Patterson, James – Blood (Alex Cross, Band 12)

_Harter Killerthriller_

Trotz aller überragenden Erfolge lässt den Spitzen-Profiler Alex Cross eines niemals los: Der Heckenschütze, der 1993 seine Frau Maria tötete, wurde niemals gefasst. Jetzt, 2005, treibt ein Serienvergewaltiger sein Unwesen in Washington, D.C., und seine Spur führt Alex direkt zu Marias Tod. Unerbittlich und vor Wut fast wahnsinnig, setzt sich Cross mit seinem Freund John Sampson auf die Fährte des Täters. Noch nie war es Cross so wichtig, Erfolg zu haben – und wenn er dafür durch die Hölle muss. Denn diesmal zielt der Mörder mitten in sein Herz … (abgewandelte Verlagsinfo)

_Der Autor_

James Patterson, ehemaliger Besitzer einer Werbeagentur, ist der Autor zahlreicher Nummer-1-Bestseller. Allerdings sind es vor allem seine Alex-Cross-Thriller, die den Leser berühren. Folglich war Alex Cross bereits zweimal im Film zu sehen: „Im Netz der Spinne“ und „… denn zum Küssen sind sie da“ wurden beide erfolgreich mit Morgan Freeman in der Hauptrolle verfilmt. Für Einsteiger sei gesagt, dass Alex Cross ein sympathischer schwarzer Polizeipsychologe ist, der mit seiner Familie in Washington, D.C., lebt.

Patterson ist extrem fleißig. Sein letzter Solo-Roman vor „Blood“ in Deutschland hieß „Ave Maria“, ein Alex-Cross-Roman. Davor erschienen neue Alex-Cross-Romane mit den Titeln „The Big Bad Wolf“ und „London Bridges“. Im Original ist bereits „Double Cross“ erschienen. Seit 2005 sind weitere Patterson-Kooperationen veröffentlicht worden, darunter „Lifeguard“ sowie „Judge and Jury“; im Juli 2007 erschien die Zusammenarbeit „The Quickie“. Im Frühjahr 2003 (deutsch Mitte 2005) erschien auch eine Kollaboration mit dem Titel „Die Rache des Kreuzfahrers“ (The Jester), deren Story im Mittelalter spielt.

Nähere Infos finden sich unter http://www.twbookmark.com und http://www.jamespatterson.com. Patterson lebt mit seiner Familie in Florida und Westchester, New York.

James Patterson auf |Buchwurm.info|:

[„Das Pandora-Projekt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3905 (Maximum Ride 1)
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_Handlung_

Herbst 1993. Der Psychologe Alex Cross arbeitet bei der Polizei von Washington, D.C., als Profiler. Er ist glücklich mit Maria verheiratet. Nachdem sie die Kinder Damon und Jannie bekommen haben, verkündet sie mit einem liebevollen Blick, dass sie wieder schwanger sei. Es ist der letzte Tag ihres Lebens.

Michael Sullivan ist ein Auftragskiller des New Yorker Mafiabosses John Maggione senior. Heute treibt er sich mit seinem Kumpan Jimmy Hats in der Hauptstadt herum, um sich die Zeit zwischen zwei Aufträgen zu vertreiben. Wegen seiner speziellen Methode, seine Opfer zu verstümmeln, nennt man ihn auch den „Schlachter von Sligo“, obwohl dies eigentlich der Spitzname seines Vaters war. Als Michael in Brooklyn aufwuchs, hat sein Vater, ein richtiger Schlachter, ihn jahrelang sexuell missbraucht – bis sein Sohn ihn schließlich umbrachte und auf dem Meer entsorgte.

