Saunders, Kate – Es soll Liebe sein

Mit ihrem aktuellen Roman „Es soll Liebe sein“ präsentiert uns Kate Saunders eine Geschichte, die vielleicht nicht sonderlich innovativ klingt, die aber dennoch für einige herrlich unbeschwerte und unterhaltsame Lesestunden sorgt. Cassie, die sowohl in der Karriere wie auch in ihrem Liebesleben ehrgeizig und konsequent ist, erhält einen nicht ganz alltäglichen Auftrag: Ihre „Ziehmutter“ Phoebe bittet sie nämlich, Frauen für ihre beiden Söhne zu finden; doch damit nicht genug verlangt sie außerdem, dass es wirklich Liebe sein soll. Phoebe, die bereits ihren Mann verloren hat, erfährt, dass sie selbst nicht mehr lange zu leben hat und möchte daher ihre beiden arbeitslosen, aber gutmütigen Söhne gut versorgt wissen. Doch ganz so einfach ist Cassies Aufgabe nicht, denn obwohl sie einige hübsche und erfolgreiche Single-Freundinnen hat, möchte sie ihnen ungern die beiden faulenzenden Muttersöhnchen Ben und Fritz aufschwatzen, die sie selbst für zwar sehr liebenswürdig, aber auch für schwer vermittelbar hält. So ist wirklich Not an der Frau.

Cassie beschließt, die beiden zu Verkuppelnden einzuweihen, um sie gleichzeitig um ihre Mithilfe zu bitten. Als Erstes wären da die beiden momentanen Gespielinnen der beiden Junggesellen loszuwerden, damit die Bühne frei ist für zwei von Cassies Freundinnen. Doch damit nicht genug, sollen die beiden sich auch endlich um einen Job kümmern, denn Ben versucht sich weiterhin als erfolgloser Konzertpianist, der zu sensibel für eine richtige Karriere ist, während Fritz seine abgeschlossene Ausbildung als Arzt weggeschmissen hat, um sich als ziemlich mieser Schauspieler zu verdingen.

Sobald diese Voraussetzungen erfüllt sind, können auch schon die ersten Kandidatinnen auf den Plan treten, doch merkt Cassie schnell, dass wahre Gefühle nicht zu erzwingen sind und Bens und Fritzens schmuddelige Wohnung sämtliche aufblühende Gefühle im Keim erstickt. So flüchtet die erste aussichtsreiche Heiratskandidatin schnell angesichts des Wohnchaos‘ der beiden Brüder. Nun ist guter Rat teuer, zumal Cassie ahnt, dass es mit ihrer eigenen Beziehung auch nicht zum Besten steht. Obwohl sie alles für ihren Matthew macht, jede Kulturveranstaltung brav (und vermeintlich interessiert!) besucht, gewissenhaft ihre Wohnung putzt und versucht, ihm alles Recht zu machen, kommt es zum großen Knall, als Cassies Wohnungsdecke einstürzt und Matthews teure Aktentasche samt seiner hochwichtigen Dokumente unter sich begräbt.

Klingt ein wenig abstrus und ziemlich vorhersehbar, oder? Und das ist es an vielen Stellen auch, nichtsdestotrotz liest frau jede Zeile gerne und oftmals mit einem Lächeln auf den Lippen. Die Geschichte reißt einen von Anfang an mit und rührt einen immer wieder. Cassies Liebe zu Phoebe und ihren nutzlosen Söhnen ist praktisch grenzenlos, haben Phoebe und ihr Mann Jimmy doch die Rolle von Cassies Ersatzeltern übernommen. Nach Jimmys frühem Tod wirkt die schwere Krankheit der sympathischen Phoebe umso tragischer und ihre Sorge um ihre beiden Söhne bewegt sehr, auch wenn die lustigen Situationen im Buch klar überwiegen.

Insbesondere die Charaktere gefallen gut. Da wäre zum Ersten Cassie, aus deren Sicht das gesamte Buch geschrieben ist. Cassie ist im Beruf erfolgreich, privat verbiegt sie sich für ihren „Elch-gesichtigen“ Freund allerdings fürchterlich, bis es nicht mehr weitergeht und sie erkennen muss, dass Matthew es nicht sonderlich ehrlich mit ihr meint. Noch kann Cassie nicht ahnen, dass es einen anderen Mann in ihrem Leben gibt, der vielleicht besser zu ihr passt, der aber notorisch untreu und sexbesessen ist und nur Augen für andere Frauen zu haben scheint. Cassie mit ihren liebenswerten Macken wird für die weibliche Leserschaft zur Identifikationsfigur, da man manche ihrer Eigenarten auch ganz gut von sich selbst kennt. Außerdem ist sie natürlich die Sympathieträgerin schlechthin. Spätestens, wenn Cassie aus Versehen in ausgelatschten Turnschuhen zu ihrem schicken Armani-Kleid zu einer Party fährt, dürften die Lesersympathien klar verteilt sein.

Aber auch die beiden chaotischen und doch so liebenswerten Brüder, die im Laufe der Zeit eine erstaunliche Wandlung vollführen, tragen sehr zum Erfolg des Buches bei. Man könnte sich glatt in einen der Brüder verlieben, sodass man ihnen von Herzen wünscht, dass sie tatsächlich ihre große Liebe finden, wo sie bereits ihren Vater verloren haben und auch ihre Mutter bald sterben muss. Besonders Fritz wirkt umso tragischer, muss er doch trotz seines abgeschlossenen Medizinstudiums hilflos mit ansehen, wie die Medizin seinen Eltern nicht helfen kann.

Die Story an sich ist dabei fast schon nebensächlich, zumal sie fast durchweg sehr durchschaubar ist und man spätestens auf der Hälfte des Buches merken wird, welche Liebeskonstellationen sich am Ende ergeben werden. So überrascht das Happy-End für fast alle Beteiligten schlussendlich kaum noch, selbst wenn es von Phoebes tragischem Tod getrübt wird.

Sprachlich ist das Buch nicht so spritzig wie zum Beispiel bei Maria Beaumont, Sophie Kinsella oder auch Helen Fielding, bei denen man aus dem Schmunzeln kaum herauskommt, dennoch ist „Es soll Liebe sein“ eine richtig wohltuende Lektüre, gaukelt sie einem doch die schöne heile Welt vor. So wirkt dieses Buch erfrischend wie ein leichter Sommerregen und wird sein weibliches Publikum sicherlich zufrieden stellen, auch wenn es natürlich kein literarisches Meisterwerk ist. Aber eines ist sicher: Bei diesem Roman ist der Name Programm, sodass es sich definitiv lohnt, sich von Kate Saunders in diese Traumwelt entführen zu lassen.

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