Alle Beiträge von Berthold Roth

Rudolf Kreis – Wer schrieb das Nibelungenlied? Ein Täterprofil

Die gegenwärtige Weltlage lädt förmlich dazu ein, das Nibelungenlied als Beispiel zu nehmen, um aufzuzeigen, welches Ende blutrünstige Rachefeldzüge nehmen können. Die Situation vor 800 Jahren war der heutigen recht ähnlich, es war die Zeit der Kreuzzüge der Christen gegen den Islam und die Juden. Diese Parallele nimmt der Autor Rudolf Kreis zum Anlass, den unbekannten Dichter des Nibelungenliedes zu entchristianisieren und in ihm einen Juden bzw. dem Judentum Nahestehenden zu vermuten. In Worms verfügte die jüdische Bevölkerung damals über die gleichen Rechte wie die eigentlichen Bürger auch. Die rabbinische Gelehrsamkeit strahlte stark auf die christliche Theologie ab. Für das europäische aschkenasische Judentum war Worms das „Jerusalem“ des Westens. Seit dem 9.Jahrhundert kontrollierten die jüdischen Kaufleute von Worms den Fernhandel mit dem Orient bis Indien und China. Neben der Synagoge existierte eine Talmudschule von überregionalem Rang, der den der bis dahin führenden Hochschule von Babylon übertraf.

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Joseph Ratzinger – Glaube, Wahrheit, Toleranz. Das Christentum und die Weltreligionen

Der umstrittene Präfekt der „Kongregation für die Glaubenslehre“ im Vatikan (früher „Heilige Inquisition“ genannt), Kardinal Ratzinger, legt ein Buch über das Verhältnis des Christentums zu anderen Religionen vor, welches überraschend hohes Niveau aufweist und zur Beschäftigung damit geradezu ruft. Und obwohl die katholische Kirche in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit durch ambivalentes Hin und Her zwischen Fortschritt und Rückschritt allen Kopfzerbrechen bereitet und das kaum noch einzuordnen ist, hatte gerade Ratzinger noch im letzten Jahr durch das „Opus Jesus“ die Unvereinbarkeit der katholischen Kirche mit allen anderen christlichen Kirchen dargelegt und viele Hoffnungen auf Fortschritt begraben.

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Cebulla, Frank – Schlange und Messias. Und andere mythologisch-kabbalistische Schriften

Der Titel des Buches ist wohl hauptsächlich verkaufstechnisch gewählt und dass diese Rechnung aufgeht, ist dem Autor von ganzem Herzen zu wünschen, der damit seinen neuen Verlag eröffnet. Bislang durch die vierteljährlich erscheinende niveauvolle Okkult-Zeitschrift „Der Golem“ bekannt, wagt man sich nun an einen eigenen magischen Verlag.

Enthalten in diesem ersten Band sind Essays zu mythologischen und kabbalistischen Schriften, und tatsächlich ist die einwandfreie Zuordnung zu einem dieser beiden Gebiete nicht wirklich möglich. Die Thematik ist zu sehr ineinander verwoben, was den Reiz, den der inhaltliche Stoff bietet, allerdings nur noch größer macht. Frank Cebullas Spezialgebiet ist die Arbeit mit der Kabbala, die er aber nicht eingrenzt auf eine bestimmte Festlegung, was denn das nun eigentlich genau sei. Es gibt zu viele Deutungsversuche von jüdischen Gelehrten, Historikern, Psychoanalytikern, Okkultisten und Literaten. So verschieden deren Ansichten auch sind, eines hat der Autor verstanden: Alle haben recht! Aus dieser Erkenntnis heraus geht es ganz frisch und unbefangen an die Thematik und was dabei herausgekommen ist, verwirrt in keiner Weise. Cebulla erhebt an keiner Stelle den Anspruch, seine Forschungen und Erkenntnisse als absolute Wahrheiten vermitteln zu wollen, sondern sieht sie als Anregung für den Leser, selber weiter zu forschen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt dabei allerdings bei der mythologischen Forschung um den Gott „Baal“ und was dabei entdeckt wurde – vor allem in Bezug auf kabbalistische Entsprechungen – ist absolut neu und gibt zu denken. Ich habe das Buch an einem einzigen Tag verschlungen und konnte es nicht beiseite legen, bis ich es beendet hatte. Meiner Ansicht nach hat Cebulla ein Grundlagenwerk geschaffen, auf das viele künftige Forscher zurückgreifen werden und es dürfte auch in einigen Jahrzehnten noch als wichtiger Quellenklassiker gelten. Cebulla selbst findet immer mehr den Ursprung der Kabbala in einer Ursprache bzw. einer Ursilbenlehre, deren Basis allerdings nicht in der sprachwissenschaftlichen Erkenntnis der Etymologie liegt. Tabulos reiht er sich damit ein in die Arbeiten der vor einem Jahrhundert lebenden germanisch-pansophisch und ariosophischen Gelehrten wie Hermann Wirth, Rudolf John Gorsleben, Guido von List, Weisthor, Otto Rahn und anderer. Jahrzehntelang wagte sich fast niemand mehr, an deren Texte anzuknüpfen, wollte man nicht die Gefahr eingehen, als „rechter“ Denker diffamiert zu werden. Der Mut, an diese Gedanken wieder anzuknüpfen, hat sich gelohnt, denn der Leser merkt zweifelsfrei durch jeden Satz von Cebulla, dass es außer Frage steht, dass dieser in „rechtem Fahrwasser“ rudern würde.

