Nimmo, Jenny – Charlie Bone und das magische Schwert (Die Kinder des roten Königs 6)

Band 1: [„Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1992
Band 2: [„Charlie Bone und die magische Zeitkugel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2448
Band 3: [„Charlie Bone und das Geheimnis der blauen Schlange“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3308
Band 4: [„Charlie Bone und das Schloss der tausend Spiegel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3464
Band 5: [„Charlie Bone und der rote König“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3468

Ein Schüler, der aufs Bloor geht, hat wahrhaftig kein ruhiges Leben, zumindest nicht, wenn er sonderbegabt ist. Zwar hat Charlie seinen Vater wiedergefunden, aber deswegen geben die Bloors sich noch lange nicht geschlagen. Und so kommt es, dass Charlie plötzlich einen sogenannten Patenschüler hat! Sein Name ist Dagbert, ein sonderbegabter Junge aus dem hohen Norden. Und er scheint es darauf abgesehen zu haben, Charlie und seine sämtlichen Freunde zu entzweien.

Aber das ist nicht das einzige Problem: Asa ist verschwunden, seltsame Leute mit gelben Augen verfolgen Charlie, und seine Tante Venetia hat es sich in den Kopf gesetzt zu heiraten. Denn der kleine Sohn ihres Zielobjektes hat offenbar eine mächtige Sonderbegabung, und schon bald vergöttert er seine Stiefmutter …

_Das sind wieder mal eine Menge Neuzugänge._ Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Dagbert. Ein Junge mit kalten blaugrünen Augen, der, wenn ihn die Bosheit überkommt, penetrant nach Fisch stinkt. Seine Sonderbegabung besteht darin, dass er Leute ertränken kann, selbst an Orten, wo überhaupt kein Wasser in der Nähe ist. Allerdings scheint Dagbert eine recht wankelmütige Natur zu sein, gelegentlich ist er regelrecht freundlich. Der kleine Eric, Stiefsohn von Charlies Tante Venetia, dagegen ist nur eine Randfigur ohne eigenes Profil, zumindest bisher. Mrs. Kettle gibt auch nicht viel mehr her. Die große, stämmige Verkäuferin von Kesseln aller Art ist eine Freundin der Köchin und stellt sich schon bald als Schmiedin und Nachfahrin eines mächtigen Zauberers heraus. Das ist allerdings auch schon alles.

So wäre die Charakterzeichnung reichlich dünn geraten, wäre da nicht die seltsame Wankelmütigkeit in Dagberts Charakter, die der ganzen Sache ein wenig Pfiff verleiht. Dagbert könnte auch für die folgenden Bände noch eine Menge interessanter Verwicklungen bereithalten. Allerdings konnte man das bereits von einigen Figuren sagen, die im Laufe der fünf Vorgängerbände aufgetaucht sind, und die meisten davon verschwanden einfach wieder in der Versenkung oder waren für die künftige Handlung kaum noch von Belang.

Andererseits ist Dagbert der Sohn von Lord Grimwald, der bereits in den Erzählungen der Köchin vorkam und dessen Auftauchen im Bloor die gute Frau völlig aus der Fassung bringt. Vor allem aber wurde Lord Grimwald dafür, dass das Bloor seinen Sohn Dagbert aufnimmt, eine Aufgabe übertragen: Er soll Charlies Eltern ertränken, die in ihren zweiten Flitterwochen aufs Meer hinausgefahren sind, um Wale zu beobachten! Am Ende des Buches scheint aber noch alles in Ordnung zu sein, denn Charlie erhält Post von seinen Eltern. Vielleicht werden also Dagbert und sein Vater im kommenden Band doch noch eine Rolle spielen.

Abgesehen davon ist dieser Auftrag der Bloors an Grimwald mehr als ein einfacher Racheakt. Charlies Vater Lyell hat offenbar von Billys Vater Rufus ein Kästchen zur Aufbewahrung erhalten, das ein Dokument mit einem brisanten Geheimnis enthält. Weil Lyell den Bloors das Versteck dieses Dokuments damals nicht verraten wollte, wurde er von Manfred hypnotisiert und seines Gedächtnisses beraubt. Jetzt, da Lyell wieder aufgewacht ist, fürchten sie, dass er sich erinnern und dem Geheimnis des Kästchens auf den Grund gehen könnte.

