Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – verräterische Herz, Das (POE #17)

_Das pochende Herz unter dem Boden der Stadt_

„Das verräterische Herz“ ist der siebzehnte Teil der Edgar-Allan-Poe-Serie von |LübbeAudio|, die unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör bringt.

In New Orleans ist Poe den Machenschaften Doktor Templetons alias Francis Baker entkommen und nach New York geflohen. Dort mietet er sich in einem alten Hotel im sechsten Bezirk ein. Poe, ohne Kontakt zu den anderen Gästen, wird wieder von Visionen heimgesucht. Was er nicht weiß: Im Volksmund heißt die Gegend „der blutige alte Bezirk“. Über ihm logiert ein Mann mit einem unheimlichen Auge. Poe fühlt sich von Tag zu Tag mehr davon beobachtet. Schließlich steigen Mordgedanken in ihm auf …

Ulrich Pleitgen und Iris Berben haben auch an den ersten sechzehn Hörbüchern der Serie mitgewirkt:

#1: Die Grube und das Pendel
#2: Die schwarze Katze
#3: Der Untergang des Hauses Usher
#4: Die Maske des roten Todes
#5: Sturz in den Mahlstrom
#6: Der Goldkäfer
#7: Die Morde in der Rue Morgue
#8: Lebendig begraben
#9: Hopp-Frosch
#10: Das ovale Portrait
#11: Der entwendete Brief
#12: Eleonora

Die vier neuen Folgen der POE-Reihe sind:

(Nr. 13 wird vorerst ausgelassen.)

#14: Die längliche Kiste
#15: Du hast’s getan
#16: Das Fass Amontillado
#17: Das verräterische Herz

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan aus Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten. Seine Literaturtheorie nahm den New Criticism vorweg.

Er stellt meines Erachtens eine Brücke zwischen dem 18. Jahrhundert und den englischen Romantikern (sowie E.T.A. Hoffmann) und einer neuen Rolle von Prosa und Lyrik dar, wobei besonders seine Theorie der Shortstory („unity of effect“) immensen Einfluss auf Autoren in Amerika, Großbritannien und Frankreich hatte. Ohne Poe sind Autoren wie Hawthorne, Twain, H.P. Lovecraft, H.G. Wells und Jules Verne, ja sogar Stephen King und Co. schwer vorstellbar. Insofern hat er den Kurs der Literaturentwicklung des Abendlands maßgeblich verändert.

_Die Sprecher_

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und andere Figuren

Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem Bambi und mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.

Außerdem wirken Georg Schaale als George Appo und eine Reihe weiterer Sprecher mit. Der deutsche Prolog wird von Heinz Rudolf Kunze vorgetragen, der englische von Penny Shepherd, die Ansage erledigt André Sander.

_Das Titelbild_

Das monochrome Titelbild, das Simon Marsden (www.simonmarsden.co.uk) geschossen und mit einer speziellen Technik entwickelt hat, zeigt bei „Das verräterische Herz“ ein Motiv, das wieder – wie schon bei „Sturz in den Mahlstrom“ – der Natur an der Küste entnommen ist. Ein schroffer Fels erhebt sich aus dem Gras, doch er ist sonderbar ringförmig: In seiner Mitte gähnt eine Finsternis, der man sich nur ungern nähern möchte. Andererseits ist so ein Geheimnis immer verlockend …

Das Motiv der Rückseite ist immer noch das gleiche wie in der ersten Folge: das von leuchtendem Nebel umwaberte ausgebrannte Gemäuer einer alten Abtei, deren leere Fenster den Betrachter ominös anstarren. Die Innenseite der CD-Box zeigt einen spitzbogigen Mauerdurchgang in einem wilden, überwucherten Garten. Der Durchgang könnte die Passage zu neuen, gruseligen Erfahrungen symbolisieren, im Sinne von Huxleys „doors of perception“.

_Das Booklet_

Jede CD enthält ein achtseitiges schwarz gehaltenes Booklet. Neben dem Eingangszitat auf Deutsch und Englisch werden hier auch der gesamte Stab und die Sprecherbesetzung der Rollen aufgeführt. Pleitgen und Berben werden näher vorgestellt.

