Ace Atkins: Robert B. Parker’s Cheap Shot. A Spenser Novel

Shootout im Haifischbecken

Spenser soll herausfinden, wer die Männer sind, die den bekannten Football-Spieler Kinjo Heywood belästigen. Heywoods Probleme scheinen mit einer Schießerei in einem Nightclub zusammenzuhängen, die zwei Jahre zuvor passierte. Akira, Heywoods neunjähriger Sohn, wird entführt, Lösegeld gefordert, schon folgt Spenser einer Spur durch die Bostoner Unterwelt. Hawk und Zebulon Sixkill decken Spensers Rücken. Da trifft Heywood eine fragwürdige Entscheidung nach der anderen…

„Cheap Shot“ bedeutet in der Umgangssprache so viel wie „unfair, ungerechtfertigt, gegen die Regeln, unter der Gürtellinie“.

Der Autor

Der US-Autor Robert B. Parker, geboren 1932, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zu seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 60 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der Spenser-Reihe wohl seine neun Jesse-Stone-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird regelmäßig vom ZDF gezeigt. Der ehemalige Professor für Amerikanische Literatur, der 1971 über die Schwarze Serie promovierte, lebte mit seiner Frau Joan in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen viele seiner Krimis.

1) Ace Atkins ist der Autor von elf Romanen, darunter „White Shadow“, „Wicked City“, „Devil’s Garden“ und „Infamous“, die auf wahren Fällen basieren. Er ist auch der Schöpfer der Quinn-Colson-Serie. Michael Connelly hat Atkins „einen der besten Krimischriftsteller“ genannt, „die heute arbeiten“. Atkins lebt auf einer Farm außerhalb von Oxford, Mississippi. Mehr Info: www.aceatkins.com.

Die Spenser-Reihe (deutsch bei Pendragon)

1) Trügerisches Bild
2) Die blonde Witwe
3) Der stille Schüler
4) Bitteres Ende
5) Hundert Dollar Baby
6) Der gute Terrorist
7) Alte Wunden

Handlung

Der afroamerikanische Football-Spieler Kinjo Heywood hat gerade einen Zehn-Millionen-Dollar-Vertrag mit den New England Patriots, seinem Club, abgeschlossen. Aber das macht sein Leben keineswegs besser. Er hat sich von Nicole, der Mutter seines neunjährigen Sohnes Akira, scheiden lassen und inzwischen Cristal geheiratet, ein aufgebrezeltes Busenwunder, das sich an Martini-Gläsern festhält. Kinjos Agent Steve Rosen wendet sich an Spenser, um seine Dienste zu erbitten: Kinjo fühlt sich verfolgt und sorgt sich um Akira.

Zwar kann Heywood die Männer, die ihn angeblich verfolgen nicht beschreiben, aber aus Zeitungsartikeln geht hervor, dass er vielleicht doch zu Überreaktionen und Verfolgungswahn neigt. Vor zwei Jahren soll er in New York City in einem Klub einen Mann erschossen haben. Doch als Spenser dort recherchiert, stellt sich heraus, dass es sich nur um eine kleine Rauferei wegen eines Mädchens handelte. Dennoch zahlte Heywood eine halbe Million, damit sein Name nicht in den Zeitungen auftauchte. Unklar bleibt, von wem sein „Sparring-Partner“ wirklich erschossen wurde.

Als Akira, Heywoods Ein-und-alles, entführt wird, wird der Footballstar psychisch noch labiler, und Susan Silverman, Spensers Lebensgefährtin, wagt eine düstere Prognose. Seltsamerweise folgt der im Rundfunk erfolgten Ankündigung, man habe Akira in seiner Gewalt, keine Lösegeldforderung. Steckt etwa die Bostoner Unterwelt oder gar die geschasste Exfrau Nicole dahinter, fragt sich Spenser. Er aktiviert Hawk und Zebulon Sixkill, um mit ihm nach den Hintermännern zu suchen.

Es dauert nicht lange, um Trittbrettfahrer, die kurz mal 100 Riesen abzocken wollen, zu beschatten und auszuschalten. Nach dieser Aktion wird die Bundesstaatspolizei vom FBI abgelöst, und mit Special Agent Tom Connor hat mit Spenser noch ein Hühnchen zu rupfen. Cristals Exfreund Kevin Murphy, ein gewalttätiger Kokser und Pornofilmer, ist eine Nummer größer als die Trittbrettfahrer. Was hat Cristal, das ehemalige Pornosternchen, das sich einen Footbalstar geangelt hat, noch verschwiegen?

Heywood trifft die für viele Reporter fragwürdige Entscheidung, trotz der Entführung seines Sohnes beim ersten Spiel zum Saisonstart mitzuspielen. Nach sechs Tagen des Schweigens trudelt endlich die erste ernstzunehmende Lösegeldforderung – ausgerechnet über Twitter. Wider Erwarten dreht er den Spieß um: Er setzt die fünf Millionen Dollar Lösegeld als Kopfgeld für die Ergreifung der Entführer aus. Ob’s hilft?

Mein Eindruck

Wieder einmal spielt ein „Parker“-Roman im Milieu des Sports. Sport ist nunmal in den USA ein Riesengeschäft, denn es geht um Millionen, insbesondere bei den Senderechten und den Spielergagen. Wenn man sieht, welche Pop- und Rockgrößen beim Finale, der Superbowl, in der Pause singen dürfen, dann ahnt man, dass es hier um Big Business geht.

