Perry-Rhodan-Team / Böhmert, Frank / Effenberger, S. A. / Sieper, Marc – Sternenbastard, Der (Perry Rhodan – Sternenozean 1)

_Serienauftakt: Luke Skywalker lässt schön grüßen_

Lübbe Audio vertont die Abenteuer eines jungen Kadetten namens Kantiran, die in der Unterserie „Sternenozean“ im Perry-Rhodan-Universum spielen. Bislang sind sechs Hörspiele veröffentlicht, doch will |Lübbe| offenbar vierzig Hörspiele produzieren.

_Die Reihe_

„Perry Rhodan“ ist die größte SF-Heftchen- und Roman-Reihe der Welt. Eine Vielzahl von Autoren schreibt seit Jahrzehnten für die Reihe, und koordiniert wird dieser Aufwand vom |Pabel|-Verlag in Rastatt. Auch Andreas Eschbach fühlte sich geehrt, einen oder zwei Bände beitragen zu dürfen.

Es gab vor der aktuellen |Lübbe-Audio|-Reihe schon Vertonungen der PR-Silberbände, doch nicht in der stilvollen Inszenierung des |STIL|-Tonstudios. Die Romanvorlage für das vorliegende Abenteuerhörspiel stammt von Robert Feldhoff.

Die ersten sechs Hörspiele:

1) [Der Sternenbastard]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3030
2) [Die Mascantin]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3031
3) [Der Hyperschock]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3035
4) Planet der Mythen
5) Havarie auf Hayok
6) Das Blut der Veronis

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Erzähler: Joachim Höppner (dt. Stimme von Sir Ian McKellen/“Gandalf“, 09.06.1946 – 18.11.2006)
Kantiran: Christian Stark
Thereme: Cathleen Gawlich
Ascari da Vivo: Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Tonto, die „Uhr“: Norbert Langer (dt. Stimme von Burt Reynolds, Clark Gable, Tom Selleck)
Keiphos: Christian Rode (dt. Stimme von Christopher Plummer & Michael Caine)
Valizon: Norman Matt (dt. Stimme von Jonathan Rhys-Meyers)
Tam: David Turba
Weigel: Jürgen Wolters
Arachya: Alexandra Lange
Da Ariga: Andreas Bisowski
Shallowain: Manfred Lehmann (dt. Stimme von Bruce Willis, Kurt Russell, Gérard Depardieu)
Perry Rhodan: Volker Lechtenbrink (Schauspieler, Sänger, Synchronsprecher)
Mal Detair: Jürgen Kluckert (dt. Stimme von Morgan Freeman)
Und weitere.

Volker Lechtenbrink wurde 1944 in Cranz/Ostpreußen geboren. Bereits als Achtjähriger sprach er im Kinderfunk und stand zwei Jahre später auch schon auf der Bühne. 1959 wurde er durch den Antikriegsfilm „Die Brücke“ (Regie: Bernhard Wicki) bundesweit bekannt. Er besuchte die Schauspielschule in Hamburg und ist heute in zahlreichen TV-Serien zu sehen. Darüber hinaus ist er am Theater tätig, geht auf Tourneen oder wirkt als Intendant. (Verlagsinfo)

Die Hörspieladaption stammt von Frank Böhmert und S. A. Effenberger. Regie, Musik, Ton und Programmierung lagen in den Händen von Christian Hagitte und Simon Bertling vom Ton-Studio STIL. „Die Musik wurde exklusiv für die Perry-Rhodan-Hörspiele komponiert und vom Berliner Filmorchester unter der Leitung von Christian Hagitte live eingespielt. Die elektronischen Klänge und Effekte wurden speziell für die Hörspiele vom |STIL|-Team durch den Einsatz von Computertechnik generiert“, heißt es im Booklet. Executive Producer der Reihe ist Marc Sieper.

Am Schluss erklingt der vierminütige Song „Passing By – Perry Rhodan Mix“ von der Band Camouflage. Der Originaltitel stammt von der LP „Relocated“ (SPV 2006).

