Plaschka, Oliver – Fairwater oder Die Spiegel des Herrn Batholomew

_Handlung_

„Fairwater oder Die Spiegel des Herrn Batholomew“ besitzt keine gewöhnliche Handlung, denn jedes Kapitel ist eine eigene Kurzgeschichte aus der Sicht einer jeweils anderen Person, die sich allerdings alle um Fairwater, das Venedig Marylands, drehen. Und dieses Fairwater ist keine normale Stadt, denn zum einen ist es auf keiner Landkarte verzeichnet und zum anderen geschehen dort sehr merkwürdige Dinge und nichts ist so wie es scheint …

_Der Autor_

Oliver Plaschka, Jahrgang 1975, studierte Anglistik und Ethnologie in Heidelberg und lebt in Speyer. Er ist Verfasser, Herausgeber und Übersetzer einer Handvoll Kurzgeschichten. „Fairwater oder Die Spiegel des Herrn Batholomew“ ist sein Debütroman, der beim |Feder & Schwert|-Verlag erschien. Außerdem ist er Mitautor des „Narnia-Rollenspiels“ das im |Brendow|-Verlag erschienen ist.

_Mein Eindruck_

Als ich mir den Text auf dem Buchrücken das erste Mal durchglas, dachte ich sofort, dass dies ebenso gut ein Roman von Neil Gaiman sein könnte. Und auch bei der Lektüre hat sich dieser Eindruck gehalten. Und ehrlich gesagt ist das wohl die größte Auszeichnung, die ich an einen Jungautoren wie Oliver Plaschka vergeben kann, denn ich zähle Gaiman zu den ganz Großen seiner Zunft.

Plaschka macht es seinen seinen Lesern auf keinen Fall leicht, denn er verlangt sehr viel Phantasie und Eigeninitiative von ihm: Die Kurzgeschichten hängen zwar alle irgendwie zusammen, allerdings muss sich der geneigte Leser schon selbst Gedanken machen, um auf die Lösung zu kommen, so dass der Vergleich mit einem Puzzle sich förmlich aufdrängt. Da ist es nur sinnvoll, dass im Anhang ein Dramatis Personae und eine Zeittafel enthalten sind. Die Geschichte wird also in Episoden erzählt, so dass man aus verschiedenen Blickwinkeln viel über die Stadt erfährt, ohne die Informationen auf einem goldenen Tablett serviert zu bekommen. Mir stellt sich da unweigerlich der Vergleich zum Kultfilm „Pulp Fiction“ von Quentin Tarantino. Die verschiedenen Episoden sind mal spannend, mal phantastisch und mal lustig, aber immer sehr vage und rätselhaft.

Hinzu kommt noch, dass Plaschka einen wunderbaren Schreibstil pflegt, den es wirklich Spaß macht zu entdecken. Ständig gibt er Verweise auf Bücher, Filme und Musik, was das Ganze zu einem Sammelsurium der Popkultur werden lässt. Das macht es dem Leser allerdings nur bedingt leichter, denn nicht jeder ist bei Filmen und Musik ausreichend bewandert, um alle Andeutungen zu verstehen. Ebenso ist es ab und an verwirrend, dass die Episoden nicht chronologisch angeordnet sind. Das alles macht „Fairwater“ beileibe nicht zu einer einfachen Kost, und der geneigte Leser sollte sich gut überlegen, ob er sich darauf einlässt. Ich kann nur sagen, dass es sich zweifellos lohnt, aber auch ich habe für dieses Buch deutlich länger gebraucht als für andere (normale) Bücher von vergleichbarer Länge. Wer also lineare und auf einen Protagonisten zugeschnittene Unterhaltungslektüre möchte, dem kann ich hier nur abraten.

Die phantastische Komponente ist sehr verspielt, relativ ungreifbar und macht auf mich immer einen etwas märchenhaften Eindruck. Als Beispiel mag hier Stella von Bergen genannt werden, die ewige Zeit im Koma liegt und mich immer an „Schneewittchen“ erinnerte. Und da spannt sich jetzt wieder der Bogen zu Neil Gaiman, denn auch dieser versteht es meisterlich, märchenhafte Geschichten und skurrile Personen (auch bei „Fairwater“ gibt es davon mehr als genug) zu einer tollen und vor allem stimmigen Geschichte zu verbinden.

_Fazit:_

„Fairwater oder Die Spiegel des Herrn Batholomew“ ist ein ungewöhnlicher Episodenroman, der von seinen Lesern entdeckt werden will. Wer sich darauf einlassen kann, wird in eine wunderbare Welt voll Phantastik und Popkultur entführt. Wessen Sache dieser Stil jedoch nicht ist, der wird das Buch relativ schnell frustriert beiseitelegen. Aber ehrlich, das Risiko lohnt sich!

http://www.feder-und-schwert.com

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