Weinland, Manfred / Rost, Simon X. / Fickel, Florian – Vampira: Die Blutbibel (06)

_Vampira als Indy: Abenteuer in Nepals Tempeln_

Vampira ist eine hübsche junge Halbvampirin, doch die Freunde ihrer verstorbenen Mutter, die Vampire, machen ihr das Leben schwer. Gut, dass Mutter ihr eine Allzweckwaffe mit auf den Lebensweg gegeben hat: ein intelligentes Kleid, das die Gegner fertigmacht.

„Lilith starrt in die Augen der Wesen, Augen, die sie hypnotisieren. Die beiden Hybriden erheben sich in die Luft und stoßen dann auf sie herab. Sie kann nicht verhindern, dass eines der Mischwesen sich mit spitzen Krallen in sie bohrt …“ (abgewandelte Verlagsinfo)

_Der Autor_

Manfred Weinland ist der Autor der gleichnamigen Heftromanserie „Vampira“. Mehr zur Serie findet man auf der Website http://www.phantastische-hoerspiele.de.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Buchbearbeitung lag in den Händen von Simon X. Rost, Regie führte wie bisher Florian Fickel. Die Vertonung erfolgte durch Joschi Kauffmann, der auf eigene Musik und die seines Kollegen Rainer Scheithauer zurückgriff. Man kann annehmen, dass aus dieser Quelle auch die zahlreiche Geräusche und Soundeffekte stammen. Das Ganze wurde in verschiedenen Studio aufgenommen. In den Stuttgarter JK Studios wurde produziert, gemischt und gemastert.

Die Rollen und ihre Sprecher:

Intro: Klaus Höhne („Prof. Dumbledore“)
Erzähler: Christian Rode (Christopher Plummer; Michael Caine)
Vampira: Tina Haseney
Duncan Luther: Gerrit Schmidt-Foss (Leonardo DiCaprio)
Landru: Bela B. Felsenheimer (|Die Ärzte|)
Mc Beth, Reporterin: Ulrike Sturzbecher
Rani: Samuel D. Willingham
Onan: Kerstin Sanders-Dornseif (Susan Sarandon; Glenn Close)
Kuttenträger: Dirk Müller (Peter „Colt“ Lamb in Matrix 2 & 3)
Pradesh: Frank Felicetti
Bahadur: Michael Habeck (Oliver Hardy, „Barney Geröllheimer“)
Baghdi: Peter Flechtner (Ben Affleck)
Suchete & Minati: Dorette Hugo
u. v. a.

_Die Vorgeschichte_

Ab Episode 2 werden die vorhergehenden Ereignisse kurz zusammengefasst: „Was bisher geschah“. Ich tue das ein wenig ausführlicher.

Das junge Mädchen Lilith erwacht irgendwo, ohne eine Ahnung zu haben, wer und was sie ist. Nun, sie ist eine Halbvampirin. Bereits im ersten Teil der Serie erfahren wir durch Liliths Träume von der Prophezeiung, die Liliths Leben bestimmt. Von wem die Prophezeiung stammt, ist unklar, Hauptsache, Liliths Mutti weiß Bescheid. Das Töchterlein hat die hehre Aufgabe, die Vampire zu bekämpfen. Was etwas ironisch ist, wenn man bedenkt, dass Mutti auch eine aus dieser Rasse ist. Papi ist nicht so wichtig, aber er kommt in einer Rückblende ebenfalls vor.

Aber welchen Grund hat Lilith, ihre blutsaugenden Zeitgenossen zu hassen und zu vernichten? Dies werden wir hoffentlich noch in späteren Episoden erfahren. Ein gewisser Obervampir namens Landru scheint dabei eine Rolle zu spielen. Möglicherweise wollte Liliths Mutter verhindern, dass Landru & Co. wieder ihre Herrschaft über die Menschen errichten, nachdem ihnen diese vor Jahrtausenden verloren ging. Warum Mütterchen drei Tage nach Vampiras Geburt den Löffel abgeben muss, wird ebenfalls nicht erklärt. Schuld kann bloß die Prophezeiung sein.