Eingangs gibt es einen kleinen Abriss der Vorgeschichte. Die Rückseite der CD fasst die Handlung zusammen und listet die wichtigsten Mitwirkenden auf. Die mittlere Doppelseite zeigt alle bislang veröffentlichten CDs und die DVD von „Die Grube und das Pendel“. Die vorletzte Seite weist auf die Band „We Smugglers“ hin, die den Titelsong „On the verge to go – Edgar Allan Poe Edit“ beigesteuert hat.

_Vorgeschichte_

Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Schon fünfzehn hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Alpträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton als Francis Baker darin spielt.

Am Anfang rekapituliert Poe sehr knapp die unmittelbare Vorgeschichte bis hin zum Inhalt von „Das Fass Amontillado“, der 16. Folge der Serie. Das erleichtert den Einstieg in die Serie ein wenig, aber nur minimal.

_Handlung_

In seinem schäbigen Hotel, dem Washington House am Broadway, bemerkt Poe beim Frühstück einen alten Mann, der ihm bekannt vorkommt. Doch der Kellner verweigert die Auskunft über dessen Identität, und bevor es sich Poe versieht, ist der Alte verschwunden. Bei seinem Treffen mit seinem Freund George Appo, einem Bettler und Dieb, erzählt Poe ihm von allen den Ereignissen, die ihm zuvor widerfahren sind. Er müsse unbedingt Leonie wiederfinden, seine Gefährtin aus New Orleans. Appo weiß Rat: Er brauche nur der Spur von Dr. Baker zu folgen, denn da Leonie mit diesem noch ein Hühnchen zu rupfen hat, ist sie ihm mit Sicherheit bereits auf den Fersen. Das leuchtet Poe ein.

Doch wie findet man einen Leichenhändler und skrupellosen Experimentator am besten in einer Riesenstadt wie New York? Wieder weiß Appo Rat. Leichenhandel ist ein blühendes Geschäft. Er selbst habe sich zwar nie daran beteiligt, wisse aber, dass Ärzte Leichen ständig für ihre Forschung benötigen. Zwecks eiliger Beschaffung kann man da schon ein bisschen nachhelfen. Und wer wüsste darüber besser Bescheid als der Einbalsamierer, der sie beide auf der unglückseligen „Independence“ begleitet hat? Waltman, so hieß er doch, oder?

Um Waltman zu finden, brauchen sie Captain Hardy. Im Hafenviertel stoßen sie per Zufall auf ihn und retten ihm bei der Gelegenheit auch gleich das Leben. Er berichtet, Waltman sei im Washington House abgestiegen und arbeite im New York Hospital. Poe wird es nun endlich klar: Es ist sein alter Tischnachbar!

In der Tat hat Waltman eine interessante Räuberpistole zu erzählen. Poe pocht das Herz bis zum Hals, als er gesteht, er suche Kontakt zum lokalen Leichenhandel. Ah, well, Leichen werden den medizinischen Forschern in drei Formen besorgt: a) als legale Präparate von Organen usw.; b) als originale Körper, die auf natürlichem Wege verstarben; und c) als „Lebendmaterial“ … Waltman beschaffte nur tote Körper, beteuert er. Ärzte wie Dr. Baker würde Poe im Keller des Hospitals finden, in der Pathologie. Ach ja: Die beste Besuchszeit für diesen Zweck sei Miternacht …

Schlag Mitternacht trifft Poe zu seinem makabren Vorhaben im Keller des riesigen Hospitals ein. Ein Hund heult. Dr. Gump lässt ihn ein, dem sich Poe als ein Mann vorstellt, der ein paar Leichen anzubieten habe. Gump hat sofort Interesse, wird aber durch einen Besucher abgelenkt. Auf Gumps Seziertisch liegt ein Hund mit offenem Schädel … In Gumps Büro hängt ein sonderbares Porträt an der Wand. Es zeigt einen ägyptischen Pharao. Poe erinnert sich an den unglücklichen Jimmy Farrell (vgl. Episode 16), dessen letztes Wort „Pharao“ gelautet hat. Ist damit Dr. Baker gemeint?

