Topf, Markus – Ein Fall für Leon Kramer – Der Kodex (Episode 1)

Mit „Ein Fall für Leon Kramer“ startet die |Hörspiele Welt| eine neue Krimiserie, die aufgrund der übersinnlichen Thematik der ersten Episode ein wenig an den Gottvater des Genres, John Sinclair, erinnert. Jedoch verfolgt Drehbuchautor und Regisseur Markus Topf in seiner ersten Geschichte einen anderen Ansatz und eifert nicht einfach dem unbestrittenen Vorbild nach. Nicht Dämonen und böse Geister werden bekämpft, sondern menschliche Gegner, die mit ihrem finsteren Pendant nur das eine gemeinsam haben, nämlich dass sie in ihrem Handeln skrupellos und unberechenbar vorgehen. Die Idee scheint also ziemlich gut zu sein und verleiht der ziemlich überzeugend durchdachten Geschichte auch ein entsprechendes Potenzial. Und doch verrennt sich die Serie in dieselben Schönheitsfehler wie die Produktionen der „Schwarzen Stunde“ dieses Audioverlags. Ohne lebendige Atmosphäre kann nämlich selbst die tollste Geschichte nicht funktionieren …

_Story_

Leon Kramer ist Experte für Ritualmorde und wird immer dann herangezogen, wenn die Kollegen vom BKA bei ihren Ermittlungen in einer Sackgasse stecken. Auch aktuell ist Kramer wieder mit einem Fall beschäftigt, in dem es um einen seltsamen Mordanschlag geht. Der verdeckte Ermittler verfolgt auch schon alsbald eine ziemlich eindeutige Spur und schafft es sogar, die Täterin zu stellen. Doch just in jenem Moment, in dem die Sache schon abgeschlossen scheint, stürzt sich die Dame in die Tiefe und gibt dem Agenten nur noch eines mit auf den Weg: dass sie durch ihre Gefangennahme gegen den Kodex der Vampire verstoßen hat und deswegen sterben muss.

Kramer steht vor dem wohl merkwürdigsten Rätsel seiner polizeilichen Laufbahn. Vampire waren bisher nur Fabelwesen für ihn, und so kann er die Aussage der geflüchteten Jana Diakovska nicht akzeptieren. Trotzdem folgt er der neuen Spur, die ihn auf direktem Weg zu einer brutalen Gangster-Oranisation führt, die tatsächlich eine Vorliebe für Blut hat. Werden Kramer und seine Kollegin Jacobi die nächsten Opfer dieser Vereinigung?

_Meine Meinung_

Wirft man einen Blick auf die Rahmenbedingungen, hätte bei „Der Kodex“, dem ersten Teil aus dieser Serie, nichts falsch laufen dürfen. Inhaltlich liegt eine ziemlich starke Story vor, mit Fabian Harloff in der Hauptrolle des Leon Kramer hat man einen erfahrenen Schauspieler und auch schon Hörspiel-erprobten Mann verpflichten können, und auch das Thema der Geschichte ist in Zeiten, in denen Dan Brown und seine Verschwörungstheorien Hochkonjunktur haben, auch ziemlich populär – wenngleich sich Topf nicht irgendwie kritisch zur Kirche und anderen religiösen Obrigkeiten äußert bzw. sich überhaupt in diesen Komplex einarbeitet. Vergleiche sind aber durchaus angebracht, ebenso wie man auch bisweilen an Filme wie „Die purpurnen Flüsse“ erinnert wird.

Vielleicht ist es aber jetzt nicht so günstig, diese großen Namen ins Spiel zu bringen, denn das schürt Erwartungen, und denen wiederum kann dieses Hörspiel nur kleinen Ansätzen gerecht werden. Das Problem sind einmal mehr die ziemlich emotionslosen Sprecher. Harloff zum Beispiel ist zwar mit größtem Engagement dabei, wirkt dabei aber manchmal zu impulsiv und emotional der Stimmung der aktuellen Szene nicht angemessen. Zudem hebt er seine Simme mit fast gleichbleibender Akzentuierung und unterscheidet dabei nicht so richtig zwischen wirklich dramatischen Momenten und eher ruhigen Situationen. Weil er zugleich die Erzählstimme übernimmt und den Löwenanteil des Textes an sich zieht, fält sowas natürlich sehr deutlich ins Gewicht und raubt dem Hörspiel zwischenzeitlich auch schonmal Spannung und Atmosphäre – zumal auch hier manchmal der Balanceakt zwischen Erzählung und Bericht etwas schwerfällig gemeistert wird.

Jetzt habe ich aber anfangs die fehlnde Lebndigkeit kritisiert, und man mag sich fragen, wie dies mit Harloffs engagiertem Einsatz zu vereinbaren ist. Nun, das Problem besteht einfach darin, dass die vielen Action-Szenene, die „Der Kodex“ zu bieten hat, nie mit entsprechender Dramaturgie ausgestattet werden. Hier wird mal geschossen, dort droht die nächste Leiche, und irgendwie scheint dies alles nur Nebensache zu sein. Harloff schildert die wilden Verfolgungsjagden zwar sehr detailreich, handelt diese aber dennoch zu trocken und unbeteiligt ab. Und das ist bei einem Thriller schon fast tödlich.

Wirklich schlecht ist das Teil aber auch nicht, schließlich ist die Geschichte interessant und die Bemühungen der Sprecher sind klar zu erkennen. Für die Fortsetzung gilt es aber auf jeden Fall, dem lebendigen Plot eine ebenso lebhafte Untermalung zu gönnen und vor allem nicht die Hauptlast auf den zwei Schultern des Protagonisten zu verteilen. Dieser scheint nämlich trotz allem mit dieser Aufgabe überfordert zu sein. Wobei man auch nie vergessen darf, dass ein gutes Hörspiel von seinen vielzähligen Dialogen lebt. Und auch davon gibt es hier arg wenig. Schade um die gute Geschichte, kann man da nur sagen, denn abgesehen von der fehlenden Atmosphäre ist „Ein Fall für Leon Kramer“ sicherlich ein inhaltlich würdiger Genre-Vertreter.

http://www.hoerspiele-welt.de/

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