Selbstredend hat das arme Mädel – sie ist ja Vollwaise – null Peilung, über welche Kräfte es verfügt. Deshalb dienen die ersten Episoden zu ihrer Orientierung, was ihre Fähigkeiten anbelangt. Das macht ihre Geschichte sympathisch und spannend. Außerdem sind diese Abenteuer aufgrund von Liliths Schönheit und erotischer Anziehungskraft höchst sinnlich geprägt – ein Markenzeichen der Serie. Da Lilith aber nur Halbvampirin ist, ist sie nicht wie ihre reinrassigen Vettern und Kusinen auf Vergewaltigung aus – so bleibt alles schön politisch korrekt.

Eine ganz wichtige Waffe ist Liliths rotes Kleid, ein Erbstück des lieben Mütterleins, welches offensichtlich über ein eigenes Leben und Bewusstsein verfügt. Was dieses Kleid mit seinen Opfern anrichtet, ist meist ungesund in seiner Wirkung, aber: Die Schurken haben es ausnahmslos verdient. Schutz kann Klein-Lilith gut gebrauchen: Die Vampire – hier „Götzen“ genannt – sind hinter ihr her. Und sie können sich jederzeit von einem Menschen in einen Wolf oder einer Fledermaus verwandeln.

|In Episode 3|

… geriet Lilith Eden unter den Holzpflock des besessenen Priesters Lorrimer, der ihr selbigen ins Herz treiben, weil er sie für eine Vampirin hielt – nicht ganz zu Unrecht, wie hier angemerkt werden sollte. Zum Glück für Lilith kam ihm sein Novize Duncan Luther in die Quere, der auf hypnotischen Befehl zweier echter Vampire handelte. Doch Lilith befreite ihn von deren Bann und gemeinsam konnten sie in eine Absteige entkommen.

|In Episode 4|

… stellt Lilith erstmals ihre Fähigkeit zu liebevollem und solidarischem Handeln unter Beweis. Das macht sie umso sympathischer und akzeptabler, wenn sie andere Personen verletzt oder tötet. Als sie Duncan gegen die Vampire beisteht, entfaltet sie zudem beachtliche Kräfte, die belegen, dass sie auch ohne ihr magisches „Kleid“ den Gegnern Paroli bieten kann. Dass das Kleid schließlich wieder zu ihr zurückfindet und sie schützend umschließt, ist eher eine Fußnote. Doch Lilith, die eine Ahnung von ihrer Sterblichkeit hat, fühlt sich nun wieder vollständig. Allerdings rücken ihr ihre Feinde, die Vampire unter Führung von Landru, allmählich auf die Pelle.

|In Episode 5|

… lernt Vampira, auf den Traumpfaden der Geistreise zu wandeln und entdeckt das – leere – Grab ihrer Mutter Criana. Außerdem stößt sie im persönlichen Besitz ihres Widersachers Landru auf eine Landkarte aus Menschenhaut. Der Obervampir befindet sich auf der Suche nach einem heiligen Kelch, mit dessen Hilfe sich neue Vampire erzeugen lassen.

_Handlung_

Auf der Spur von Sydney nach Nepal folgen Lilith Eden und ihr Freund Duncan Luther der Spur von Obervampir Landru. In Neu-Delhi treffen sie den Kontaktmann, den ihnen die Reporterin Beth McKinsey genannt hat: Pradesh. Er soll sie weiter nach Nepal fliegen. In Gesellschaft dieses Mannes kommt Vampira auf eine saudumme Idee: Sie will ein Liebesabenteuer mit Pradesh. Sie lässt es ihn im Hotel arrangieren, dass Vampira und Duncan getrennte Einzelzimmer statt eines Doppelzimmers erhalten. Während sie sich mit Pradesh den Wonnen des Tantra-Sex hingibt, wird jedoch Duncan von einem Monster besucht. Auch sein Avemaria hilft ihm nicht. Als Vampiras sechster Sinn ihr sagt, dass etwas nicht stimmt, ist es für Duncan bereits zu spät. Voller Schuldgefühle fliegt sie mit Pradesh in den Himalaya …