Der Besucher hat ein bewussloses Mädchen gebracht. Poe erkennt es wieder: Es wohnt in Jimmy Farrells Nachbarhaus und hat Poe geholfen, Farrell zu finden. Als es erwacht und ihn erblickt, beginnt es zu schreien, muss es ihn doch für Farrells Mörder halten. Poe macht schleunigst die Fliege, auch wenn er nichts herausgebracht hat.

|Der Traum|

In dieser Nacht findet er kaum Schlaf, und wieder sucht ihn ein Albtraum heim. Er sieht das Auge des alten Waltman vor sich, doch diesmal blickt es nicht freundlich, sondern spöttisch und grauenerregend: ein Geierauge. Die Frau in seinem Traum spricht mit Leonies Stimme und mahnt ihren Mann zu Geduld und Ruhe. Poe erzählt ihr von dem alten Mann im Nachbarhaus, dem mit den Rosen im Garten. Warum wohnt er ganz allein? Sie weiß nur, dass der Alte ein Glasauge hat und auf dem anderen wohl schon den Grauen Star hat. Poe weiß: Es ist wie verschleiert, so als überlege dieser Teufel, was er mit Poe anstellen solle.

In dieser Nacht fasst Poe den Entschluss, den alten Mann zu töten, koste es, was es wolle.

_Mein Eindruck_

Die Begegnungen mit Appo, Captain Hardy und Waltman dienen nur dazu, den Besuch in der Pathologie des Hospitals vorzubereiten. Dieses gruselige und verstörende Erlebnis löst wieder einen Horrorschub in Poe aus, der auch prompt einen seiner sattsam bekannten Albträume bekommt. Allerdings sind weder das eine noch das andere besonders neu. Die makabren Experimente, die man in der Pathologie anstellt, kennen wir bereits aus Dr. Bakers Kellern in seiner Villa bei New Orleans. Dies wurde in „Das ovale Porträt“ (Episode 10) erzählt.

Und das Motiv, dass ein paranoider Verbrecher sich am Schluss selbst verrät, um sich der strafenden Gerechtigkeit auszuliefern und zu zeigen, dass er Recht hat, genossen wir bereits in „Die schwarze Katze“ (Episode 2) mit zweifelhaftem Vergnügen. Nicht, dass an der damaligen oder jetzigen Darstellung etwas auszusetzen wäre. Aber die Wiederholung nimmt dem aktuellen Motiv etwas von seinem Reiz. Dass das Element des unheimlichen Auges eines Beobachters sowohl in Poe Erlebnissen als auch in seinem Traum auftaucht, erscheint folgerichtig, wenn man berücksichtigt, dass seine Träume oftmals real (auch unbewusst) Erlebtes verarbeiten.

Das zentrale Motiv ist neben dem Auge das pochende Herz. In der Tat nimmt dieser Klang sowohl in Poes Erleben und Träumen wie auch in der akustischen Darstellung eine dominante Stellung ein. Die Sache hat jedoch einen Haken: Das Herzpochen gibt es lediglich in Poes Einbildung. Um den Hörer in dieses Reich der Phantasmen zu befördern, muss daher der Herzschlag entsprechend gruselig und bezwingend dargestellt sein, ohne aufdringlich zu wirken.

Ich konnte zufrieden feststellen, das es den Machern gelungen ist, dieses entscheidend wichtige Element, ohne das der Traum über „Das verräterische Herz“ nicht funktioniert, mit beeindruckender Raffinesse darzustellen. Der ermordete alte Mann mag ja tot sein, doch wir hören – mit Poe – immer noch das Schlagen seines Herzens. Bis zum Stillstand. Der Mörder ist erleichtert. Doch sein Wahnsinn, der ihn zu seiner Untat verleitet hat, bricht mit voller Wucht hervor, als er das Herz des Toten erneut schlagen hört – unter den Brettern des Bodens, unter denen er die Leiche versteckt hat …

Klar, dass Poe aus diesem Albtraum schleunigst erwacht, wenn auch schweißgebadet. Er fasst den Entschluss, dem düsteren Hospital einen erneuten Besuch abzustatten, um Dr. Baker aufzustöbern. Vielleicht hat der ja noch eine Leiche im Keller.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

|Mr. Poe |

Pleitgen spielt die Hauptfigur, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. Im ersten Teil des „Eleonora“-Traumes schwelgt sein Poe in verliebter Seligkeit, und das kann man deutlich hören. Umso gequälter klingt Poe in der zweiten Traumhälfte, als ihn die tote Geliebte in seinen Albträumen heimsucht. Dieser Stimmungswandel leitet die Trennung von Leonie ein und macht diesen abrupten Schritt ein wenig nachvollziehbarer. In den Episoden 16 und 17 jedoch ist Poe überzeugt, dass es ein Fehler war, Leonie zu verlassen. Seine Träume in diesen Episoden belegen dies überdeutlich.

