West Reynolds, David / Saxton, Curtis / Jenssen, Hans / Chasemore, Richard – STAR WARS Episoden I-VI – Das Kompendium (Die Risszeichnungen)

Es ist unbestritten, dass das umfangreiche „Star Wars“-Universum ohne seine zahlreichen Fanatiker und Freaks längst nicht von einer derartigen Faszination geprägt wäre, wie man sie auch abseits der beiden Trilogien in allen möglichen Bereichen der modernen Medien immer wieder erleben darf. Schaut man sich den enormen Einfluss von George Lucas‘ legendären Meisterwerken mal aus einer eher analytischen Perspektive an, scheint es kaum fassbar, inwiefern die Jedi-Ritter und ihre Komparsen im Laufe der Jahre ein nimmer aufzuhaltendes Eigenleben entwickelt und das Leben nicht gerade weniger begeisterter Zuseher maßgeblich verändert haben. Freaks eben, die von einem Mythos infiziert wurden, ihn leben, atmen und … nun, wir wollen nicht übers Ziel hinausschießen.

Unbestritten gibt es diese fanatische Anhängerschaft aber wohl in keinem medialen Umfeld in einem derart immensen Ausmaß wie beim „Krieg der Sterne“, so dass nicht anzuzweifeln ist, dass die beiden kürzlich erschienenen Kompendien zur Sternensaga sicherlich auf reißenden Absatz stoßen werden. Zielgruppe des hier besprochenen Werks ist aber ganz eindeutig der Kreis der Freaks. Hans Jenssen und Richard Chasemore, zwei fantastische Zeichner, die ihr gesamtes Dasein der Geschichte um die Skywalker-Tragödie verschrieben haben, konnten sich im ersten „Star-Wars-Kompendium“ der Episoden I-VI nicht nur selbst verwirklichen, sie haben zudem ihr persönliches Gesamtwerk in den Risszeichnungen dieses überdimensionalen Lexikons veröffentlicht. Begleitet von den Texten von David West Reynolds und Curtis Saxton liefern sie die Illustrationen zum gesamten maschinellen Fuhrpark aller sechs Streifen und beleuchten in intensiver Kleinarbeit alle technischen Details eines jeden Raumers, Pod-Racers und Sternzerstörers, dass es selbst dem leidenschaftlichsten Liebhaber des Science-Fiction-Spektakels die Spucke raubt.

Mit dem Schwerpunkt auf den ersten drei Episoden – was sicherlich dadurch bedingt ist, dass die neueren Streifen ganz deutlich auf ein opulentes Effekt-Feuerwerk ausgerichtet waren – wird hier jedes auch nur für wenige Sekunden aufgetauchte Raumschiff fokussiert unter die Lupe genommen und seine individuellen Funktionen anhand eines Grundrisses und umfassender Erklärungen in allen Einzelheiten beschrieben. Jeder Blaster, jede noch so versteckte Bordkanone und generell alle verborgenen Facetten der Maschinen werden offengelegt und setzen der Phantasie des staunenden Anhängers nun endgültig keine Grenzen mehr. Befürchtungen, die Fülle der Details würde in einer unübersichtlichen Anordnung enden, können derweil ebenfalls als haltlos erklärt werden; fast alle Gleiter und Schiffe werden mit einer Doppelseite bedacht, auf der man durch den Grundriss die vielen Einzelheiten eingetrichtert bekommt und mit wachsender Seitenzahl immer weiter für sein „Star Wars“-Technikdiplom geschult wird. Unglaublich, wie Qualität und Quantität des Materials hier gänzlich neue Standards für eine cineastische Ehrerbietung setzen. Selbst das weitaus jüngere Mammut-Spektakel „Herr der Ringe“ könnte mit einer vergleichbaren Veröffentlichung sicher nicht an dieses gehaltvolle Meisterstück anknüpfen, das steht nach der Betrachtung opulent ausstaffierter Extravaganzen wie dem republikanischen Kanonenboot sowie dem übergroß aufgeführten Todesstern ohne Zweifel fest.

Zuletzt ist es dann doch die edle Aufmachung, die das Kompendium mit den Risszeichnungen in seiner Unantastbarkeit komplettiert. Hier wurde in jeglicher Hinsicht geklotzt, sei es nun in der Fülle und Brillanz der eindrucksvoll dokumentierten Recherche, bei den genialen Illustrationen der beiden Zeichner, im generellen Umfang und letztendlich natürlich bei der hochwertigen Papierqualität. Alles in allem ist dieses übergroße Hardcover-Album damit die definitive Bibel für die Technik-Freaks unter den „Star Wars“-Begeisterten und daher selbst bei einem Preis von knapp 40 € eine verpflichtende Investition für die auch heute noch wachsende Zielgruppe. Eine Warnung sei nur an diejenigen gerichtet, die bei einer derartigen Reizüberflutung die Kontrolle verlieren; es ist nämlich zu befürchten, dass man mit einem Mal so tief in das Star-Wars-Universum versinkt, dass eine von Euphorie getragene Isolation droht. Aber ehrlich gesagt: Nach den überwältigenden Eindrücken dieses Mega-Wälzers könnte ich es absolut niemandem verdenken!

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