Sullivan verführt eine hübsche Studentin namens Marianne und bugsiert sie in die Herrentoilette der Studentenkneipe – für ein Schäferstündchen, wie sie meint. Doch dann spürt sie Sullivans Skalpell an ihrer Kehle. Während Jimmy Hats seinem Kumpel den Rücken freihält, kommt Sullivan zur Sache. Hinterher zeigt er Marianne Fotos seiner verstümmelten Opfer und verdonnert sie zum Schweigen. Die völlig verängstigte Frau sichert ihm Verschwiegenheit zu. Sullivan empfiehlt sich mit einer neckischen Verbeugung, genau wie es sein Vater immer bei der Kundschaft im Metzgerladen getan hat, und geht.

Wenige Tage später wird Maria Cross mit dem Fall Marianne betraut. Sie soll sie psychologisch betreuen. Weil sie aus der Zeitung weiß, dass ein Serienvergewaltiger Washington unsicher macht, lässt sie sich stets von Alex zur Arbeit am College fahren und von dort abholen. An diesem Abend hat Alex schon einige schreckliche Arbeit hinter und kommt eine halbe Stunde zu spät. Ein chinesischer Feind der New Yorker Mafia wurde auf offener Straße und vor den Augen von Alex Cross und John Sampson erschossen. Alex sieht noch, wie sich ein Mann auf einem Hausdach spöttisch verneigt – und sich dann wie in Luft auflöst.

Maria kommt erst aus dem Haus, als sie ihn entdeckt. Sie fallen einander in die Arme, als Alex zwei Einschläge in ihrem Körper spürt, dann erst hört er die Schüsse. Maria bricht zusammen, und er versucht, sie ins nahe St. Anthony’s Hospital zu tragen. Doch der Weg zu Fuß ist weit. Zu weit, wie sich herausstellt …

|Gegenwart|

Der Anfang des neuen Jahrtausends bringt Michael Sullivan nichts Gutes. Er hat Jimmy Hats durch einen Anschlag verloren und John Maggiones Sohn hat ihm die Freundschaft aufgekündigt – natürlich ohne etwas davon zu sagen. Dass etwas nicht stimmt, merkt Sullivan erst in Venedig. Die zwei Opfer drehen sich plötzlich um und zielen mit Pistolen auf ihn. Er ist zum Glück reaktionsschneller und feuert schneller als sie. Aber dass dies eine Falle seines Auftraggebers war, dürfte selbst einem Kleinkind klar sein und erst recht einem Auftragskiller.

Über Jahre hinweg eskaliert der Kleinkrieg, den er gegen Maggione führt, bis er es schafft, endlich auch an den Boss heranzukommen. Doch zuvor hat Maggione bereits Sullivans drei Söhne und seine Frau in Gefahr gebracht, etwas, was Sullivan keinesfalls hinnehmen kann. Sullivan leistet sich Fehler – er prüft sich und das Verhalten seiner Gegner stets auf Fehler – und fällt auf. Ausgerechnet in Washington, D.C.

Alex Cross hat nach Marias Tod sein Leben ändern müssen. Seine Großmutter kümmert sich zwar um die Kinder, doch die Gefahr, ihren Daddy verlieren zu können, hat ihn veranlasst, den Job beim FBI, den er angenommen hatte, aufzugeben. Inzwischen hat er eine psychotherapeutische Praxis und eine Menge Kunden, auch misshandelte Frauen. Deshalb fällt ihm auch die erneut aufgeflammte Vergewaltigungsserie auf, welche die Hauptstadt heimsucht. Sein Kumpel John Sampson macht ihn auf eine bemerkenswerte Parallele aufmerksam: Genau so eine Serie trat auch 1993 auf, als eine Reihe von Morden die Polizei beschäftigte – genau wie jetzt.

Und als der Verdacht für die Morde auf Michael Sullivan fällt, lässt sich Cross diesmal auch über die Vergewaltigungsserie aufklären. Wie schon damals will kaum eines der Opfer etwas sagen, aus Angst, dass der Täter sie dafür umbringt. Doch eine der Frauen kennt solche Skrupel nicht und liefert eine so gute Beschreibung, dass bald ein Phantombild auf der ersten Seite der Zeitung prangt. Die Beschreibung könnte auf Michael Sullivan passen. Eine Ahnung reicht allerdings noch nicht für einen handfesten Verdacht, geschweige denn für einen Beweis.

