Parker, Robert B. – Gunman\’s Rhapsody

_Tombstone: eine Innenansicht der Legende Wyatt Earp_

Dieser Western über historisch verbürgte Ereignisse in den 1880er Jahren in Tombstone, Arizona, schildert den entscheidenden Abschnitt im Leben der legendären Hauptfigur Wyatt Earp. Die Krise gipfelt unter anderem in der berühmten und vielfach verfilmten Schießerei am O.K. Corral. Doch nur durch einen erzählerischen Kniff verstehen wir auch, wie es dazu kommen konnte. Schuld war (wie schon in Troja) der Streit um eine Frau …

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Wyatt Earp hat die Schnauze voll vom Büffelabknallen. Er mag das Schießen und er mag das Leben in den Camps der Büffeljäger von Kansas, aber der Gestank des in der Sonne verrottenden Fleisches der Kadaver vertreibt selbst die Huren. Also verkauft er sein Büffelgewehr und zieht weiter nach Dodge City. Als Sheriff vertreibt er so manchen Revolverhelden und erblickt Josie Marcus, eine Tänzerin in einer Vaudeville-Show. Leider ist sie am gleichen Abend weitergezogen.

|Tombstone, Arizona|

Doch 1879 hat auch Dodge seinen Reiz verloren, und so zieht er mit seiner Freundin Mattie, einer Exhure und seinen Brüdern Virgil, Morgan und James nach Tombstone, Arizona. Die Silberminen bringen jede Menge Geld in den Ort, und Virgil kann hier als Deputy Marshall arbeiten. Während der kriegsversehrte James als Barmann arbeitet, geht der streitsüchtige Morgan seinen Brüdern Wyatt und Virgil zur Hand. Ihr Bruder Warren ist noch woanders zugange.

Eines Tages kommt es im Saloon zu einem Zwischenfall mit Folgen. Die drei Earps sitzen gerade friedlich an ihrem Kartentisch, als ein Gunman namens John Tyler Streit mit Doc (John Henry) Holliday anfängt. Doc Holliday ist sofort mit einer Kanone bei der Hand und will Tyler zwingen sich zu entschuldigen. Die Earp-Brüder sorgen für eine Beilegung des Streits, doch Tyler schwört Vergeltung.

|John Tyler|

Im Juli bietet der Besitzer des Oriental-Saloons, Frank Joyce, Wyatt um seine Dienste. Dafür bietet er ihm einen Viertelanteil an seinem Haus. Ein nettes Angebot, aber es gibt einen Haken: Wyatt soll John Tyler, dessen Hintermänner den Saloon feindlich übernehmen wollen, ausschalten. Aber wie? Das dürfte sich schon irgendwie ergeben. Da die Earp-Brüder in allen Dingen zusammenhalten wie Pech und Schwefel, macht sich Wyatt wenig Sorgen über den Ausgang der Sache.

Als John Tyler in der flirrenden Augusthitze materialisiert, begibt er sich in de Oriental Saloon, um Ärger zu machen. Wyatt schaut aus der Ecke, wie es beginnt: ruhig wie immer, aber er läst seine Brüder holen. Als Tyler Anstalten macht, einen Minenarbeiter nur zum Spaß abzuknallen, machen Wyatt und Virgil ihn fertig und werfen ihn raus, nach einer ernsthaften Warnung. Tyler taucht nie wieder auf.

|Behan und Josie|

Im Laufe der Zeit erwerben sich die Earp-Brüder den Ruf, für Ordnung in der Stadt zu sorgen. Als der bisherige Marshall Fred White von einem Cowboy erschossen wird und der Landkreis aufgeteilt wird, bekommt Johnny Behan den Posten des Sheriffs von Cochise County. Tombstone wird Kreisstadt. Doch Johnny ist ein Demokrat, wohingegen die Earps alle Republikaner sind. Wyatt bleibt also auf Abstand und neutral, wenn Behan ihn um Beistand bittet.

