Thomas Thiemeyer – Korona


Durch nebelverhangene Berge im Herzen Afrikas in eine andere Welt

Im legendenumwitterten Hochgebirge Ugandas, wo Gletscher unter der Äquatorsonne leuchten, beginnt für die Gorillaforscherin Amy Walker ein Abenteuer, das ihre kühnsten Träume übersteigt. Bei einer Expedition stößt ihre Forschergruppe auf die Ruinen einer versunkenen Hochkultur. Die Sensation wäre perfekt, gäbe es da nicht Phänomene, die die nüchterne Biologin an ihrem Verstand zweifeln lassen: Die Naturgesetze scheinen außer Kraft, die Sonne spielt verrückt. Und bald kann sich Amy der Wahrheit nicht mehr verschließen: Ihr Team hat das Portal zu einer fremden Dimension durchschritten, und für die Rückkehr ist es längst zu spät … (Verlagsinfo)

Handlung

Amanda „Amy“ Walker ist eine Gorillaforscherin im ugandischen Ruwenzori-Mountains-Nationalpark. Dieses wolkenverhangene und nebelige Gebirge an der Grenze Ugandas zur Demokratischen Republik Kongo, gerne auch als „Mondberge“ und Nilquelle bezeichnet, wurde erst im Jahr 1888 erforscht. Tourismus zu den Berggorillas ist zwar möglich, erfordert jedoch körperliche Fitness. Diese scheint ihr neuer Mitarbeiter Ray Cox durchaus zu besitzen, doch das ist nicht das Problem. Cox ist ein ehemaliger Häftling, der Ex-Knacki saß im berüchtigten irischen Gefängnis Mountjoy ein. Doch er besitzt auch eine vorzügliche wissenschaftliche Ausbildung. Trotzdem ist Amy nicht ganz wohl zumute, sie vermutet zu Recht, dass mehr hinter der „persönlichen Bitte“ steckt, Cox ins Team aufzunehmen. Ray Cox interessiert sich auffallend für den im Ruwenzori verschollenen William Burke, einem dekorierten Forscher aus Amys Team.

Amy bricht zusammen mit ihm und drei weiteren Teammitgliedern auf, um ein Auge auf die in letzter Zeit verhaltensauffälligen Gorillas zu werfen, die zu allem Überfluss erneut von Wilderern heimgesucht wurden. Dabei stoßen sie auf den Stamm der Bugonde, die ihnen Hinweise über den Verbleib des verschollenen William Burke geben. Die Gruppe entdeckt eine verlassene Stadt, eine Hinterlassenschaft des ehemals mächtigen Königreichs Kitara.

Richard Mogabe aus dem Basiscamp macht sich derweil Sorgen: Heftige Sonnenaktivitäten – ungewöhnlich starke Flares – legen die Kommunikation in weiten Teilen der Erde lahm. Eine besonders heftige Eruption droht das Gebiet der Ruwenzori zu treffen, doch Kommunikationsausfall und extreme Wetterschwankungen sind nicht die einzige Bedrohung. Ein Portal zu der „anderen Seite“ hat sich geöffnet und ein alptraumhaftes Wesen aus uralten Mythen ist in unsere Welt gelangt. Aufgrund widriger Umstände bleibt Amys Gruppe keine andere Wahl, als Burke in die fremde Welt zu folgen …

Der Autor

Thomas Thiemeyer (* 1963) studierte Kunst und Geologie in Köln und machte sich sowohl als Schriftsteller als auch Illustrator einen Namen, seine Umschlagillustrationen wurden mehrfach mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet. Die wunderschönen Cover aller seiner bisher erschienen Romane, „Medusa“, „Reptilia“, „Magma“, „Nebra“ und dem neuen „Korona“ hat Thiemeyer selbst gestaltet.

Mein Eindruck

Wieder einmal handelt ein Thiemeyer-Roman in Afrika, inspiriert von den Erlebnissen auf seiner Afrikareise zu den Gorillas strickte der Autor daraus eine Story, die an einen Mix aus „The Time Machine“ von H.G. Wells und „Predator“ erinnert. Liebe und Rache kommen auch nicht zu kurz. Wieder einmal präsentiert der Autor seine bewährte Mischung aus Mystik, Science Fiction und Wissenschaft. Auffallend ist, wie schnell Thiemeyer in Vergleich zu seinen vorherigen Romanen in die Vollen geht. Konflikte schwelen nicht, sie brechen sehr schnell aus, die Handlung schreitet viel flotter voran als gewohnt, sie ist auch actionreicher als üblich. Das hat sie auch nötig, denn es steckt viel Erzählstoff in diesem Roman – vielleicht zu viel.

So kommen viele faszinierende Handlungselemente einfach zu kurz, und so paradox es klingt, während die Charaktere selbst viel ausgereifter und besser beschrieben sind als in allen vorherigen Thiemeyer-Romanen (mir haben insbesondere Cox und Mogabe gefallen), so kann man dies über ihre Gruppendynamik und insbesondere Amy Walker nicht sagen. Auch wenn Amy ein risikobereites Naturell hat, als Frau alleine einen langjährigen Häftling abholen und später gezielt für eine nicht ungefährliche Expedition eine Gruppe aus Personen zusammenstellen, die in Konflikt miteinander stehen, ist nicht nur ungewöhnlich, es wirkt leider arg konstruiert. Dasselbe gilt auch für den „persönlichen Gefallen“, der Ray Cox in das Team brachte.

Es blieb wohl nicht genug Platz für all das, was Thiemeyer erzählen wollte. So enstand ein Eintopf, der zwar ganz klar auf einem bewährten Thiemeyer-Rezept beruht, aber einfach zu viel von allem und zu wenig von jedem enthält. Das soll nicht heißen, dass „Korona“ mir nicht gefallen hätte. Ein guter Roman, der mich jedoch nicht so begeisterte wie seine Vorgänger, insbesondere „Magma“ und „Nebra“. Die Mischung aus Mystik und Krimi in „Nebra“ sagte mir persönlich einfach mehr zu als der wilde Science-Fiction- und Mystik-Mix von „Korona“, der mir nicht ganz so gut gemundet hat.


Unterm Strich

Ein packender Roman, der von den profunden Afrikakenntnissen Thomas Thiemeyers profitiert. Die temporeiche Mischung aus Science Fiction, Afrika und Mystik ist – so seltsam es klingt – mit Ideen überfrachtet, weniger wäre hier mehr gewesen. Schade, die zahlreichen schmackhaften Leckerbissen gehen leider ineinander unter, hier stimmt die Mischung der Geschichte nicht. Zwar ist der Roman immer noch gut, doch wer Thiemeyer noch nicht gelesen hat, dem empfehle ich eher die wesentlich runderen Romane „Magma“ und „Nebra.“

http://www.thiemeyer.de/

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