Shocker, Dan – Totenkopfmond (Macabros, Band 24)

Der Band enthält die beiden Romane „Aufstand der Knochenmonster“ und „Totenkopfmond“, die beide 1977 in der gleichnamigen Heftromanserie des |Zauberkreis|-Verlages erschienen sind.

Anka Sörgensen hat sich auf eigenen Wunsch in eine psychiatrische Anstalt einweisen lassen, nachdem sie gesehen hat, wie ein Bild in ihrer Wohnung lebendig wurde (siehe Macabros Band 23). Dort wird sie fast erneut zum Opfer eines merkwürdigen Anschlags, als ein Baum unvermittelt umstürzt. Dabei hat sie eine neue Vision: Eine junge Frau, die Schauspielerin Tina Marino, begegnet vor ihrem Hotel in London einem lebenden Skelett. Anka und ihr Arzt Thorwald Belman fliegen nach England und kontaktieren Tina Marino. Anka und Tina schließen schnell Freundschaft und beschließen, den skelettierten Mann aufzusuchen. Doch dort lauert bereits die dämonische Hexe Maletta auf die beiden Frauen, welche bereits in Norwegen mehrfach versuchte, Anka zu vernichten.

In der Zwischenzeit sucht Rani Mahay im Lande Antolanien in der Burg des Knochenfürsten weiterhin nach dem Amulett, welches die Macht des Schwarzmagiers Tamuur brechen soll. Doch während der Totenkopfmond scheint, verändern sich die Skelette in mordgierige Killer. Rani flieht in ein Gewölbe, in das ihm die Skelette nicht folgen können. Dort findet er das Amulett in einem See, der dem verleugneten Gott der Antolanier geweiht ist und die letzte weißmagische Bastion bildet. Doch noch kann Rani Mahay seinen Fund dem Fürsten nicht zeigen, denn er trifft auf eine Sekte, die Tamuur dient und einen Aufstand der Skelette verhindern will. Rani entkommt und kann Skelettus das Amulett bringen. Der Knochenfürst und sein Volk sind inzwischen wieder vom Bann des Totenkopfmondes befreit worden. Entschlossen bereiten Skelettus und Rani Mahay den Aufstand der Knochenmonster vor. Wohlwissend, dass die Verräter noch unter ihnen weilen und alles daransetzen werden, um Tamuur noch rechtzeitig zu warnen …

Der Roman beginnt zunächst mit Ankas Aufenthalt in der Psychiatrie und der Einführung von Tina Marino. Beide Abschnitte sind sehr ausführlich geschildert worden, so dass die Story um Rani Mahay und den titelgebenden Aufstand der Knochenmonster leider etwas ins Hintertreffen gerät. Dabei hätte gerade dieser Part eine längere Darstellung verdient und auch nötig gehabt. Rani Mahay agiert teilweise wie eine Figur aus einem Computerspiel, die durch eine fremde Welt marschiert und magische Artefakte sammelt, welche es ihr ermöglichen, ins nächste Level zu kommen. Auch die Szene, in der Rani gegen die verräterischen Skelette kämpft, wirkt ein wenig konstruiert und erinnert stark an einen Abklatsch von „Conan“.

Leider wird auch nicht auf die Verbindung der Skelette zu früheren Abenteuern eingegangen. So wurde im vorangehenden Band erklärt, dass sie beispielsweise für die Überfälle der Skelette in Band 8 „Geisterreiter“ verantwortlich seien. Doch dieser Punkt wird ebenso wenig weiterverfolgt wie das Schicksal von Chitra.

Rani Mahay hat seit dem Tod der geliebten Tigerkatze keinen Gedanken mehr an sie verschwendet. In dieser Hinsicht sind Dan Shockers Protagonisten (zumindest die Herren der Schöpfung) recht emotionslos.

Die Auflösung, weshalb die Antolanier zu Skeletten wurden, fand ich nicht so ganz schlüssig, insbesondere in der Verbindung, dass sie oftmals als Söldner missbraucht wurden, die auf der Erde Unheil stiften sollten. Es heißt, sie seien Menschen, deren Fleisch, Muskeln und Organe nur unsichtbar seien. Das hätte man aber bei Berührungen und auch bei ihren Ritten auf den Pferden sehen müssen. Zudem erklärt es auch nicht, weshalb andere Substanzen wie Steine und Holz zu Knochen wurden.