Dieses eiskalte Geschäft interessiert natürlich viele Seiten, die Kinjo Heywood, den Mann aus dem Schwarzenghetto von Atlanta, umgeben. Da kann er durchaus mal Paranoia bekommen, wenn man vermeintlich ihn oder seine Familie bedroht. Das macht es für Spenser und seine Mannen nicht gerade einfach, die falschen und kleinen Fische von den großen und echten zu unterscheiden. Deshalb kommt es zu mehreren spannenden Aktionen, bevor Spenser auf die richtige heiße Spur stößt. Sie führt zurück nach New York City…

Der Spenser-Fan liest viele bekannte Namen, die schon halb in Vergessenheit geraten sind. Da tauchen Detektive in New York City wieder aus der Versenkung auf, und der Name der traurigen Prostituierten April Kyle – dem „Million Dollar Girl“ – fällt. Es gibt ein Wiedersehen mit Tony Marcus, dem König der Zuhälter von Boston. Spenser hat ihn schon mal hinter Gitter gebracht, und das ist für die weitere Zusammenarbeit nie sonderlich förderlich.

Zunehmend entwickelt sich Zebulon Sixkill, der Cree-Indianer und Ex-Footballer aus Montana, zu einem richtigen Ass im Geschäft Spensers mit den bösen Jungs von „Beantown“, wie Boston spöttisch genannt wird. Die Arbeit im Boxtraningsraum von Henry Cimoli tut ihm sichtlich gut: Seine Schwinger liefern immer einen K.O. Dass Hawk mittlerweile unter Verbrechern als „The Hawk“ tituliert wird, erfüllt ihn mit Stolz. Auch seine Schwinger sind vom Feinsten.

Spenser ist immer noch Spenser. Er wirft mit literarischen Zitaten um sich, die nur die wenigsten verstehen, kocht für sein Leben und stellt detektivische Ermittlungen der erotischen Art bei seiner Lebensgefährtin Susan Silverman an. Das hindert ihn natürlich nicht, seiner Arbeit nachzugehen, auch gegen den ausdrücklichen Willen des FBI, der Bundesstaatspolizei und der Stadtpolizei.

Drauf gepfiffen! Wie sich zeigt, arbeitet er wesentlich effektiver als all die hochbezahlten Beamten. Doch am Schluss geht es auch für ihn um wenige Minuten, die den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen. Sein Motto: nur nicht den Sinn für Humor verlieren!

Schwächen

Auf S. 183 schreibt der Autor, Spenser habe der Kamera des Pornofilmers einem SIM-Karte entnommen, auf der der aktuelle Film gespeichert wurde. Das ist technisch nicht korrekt. SIM-Karten finden sich v.a. in Mobilfunkgeräten wie Handys, um das Gerät und den Benutzer zu identifizieren. Sie hätten also nicht die Speicherkapazität, um einen ganzen Digitalfilm darauf zu speichern. Wahrscheinlich meint der Autor eine SSD-Karte. Auf einer solchen SSD-Karten mit Flash Memory lassen sich bereits heute über 1000 Gigabyte kostengünstig speichern. SSDs für die Industrie haben eine noch höhere Speicherkapazität.

Unterm Strich

Ich habe diesen leicht zu lesenden Roman in wenigen Tagen verschlungen. Wie stets besteht der Text hauptsächlich aus Dialog. Man sollte die Fähigkeit besitzen, zwischen den Zeilen zu lesen, dann bekommt man auch den witzigen Humor mit. Dass das US-Englisch des Lesers up-to-date sein sollte, versteht sich von selbst.

Auf verschlungenen Pfaden und nach mehreren falschen Fährton stößt Schnüffler Spenser endlich auf eine heiße Spur – Kunststück bei der gewaltigen Belohnung, die sein Klient ausgesetzt hat. Das bringt die bösen Jungs ins Schwitzen und ihre Neider auf Trab. Schon bald erweist sich die Unterwelt Bostons als reinstes Haifischbecken: Nur der größte Fisch überlebt. Genial inszeniert ist Spensers treffen mit Ganoven im nächtlichen Park, die plötzlich aus dem Hinterhalt beschossen wird – und bei diesem Shootout zieht Spenser auf einmal den Kürzeren…

Wo so viel Geld verdient wird wie im American Football, da wollen (und können) viele absahnen. Deshalb hält das letzte Kapitel noch eine fiese Pointe bereit, die kein gutes Haar an gewissen Gesetzeshütern lässt. Beantown ist eben auch Korruptions-Town.

Ausblick

Möglicherweise wird dieser Handlungsfaden noch einmal im nächsten Spenser-Krimi aufgegriffen. Dieser trägt den bezeichnenden Titel „Kickback“, was ebenfalls ein Begriff aus dem Korruptionsumfeld ist: Schmiergeld, Schutzgeld, Prozente – man kann es aber auch einfach „schmutziges Geld“ nennen.

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Sprache: Englisch
Info: 2014 bei Putnam’s, New York City
ISBN-13: 978-0399161582

www.penguin.com/meet/publishers/gpputnamssons

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