Anne Bishop – Krähenjagd (Die Anderen 2)

Die Anderen

Band 1: In Blut geschrieben“
Band 2: „Krähenjagd“
Band 3: „Vision in Silver“ (noch ohne dt. Titel)
Band 4: „Marked in Flesh“ (noch ohne dt. Titel)
Band 5: „Etched in Bone“ (noch ohne dt. Titel)

Meg Corbyn hat überlebt. Lakeside auch. Aber die Lage ist angespannt, vor allem, weil die meisten Details bezüglich der Vorfälle unter den Tisch gekehrt wurden. Nicht nur die Anderen spüren den steigenden Druck, sondern auch die Menschen, die für sie oder mit ihnen zusammenarbeiten.
Dann hat Meg einen schrecklichen Alptraum, und nur wenige Tage später kommt es in einem kleinen Ort namens Walnut Grove zu einem Zwischenfall ähnlich dem in Jerzy …!

Im zweiten Band ihres Zyklus Die Anderen hat die Autorin den Blickwinkel ein wenig ausgeweitet. Stand bisher nahezu ausschließlich Lakeside im Mittelpunkt des Geschehens, wird nun auch ein weiterer Ort namens die Große Insel zum Schauplatz, sowie eine menschliche Rasse, die bisher nicht aufgetaucht ist: die Intuit. Daß diese Bezeichnung fast wie Inuit klingt, dürfte dabei kein Zufall sein.

Außerdem richtet sich der Blick nun auch vermehrt auf Regionen außerhalb von Thaisia: Gerüchte, vage Vermutungen, und ein Mann namens Nicholas Scratch, der aus der Cel-Romano-Allianz nach Thaisia gekommen ist, um Vorträge über die Humans-first-and-last-Bewegung zu halten. Eine Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Kontrolle über die ganze Welt an sich zu reißen.

All dies bedeutet natürlich nicht, daß der Überwacher sein Vorhaben, Meg zurückzuholen, aufgegeben hätte. Er schickt diesmal lediglich andere Handlanger.

Aus all diesen Teilen – den Angriffen auf die Krähen, den Intuit und ihrer Geschichte, den paar lose gestreuten Hinweisen auf die Cel-Romano-Allianz und die Humans-first-and-last-Bewegung sowie den Plänen des Überwachers – ergibt sich das Bild eines Pulverfasses, das bereits mit einer schwelenden Lunte bestückt ist.

Dementsprechend steht in diesem Band die Spannung weit mehr im Vordergrund, als es im ersten noch der Fall war. Der von mir so geschätzte trockene Humor musste folglich ein gutes Stück zurückstecken, was ich ein wenig bedauerte. Natürlich kommt es noch immer zu Missverständnissen, und manche davon weisen auch einen gewissen Schmunzelfaktor auf. Aber sie sind seltener geworden und durch den Druck, der auf allen Beteiligten lastet, von einer gewissen Düsternis überschattet. So drollig es auch klingt, wenn Simon sich darüber beklagt, dass Meg ihn aus dem Bett getreten hat, Heathers Reaktion darauf dämpft das Amusement beim Leser doch beträchtlich.

Dazu kommt, dass einige der alten Bekannten den neuen Charakteren einiges an Platz abgeben mußten. So taucht Sam nur noch selten auf, und auch die Mädchen am See und ihre Ponys sowie deren Pfleger Jester waren diesmal nur Randfiguren, was ich ebenfalls schade fand.

Immer noch hervorragend gelungen ist allerdings das Zusammenspiel aller Einzelteile der Geschichte, die im Verlauf der Handlung nicht nur den Spannungsbogen zunehmend straffen, sondern auch das Setting erweitern und Potenzial für Entwicklungen des Plots in völlig neue Richtungen öffnen. Selbst der schwierigste Teil, die Entwicklung der Romanze zwischen Simon und Meg, ist glaubwürdig geraten, ohne je ins Schnulzige abzudriften, und gekonnt in den Rest der Handlung eingeflochten, ohne diese auszubremsen oder selbst wie au Fremdkörper zu wirken.

Unterm Strich mag der zweite Band des Zyklus düsterer sein als sein Vorgänger, aber er ist genauso fließend komponiert, genauso flüssig erzählt und genauso spannend. Im Hinblick darauf, daß auch die Anderen offenbar ihre Schwachstellen haben, könnte die Fortsetzung sogar noch um einiges spannender werden. Ich hoffe trotzdem, dass der augenzwinkernde Blick auf die vielen skurrilen Situationen, die aus einer Zusammenarbeit zwischen so unterschiedlichen Gruppen zwangsläufig entstehen, wieder etwas häufiger wird. Er ist das Salz im Chili. Ohne ist es immer noch scharf, aber trotzdem nicht mehr ganz so gut.

Anne Bishop lebt in New York, liebt Gärtnern und Musik, und hatte bereits einige Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht, ehe ihr mit dem Zyklus der Schwarzen Juwelen der internationale Durchbruch gelang. Außerdem stammen aus ihrer Feder die Trilogie Tir Alainn, die auf Deutsch bisher nicht erschienen ist, sowie der Dreiteiler Ephemera. „In Blut geschrieben“ ist der erste Band des Zyklus Die Anderen, der im englischen Original bereits bis Band fünf gediehen ist.

Taschenbuch 500 Seiten
Originaltitel: Murder of Crows
Deutsch von Ana Woods und Marlena Anders
ISBN-13: 978-3-959-91612-7

www.annebishop.com
www.drachenmond.de

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