Asimov, Isaac (Hg.) – besten Stories von 1939, Die

_Gemischte Qualität: Klassiker neben Talmi_

1939 war im Gegensatz zur „Welt da draußen“ ein großartiges Jahr für die amerikanische Science-Fiction. Beim Magazin „Astounding Stories“ war nämlich John W. Campbell sein erstes volles Jahr am Ruder, und er zog eine neue Generation von Autoren heran, die fortan Garanten für SF-Klassiker wurden: Heinlein, Asimov, van Vogt, Sturgeon und viele andere.

Sie wurden unter anderem deswegen zu Klassikern, die bis heute in hohen Auflagen verlegt werden (zumindest Heinlein und Asimov), weil sie der neuen Ideologie des Herausgeber genauestens folgten. Storys sollten eine nachvollziehbare (halbwegs) wissenschaftliche Grundlage besitzen und in einer spannenden Handlung die logischen Konsequenzen daraus aufzeigen. Außerdem durften die Aliens niemals siegen oder schlauer als wir sein, und es gab immer eine Lösung.

Der Fantasy wurde damit ebenso endgültig der Garaus gemacht wie dem Skeptizismus (der „Schwarzseherei“) von H. G. Wells. Doch die Ideologie hatte innerhalb der SF bis Anfang der fünfziger Jahre Bestand und wurde und wird innerhalb von „Astounding“ und seinem Nachfolger „Analog“ bis heute weiterverfolgt. Dass Campbell selbst auf Pseudowissenschaft wie Hubbards Scientology hereinfiel (wie auch van Vogt eine Zeit lang) tat seinem Ansehen keinen großen Abbruch.

Aber Autoren wie Philip K. Dick demontierten ab 1952 Campbells Maximen systematisch eine nach der anderen – und wurden auf diese Weise für uns Heutige weitaus einflussreicher als die erste Generation unter Campbell.

_Der Herausgeber_

Isaac Asimov, geboren 1920 in Russland, wuchs in New York City auf, studierte Biochemie und machte seinen Doktor. Deshalb nennen seine Fans ihn neckisch den „guten Doktor“. Viel bekannter wurde er jedoch im Bereich der Literatur. Schon früh schloss er sich dem Zirkel der „Futurians“ an, zu denen auch der SF-Autor Frederik Pohl gehörte. Seine erste Story will Asimov, der sehr viel über sich veröffentlicht hat, jedoch an den bekanntesten SF-Herausgeber verkauft haben: an John W. Campbell. Dessen SF-Magazin „Astounding Stories“, später „Analog“, setzte Maßstäbe in der Qualität und den Honoraren für gute SF-Storys. Unter seiner Ägide schrieb Asimov nicht nur seine bekannten Robotergeschichten, sondern auch seine bekannteste SF-Trilogie: „Foundation“. Neben SF schrieb Asimov, der an die 300 Bücher veröffentlichte, auch jede Menge Sachbücher, wurde Herausgeber eines SF-Magazins und von zahllosen SF-Anthologien.

Übrigens ist in den biobliografischen Daten auch Martin H. Greenberg als Herausgeber ausgewiesen. Er gibt wahrscheinlich noch heute Anthologien zu einfallsreichen Themen heraus. Einmal ist eine Anmerkung von ihm zu Th. Sturgeon zu lesen.

Jede Erzählung wird mit einer Anmerkung von Greenberg zum Autor und seinem Werk eingeleitet. Asimov steuert lediglich eine persönliche Anekdote bei, wie er den Autor kennen gelernt hat – oder auch nicht.

_Die Erzählungen_

1) |Eando Binder: Ich, der Robot| (I, Robot)

Asimov war nicht der erste SF-Autor, der über Roboter schrieb. Die künstlichen „Arbeiter“ – so die Übersetzung von „robot“ – traten erstmals in Karel Capeks Theaterstück „R.U.R. – Rossums Universalroboter“ auf. Das war im Jahre 1920.

Der Metallmann Adam ist die Schöpfung des Erfinders Dr. Link. Adam bekommt eine Schulung und Ausbildung, die sich in erster Linie auf seine Beweglichkeit und Denkfähigkeit bezieht. Auf Interaktion mit Menschen legt Dr. Link nur geringen Wert und das soll sich bitter rächen. Die Haushälterin hält Adam für den Leibhaftigen und kommt nicht wieder, auch der Gärtner Charlie wirkt plötzlich sehr nervös. Es ist eben eine ländliche Gegend, in der sich Dr. Links Labor befindet. Als er durch einen Unfall stirbt, lässt er Adam Link als Waisenknaben zurück. Die neue Haushälterin erblickt Adam über den toten Körper Links gebeugt, mit blutigen Fingern – natürlich muss er der Mörder sein!

Erst am Ende der folgenden Treibjagd auf ihn bekommt Adam das einzige Buch in die Hände, das ihm Dr. Link nicht zu lesen gegeben hat: „Frankenstein“ von Mary Shelley (1818). Nun wird ihm einiges klar. Aber für ihn ist das Buch von A bis Z sinnlos: Denn wie könnte sich eine Schöpfung wie Adam jemals gegen ihren Schöpfer erheben? Das erscheint ihm unmöglich. Bevor man ihn demontiert, schaltet sich Adam lieber selbst ab. Er weiß, dass diese Welt nicht auf seinesgleichen vorbereitet ist.

