Radford, Irene – Ruf der Drachen, Der (Der Drachen-Nimbus 3)

Band 1: [„Der Glasdrache“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1755
Band 2: [„Der verbotene Zauber“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2429

Nachdem der bösartige Lord Krej endlich in die Schranken gewiesen wurde, hofft man in Coronnan nach langer Zeit wieder auf den Frieden. Doch auch weiterhin stehen sich die Armeen der Stadt mit den Soldaten aus SeLenicca im Gefecht gegenüber und führen einen erbitterten Krieg. Doch ohne die Unterstützung der Drachenmagie kann auch der Thronerbe Darville nicht viel ausrichten, auch wenn er durch die Hochzeit mit Rossemikka eine wichtige Partei auf seine Seite ziehen konnte. Doch auch ihre Harmonie wird gestört, als der Geheimbund des Simurghen ein Attentat auf die Königsfamilie ausübt und ausgerechnet Jaylor die Rolle des Verdächtigen zuspielt.

Jaylor weiß, dass nur die Rückkehr der Drachen die Lage wieder beruhigen und die drohende Vernichtung aufhalten kann, jedoch ist er durch die aufkeimenden Beschuldigungen derzeit machtlos. Trotzdem kann er seine Macht als Höchster Magier der Kommune walten lassen, indem er den Waisenjungen Yakke auf die Suche nach den Drachen schickt. Doch seine Wahl scheint bedenklich, denn der junge Kerl hat bislang noch nie beweisen können, wie weit seine magischen Fähigkeiten fortgeschritten sind. Und als Simeon, der Herrscher von SeLenicca, ihn auf seiner Reise auch noch gefangen nimmt und ihm seine Magie entzieht, scheinen sich die Befürchtungen zu bewahrheiten. Aber auch der einst von Krej angeführte Geheimbund wächst zu neuer Kraft heran und plant, das Königreich ins Chaos zu stürzen. Schwere Zeiten brechen für König Darville und seine Verbündeten an, und es scheint nicht so, als wären die Untertanen des jungen Thronfolgers dieser neuen Herausforderung gewachsen …

_Meine Meinung_

Mit dem dritten Band des „Drachen-Nimbus“ schlägt Irene Radford gänzlich neue Wege ein. „Der Ruf der Drachen“ darf innerhalb der Reihe als Neubeginn gewertet werden, denn im Grunde genommen beginnt hier ein völlig neuer Handlungsabschnitt, der zwar auf den vorangegangenen Ereignissen fußt, prinzipiell aber klar für sich alleine stehen könnte.

Im Mittelpunkt stehen neben Darville und Jaylor dieses Mal allerdings andere Helden; so zum Beispiel er junge Yakke, ein Waise, der in der Magie sein Heil gefunden hat, allerdings noch nie den Ernstfall hat erproben müssen. Deshalb wächst in den eigenen Reihen auch die Skepsis, denn keiner traut dem Kerl so recht zu, dass er die Drachen nach Coronnan zurückführen kann. Lediglich Jaylor, der Hohe Magier der Kommune, schenkt ihm sein Vetrauen und sieht in ihm eine Art legitimen Erben seiner selbst. Yakke selber hingegen läuft aller Hoffnung zum Trotz mitten ins Unheil hinein. Gerade erst aufgebrochen, wird er vom hinterhältigen Simeon gefangen genommen und in ein Verlies in den düsteren Mienen gesteckt. Die gesamte Last, die auf seinen Schultern liegt, erdrückt ihn dort förmlich, und je länger seine Gefangenschaft andauert, desto geringer ist seine Hoffnung auf Befreiung und die Rettung von Coronnan. Als dann mit der Zeit auch noch seine Erinnerung schwindet, scheint das Schicksal des Königreiches endgültig besiegelt …

Eine weitere neue Heldin ist die ebenfalls noch junge Katrina, deren Familie ebenfalls von Simeon gejagt wird. Das junge Mädchen ist eine der wenigen verbliebenen Hoffnungsträgerinnen zur Zerstörung von Krejs Hinterlassenschaft, scheint aber gegen den Gemahl der Königin von SeLenicca ebenso machtlos wie ihr indirekter Kumpane Yakke. Wie sich aber noch herausstellt, ist dies nicht ihre einzige Gemeinsamkeit.

Jaylor hingegen, der Held der ersten beiden Bücher, agiert in „Der Ruf der Drachen“ zumeist aus dem Hintergrund heraus und zieht bei der verzweifelten Rettungsaktion primär die Fäden. Allerdings kann er nicht mehr so frei wie zuvor handeln, denn die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen belasten ihn sehr stark und machen das Leben in Coronnan für ihn noch gefährlicher, als es eh schon ist. Doch ebenso wie seine alte Gefährtin Brevelan kennt Jaylor Wege, um mit dieser neuen Situation umzugehen.

Irene Radford hat die Überleitung zum dritten Band dieses Mal weitaus besser hinbekommen als in den vorherigen beiden Romanen. Die von Anfang an relativ dröge Geschichte bekommt mit einem Mal eine gehörige Frischzellenkur verpasst und erstrahlt mit den neuen Gesichtern urplötzlich in einem ganz anderen Licht. Zwar bleibt sich die Autorin bei der partiellen Bedienung der üblichen Klischees – zum Beispiel beim Aufbau der schier ausweglosen Lage – weitestgehend treu, jedoch sind weder die Aktionen der Hauptfiguren noch die Handlungsabläufe an sich wirklich transparent, so dass Radford zwischendurch immer wieder Überraschungsmomente einbringen kann, die der Spannung sehr zugute kommen. Weil sich die Autorin bei den einzelnen Ausschmückungen zudem auch noch viel mehr Freiräume schafft, den Plot aber trotzdem zügig und stringent weitererzählt, kann man bei „Der Ruf der Drachen“ schlussendlich auch von einer Verbesserung in fast allen Belangen sprechen. Der neue Roman aus dem „Drachen-Nimbus“ wirkt in sich runder und besser durchdacht. Radford lässt sich nicht mehr so leicht in die Karten schauen und kreiert insgesamt eine weitaus düsterere Atmosphäre, die dem recht pessimistisch vorgetragenen Inhalt auch enorm zuträglich ist.

Damit ist man nun auch endlich an dem Punkt angelangt, den man sich schon für den ersten Teil gewünscht hätte. Ein reiferer Erzählstil und dazu mehr Überraschungen. Zwar ist „Der Ruf der Drachen“ noch nicht Fantasy-Spitzenklasse, aber immerhin auf einem Niveau, welches durchaus zum Hineinstöbern einlädt. Und da man den Nimbus auch noch mit dem dritten Band ohne weitere Verständnisprobleme angehen kann, kann ich mich dieses Mal auch zu einer leicht eingeschränkten Empfehlung aufraffen!

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