Jenny Nimmo liefert hier nicht nur ein weiteres Puzzleteil der Vorgeschichte um den Tod von Billys Eltern und Lyells Entführung, sondern auch die Basis für eine neue Hintergrundgeschichte, um die der Suche nach Charlies Vater zu ersetzen. Gleichzeitig bildet dieser Aspekt die Verbindung zum Erzählstrang um Asas Verschwinden. Dem Leser ist natürlich klar, dass Asa deshalb verschwunden ist, weil er im Band „… der rote König“ zu Charlie und seinen Freunden übergelaufen ist. Und natürlich ist Charlie fest entschlossen, Asa jetzt nicht im Stich zu lassen. Wieder mal ist also eine Rettungsaktion angesagt, welche die vordergründige Handlung liefert.

_Vom Erzählfluss her_ ist Jenny Nimmo die Mischung aus Vorder- und Hintergrund gut gelungen. Allerdings muss ich sagen, dass dem Vordergrund diesmal ein wenig der Pep fehlte. Trotz der etwas dramatischeren Szene auf der Eisenbrücke über dem Fluss blieben die Aktivitäten insgesamt ein spürbares Stück hinter den Turbulenzen des letzten Bandes zurück. Dabei ist nicht unbedingt etwas dagegen einzuwenden, wenn der Handlungsverlauf mal etwas ruhiger daherkommt, nur wäre es in diesem Fall vielleicht gut gewesen, die Autorin hätte zum Ausgleich ihre neu eingebrachte Ideen etwas deutlicher ausgebaut. So werden die Leute, bei denen Dagbert am Wochenende wohnt, nur ein einziges Mal erwähnt, ohne jemals selber aufzutauchen, nicht mal bei Dagberts Konfrontation mit Mrs. Kettle, und ich fragte mich allmählich, ob Dagbert nicht womöglich allein dort wohnt!

Diese Straße, in der Mrs. Kettle und auch Dagbert wohnen, stellt sich mit der Zeit als eine Art Zauberergasse heraus, in der wohl die gleichen Rivalitäten herrschen sollen wie im Bloor. Davon ist aber zu keiner Zeit wirklich etwas zu spüren. Die Sache mit dem geheimnisvollen Roten Ritter hat die Autorin wohl absichtlich so vage gelassen, um auf diese Weise die Spannung ein wenig zu steigern, erstaunlich war aber doch, dass der kleine Eric offenbar einfach so eine der Steinstatuen aus einem Geschäft in der „Zauberergasse“ zum Leben erwecken konnte, ohne dass der Besitzer des Ladens auftaucht und zumindest Fragen stellt. Und nirgendwo wird ein Wort darüber verloren, was genau für ein Volk die Merolinge sind.

_So war dieser Teil des Zyklus_ zwar nicht wirklich langweilig, dank Dagbert. Ich hoffe trotzdem, dass es im nächsten Band wieder etwas lebhafter zugeht. Das Gerangel um das brisante Dokument bietet da weit mehr Möglichkeiten als die Suche nach Charlies Vater, und zu retten gibt es dank der Bosheit der Bloors ja immer jemanden. Um das Potenzial der losen Fäden, die Jenny Nimmo nach jedem Band ungenutzt im Sande verlaufen lässt, ist es zwar einerseits schade; andererseits erhält sie sich dadurch genügend Raum für neue Ideen und verhindert, dass ihre Geschichte sich mit der Zeit zu einem unübersichtlichen Koloss aufbläht, was den jüngsten unter den Lesern zugute kommt. Jenny Nimmo bleibt ihrem Publikum treu, und das ist auch was wert.

_Jenny Nimmo_ arbeitete unter anderem als Schauspielerin, Lehrerin und im Kinderprogramm der |BBC|. Geschichten erzählte sie schon als Kind, Bücher schreibt sie seit Mitte der Siebziger. Unter anderem stammt der Zyklus |Snow Spider| aus ihrer Feder, sowie „Im Garten der Gespenster“, „Der Ring der Rinaldi“ und „Das Gewächshaus des Schreckens“. „Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder“ ist der erste Band des Zyklus |Die Kinder des roten Königs| und hat sie auch in Deutschland bekannt gemacht. Der neueste Band der Charlie-Bone-Reihe mit dem Titel „Charlie Bone and Enchanter of Badlock“ soll im Juni dieses Jahres in England erscheinen.

http://www.jennynimmo.me.uk
http://www.ravensburger.de

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