2) |Robert Bloch: Richard Claytons seltsame Reise| (The strange flight of Richard Clayton)

30 Jahre lang hat Richard Clayton auf diesen Tag hingearbeitet. Nun, 1957, kann er endlich seine Reise zum Mars antreten. Seine atomgetriebene Rakete „Future“ soll ihn zehn Jahre lang zum Roten Planeten tragen und zehn Jahre wieder zurück, automatisch gesteuert, versteht sich. Doch kurz nach dem Start ereignet sich ein Missgeschick, und die Steuerinstrumente fallen aus. Nun ist Clayton ganz der Gnade der Automatik ausgeliefert. Zu allem Überfluss beginnen der Boden und die Wände auf unerträgliche Weise zu vibrieren. Das Rütteln und Schütteln will ihn schier um den Verstand bringen. Und was noch schlimmer ist: Er verliert jedes Gefühl für das Verstreichen der Zeit.

Als nach „zehn Jahren“ die Triebwerke endlich selbst abschalten, entsteigt der Kapsel ein Tattergreis, den die Bedienmannschaft zunächst überhaupt nicht erkennt. Als der Mann fragt, wie viel Zeit in der Wirklichkeit verstrichen sei, bringt ihn die Antwort buchstäblich um: eine Woche! Denn er hatte einen wahren Horrortrip erlebt …

Tjaja, die gute alte Zeit: Sie spielt jedem ihre Streiche, der nicht über die die Relativitätstheorie Bescheid weiß. Normalerweise ist es ja nach Einstein umgekehrt: Für den beinahe lichtschnell fliegenden Astronauten verstreicht die Zeit wesentlich langsamer als für den Freund, den er auf der Erde zurückgelassen hat. Stanislaw Lems „Astronauten“ kehren daher zu einer Erde zurück, in der sie sich kaum zurechtfinden können.

Was Bloch sagen möchte, ist wohl dies: Der Trip, den wir in unserem Verstand unternehmen können, kann mindestens ebenso, wenn nicht sogar unendlich viel wundersamer und fürchterlicher sein als jede Wirklichkeit, der wir dort draußen begegnen könnten. Dem würde Philip K. Dick voll zustimmen. Nicht umsonst nimmt Clayton ständig diese kleinen Pillen. Wer weiß, wozu sie alles gut sind …

3) |Horace L. Gold: Der Ärger mit dem Wasser| (Trouble with Water)

Herman Greenberg ist ein braver Würstchenbudenbetreiber auf Long Island, der Vater einer erwachsenen Tochter und Gatte von Esther, die Herman unterm Pantoffel hat und Rosie unbedingt unter die Haube bringen will. Wer könnte es Herman verdenken, dass er einmal seine Ruhe haben und angeln gehen will? Den Streit mit der keifenden Esther hat die Angelrute allerdings nicht heil überstanden, was Hermans Laune nicht gerade hebt.

Als er einen grünen Hut als einzige Beute ins Boot zieht, wundert er sich noch, aber als ein grünhäutiger Wassergnom seinen Hut höflich zurückhaben möchte, da platzt Herman der Kragen. Er zerfetzt den Hut in kleine Stücke. Das hätte er wirklich nicht tun sollen, denn der Gnom ist für den Fischbestand und die Regenfälle entlang der Ostküste zuständig. Er belegt den Menschen mit einem Fluch, um ihn Respekt vor dem Kleinen Volk zu lehren.

Anfangs ist Herman noch ungläubig, doch schon bald muss er die bittere Wahrheit anerkennen: Das Wasser scheut vor ihm zurück. Ja, es explodiert geradezu aus dem Glas, wenn er dieses in die Hand nimmt. Das wirkt sich besonders verheerend aus, als Rosies Verehrer zum Abendessen kommt … Niemand versteht Herman, natürlich. Und der Arzt will ihn sogar einweisen lassen. Nur Mike, der irische Polizist, versteht den Ärger, den man mit dem Kleinen Volk haben kann. Aber er hat einen Tipp: Herman kann zumindest Bier trinken – es funktioniert! Und wenn der nun dauerbesoffene Jude es nun auch noch schafft, dem Wassergnom Zucker zum Zeichen seiner ehrlichen Reue zu schenken, dann wäre er erlöst. Doch wie bekommt man a) Zucker unaufgelöst hinaus auf den See und b) wie rudert man ein Boot durch die Luft?

Diese Story ist zwar sehr altmodisch in ihrem kulturellen Setting anno 1929, aber immer noch eine der humorvollsten Geschichten, die jemals in Fantasy und SF geschrieben wurden.

4) |Lester del Rey: Feierabend| (The day is done)

Hwugh ist der letzte Neandertaler auf Erden. Seit die Cro-Magnon gekommen sind, ist das Wild immer weniger geworden, so dass für die langsamen Tschokanga kaum noch etwas übrig geblieben ist. Sein Bruder legte sich einfach hin und hauchte seinen letzten Atem aus. Hwugh ist alt geworden, und selbst die Gesellschaft einer verstoßenen Cro-Magnon-Frau kann ihn nicht mehr aufmuntern. Der Medizinmann des Stammes der „Schwätzer“ würde Hwugh als lebendes Mahnmal gerne bei sich aufnehmen, doch die Lausejungen des Zeltdorfes haben es auf „Affengesicht“ abgesehen. Sie werfen ihn in den Bach, und mit knapper Not kann sich der Alte aus seinen Fesseln befreien und auftauchen. Doch der nachfolgende Husten will ihn nicht verlassen …

Die wunderbar einfühlsame und anschauliche Geschichte illustriert die Unausweichlichkeit der Evolution. Die flinken und anders gebauten, mit modernen Waffen wie Pfeil und Bogen ausgestatteten Cro-Magnon haben die Neandertaler komplett verdrängt. Dass sich deren Niederlage nicht nur auf materielle Not bezieht, sondern auch eine Sache der mentalen Einstellung sein kann, belegt das Schicksal Hwughs. Obwohl er angeboten bekommt, von den Almosen des Schamanen seinen Lebensabend zu fristen, zieht er es vor, den Zeitpunkt seines Todes selbst zu wählen: mit dem letzten Rest an Selbstbestimmung, der ihm geblieben ist. Und in den Ewigen Jagdgründen wartet ja bereits sein Volk auf ihn.

