Steer, Dugald A. / Bette, Christoph – magische Drachenauge, Das (Die Drachenchroniken 1)

_Abenteuer in der Schule der geheimen Drachenschützer_

Dunkle Höhlen, feuerspeiende Geschöpfe und wertvolle Schätze – das ist die Welt der Drachenforscher. Der Autor schickt die Geschwister Daniel und Beatrice zusammen mit dem exzentrischen Dr. Drake auf eine abenteuerliche Reise, denn das Drachenauge, das unglaubliche Macht verleiht, ist in Gefahr.

Für Kinder vom Verlag empfohlen ab acht Jahren, besser aber erst ab zehn.

_Der Autor_

Der englische Schriftsteller Dugald A. Steer hat im Verlag |Templar Publishing| bereits die ersten Abenteuer von „Ernest Drake: Expedition in die geheime Welt der Drachen“ sowie „Das geheime Buch der Magie – Die Zauberkunst Merlins“ veröffentlicht. Dr. Drake tritt auch in „Das Drachenauge“ wieder auf.

[„Das geheime Buch der Magie – Die Zauberkunst Merlins“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3890
[„Expedition in die geheime Welt der Drachen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3045

_Die Sprecher_

Timmo Niesner ist die deutsche Synchronstimme von Elijah Wood, beispielsweise als Frodo Beutlin in Peter Jacksons Verfilmung des „Herrn der Ringe“. Der zweite Sprecher ist Richard Hucke.

Die beiden Sprecher lesen eine von Christoph Bette bearbeitete Fassung vor. Bette führte auch Regie, nahm in den Mango Studios, Köln, auf und besorgte den Schnitt.

_Handlung_

Die ganze Angelegenheit beginnt um 6:15 Uhr am Freitagmorgen, den 7. Juli 1882 in London. Eine Kutsche lädt wenig später eine ominöse Kiste vor einem Laden im Wyvern Way ab und fährt dann weiter. Ein etwa sechzigjähriger Mann schaut aus dem Fenster des Ladens. Aus der Kiste steigt eine Rauchfahne auf … Die Kutsche des Lieferanten fährt weiter ins Regierungsviertel und hält vor dem Haus des Ministers Shillingford. Doch draußen bleibt eine Dame in der dunklen Kutsche sitzen und harrt der Dinge, die da kommen sollen.

|Ein Laden für Drachenbedarf|

Daniel Cooke wartet am Bahnhof vergeblich auf das Eintreffen seiner Eltern aus Indien. Nur seine Schwester Beatrice ist schon da. Sie gibt ihm einen Brief: Die Eltern seien verhindert und müssten noch länger in Indien bleiben. Statt ihres Onkels Algernon sollen sie diesmal zu ihrem Freund Dr. Ernest Drake in Sussex fahren, um dort den Sommer zu verbringen. Dessen Laden befinde sich im Wyvern Way. Als sie davor stehen, lesen sie das Ladenschild: „Dr. Drakes Drachenbedarf“. Oh je, Onkel Algernon hatte Beatrice gewarnt. Dieser Drake sei ein Träumer – und rede immerzu nur von einem: von Drachen. Bea hat eine sehr geringe Meinung von Drachologen. Aber das soll sich ändern.

Im Drachenladen herrscht große Unordnung, aber es ist niemand zu sehen. Daniel folgt allein den Stimmen von streitenden Männern und stößt in einer Kammer auf ein flatterndes Wesen, das Schwefelgeruch verbreitet. Gerade noch rechtzeitig, bevor der kleine Drache Daniel angreifen kann, schließt Dr. Drake die Tür zu dieser Kammer. Als Daniel seiner Schwester berichtet, da unten im Keller sei ein Drache, glaubt ihm die ernste junge Dame kein einziges Wort. Doch als sie auf einem Bild von anno 1868 ihre Eltern neben Dr. Drake stehen sieht, weiß sie wenigstens, dass sie hier an der richtigen Adresse sind. Allerdings dauert es noch Stunden, bis alles abfahrbereit ist.