Meines Erachtens ist dieses erste Buch des Hadit-Verlages ein Titel, der in die Bibliothek jedes an alter Mythologie Interessierten gehört und auf faszinierende Art die kabbalistische Betrachtungsweise zur Grundlage hat. Auf den einzelnen Inhalt einzugehen, ist an dieser Stelle unmöglich, denn die Ergebnisse, die Cebulla aufführt – die vielen Analogien, Korrespondenzen, Allegorien, symbolischen Bilder und numerologischen Sequenzen – sind viel zu umfassend und kreisen dennoch ausschließlich um die ewigen Themen von Himmel und Erde, Geburt und Tod, Sexualität und Schöpferkraft. Man darf sehr gespannt sein auf die weiteren Titel dieses jungen Verlages, die bereits angekündigt sind und neben weiteren eigenen Werken auch von anderen Autoren stammen.

[Homepage des Autors]http://www.equinox-net.de/

_Berthold Röth_
für die Zeitschrift [AHA]http://www.aha-zeitschrift.de/
Ausgabe 04/2003 (August/September)

Peter Priskil , Beate Mittmann – Kriegsverbrechen der Amerikaner und ihrer Vasallen gegen den Irak und 6000 Jahre Menschheitsgeschich

Zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung erfolgt zum politisch richtigen und notwendigen Zeitpunkt die vierte aktualisierte und stark erweiterte Auflage dieses brisanten Buches. Kriegsverbrecher in Washington waren dabei, zugunsten des US-Monoimperialismus den Irak restlos zu zerstören, was im Grunde bereits 1991 begann und mit bislang 1,5 Millionen Toten bereits jetzt den ersten neuzeitlichen Genozid des von den Türken an Armeniern begangenen Völkermords erreicht hat. Die Begründung, mit dem der aktuelle politische Coup gegen den Irak ausgelöst wurde, lieferte der 11. September 2001 – keiner versteht zwar, was das mit dem Irak zu tun haben solle – und die Herausgeber dieses Enthüllungsberichtes halten es zudem für sehr wahrscheinlich, dass die Angriffe auf das World Trade Center auch selbst inszeniert worden sein könnten und erinnern an die Art des von den Nazis gelegten Reichstagsbrands [oder an Pearl Harbor; Anm. d. Lektors].

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Grobe-Hagel, Karl – Krieg gegen Terror? El Qaeda, Afghanistan und der Kreuzzug der USA

Der Autor schreibt seit 30 Jahren für die „Frankfurter Rundschau“ und geht davon aus, dass Kriege noch nie wegen Religionen stattfanden, sondern solches immer der Deckmantel für ganz andere Interessen ist. Nach dem ersten Entsetzen und der daraus erfolgten weltweiten US-Solidarität haben die USA aber sehr schnell unverblümt ihr wahres Interesse gezeigt: das der absoluten Weltherrschaft mit den Mitteln bis hin zum atomaren Erstschlag, selbst gegen nicht nuklear gerüstete Staaten. Nicht weniger perfide sind biologische und chemische Waffen, deren Herstellung, Lagerung, Kühlung und Sicherheit so kompliziert sind, dass sie im kriegszerstörten Irak sowieso nicht vorhanden sein konnten. Wohl aber in den USA, aus deren Labors die postalisch verschickten Milzbrand-Erreger, die die Bevölkerung in Atem hielten, stammten. Neben diesen doch brisanten Feststellungen gelingt es dem Autor, eine Neutralität zu wahren, die den meisten anderen Berichterstattern fehlt. Es ist nämlich nicht einfach, in diesen Konflikten keine Position zu ergreifen. Grobe-Hagel führt lediglich die Fakten der Realität auf. Wichtig ist das Buch vor allem, weil es intensiv auf die politische Situation Afghanistans eingeht und auch detailliert die jetzige Regierung analysiert. Die zukünftigen Kriegsziele der USA von Irak (mittlerweile schon erfolgt), Iran, Nordkorea und was da sonst alles noch in Planung ist, werden am Ende kurz angerissen. Lesenswert, da derartige Informationen entweder sowieso kaum zugänglich sind oder aber leider die Durchschnittsbevölkerung erst gar nicht interessieren.

