Sonnleitner, Marco – Die drei ??? – Zwillinge der Finsternis

_Der Teufel in Rocky Beach?_

Die Geschichte beginnt wie schon andere zuvor: Titus Jonas sitzt mit seinem Neffen bei einer Auktion, um neuen Trödel zu ersteigern. Dieses Mal geht es um den Nachlass des reichen Horace Vanderbilt. Und tatsächlich kann Titus einige Schnäppchen machen, auch wenn er sich von dem 150 Dollar teuren silbernen Klopapierhalter fernhält. Neben Stühlen findet sich in seiner Ausbeute eine Kiste mit Büchern, die bei der Auktion verramscht wurde. Als Justus seinem Onkel nach der Auktion dabei hilft, das Zeug in den Lieferwagen zu bringen, muss er zu seinem Leidwesen erkennen, dass der Wagen einen Platten hat und er sich nun nicht nur mit dem schweren Trödel abplagen muss, sondern auch noch mit einem nervigen Reifenwechsel.

Doch bevor die beiden Jonas-Männer ihren Wagen flottmachen können, geschieht etwas Unheimliches: Eine düstere Gestalt mit einem schwarzen Umhang, dessen Innenfutter rot leuchtet, nähert sich der Bücherkiste und entwendet zielsicher ein in Leder gebundenes Buch. Während des Diebstahls kann Justus einen Blick unter die dunkle Kapuze werfen und blickt in ein schwarzes Gesicht mit leuchtend gelben Augen. Er ist erstarrt vor Schreck und schafft es nicht einmal, dem Dieb hinterherzueilen.

Zurück auf dem Schrottplatz der Familie Jonas, wo die drei Detektive in einem alten Wohnwagen ihre Zentrale eingerichtet haben, berichtet Justus seinen Kollegen von dem unheimlichen Vorfall. Kurz darauf betritt ein kleines Männlein den Schrottplatz und gibt sich als Antiquitätenhändler Diffleton aus. Er sieht sich ein bisschen um und fällt praktisch in Ohnmacht, als er aus der frisch ersteigerten Kiste ein in Leder gebundenes Buch zieht. Dieses, so Diffleton, stammt vom Teufel persönlich und ist bereits über 400 Jahre alt und damit mindestens eine Viertelmillion Dollar wert! Die drei Jungdetektive sind sprachlos, vor allem, als Diffleton sein Interesse an dem Buch signalisiert und es Titus Jonas abkaufen will. Doch Justus lehnt dieses Angebot ab, weil er zunächst klären will, wie dieses wertvolle Buch in die Ramschkiste geraten ist.

Es dauert nicht lange, bis ein weiterer Mann auf dem Schrottplatz auftaucht – der steinreiche Arthur Sinclair, der wahrscheinlich nächste Gouverneur von Kalifornien höchstpersönlich! Auch dieser ist auf der Suche nach zwei in Leder gebundenen Büchern, die ihm gehören sollen. Dies weiß Sinclair aus einem anonymen Brief, der ihm kürzlich zugegangen ist. Die Neugier der drei Fragezeichen ist geweckt, und so bieten sie ihrem Besucher an, das verschwundene Buch für ihn aufzustöbern.

Derweil geschehen merkwürdige Dinge in Rocky Beach: Eine metertiefe Erdspalte tut sich auf, obwohl es gar kein Erdbeben gegeben hat, und bei zehn Grad plus fällt plötzlich Schnee. Bald entdecken die drei Fragezeichen eine Nebelspur, die sie schnurstracks zu einem Haus leitet. Dort hält ein Jünger des Teufels gerade eine schwarze Messe ab und zitiert Zaubersprüche aus genau dem ledernen Buch, das Justus und Titus Jonas gestohlen wurde. Nun ist Peter vollends überzeugt, dass die drei sich hier mit dem Teufel anlegen, und tatsächlich geraten die drei Fragezeichen schon bald in echte Lebensgefahr …

_Mächte der Finsternis_

Da dies nun die erste Begegnung mit einem Drei-Fragezeichen-Buch für mich war, war die Spannung doch groß, und ich wurde zunächst nicht enttäuscht. Schon der Einstieg in das Buch gefiel mir ausgesprochen gut: Justus begleitet seinen Onkel Titus auf eine Auktion, wo dieser eine Kiste voller Ramschsachen ersteigert. Genau dies versprach schon einiges, denn solche Kisten haben ja bereits mehrfach für den perfekten Einstieg gesorgt. Und tatsächlich hat Titus Jonas wieder einmal etwas ersteigert, das er vielleicht gar nicht bekommen sollte. Direkt nach der Auktion nimmt das Buch an Fahrt auf, wenn die düstere Gestalt auftaucht und Justus und Titus vor Angst erstarren. Der Spannungsbogen steigt von dem Zeitpunkt an, bis eigentlich kurz vor Schluss der Geschichte. Nach dem Buchdiebstahl erfahren wir zunächst, worum es sich dabei gehandelt hat, und dann tauchen zwei Interessenten hintereinander auf, die das Buch für sich haben wollen. Richtig mysteriös geht es dann bald zu, als unheimliche und völlig unerklärliche Dinge in Rocky Beach geschehen. Peter schlottert vor Angst und auch Justus muss mitunter zugeben, dass auch ihn die Angst gepackt hat. Dennoch behält er meist die Ruhe und sucht nach logischen Erklärungen – die wir selbstverständlich am Ende erhalten sollen.

