Orbanes, Philipp E. – Cir Kis

Nachdem die [„Blokus“-Idee]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3105 langsam aber sicher ausgereizt scheint, suchte der Düsseldorfer |Winning Moves|-Verlag in den letzten Monaten nach einer Möglichkeit, das Erfolgskonzept zu modifizieren und mit einem neuen Spielprinzip neu zu beleben. Das Ergebnis dieser Arbeit hört auf den Namen „Cir Kis“ und ist im Grunde genommen eine wenig veränderte Abart des „Blokus“-Systems. Allerdings kommt der strategische Anteil – dies lässt sich nach einigen umfassenden Testrunden ganz klar sagen – noch besser zum Zuge!

_Spielidee:_

In „Cir Kis“ geht es oberflächlich darum, seine 20 Spielsteine möglichst gewinnbringend in die Stern- und Kreisflächen des Spielbretts zu platzieren und gleichzeitig zu verhindern, dass den Mit- bzw. Gegenspielern Ähnliches gelingt. Jeder vervollständigte Kreis und jeder abgeschlossene Stern bringen Punkte, und zwar für denjenigen, der den letzten Stein anlegt (5 Punkte), und für denjenigen, der die meisten Spielsteine anteilig am abgeschlossenen Objekt besitzt (10 Punkte).

Wem es gelingt, als Erster 40 Punkte zu erzielen, der hat das Spiel gewonnen. Alternativ entscheidet sich das Spiel, wenn kein Spieler mehr Steine anlegen kann. Dann gewinnt derjenige mit den meisten Punkten, bei Gleichstand derjenige Spieler, der die wenigsten Steine hat einsetzen müssen.

_Spielmaterial:_

• 1 Spielbrett
• Jeweils 1 Spielregel in Englisch, Deutsch und Französisch
• Jeweils 3 große Segmente in 4 Farben
• Jeweils 3 kleine Segmente in 4 Farben
• Jeweils 2 Keile in 4 Farben
• Jeweils 3 Triangeln in 4 Farben
• Jeweils 3 Drachen in 4 Farben
• Jeweils 2 Pfeile in 4 Farben
• Jeweils 2 Haken in 4 Farben
• Jeweils 1 Würfel in 4 Farben
• Jeweils 1 Splitter in 4 Farben
• Jeweils 1 Zählstein in 4 Farben

Das Spielmaterial kann die deutlichen Parallelen zum verlagseigenen Branchenführer im Legespielbereich nicht leugnen. Sowohl die Farbgebung als auch die Plastikart, aus der die unterschiedlich geformten Spielsteine geformt sind, sind dem Material des „Blokus“-Spiels nachempfunden, was aber auch legitim ist. Immerhin gehört das inzwischen sogar schon preisgekrönte “Cir Kis“ zur unmittelbaren Verwandtschaft und rechtfertigt somit jeden Vergleich – aber auch jegliche Erwartungshaltung. Doch zurück zum Material: Dieses ist zwar relativ bunt und quietschig gestaltet, aber in der Handhabung richtig gut, weil zweckdienlich konzipiert. Mehr braucht es an dieser Stelle auch nicht!

_Vorbereitung:_

Die Spielvorbereitungen sind schnell getätigt. Jeder Spieler erhält die 20 Spielsteine seiner gewählten Spielfarbe sowie den Zählstein, den er in seinen Spielabschnitt auf die Zählleiste setzt. Bei den Spielsteinen empfiehlt es sich, sie nach Formen zu sortieren und sich so einen besseren Überblick zu verschaffen. Die Alternative, das Fach, das in jeder Ecke des Spielbretts zur Verfügung steht, zu nutzen, erweist sich als wenig brauchbar, da man somit schnell übersieht, welche Steine man noch hat bzw. nicht mehr hat. Sobald jeder seine Spielsteine nach seinem individuellen System sortiert hat, beginnt das Spiel.

_Spielverlauf:_

Beginnend mit dem Startspieler legt nun reihum jeder Spieler einen seiner Steine auf dem Spielfeld ab. Dabei gilt es, die Regel einzuhalten, dass der gelegte Stein immer denjenigen Stein berühren muss, der zuvor abgelegt wurde. Das bedeutet, dass man sich immer erst am Zug seines Mitspielers orientieren muss, bevor man selber zur Tat schreitet – und damit ist die Vorausplanung schon einmal deutlich eingeschränkt.