5) |Alfred Elton van Vogt: Der schwarze Zerstörer| (Black Destroyer; Juli 1939: Urknall des „Goldenen Zeitalters der SF“)

„Diese Story traf die Leser von Astounding wie ein Hammerschlag“, meint Asimov. Recht hat er. Sie ist einfach unvergesslich. – Coeurl ist ein intelligentes tigerartiges Raubtier, das auf seiner Welt bereits sämtliche Beutetiere ausgerottet hat – Beutetiere, die Coeurl das kostbare „Id“ liefern. Wie sich später herausstellt, handelt es bei Id um Phosphor. Coeurl lebt auf einer abgelegenen Welt, wo vor Äonen ein Krieg sämtliche Städte zerstört und die Bevölkerung getötet hat.

Deshalb ist die Landung eines Forschungsschiffes von der Erde gleichsam ein Geschenk des Himmels für den Räuber: hundert ahnungslose Wesen mit ungeheuren Mengen an Id! Es sind zumeist harmlose Wissenschaftler und unter ihnen ist nur der misstrauische Chemiker Kent bewaffnet. Die Biologen sind hingerissen von der fremdartigen Anatomie – ein Tiger mit Tentakeln – und Körperchemie Coeurls und bringen ihn an Bord ihres Schiffes.

Doch als in den Ruinen der Stadt ein Besatzungsmitglied tot aufgefunden wird, kommt ein böser Verdacht auf. Der Kollege wurde regelrecht zerfetzt, sein Fleisch jedoch nicht angerührt. Alles, was fehlt, ist Phosphor. Es kommt zu einem heftigen Streit, wie man sich gegenüber einer solchen Bedrohung zu verhalten hat. Der Archäologe Korita hat eine seltsame Theorie, auf welcher Zivilisationsstufe sich Coeurl befinden könnte.

Commander Morton lässt den schwarzen Tiger mit den erstaunlichen Fähigkeiten nun doch lieber in einen Käfig einsperren und verlässt den Planeten. Doch die Gefahr durch Coeurl ist keineswegs gebannt. Ganz im Gegenteil …

Die Story funktioniert auf mehreren Ebenen und ist deshalb immer noch interessant. Obwohl die Erdenmenschen über fortschrittliche Atomtechnik verfügen, gelingt es ihnen nicht, Coeurl zu besiegen. Denn der schwarze Tiger beherrscht etwas, was sie nicht können: Energiemanipulation. Er ist ein lebender Energieumwandler, der auf diese Weise auch die Kräfte zerstören kann, die härtesten Stahl zusammenhalten. Natürlich ist er auch rasend schnell. Hinzukommt, dass Coeurl Frequenzen wahrnimmt, zu denen Menschen nicht fähig sind, wohl aber Maschinen. Daher kann er auch Maschinen manipulieren. Zum Glück gibt es wenigstens eine Technik, die Coeurl nicht kennt: Antibeschleunigung …

Wie erwähnt, hat der Archäologe eine Theorie, auf welcher Zivilisationsstufe sich Coeurl befinden könnte. Es ist die des Barbaren, der eine hochentwickelte Zivilisation wie Rom, Ägypten oder China angreift und dabei unweigerlich scheitert – es sei denn, diese Zivilisation wäre wie das alte Rom des 5. Jahrhunderts bereits so dekadent und marode, dass es nur noch eines kleinen Stupsers bedarf, um sie zu Fall zu bringen. Als Verkörperung der Hochkultur müssen die Forscher nun zeigen, dass sie dieser Stellung würdig sind. Gelingt ihnen dies nicht, so wird Coeurl seine Artgenossen zusammenrufen und sie gegen die Erde führen, deren Position er nun kennt.

Die dritte Frage ist natürlich: Lässt sich ein Coeurl mit H. R. Gigers Alien-Kreatur vergleichen? Bei näherem Hinsehen zeigt sich allerdings, dass es nur sehr geringe Gemeinsamkeiten gib: die Eroberung eines fremden Menschenschiffes, die Auslöschung fast aller seiner Insassen, ein unersättlicher Hunger, ein ebenso tiefer Hass und eine gewisse Intelligenz, die das Wesen so gefährlich macht. Der wichtigste Unterschied ist der, dass Gigers Aliens eine staatenbildende Quasi-Insektenrasse sind, die von einer Königin geführt und verbreitet wird. Demgegenüber ist Coeurl ein Einzelgänger, der von Staaten – zumindest in seiner aktuellen Entwicklungsstufe – keine Ahnung hat.