Die ersten rund 110 Seiten sind also fast perfekt gelungen. Die Geschichte wird immer spannender, es geschehen unerklärliche Dinge und die drei Fragezeichen spielen ihre altbewährten Rollen: Peter sucht nach Ausreden, um seine Kollegen bei der gefährlichen Recherche nicht begleiten zu müssen, und Bob taucht zunächst in der Bibliothek ab, um herauszufinden, was es mit den „Zwillingen der Finsternis“ – so der Titel der ledernen Bücher – auf sich hat. Auch Mathilda und Titus Jonas wird viel Platz eingeräumt, und auch das trägt sehr zur Atmosphäre des Buches bei. Denn Justus ist nun einmal faul und bequem, aber da er von seiner Tante und seinem Onkel den Wohnwagen bekommen hat, um dort die Detektivzentrale einzurichten, musste er ihnen leider auch versprechen, dass er ihnen auf dem Schrottplatz hilft. Und so lässt es sich Mathilda nicht nehmen, Justus, Peter und Bob, mit einem Arbeitsauftrag nach dem anderen einzudecken – herrlich! Genau diese Szenen habe ich schon als Kind geliebt, zumal ich es den dreien wunderbar nachfühlen konnte, wenn sie sich unter großem Stöhnen den unliebsamen Arbeitsaufträgen zuwenden mussten.

Mysteriöse Elemente sind wir bei den drei Fragezeichen gewöhnt. Schon häufig drifteten die Fälle ins scheinbar Unerklärliche ab, doch stets werden die unheimlichen Geschehnisse logisch aufgeklärt. Hier soll das keine Ausnahme sein. Doch nun kommen wir auch schon zum Schwachpunkt des Buches, und zwar zur Auflösung. Zwar wird hier alles logisch aufgeklärt, doch wie es zum Diebstahl des Buches kommen konnte und was die Männer hinter dieser Tat damit bezwecken wollten, ist dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass ich mich doch ziemlich darüber geärgert habe. Und leider hätte der Leser selbst auch gar nicht darauf kommen können, was nun eigentlich Sache ist, da wir vorher keine Hinweise erhalten haben, die uns auf die richtige Spur hätten lenken können. Selbst Justus hat dieses Mal nicht alles durchschaut und tappt in eine Falle, die fast das Ende der drei Fragezeichen geworden wäre. So sind es dieses Mal andere Figuren, die uns die Erklärung für alles liefern, aber das ist nicht weniger enttäuschend, als hätte es wieder einmal Justus Jonas gemacht.

Inhaltlich gibt dieses vermasselte Ende leider einige Abzüge in der A-Note – schade. Aber auch ganz zu Beginn des Buches gab es bereits eine Szene, die nicht sonderlich schlüssig gewesen ist: Diffleton kommt zum Schrottplatz – auf der Suche nach Antiquitäten. Dass er dort tatsächlich eine findet, ist natürlich eine Sensation. Anschließend erzählt er den drei Fragezeichen zunächst lang und breit, dass es sich bei den „Zwillingen der Finsternis“ um zwei der wertvollsten Bücher überhaupt handelt, die rund eine Viertelmillion Dollar wert sind. Das passt nur leider gar nicht dazu, dass er anschließend ein Kaufangebot machen will. Hätte er nichts gesagt, hätte er das Buch vermutlich für einen Dollar ausgehändigt bekommen …

An der Sprache merkt man zum Teil schon, dass es sich hierbei eigentlich um ein Kinder- oder Jugendbuch handelt. Die Sätze sind einfach konstruiert, die Wortwahl ist eher spartanisch. Wörtliche Rede kommt natürlich recht häufig vor, immerhin sind die Bücher ja auch die Vorlage für das Hörspiel, doch fand ich diese Passagen nicht immer gut gelöst: Häufig gab es eine Aneinanderreihung von Aussagen, bei der ich dann mitunter den Überblick verloren habe, wer überhaupt was gesagt hat, und dann gab es tatsächlich auch Aussprüche, hinter denen einfach der Name des Sprechers stand, ohne diesen mit einem Verb wie „sagte“ anzuschließen. Ganz so spartanisch muss es sprachlich dann auch in einem Jugendbuch nicht zugehen.

_Teuflisch gut?_

Unter dem Strich bleibt ein mittelmäßiger Eindruck zurück. Bis kurz vor Ende war ich gebannt von dem Buch, bin völlig in der Geschichte versunken und habe der Auflösung entgegengefiebert, doch genau diese machte dann doch vieles wieder zunichte. Ich fühlte mich angesichts der hanebüchenen Auflösung total veräppelt. Ausgesprochen schade, dass der Autor Marco Sonnleitner sich hier nichts Besseres mehr hat einfallen lassen.

http://www.kosmos.de
http://www.diedreifragezeichen.de

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