Als sie in dem Dorf Dhalpu eintrifft, hat sie es bereits über eine Geistreise erkundet. Daher findet sie den Aufenthalt hier äußerst gefährlich, denn unheimliche Dinge geschehen hier. Sieben Dörfer unterstehen dem Tempel, in dem eine grausame Priesterin namens Onan jeden Monat ein Menschenopfer fordert. Um dieses zu erhalten, müssen die Dörfler seit Jahren per Scherbengericht einen aus ihrer Mitte bestimmen, der es verdient hat, zu sterben, weil er oder sie so ein schlechter Mensch ist. Doch zunehmend trifft das Urteil auch Kinder …

Vampira betritt das Dorf und sieht als Erstes den Scheiterhaufen. Darauf liegen vier Leichen bereit für die Verbrennung. Eigentlich dürften es nur drei sein: Die Auserwählte war ja für den Tempel bestimmt. Doch wie ihr der Junge, der die Scherben transportiert, sagt, hat etwas die vier kürzlich niedergemetzelt. Vampira denkt sofort: Landru! Er ist also hier.

Als die Leute aus dem Tempel ein neues Opfer für sie bestimmen, legt sich Vampira an die Stelle der auserwählten Frau Usha und wird in den Tempel gebracht. Dort muss sich erweisen, was ihr Symbiontenkleid alles draufhat, um seine Herrin überleben zu lassen. Denn auf eines haben es die Templer ganz besonders abgesehen: auf die Haut ihres Opfers. Da taucht Landru auf, der im Tempel den Kelch sucht, und stört den vorgesehenen Ablauf der Zeremonie in ganz erheblichem Maße …

_Mein Eindruck_

Herrje, was für ein Durcheinander. Der Autor vermischt verschiedene Mythen und Legenden auf recht wilde – andere würden sagen: kreative – Weise, um seinem Serienstoff Leben und Spannung einzuhauchen. Nach den sattsam bekannten Vampiren und Werwölfen (Landru ist beides) tauchen nun erstmals auch Harpyen auf: Minati und Suchete sind blutsaugende Raubvögel mit Frauenköpfen, die sich verwandeln können. Da sie etwas mehr sind als die Plagegeister der griechischen Antike, nennt der Autor sie kurzerhand „Hybride“, also Mischwesen. Dieses Merkmal wiederum trifft auf ungefähr alle Monster in dieser Serie zu, hat also wenig zu besagen.

Auch die Idee mit dem Scherbengericht stammt aus dem alten Griechenland. Der „Ostrakismos“ (von ostrakon: Scherbe) diente der Ausstoßung und Verbannung missliebiger Gemeindemitglieder. Auf diese Weise wurde die Todesstrafe vermieden. Dieser Zweck des Scherbengerichts wird aber in Dhalpu völlig verfehlt, denn die „Auserwählten“ sind todgeweiht. Die Grausamkeit dieses alten Rituals dürfte keinem Zuhörer entgehen. Weil der Ostrakismos zunehmend auch Kinder trifft, entzieht sich die Dorfgemeinschaft allmählich selbst ihre künftige Lebensgrundlage: Wer soll in Zukunft die Arbeit tun und Kinder bekommen? Wenn man dieses System zu Ende denkt, erscheint der Tempel nicht sonderlich klug, denn er vernichtet die Quelle, aus der seine Häute stammen.

Diese Häute werden nur für einen Zweck benötigt: als Seiten in einem überdimensionalen Buch, das als „Ewige Chronik“ bezeichnet wird. Das ist ein interessantes Konzept, das direkt aus der Bibelbeschreibung des Jüngsten Tages stammt: Die Lebenden und die Toten werden gerichtet je nachdem, was im Buch verzeichnet ist. In der Ewigen Chronik steht aber zusätzlich noch, was die Menschen in ihrem späteren Leben tun werden, also noch vor ihrem Tod. Wie der Tempel an diese Informationen gelangt, wird uns jedoch verschwiegen: Hellseherei, ein Orakel oder andere Methoden? Egal, feststeht lediglich, dass das Buch über einige überraschende Eigenschaften verfügt, die Lilith und Landru beinahe zum Verhängnis werden.