_Berthold Röth_
für die Zeitschrift [AHA]http://www.aha-zeitschrift.de
Ausgabe 04/2003 (August/September)

Wer an einer ausführlicheren inhaltlichen Darstellung interessiert ist, möge sich dazu die Buchbesprechung in der [TAZ]http://www.taz.de/pt/2002/10/15/a0208.nf/textdruck besehen. [Anm. d. Lektors]

Andreas Speit (Hrsg.) – Ästhetische Mobilmachung – Dark Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien

Neben der klaren rassistischen und faschistischen Musikkultur – wie dem Neo-Nazi-Skinhead-Rock – hat sich in den letzten Jahren etwas etabliert, das nicht einzuordnen zu sein scheint. Die Gothics (vormals Gruftibewegung genannt) gerieten sehr schnell aus dem Fahrwasser der Satanistenvorwürfe in den Bereich der rechtsradikalen Mythen. Vor allem der Neofolk-Bereich ist davon betroffen, denn gerade die romantischen Lagerfeuerklänge und ihre Bezüge zur Naturreligion und Mystik geben Anlass, darüber Vermutungen anzustellen und zu recherchieren. Innerhalb der Gothic-Szene entstand schon vor Jahren die Gruftie-gegen-Rechts-Bewegung, die das alles sehr genau im Auge behält. Nun hat sich eine Reihe von Autoren aus dem Antifa-Bereich die Mühe gemacht und zeigt diese ganzen Verstrickungen schonungslos auf.

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Berzin, Alexander – Kalachakra – Das Rad der Zeit. Geschichte, Wesen und Praxis der bedeutendsten tantrischen Initiation

Der heute in Berlin lebende Amerikaner Berzin lebte 30 Jahre bei den sich im indischen Exil befindlichen Tibetern und studierte alle vier tibetischen Schulen. Er ist ein enger Vertrauter des Dalai Lama. Er gilt als wichtigster westlicher Experte der Kalachakra-Initiation und da diese im Herbst 2002 durch den Dalai Lama in Graz in einer spirituellen Massenveranstaltung übertragen wurde, wagte sich der Barth-Verlag an die Übersetzung des bereits fünf Jahre zuvor in den USA erschienenen Buches.

Kalachakra bedeutet die Fähigkeit, mit allen Situationen zu jeder Zeit umgehen zu können. Dies gelingt dem Autor in einfacher Weise – aber einzigartig umfassend – darzustellen. Für diejenigen, die wissen wollen, ob Kalachakra ein für sie begehbares System sein könnte, ist das Buch Pflichtlektüre. Kalachakra steht in engem Zusammenhang mit dem geheimnisvollen Shambhala-Reich, aber das Ziel von Kalachakra ist es nicht, Shambhala zu erreichen.
Eine Kalachakra-Initiation ist auch nicht dazu gedacht, Menschen zum Buddhismus zu bekehren, sondern gemäß den Idealen ihrer eigenen Religion zu leben und sich in Brüder- und Schwesternschaften mit anderen zu vereinigen, die dies ebenfalls tun. So unübersehbar dieses System in seiner Komplexität auch scheint, empfiehlt es sich für jeden, der die schon erwähnte Fähigkeit erwerben möchte, mit allen Situationen umgehen zu können, und das zu jeder Zeit und in jedem Umfang. Besonders wir westliche Menschen brauchen solche Systeme.
In unserer modernen Gesellschaft führen viele ein fragmentarisches Leben. Wir fühlen uns entfremdet von vitalen Komponenten, wie z.B. unserem Körper, unseren Gefühlen, unserer Kreativität oder unseren Eltern. Es ist schwierig, alles im Gleichgewicht zu halten und es zu integrieren. Es ist so, als ob wir viele Leben gleichzeitig führen würden – ein öffentliches und ein privates, ein Büroleben, ein Familienleben, dazu ein soziales, intellektuelles, spirituelles, ein Sport-, Vereins-, Ferien-, Muße- und ein politisches Leben. Die Situation wird sogar noch komplizierter, wenn es zu Scheidungen und Wiederverheiratungen gekommen ist.

Kalachakra befähigt, mit all diesen Elementen harmonisch eine ganze Person zu sein. Im Buch wird die Geschichte und der Hintergrund des Kalachakra erklärt, welches überraschende Bezüge zum gegenwärtigen Zeitgeschehen zutage bringt und ziemlich umfassend die vielen dabei zu leistenden Gelübde erklärt, gedeutet und kommentiert. Nach dieser umfangreichen Klärung, ob man sich überhaupt in der Lage sieht, sich auf’s Kalachakra einzulassen, folgt die Darstellung der praktischen Verpflichtung, d.h. der täglichen Arbeit. Auch wird der eigentliche Initiationsritus detailliert beschrieben.

Berthold Röth
für die [AHA-Zeitschrift]http://www.aha-zeitschrift.de