Roberson, Jennifer – Tochter des Löwen (Cheysuli 3)

Band 1: [„Dämonenkind“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4409
Band 2: [„Wolfssohn“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4868

Unter dem Titel „Tochter des Löwen“ sind nun auch Band fünf und sechs des |Cheysuli|-Zyklus erschienen:

Niall ist im Gegensatz zu seinen Vorgängern reichlich mit Söhnen gesegnet. Manchmal allerdings fragt er sich, ob das wirklich ein Segen ist. Denn Hart und Corin sind alles andere als verantwortungsbewusst, und Brennan lässt sich immer wieder mit in ihren Unfug hineinziehen, in der Regel, um Schlimmeres zu verhindern, was ihm aber selten gelingt.

Eines Tages treiben sie es endgültig zu bunt, und Niall entschließt sich zu drastischen Maßnahmen: Er schickt Hart und Corin nach Solinde und Atvia, in die Königreiche, die sie nach seinem Tod als Könige regieren sollen. Und auch Brennan wird dazu verdonnert, sich mit der Regierung seines künftigen Königreiches zu beschäftigen. Aber natürlich sind die Ihlini in all dieser Zeit nicht untätig, und schon bald geraten die jungen Prinzen einer nach dem anderen ins Stolpern …

Auch Keely, Nialls Tochter, neigt dazu, über die Stränge zu schlagen, wenn auch auf andere Weise als ihre Brüder. Zum Beispiel gelingt es ihr immer wieder, jemanden dazu zu bringen, sie im Gebrauch von Waffen zu unterrichten, was ihr Vater gar nicht gern sieht. Und mit ihren Ansichten über das Verhältnis zwischen Männern und Frauen stößt sie oft genug sowohl ihre Schwester als auch ihre Schwägerin vor den Kopf. Der Einzige, der sich an ihren Eskapaden nicht zu stören scheint, ist der rotbärtige Wegelagerer aus Erinn, dem sie auf der Flucht vor Strauchdieben zufällig begegnet. Doch ehe Keely mit sich selbst ins Reine kommen kann, mischen sich auch hier die Ihlini ein …

_Die nächste Generation_ wartet mit einer Vielzahl an neuen Charakteren auf, und das nicht nur, weil Niall so viele Kinder hat. Brennan ist der Erstgeborene und damit Prinz von Homana. Und er ist ganz Cheysuli, sowohl von seinem Aussehen als auch von seinem Verantwortungsbewusstsein her. Er ist klug, ehrenhaft und nimmt seine Pflicht vor allem seinem Land und der Prophezeiung gegenüber sehr ernst. Stellenweise erinnerte er mich an Duncan, auch wenn er nicht annähernd so viel Einfluss auf seine Brüder hat wie Duncan auf Finn.

Hart dagegen liebt Verantwortung ganz und gar nicht. Er ist spielsüchtig, leichtsinnig bis zur Fahrlässigkeit und mit der unseligen Gabe gesegnet, die Folgen seines Leichtsinns nach dem ersten Schock mit einem Achselzucken beiseite zu schieben. Von allen Brüdern hatte ich für ihn am wenigsten Verständnis, wahrscheinlich habe ich mich deshalb über ihn auch am meisten geärgert.

Corin ist der Verletztlichste der drei, sich selbst am wenigsten sicher. Seine Eskapaden dienen vor allem dazu, Aufmerksamkeit zu erregen, er fühlt sich zurückgesetzt und wenig geliebt. Vor allem beneidet er Brennan, und das nicht nur, weil der Nialls Lieblingssohn ist. Corin will Homana nicht verlassen. Er fürchtet sich vor Atvia, wo sich nicht nur Lillith, sondern auch seine wahnsinnige Mutter Gisella aufhalten, und würde Atvias Thron nur zu gern gegen den Löwenthron Homanas eintauschen.

Keely dagegen ist intelligent, temperamentvoll und selbstbewusst bis zur Widerborstigkeit. Aber sie denkt nicht nach, bevor sie etwas sagt oder tut. Das führt auf der einen Seite zu einer geradezu rücksichtslosen Ehrlichkeit, auf der anderen Seite bringt ihre impulsive, unüberlegte Art sie in größte Gefahr. Keely ist von allen Kindern Nialls am leichtesten einzuschätzen. Und am leichtesten zu manipulieren.

Die neue Generation in der Zuflucht wird von Tiernan vertreten, Ceinns Sohn. Ceinn hat Niall schon Schwierigkeiten gemacht, als Niall seinen Lir noch gar nicht hatte. Jetzt macht Ceinns Sohn noch größere Schwierigkeiten. Nicht nur, dass er unbedingt den Thron von Homana für sich will – er will auch der Prophezeiung nicht dienen! Geradezu eine Ungeheuerlichkeit für einen Cheysuli. Und das ist noch nicht alles: Tiernan ist nicht nur maßlos in seinen Zielen, sondern auch in seinen Mitteln.

Und als wäre das noch nicht genug, ist mit dem Kind, das Lillith einst Ian abgezwungen hat, auch bei den Ihlini eine weitere Generation herangewachsen, mit dem einzigen Ziel, die Prophezeiung aufzuhalten.