_Handlung_

Der 14-jährige Junge Kantiran lebt als Sohn eines Terraners und einer Arkonidin als Untertan des Kristallimperiums auf einem friedlichen Agrarplaneten. Nach dem Verlust seiner Eltern, die auf einer Schürfexpedition verschollen sind, wächst er bei seinen Pflegeeltern Weigel und Arachya auf. Eines Tages holt ihn sein arkonidischer Freund Valizon in seinem Gleiter ab und lädt ihn zu einer Spritztour in den Dschungel ein. Valizons Freund Tam neckt den „Terranerbastard“ ständig.

Sie landen auf einem weißen Felsen und erkunden den Urwald. Unbekannte Laute erfüllen die Vegetation, und Kantiran findet seine Begleiter erst auf einer Lichtung wieder. Doch im Dickicht gegenüber liegen Krochen auf der Lauer: schwebfähige Raubtiere, die aus einem Menschen ruckzuck Kleinholz machen können. Zur Überraschung Valizons nimmt Kant keineswegs Reißaus, sondern geht vielmehr auf das Leittier zu und verbeugt sich vor ihm. Seine Ehrerbietung wird gnädig akzeptiert, und die Krochen trollen sich. Bis auf ein Jungtier, das Kant auf den Namen Torn tauft.

Seine Freunde sind mehr als verwundert über Kants mutiges Verhalten. Tam verspottet ihn trotzdem. Am Abend isst Kant mit seinen Pflegeeltern, als sie ein bemerkenswertes Geräusch hören: Ein Sternenkreuzer landet. Der riesigen Kugel entsteigen ein Riese und eine Frau. Es sind die Flottenführerin Acira da Vivo und ihr Leibwächter Shallowain. Die Admiralin nimmt Kant auf einen kurzen Flug mit, um ihm etwas zu geben: ein Erbstück von seinem Vater. Es sieht zwar aus wie eine terranische Uhr, ist aber ein intelligenter persönlicher Assistent. Er tauft ihn Tonto. Außerdem lädt sie ihn zur imperialen Kadettenschule ein, der Parageta. Kant ist baff.

Nach drei Jahren ist seine Ausbildung zum Flottenoffizier fast beendet. In vielen Kämpfen hat er sich zum besten Dagorista der Parageta emporgearbeitet. Seit einem Jahr liebt er eine schöne Schneiderin mit dem klangvollen Namen Thereme. Sie arbeitet im Haushalt des Geheimdienstchefs Kilor, aber das stört Kant nicht, denn Theremes Liebe genügt ihm, um alle Unbill zu ertragen. Eine Woche vor der Prüfung beehrt ihn sogar der Resident Perry Rhodan höchstpersönlich mit einem Besuch der Kadettenschule und sie tauschen einen Handschlag gemäß dem alten barbarischen Brauch Terras aus.

Doch dann kommt der Tag, der Kantirans Leben für immer verändern soll.

_Mein Eindruck_

Wem die Abenteuer des jungen Kantiran an den Anfang von „Krieg der Sterne Episode 4“ erinnern, der liegt sicher nicht daneben. Kantiran hat viel Ähnlichkeit mit Luke Skywalker, und auch er hat seine Eltern früh verloren. Sein Spielgefährte heißt nicht R2-D2 oder C-3PO, sondern Tonto, was auch recht putzig klingt (Tonto hieß das Pferd des TV-Westernhelden Lone Ranger, den Tom Mix spielte).

Ein Imperium gibt es ebenfalls, und auch hier steht nicht alles zum Besten. Noch erfahren wir nicht, wo überall Rebellen sich erhoben haben oder Kriege geführt werden, aber welchen Sinn hätte eine Kadettenschule, wenn die künftigen Offiziere nicht etwas zu bekämpfen bekämen? Die weißblonden Arkoniden haben das Kristallimperium errichtet, doch Terraner und Halbterraner wie Kantiraner sind geduldete Außenseiter, keineswegs Sklaven. Es ist also ein wohlmeinendes und halbwegs tolerantes Imperium, das wir hier kennen lernen, das kulturell und politisch dem Römischen Weltreich zu dessen Blütezeit um das Jahr 180 (unter Marc Aurel) entspricht.