6) |Catherine L. Moore: Mächtiger als die Götter| (Greater than Gods)

Am 7.7.2240 steht der Biochemiker und Genetiker William Cory vor einer schicksalsschweren Entscheidung: Welche von zwei Frauen soll er heiraten: die fähige Wissenschaftlerin Marta Mayhew oder die lebenslustige Sallie Carlisle? Der Telepathieforscher Ashley, ein guter Kumpel, erzählt ihm etwas von der Wahrscheinlichkeitsebene. Demzufolge beeinflusst Corys Entscheidung, in welche Richtung sich die Weggabelung der Ereignisse verzweigen wird. Das macht die Wahl nicht leichter, sondern schwieriger.

Auf Corys Tisch stehen zwei Holowürfel mit den Porträts der Kandidatinnen. Cory ist verblüfft, als sich zuerst im Würfel Sallies ein neues Gesicht zeigt: Sue meldet sich aus einer Zukunft im 30. Jahrhundert. Sie stammt von Sallie ab und zeigt Bill ein friedliches Eden, das von einem Matriarchat beherrscht wird, welches allem Krieg abgeschworen hat. Doch leider ist Eden in Trägheit erstarrt, die Menschheit hat es nicht zu den Sternen geschafft. Was, wenn Cory sein aktuelles Projekt der pränatalen Geschlechterbestimmung zu Ende geführt hätte statt sich seiner Familie zu widmen?

Genau diese Zukunft zeigt ihm das Gesicht im anderen Würfel, ebenfalls aus dem 30. Jahrhundert. Die Menschheit hat das Sonnensystem erobert und schickt sich an, nach Mars und Venus auch die Jupitermonde zu besiedeln. Fantastisch! Hingerissen ist Cory auch vom Antlitz des blonden und blauäugigen Jungen, der gute Chancen hat, der nächste Führer der Vereinigten Menschheit zu werden – sein entfernter Sohn! Stolz schwellt Cory Brust.

Doch der Mann hinter dem Jungen ist Dunn, der aktuelle Präsident. Der grüßt Cory mit dem römischen Gruß, den nicht nur Cäsaren entgegennahmen, sondern auch italienische und deutsche Faschisten. Dunn bedankt sich bei Cory für das System der Geschlechtsbestimmung, das zu einem enormen Überschuss an Jungen in der Weltbevölkerung geführt haben – Jungen, denen jede Initiative fehlte. Nur die Corys selbst unterwarfen nicht der Selektion. Und siehe da: Sie sind die geborenen Führer der nach Unterwerfung strebenden Massen. Cory beschleicht ein übler Verdacht, der sich bestätigt: Die Gesellschaft des 30. Jahrhunderts ist in faschistischem Totalitarismus erstarrt. Kaum noch sind Individualismus und Kreativität zu finden, Paranoia beäugt solche Menschen mit Misstrauen.

Doch wie soll sich Cory zwischen diesen beiden widerstreitenden Polen der möglichen Entwicklung entscheiden? Da fällt ihm ein dritter Weg ein. –

Die Story weist zwar Logiklöcher auf, durch die ein Zeppelin passen würde, und die Technik grenzt an Zauberei, aber dennoch ist die Geschichte ein repräsentativer Spiegel ihrer Zeit. Die Faschisten beunruhigen die Schriftstellerin offensichtlich, aber sie traut auch dem Matriarchat nicht zu, dem Menschen das größte Heil zu bringen. Lächerlich, aber zeittypisch sind die Aussagen, dass Frauen nicht zu Architekten, Ingenieuren usw. taugen würden. Putzig ist die Erwähnung von Siedlungen auf der „supertropischen“ Venus und dem warmen Mars, wo die „dekadenten Eingeborenen“ besiegt werden konnten. Man fühlt sich gleich in Edgar Burroughs’ Mars-Abenteuer zurückversetzt. Und schließlich verbeugt sich Moore noch vor der Kirche, indem sie den Großen Plan, den Kosmischen Planer postuliert; man fasst sich heute an den Kopf, aber damals war das nötig. – Ein langer Essay hätte es auch getan, aber eine Story ließ sich einfach besser verkaufen. Moore hat Besseres geschrieben, besonders „Shambleau“.

7) |Isaac Asimov: Tendenzen| (Trends)

Am 14. Juli 1973 sieht es schlecht aus für den ersten Raketenflug in der Geschichte der Menschheit. John Harman, der als erster den Mond umfliegen will, wird von seinem Mitarbeiter Clifford McKenny (dem Ich-Erzähler) ebenso gewarnt wie von seinem Institutsdirektor Winfield. Religiöse Führer wie der Prediger Otis Eldredge haben Raumfahrt und Raketenforschung zu Gotteslästerung erklärt. Harman schmettert alle Einwände ab und startet am nächsten Tag von New Jersey aus. Allerdings explodiert sein von einem anderen Mitarbeiter sabotiertes Raumschiff und es gibt viele Tote und Verletzte unter den protestierenden Zuschauern. Eldredge, der Harman verflucht hat, bricht sich beide Beine. Harman selbst stürzt mit seiner Bugkapsel sicher in ein Waldstück.

Natürlich wird er in einem Krankenhaus weggesperrt, denn Eldredge hat den Mob auf ihn gehetzt, und nur die Nationalgarde kann verhindern, dass Harman gelyncht wird. Nach Wochen der Ruhe holt McKenny Harman raus und versteckt sich mit ihm in Minnesota. In den kommenden vier Jahren breitet sich der religiös dominierte Neoviktorianismus über die ganze westliche Welt aus und eine US-Bundesagentur erhält die Oberhoheit über sämtliche naturwissenschaftliche Forschung. Raketenforschung wird unter Todesstrafe gestellt, aber dennoch baut Harman mit McKenny und Freunden heimlich an der „Prometheus II“. 1976 ist er soweit, erneut zu starten. Ob das mal gut geht?