Ziel des Spiels ist es nun, die Kreise und Sterne auf dem Spielfeld komplett zu belegen, denn nur hierbei kann man die rar gestreuten Punkte verdienen. Jedes abgeschlossene Gebilde, egal ob Stern oder Kreis, bringt zehn Punkte für denjenigen, der die meisten Anteile der jeweils fünf Felder einnimmt. Sollte es hier einen Gleichstand geben, werden keine Punkte verteilt. Strategisch wertvoll ist die zweite Option, Punkte einzustreichen, nämlich indem man den letzten Anteil eines Kreises oder eines Sterns anlegt. Wer den Kreis sozusagen schließt, bekommt fünf Punkte. Sollte er jedoch derjenige sein, der hier die meisten Anteile besitzt, werden diese Punkte nicht verteilt – und auch das ist strategisch bedeutsam, denn auch wenn die Endpunktzahl gleich bleibt, kann man dafür sorgen, dass alle anderen Spieler leer ausgehen, wenn ein Objekt geschlossen wird. Und nur auf diesem Wege kann man sich abgrenzen und einen Vorsprung herausschlagen!

Für die taktische Planung noch wichtig: Sobald es nicht mehr möglich ist, einen Stein an den zuvor gelegten anzulegen, darf man ein weiteres Mal legen und sich somit einen Vorteil verschaffen. Außerdem gibt es einen zusätzlichen Zug für denjenigen, der die Scherbe legt, einen Stein, den man nur einmal im Repertoire hat, der nur am Rand abgelegt werden kann, und mit dessen Hilfe man sich über den Doppelzug wieder aus einem Engpass befreien kann. Den letzten möglichen Doppelzug gibt es für denjenigen Spieler, der den Stern in der Mitte des Spielfelds vervollständigt. Aber da sich das Spiel meistens aus der Mitte herausbewegt, da einfach die Gefahr zu groß ist, dass ein Spieler den 15 Punkte starken Mittelkreis schließt.

Sobald nun ein Spieler alle Steine gelegt bzw. die 40-Punkte-Marke geknackt hat, ist das Spiel sofort zu Ende. Auch wenn es nicht mehr möglich ist, dass ein Spieler weiter anlegt, weil die Formen seiner Steine nicht mehr in die Lücken passen, wird das Spiel beendet. Gewonnen hat immer derjenige, der die meisten Punkte abkassiert hat.

_Persönlicher Eindruck:_

Ähnlich wie auch bei „Blokus“ bedarf es mehrerer Partien, bis man die eigentliche Krux des Spiels verinnerlicht und begriffen hat, worauf es tatsächlich ankommt. Zunächst einmal muss man sich einen Überblick darüber verschaffen, in welcher Reihenfolge man seine Steine am besten einsetzt, wie viel Risiko man spielt und wann man zum Beispiel auch mal auf ein paar Punkte verzichtet, wenn man einem Mitspieler dabei einen Zug zerstören kann. Wie sich nämlich schnell herausstellt, ist die primäre Vorgehensweise von „Cir Kis“ sehr defensiv ausgerichtet, da man in jedem vorschnellen Offensivdrang damit rechnen muss, bitterböse ausgekontert zu werden und schlussendlich auch in viel versprechenden Situationen leer auszugehen. Dieser Umstand ist allerdings auch nur bedingt befriedigend, da die Prioritäten ein wenig unausgewogen verteilt sind. Es gibt nur wenige Möglichkeiten im Spielverlauf, aktiv zuzuschlagen und einmal über mehrere Züge zu planen. Alles baut sich sehr spontan auf, so dass es immer wieder zu Überraschungen kommt, auf die man nur relativ wenig Einfluss nehmen kann. Das bedeutet andererseits, dass man vermehrt auch auf das Glück angewiesen ist, wie die anderen einem zuspielen – und genau dieser Aspekt sollte gewiefte Strategen nicht zur Gänze begeistern.

Dennoch: „Cir Kis“ besitzt eine Menge Potenzial im strategischen Bereich, da es Geduld fordert und jedem überhitzten Charakter ganz schnell seine Grenzen aufzeigt. Jeder Schnellschuss wird bestraft, jede Unüberlegtheit entlädt sich in einem eiskalten Konter. Was vielleicht noch etwas mehr Überlegung erfordert hätte, ist die Punkteverteilung, die mit anderem Gewicht etwas günstiger hätte ausfallen können – zumindest ist dies ein Eindruck, der unsere Testrunde nach jeder Partie beschäftigte. Doch davon abgesehen kann man klar sagen: Wer „Blokus“ liebt(e), der wird auch an „Cir Kis“ Gefallen finden – gerade dann, wenn man das Spiel ausreizt und zu viert spielt!

http://www.cirkis.de
http://www.winningmoves.de

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