Stucke, Angelika – Gute Gründe

Dass sie lange fackeln würden, kann man von keiner der Heldinnen in Angelika Stuckes zweitem Erzählband „Gute Gründe“ behaupten. Ganz im Gegenteil, hier wird kurzer Prozess gemacht und am Ende der meisten Erzählungen bevölkert ein Mann weniger diesen Planeten. Was Angelika Stucke in ihrem [Erstlingswerk]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2143 angefangen hat, setzt sie im zweiten Teil ihrer als Trilogie geplanten Erzählreihe fort: Sie lässt Frauen morden – und das mitunter ziemlich zielstrebig, konsequent und ohne zu zögern.

Dreizehn Erzählungen umfasst „Gute Gründe“. Dreizehn Morde, in denen vernachlässigte Hausmütterchen, hintergangene Ehefrauen und pummelige Mauerblümchen Rache nehmen und sich gegen die Ungerechtigkeiten des Lebens im Allgemeinen und der Männerwelt im Speziellen zur Wehr setzen. Dabei findet jede Täterin ihren ganz individuellen Stil. Mal wird der Golfschläger zur Mordwaffe, mal wird ein Unfall vorgetäuscht, mal wird Gift ins Essen gemischt – bei der Wahl der Waffen lassen sich die Damen durchaus etwas einfallen.

Noch kreativer werden die Mörderinnen gar, wenn es darum geht, ihre Taten zu verschleiern. Da werden Leichen beseitigt und Spuren verwischt. Und auch darin, ihre Taten anderen in die Schuhe zu schieben, beweisen die Täterinnen Einfallsreichtum. Angelika Stuckes Erzählungen fallen allesamt recht kurz, aber teils auch pointiert aus.

Stucke spielt offensichtlich gerne mit Klischees. Das zeigt sich schon an der biederen Namensgebung, die in einem herrlichen Kontrast zur Mordlüsternheit der Frauen steht: Gundula, die Giftmischerin, Grete, die „Schmiergelpapier-Mörderin“, Hertha, die zur Schrotflinte greift, oder Edeltraut, die beherzte „Golfschläger-Schwingerin“. Sie alle wirken, als wären sie dem plattesten Klischee entnommen – bieder, mittelschichtig, langweilig, nur um den Leser dann mit ihrer konsequenten und rabiaten Art zu überraschen.

Insgesamt sind die kurzen Geschichten in „Gute Gründe“ außerordentlich „klolektürengeeignet“. Kurze, knappe Erzählungen, die als kleines Krimihäppchen zwischendurch wunderbar tauglich sind. Teils mit einem Augenzwinkern erzählt, erweisen sich viele Geschichten als recht unterhaltsame Lektüre. Stucke nimmt ihre Figuren und deren Taten nicht allzu bierernst, und so mag sich manch einer vielleicht über den fehlenden Realismus der Figuren beklagen.

Tatsächlich haben sämtliche der versammelten Damen eine äußerst niedrige Hemmschwelle, wenn es darum geht, sich unliebsame Mitmenschen nicht nur längerfristig, sondern vor allem möglichst endgültig vom Hals zu schaffen. Das setzt dann allerdings hier und da auch schon mal die Grenzen der Logik außer Kraft. Manche Tat scheint zu unnötig und unüberlegt, als dass die Erzählung wirklich überzeugend unterhalten könnte. Da runzelt man dann eher die Stirn, als dass man über die Skrupellosigkeit der Täterinnen schmunzeln mag.

Dass bei dreizehn Erzählungen nicht jede ein absoluter Kracher sein kann, leuchtet allerdings auch ein. Zwangsläufig gibt des da qualitative Schwankungen, die nicht nur bei Publikationen weniger bekannter Verlage an der Tagesordnung sind, sondern auch bei Werken sog. großer Autoren häufig vorkommen. Fakt ist, „Gute Gründe“ enthält auch ein paar gut konzipierte Erzählungen, deren Pointe zu überzeugen weiß. Besonders dann, wenn bei den Taten etwas schief geht, wenn es Missverständnisse gibt, die sich erst später aufklären, kann Stucke besonders überzeugen.

Lediglich eine Erzählung bleibt wirklich negativ im Gedächtnis haften und zwar jene, in der Stucke von ihrem Schema der mordenden Frauen abweicht. Die Mordphantasien des Außenseiterkindes mit der Vorliebe für Ballerspiele am PC hat doch ein sehr faden Beigeschmack. Wer denkt da nicht an das Schulmassaker von Erfurt vor ein paar Jahren?

Alles in allem ist „Gute Gründe“ nicht unbedingt herausragende, aber dennoch durchaus solide Unterhaltung für zwischendurch. Ein Buch, das sich schnell lesen lässt und auch gerade als leichte Kost zur Urlaubszeit durchaus brauchbar ist. Zielgruppe von „Gute Gründe“ dürften, wen wundert’s, in erster Linie Frauen sein, vorzugsweise mit einem etwas schwarzen Sinn für Humor.

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