Die titelgebenden „Tendenzen“ dienen Asimov dazu, mal zu illustrieren, wie abhängig von aktueller Politik die Förderung der Naturwissenschaften in Wahrheit ist. Raketenforschung, der Heilige Gral der Science (= Naturwissenschaft!) Fiction, ist Ketzerei, wenn nicht ganz bestimmte Voraussetzungen gegeben sind. 500 Jahre sind seit der kopernikanischen Wende vergangen und viele glauben, der nachfolgende Fortschritt in Wissenschaft und Technik sei unaufhaltsam. Asimov belegt, dass es auch ganz anders aussehen könnte. Der Story-Schluss jedoch ist versöhnlich und irgendwie unplausibel.

8) |Lyon Sprague de Camp: Die blaue Giraffe| (The blue giraffe)

Athelstan Cuff ist ein Beamter seiner britischen Majestät und begibt sich im September 1976 ins koloniale Betschuanaland. Das Okawango-Delta liegt zwischen Botswana und Namibia. In dieser Sumpflandschaft wollen die Wächter des Nationalparks seltsame Wesen gesehen haben, und Athelstan, ein Viktorianer von altem Schrot und Korn, soll mal nachsehen, ob das stimmt. Und möglichst „etwas dagegen unternehmen“. Und bei der Gelegenheit könne er ja mal nachsehen, was aus diesem Abenteurer namens Hickey geworden sei, der irgendwo in Namibia verschollen sein muss.

Der Wächter George Mtengeni zeigt ihm schon bald, was Sache ist. So, so, eine völlig blau gefärbte Giraffe. Aha, ein Nashorn mit zwei Köpfen namens Twiedeldum und Twiedeldie sowie ein grünes Flusspferd mit rosa Punkten. Interessante Sache. Aber das ist noch gar nichts gegen das Wesen, dem Athelstan in der Nacht hilft. Ein Kaffernbüffel hat es auf einen Baum getrieben. Cuff schießt den Büffel, und weil er den Rückweg nicht findet, lässt er sich von dem Wesen in das Lager seines Volkes führen. Im ersten Schein der Morgensonne erst erkennt Cuff, womit er es zu tun: eine sprechende Pavianfrau. Vor Schreck schießt er sich in den Fuß. Das Leben wird von da ab für ihn sehr „interessant“.

Was wie eine schnurrige Fantasygeschichte über das hinterste Afrika klingt, stellt sich als eine Story über die Angst vor der Radioaktivität heraus. Denn Athelstan Cuff erzählt sie seinem Sohn Peter, der behauptet, Athelstan sei nicht sein richtiger Vater. Da hat er Recht. Athelstan hat nämlich krebsrote Haut und Peter nicht. Cuff ist auf die Spur Hickeys gestoßen: eine Strahlen erzeugende Maschine, die zu Mutationen führt: blaue Giraffen, rote Briten usw. Spannender und amüsanter ist selten über Strahlenangst fabuliert worden.

9) |Henry Kuttner: Der fehlgeleitete Heiligenschein| (The Misguided Halo)

Der jüngste der Engel hat bei seinem ersten Auftrag leider einen Heiligenschein dem Falschen gegeben. Statt einem tibetanischen Mönch, der gerade sündigt, als der Engel ankommt, gibt er den Halo lieber K. Young aus Tibbett. Schließlich wird Youngs Name genauso ausgesprochen wie der des Lamas. Andererseits: Der Heiligenschein passt zu Kenneth Young, Werbemanager, denn er hat seines Wissens nie eine Sünde begangen. Der Halo jedoch ändert die Spielregeln.

Youngs Frau findet es ungerecht: Nur Engel sollten Heiligenscheine haben. Youngs Hund findet den Halo zum Fressen. Young reißt aus, den Halo mit dem seltsamsten Hut bedeckend, den er finden kann. Als der Engel in seinem Büro erscheint und ihm sagt, dass er den Heiligenschein nicht mehr zurücknehmen könne, kapiert Young, dass die einzige Methode, das Ding, das ihn lächerlich macht, loszuwerden, darin bestehen kann, eine Sünde zu begehen. Aber welche? Ihm fallen kaum welche ein.

Da erhält er den Auftrag, den potenziellen Kunden Devlin (= devil?!) in der Stadt herumzuführen. Young, nicht blöd, ergreift die Gelegenheit beim Schopf, mit Devlin zu sündigen, was das Zeug hält. Er lädt ihn zu einem Saufgelage ein. An das, was er später anstellt, kann er sich später nicht mehr erinnern. Leider entspricht der Erfolg all des Sündigens nicht ganz seinen Erwartungen.-

Eigentlich gehört die Story ins Reich der Fantasy – Engel usw. Aber die Folgen des Heiligenscheinbesitzes werden nicht in religiöser oder theologischer Hinsicht bewältigt, sondern auf die praktische Yankee-Art. Probieren geht über Studieren! Die Tour de sin ist jedoch recht harmlos verglichen mit dem, was Horace Gold in seiner Story „Ärger mit dem Wasser“ aus dem Thema herausholt. Ich hätte Kuttner mehr zugetraut.