Die Episode lässt sich in drei Akte aufteilen: Nachdem der erste mit Duncans völlig unnötigem und unmotiviertem Tod geendet hat, betätigt sich Lilith, vermutlich aus ihrem gerechtfertigten Schuldgefühl heraus, als Heldin, um die Jugend des Dorfes Dhalpu vor den Leuten aus dem Tempel zu schützen. Nachdem sie selbst im Tempel gelandet ist, beginnt der dritte Teil mit dem Auftritt Landrus, der hier den gesuchten Kelch finden will, aber sofort gejagt wird.

Unterdessen bekommt es Lilith mit den Harpyien zu tun. Dies ist wider Erwarten eine höchst erotische Passage, ein sinnliches Atemholen vor dem chaotischen Finale. Denn Lilith erinnert sich in zwei Rückblenden, wie sie je eine lesbische Nacht mit Minati und Suchete verbrachte, als sie den Aufstieg ins hoch gelegene Dhalpu bewältigte. Die beiden Zwillinge hatten da natürlich ihre menschliche Gestalt gewählt, bevor sie sich in Harpyien verwandelten.

Wie in jedem anständigen „Indiana Jones“-Film – man denke etwa an Teil 2 – endet das Abenteuer des bzw. der Helden mit dem Untergang des Bösen und der Rettung der Guten. Mehr darf nicht verraten werden.

Wie man sieht, versucht der Autor, auf mehr oder weniger gelungene Weise erotische Episoden einzuflechten. Außerdem soll sich Liliths Symbiontenkleid bewähren und tut dies auf meist blutige Weise. Wider Erwarten bleibt ein Showdown zwischen Lilith und Landru aus, will heißen: Die Entscheidung wird auf spätere Folgen vertagt, auf die sich der Vampira-Fan freuen darf.

Höhere Ansprüche darf man an die Dramaturgie der „Vampira“-Folgen sicher nicht stellen, denn wahrscheinlich würde jeder Produzent, der einen Abschluss in Dramaturgie hat, solche zusammengestöpselten Skripte dem Autor um die Ohren hauen. Auch die Entwicklung der Figur Liliths ist nicht gerade vom Feinsten: Eben noch die sexgierige Halbvampirin, mausert sie sich flugs zur schuldbewussten Menschenretterin, nur um dann als Monsterschlächterin den Harpyien den Garaus zu machen. Aber was eine rechte Heldin à la „Elektra“ sein will, muss es eben jedem Publikumswunsch recht machen.

|Die Sprecher/Die Inszenierung|

Die Stimme der Heldin, die Tina Haseney gehört, hat mir diesmal besser gefallen, denn sie muss nicht mehr die ahnungslose Landpomeranze spielen, sondern kann mitunter mal losbrüllen, wenn sie gegen die allfälligen Monstrositäten antritt. Wenn sie mit den Dorfbewohnern spricht, darf sie auch mal ihre sanftere weibliche Seite hervortreten lassen.

McBeth wird von Ulrike Sturzbecher als eine patente und ehrgeizige Reporterin gezeichnet, die es verdient hätte, mal auf einen grünen Zweig zu kommen und Anerkennung zu erhalten. Ich konnte diese Figur einigermaßen ernst nehmen, auch wenn sich in ihr einige Hollywoodklischees wiederfinden. Diesmal spielt McKinsey jedoch keine Rolle.

Felsenheimers Obervampir Landru ist zwar immer noch der Bösewicht, wie er im Buche steht, doch Bela B von den „Ärzten“ chargiert endlich weniger und hat sich mehr zurückgenommen. Das erlaubt ihm, nuancierter zu spielen und mehr Andeutungen in seine Dialogzeilen zu legen.

Die beiden Hybriden sind mir aufgrund ihrer sehr hohen, beinahe schon kreischenden Stimmen in Erinnerung geblieben. Vermischt sind sie mit einem raubvogelartigen Krächzen, denn schließlich sind die Mischwesen ja eine Kombination aus Raubvogel und Frau.

|Geräusche und Musik|

Recht interessant sind die Soundeffekte. Wie jedes Horrorhörspiel steht und fällt der Gesamteindruck mit dem Einsatz von Musik, Geräuschen und Effekten. Spielt alles sauber zusammen und gibt es keinen Sound-Brei, dann ist das schon die halbe Miete, was den Erfolg beim Hörer anbelangt. Durch den Einsatz von Effekten kann man den Soundtrack aufwerten, ihn aber auch überladen, deshalb ist die richtige Dosierung entscheidend.