Das Wichtigste an Behan aber ist dessen Verlobte: Josie Marcus. Die ehemalige Hure und Tänzerin ist nun eine ehrbare Gattin und noch dazu Erbin eines reichen Vaters in San Francisco, eine gute Partie. Und Wyatt hat sich schon in Dodge City für sie interessiert. Jetzt beeindruckt er sie mit seiner ruhigen, potenziell gefährlichen Art. Sie sucht das Abenteuer, und Behan ist alles andere als Abenteuer. Es dauert eine Weile, bis sich Wyatt, der ja noch bei Mattie wohnt, und Josie, die noch bei Behan lebt, zusammentun können.

|Die Clantons & Co.: Der Anfang vom Ende|

Johnny Behan, der Sheriff und stets der Politiker, vertraut sich Wyatt an. Er hat die feste Absicht, die gutverdienenden Rancher, die mit Mexiko glänzende Geschäfte halbseidener Art machen, zur Steuerkasse zu bitten. Wyatt erklärt ihm ruhig wie immer, von wem Ärger droht: Da sind die McLaurys, mit denen man wenigstens vernünftig reden kann, und da sind die Clantons, die wesentlich härter drauf sind. Man müsste denen schon etwas anbieten, bevor man ihnen Steuern aufbrummt. Behan sagt, er wolle mit den Leuten reden. Wyatt schaut ihm skeptisch nach.

Zunächst gibt es einen folgenreichen Zwischenfall: Die Postkutsche wird überfallen. Auf der Suche nach den Schuldigen jagen Sheriff Behan, die Earp-Brüder, Doc Holliday und andere den Tätern hinterher, bis sie zur Ranch der Redfields gelangen. Durch einen Trick gelingt es ihnen, einen Komplizen der Räuber zum Reden zu bringen: Sie erfahren die Namen der Täter. Die drei sind aber wahrscheinlich bereits in New Mexico. Hoffnungslos. Während Behan noch ein Woche nach ihnen sucht, nutzt Wyatt die günstige Gelegenheit und geht mit Josie endlich ins Bett – ein Wendepunkt in seinem Leben. Er will sie auf keinen Fall mehr verlassen. Und als Behan zurückkehrt, weist ihm Josie die Tür. Das gibt Ärger, wissen alle.

Behan streut böse Gerüchte über die Earps und Doc Holliday: Sie hätten die Kutsche überfallen. Um dem ein Ende zu setzen, will Wyatt die Räuber schnappen. Dazu muss er sie erstmal finden. Da die Räuber Freunde von Ike Clanton sind, schließt er einen Deal mit Ike: Die Räuber kriegt er und Ike die Belohnung, die Wells Fargo ausgesetzt hat. Obwohl Ike kein gutes Gefühl dabei hat, aber Wyatt nicht durchschaut, lässt er sich wegen des Geldes darauf ein. Doch als er Ärger im Saloon macht und einen anderen Cowboy herausfordert, macht der neue Marshal, Virgil Earp, ihn vor aller Augen fertig. Das wird Ike nie vergessen.

Im Verlauf des heißen Wüstensommers hören die Earps ständig, dass Johnny Behan sich mit den Cowboys, den Clantons und McLaurys verbündet habe. Ganz besonders, nachdem Behan vergeblich versuchte, Doc Holliday wegen des Postkutschenüberfalls zu verhaften. Inzwischen hassen Behan und die Cowboys die Earps, die Gesetzeshüter. Josie hat Wyatt schon immer gesagt, dass Behan sich ihm nicht direkt gegenüberstellen werde, sondern hinten rum agitiert – eben ein Politiker.

Eine Auseinandersetzung erscheint zunehmend unvermeidbarer …

_Mein Eindruck_

Für einen Western im Groschenromanformat ist dies ein recht ungewöhnlich erzählter Western. Louis L’Amour ist der unangefochtene Topverdiener in diesem Markt und hat Maßstäbe gesetzt. Seine männlichen Hauptfiguren sind harte Kerle, die ein ebenso hartes Schicksal zu ertragen haben, um in einem harten Land zu überleben, das erobert sein will. Die Romane sind entsprechend schmal, die Charakterisierung meist dürftig, aber die Action grandios.

Aber auf Wyatt Earp trifft dies alles nicht zu. Und darum ist Parkers Western (dem noch vier weitere folgen sollten) ungewöhnlich. Denn die Geschichte von Wyatt Earp ist ebenso eine psychologische Studie wie eine Liebesgeschichte – und eine Chronik der Ära.

Der Autor geht nicht etwa her und erklärt alle vorhergehenden Porträts dieser historischen Figur für null und nichtig. Das wäre ja auch vermessen. Nein, vielmehr entwirft er die Figur des Wyatt Earp von Grund auf neu. Notwendigerweise muss er dazu auch sowohl die Bühne als auch sämtliche Nebenfiguren von Grund auf neu erfinden.