10) |Milton A. Rothman: Schwerwelt| (Heavy Planet)

Auf einem riesigen Planeten, der einen Atmosphärendruck von mehreren tausend Erdatmosphären hat, beobachtet der Kundschafter Ennis, dass ein Raumschiff abstürzt, das offenbar außerplanetarischer Herkunft ist. An Bord des auf dem Wasser schwimmenden Wrack befindet sich kein Lebewesen mehr, nur Gallertpfützen zeugen von nichtmetallischen „Installationen“. Was Ennis dann aber findet, übertrifft seine kühnsten Träume: ein Atomantrieb! Damit könnte sein Volk endlich diese Welt verlassen. Sofort ruft er den Chefwissenschaftler Shadden herbei.

Doch auch Angehörige der kriegerischen Marak haben das Wrack gesichtet und wollen es sich unter den Nagel reißen. Ein gnadenloser Kampf entbrennt …

Längst nicht so gut wie „Schwere Welten“ von Hal Clement, ist „Schwerwelt“ dennoch ein annehmbarer Amateur-Beitrag aus der Ecke der echten Physik. Der Kampf um den Besitz des Atomantriebs der Menschen – und somit der Raumfahrt – ist ein ziemlich actionreiches Gekloppe. Dabei zeigt sich allerdings auch die verheerende Wirkung einer Atom-Waffe. Atombesitz = Vormachtstellung – die Maraks werden es zu spüren bekommen. Typisch für die Zeit um 1939 ist die Überschätzung der Leistung der Atomkraft und die Unterschätzung der Risiken bei ihrem Einsatz.

11) |Robert Anson Heinlein: Die Lebenslinie| (Life-line)

Als Dr. Pinero behauptet, er sei mit seiner neuen Maschine in der Lage, sowohl den Zeitpunkt der Geburt eines Menschen wie auch den genauen Zeitpunkt seines Todes abzulesen und vorherzusagen, schlägt ihm eine Welle des Unglaubens, der Ablehnung und schließlich auch der Missgunst entgegen. Denn als immer mehr Menschen merken, dass seine Methode hundertprozentig funktioniert, kapieren sie auch, dass sie keine Lebensversicherung mehr brauchen. Das finden die Lebensversicherer reichlich geschäftsschädigend und einer davon, Amalgamateds Chef Bidwell, belässt es nicht bei Worten, sondern greift zu Maßnahmen. Dr. Pinero Tage sind leider gezählt. Vermutlich hat er es gewusst.

Ähnlich wie in Asimovs Story „Tendenzen“ muss das Neue eine Menge Widerstand überwinden, bevor es sich durchsetzen kann. Doch es geht um mehr. Für den Erfinder selbst hat seine Fähigkeit tragische Aspekte. So versucht er etwa den ihm bekannten Sterbezeitpunkt eines frischgebackenen, jungen Elternpaares hinauszuzögern – vergeblich. Die Reaktion der Menschen, die erfahren können, wann sie sterben würden, ist typisch: Sie weigern sich, das bereits aufgeschriebene Datum zu veröffentlichen, wollen lieber unbeschwert von diesem Wissen weiterleben. Die Bibel verspricht: „Die Wahrheit macht euch frei“, aber es gibt offenbar eine Wahrheit, die niemand wissen will. Nicht wirklich.

12) |Theodore Sturgeon: Ärger im Äther| (Ether Breather)

Als der Schriftsteller Hamilton endlich sein Drehbuch „Die Muschel“ verfilmt sieht, ist er happy: Es ist Bestandteil der ersten Sendung des Farbfernsehens, das nun von Associated Television eingeführt werden soll. Also eine besondere Auszeichnung. Doch dann passiert etwas Schreckliches. Nach einer halben Stunde kommt wie üblich die erste Werbeunterbrechung, und darin sagt der Mann zu der Frau, die Berbelot-Parfum anpreisen soll: „Es stinkt zum Himmel.“ Und damit ist nicht nur das Parfum, sondern auch Hamiltons Werk gemeint. Doch das dicke Ende kommt erst noch: In der finalen Liebesszene sagt der Held zu seinem Schatz: „Ich kann dich ums Verrecken nicht ausstehen, du blöde Kuh!“ Hamilton erleidet fast einen Herzkasper.

Anrufe beim Cheflektor von Associated TV sind zwecklos, er muss selbst hinfahren. Auf dem Weg gesellt sich der Chef von Berbrelot Parfums zu ihm, und zusammen machen sie den armen Mr. Griff fertig. Doch der hat unerwartet gute Karten, als er ihnen seine eigene Aufzeichnung der Sendung „Die Muschel“ zeigt. Von unflätigen Bezeichnungen ist darauf nichts zu sehen noch zu hören. Wie kann das sein? Doch die Bundesbehörde für die Telekommunikation fragt nicht lange, sondern macht Associated TV dicht.

Auch der Konkurrenz Cineradio und XZM ergeht es nicht besser. Als der Außenminister einen unanständigen Witz über den Äther jagt, bedeutet dies das Ende des Farbfernsehens. Aber warum hat dieser Fehler dann das Schwarzweiß-Fernsehen nicht betroffen? Der Fehler tritt nicht auf, wenn die Sendung über Kabel gesendet und gespeichert wird. Also muss es entweder an den TV-Geräten oder am Übertragungsweg, dem Äther sozusagen, liegen. Hamilton und Berbelot benutzen die hypermoderne Sendeanlage des Industriemagnaten und machen eine erstaunliche Entdeckung …

Die Komödie um das Farbfernsehen hat einen sehr sympathischen Schluss. Der SF-Autor illustriert, wie sich mancher Technikfehler, der die Gesellschaft direkt beeinflusst, auch humorvoll einsetzen und erklären lässt. Dabei spielt er natürlich ein wenig den Advocatus diaboli: Diese drögen TV-Sendungen für Bildungsbürger könnten ein wenig mehr Pepp und Modernität vertragen.

