Pax, Rebekka – Septemberblut (Vampirjäger 1)

_|Vampirjäger|:_

Band 1: _“Septemberblut“_
Band 2: „Flammenmond“

_In „Septemberblut“ von Rebekka Pax_ geht es manchmal durchaus um Blut und der Roman spielt im September. Ansonsten ist der Titel ziemlich irrelevant und austauschbar, lässt er doch kaum erahnen, worum es eigentlich gehen soll. Nämlich darum: In L. A. macht ein Vampirjäger namens Frederik mittels eines magischen Messers Jagd auf Vampire. Diese wollen Frederik natürlich stoppen und das Messer an sich bringen. Doch bevor es dazu kommen kann, wählt Frederik den Freitod. Das Messer geht daraufhin an seine Schwester Amber, die ein beschauliches und völlig durchschnittliches Leben führt. Bis sie ihr Erbe antritt und es plötzlich mit allerlei Monstern zu tun bekommt.

Julius hingegen ist ein 200 Jahre alter Vampir, der für seinen Meister die Drecksarbeit erledigt und die Stadt von Vampiren säubert, die sich nicht an die Gesetze halten. Er soll für seinen Meister Curtis das Messer besorgen – und zwar bevor der böse Vampir Gordon es in die Finger bekommt. Curtis trägt Julius auf, Amber per Siegel zu seiner Dienerin zu machen und so quasi durch sie Gewalt über das Messer zu bekommen. Der Plan geht nur leider nach hinten los. Nicht nur lässt sich das Messer nicht so einfach austricksen. Auch verlieben sich Amber und Julius ganz ungeplant ineinander und müssen sich fortan den Anfeindungen der großen, bösen Welt gemeinsam stellen. Gordon will nämlich immer noch das Messer und schreckt auch nicht davor zurück, dafür Julius und / oder Amber in die ewigen Jagdgründe zu befördern.

Natürlich hadert Amber mit ihrem Schicksal. Doch hauptsächlich hadert sie mit der Tatsache, dass sie sich in einen Vampir verliebt hat. Schließlich siegen aber immer wieder die Hormone und ein Großteil des Romans ist daraufhin mit Szenen gefüllt, in denen sich Julius und Amber ihre ewige Liebe gestehen. Von da an sabotiert die Liebesgeschichte der beiden den Rest der Handlung. Denn während man zu Beginn der Lektüre den Eindruck gewinnen konnte, dass das magische Messer der zentrale Konflikt der Handlung sein würde, verliert es als Waffe und magischer Gegenstand im Verlauf der Handlung mehr und mehr an Gewicht. Dabei hat Autorin Rebekka Pax hier eine durchaus gute und originelle Idee gehabt (was man vom Rest ihres Plots nicht unbedingt sagen kann). Deswegen ist es schade, dass viele Fragen, die das Messer betreffen, offenbleiben. Wo hat Frederik es eigentlich her? Ist es tatsächlich biblischen Ursprungs? Wenn ja, dann hat das weitreichende und äußerst faszinierende Folgen für das Vampiruniversum, das Pax geschaffen hat. Das Messer bietet also mehr als genügend Erzählstoff für ein Buch. Doch wie gesagt: All das bleibt im Dunkeln und so muss sich der Leser stattdessen durch eine schier endlose Reihe simpel gestrickter Szenen kämpfen, in denen die Charaktere über ihre Gefühle reden.

Denn letztendlich hat Rebekka Pax dann doch eine Romantic-Fantasy geschrieben: Ihre Protagonisten verlieben sich urplötzlich und auf den ersten Blick ineinander, ohne das Geringste voneinander zu wissen. Allerdings zeigen sie auch im Verlauf der Handlung kaum Interesse, mehr voneinander zu erfahren und konzentrieren lieber auf ihre eigene Gefühlswelt. Das ermüdet sehr schnell. Vor allem, da Rebekka Pax’ Stil ans Schwülstige und Kitschige grenzt, z. B. wenn Julius über Amber sagt: „Sie war da, meine Retterin. Ihre Stimme zog mich wie aus einem Lichtpfad hinaus aus der Hölle meiner Träume.“ Amber rettet Julius hier nicht etwa aus Lebensgefahr. Nein, der arme Vampir hatte einen Alptraum. Das Verhältnis zwischen dem Erzählten und dem wie es erzählt wird passt hier – wie an vielen anderen Stellen – einfach nicht. Der Regler mit der Aufschrift „Drama“ ist bei Rebekka Pax immer ganz nach oben geschoben, ob die Handlung nun wirklich dramatisch ist oder nicht.

_Letztendlich kann sich „Septemberblut“_ nicht über den Durchschnitt erheben, denn es gibt wenig, das im Gedächtnis bleibt. Die Charaktere sind blass und uneindeutig gezeichnet. Obwohl sie seitenweise über ihre Gefühle reden, kennt man sie nicht wirklich. Das liegt wohl auch an der unentschlossenen Charakterzeichnung der Autorin, die sich nie so recht entscheiden kann: Ist ihr Protagonist Julius nun ein Vollstrecker, der kaltblütig andere Vampire um die Ecke bringt, oder ist er eine weinerliche Memme, die sich an Amber klammert, wenn es mal böse Träume gibt? Beides geht einfach nicht zusammen. Das Gleiche gilt für Julius’ Meister Curtis, der mal als Vaterfigur und mal als herzloser Tyrann auftritt. Sowohl bei Julius als auch bei Curtis hat man wiederholt den Eindruck, man hätte es mit gespaltenen Persönlichkeiten zu tun, da ihr Handeln und Fühlen inkonsistent ist.

Offensichtlich hat Pax ihre Vampire an die frühen Bände der „Chronik der Vampire“ von Anne Rice angelehnt. Daran ist nichts Verwerfliches. Auch Lestat und Louis haderten mit dem Leben und ihrem eigenen Schicksal, auch sie haben sich mal in Selbstmitleid gewälzt. Doch sie haben nicht immer nur drüber geredet: Bei Anne Rice hat die Geschichte die Charaktere getragen. Bei Rebekka Pax soll es wohl umgekehrt sein. Das funktioniert nur leider überhaupt nicht und man ist Julius’ Selbstmitleids ganz schnell überdrüssig.

Dass die Handlung sich der Liebesgeschichte unterordnen muss, wurde bereits erwähnt. Pax hat ohnehin nicht zu viel davon in „Septemberblut“ gepackt. Das Tempo ist gemächlich, auf Twists verzichtet sie ganz und ihr Bösewicht taucht immer nur auf, wenn er grad gebraucht wird. Die Handlung ist so geradlinig wie ein amerikanischer Highway, Überraschungen bleiben deshalb aus. Auch ihrem Setting nähert sie sich distanziert. Zwar erfährt man aus ihrem Autorensteckbrief, dass sie in L. A. gelebt hat, doch wird die Stadt auf den Seiten des Romans nicht lebendig. Lokalkolorit heißt bei ihr hauptsächlich, dass sie Straßennamen nennt und ein paar Ortsbeschreibungen einfügt, die auch aus einem Reiseführer stammen könnten.

_“Septemberblut“ hat damit kaum etwas_, das den Leser langfristig fesseln kann und so gestaltet sich die Lektüre recht langatmig. Es bleibt zu hoffen, dass es Rebekka Pax gelingt, im Folgeband „Flammenmond“ mehr Fahrt aufzunehmen.

|Taschenbuch: 512 Seiten
ISBN-13: 978-3548282480|
http://www.ullsteinbuchverlage.de

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