Schwartz, Richard – Erste Horn, Das (Das Geheimnis von Askir 1)

_Gemütlich: Untote im Keller, Magier im Bett_

Ein Wintersturm hält die bunt zusammengewürfelten Gäste eines Gasthofs gefangen. Neben zwielichtigen Söldnern und Soldaten befinden sich auch der alte Soldat Havald und die magisch begabte Halbelfe Leandra unter den Anwesenden. Als bereits in der ersten Nacht des Eingeschlossenseins ein bestialischer Mord am Stalljungen geschieht, geraten Havald und Lea in Gefahr. Denn unter dem Gasthof verbirgt sich ein uraltes Geheimnis, das in längst vergangene Zeiten zurückweist: in die Ära des legendären Reiches Askir. Zunächst versucht sich Havald als Meisterdetektiv, doch mit Logik ist Magie nicht viel beizukommen …

_Der Autor_

Richard Schwartz, geboren 1958 in Frankfurt/Main, hat seine Ausbildung als Flugzeugmechaniker und ein Studium der Elektrotechnik und Informatik absolviert. Er arbeitete als Tankwart, Postfahrer und Systemprogrammierer und restauriert Autos und Motorräder. Am liebsten widmet sich der passionierte Rollenspieler jedoch phantastischen Welten. Er schreibt gern in der Nacht, so auch seinen Debütroman „Das Erste Horn“. Dieser bildet den Auftakt zum Zyklus „Das Geheimnis von Askir“.

_Handlung_

Ein plötzlich aufgetretener Wintereinbruch mit eiskaltem Schneesturm hält im Gasthof „Hammerkopf“ eine recht illustre Gesellschaft fest. Mit den Augen des alten Soldaten Havald beobachten wir, wie die Halbelfe Leandra eintritt und sich an seinen Tisch setzt, um etwas zu essen zu bestellen. Sie hat weißes Haar, violette Augen und ist in einen wertvollen Kettenpanzer gehüllt. Außerdem fühlt sich Havald durch die Anwesenheit ihres Bannschwertes gewarnt. Solche Schwerter sind von einem Geist besessen, gehorchen nur ihrem Besitzer und einmal gezogen, müssen sie Blut zu trinken bekommen …

Wirt Eberhard beäugt die Lage kritisch. Da sind ein Baron und seine Garde abgestiegen, zwei Händler mit ihrer Bewachung, aber leider auch eine Gruppe von Banditen, die unter ihrem Anführer Janos ein Auge auf die drei hübschen Wirtstöchter geworfen haben. Was Eberhard nicht sieht und was auch Havalds wachsamen Augen entgeht, ist eine Dunkelfe. Niemand mag Dunkelfen, eilt ihnen doch ein sehr düsterer Ruf voraus, und dass sie auch über eine seltsame Art von Magie gebieten, macht die Sache nicht besser. Eines ist Havald jedenfalls klar: Früher oder später wird es Ärger geben, wenn der Sturm nicht bald aufhört.

Es sieht ganz und gar nicht danach aus, tatsächlich hat sich der Sturm in eine den Gasthof umgebende Front verfestigt, die alle Wärme aus der Umgebung abzieht. Havald und Leandra können sich die Ursache dieses Phänomens nicht erklären, aber ihnen schwant, dass es etwas mit Magie zu tun hat. Doch wer bewirkt sie und worauf ist sie fokussiert? Befindet sich ein Maestro unter den Gästen?

Nach einer Nacht, in der Havald seine Bettstatt nicht ungern mit der keusch auf Abstand bedachten Halbelfe geteilt hat, wird er unsanft vom Wirt Eberhard geweckt. Es habe ein schreckliches Unglück gegeben. Havald und Leandra untersuchen die blutige Sauerei, die auf dem Boden des Stalls zu sehen ist. Dies war einmal der Stalljunge Theobald. Aber warum hat die Bestie, die ihn getötet und halb gefressen hat, die Kühe verschont? Das ist ein recht ungewöhnliches Ungeheuer, und schon bald macht das Gerücht von einem Werwolf die Runde.

Schnell spitzt sich die Nervosität in der Gaststube zu. Das Auftreten der Dunkelelfe trägt wenig zur Beruhigung der Gemüter bei, ganz im Gegenteil. Am nächsten Morgen ist auch der Knecht Martin von Wirt Eberhard verschwunden. Zusammen mit Leandra, die über eine andere Art Magie gebietet als die Dunkelelfe, untersucht Havald das Gehöft und stößt auf ausgedehnte Kellergewölbe und viele verriegelte oder zugemauerte Türen und Durchgänge. Diese Mauern sind Jahrhunderte alt, verrät Eberhard, und waren schon alt, als sein Urgroßvater sie im Wald fand und für sich aufbaute. Allmählich wird Havald klar, dass es sich um eine alte Garnison des verschwundenen Reiches von Askir handeln muss.

Im tiefsten Keller stößt er auf Untote: die letzten Soldaten der Garnison „Das Erste Horn“ und vier Zwerge. Es bedarf nur ein wenig Magie, um sie alle wieder zu unheiligem Leben zu erwecken. Aber sie bewachen etwas, das einem verschlossenen Tor aussieht. Die Symbole, die das Tor zieren, wirken furchteinflößend. Den toten Martin findet Havald per Zufall in einem Brunnen, mit einer wertvollen Goldmünze des alten Askir in der Hand. Gibt es womöglich einen Schatz in der Tiefe?

