Annette Dutton – Das geheime Versprechen

Annette Dutton scheint eine sehr disziplinierte Schreiberin zu sein. Nach dem Erfolg ihres ersten Romans „Der geheimnisvolle Garten“ (Knaur, 2012), hatte sie schon im letzten Jahr mit „Die verbotene Geschichte“ einen zweiten Roman, der die deutsche mit der australischen Geschichte verknüpft, nachgelegt. Im Sommer 2014 gab es den nächsten auf historischen Fakten und lose auf historischen Personen basierenden Roman aus ihrer Feder.

So routiniert wie der Titel aus Artikel, Adjektiv und Nomen klingt, ist auch in diesem Buch der Plot konstruiert. In mehreren Zeitebenen wird die Geschichte von Leah und Michael erzählt, die beide als Kinder im Rahmen der Evakuierung jüdischer Kinder aus Nazideutschland nach England gelangten, womit ihr Überleben zunächst einmal gesichert war, ihr Leben jedoch nicht unbedingt eine glückliche Wende genommen hat. In der Gegenwart versuchen zeitgleich Leahs Enkelin Sarah ihre Großmutter und ihren Großvater sowie Leahs Neffe Max deren Sohn ausfindig zu machen. Bei diesen Passagen kam es mir jedoch so vor, als dienten sie nur dazu, die spannende und mit Feingefühl erzählte Geschichte in der Vergangenheit zu unterbrechen und den Plot zu verlangsamen.

Das junge Mädchen Leah, das sich plötzlich den Schwierigkeiten einer schwangeren Deutschen in England, in dem auch verfolgte, jüdische Kinder nicht von allen gern gesehen wurden, und später dem Schicksal einer alleinerziehenden Mutter gegenübersieht, wächst dem Leser im ersten Teil des Romans sehr ans Herz und man hofft, dass es ihr trotz der merkwürdigen Gastfamilie gelingen wird, ihre Eltern nachzuholen und sogar das Versprechen, das sie Michael gegeben hat, einzuhalten. Konsequenterweise lässt die Autorin das Vorhaben jedoch scheitern. Die Brisanz dieses Versprechens, nämlich zu versuchen, mit ihren auch seine Eltern nach England zu holen, und die Motivation für eine Geheimhaltung konnte ich jedoch nicht nachvollziehen und somit auch nicht den verschwörerisch klingenden Buchtitel.

Die Existenz der jüdischen Brigade, in die Leah nach Kriegsende eintritt und die es sich nach Ende des Krieges zur Aufgabe gemacht hat, untergeschlüpfte oder ganz offen lebende Naziverbrecher zu töten, ist ein sehr interessanter und wenig bekannter Fakt, den man hinter einem so blumigen Titel und der weichzeichner-ähnlichen Covergestaltung nicht vermuten würde. Hier zeigt sich einmal mehr, dass Annette Dutton aus dem Journalismus kommt und weiß, wo die interessanten Geschichten zu finden sind.

In der Gegenwart gibt es plötzlich zu viele Figuren, deren Ausarbeitung nur rudimentär bleibt. Sarah kauft man ihre Beziehung zu – wie heißt er doch gleich – genauso wenig ab, wie ihr selbst-analytisches, an Max gerichtetes: „Doch mittlerweile ist mir klar geworden, dass ich ständig vor meinen Beziehungen davonlaufe, sobald sie ernst werden.“ Sarah und ihre Tochter bleiben blass und auch mit David als Person bin ich nicht so richtig warm geworden. Diese Figuren reisen dann auch noch im Nullkommanichts meilenweit herum und treffen andere Nebenfiguren für Gespräche, die sie wesentlich zielführender mit einer der bereits eingeführten Person führen könnten. Glänzte Dutton in ihrem ersten Roman noch mit eindrucksvollen Beschreibungen des australischen Kontinents, taucht Australien in diesem Roman nur noch kurz als Kulisse auf. Den vorgestellten Kibbuz in Israel konnte ich mir auch nur schwer vor das geistige Auge rufen.

Ein guter Teil des Plots wird in eingestreuten Briefen abgehandelt, wobei es mir so vorkam, als würde die Autorin damit verhindern wollen, aus der berichtenden Rolle in eine beschreibende zu fallen, in der Menschen nicht einfach nur irgendwie erscheinen, sondern es auch durch ihre Handlung und ihre Sprechweise (und von Dritten unkommentiert) ausdrücken. Statt dessen wird zum Beispiel das erste Zusammentreffen von Mutter und Sohn von der Familienzusammenführerin geschildert, die zugleich psychologisch deutende Kommentare gibt. Also Spannung kommt da keine mehr auf und alles Emotionale klingt auf diese Art banal. Wie auch in den Vorgängerroman gelingt es Dutton jedoch die Handlungsstränge schlüssig zusammenzuführen, so das am Ende alles stimmig ist.

Kurz und gut, wo die Historie diese Geschichte schreibt, da ist sie spannend und lässt sich mit großem Interesse lesen. Doch die lahme Familienschmonzette dahinter berechtigt zur Frage, ob ein gut recherchiertes Sachbuch oder eine Reportage über diese Themen nicht angebrachter gewesen wären.

Taschenbuch: 432 Seiten
ISBN: 978-3426513736

www.droemer-knaur.de

Annette Dutton bei Buchwurm.info
Der geheimnisvolle Garten
Die verbotene Geschichte

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