Zachert, Christel – Mein Weg auf den Kilimandscharo

Christel Zachert ist eine Kämpfernatur, als solche durch Höhen und Tiefen gegangen, aber nie so weit gelangt, den Glauben an sich selbst zu verlieren. Vor 25 Jahren verstarb ihre Tochter im Alter von gerade mal 15 Jahren an Krebs und gab ihr jeden Grund, die Hoffnung am Leben aufzugeben. Auch die Misere ihres Sohnes Christian hat ihr schwer zu schaffen gemacht, sie aber nicht zu Boden gerissen. Doch Zachert hat zeit ihres Lebens auch eine gesunde Stütze: Ihr Ehemann Hans galt in der Position des BKA-Präsidenten als einer der mächtigsten Beamten in der gesamten Republik, sie wiederum stand als Finanzberaterin im gehobenen Dienst ebenfalls auf sicheren Beinen.

Christel Zachert ist zudem vor allem eines: eine sehr selbstbewusste Frau. Aus eigenem Engagement hat sie eine Stiftung für krebskranke Kinder gegründet und ein Camp für diese Menschen errichtet, das seit der Gründung auf eine finanzielle Stütze von beinahe einer Million Euro bauen kann. Doch die inzwischen 67 Jahre alte Dame ist mit ihren Träumen längst nicht am Ende. Während eines Vortrags in ihrem Betrieb wurde sie auf das Kilimandscharo-Programm von Hubert Schwarz aufmerksam, welches vor allem Leuten im gesetzten Alter noch beweisen soll, dass man Grenzen überschreiten kann, die unerreichbar scheinen. Vor zwei Jahren ließ sie sich schließlich nicht mehr von der Idee abbringen, dieses Projekt selber anzupacken und ihre alte Liebe fürs Bergsteigen in einem finalen Gewaltakt neu entflammen zu lassen. Nach intensiver Vorbereitung und vielen Abwägungen erreichte Christel Zachert im September 2007 den Gipfel des höchsten Berges Afrikas. Mit ein wenig Distanz veröffentlicht sie nun ihren aufschlussreichen Reisebericht, der vor allem ein Ziel verfolgt, nämlich allen Menschen zu zeigen, dass man für seine Träume kämpfen und einstehen muss, damit sie schlussendlich auch realisiert werden können.

Zachert verfolgt dabei einen sehr offenen Schreibstil, der auf Anhieb ein sehr buntes Publikum ansprechen sollte. Die Autorin verbirgt nicht sonderlich viel Privates, spricht über ihre Vorlieben und Wünsche, reflektiert aber auch in kurzen Zügen sehr positiv ihr Leben, das trotz der herben Schicksalsschläge nie aus dem Ruder gelaufen ist. Flink wechselt sie schließlich zur Verwirklichung eines spät entwickelten Lebenstraums und beschreibt vorab die Umstände, die das Kilimandscharo-Projekt erst angeleiert haben. Zachert redet von Bedenken, dem schlechten Gewissen ihrem körperlich nicht mehr ganz so leistungsstarken Mann gegenüber, andererseits aber auch von ihrer ungebändigten Motivation und ihrer persönlichen Fitness, die sie schließlich auch auf den Gipfel treiben sollen.

Dementsprechend ist das eigentliche Kernthema des Buches auch nicht zwingend die beschwerliche Tour zum Gipfel, sondern vielmehr eine Aufforderung an die ältere Generation, jeglichen Antrieb zu nutzen und sich nicht von den Klischees der alternden Knochen unterkriegen zu lassen. Es ist vor allem der Lebensmut, mit dem die Autorin dies beschreibt, der hier prägend ist und auch später haften bleibt, quasi als Motivationsstütze für den angesprochenen Leser. Und daher ist „Mein Weg auf den Kilimandscharo“ auch kein typischer Erlebnisbereicht, sondern einfach eine Art persönlicher Message, verpackt in die Schilderung einer Reise mit einem ungewöhnlichen, beeindruckenden Ziel.

Nichtsdestotrotz: Wer ein bisschen etwas über die Gegebenheiten im Grenzgebiet von Tansania und Kenia erfahren möchte, ein paar Eindrücke von der dortigen Berglandschaft sammeln mag und auch eine grobe Vorstellung davon bekommen will, wie sich eine solche Tour organisiert und was zu beachten ist, der findet hier auch die nötige Inspiration, ergänzt von einigen Erfahrungsberichten von der Basis und einer sehenswerten Fotostrecke aus dem Herzen Afrikas – und natürlich die sympathischen Geschichten, die Zachert über sich und die beteiligte Wanderschaft erzählt.

Am Ende ist „Mein Weg auf den Kilimandscharo“ zwar nur ein sehr kurzes Vergnügen, aber auf jeden Fall eine nette, unterhaltsame Lektüre, die locker darüber berichtet, was es erfordert, seine Träume zu realisieren und seine Grenzen kennen zu lernen. Nicht zuletzt wegen des schlichtweg freundlichen Erzählstils entfällt daher auch die Limitation auf bestimmte Lesergruppen, was den Titel gleich noch empfehlenswerter macht.

|143 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-86506-310-6|
http://www.brendow-verlag.de

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