Schöwe, Andreas – Wacken Roll

Die 20-jährige Jubiläum des mittlerweile renommiertesten Heavy-Metal-Events weltweit wurde gerade erst ansprechend gefeiert, da gibt es auch schon die erste Nachlese zum |Wacken Open Air|. Niemand Geringerer als Edelstahl-Verfechter Andreas Schöwe, der fast parallel zur Etablierung des Festivals seine Tätigkeit beim deutschen |Metal Hammer| begonnen hat, lässt in seiner neuen Publikation „Wacken Roll“ zwei Dekaden auf den heiligen Äckern in der norddeutschen Gemeinde Revue passieren – und schafft damit einen weiteren groben Abriss über das, was dieses Fest auszeichnet, und was die Faszination |Wacken| für die gesamte Szene bedeutet.

Die knapp 300-seitige Analyse verschwendet zu Beginn keine Zeit an heroischen Einleitungen oder großen Lobeshymnen. Nach einer kurzen Dokumentation über die historische Entwicklung der Gemeinde Wacken gibt es kompakte Kurzreviews über die einzelnen Festivaljahre und all die Problematiken, die sich den beiden Organisatoren Holger Hübner und Thomas Jensen entgegenstellten. Da erfährt man von finanziellen Desastersituationen, mit letzter Kraft verhinderten Festivalabbrüchen, ungünstigen Kooperationen und einer Menge Ärger und somit von Seiten, die man heute kaum noch mit dem Trademark W:O:A in Verbindung bringen würde. Gerade die ersten Jahren waren für die beiden Köpfe des Wacken-Teams eine lehrreiche Zeit, die mit dem hartnäckigen Durchhaltevermögen der Herrschaften Jensen und Hübner nie überstanden worden wäre.

Dass Schöwe in seinem geschichtlichen Querschnitt also auch genau das betont, was man nicht eh schon in hundert anderen, vergleichbaren Publikationen gelesen hat, macht die Sache interessant. Dennoch schleicht sich in diesem ersten, ziemlich ausführlichen Kapitel schon das Manko ein, das sich auch im weiteren Verlauf durch das Buch ziehen soll: Das Gros der Artikel ist kurz und bündig gehalten, beinahe gänzlich ohne Tiefgang und als Aufbereitung einer zwei Dekaden andauernden Story ein wenig dürftig – weil oberflächlich. Die Aufzählung der Bands mancher Editionen ist nämlich letzten Endes ebenso wenig spannend wie das faktische Resümee, dass die Zuschauerzahlen von Jahr zu Jahr zugelegt haben.

Die inhaltliche Oberflächlichkeit kratzt aber löblicherweise nur bedingt am Unterhaltungswert von „Wacken Roll“, was daran liegt, dass Schöwe allerhand mehr oder minder betroffene Persönlichkeiten vors Mikro zehrt und ihnen Meinungen und Anekdoten zum Geschehen in der so genannten Kuhle entlockt. Götz Kühnemund als Chefredakteur des |Rock Hard| kommt ebenso zu Wort wie des Autors Kollege Thorsten Zahn vom |Metal Hammer|. Aber auch zahlreiche Musiker dürfen sich zu ihrem Verhältnis zum |Wacken Open Air| outen, darunter Namen wie Bobby Ellsworth, Jörg Michael, Kai Hansen, Silenoz, Jon Oliva und Gary Holt.

Zuletzt gibt es auch noch einen Abschnitt, der ausschließlich den Fans gewidmet ist und ihre ganz besondere Verbundenheit mit dem Event selber, also nicht zwingend mit dem jeweiligen Billing, zum Ausdruck bringt. Das W:O:A und seine ganz unterschiedlichen Supporter bekommen ein recht großes Forum, das auch genutzt wird, um den vielleicht interessantesten Teil des Buches zu füllen. Und das ist auch gut so, denn wie Jensen und Hübner wohlweislich betonen, wäre das Open Air nichts ohne seine Fans – und die werden auch im kommenden Jahr wieder in Herrschaften im höheren fünfstelligen Bereich zu den Weiden im hohen Norden pendeln!

Summa summarum ist „Wacken Roll“ zwar sicherlich kein besonderer Buch-Release, da viele Inhalte nur das zusammenfassen, was man in groben Zügen eh schon über das Festival weiß. Doch Schöwe hat einen sehr unterhaltsamen, sympathischen Stil und schafft es auch ohne den entscheidenden Tiefgang, seine Leser bei der Stange zu halten, was man bei all den verschiedenen Abrissen zu diesem Spektakel bereits als Auszeichnung verstehen sollte.

|271 Seiten
ISBN-13: 978-3854453048|
http://www.hannibal-verlag.de

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