Die Handlung hingegen ist bereits größtenteils vorgegeben: Alle Taten sind niedergeschrieben worden und in den Chroniken jener Zeit (Zeitungen, Magazine usw.) nachzulesen. Doch wie sind alle diese Taten miteinander verknüpft und worin lag die Motivation der Figuren, um so und nicht anders zu handeln? An dieser Stelle kann sich die Kreativität des Künstlers entfalten, solange sie den Fakten nicht widerspricht. Von dieser Freiheit macht Parker so weit wie möglich Gebrauch.

Mehrere Faktoren führen zur ersten großen Konfrontation, der Schießerei am O.K. Corral. (Davor gab es nur Duelle und Scharmützel.) Die Schießerei ist deshalb so wichtig, weil sie ein großes Opfer fordert: Virgil Earp wird angeschossen, sodass er einen Arm verliert und nicht mehr als Marshal arbeiten kann. Wenig später wird Morgan Earp ermordet. Für Wyatt und seine zwei verbleidenden Brüder James und Warren Anlass genug, um die Mörder zu jagen.

Die zwei Hauptfaktoren sind folgende: Johnny Behan verliert seine Frau Josie an Wyatt Earp. Da er kein Mann des Duells und der Tat, sondern des Wortes ist, befleißigt er sich aller Mittel eines Politikers, um sich dafür zu rächen. Nicht nur an Wyatt, sondern auch an Morgan, der ihn einmal aus Josies Haus wirft. Das Mittel zum Zweck der Rache sind die Cowboys, Faktor Nummer 2.

Die Cowboys, allen voran die Clantons und die McLaurys, sind Diebe und Betrüger reinsten Wassers. Sie nutzen die Nähe der Grenze zu Mexiko systematisch für Viehdiebstahl und -betrug. Wenn ihnen also Sheriff Behan Vergünstigungen in Form von Haftverschonung verspricht, hören sie zu. Und wenn sie zuhören, erzählt er ihnen Lügengeschichten über die Earps, die die Silberstadt Tombstone beherrschen und die Coywboys schikanieren. Kein Wunder, dass es dann zum großen Knall kommt.

Es dauert lange, bis die Dinge endgültig aus dem Ruder laufen. Viel zu lange für so manchen eingefleischten Western-Leser, aber ich bin da nicht so festgelegt. Und wir erfahren nie, wann an welchem Tag oder in welchem Jahr etwas stattfindet. Das ist auch für die Geschichte selbst nicht so wichtig. Parker kann bei seinen amerikanischen Lesern die Details sowieso als bekannt voraussetzen.

Wichtig sind für den Autor die Figuren, allen voran Wyatt, der fast alle Szenen bestreitet, und Josie, die gestohlene Frau. Wyatt entspricht dem Standard des parkerschen Helden: In sich gekehrt, scharfsichtig, moralisch empfindlich, auf das Wohl seiner Brüder und der Wehrlosen bedacht, aber stets bereits, mit der Waffe in der Hand das „Richtige“ zu tun. Was ist das „Richtige“? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Er findet es nicht richtig, Sheriff Behan auf der Straße abzuknallen, aber es ist OK für ihn, den unbewaffneten Mörder seines Bruders Morgan über den Haufen zu schießen.

Josie stellt ihm immer wieder Fragen, die uns das Innenleben Wyatts enthüllen, wenn er sie freimütig beantwortet. Hier geht es nicht um die Rechtfertigung oder Verurteilung seiner Taten, sondern um unvoreingenommene Erklärung. Es ist fast wie Psychoanalyse (womit sich Parker bestens auskennt, siehe seine Krimis). Josie hat allerdings wenig Einfluss darauf, wozu sich Deputy Marshal Wyatt entschließt, wenn es ums Handeln geht. Aber sie weiß, dass sie besser seiner Bitte folgt, sich nach Frisco abzusetzen, wenn in Tombstone das Pflaster zu heiß wird.

Eine Überraschung bietet das letzte Drittel des Romans – immerhin rund 90 Seiten – NACH der Schießerei am O.K. Corral: Nachdem Morgan tot ist und Virgil schwer verwundet, macht sich Wyatt auf die jahrelange Jagd nach den Mördern. Es ist wie eine Ermittlung à la Spenser. Wyatt sucht Anhaltspunkte, sammelt Aussagen und begibt sich zu Schnittpunkte von Hinweislinien: Unweigerlich trifft er die Gesuchten an. Und das nicht nur einmal.

