Vaughn, Rob – Arkham Horror – Fluch des schwarzen Pharao/Curse of the Dark Pharao

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_Ein Atelier für Arkham_

Ein reger Austausch zwischen der Universität von Kairo und der wissenschaftlichen Abteilung in Arkham soll bereits in Kürze über die Grenzen der britischen Kleinstadt hinaus für Aufruhr sorgen. Eine ägyptische Ausstellung namens „Das Vermächtnis des Pharaonen“ soll bereits morgen ihre Pforten öffnen und allerhand Kultisten, Gefahren und Mysterien in die Stadt bringen.

Vater Michael, seines Zeichens Pater der Südkirche, erinnert an die schicksalhaften Vorfälle der letzten Jahre und ermahnt, die Ausstellung sofort zu stoppen. Wie Recht er haben soll, erfahren kurze Zeit später schließlich wieder die Ermittler, die die Ankunft eines neuen Großen Alten bekämpfen müssen und somit den Stoff für eine neue Spielidee im Kosmos des zunehmend populäreren Brettspiel-Adventures „Arkham Horror“ liefern.

_Spielidee_

„Fluch des schwarzen Pharao“ ist eine reine Kartenerweiterung zum wesentlich opulenteren Grundspiel und bietet somit keine gravierenden Einschnitte in das bestehende Regelwerk. Der Faktor Erweiterung beschränkt sich im Wesentlichen darauf, den Auswahlspielraum der Beteiligten noch weiter auszubauen und durch die Einbeziehung neuer Kartenfähigkeiten die Tiefe des Spiels kontinuierlich aufzuwerten.

Letztendlich steht aber nach wie vor der Kampf gegen den Großen Alten im Mittelpunkt, sei es nun in der getrennten Kartenform oder eben in der gemischten. Eine Sonder- und eine Dauerausstellung stehen als Spielvariante zur Verfügung, die sich jedoch weitestgehend nur in der Anordnung und Einbeziehung der neuen Karten unterscheiden. Doch gerade dieser kleine Unterschied kann schon bedeutsam sein. Ganz zu schweigen von den vielen neuen Einflussmöglichkeiten, die mit den Karten erst ermöglicht werden.

_Spielmaterial_

• 76 Ermittlerkarten
• 22 Exponate
• 21 Zauber
• 7 Verbündete
• 26 Spezialkarten
• 90 ‚Großer Alter‘-Karten
• 45 Arkham-Standortkarten
• 27 Torkarten
• 18 Mythoskarten

Zum Spielmaterial gibt es eigentlich nichts anderes zu sagen, als dass es optisch mal wieder über alle Zweifel erhaben ist und gerade wegen der sehr schön aufgemachten Symbolik, des ansprechenden Schriftbildes und der stimmigen Illustrationen wieder durch die Bank zu überzeugen weiß. Bombast-Anhänger des Spielsystems werden zwar abseits der Karten noch weitere Einlagen vermissen, die aber letzten Endes nicht zum Prinzip dieser Erweiterung passen würden – und an dieser Stelle auch nicht weiter diskussionswürdig sind. Ergo: toll, angemessen, visuell begeisternd – genau so sollte eine „Arkham“-Kartenerweiterung sein!

_Kartenübersicht_

Prinzipiell folgt das Gros der neuen Karten bewährten Mustern und Inhalten und unterscheidet sich vom bisherigen Material vorwiegend durch die Textformen und Beziehungen zu den einzelnen Standorten auf dem Spielfeld. Allerdings hat sich mit dem Release von „Fluch des schwarzen Pharao“ auch funktionell noch einiges verändert, da einige neue Kartentypen hinzugekommen sind:

|1. Exponate|

Exponate sind grundsätzlich wie Gegenstände zu behandeln. Allerdings sind sie nicht mit Geld aufzuwiegen und können nur in Begegnungen gewonnen werden. Vor allem an Standorten mit besonderen Gegenständen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein solches Exponat zum Vorschein kommt.

|2. Verbündete|

Verbündete sind fortan nicht mehr bloß Updates für bestimmte Charaktereigenschaften, sondern können nun auch gezielt in bestimmten Situationen eingesetzt werden. Die neuen Zusatzmöglichkeiten beziehen sich nahezu ausschließlich auf bestimmte Fertigkeitsproben, die mithilfe dieser frischen Verbündeten mit einem Bonus versehen werden.

|3. Vor- und Nachteile|

Der Name ist hier erwartungsgemäß Programm: Vorteile haben einen ähnlichen Effekt wie ein Segen, Nachteile gleichen Flüchen. Gemein ist ihnen allerdings, dass sie an bestimmte Ereignisse gekoppelt sind und nicht immer direkt in Kraft treten müssen. Damit wäre dann auch die Distanz zu den vergleichbaren Karten aus dem Grundspiel hergestellt.

