Vaughan, Brian K. / Guerra, Pierra / Marzan jr., José – Y: The Last Man 4 – Offenbarungen

Band 1: [„Entmannt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3282
Band 2: [„Tage wie diese“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3586
Band 3: [„Ein kleiner Schritt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3774

_Story_

Yoricks Äffchen Ampersand benötigt dringend Antibiotika, so dass ein weiterer Zwischenstopp in einer Klink dringend notwendig ist. Weil Agentin 355 und Dr. Allison Mann befürchten, dass es zu riskant wäre, Yorick dorthin mitzunehmen, lassen sie ihn kurzzeitig bei einer Ex-Kollegin von 355, Agentin 711, zurück. Doch dort erlebt er sein blaues Wunder. 711 spielt die Waffen einer Frau an ihm aus und droht sogar damit, ihn zu ermorden. Kurz vor Abschluss ihres Aktes offenbart sie ihrem Untergebenen jedoch, dass dies alles nur ein Test war.

Nach diesem skurrilen Erlebnis reisen das Trio und das geheilte Äffchen weiter Richtung San Francisco. Unterwegs treffen sie auf die Automechanikerin P. J., die den dreien Unterschlupf gewährt und sie vor einer weiteren Gruppe militanter Frauen schützt. Doch ihr weiterer Weg kann nur über die Interstate 40 führen, die von dieser fanatischen Miliz mit einer Straßenblockade besetzt wird. Und da die Zeit drängt, beschließt Dr. Mann, die Gruppe auf eigene Faust zu bezwingen. Ein folgenschwerer Fehler …

_Meine Meinung_

Recht skurril und mal wieder jederzeit außergewöhnlich begeben sich die Geschehnisse im vierten Teil von „Y – The Last Man“. Wie mittlerweile schon üblich, machen Yorick und seine beiden Begleiterinnen auf ihrem Weg ins Labor von Dr. Mann einige seltsame Begegnungen und werden erneut dazu genötigt, sich mit diversen fanatischen Vertretern einer militanten Volksfront auseinanderzusetzen. Dieses Mal sind ihre Gegner davon überzeugt, dass die Seuche nur ein Vorwand der amerikanischen Regierung ist, die derweil abgetaucht ist, um verschiedene politische Ziele ohne große Mühen durchsetzen zu können bzw. diese sich alleine regeln zu lassen. Solch abstruse Gedanken stoßen bei Dr. Mann natürlich auf Verzweiflung und Ratlosigkeit. Mit gutem Willen spricht sie dennoch bei der aggressiven Gruppe vor, wird jedoch von dieser brutal misshandelt und gefangen genommen.

355 kommt das Verschwinden ihrer Freundin und Kollegin sofort seltsam vor. Sie folgt ihr und schafft es mit viel Mühe, Allison zu befreien. Doch da fangen die Probleme erst an: Die fanatischen Damen sind nicht von gestern und lassen sich stattdessen leicht aus der Reserve locken. Für Mann und 355 gilt es fortan, Feuer mit Feuer zu bekämpfen – doch in einer spürbaren Unterzahl sind solche Gedanken sehr verwegen.

Währenddessen wird Yorick gleich zweimal bei mehr oder minder vertrauten Personen zurückgelassen, um das Geheimnis um ihn zu wahren. Allerdings sind diese Aufenthalte für den letzten verbliebenen Mann alles andere als angenehm. So ist die eigentlich vertraute Agentin 711 alles andere als eine liebenswerte Zeitgenossin. Sie unterwirft Yorick ihrem Willen, macht ihn zu ihrem Gespielen und treibt ihn nicht nur zum Wahnsinn, sondern auch an den Rande des Todes. Doch ausgerechnet als sie ihn davon überzeugt hat, mit ihr zu schlafen, zieht 711 zurück und offenbart ihre wahren Motive.

Noch einmal härter wird indes sein Zwischenstopp bei P. J., die ihm eiskalt entgegenbringt, dass es nur zu ehrlich wäre, ihre sexuellen Lüste nicht an ihm auszuleben, weil er vor der Seuche auch nicht ihr Typ gewesen wäre. Dennoch entwickelt sich in den kurzen Momenten ihrer Zweisamkeit eine kleine Bindung, die in dem Moment jäh unterbrochen wird, als P. J. sich zum ersten Mal mit den Soldatinnen vor ihrem Haus anlegt. Yorick macht die grausamste Erfahrung dieser Reise und wird zum ersten Mal gezwungen, jenseits aller Tollpatschigkeit in Aktion zu treten. Für ihn geht es zum ersten Mal um Leben und Tod – und zum ersten Mal ruht die Verantwortung alleine auf Yoricks Schultern.

Brian K. Vaughan bringt in Episode 4 seiner gefeierten Serie zum ersten Mal überhaupt das wohl offensichtlichste Thema ein, das beide Geschlechter in dieser speziellen Situation beschäftigen sollte: Sex. Wochenlang hat Yorick sein Verlangen unterdrücken und überspielen können, und auch seine beiden Partnerinnen auf der Reise nach San Francisco haben nie ein Sterbenswörtchen über mögliche Beischlafgeschichten verloren. Nun aber trifft der Hauptdarsteller auf neue Vertraute, die ihn ohne Umschweife mit dieser Thematik konfrontieren. Für einen Moment bleibt er bei einer unmoralischen Offerte sogar standhaft, weil ihn stets die Hoffnung begleitet, dass er eines Tages doch noch seine Geliebte treffen wird, doch dann bricht er ein – und wird trotzdem verschont. Ob er aber künftig tatsächlich seine Triebe unter Kontrolle haben und seine rechte Hand ihm ausreichende Dienste erweisen wird, bleibt abzuwarten, zumal zwischen ihm und Agentin 355 trotz aller oberflächlichen Wortgefechte ebenfalls eine spezielle Bindung besteht. Ihr hilfloser verbaler Liebesbeweis, mit dem sie Yorick vor kurzem aus der Gefangenschaft befreien wollte, ist noch nicht vergessen.

Davon abgesehen, greift der Autor in diesem Fall auf eine mittlerweile recht überstrapazierte Idee zurück. Wiederum sind es weibliche Soldaten, die sich den Gefährten in den Weg stellen, und wiederum unterliegen sie einer neurotisch veranlagten Wahnvorstellung und gewissen Machtansprüchen, die ganz offenkundig einer unglaubwürdigen Scheinmoral folgen. Doch derart fanatische Menschen säumen ja schon von Beginn an das Bild, wobei es mittlerweile mal schön wäre, wenn die permanente Bedrohung mal nicht von Ladys in Camouflage ausgehen würde.
Dies ist jedoch auch schon der einzige kritische Punkt der vierten Ausgabe von „Y – The Last Man“.

Die brillante Idee wird erneut erfinderisch und witzig umgesetzt, die Aufbereitung der prägenden Charakterprofile entwickelt sich noch immer in Form einer detaillierten Darstellung spezifischer Wesensmerkmale voran und die Geschichte wird wiederum spannend und intelligent fortgeführt. Dass die Zukunftsaussichten trotzdem von Ausgabe zu Ausgabe noch besser werden, zeigt sich in den außergewöhnlichen Schlussszenen, die den Plot plötzlich komplett auf den Kopf stellen. Nur so viel: Vergessene Charaktere tauchen wieder auf und setzen die Erwartungen für Teil 5 in luftige Höhen. Aber genau so soll’s schließlich sein …

[Verlagsseite zur Serie]http://www.paninicomics.de/?s=gruppen&gs__gruppe=10452

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