Pierce, Tamora – Im Zeichen der Löwin – Die Entscheidung

Tamora Pierce gehört zu |den| Namen überhaupt in der Kinder- und Jugend-Fantasy. Ihr Zyklus um Alanna von Trebond, die sich als Junge verkleidet an den Königshof schlich, um sich als Ritter ausbilden zu lassen, ist weltbekannt. Mit der Reihe „Im Zeichen der Löwin“ macht sie da weiter, wo sie mit Alanna aufgehört hat: Ein junges Mädchen muss sich in der Männerdomäne der Ritter beweisen.

Allerdings hat Keladry von Mindelan, genannt Kel, es wesentlich einfacher als Alanna, der bislang einzige weibliche Ritter im Königreich. Mittlerweile ist es Mädchen per Gesetz erlaubt, die harte Ausbildung zum Ritter zu machen, doch bislang traute sich noch niemand. Kel möchte die Erste sein, doch bald stellt die Zehnjährige fest, dass das bei weitem nicht so einfach ist, wie sie es sich vorgestellt hat.

Wyldon von Cavall, der grimmige Ausbilder, möchte eigentlich keine Mädchen bei sich haben und besteht darauf, dass Kel – im Gegensatz zu ihren männlichen Mitstreitern – ein Probejahr bestreiten muss. Schafft sie es, sich in dieser Zeit zu bewähren, darf sie bleiben. Ansonsten muss sie den Heimweg antreten. Doch dies sind nicht die einzigen Steine, die ihr in den Weg gelegt werden. Die anderen Jungen ziehen sie auf und machen ihr das Leben schwer. Einige scheinen es geradezu darauf angelegt zu haben, sie aus dem Palast zu treiben.

Doch Kel ist fest entschlossen, nicht aufzugeben, und tatsächlich findet sie auch Verbündete in ihren Reihen, zum Beispiel Neal, einen älteren Pagen, der zu ihrem Mentor wird. Mit seiner vorwitzigen und dreisten Art macht er sich keine Freunde, doch Kel freundet sich mit ihm an und gemeinsam stehen sie das harte erste Jahr durch. Doch hat es sich gelohnt und besteht Kel das Probejahr?

Die Handlung, die Tamora Pierce uns im ersten Band namens „Die Entscheidung“ vorsetzt, ist zugegebenermaßen dürftig. Die 242 Seiten beschäftigen sich tatsächlich beinahe ausschließlich mit Kel und ihrer Ausbildung. Eine wirklich lineare Handlung mit aufregenden Ereignissen vermisst man. Am Ende gibt es noch ein wenig zusätzliche Action, aber ansonsten passiert nur wenig und erst recht nichts Spannendes. Ein Vorwurf? Nein, nicht unbedingt, denn Pierces Bücher haben die Eigenschaft, eine gewisse Magie zu entwickeln. Mit der sympathischen und selbstbewussten Kel im Mittelpunkt entwickelt sich eine angenehm zu lesende Geschichte, die immerhin durch ihre schöne Ausarbeitung gefällt.

Dadurch, dass Kel sich in einer ähnlichen Situation wie damals Alanna in „Die schwarze Stadt“ befindet, kommt man nicht umhin, die beiden als Leser zu vergleichen. Pierce begeht allerdings nicht den Fehler, Alanna eins-zu-eins zu kopieren. Vielmehr ist Kel ein eigenständiger Charakter. Sie wird durch ihr gutes Herz, ihren Willen und ihre Erziehung auf der Insel der Yamani geprägt. Letzteres hat dafür gesorgt, dass sie gelernt hat ihre Emotionen zu verstecken. Das hilft ihr oft, die Hänseleien der anderen zu ertragen, bringt ihr aber auch den Spitznamen „Felsblock“ ein. Kel ist nicht so aufbrausend wie Alanna und wesentlich bedachter, aber nicht weniger sympathisch. Auch in diesem Buch gelingt es Pierce, ihre Protagonistin sympathisch darzustellen und sie dem Leser sehr nahe zu bringen.

Ähnliches gilt für die anderen Figuren, wobei besonders Neal mit seinen humorvollen Bemerkungen gefällt. Er lockert die Geschichte unheimlich auf und zaubert dem Leser mehr als einmal ein Grinsen aufs Gesicht. Der luftige Schreibstil, der in Neals Bemerkungen seinen Höhepunkt findet, ist unter anderem schuld daran, dass „Die Entscheidung“ mit der Zeit eine echte Sogwirkung entwickelt. Flüssig verbindet Tamora Pierce die einzelnen Kapitel und stellt die Ereignisse sehr bildlich dar, aber stets so, dass der Text für Kinder leicht verständlich bleibt. Trotzdem haben auch Erwachsene ihre Freude an diesem Buch, denn es ist nicht kindisch, sondern einfach sehr niedlich erzählt.

Mit „Im Zeichen der Löwin – Die Entscheidung“ ist der Amerikanerin Tamora Pierce sicherlich nicht der große Wurf gelungen. Dafür ist die Handlung zu seicht und auch die anderen Komponenten kommen über das Attribut „sympathisch“ nicht hinaus. Originalität? Nicht wirklich, dafür aber gewohnt gute Arbeit von Tamora Pierce, eine nette Protagonistin und eine gewisse Erzählmagie.

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|Siehe ergänzend dazu unsere [Rezension]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2833 zu „Lia – Die Prophezeiung der Königin“.|

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