|4. Verbannung|

Das möglicherweise reizvollste neue Element sind die Verbannungen. Sie bezwecken tatsächlich eine solche, die sich auf alle Standorte eines Viertels bezieht. Wer verbannt ist, darf zwar noch die Straßen dieses Viertels nutzen und in besonderen Situationen auch noch ein bisschen mehr. Doch solange die Terrorleiste keinen Zuwachs bekommt, sind die Standorte in diesen Vierteln für den Betroffenen tabu. In bestimmten Situationen kann dies natürlich fatal sein, weil man sich einfach nicht an der Monsterabwehr beteiligen kann.

|5. Zweifarbige Torkarten|

Die letzte Kartenkategorie dieser Erweiterung hat ebenfalls feste Bezugspunkte, nämlich zwei Symbole, die mit denen zweier Begegnungen übereinstimmen müssen, damit die Karten in Kraft treten. Der Effekt ist heftig: Es wird auf jeden Fall zu einer Begegnung kommen – eventuell sogar zu einem Aufeinandertreffen mit dem Großen Alten.

_Regelmodifikationen_

Auch in der Spielregel hat man mit Veröffentlichung der Erweiterung keine wesentlichen Grundzüge geändert. Lediglich des Element des überraschenden Kampfes ist hinzugekommen und führt dazu, dass man plötzlich auftauchenden Monstern nicht ausweichen kann. Der Kampf ist erst vorbei, sobald das Monster besiegt ist. Wer nach erstem Schaden am selben Ort bleibt, kann hingegen im zweiten direkten Aufeinandertreffen mit dem gleichen Monster auf die üblichen Kampfschemen zurückgreifen.

_Spielvarianten_

|a) Sonderausstellung|

In der Sonderausstellung wird das Kartenmaterial der Erweiterung noch konsequent von den Karten des Grundspiels getrennt. Exponate, Vor- und Nachteile sowie Verbannungen kommen als neue Karten separat hinzu, Zauber, Verbündete und Mythoskarten kommen ebenfalls neben ihr Äquivalent aus dem Hauptspiel und stehen nun immer wieder als Alternative zur Auswahl. Standort- und Torkarten werden hingegen komplett ersetzt.

Im Spielverlauf entstehen dadurch natürlich immer wieder Wahlmöglichkeiten, sowohl bei positiven als auch bei negativen Ereignissen. Man darf jedes Mal individuell zwischen Exponaten und besonderen Gegenständen wählen, die Zauber der Erweiterung denen des Basisspiels vorziehen und selbst die Mythoskarten abwechselnd aufdecken, um die Spannung noch weiter zu steigern. Gleichermaßen werden Verbündete von beiden Seiten gleichzeitig geopfert. Im Grunde genommen läuft alles darauf hinaus, dass man in seinem Entscheidungsspielraum noch mehr gefordert wird. Und eben dies erhöht den Anspruch dieser Variante enorm und macht sie in erster Linie für erfahrene Spieler empfehlenswert.

|b) Dauerausstellung|

Im Hinblick auf die Sonderausstellung beschränken sich die Unterschiede in der Dauerausstellung lediglich auf den Kartenaufbau. Gleichwertige Karten werden nun zusammengemischt, das Auswahlverfahren wird hingegen begrenzt. Dies macht das Spiel ein Stück weit weniger komplex, dennoch aber sicherlich nicht weniger reizvoll. Gerade zum Kennenlernen der neuen Erweiterung scheint diese Alternative zunächst die bessere zu sein.

_Persönlicher Eindruck_

„Fluch des schwarzen Pharao“ mag bei weitem nicht so umfangreich sein wie „Dunwich Horror“, jedoch zeigt sich gerade an dieser kompakten, eher zielorientierten Erweiterung noch mal ganz klar, welche Bedeutung Quantität in diesem Zusammenhang wirklich hat. Denn auch wenn das neue Kartenmaterial das Spielsystem nicht wesentlich verändert und sich der Spielcharakter nicht in seinen grundsätzlichen Zügen wandelt, so sind die sehr fokussierten Neuerungen wiederum eine echte Bereicherung für das Gesamtspiel und kommen dem faktischen Wert einer Erweiterung ohne Einschränkungen sehr nahe. Insbesondere neue Fähigkeiten wie Verbannungen und überhaupt das sehr gut ausgebaute Repertoire an Mythos- und Standortkarten seien hier exemplarisch genannt und stechen auch in diesem relativ kleinen „Arkham“-Ausbau deutlich heraus. Somit überzeugt die erste kleinere Erweiterung aus dem Kosmos des Cthulhu-Mythos auch ohne revolutionäre Umschwünge in ihrer sehr kompakten Inszenierung und entwickelt sich in kürzester Zeit zu einer absoluten Bereicherung für das nunmehr längst bewährte Spielsystem. Besitzer des Grundspiels können daher auch nicht auf dieses Update verzichten.

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