Zu den Geräuschen zählen alle, die das Ambiente verdeutlichen, so etwa der Propeller des altmodischen Flugzeugs, das Lilith nach Dhalpu bringt. Draußen heult ein eisiger Wind, wie er für diese Berghöhen wohl nicht ungewöhnlich ist. Immer wieder geht etwas zu Bruch: Scheiben klirren, Dinge fallen herab, und im Finale geht es recht wüst zur Sache. Brechende Hälse, spritzendes Blut – das volle Programm.

Da diese Episode in Nepal spielt, dominieren indische Instrumente, also Flöten, Tablas und dergleichen. Doch das indische Einerlei kann natürlich nicht ewig dauern, und so wird es abrupt von einer Marschtrommel unterbrochen, als die Templer zum Angriff auf Lilith und Landru blasen. Mehrere Male ist ein Klagelied zu hören, das von einer Frau sehr schön gesungen wird. Es erinnert an die elbische Klage über das Ableben Gandalfs in Moria. Das Intro mit der Titelmelodie wiederholt sich im Ausklang.

_Unterm Strich_

In dieser Episode ergibt das Handeln der Heldin ebenso wenig Sinn wie zuvor. War sie zuvor ein Spielball unsichtbarer Mächte, so entwickelt sie nun selbst eine willkürliche Unvorhersehbarkeit, die sie gefährlich macht. Ihre unvermittelt auftretende Geilheit muss ihr Freund Duncan mit dem Leben bezahlen. Die Wiedergutmachung soll durch Rettung von sieben Dörfern in Nepal erfolgen, doch der Erzfeind Landru entkommt auch diesmal wieder. Hier hat sich der Autor ein Hintertürchen offen gehalten, das es ihm erlaubt, die Serie fortzusetzen. Alles in allem ist dies für den Hörer wenig befriedigend.

Lediglich die handwerkliche Seite des Hörspiels vermag zu überzeugen. Geräusche, Sounddesign, Musik und schließlich die Dialoge bilden eine halbwegs gut zusammen passende Komposition. Wenn die seltsame Entwicklung der Hauptfigur nicht wäre, könnte ich das Hörbuch höher werten, aber so reicht es auch diesmal nicht zu mehr als einem durchschnittlichen Eindruck.

|Für wen sich die Serie eignet|

Diese Hörspielreihe, die im April 2006 begann, ist meines Erachtens für Mädchen und Jungen gleichermaßen interessant – ab 14 bis 16 Jahren etwa, denn der Gewalt- und Erotikgehalt ist beträchtlich. Mädchen können sich mit der Lage der jungen Lilith Eden identifiziert und sozusagen mit ihr als einer Superheldin wachsen und Abenteuer erleben. Ihr realistisches Gegenstück ist Beth McKinsey, die Reporterin, genannt „Mac Beth“.

Jungs identifizieren sich wohl eher mit dem Polizisten Jeff Warner (der in den Episoden 5 und 6 nicht auftritt) und dem Novizen Duncan Luther. Erbaulich ist auch der Umstand, dass Liliths Opfer fast immer Männer sind, und darunter sind meist recht verkommene oder geistig minderbemittelte Exemplare. Gegen weibliche Vampire vorzugehen, hat das Supermädel aber auch keine Skrupel, wie sie in Episode 5 unter Beweis stellt. Vampira ist Sozialdarwinismus auf zwei sexy Beinen.

Für Erwachsene hält die Serie herzlich wenige Unterhaltungswerte bereit. Dafür sind die Figuren und die Dialoge zu unausgereift. Mit Lumleys „Necroscope“ können sie schon gleich gar nicht mithalten – wollen es aber auch wohl auch nicht. Alles in allem ist eben die Hörspielserie die akustische Entsprechung zu einem Heftchenroman. Die Produzenten können lediglich versuchen, diesem dürftigen Gerüst ein möglichst schönes Mäntelchen umzuhängen.

|68 Minuten auf 1 CD|
http://www.luebbe-audio.de

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