Leider stolpert der heutige Leser über jede Menge Anachronismen. So sind etwa TV-Geräte grundsätzlich atomgetrieben! Und das schon seit 200 Jahren. Und jetzt erst wird das Farbfernsehen erfunden???! Okay, das war Sturgeons erste verkaufte Story, aber wenigstens der Herausgeber hätte die Fehler ausbügeln müssen.

13) |Joseph E. Kelleam: Rost| (Rust)

In einer Post-Holocaust-Welt ist die Erde wüst und leer, und nur drei Roboter trotten noch über die grauen Trümmer. Doch auch ihre Tage sind gezählt, denn der titelgebende Rost zerfrisst ihre Gelenkscharniere und anderen Einzelteile. Schließlich ist von allen Kampfrobotern nur noch X-120 übrig. Frustriert fragt er sich, was die Menschen, seine Schöpfer, damit bezweckten, als sie ihn und die anderen Kampfroboter schufen.

Erst sollten sie bloß Menschen in gelber Uniform töten, doch dann fiel dieses Kriterium irgendwie weg, und sie mussten alle Menschen töten. X-120 und Co. können aber kein eigenen Roboter erschaffen – ihre Greifwerkzeuge sind dafür nicht ausgelegt. Er hat immer die Statue eines spielenden Kindes auf einem Springbrunnen bewundert. Leider kann er selbst nicht einmal aus Lehm eine solche Statue schaffen – er kann nur zerstören. Nun ist seine Wut über die Erbauer zu groß geworden: Er zerschlägt die Statue. Auf dem Weg in die Stadt bringt ihn der Rost zu einem knirschenden Stillstand. Er stürzt, und langsam beginnt der rieselnde Schnee den Rest zu besorgen, ein weißes Leichentuch zu weben.

Die Story ist sehr traurig und von Frustration erfüllt. Aber sie ist folgerichtig aufgebaut und zeigt wichtige Aspekte. So könnte es mit den Robotern ausgehen, wenn nicht Asimovs drei Robotergesetze strikt angewendet würden. Und vor allem ist die Geschichte eine Warnung vor dem bevorstehenden Zweiten Weltkrieg, dessen Schrecken alles in der Schatten stellen sollen, was die Welt je gesehen hat.

14) |William F. Temple: Das vierseitige Dreieck| (The four-sided triangle)

Bill und Will sind Wissenschaftler und lieben beide Joan. Sie alle sind erfolgreich in Duplizierungsgeschäft tätig, indem sie Kunstgegenstände kopiert und verkauft haben. Doch nun ändert sich die Lage: Der ruhige Will heiratet Joan. Das versetzt dem launischen, genialischen Bill ein Stich ins Herz. Er hat seine Liebe zu Joan nie bekannt gegeben, und da beide seine Freunde sind, kann er sie nicht tadeln. Schweren Herzens beglückwünscht er sie. Doch während sie ihre Flitterwochen genießen, grübelt er – und verfällt auf eine wahnwitzige Idee: Warum nicht eine Kopie von Joan schaffen?

Doch das ist leichter gedacht als getan. Erst nach zahllosen geopferten Kaninchen gelingt es ihm, eines am Leben zu erhalten. Er bittet Will, eine Kopie von Joan anfertigen zu dürfen, denn er liebe sie genauso, wie Will dies tue. Will sagt okay und beide wissen, dass Joan zustimmen wird. Bill nennt die Kopie Doll. Aber das ist etwas ungerecht, denn die „Puppe“ sieht nicht nur aus wie Joan, sondern empfindet auch so wie diese. Daher erfüllt Doll das gleiche Unbehagen an dem vierseitigen Dreieck wie ihr Original. Was die Männer nicht ahnen, aber beide Frauen seelisch krank macht: Natürlich liebt Doll auch Will von ganzem Herzen. Das führt letzten Endes zu einer Katastrophe.

Wie schon Goethes „Wahlverwandtschaften“ beginnt auch diese Story mit einer psychologischen Versuchsanordnung. Allerdings wird sie um das Motiv des Pygmalion-Frankenstein-Komplexes erweitert. Das Ergebnis ist durchaus eindrucksvoll, doch mich beschleicht der Verdacht, dass ein Logikfehler vorliegt. Wenn beide Frauen aufgrund ihrer Identität den gleichen Plan fassten, um die verfahrene Situation zu retten, warum dachte dann die eine nicht daran, dass die andere genau den gleichen Plan fassen würde? Das hätte die Katastrophe verhindern können. Aber dann wäre der Autor um den Clou der Geschichte gebracht worden.

15) |Jack Williamson: Die Sternschnuppe| (Star Bright)

Jason Peabody ist ein etwa fünfzigjähriger Buchhalter, dessen kleiner Lohn hinten und vorne nicht ausreicht, seine Frau, die volljährige Tochter Beth und den faulen Sohn Bill zu ernähren. Da kommt ihm ein echtes Wunder zu Hilfe. Als er eine Sternschnuppe sieht – es macht nichts, dass sie grün ist –, wünscht er sich, er könne Wunder wirken. Die Sternschnuppe dringt in seinen Kopf ein, wo ein Splitter steckenbleibt.

