Novik, Naomi – Drachenprinz (Die Feuerreiter Seiner Majestät 2)

_Meist langweilig: Temeraires China-Trip_

Anno 1806. Feuerreiter Will Laurence und sein Drache Temeraire sind unzertrennlich, doch nach dem britischen Sieg gegen Napoleons Drachenreiter wird ihr Beisammensein bedroht: Eine chinesische Delegation fordert die unverzügliche Herausgabe von Temeraire, der eigentlich als Geschenk des chinesischen Kaisers an Napoleon gedacht war. Laurence bleibt nichts anderes übrig, als seinen geliebten Drachen auf eine gefährliche Reise ins ferne China zu begleiten …

Peter Jackson wird den Roman verfilmen, vielleicht sogar die ganze Trilogie um die Feuerreiter.

_Die Autorin_

Naomi Novik wurde 1973 in New York City geboren und ist mit polnischen Märchen, den Geschichten um die Hexe Baba Yaga und mit Tolkiens Werken aufgewachsen. Sie hat englische Literatur studiert, im Bereich IT-Wissenschaften gearbeitet und war zudem an der Entwicklung von erfolgreichen Computerspielen beteiligt. Dann schrieb sie ihren Debütroman, mit dem sie Kritiker und Leser gleichermaßen begeisterte. Mehr zu der Welt der Feuerreiter findet man unter http://www.temeraire.org. Novik lebt mit ihrem Mann in New York.

Die Trilogie „Die Feuerreiter Seiner Majestät“ besteht aus den Bänden:

– [Drachenbrut]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3781 (Juni 2007)
– Drachenprinz (August 2007)
– Drachenzorn (Oktober 2007)

Ein vierter Band erscheint im September 2007 im Original.

_Vorgeschichte_

Anno 1805, England befindet sich im Krieg mit Napoleon. Der englische Seekapitän Will Laurence traut seinen Augen nicht: An Bord einer gerade gekaperten französischen Fregatte befindet sich tatsächlich ein echtes Drachenei. Er bildet den kleinen schwarzen Drachen aus und wird mit ihm zu einem Team der Feuerreiter Seiner Majestät. Gemeinsam mit der britischen Drachenluftflotte schlägt das Freundespaar den französischen Invasionsversuch bei Dover zurück.

_Handlung_

Die Chinesen wollen ihren Drachen wiederhaben. Eine hochrangige Delegation des Kaisers von China, angeführt von Prinz Yongxing, bringt die Admiralität der Feuerreiter in höchste Verlegenheit, obwohl der Drache, den sie haben, Temeraire, gar nicht an die Briten ging, sondern an die Franzosen. Die Briten haben das Ei ganz legal gekapert. Der Admiral muss im Interesse der Handelsbeziehungen und um einen Krieg mit dem Riesenreich zu vermeiden, Temeraire zurückgeben. Der seltene Himmelsdrache muss zurück an den kaiserlichen Hof gebracht werden.

Der entsprechende Befehl an William Laurence, Temeraires Feuerreiter, stößt auf heftigen Widerstand. Nur seine Freundin Kapitän Roland kann seine Wut besänftigen. Auch Temeraire selbst geht es nicht besonders gut, weigert er sich doch zu essen, wenn er Laurence nicht dabeihaben kann. Es gibt nur eine Lösung der misslichen Lage: Laurence muss Temeraire auf dem Weg nach China begleiten. Die Regierung gibt ihnen noch einen politischen Klugscheißer mit, einen gewissen Hammond. Der Mann ist der Einzige, der wenigstens Chinesisch versteht.

Schon nach wenigen Tagen auf See wird das für den Drachentransport umgebaute Schiff von französischen Drachen angegriffen. Die Schlacht ist heiß, aber kurz, denn Temeraires Eingreifen verhindert den Sieg der Franzmänner. Die Chinesen an Bord taten sich dabei jedoch nicht sonderlich hervor, scheinen sie doch auf eine Absonderung von den Marine- und Fliegertypen der Engländer erpicht zu sein. Die Sprachbarriere tut ein Übriges. Im Verlauf der fast ein Jahr dauernden Reise greift ein Seeungeheuer aus dem Indischen Ozean das Schiff an und versenkt es um ein Haar. Temeraire wird Opfer einer von Postdrachen eingeschleppten Krankheit.

