Willingham, Bill / Buckingham, Mark – Fables 4 – Die letzte Festung

Wer bereits mit den ersten drei Teilen der „Fables“-Reihe vertraut ist, der wird in etwa wissen, was er von dem mittlerweile vierten Band um die Märchenfiguren im Exil erwarten kann. Nachdem Autor Bill Willingham sich ausführlich dem Leben seiner Helden in Fabletown und auf der Farm der Tiere gewidmet hat und der Leser nun weiß, wie es den Märchenfiguren so geht, die unerkannt in New York als geschlossene Gemeinschaft im Exil leben, gibt es nun einen Blick in Richtung alte Heimat.

In „Fables: Die letzte Festung“ steht nun einmal Blue Boy im Mittelpunkt, der bislang eher unscheinbar gebliebene Gehilfe von Snow White. Blue Boy ist in düsterer Stimmung. Es ist der Jahrestag der glücklichen Flucht der letzten Fables aus der alten Heimat – der Tag, an dem das letzte Schiff in unsere Welt aufbracht. Und es ist auch der Tag, an dem Blue Boy seine große Liebe verlor, da er auf dem letzten Schiff war und sie nicht. Und so erinnert sich Blue Boy, wie es dazu kam: die letzte große Schlacht gegen den Feind. Der aussichtslose Kampf, der dazu dient, die letzte Festung und damit das letzte Tor in unsere Welt so lange wie möglich zu verteidigen. Blue Boy war dabei, als viele tapfere Fables ihr Leben lassen mussten.

Im Anschluss an diesen dunklen Moment in der Geschichte der Fables springt Willingham in der nächsten Geschichte zurück in die Gegenwart. „Aufmarsch der Holzsoldaten“ hängt zumindest insofern inhaltlich mit „Die letzte Festung“ zusammen, als dass diese Geschichte erzählt, wie Red Riding Hood – damals die große Liebe von Blue Boy, die er im Kampf um die letzte Festung für immer verloren geglaubt hat – heute durch das Tor zur Welt der Menschen gelangt und nach Fabletown kommt. Doch so ganz viel Wiedersehensfreude mag nicht aufkommen, vermutet Bigby Wolf hinter dem plötzlichen Auftauchen der Dame doch etwas ganz anderes als einen glücklichen Zufall. Etwa zur gleichen Zeit tauchen drei merkwürdige Gestalten zweifelhafter Herkunft und Gesinnung in Fabletown auf …

Ganz pauschal kann man schon mal sagen, dass die „Fables“ sich auch mit dem vierten Band in gewohnt guter Manier präsentieren. Was Willingham und sein Zeichnerteam mit den ersten drei Bänden so wunderbar vollzogen haben, setzt sich auch in „Die letzte Festung“ fort. Mark Buckingham sorgt für die gewohnt gute Optik der Geschichten und wird diesmal von Craig Hamilton und Philip Craig Russel unterstützt.

Inhaltlich zieht Willingham wieder einmal kräftig an der Spannungsschraube. Gerade die zweite Geschichte „Aufmarsch der Holzsoldaten“, die in einem ganz gemeinen Cliffhanger endet, der den Leser quasi nägelkauend auf den nächsten Band warten lässt, strotzt nur so vor Spannung. Was Willingham hier aufbaut, ist eine unverhofft komplexe Geschichte um Spionage, Intrigen und Verrat, die auch im nächsten Band noch viel Spannung bescheren dürfte.

Prince Charming steigt in den Wahlkampf ein (genaugenommen gab es in Fabletown zuvor noch nie einen Wahlkampf, da noch nie jemand die Kompetenz des amtierenden Bürgermeisters King Cole in Zweifel gezogen hat). Fabletown stehen nicht nur politisch einschneidende Veränderungen bevor. Getreu dem Motto „Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus“, schürt der „Aufmarsch der Holzsoldaten“ dunkle Erwartungen für den nächsten Band. Was Willingham da auffährt, dürfte, nach dem Verlauf dieser Geschichte zu urteilen, noch spannender und düsterer werden.

Wer hätte am Anfang der Fables-Reihe gedacht, dass ein paar im Exil lebende Märchenfiguren so viel Potenzial für nervenaufreibend spannende Geschichten bieten? Dass man das eigentlich so nicht erwartet, unterstreicht im Grunde nur, was Bill Willingham für ein hochkarätiger Autor ist.

Er versteht sich darauf, die unterschiedlichen Facetten seiner Figuren auszuleuchten, er erzählt mal lustige, mal verzwickte Geschichten, er schürt Spannung und sorgt für Schmunzler, und so bleibt einem gar nichts anderes übrig, als den Hut zu ziehen. Mit jedem Band lernt der Leser neue Figuren näher kennen, jeder Band hat seine ganz eigene Grundstimmung, und doch ist das Gesamtkonzept in sich stimmig.

Bleibt also festzuhalten, dass Bill Willingham und seinem Zeichnerteam wieder mal eine schöne Fortsetzung der „Fables“-Reihe geglückt ist. Ich war nie so gespannt auf den nächsten Band, wie ich es nach diesem bin. „Die letzte Festung“ ist spannend, atmosphärisch dicht und wird getragen von düsteren Vorahnungen. Bleibt zu hoffen, dass wir nicht zu lange auf die Fortsetzung warten müssen …

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_Die „Fables“ bei |Buchwurm.info|:_
[„Fables 1 – Legenden im Exil“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3175
[„Fables 2 – Farm der Tiere“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3506
[„Fables 3 – Märchenhafte Liebschaften“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4062

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