Die Charakterzeichnung der Nebenfiguren wie zum Beispiel Tiernan ist diesmal etwas knapp ausgefallen, wahrscheinlich, weil es in Teil eins des Doppelbandes gleich um drei Hauptfiguren geht. Die sind dafür aber wirklich gut getroffen. Das Gleiche gilt für Keely, auch ihre Zweifel und Ängste sind sehr gut herausgearbeitet.

_Die Handlung_ konzentriert sich voll und ganz auf die Fallen, die den diversen Protagonisten gestellt werden. Das nimmt – aus genannten Gründen – vor allem im ersten Teil so viel Raum ein, dass für etwas anderes nicht mehr viel übrig blieb. So verschwand die Verbindung zu den Lirs ziemlich in den Hintergrund, auch im zweiten Teil, da Keely als Frau keinen Lir hat. Auch die Magie als solche ist ziemlich selten geworden. Abgesehen davon, dass Keely zwei oder drei Mal die Gestalt wandelt, taucht Magie nur in der direkten Konfrontation mit den Ihlini auf, und bis dahin dauert es ein wenig. Das nimmt dem Buch viel von seinem Flair.

Die Fallen selbst reichen von wirklich subtil – wie in Brennans Fall – über verwirrend bis allzu offensichtlich. Letzteres gilt vor allem für die Falle, die Keely gestellt wurde. Aber ebenso offensichtlich muss die junge Frau trotzdem in die Falle hineintappen, unausweichlich. Denn sonst wäre sie nicht Keely.

_Der Gesamteindruck_, der zurückbleibt, ist eher durchwachsen. Das lag zum einen daran, dass der Leser vorher bereits weiß, dass Strahans Pläne zunächst einmal Erfolg haben werden. Wirkliche Spannung kommt deshalb erst auf, als Nialls Kinder Strahan tatsächlich gegenüber stehen. Ein weiterer Grund liegt in der massiven Gewichtung der Prophezeiung, die unbedingt die Mischung sämtlicher Blutlinien verlangt. Zwar versucht die Autorin, durch wechselnde Details eine Auflockerung zu erreichen, letztlich bleibt aber der überwältigende Eindruck eines riesigen Eheanbahnungskarussells mit allen dazugehörigen Komplikationen und den daraus resultierenden Gewissenskonflikten. Nicht, dass der Umgang der verschiedenen Personen mit ihrer Zwangslage mich nicht interessiert hätte. Es ist nur so, dass nach der dritten Generation allmählich der Punkt erreicht ist, wo der Leser gern mal wieder etwas anderes vorgesetzt bekommen möchte.

So wie zum Beispiel Tiernans Kampf gegen die Prophezeiung. Dieser Aspekt hätte meinetwegen ruhig etwas weiter ausgebaut werden dürfen. Tiernan ist ein sehr undurchsichtiger Charakter, der es glänzend versteht, neben seinen offensichtlichen Ambitionen auch andere Eindrücke zu vermitteln, wie er bei seinem Versuch, Keely zu überzeugen, beweist. Abgesehen davon ähnelt seine Argumentation im Hinblick auf die Prophezeiung so auffallend derjenigen Strahans, dass ich selbst dann misstrauisch geworden wäre, wenn ich die Prophezeiung nicht sowieso für eine Repressalie halten würde. Und auch der Lir-Bund erscheint mir zunehmend eine eher unglückliche Angelegenheit. Ist ja schön, wenn Menschen dadurch die Fähigkeit erhalten, sich in Tiere zu verwandeln. Die Einschränkungen, denen diese Verwandlung obliegt, sind allerdings so vielfältig, und die Ihlini haben die tierischen Lirs schon so oft mit Erfolg gegen die menschlichen Krieger benutzt, dass ich mich frage, ob die Götter den Cheysuli wirklich einen Gefallen getan haben, als sie den Zugriff der Cheysuli auf die Magie an ein solches Bruderwesen gebunden haben!

_Kurz und gut:_ Ich hoffe sehr, dass im nächsten Band die Heiratspolitik und ihre Details zugunsten der Magie und der Lirs ein gutes Stück eingeschränkt werden. Und ich hätte auch nichts dagegen, wenn die Ihlini sich anstelle der vielen Fallen, die wir in den letzten drei Buchteilen hatten, eine neue Vorgehensweise überlegen würden, um die Erfüllung der Prophezeiung zu verhindern. Außerdem dürfte sich die Frage, was aus den Ihlini und den Cheysuli nach Erfüllung der Prophezeiung wird, ruhig allmählich einer Art Antwort nähern. Bleibt abzuwarten, ob der nächste Band diese Hoffnungen erfüllt. Im Oktober dieses Jahres soll er unter dem Titel „Kind des Raben“ in die Buchläden kommen.

_Jennifer Roberson_ studierte englische Geschichte und war zunächst als Journalistin tätig, ehe sie Bücher zu schreiben begann. Der |Cheysuli|-Zyklus war ihr erstes Werk, seither hat sie eine ganze Reihe von Zyklen, Einzelromanen und Kurzgeschichten geschrieben, darunter die |Schwerttänzer|-Saga sowie die Historienromane „Lady of the Forest“ („Herrin der Wälder“, dt. 1996) und „Lady of Sherwood“ („Die Herrin von Sherwood“, dt. 2002). Die Autorin lebt mit einem Rudel Hunde und Katzen in Flagstaff/Arizona.

|Originaltitel: Daughter of the Lion
Übersetzt von Karin König
896 Seiten|
http://www.cheysuli.com
http://www.heyne.de

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