Die Schlacht um Ullnak wurde dagegen sehr temporeich und dramatisch geschildert, leider auch wieder auf Kosten des Lesers, der sich mit einer recht kurzen Schilderung der Schlacht begnügen muss, die schon wieder vorbei ist, kaum dass sie anfing. Zudem wird der Angriff der Knöchernen auf Ullnak nicht so pompös und episch geschildert, wie er es verdient hätte. Wenn 30.000 Pferde über die Erde donnern, darf schon mal die Erde beben.

Dafür wird die Story um die Medien Anka und Tina stärker beleuchtet. Allerdings war die Reaktion der Hexe stümperhaft und trivial. Wie in jedem schlechten Roman und Fantasy-Film erklärt sie ihren Feinden erst mal lang und breit sämtliche Hintergründe und gibt ihnen sogar wichtige Hinweise auf einen Fluchtweg, ganz abgesehen von der Zeit, die sie ihren Opfern zur Verfügung stellt.

Im zweiten Teil des Buches verbindet Dan Shocker offene Handlungsstränge miteinander und klärt verbliebene Fragen. Tamuurs Herkunft wird ebenso erläutert wie die Verbindung des Scharlachroten zu Maletta, der grauen Hexe. Selbst der Verräter wird erwähnt, der zusammen mit seinem Herrn Tamuur ebenfalls auf den Mond flüchten konnte. Doch auch in diesem Roman bleibt das Schicksal des Aufrührers ungewiss, auch Garp, das lebende Skelett, welches Tina Marino begegnete und sie letztendlich in die Falle lockte, wird nur noch am Rande kurz erwähnt. Man kann nur vermuten, dass es bei dem letzten Angriff zugegen ist, den die Knochenmonster auf die beiden Frauen Tina und Anka ausführen. Deren Part ist im Vergleich zum ersten Kapitel um einiges interessanter und actionbetonter ausgefallen. Besonders spannend ist der Angriff der Skelett-Tiere auf den Pub gelungen, das hatte wirklich schon einen Hauch japanischen Monster-Thrills.

Ranis Part ist aber nicht weniger spannend, und obwohl das Auftauchen Calotons, eines körperlosen Wesens, ein wenig überraschend kam, hat es nicht wirklich gestört, sondern bietet eine weitere faszinierende Facette in dem fantastischen Kosmos, den Dan Shocker mit „Macabros“ schuf. Ein weiterer guter Einfall war die Begegnung mit Kiuna Macgullygosh, welche auf ihren Reisen ebenfalls den Totenkopfmond entdeckte. Weitere Begegnungen mit der Druidin, mit der Björn Hellmark in Band 1 zu tun hatte, wären sicherlich interessant.
Mit diesem Band endet gleichzeitig Ranis Odyssee und zugleich seine eigene kleine Spin-off-Serie.

Die Innenillustrationen von Pat Hachfeld wurden dieses Mal vertauscht, denn das Motiv, welches das Kapitel „Aufstand der Knochenmonster“ ziert, zeigt die Skelette, die erst im nächsten Kapitel „Totenkopfmond“ auftauchen. Und das dort abgebildete Skelett zeigt den livrierten Hotelangestellten, dem Tina Marino begegnete. Darüber hinaus sind die Bilder aber sehr professionell gezeichnet worden. Insbesondere die erstgenannte Illustration wirkt sehr unheimlich und bizarr. Die zweite besitzt schon mehr Comiccharakter und passt nicht so recht zum Image der Serie.

Die Aufmachung selbst ist wie immer erstklassig. Das Cover zeigt das Original-Titelbild des Heftromans „Totenkopfmond“ und wurde von Lonati geschaffen, der es verstand, einer Szene aus dem Roman gekonnt Leben einzuhauchen.

Ein temporeicher Fantasy-Roman, dessen Gesamteindruck allerdings durch viele Ungereimtheiten und Schwächen im ersten Kapitel „Aufstand der Knochenmonster“ getrübt wird. Für die umfangreiche Handlung scheinen die 222 Seiten zu wenig zu sein, was an den engen Grenzen des Heftromans liegt, denen der Autor seinerzeit unterlegen war.

http://www.BLITZ-Verlag.de

_Florian Hilleberg_

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