Sophie Kinsella – Mini Shopaholic

Becky ist zurück, und das schon zum sechsten Mal! Viele turbulente Abenteuer haben wir mit ihr bereits durchgestanden, doch in diesem Buch trifft es sie besonders hart: Da die Wirtschaft in einer dicken Krise steckt und Banken pleite machen, ist Sparen angesagt. Beckys Mutter bekommt Einkaufsverbot von ihrem Mann auferlegt und auch Becky gibt ihrem Mann Luke in einer schwachen Minute das Versprechen, jedes Teil aus ihrem Kleiderschrank dreimal anzuziehen, bevor sie sich etwas Neues gönnt. Doch hätte sie natürlich nie damit gerechnet, dass sie somit ein Dreivierteljahr lang Shoppingpause einhalten muss. Da hilft nur eins: Mehr für ihre zweijährige Tochter Minnie einkaufen, gerne auch auf Vorrat, beispielsweise ein schickes Abendkleid, das Minnie zu ihrem 21. Geburtstag anziehen und bis dahin ihrer Mutter leihen könnte.

Becky Brandon, ehemals Bloomwood, ist also trotz Finanzkrise ganz die Alte geblieben. Shopping geht ihr über alles und das zeigt sich auch an Minnie, die leicht verwöhnt scheint, da ihr jeder Wunsch von den Augen abgelesen wird. Es ist nicht alles rosig in diesem Shopaholic-Roman, denn der Hauskauf zieht sich immer länger hin, sodass Becky, Luke und Minnie immer länger bei Beckys Eltern wohnen müssen. Denen geht es allerdings langsam auf den Keks, dass überall Zeugs herumsteht und Becky sogar die Garage mit ihrem Kram voll gestellt hat.

Im Job dagegen läuft es für Becky bestens, da sie die Wirtschaftskrise voll für sich nutzen kann: Viele ihrer Kundinnen haben von ihren reichen Ehemännern ein Einkaufsverbot erteilt bekommen, doch Becky hat die rettende Idee: Die neu geshoppten Klamotten werden unauffällig in einem Karton mit dem Aufdruck „Druckerzubehör“ geliefert oder in einem Altkleidersack von einer spendablen „Nachbarin“ gebracht, die in diesem Fall natürlich Beckys Kollegin Jasmine ist. So geht der Umsatz in Beckys Abteilung rapide bergauf, bis ihr Chef zu fragen beginnt, was ihr Erfolgsgeheimnis ist und Becky aufzufliegen droht …

Langeweile kommt auch in diesem Buch nicht auf, denn Becky hat sich vorgenommen, Luke zu seinem Geburtstag mit einer großen Party zu überraschen, da er seinen Geburtstag sonst nie feiert. Großspurig hat Becky erklärt, dass sie dafür keinerlei Hilfe benötigen würde. Doch schnell muss sie erkennen, dass es tausend Dinge gibt, an die sie denken muss und dass man nichtmal eben schnell ein großes Festzelt gegen zwei Handtaschen tauschen kann. Probleme sind also wieder einmal vorprogrammiert, damit aber auch Beckys oft unkonventionelle und umso witzigere Lösungswege!

_Einkaufssüchtig_

Auch in diesen Buch treffen wir auf Becky Brandon, wie wir sie kennen und lieben. All ihre Gedanken kreisen nur ums Shoppen. Und auch als sie eigentlich Shoppingverbot hat, erfindet sie Ausreden, wie sie schließlich doch etwas kaufen kann. Beispielsweise indem Tochter Minnie als Ausrede herhalten muss für ein feines Abendkleid, das dieser noch etwa 19 Jahre lang nicht passen dürfte. Als auch Beckys Mutter immer schlechtere Laune in Anbetracht des Einkaufsverbots bekommt, überfallen die beiden gemeinsam mit Nachbarin Janice und Beckys Schwester Jess einen Pound-Shop, wo alles – wie der Name schon sagt – nur ein Pfund kostet. Doch ein halbes Dutzend vollgepackte Einkaufstüten voller Artikel gelten natürlich eigentlich auch als Einkauf …

Und so kommt es wie es kommen muss: Eine Nanny, die eigentlich herausfinden soll, wie man Minnies Aufmüpfigkeit kurieren kann, stellt fest, dass Becky nicht nur gerne einkauft, sondern süchtig ist nach Shoppen und daher in Therapie gehört. Das gefällt dieser selbstverständlich überhaupt nicht, doch Luke ist beunruhigt, da die Nanny befürchtet, dass Beckys Verhalten ohne Therapie auf die kleine Minnie abfärben könnte.