|Miss Leonie Goron |

Iris Berben bietet Pleitgens melancholischem und nachdenklichem Poe einen lebhaften Widerpart mit ihrer Leonie Goron. Und wie der grüblerische Poe sogar selbst merkt, zeichnet sich Leonie durch ungewöhnlichen Scharfsinn und eine kluge Feinfühligkeit aus. Sie hat erheblichen Anteil an Poes Rettung in der Rahmenhandlung von Episode 5 („Mahlstrom“). Spätestens ab „Der Goldkäfer“ wirkt sie wie eine kluge Freundin, die durch ruhige Überlegung und kluge, verständnisvolle Fragen bald zu seiner unverzichtbaren Ratgeberin wird. In Episode 15 „Du hast’s getan“ steht sie selbst ihren Mann als Detektivin und Ein-Frau-Polizeitruppe.

In der Traumhandlung von „Das verräterische Herz“ hat sie eine wenig dankbare Aufgabe. Die von ihr gespielte Hausfrau ist so unbedarft und ein ahnungsloses Heimchen am Herd, dass man ihr nicht allzu viel Geistesgegenwart zutraut. Es wirkt daher umso ironischer, dass es diese Frau ist, die die Polizei ruft und damit das Verhängnis ihres Gatten einleitet.

_Musik und Geräusche_

Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt. Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet. Über das zentrale Geräusch des Herzklopfens habe ich alles Nötige bereits angemerkt.

Die Musik erhält daher eine umso wichtigere Bedeutung: Sie hat die Aufgabe, die emotionale Lage der zwei Hauptfiguren und ihres jeweiligen Ambientes darzustellen. Diese untermalende Aufgabe dient diesmal mehr der Gestaltung ganzer Szenen, so etwa im „Verräterherz-Traum“. Wieder werden die Übergänge zwischen Poes Erleben und seiner Traumwelt mit gelungenen Soundeffekten angedeutet.

Ein Streichquartett, Musiker des Filmorchesters Berlin sowie die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht.

_Der Song_

Die Band „We Smugglers“ hat, wie erwähnt, den Titelsong „On the verge to go – Edgar Allan Poe Edit“ beigesteuert. Ihr Konzertplakat weist sie als vier recht schräg aussehende Herrschaften aus, die nichtsdestotrotz ihre Instrumente zu beherrschen scheinen. Was wir in der Länge von rund 3:30 Minuten zu hören bekommen, würde ich als balladesken Slow-Metal-Rock bezeichnen. Die Tonart ist recht ausgefallen: Cis-Dur.

Deutlich dominiert die E-Gitarre, die sich wie die von Jimmy Page anhört, als er sein berühmtes Stück „Kashmir“ für die MTV-Acoustic-Session neu arrangierte. Für mich klingt das gut und melodisch, aber kraftvoll. Der Klangteppich wird von einer deutlich zu vernehmenden Basslinie und unauffälligen Drums und Cymbals unterstützt. Der Gesang ließe sich noch verbessern, und die Lyrics könnte man auch mal abzudrucken beginnen. Vielleicht gibt es darin ja etwas zu entdecken. Die Band wird sich wohl etwas dabei gedacht haben, nicht wahr?

_Unterm Strich_

Innerhalb der vierten Staffel bildet diese vier Episode einen gewissen Höhepunkt, wenn man auf Action und viele Hinweise auf die Lösung von Poes Identitätsrätsel Wert legt. Innerhalb der Episode stellen die Hafenschlägerei und der Albtraum wiederum eigene Höhepunkte in der Kategorie Action und Grusel dar. Schaudern erzeugt aber auch das Gerede über den Leichenhandel, der in New York City – ebenso wie in Edinburgh – um 1840/50 erhebliche Ausmaße angenommen haben muss und natürlich jede Menge unheimliche Aspekte aufweist. Ich bin sicher, dass diese „Aspekte“ in kommenden Episoden weidlich, ähem, ausgeschlachtet werden.

|Basierend auf: The tell-tale heart, ca. 1845
67 Minuten auf 1 CD|
Mehr Infos auf www.poe-hoerspiele.de.

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