Als er aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, stellt sich Peabody unwillkürlich ein Glas kühlen, erfrischenden Wassers vor. Es materialisiert sich vor seinen Augen, doch es erstaunt ihn erst, als er schon daraus getrunken hat. Wow, er kann Dinge aus dem Nichts erschaffen! Dass diese Fähigkeit einen Haken hat und sich nicht auf Lebewesen anwenden lässt, merkt er durch weitere Experimente. Die Anstrengung lässt seinen Schädel zwar dröhnen, aber er ist happy, seiner Familie endlich helfen zu können.

Doch sein Banknotenkopien werden als Falschgeld entlarvt, sein Goldbarren besteht innen aus Blei und alle Lebewesen, an denen er sich versucht, gehen drauf. Weil ihn inzwischen seine Familie für verrückt hält (zumindest alle außer Beth) und ihm die Polizei auf den Hals hetzt, flieht er zu Beths Verlobtem, dem Chirurgen Rex Brant. Der teilt ihm mit, was Peabody gar nicht wissen wollte. Der Splitter in seinem Kopf ist radioaktiv. Wunder oder Leben? Kein gute Wahlmöglichkeit, denkt Peabody. Aber dann kommt alles doch noch in Ordnung.

Die märchenhafte Erzählung nach dem Vorbild vom „Fischer un sine Fru“ enthält eine ernste Warnung vor dem Glauben an die Allmacht der Atomkraft – und wahrscheinlich sogar an die Segnungen der Technik. Dass Atomkraft auch tödliche Radioaktivität bedeutet, macht Peabodys Verfall deutlich. Dass die Waren, die er zaubert, nur Talmi sind, wird ebenfalls klar. Was Peabody letzten Endes rettet, ist die Liebe seiner Tochter und ihr Glaube an ihn. Ergo sind menschliche Beziehungen letzten Endes sehr viel wichtiger als aller Klimbim, der auf unehrliche Weise erworben wird. (Diese Story befindet sich nicht in der Sammlung „Die besten Stories von Jack Williamson“, die bei |Moewig| in der PLAYBOY-SF-Reihe erschien.)

_Die Übersetzung_

Manchmal hatte ich das Gefühl, dass nicht bloß Klaus Mahn, sondern ganze Kohorten von Übersetzern an diesem Buch gearbeitet haben. Mal ist nämlich die Diktion so altmodisch, wie sie wohl im Jahr 1939 gewesen könnte, dann wieder recht modern, als wäre sie wirklich im Jahr 1981/82 entstanden. Die Stilunsicherheiten sind Legion und würden zu weit führen. So schreibt Mahn beispielsweise „Programm“ statt „Sendung“ im Zusammenhang mit dem Fernsehen in „Ärger im Äther“.

An einer Stelle in Heinleins Story „Lebenslinie“ gibt es ein Absatzende, das mit dem Ende der Seite zusammenfällt. Auf der nächsten Seite weiß der Leser daher nicht, woher der Wechsel der Szene rührt, oder ob es sich um die Fortsetzung der vorhergehenden Szene handelt, nur mit dem Gefühl, dass etwas fehlt (es ist Pinero). Die Platzierung von drei Sternen am Abschnittsende/Seitenende hätte die Verwirrung beseitigt. Ich habe die Stele mit dem Abdruck in „Methusalems Kinder“, der Future History Heinleins, verglichen und konnte die Sachlage klären. Die Übersetzung dort ist übrigens eindeutiger und ausführlicher als die von Klaus Mahn.

_Unterm Strich_

Die Vielfalt dieser Geschichten ist ist beeindruckend, aber im Rückblick fällt doch auf, dass nur wenige Themen variiert werden: die Warnung vor den Möglichkeiten der Atomkraft, Technikgläubigkeit à la Pygmalion und Frankenstein, mehr („Ärger im Äther“) oder weniger („Schwarzer Zerstörer“) freundliche Aliens, Roboter und eine Reihe humorvoller Späße, die ihre warnende Botschaft geschickt verbergen.

Natürlich fragt man sich, warum Fantasygeschichten wie „Ärger mit dem Wasser“ und „Der fehlgeleitete Heiligenschein“ in eine SF-Sammlung aufgenommen wurden. Es liegt wohl teils am Respekt vor dem Autor, andererseits heißt aber die Sammlung nicht „Die besten SF-Stories von 1939“, sondern lediglich „Die besten Stories von 1939“, was natürlich auch Fantasy umfassen kann. Nur die |Moewig|-Reihe selbst behauptet, SF zu bringen. Ein Starautor wie Asimov braucht dies nicht zu berücksichtigen.

Mir hat die Anthologie mal ein Schmunzeln entlockt, mich aber manchmal den Kopf schütteln lassen. Vieles ist sehr zeitgebunden und wirkt heute völlig überholt. Aber es gibt ein paar Storys, die immer noch ihren Zauber entfalten, und „Schwarzer Zerstörer“ ist eine davon, „Lebenslinie“ eine andere. Sie werden Bestand haben. Daher werden sie immer wieder in Anthologien zu finden sein. Die dann hoffentlich besser übersetzt sind als diese Ausgabe.

|Originaltitel: The Great SF Stories 1 (1939), 1979
Aus dem US-Englischen übersetzt von Klaus Mahn|