekämpfen, geschrieben.

Ein klarer Satzbau mit treffender Wortwahl sorgt für jede Menge Lesespaß. Lea Nicolai bedient sich einem besonders flüssigen und bildgewaltigen Schreibstil, der ausführlich die Handlung, aber auch die Umgebung charakterisiert. Den größten Raum nimmt dabei die Handlung ein, sodass dem Leser nie langweilig wird. Ein intelligent eingewobener Spannungsbogen hält sich konstant über die komplette Geschichte, wobei geschickt eingesetzte Spannungsspitzen es schwer machen, dieses Buch zur Seite zu legen. Zwei Zeitzonen, die heutige Zeit und die Ereignisse um 1253, sind gut aufeinander abgestimmt und die Umgebung und die jeweilige Zeit werden lebendig. Die Atmosphäre ist gerade in der Vergangenheit passend düster wiedergegeben.

Der interessante Plot, der sich mit dem alten heidnischen Hexenglauben beschäftigt, gewährt glaubwürdige Einblicke dieser naturverbundenen Religion in der damaligen Zeit, am Rande aber auch zu der heutigen. Nebenhandlungen passen perfekt zum Inhalt und ergänzen diesen sinnvoll. Nach einem atemberaubenden Showdown ist diese Geschichte noch nicht zu Ende, im Epilog kommt es zu einem Cliffhanger, der auf eine Fortsetzung hoffen lässt.

Neutral erzählt ein Beobachter die Geschehnisse, wobei dieser zwischen den Schwestern Ravenna und Yvonne wechselt. Leicht können die Wechsel verfolgt werden, da diese sich meist durch einen Wechsel der Zeit ankündigen. Der Leser erhält so einen umfassenden Einblick auch in die Motivation der Figuren.

Glaubwürdige Protagonisten, wenn diese auch manchmal leicht durchschaubar sind, wurden von der Autorin vielschichtig konzipiert. Auch wenn das Böse hier klar definiert ist, ist bei den meisten Charakteren alles möglich. Detailliert und anschaulich werden die Figuren beschrieben und besitzen eigene Charaktereigenschaften, Motive und Ziele, die die jeweilige Person ausmachen. Auch die Entwicklungen, die die Hauptdarsteller im Verlauf der Geschichte durchmachen, sind glaubwürdig und nachvollziehbar ausgearbeitet.

Die Schwestern Ravenna und Yvonne sind nicht nur äußerlich grundverschieden. Ravenna wirkt, auch aufgrund ihrer Erlebnisse, recht scheu und kann nur wenig mit Magie anfangen. Warum gerade sie auserwählt ist den Orden der Sieben zu unterstützen, kann Ravenna erst kaum nachvollziehen. Ihre jüngere Schwester Yvonne dagegen ist lebhaft und eigenwillig. Erste Erfahrungen mit dem Wicca-Kult machen Yvonne ihrer Meinung nach zu einer voll ausgebildeten Hexe. Trotz der geschwisterlichen Liebe die Yvonne, für die stille Ravenna empfindet, verändert Yvonne sich und nicht nur Neid ist hier der Auslöser.

In der heutigen Zeit gibt es recht wenige wichtige Darsteller. Dafür aber in der Vergangenheit, neben den Mitgliedern des Hexenordens wird die Geschichte auch von den Rittern des Lichts, diese sind die Gefährten der Hexen und selbstverständlich den mächtigen Widersachern, getragen.

Der 697 Seiten starke Roman ist in Prolog, Epilog und dazwischen, in mehrere Kapitel unterteilt. Wo es zu Zeitsprüngen kommt, wird dieses in der Überschrift vermerkt. Die Überschriften passen immer zu den Ereignissen und werden am Beginn durch ein Inhaltsverzeichnis vorgestellt.

Mystisch mutet die Gestaltung des Covers an, ein düsterer Waldweg, auf dem eine in rotem Mantel verhüllte Gestalt wandelt, passt zum Plot. Auf den Umschlaginnenseiten wird ebenfalls ein düsterer Waldabschnitt gezeigt, geschmückt von einem Anhänger, der ein Pentagramm zeigt.

_Autorin_

Lea Nicolai (geb. 1972) liebt ihren Kräutergarten, ihre drei Katzen, ihre Bibliothek, Kerzenschein und Musik. Sie studierte Musikwissenschaft und singt in einem Jazzchor. Das Thema Hexen fasziniert sie seit Langem, weil es Magie, Mystik und Wirklichkeit verbindet. Für den Roman „Die Hexen“ ging sie auf Zeitreise ins Elsass.

_Fazit_

Lea Nicolais Debütroman „Die Hexen“ überzeugt durch einen mystischen Plot, authentische und sympathische Protagonisten und eine faszinierende sowie spannende Handlung. Die Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart gepaart mit der ereignisreichen Handlung ist absolut empfehlenswert.

Obwohl das Buch in sich abgeschlossen wirkt, lässt ein reizvoller Cliffhanger darauf hoffen, dass diese Geschichte fortgesetzt wird. Lesern, die sich für den heidnischen Glauben der Wicca-Kultur interessieren, ist „Die Hexen“ ans Herz zu legen.

|Taschenbuch: 704 Seiten
ISBN-13: 978-3453533899|
[www.randomhouse.de/heyne]http://www.randomhouse.de/heyne/index.jsp

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