Isaac Asimov – Das Ende der Ewigkeit

Zeitmanipulation im großen Maßstab

Dieser Zeitreiseroman über Kontrolle und Rebellion, Pflicht und Liebe wird von einigen Kritikern als Asimovs bester Science-Fiction-Roman angesehen. Da verwundert es nicht, dass dieses schmale Werk immer wieder neu aufgelegt wird. Meine Ausgabe liegt in der 20. Auflage vor.

Handlung

Der Techniker Andrew Harlan ist Mitglied der „Ewigkeit“, einem exklusiven Kreis von etwas mönchisch lebenden Menschen, die eine Art Kontrollinstanz über die Zeit ausüben. Die „Ewigen“ nehmen bestimmte Eingriffe in den Zeitverlauf vor und schützen durch Manipulationen die Menschheit vor Gefahren. Ihre Aufgabe ist es, die Geschichte möglichst stabil zu halten und besonders größere Kriege zu verhindern. Die „Ewigkeit“ wurde im 27. Jahrhundert gegründet und bezieht die Energie für ihre Aktivitäten aus der Explosion, in der unsere Sonne zur Nova geworden sein wird, also in etwa ein paar Milliarden Jahren. (In diesem Roman geht es um eine große Menge Zeit.)

Harlan entstammt dem 95. Jahrhundert. Als Instrument der „Ewigkeit“ reist er durch die Zeiten, von einem Jahrhundert und Arbeitsplatz zum anderen. Den strengen Regeln und Gesetzen der „Ewigkeit“ seit seinem 15. Lebensjahr unterworfen, korrigiert er die Realität, um Ungerechtigkeiten und Leid von den Menschen abzuwenden, eine Art guter Hirte.

Mit einer minimalen Realitätskorrektur hie und da bügelt er Unvollkommenheiten wie etwa eine zu hohe Verbrechensrate in einem Jahrhundert aus, je nachdem, was der Kontrollrat als das beste Mittel verordnet hat.

Er ist zufrieden und hat Erfolg, bis dieser unschuldige Adam seine Eva findet. Eines Tages im Jahr 482 verguckt er sich total in das Mädchen Noys Lambent (‚lambent‘ = leuchtend). Beim Versuch, ihre eindrucksvolle Figur zu beschreiben, gerät der Held der Story ebenso ins Stottern wie deren Autor: Er fängt an zu reimen! Wie auch immer: Noys ist an ihre Zeit gebunden und beweist Harlan, dass sein Tun nicht nur Vorteile für die Menschheit mit sich bringt.

Nach den Gesetzen der „Ewigkeit“ begeht Harlan von nun an ihretwegen Verfehlungen, ja sogar Verbrechen. Schließlich ist er davon überzeugt, dass die Kontrollmacht der „Ewigkeit“ nicht länger bestehen dürfe.

Er landet im Jahr 1932 und verändert den Zeitverlauf dergestalt, dass unsere bekannte historische Realität entsteht und die „Ewigkeit“ ausgelöscht wird. „Das Ende der Ewigkeit ist der Beginn der Unendlichkeit“, lautet Harlans Fazit.

Natürlich gibt es noch eine Pointe: Noys ist eine Agentin. Und dreimal dürfen wir raten, im Auftrag welchen Konzeptes sie unterwegs ist (Tipp: Es ist nicht „im Auftrag des Herrn“).

Die Aussage des Buches

Die zentrale These dieses Zeitreiseromans besteht wohl darin, dass die Handlungsfreiheit der Menschen das wichtigste Gut ist. Darüber freut sich jeder Yankee: Das ist gut fürs Geschäft. Die „Ewigkeit“ zielt jedoch darauf ab, die Geschichte möglichst „sicher“ zu machen und ihr die Hoch- und Tiefpunkte zu nehmen, wodurch sie recht langweilig wird.

Durch die Zerstörung der Ewigkeitspolizei beschwört Harlan zwar die Gefahr eines Atomkriegs für die Menschheit herauf, aber diese hat dafür auf lange Sicht die Chance, sich im Weltraum auszubreiten. Schöne neue Welten des Galaktischen Imperiums, wir kommen!

Die Wiedereinsetzung unserer eigenen Realität vermittelt einen bewahrenden, konservativen Charakter in Asimovs Haltung. Es hätte ja jede Menge Alternativen gegeben, etwa eine ökologisch ausgerichtete Weltregierung.

Mein Eindruck

Trotz dieser fragwürdigen Message ist „Das Ende der Ewigkeit“ wegen seiner spannenden, einfallsreichen Handlung einer der besseren Zeitreiseromane und vielleicht sogar der intelligenteste Roman, den Asimov überhaupt je geschrieben hat. Wenn da die klischeehafte Darstellung der Evastochter Noys Lambent nicht wäre, die ein geradezu jungenhaftes Frauenbild verrät (Asimov, Baujahr 1920, war damals bereits 35 Jahre alt!).

Und wenn die gesamte Darstellungsweise nicht so frustrierend abstrakt und unanschaulich wäre. Bereits in der Originalfassung, die ich 1983 las, fiel es mir schwer, mehr als zehn Seiten am Stück zu bewältigen. Selbst die Darstellung unglaublich vieler fremder Aliens in „Lunatico“ ist unterhaltsamer als diese doch etwas steife Zeitreisestory, die allein duch die Lovestory etwas Komik und Menschlichkeit erhält.

P.S.: Mir persönlich ist die veraltete Schrifttype des Buches – etwa 8 Punkt – viel zu klein und anstrengend. Sie stammt noch aus den 60er und 70er Jahren. Heute ist man Größeres gewöhnt, etwa 10 bis 12 Punkt. („Punkt“ ist das Maß für die Schriftgröße, das Drucker und Setzer verwenden.)

Taschenbuch: 175 Seiten
Originaltitel: The End of Eternity, 1955
Aus dem US-Englischen übertragen von Walter Brumm
www.heyne