Laurence macht sich jedoch größere Sorgen wegen der zunehmenden Feindseligkeit unter der Mannschaft gegenüber den Feuerreitern. Die Kämpfe fordern mehrere Opfer, was schwer geahndet wird. Und als wäre dies nicht genug, versucht in der Nacht ein unbekannter Angreifer, Laurence zu töten. Nicht nur einmal. Die Gastmähler, die man bei den Chinesen einnimmt, führen jedoch zu einer angenehmeren Nachbarschaftsbeziehung. Die Briten müssen verdauen, dass, wie die Post mitteilte, die Chinesen im Reich der Mitte britische Handelsschiffe der Ostindien-Kompanie konfisziert haben. Das sieht man bei einer Seefahrernation, die vom Handel abhängt, gar nicht gern. Da Yongxing ein ziemlich arroganter Typ ist und darauf hinarbeitet, Laurence von Temeraire zu trennen, steckt er vielleicht hinter den nächtlichen Anschlägen.

Die Stimmung ist alles andere als entspannt, als das Schiff endlich chinesische Gewässer erreicht, zuerst in Macao. Überraschung – die feindlichen Franzosen liegen ebenfalls mit ihrer Flotte im Hafen! Eine weitere Überraschung ist der frenetische Empfang für Temeraire, der kaum weiß, womit er das verdient hat. Wie er erfährt, glauben die Chinesen, dass es Glück bringt, einen Himmelsdrachen zu sehen. Denn ansonsten sind Drachen aller Art vollständig in die chinesische Kultur und Wirtschaft integriert. Per Expressflug geht es weiter nach Peking in die Residenz des Kaisers. Doch dieser ist auf der Jagd und so machen sich die Briten nach Monaten des Wartens bald große Sorgen – um Leib und Leben.

Mit der Hilfe Hammonds bekommt Laurence allmählich ein Bild von der Lage. Temeraire alias Lung Tien (= Himmelsdrache) Xiang ist eine Trumpfkarte im Machtspiel Prinz Yongxing gegen andere Spieler. Aber er kann sie erst ausspielen, wenn Laurence und Co. beseitigt sind. Während er den Angriff auf die Briten vorbereitet – ganz unauffällig, versteht sich -, verschafft er Temeraire die Bekanntschaft mit dessen Mutter Quian und einer sehr hübschen Drachendame namens Mei, in die sich Temeraire auch prompt verliebt.
Während Temeraire durch sein Liebesleben davon abgehalten wird, Laurence beizustehen, findet der erste von zwei Angriffen statt. Eine Horde von angeblich tatarischen Räubern stürmt in die kaiserliche Residenz, nachdem rein zufällig alle Wachen abgezogen worden sind. Doch Laurence ist vorbereitet. Sun Kai, ein Chinese vom Schiff, hat ihn vorgewarnt. Der Angriff von rund hundert Banditen bricht über den als Festung ausgebauten Pavillon herein wie ein Gewitter. Laurence und seine Männer haben alle Mühe, sich ihrer Haut zu wehren. Und weit und breit kein Temeraire in Sicht …

_Mein Eindruck_

Nach einem furiosen Auftakt, bei dem sich Laurence verbal eine blutige Nase holt, gerät die Geschichte mit dem Beginn der Seereise schnell in das gewohnte Fahrwasser, das alle Schilderungen von Seereisen auszeichnet, seit Charles Darwin seine Reise mit der „Beagle“ im Jahr 1835 aufschrieb (und vor ihm James Cook und unzählige andere). Schon die Aufzählungen scheinen nicht enden zu wollen: welche Passagiere auf welche Weise an Bord und in welche Quartiere kommen, wie das Schiff gebaut ist, um welche Uhrzeit man den Hafen verlässt.

Es ist immer das gleiche Schema F, und es wundert mich, dass eine so kluge Autorin wie Naomi Novik sich nichts Besseres einfallen ließ als das vorgeprägte Schema zu wiederholen. Vielleicht dachte sie, das würde der Leser von ihr erwarten, aber es ist ja genau das Unerwartete, das am besten unterhält. Sie geht offenbar lieber auf Nummer sicher. Und auch auf diese Weise lassen sich 500 Seiten füllen.

Diese Reise muss in China enden, keinesfalls früher, so viel ist von vornherein klar. Dies ist der erste Spannungsbogen des Buches. Doch ganz und gar offen ist dabei, ob Herr Laurence das Ende der Reise erleben wird, denn wie sich sehr allmählich und sehr zaghaft herauskristallisiert, hat Prinz Yongxing kein Interesse daran, dass Laurence sich weiter an den Himmelsdrachen klammert. Daraus entsteht ein zweiter Spannungsbogen, der aber so bedächtig aufgebaut wird, dass von Spannung kaum je die Rede sein kann. Dafür müsste das Bewusstsein der Gefahr sehr viel deutlicher ausgeprägt sein.