Sheriff Johnny Behan ist ihm mit seinen Cowboys auf den Fersen, um den Rachefeldzug zu stoppen, trifft aber auf unerwarteten, passiven Widerstand von Seiten der Freunde der Earps. Dies ist purer Western: die Landschaft (Wüste, Berge), die Männer (Rächer und Verfolger) und das sich entfaltende Drama. Das ist genug. Für einen Roman, aber auch für Legenden.

|Die Chroniken|

Eine weitere ungewöhnliche Zutat zu diesem Western sind die eingefügten Chroniken. Auf zwei bis vier Seiten findet der Leser Ausschnitte aus Zeitungen und Annalen, über Ereignisse wie Baseballspiele Theateraufführungen, aber auch Anzeigen aller Art, so etwa ein Waffenangebot und die Suche nach einer entlaufenen früheren Sklavin. Eine einzige Notiz ist mit dem Jahr datiert: 1883.

Das Fehlen der Jahresangaben fand ich wenig hilfreich, denn es beeinträchtigt die Glaubwürdigkeit der jeweiligen Angabe. Wenn aber alle Angaben aus dem Jahr 1883 stammen, so ist das Weglassen der Jahresangabe akzeptabel. Davon kann man aber nicht automatisch ausgehen.

|Der Epilog|

Dies ist nicht mehr Teil der Erzählung. Vielmehr hat der Autor hier alle Sterbedaten und Todesursachen der wichtigsten Figuren aufgelistet. Es freut uns zu erfahren, dass Wyatt noch bis zum Jahr 1929, dem Großen Börsenkrach, lebte; er wurde 80 Jahre alt. Seine Josie starb erst 1944. Die letzte Zeugin der Ereignisse in Tombstone, Allie, die Frau von Virgil Earp, starb sogar erst am 17. November 1947, kurz vor ihrem 100. Geburtstag. Johnny Behan, Josies Gatte, starb 1912 in Tucson. Tombstone wird heute nur noch von Touristen besucht. Die Silberminen sind längst leergeräumt.

_Unterm Strich_

Einer der großen Vorteile dieses historischen Westerns à la Parker ist das Fehlen aller Legenden-Beweihräucherung. Wir bekommen den nackten Menschen Wyatt Earp vorgesetzt, nicht nur im Kampf wie gewöhnlich, sondern vielfach im Bett neben Josie, die ihn einer Art milder Psychoanalyse unterzieht, um ihren Geliebten besser kennenzulernen – zu unserem Vorteil.

Für denjenigen Leser, der die Schießerei am O.K. Corral haarklein erklärt bekommen will, ist dies das falsche Buch. Der Roman erfüllt seine Aufgabe darin, die Menschen zu erklären und nicht, die Zahnräder der „Historie“ sichtbar zu machen. Das Leben ist ein Fluss, mit Stromschnellen und Untiefen. Niemand der Akteure ist sich seiner Historizität bewusst, keiner handelt wie eine historische Figur, sondern wie ein ganz normaler Mensch. Mit allen Fehlern, Schwächen und Vorlieben.

Dieses Buch ist also kein Ersatz für „Spiel mir das Lied vom Tod“ in der Moll-Tonart. Doch es ist viele Dinge: eine Chronik der Ära, die Geschichte der Familie Earp (sie stammt aus Iowa oder Illinois), eine Sittengeschichte (Prostitution usw.); eine zarte und herzerwärmende, stellenweise auch humorvolle Liebesgeschichte, und natürlich auch eine ganze Reihe von Actionszenen, von kleinen Duellen bis hin zu großen Schießereien. Da aber keinerlei Militär auftaucht (und auch keine Indianer), bleibt jede Auseinandersetzung in überschaubaren Dimensionen – keine Schlachtengemälde. Und es ist eine psychologische Geschichte der Politik: Johnny Behan mag ja „nur“ ein Sheriff sein, aber könnte es durchaus zum Gouverneur bringen. Aber das ist eine andere geschichte.

Das Buch zu lesen, bedeutet, einen Blick durch ein Fenster in eine völlig andersartige Zeit zu werfen. Wir können den Figuren in die Seele schauen, aber wir sind uns immer dessen bewusst, dass es ein Fenster gibt und dass jemand dieses Fenster gebaut und geöffnet hat. Der Autor belügt uns nicht: Es ist sein Fenster und seine Perspektive und es sind seine Figuren. Es ist an uns, dies stets zu bedenken.

|Taschenbuch: 316 Seiten
ISBN-13: 978-0425182895|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

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