Doch als immer mehr Puzzleteilchen an ihren Platz fallen, steigt Cross‘ Adrenalinspiegel spürbar. Könnte es sein, dass Sullivan auch für den Mord an Maria verantwortlich ist? So oder so, er will den Dreckskerl schnappen und zur Rede stellen – ganz inoffiziell, als Privatmann. Und mit dem Polizisten Sampson an seiner Seite.

Aber auch die Mafiakiller sind hinter Sullivan her und drohen Alex zuvorzukommen. Ein Wettlauf um Leben und Tod beginnt.

_Mein Eindruck_

Wie schon in den vorhergehenden Cross-Romanen – dies ist Nummer zwölf -, ist die Handlung im Grunde relativ einfach gehalten. Auf der einen Seite verfolgen wir die Schandtaten und den Rachefeldzug des Serienkillers Michael Sullivan, auf der anderen Seite werden wir Zeuge, wie Alex Cross sein Leben wieder in den Griff zu bekommen versucht, ihn die Vergangenheit aber nicht ruhen lässt und er die Spur wieder aufnehmen muss. Das sorgt für die erforderliche Spannung, die ein Patterson-Krimi einfach haben muss.

Am interessantesten fand ich die jeweils menschliche Seite der beiden Kontrahenten. Michael Sullivans trauriger Werdegang zu einem Mafiakiller wird in kleinen Häppchen dargeboten, von der tristen Kindheit in Brooklyn über den ersten Missbrauch bis zum Mord am Vater und den ersten Erfolgen als Killer. Dass er sich eine Familie zulegt mit einer nichts ahnenden Ehefrau, hat mich an einen von Pattersons schlimmsten Killern erinnert: an das Wiesel, einen Diplomaten, der reihenweise und wahllos Leute umlegt. Seine Familie ahnt natürlich nichts von seinem Doppelleben.

Ganz anders hingegen Alex Cross. Er ist ein derart liebenswerter Familienvater, dass er schon fast unwahrscheinlich wirkt: zu gut, um wahr zu sein. Allerdings sollte man sich vor Augen halten, dass ihm und seinen Kindern die Frau und Mutter genommen wurde und er nun zumindest die Mutter ersetzen muss. Seine Großmutter ist zwar eine fabelhafte Köchin und gute Familienmanagerin, doch sie kann weder Liebe geben noch intimen Rat in Notsituationen. Trost findet Alex in den Armen seiner Kinder – und Freude am Steuer seines neuen Mercedes R350. Alex ist ein echter Merc-Fan.

Als seine neue Freundin Kayla um ein Haar Opfer eines Gewaltverbrechens wird, zieht sie sich nach North Carolina zurück – und in die Provinz will er ihr nicht folgen. Für seine Praxis braucht er die Stadt. Und wer weiß: Vielleicht würde Alex die Verbrecher, die ihn auf dem Korn haben, mitziehen, wenn er umzöge? Das will er Kayla nun ganz gewiss nicht antun.

Okay, nun haben wir die Spieler A und B. Als nächstes ist es Aufgabe des Autors, die beiden zusammenzubringen. Sullivan weiß wohl seit 1993 von der Existenz Alex Cross, denn Alex war beim Erledigen des chinesischen Gangsterkönigs dabei. Jahre später entdeckt Sullivan Cross wieder bei einem Einsatz, und er „besucht“ ihn in Alex‘ Haus – und lässt es bei einem kleinen Gruß bewenden.