|Die Schule für Drachologen|

In Sussex führt Dr. Drake eine kleine Schule für angehende Drachologen auf seiner Burg. In einer Woche beginne sein neuer Ferienkurs. Schnell werden er und Beatrice Freunde, was Daniel nicht wenig erstaunt. Am vierten Tag tauchen weitere Kursteilnehmer auf und bringen eine Kiste mit, die sie im Schuppen verstauen. Sorgfältig verschließen sie den Schuppen wieder. Was mag wohl darin sein, fragt sich Daniel. Er schaut heimlich nach und entdeckt das Drachenjunge, das er schon in Drakes Laden gesehen hat. Diesmal versucht es nicht, ihn anzugreifen. Stattdessen will es ihn hypnotisieren!

Dr. Drake unterbricht noch rechtzeitig den Bann des Drachen, füttert das Jungtier und beruhigt es durch Gesang. Er habe den Auftrag, es von einer Krankheit zu heilen, erzählt er. Daniels Ausrutscher bestraft er nicht, brummt ihm aber entsprechende Arbeiten auf. Außerdem soll er ein Protokollbuch führen. Auf einem morgendlichen Ausflug in den dichten Wald beobachtet er mit Drake einen weiblichen Drachen bei der Jagd auf Kaninchen.

Der Unterricht wird in der Burg fortgesetzt, wo inzwischen alle Kursteilnehmer eingetroffen sind, auch die zwei Kinder des Ministers Shillingford. Endlich erfährt Daniel auch von der Existenz der Geheimen Alten Gesellschaft der Drachologen, kurz GAGD, in der auch seine Eltern Mitglieder sind. Sie hat sich seit 750 Jahren dem Schutz der Drachen weltweit verschrieben. In Indien kümmern sich die Cooks um die krank gewordenen Nagas, erzählt Drake. Da die Gesellschaft über zwölf wertvolle Schätze verfüge, dürfen aber nur Eingeweihte von ihrer Existenz erfahren. Zurzeit gebe es keinen Drachenmeister, der den Kontakt zu den Drachen unterhalte, aber er, Dr. Drake, hoffe, bald von den Oberdrachen, d. h. von der Hüterin und ihren Freunden, dazu gewählt zu werden.

|Das Unheil beginnt|

Dazu kommt es allerdings nicht. Nach einem Ausflug finden die Kursteilnehmer die Burg verwüstet vor, der Jungdrache wurde ebenso gestohlen wie Drakes Tagebuch und einer der Schätze. Oh je, Drake schwant nichts Gutes. Der Räuber hat einen Brief hinterlassen. Er nennt sich Ignatius Crook, sei der Sohn des vormaligen Drachenmeisters. Er hat das Horn des hl. Gilbert gestohlen, und wenn er nun noch Drachenstaub findet und das magische Drachenauge, könnte Crook der neue Drachenmeister werden. Nicht auszudenken, welches Unheil über die Welt hereinbräche, wenn solch ein skrupelloser Schurke über die Drachen der Welt geböte!

Dr. Drake bittet die Kinder, ihm dabei zu helfen, dieses Unheil von der Welt abzuwenden und Ignatius Crook das Handwerk zu legen. Die Kinder, Daniel als erstes, stimmen zu, begeistert, aber auch ein wenig beklommen. Wer weiß schon, womit sie es jetzt zu tun bekommen?

Das Abenteuer beginnt.