Dieses sechste Buch der Shopaholic-Reihe ist dennoch ein ziemlich Ungewöhnliches, da Becky tatsächlich größtenteils shoppingabstinent lebt und schweren Herzens nichts für sich zum Anziehen kauft. In dieser Konsequenz erlebe ich das zum ersten Mal. Als Becky in die konkreten Planungen für Lukes Überraschungsparty einsteigt und merkt, dass ihr diese finanziell komplett über den Kopf hinaus wächst, gibt Schwester Jess ihr den Tipp, gewisse Dienstleistungen und Dinge für die Party einzutauschen. Und so versucht Becky, Handtaschen, Sandalen und Mäntel gegen ein Festzelt, einen Feuerschlucker, einen Jongleur und einen Catering-Service zu tauschen. Aber natürlich geht auch dieses wie gewöhnlich bei Becky nicht ohne Katastrophen ab und sorgt dadurch für jede Menge Unterhaltung.

Wieder einmal ist Becky Brandon herrlich chaotisch, manchmal aber auch eigensinnig, dafür aber auch kreativ und liebenswürdig. Trotz der Finanzkrise schafft sie es, mit einer ungewöhnlichen Idee die Gewinne ihrer Abteilung noch zu steigern. Nur bei den Partyvorbereitungen macht sie sich nicht immer Freunde. Denn als ihre beste Freundin Suze ihre Hilfe anbietet, weist Becky sie brüsk zurück und muss dies hinterher bitter bereuen. Dabei tut sie dies alles nur, um ihren geliebten Ehemann zu überraschen, der sonst nie seinen Geburtstag feiert. Auf dem Weg zu dieser Party geschieht noch das eine und andere Missgeschick, doch Becky findet für alles eine Lösung.

Die ganze Buchreihe wäre natürlich nichts ohne Becky und all ihre Macken. Meist ist sie sehr liebenswürdig dabei und auch sympathisch, doch zugegebenermaßen geht sie einem manchmal auch etwas auf den Keks. Manche Situationen sind einfach zu sehr überzogen, sodass man sich fragen muss, ob Becky wirklich schon erwachsen ist. Denn sie manövriert sich immer wieder in unmögliche Situationen, tritt in das eine oder andere Fettnäpfchen und kann ihren Kopf oft genug bloß im letzten Moment aus der Schlinge retten. Glücklicherweise kriegt Sophie Kinsella in diesem Buch immer schnell die Kurve, sodass Beckys Marotten nie so sehr stören, dass man das Buch entnervt zur Seite legt. Zugegebenermaßen ist es aber auch eine Gratwanderung für Kinsella, ihre herrlich chaotische Figur nicht zu sehr über die Stränge schlagen zu lassen. Denn manchmal sind es auch genau diese Eigenarten, die mich über eine Szene haben lachen lassen, z. B. als Becky sich auf der Kunstausstellung an der Schule ihres Patenkindes Ernie als Kunstprofessorin vom Guggenheim Museum ausgibt und der Rektorin versichert, dass Ernie über ein ganz besonderes künstlerisches Talent verfügt.

_Überraschung gelungen_

Auch wenn das sechste Buch rund um Becky Brandon den Titel „Mini Shopaholic“ trägt, so tritt Minnie Brandon doch eher in den Hintergrund. Im Mittelpunkt des Buches stehen vielmehr der turbulente Weg zu Lukes Überraschungsparty, Beckys Planungen und all die Katastrophen, die auf dem Weg zur perfekten Party geschehen. Ehrlich gesagt ist die Story an sich dadurch recht dünn. Zwar geschehen nebenbei immer irgendwelche Dinge, sodass beim Lesen nie Langeweile aufkommt, aber im Nachhinein fand ich die Geschichte an sich recht mager.

Nichtsdestotrotz fügt sich dieses Buch – trotz Finanzkrise und damit einhergehender Shoppingabstinenz – wunderbar in die ganze Shopaholic-Reihe ein, die mich schon seit geraumer Zeit hervorragend unterhält. Sophie Kinsella schafft es einfach ein ums andere Mal, ihre Leserinnen mit viel Wortwitz, abstrusen Szenen und einer sympathischen und etwas chaotischen Figur zu unterhalten. Und da in diesem Buch noch einige Fragen offen geblieben sind, fiebere ich schon jetzt dem nächsten Abenteuer von Becky Brandon entgegen.

|Broschiert: 464 Seiten
ISBN-13: 978-3442546466
Originaltitel: |Mini Shopaholic|
Deutsch von Jörn Ingwersen|

_Sophie Kinsella beim Buchwurm:_
[Charleston Girl]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6241

Schreibe einen Kommentar