Sandemo, Margit – Sehnsucht (Die Saga vom Eisvolk 4)

Band 1: [„Der Zauberbund“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4365
Band 2: [„Hexenjagd“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4421
Band 3: [„Der Abgrund“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4748

_Story_

Schon eine halbe Ewigkeit scheint Sold Tod die letzte Erschütterung über Lindenallee gebracht zu haben, als Tengel und Silje wieder in Aufruhr geraten. Die Pest hat das heimatliche Kirchspiel erreicht und rafft die ersten Bauernfamilien dahin. Tengel und sein Enkel Tarjei kümmern sich gemeinsam mit der missgebildeten, naiven Yrja um die wachsende Zahl der Patienten, können aber nicht verhindern, dass der schwarze Tod auch die eigene Familie befällt.

Gerade erst erholt, steht den letzten Vertretern des Eisvolkes bereits die nächste Prüfung bevor. Sunniva und Tarald, Sols Tochter und Dags Sohn, planen ihre Hochzeit infolge einer unplanmäßigen Schwangerschaft. Obwohl Tengel gegen die Geburt ist und selbst versucht, das Kind abzutreiben, setzt sich das gutgläubige junge Paar durch. Die Strafe folge sogleich. Der Jüngling scheint tatsächlich vom Fluch seiner Ahnen befallen zu sein, was Sunniva infolge der Empfängnis das Leben kostet. Aber auch für die schwer erkrankte Silje und Tengel scheinen die letzten Tage gezählt, wodurch sich das alternde Familienoberhaupt zu einer Verzweiflungstat hinreißen lässt.

Unterdessen ist die wenig schöne Yrja bestürzt über die Beziehung von Tarald und Sunniva. Viel zu gerne würde sie selbst den hübschen Sohn des Barons von Meiden an ihrer Seite haben, jedoch ist ihr stets bewusst, dass niemals ein Mann auch nur ein kleines bisschen Interesse für die hässliche Distel, wie sie genannt wird, empfinden wird. Nach Sunnivas Tod allerdings scheint Tarald mit einem Mal mehr für Yrja übrig zu haben. Allerdings steht ihr Verhältnis nach wie vor nicht unter einem guten Stern. Ausgerechnet die Liebe, die Yrja dem verfluchten Nachkommen von Tarald und Sunniva entgegenbringt, scheint die Wogen zu glätten …

_Persönlicher Eindruck_

Mit „Sehnsucht“ vollzieht „Die Saga vom Eisvolk“ einen ersten radikalen Wandel. Das Personal wird im Laufe des vierten Romans kontinuierlich ausgewechselt, aber auch die Story steuert eine völlig neue Richtung an, in der erstmals auch eine Reihe historischer Fakten eine bedeutsame Rolle spielen. Darüber hinaus ist auch die Zeitspanne der Erzählung viel umfassender. Belief sich die Handlung der vorangegangenen Bücher auf wenige Jahre, durchläuft die aktuelle Story gleich ein halbes Jahrhundert, ohne den Charakteren bzw. dem allgemeinen Inhalt die darstellerische Tiefe zu nehmen – und dies ist eine Kunst, die man der Autorin äußerst hoch anrechnen muss.

Dabei beginnt „Sehnsucht“ betont tragisch: Es ist die Zeit des Abschieds. Abschied von wichtigen, prägenden Figuren, Abschied aber auch von der steten Idylle, die Silje und Tengel in den vielen emotionalen Momenten der Saga durchlebten. Die beiden einstigen Protagonisten sehen ihrem Ende entgegen und machen Platz für eine Reihe zunächst noch gesichtsloser, dank der richtig starken Präsentation wirklich toller Hauptakteure, auf denen die Last der Geschichte auch in den kommenden Fortsetzungen liegen wird.

Da wäre zuallererst die unrühmliche Yrja Mattiasdotter, ein ganz armes Mädchen, das durch seine Arbeitswut und beispielhafte Besonnenheit sehr schnell an Sympathie gewinnt. In ihr ist das Leiden Tengels ein weiteres Mal aufgearbeitet, allerdings in etwas intensiverer, tiefer greifender Art und Weise, die jedoch nur allzu charakteristisch für diese Serie ist. Hinzu kommt der Schönling Tarald, der von Yrja umworben wird, ohne dass ihm dies jemals auffiele. Ihr persönliches Dilemma ist das tragende Element von „Sehnsucht“, wird aber immer wieder von sehr effizient eingebauten Nebensträngen aufgelockert, in denen auch die bekannten Gesichter wiederzufinden sind. Dag und Liv spielen eine wichtige Rolle, Cecilie von Meiden übernimmt in Dänemark Sols Erbe am Hofe, Tengel und Silje schreiben ihre ganz eigene Story innerhalb der Story, und zuletzt gibt es häufige Rückblicke in die bisherigen Ereignisse und damit auch Verknüpfungen mit den aktuellen Entwicklungen.

Letzten Endes geht Sandemo einige gewagte Schritte, indem sie sich insgesamt doch recht weit von den bisherigen Grundlagen distanziert und vielen neuen Personen und Szenarien das Feld überlässt. Allerdings baut sie für ihre Saga ein noch viel stärkeres, ausdrucksstärkeres Profil auf, welches dem zuletzt ein wenig einspurigen Plot aus der Patsche hilft, bevor dieser sich in eine mögliche Sackgasse manövriert. Hinzu mag zwar kommen, dass auch einzelne Romanzen die Geschichte bevölkern, dies jedoch nicht mit dem befürchteten Kitsch-Anteil. Stattdessen wählt die Autorin eine recht niveauvolle Dramaturgie, die dank der vielen schönen Ideen erst recht auflebt und „Sehnsucht“ schließlich zum bisherigen Höhepunkt der Serie macht – und dies ist nach der anfänglichen Skepsis, die der eigentlich sehr radikale Wechsel dieses Bandes auslöst, schon eine sehr schöne Überraschung.

|Originaltitel: Sagaen om Ísfolket 4: Lengsel
Originalverlag: Bladkompaniet 1982
Ins Deutsche übertragen von Dagmar Lendt
Nachwort von Gabriele Haefs
Taschenbuch, 347 Seiten
ISBN-13: 978-3-442-36803-7|
http://www.blanvalet.de
http://www.margitsandemo.se

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