Da die Action erst wieder in China auf den letzten 70 Seiten stattfindet, sind nach dem Auslaufen des Schiffes und der ersten Schlacht mit den Franzosen (bis Seite 146) also rund 280 Seiten zu füllen. Nun, immerhin hat die „Allegiance“ die halbe Welt zu umrunden, und daher gibt es jede Menge Gelegenheiten, fremde Länder, Menschen und Sitten zu schildern. Aber auch dies gehört zum Schema F. Wo bleiben die Abenteuer an Land, auf See, unter Deck, in der Luft? Nun, wenigstens auf See und unter Deck liefert die Autorin eine Reihe von Episoden, die wie Perlen aneinandergereiht werden: Ein Seeungeheuer ist die Hauptattraktion in diesem Zirkus der Showeinlagen.

Was mir jedoch fehlte, war ein Zusammenhang an psychologischer Spannung, ein Drama, das sich zu einem Höhepunkt steigerte. Hilfreich wäre ein Gefährte Laurences gewesen, dem er sich anvertrauen konnte, doch Temeraire, sein Seelengefährte, ist mit einer heftigen Erkältung beschäftigt. Und eine Frau gibt es an Bord keine einzige, zumindest offiziell, denn Feuerreiter-Fähnrich Roland ist zwar ein Mädchen, darf aber als solches keinesfalls offenbart werden, sonst sähe sie sich seitens der Teerjacken der Marine allen möglichen Repressalien ausgesetzt.

Da die besagten 280 Seiten also eine lange Durststrecke bilden, fiel es mir schwer, sie hinter mich zu bringen. Selbst die Schilderung eines so andersartigen Landes wie China wirkt in Noviks betulichem Stil so langweilig, dass ich wochenlang lieber zu aufregenderer Lektüre – Susan Cooper – griff. In einem letzten Anlauf schaffte ich dann die letzten 90 Seiten. In drei Tagen, was nicht gerade für aufregendes Geschehen im Buch spricht, das mich an den Lesesessel gefesselt hätte.

|Die Übersetzung|

Auf Seite 290 findet sich das Wort „beschmartet“, das wohl der Seemanssprache entnommen ist. Leider wird es nicht erklärt. Auf Seite 395 wird in der vorletzten Zeile „Dung“ mit „Dünger“ verwechselt. Man kann zwar den Zweck von Dünger mit Dung erreichen, ist aber nicht ausschließlich auf Dung angewiesen, sondern könnte genauso gut Kompost oder Torf verwenden. Deshalb finde ich die Gleichsetzung unzulässig.

Zum Buch gehört übrigens nicht nur eine Leseprobe und eine Tafel mit grafischen Darstellungen von vier Drachentypen, sondern auch eine wissenschaftliche Abhandlung über die weltweit vertretenen Drachentypen. Darin finden sich auch Informationen über den raren Drachentyp, die Temeraire vertritt: die Kaiser- und Himmelsdrachen.

_Unterm Strich_

Zwischen einem vielversprechenden Auftakt bis Seite 150 und einem akzeptabel actionreichen Finale ab Seite 430 ist eine fast 300 Seiten lange Strecke zu überwinden, die mit meist zusammenhanglosen Episoden gefüllt ist. Diese sind vor allem den Chinesen gewidmet, was nicht verwundert, denn schließlich gilt es, sich mit einer fremden Kultur vertraut zu machen, und welche Zeit wäre dafür besser geeignet als eine Seereise, die um die halbe Welt führt und fast ein Jahr dauert? Dabei führt die Autorin nicht nur mysteriöse Szenen wie die Anschläge auf Laurence ins Gefecht um die Unterhaltung, sondern auch humoristische Szenen, die häufig mit dem Essen der chinesischen Passagiere zu tun haben.

All das hat mich nicht vom Hocker gehauen, und so war ich froh, dass der Roman endlich zu Ende war. Solides Mittelmaß.

|Originaltitel: Throne of Jade, 2006
544 Seiten
Aus dem US-Englischen von Marianne Schmidt|
http://www.cbj-verlag.de/
http://www.temeraire.org/
http://www.temeraire.de/

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