Sapkowski, Andrzej – Zeit der Verachtung, Die (Geralt-Saga, 2. Roman)

_Die Geralt-Saga:_

Vorgeschichte: _1_ [Der letzte Wunsch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3939
Vorgeschichte: _2_ [Das Schwert der Vorsehung]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5327

_Roman 1_: [Das Erbe der Elfen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5334
_Roman 2_: [Die Zeit der Verachtung]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5751

_Die spektakuläre Flucht_ Riences und die Tatsache, dass Philippa ihm dabei geholfen hat, haben Geralt zu denken gegeben. Und so investiert er sein gesamtes Geld in einen alten Bekannten namens Codringher, einen Halsabschneider mit der unübertroffenen Gabe, Informationen zu beschaffen, zu fälschen oder verschwinden zu lassen. Geralt will wissen, wer Riences Auftraggeber ist. Codringher willigt ein und entdeckt tatsächlich ein paar äußerst beunruhigende Tatsachen …

Ciri ist derweil mit Yennefer auf dem Weg zur Insel Thanned, wo ein Treffen der Zauberer angesetzt ist. Aber Yennefer will nicht nur der Ratssitzung beiwohnen, sie will auch Ciri in der dortigen Zauberschule anmelden, was dieser überhaupt nicht passt. Doch als der Morgen der Beratung anbricht, überstürzen sich die Ereignisse …

_Was die Charaktere angeht_, hat sich nicht allzu viel getan. Die Neuzugänge sind nur Randfiguren, und von den bekannten Figuren ist lediglich zu vermelden, dass Emhyr var Emreis‘ Absichten offenbar noch wesentlich weiter reichen als nur den nördlichen Teil des Kontinents zu erobern, und dass der Zauberer Vilgefortz wesentlich dümmer, dafür aber noch schmieriger ist als erwartet.

Nun, mit der Dummheit ist er nicht allein. Auch die Könige der nördlichen Königreiche dürfen ein gerüttelt Maß davon ihr Eigen nennen. Im Angesicht eines Gegners wie Emhyr die eigenen Kräfte mit Intrigen untereinander zu verschwenden, heißt nichts anderes, als dem Gegner das eigene Land auf dem Silbertablett zu servieren. Das ist dermaßen offensichtlich, dass man regelrecht mit Blindheit geschlagen sein muss, um es nicht zu sehen. Und mit einem solchen Gegner einen Pakt zu versuchen, ist nicht minder kurzsichtig, wie man an den Elfen deutlich sieht.

Der Einzige, der sich aus all dem herauszuhalten versucht, weil er keiner der vielen Parteien über den Weg traut, ist Geralt. Damit hat er natürlich Recht, was aber nicht bedeutet, dass er ungeschoren davonkommt. Am Ende muss er sich der bitteren Erkenntnis stellen, dass seine Neutralität ihn isoliert hat und dass er allein nicht ausreicht, um Ciri vor dem Zugriff so vieler gieriger Hände zu schützen.

_Bei allem Verrat_ und allen Intrigen, die in diesem Band zutage treten, ist es dem Autor dennoch gelungen, dem Leser weiterhin einiges zum Nachdenken zu geben. Dazu gehört das Auftauchen der Wilden Jagd, die eigentlich zur germanischen Mythologie gehört, hier aber Ciri verfolgt. Oder Ciris Kampf gegen den schwarzen Ritter mit dem geflügelten Helm, der schon seit Cintra hinter ihr her ist. Seine Reaktion war eine echte Überraschung. Aber auch das seltsame Verhalten des Uhus, der immerhin einer der obersten Beamten Emhyrs ist, wirft eine Menge Fragen auf, von den Andeutungen Rittersporns über Yennefer ganz zu schweigen …

Überhaupt war die Sache mit Rittersporn eine nette Abwechslung. Der Autor erzählt die Folgen der Ereignisse in Thanedd nicht selbst, sondern läßt sie Rittersporn erzählen. Aber auch ohne diesen Kniff wäre diese Stelle eine der interessantesten des Buches gewesen, ebenso wie Geralts Gespräch mit Codringher. Andere Stellen dagegen zogen sich diesmal etwas, seltsamerweise vor allem jene, in denen Yennefer vorkommt. Vielleicht liegt es ja nur daran, dass ich zu dieser Figur einfach keinen Draht habe, aber ich finde, ihre Verhandlungen mit ihrem zwergischen Bankier hätten ein paar Details weniger vertragen können, trotz der netten Anspielung auf das Bankwesen der Renaissance, und auch die Schlafzimmerszene hätte ich nicht gebraucht.

Ganz ohne Kampf ging es natürlich auch nicht ab. Aber außer einem kleinen Scharmützel mit ein paar Wegelagerern ist nur das Drama auf Thanedd erwähnenswert. Echte Spannung kam dabei nicht auf, dafür brachte es frischen Wind in die muffige, abgestandene Stimmung, die das Bankett der Zauberer am Vorabend der Ratssitzung heraufbeschworen hat. Es hatte etwas von einem heftigen Gewitter nach einem unangenehm schwülen Sommertag – ein Kontrast, der Leben und Farbe ins Geschehen brachte.

_Der vorherrschende Eindruck_ ist allerdings der, den schon der Buchtitel beschreibt: Verachtung!
Verachtung ist genau das, was sich überall findet: auf dem Bankett der Zauberer, das sie sämtlich als dekadent, hochmütig und intrigant entlarvt; in den Worten der Scioa’tael, die ihrem Hass auf die Menschen freien Lauf lassen; in der Brutalität von Kopfgeldjägern wie Banditen; in der Reaktion der Könige auf die Ereignisse in Thanedd; und im Pakt zwischen Emhyr und den Elfen.

Jeder ist nur noch mit seinem eigenen Vorteil oder mit seinem eigenen Überleben beschäftigt, die anderen, wer immer sie seien, zählen nicht mehr. Die gesamte Gesellschaftsordnung des Nordens ist komplett in die Brüche gegangen. Ein ziemlich trübsinniger Abschluss dieses zweiten Bandes. Eigentlich kann es in der Fortsetzung jetzt nur noch aufwärts gehen … Der dritte Band des Zyklus erscheint im November 2009 unter dem Titel „Feuertaufe“.

_Andrzej Sapkowski_ ist Literaturkritiker und Schriftsteller und nebenbei Polens bekanntester Fantasy-Autor. Der |Hexer|-Zyklus diente bereits als Grundlage für einen Kinofilm und eine Fernsehserie sowie für das polnische Rollenspiel „Wiedzmin“. Auch das Computerspiel „The Witcher“ stammt von Sapkowski, ebenso die |Narrenturm|-Trilogie um die Abenteuer des jungen Medicus Reinmar von Bielau.

|Originaltitel: Czas pogaardy
Aus dem Polnischen von Erik Simon
396 Seiten, kartoniert
ISBN-13: 978-3-423-24726-9|
http://www.der-hexer.de
http://hexer.wikia.com
http://www.dtv.de
http://www.sapkowski.pl
http://www.thewitcher.com

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