Wakonigg, Daniela – Mythos & Wahrheit: König Artus. Eine Spurensuche mit Musik und Geräuschen

König Artus: Legende, Sage, Mythos – oder doch nur ein Produkt der heroischsten Phantasien der britischen Zeitgeschichte? Daniela Wakonigg kommt der Legende mit wissenschaftlichen Ansätzen auf die Spur und setzt damit die spannende Reihe „Mythos & Wahrheit“ mit einem der weltberühmtesten und nach wie vor begeisterndsten Mythen überhaupt fort. Erwartungsgemäß nähert sich die Ideengeberin der Sache aber nicht mit der seligen Euphorie literarischer Werke, sondern auf analytischem, wenngleich kaum weniger überzeugtem Wege.

Dabei steigt Wakonigg aber erst einmal mit einem echten Tiefschlag ein und widerlegt die Thesen über die tatsächliche Existenz des Artus, wie er in den Sagen oftmals zitiert wird. Damit sind die Weichen für einen recht spannenden, nicht nur faktisch interessanten Monolog schon in den ersten Minuten gestellt – und in der Tat, dank des richtig starken Vortrags von Sprecher Bodo Primus entwickelt sich alsbald ein sehr eigenständiges, in dieser Form noch unbekanntes Bild der Artus-Legende.

Spannend ist das Ganze insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Darstellung zeigt, wie der Kult mittels fälschlicher historischer Dokumente entstand und stetig um weitere Fabeln erweitert wurde. Das Ganze beginnt mit der formellen Dokumentation des klassischen Artus-Abbilds, wird schließlich ergänzt mit den bekannten Inhalten um Merlin und Uther Pendragon und führt schließlich den Kult der Tafelrunde mit all seinen Nebenerscheinungen ein. Parzival und der Heilige Gral werden angeschnitten, die Sage um Sir Lanzelot und dessen verbotene Liebe aufgegriffen und natürlich auch der Mythos um das sagenumwobene Schwert Excalibur in die Erzählung eingebunden, wobei Primus in den Worten der Autorin schon recht überzeugend belegt, inwiefern Mythos und Scheinrealität hier ineinander übergehen und daher auch so effektvoll in die traditionelle, historische Literatur eingeflochten werden konnten.

Andererseits bringt dies natürlich in gewisser Weise eine seltsame Ernüchterung mit sich, da das Ganze wirklich gut recherchiert ist, damit aber umso deutlicher aufzeigt, warum der Mythos eben ein solcher ist und man ihn dergestalt auch hinnehmen muss. Dafür ist die Darbietung in Wort und musikalischer Untermalung wirklich stimmig und kann den phantasievollen Background rein atmosphärisch unterstützen. Da wird mittelalterliche Musik mit stimmungsvollen Geräuschen vermischt und die Legende genauso lebendig und ambitioniert interpretiert, wie es ihr Status verdient. Hinzu kommt der sehr gut aufgelegte Sprecher, der mit Begeisterung berichtet, aber dennoch den analytischen Unterton beibehält. Dies nimmt der Darbietung den sachlichen Beigeschmack, auch wenn es sich nach wie vor um ein größtenteils wissenschaftliches Projekt handelt, welches nicht bloß der puren Unterhaltung, sondern eher dem Infotainment zuzuordnen ist – und als solches funktioniert dieses knapp 70-minütige, sehr fundiert erzählte Hörbuch wirklich prächtig.

Man mag sich letzten Endes zwar immer noch nicht so recht mit dem Gedanken anfreunden können, dass diese begeisternde, viel zitierte Sage nicht mehr ist als ein puzzleartig konstruiertes, langsam aufgestocktes Produkt der Phantasie ist. Doch nach der hier gebotenen Möglichkeit, ein ganzes Stück tiefer in den Mythos einzutauchen und zu begreifen, wo genau sich die Unterschiede zwischen Schein und Sein in diesem Klassiker verbergen, wird man doch irgendwie befriedigt. Einerseits wegen der sehr tiefgängigen Recherche, andererseits wegen der erstklassigen Darbietung. Mit dem dritten Teil ihrer „Mythos & Wahrheit“-Reihe ist Daniela Wakonigg daher auch das bislang beste Werk in dieser Serie gelungen!

|68 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-939932-05-5
Sprecher: Bodo Primus, Josef Tratnik, Hans-Gerd Kilbinger, Hans Holzbecher|
http://www.stimmbuch.de

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