_Mein Eindruck_

Die ersten beiden Kapitel wirken, als habe sie der Autor seinen beiden ersten Büchern über a) Drachologie und b) über Merlin nachgebildet. Da ist der weise alte Mann, der über streng gehütetes Wissen verfügt, und da sind die Kinder, die (stellvertretend für die Leser und Hörer) auf sehr vor- und umsichtige Weise in eben dieses Wissen eingeführt werden. Ein Teil dieses Wissens wird – zumindest im gekürzten Hörbuch – bereits vorausgesetzt, so etwa die Arten der Drachen, wie etwa Knucker und Europäische Drachen. Die Reise nach Cornwall kennen wir teilweise schon aus dem „Merlin“-Buch.

Doch diesmal kommen mehrere Faktoren hinzu, die diese Geschichte sehr viel spannender machen als all die erzählenden Lehrbücher davor: ein Bösewicht. Ach was! Zwei Bösewichte sowie ihre drakologischen Helfershelfer wie etwa der kleine fiese Flitz. Wie sich herausstellt, hat Ignatius Crook, dem man das Erbe seines Drachenmeistervaters verwehrt hat, eine feine Intrige gesponnen, die dazu führt, dass sich Dr. Drake um den Erhalt des magischen Drachenauges zu sorgen beginnt. Die vor Drakes Laden abgesetzte Kiste ist der Anfang einer langen Kette von fiesen Tricks, mit denen Crook – der Name spricht Bände – Drake zusetzt.

Drake muss befürchten, dass Ignatius das Drachenauge in die gierigen Finger bekommt, und reist nach Schottland. Dort geht dann die Post richtig gut ab. Erst ereignet sich ein prächtiger Drachenkampf, dann gehen die Drake-Getreuen in den Untergrund. Wie schon aus den Tolkien-Romanen „The Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ zu erfahren, spaziert man nicht einfach so in einen Drachenhort hinein. Todesfallen warten auf den ahnungslosen Wanderer und magische Sprüche sind allenthalben vonnöten, um allerlei Ungemach abzuwenden. Man denke nur an die Westpforte von Moria und die dort auszusprechende Losung („Freund“ bzw. „mellon“).

|VORSICHT, SPOILER!|

Der Höhepunkt der Handlung ist ganz schön actionreich. Der Sieg scheint mal auf der Seite Ignatius‘ zu liegen, dann auf der von Alexandra, schließlich aber bei Dr. Drake. Würde man diese lange Szene verfilmen, müsste man alles aufbieten, was für einen Film gut und teuer ist – ungefähr wie in der Verfilmung von „Eragon“. Sie hat nur ein Manko, abgesehen von den wechselnden Seiten: Daniel und die Kinder kommen nur sehr am Rande darin vor.

|SPOILER ENDE|

Ich fand die Handlung jedenfalls zu keiner Zeit langweilig. Sicher, manchmal wird ein wenig zu stark doziert, wenn Dr. Drake in seiner Schule lehrt. Aber das liegt wohl in der Natur der Sache. Und dass Daniel vom Drachen hypnotisiert wird, ist eher lustig als langweilig. Auch der Kampf gegen die Seeräuber und deren Ende durch eine gewaltige Seeschlange fällt in die Kategorie „gute Unterhaltung für Kids“. Am besten finde ich die ökologische Botschaft der Geschichte: Drachen sind gefährdet und müssen geschützt werden.

Um die Geschichte aufzulockern und die häufig hervorgehobene Bedeutung von Protokollbüchern zu belegen, sind in den erzählenden Text Zitate aus Dr. Drakes Drachentagebuch eingestreut. Diese Einzeiler haben mehr den Charakter von Warnungen und freundlichen Ratschläge – sozusagen die Stimme der Weisheit. Sie bilden ein weiteres Element sehr feiner Ironie.

_Die Sprecher_

Es ist schon bemerkenswert und etwas seltsam, aber ich konnte die beiden Sprecher überhaupt nicht auseinanderhalten. Das bedeutet hoffentlich nicht, dass ich einen Hörschaden habe, sondern nur, dass sich ihre Stimmen und Stimmlagen auf unglaubliche Weise ähneln. Im Folgenden spreche ich daher von den Sprechern in Personalunion.