Doch wie Alex darauf kommt, dass Sullivan nicht nur ein Mafiakiller, sondern auch ein gesuchter Serienvergewaltiger plus Marias potenzieller Mörder ist, steht auf einem anderen Blatt. Patterson gestaltet diese Ermittlung nicht einfach. Wäre ja noch schöner, wenn dem Cop die Erkenntnisse in den Schoß fielen. Der Leser muss ebenfalls mitdenken und zwei und zwei zusammenzählen, um Szenen, die Patterson gestrichen hat, zu ergänzen. Erst dann wird ihm klar, wie Alex auf sprunghafte Weise Fortschritte in seiner Ermittlung machen kann. Hier heißt es, aufmerksam mitzulesen.

|Die Übersetzung|

Leo Strohm hat Edda Petri als Übersetzer abgelöst, und das tut dem Stil des Textes sehr gut. Strohm pflegt einen „männlichen“ Stil, was sich darin äußert, dass eine Menge Schimpfwörter und schmutziger Ausdrücke ruppigsten Stils gebraucht werden. Aber wie ich aus Erfahrung mit anderen zeitgenössischen Autoren, wie etwa Michael Connelly, weiß, ist dies die normale Umgangssprache in amerikanischen Thrillern. Wahrscheinlich ist der Umgangston unter Städtern – nicht auf dem Lande – ebenso ruppig.

Da diese Sprache vor allem männliche Verbrecher charakterisiert, wirken diese merklich authentischer in ihrem Auftreten. Dieser Realismus kann aber in gewalttätigen Situationen wie etwa einer Vergewaltigung sehr verunsichernd auf einen weiblichen Leser wirken, stelle ich mir vor. Und Verunsicherung kann schnell zu Beklemmung und Angst führen. Leserinnen sind also vor dem neuen Patterson-Stil gewarnt. Hier wird nicht mehr beschönigt. Nur das F-Wort wird weiterhin unterdrückt beziehungsweise mit dem geläufigen deutschen Sch-Wort übersetzt.

Ich bin hier und da auf Druckfehler gestoßen, wie es sie in jedem Taschenbuch gibt, doch auf keine Stil- oder Sinnfehler. Und das ist schon mal ein sehr positives Ergebnis.

Warum der Verlag mit „Blood“ einen englischen Begriff zum Buchtitel wählte, ist mir jedoch schleierhaft. Aber er ist immer noch besser als diese pseudoreligiösen Buchtitel der letzten Jahre, die dann in dem unsäglichen „Ave Maria“ gipfelten.

_Unterm Strich_

Wenn man keine Ansprüche wie an einen neuen Michael Connelly oder Karin Slaughter stellt, so bekommt man mit dem neuesten Patterson-Thriller um Alex Cross solide Krimikost geboten. Nummer zwölf ist härter in seiner Gewaltdarstellung, aber ebenso liebevoll in der Darstellung von Cross‘ Familien- und Liebesleben. Dass es sich um einen echten Cross-Thriller handelt, suggerieren uns verschiedene Verweise auf frühere Fälle des Polizeipsychologen, so etwa auf „Rosenrot, Mausetot“ und „Wenn die Mäuse Katzen jagen“.

Pattersons Markenzeichen sind die ultrakurzen Kapitel. Er hat die rund 370 Seiten auf exakt 122 Kapitel in drei Buchteilen verteilt. Da kann man sich vorstellen, wie kurz diese Abschnitte sein müssen. Aber der Trick funktioniert: Nur noch ein kleines, kurzes Kapitelchen vorm Einschlafen, sagt sich der Leser – und liest dann doch noch 40 Seiten weiter. Kein Wunder, dass auch ich das Buch – mit längeren Unterbrechungen – in drei Tagen weggelesen habe. Genau so stelle ich mir einen Pattersonkrimi vor. Und die Kooperationen des Meisters mit diversen Emporkömmlingen im Metier versuche ich gleich wieder zu vergessen.

Fazit: Solides Mittelmaß und eine Krimiempfehlung für Hartgesottene. Der netten Omi sollte man diesen Killerthriller nicht unbedingt in die Hand drücken.

|Originaltitel: Cross, 2005
379 Seiten
Aus dem US-Englischen von Leo Strohm|
http://www.blanvalet-verlag.de
http://www.jamespatterson.com

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