Eines ist klar: Die nächste Nacht muss die Entscheidung bringen. Denn dann wird der Werwolf wieder auf die Jagd gehen. Havald und Leandra rüsten sich, und diesmal zieht Havald sein eigenes Bannschwert: Seelenreißer. Die Klinge will eine Seele trinken, am besten die eines Werwolfs.

_Mein Eindruck_

Dies ist erst der Anfang der spannenden und erstaunlichen Abenteuer Ser Havalds und seiner Geliebten, Sera Leandras. Das Geheimnis, auf das sie in den Tiefen des alten Wehrturms stoßen, führt sie weit in die Magie des alten untergegangenen Imperiums von Askir. Denn der Sturm draußen fokussiert sich tatsächlich auf diesen Knotenpunkt der magischen Kraftlinien. Und jemand unter den Gästen hat einen Plan, diese magische Kreuzung zu nutzen. Egal, wie viele Leben das kostet.

Selten liest man einen so sauber und durchdacht geschriebenen Fantasyroman, der bis zur letzten Seite mit Überraschungen aufwartet. Man merkt, dass hier ein Experte in Rollenspielen geschrieben hat: Die bekannten Zutaten sind alle vorhanden, doch auf eine originelle Weise eingesetzt. Eine Halbelfe, eine Dunkelelfe, diverse Gäste, die nicht das sind, was sie scheinen, sowie eine gepfefferte Prise Erotik. Dabei spielen die Frauen eine unkonventionelle, weil recht aktive Rolle, und das ist mal eine erfrischende Abwechslung zu all den züchtigen Maiden der amerikanischen Fantasy. Besonders die Dunkelelfe hat mir in dieser Hinsicht Spaß gemacht.

Der übliche Plot einer langen Schnitzeljagd von Informationsquelle A zu Informationsquelle B wird in diesem ersten Band fast völlig beiseite gelegt, um einer kriminalistischen Handlung Platz zu machen, der an Agatha Christies „Mord im Orientexpress“ erinnert. Nur, dass der Meisterdetektiv diesmal nicht Hercule Poirot heißt, sondern Ser Havald. Erst später brechen die Mannen Havalds zu einer lebengefährlichen Suche in einem Labyrinth auf, das die Zwerge mit Todesfallen gespickt haben.

Außerdem erweist sich unser Chronist Havald als recht unzuverlässig. Immer wieder enthüllt er ein bisschen mehr von seinen besonderen Eigenschaften und seinem Schicksal. Er will weder den Leser verschrecken noch seine liebe Leandra. Nun, am Schluss muss er doch mit der schrecklichen Wahrheit herausrücken – aber ich werde mich hüten, sie hier zu verraten.

Dieser erste Band der Askir-Trilogie entwirft eine detailliert ausgearbeitete Vergangenheit, die bis in die bedrohliche Gegenwart reicht. Aktuell droht den Gästen des „Hammerkopfs“ nämlich die Invasion des Imperiums von Thalak, und mit dessen grausamem Herrscher ist nicht gut Kirschen essen. Die Entdeckungen, die Havald & Co. machen, könnten jedoch das Blatt zugunsten der bedrohten Völker wenden.

Der Autor hat eine sehr umfangreiche Liste des Personals und der Orts- und Götternamen beigefügt. Hieran kann sich der Leser stets orientieren, der angesichts des umfangreichen Personals die Übersicht zu verlieren droht. Das Einzige, was dem Buch noch fehlt, sind eine Landkarte und ein Bauplan des Gasthofs. Auch das Korrektorat könnte etwas genauer arbeiten. Ich habe drei Druckfehler notiert plus einen Sachfehler. Statt „Unheil“, das die Auguren verkünden, müsste es besser „Urteil“ heißen (Seite 291).

_Unterm Strich_

Dieser Roman hat mir viel Spaß gemacht: Er ist spannend geschrieben, wartet ständig mit Überraschungen auf, schreckt vor Konfliktszenen nicht zurück und spart auch nicht mit Erotik. Dass Dunkelelfen derart fremdartig wirken können, hätte ich nicht erwartet, aber Zokora ist ein richtiges Alien – obwohl sie wie eine Elfe aussieht. Dass ihre Vorstellung von Sex etwas anders aussieht als die übliche Schmuseromantik, ahnt man schon, aber dass sie ihren menschlichen Lover damit entzückt, kommt doch etwas unerwartet. Noch mehr solche Einfälle, und der Autor hat sich im Handumdrehen eine feste Leserschaft erobert.

Die einzige Schwäche, die mir immer wieder aufgefallen ist: Schwartz versteht es (noch) nicht, eine emotionale Stimmung anhand von Symbolen und Metaphern zu schaffen. Seine Szenen sind geradlinig und schnörkellos erzählt, was dem Tempo der Handlung sehr zugute kommt. Aber es entsteht keine spezifische Stimmung, die den Leser unbewusst gefangen nehmen würde. In dieser Hinsicht sind die angelsächsichen Autoren ihm überlegen, beispielsweise der verstorbene David Gemmell. Dafür ist das Buch aber auch schön kurz. Es hat eben alles seine zwei Seiten.

|398 Seiten|
http://www.piper-verlag.de/

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