Noch sind keine Mentoren à la Obi-Wan Kenobi aufgetaucht, aber das kommt bestimmt noch. Der junge Kantiran hat bereits die Liebe seines Lebens kennen gelernt. Thereme lacht voller Unschuld und Verliebtheit, und das ist ohne Zweifel der schönste Laut der Welt. Doch die Träume von einer gemeinsamen Zukunft und einer Familie, wie sie dem Halbterraner vorschwebt, zerschellen schon bald an der grausamen Realität. So weit ist alles wie gehabt, weshalb ich mich auch ziemlich gelangweilt habe. Die nächsten Episoden werden hoffentlich aufregender.

|Die Sprecher/Die Inszenierung|

So fangen Sternenopern an: mit einer schmissigen Titelmelodie und raunenden Stimmen, die Schicksalhaftes verkünden. Ein Erzähler wie Achim Höppner (verstorben am 18. November 2006 im Alter von 60 Jahren an einem Herzinfarkt) hat eine recht hohe Autorität und wir glauben ihm seine Geschichte nur allzu gern, wenn er vom ersten Abenteuer des jungen Helden berichtet. Die Musikbegleitung besteht aus unschuldig klingenden Geigen mit einer Pianobegleitung.

Schon bald melden sich düster dräuende Instrumente wie etwa Posaunen und etliche Bässe, und die Kämpfe, die der Held zu bestehen hat, sind häufig mit Percussion-Instrumenten unterlegt. Das ist eine ganze Menge Aufwand für eine simple Sternenoper, aber es lohnt sich: Das Hörspiel klingt höchst professionell produziert. Ich könnte Gegenbeispiele nennen, in denen die Musikbegleitung in die Hose ging, aber sie stammen alle nicht von |STIL|.

Die Geräusche können in Sachen Professionalität absolut mithalten. Eine große Bandbreite an Sounds charakterisiert die verschiedenen fremdartigen Wesen und Maschinen, die der Held auf seinen Streifzügen antrifft. Da sausen die Gleiter, da dröhnen die Kreuzer, es knurren die Krochen und es schnattern die Fischverkäufer von Shulukai. Als sich Kantiran Theremes Schoßtiers annimmt, sind recht glaubwürdige Laute zu hören, obwohl wir selbst noch nie ein solches Possumkal zu Gesicht bekommen haben.

Die größte akustische Leinwand bemalen jedoch die tausend elektronisch erzeugten Sounds, die der ganzen Handlung erst das kosmische Science-Fiction-Feeling verleihen. Ohne sie könnte es sich ebenso gut um Fantasy auf einem fernen Planeten handeln, wie sie z. B. Jack Vance fabriziert hätte.

Der Abschlusssong von |Camouflage| klingt nach solider deutscher Wertarbeit: mit einem fetzigen Bassriff und einem Sänger, der sich die Feinheiten der englischen Aussprache noch antrainieren muss. Der Song dauert vier Minuten und ist wenig bemerkenswert. PR-Fans werden ihn sicherlich begrüßen.

_Unterm Strich_

Insgesamt bildet „Der Sternenbastard“ einen vielversprechenden Auftakt zu einer wahrscheinlich ziemlich langen Hörspielserie. Sie wird offenkundig von Profis produziert, von mancher bekannten Hollywoodstimme gesprochen und liefert einen soliden Gegenwert für den Preis von rund acht Euronen. Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren dürften sich rasch mit dem jungen Titelhelden Kantiran identifizieren, und das ist eine der besten Voraussetzungen, ein treues Publikum aufzubauen.

Die Sternenoper kann also beginnen. Ich für meinen Teil erwarte etwas mehr Action und mehr ungewöhnliche Handlungselemente, denn bei dieser Episode habe ich mich etwas gelangweilt.

|75 Minuten auf 1 CD|
http://www.luebbe-audio.de
http://www.perryrhodan.org/

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