Der Sprecher zischt und flüstert, äußert sich ärgerlich, herablassend oder spöttisch. Dadurch charakterisiert er nicht nur die Figuren, wie etwa Ignatius und Alexandra, sondern bringt auch die in der jeweiligen Situation angebrachte Emotion zum Ausdruck. Das Bemerkenswerte daran: Dies betrifft nicht nur menschliche Figuren, sondern auch Drachen.

Während der Jungdrache nichts zu melden hat, gewinnen die beiden weiblichen Oberdrachen umso mehr an Bedeutung. Der Jungdrache ist der Sohn der Drachin Scrammasax, die den Schlüssel zu den Schätzen hütet. Es ist insbesondere ihre Kollegin, die uralte Hüterin der Drachenschätze, die eindrucksvoll gestaltet ist. Sie spricht voll Würde, Autorität und Weisheit in einer recht tiefen Tonlage.

Auch länderspezifische Akzente spielen eine charakterisierende Rolle. Drakes Köchin beispielsweise ist eine Französin, sein Assistent Emory Cloth ist Amerikaner und rollt das R fast ebenso schlimm wie die Russin Alexandra Gorenitschka. Am Schluss tritt Onkel Algernon Cook doch noch auf. Mit seinem nervösen britischen Akzent kann man ihn sich sehr gut als verfeinerten Viktorianer vorstellen.

Das Hörbuch weist weder Musik noch Geräusch auf, daher brauche ich darüber keine Worte zu verlieren. Auch ohne diese Zutaten sollte der Text für Kinder ab zehn Jahren gut verständlich sein. Die Action, die im Drachenhort stattfindet, und die dabei entfaltete Gewalt empfehlen die Geschichte nicht für jüngere Kinder.

Den CDs liegt ein Tattoo-Sticker bei. Damit kann man in der Schule sicher gut renommieren.

_Unterm Strich_

Mir hat die Geschichte ausnehmend gut gefallen. Sie ist lehrreich, unterhaltsam, nicht leicht zu durchschauen und deshalb immer wieder überraschend und somit spannend bis zum Schluss. Über den ausgedehnten Actionhöhepunkt war ich ziemlich erstaunt, denn so etwas hätte ich mehr von einem Roman des „Eragon“-Kalibers erwartet als von einem Kinderbuch über fast ausgestorbene Drachen in Britannien.

Drachen spielen hier also eine ganz andere Rolle als in „Eragon“, im „Hobbit“ oder in Naomi Noviks Bestsellerzyklus über die Feuerreiter seiner Majestät, in dem die ganze Welt von Drachen erfüllt ist. Bei Steer sind Drachen eine bedrohte Spezies, die sich gut versteckt, und dementsprechend geheim ist auch die Gesellschaft der Drachenschützer. Wer sich mit diesem Geheimbund identifiziert, darf sich richtig exklusiv fühlen – und vielleicht trifft dies ja auch auf die Grünen im heutigen Großbritannien zu.

Die zwei Sprecher erledigen einen richtig guten Job, ohne dabei aber die Sprachakrobatik von Rufus Beck an den Tag zu legen. Sie charakterisieren die wichtigsten Figuren und präsentieren Emotionen je nach Erfordernis einer Szene – das ist das Minimum an Leistung, das man verlangen kann. Es gibt weder Geräusche noch Musik, die sie in diesem Bemühen unterstützen würden. Aber an keiner Stelle drängen sich die Sprecher in den Vordergrund oder stören durch Patzer. Insofern kann man mit ihrer Lesung durchaus zufrieden sein.

|Originaltitel: The Dragon’s Eye – Dragonology Chronicles Vol. 1, 2006
Aus dem Englischen übersetzt von Dorothee Haentjes-Holländer und Stefanie Mierswa
198 Minuten auf 3 CDs|
http://www.der-audio-verlag.de

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