Alle Beiträge von Michael Drewniok

Caleb Carr – Die Einkreisung

In New York City, schon 1896 mehr Moloch als Metropole, tötet eine Serienmörder grausam Kinder; da seine Opfer arm sind, will die Obrigkeit seine Taten vertuschen, was ein ehrlicher Polizeichef nicht duldet und deshalb einen Psychologen, einen Journalisten und eine Frau damit beauftragt, den Täter zu entlarven … – Zeitgenössisches Unwissen und Vorurteile im Konflikt mit moderner Kriminalistik sorgen im Bund mit einem gut erdachten und entwickelten Plot für spannende Unterhaltung: ein beinahe schon klassischer Historien-Thriller, der anlässlich seiner (TV-) Verfilmung neu aufgelegt wurde. Caleb Carr – Die Einkreisung weiterlesen

Michel Parry (Hg.) – Draculas Rivalen

Sammlung von zehn Kurzgeschichten, in denen unterhaltsam und manchmal einfallsreich bewiesen wird, dass der Vampir-Kosmos Platz genug für Blutsauger bietet, deren Name nicht Dracula lautet; klassischer Grusel trifft auf den eher trashigen Horror der „Pulp“-Ära, hinzu kommen einige moderne Storys: keine Meisterwerke, aber sämtliche Storys sind „Edward“- und „Betsy“-frei und schon deshalb die Lektüre wert!

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Jordi Llobregat – Die Anatomie des Teufels

In Barcelona geht 1888 ein Serienmörder um. der seine Opfer rätselhaft verstümmelt. Die Polizei ist nicht nur unfähig, sondern auch korrupt, weshalb sich ein junger Gelehrter, ein abgebrühter Journalist und ein Medizinstudent zusammentun, um den Täter zu stellen, der jedoch gut in Barcelonas Oberschicht vernetzt ist … – Aus bewährten Versatzstücken stellt Autor Llobregat geschickt einen Thriller zusammen, der Historie, Krimi und Horror effektvoll und spannend mischt: gutes Lesefutter, das selten überrascht, aber durchgängig unterhält. Jordi Llobregat – Die Anatomie des Teufels weiterlesen

[NEWS] Colin Dexter – Eine Messe für all die Toten (Chief Inspector Morse 4)

Seit Ewigkeiten ist in der verschlafenen Gemeinde St. Frideswide nichts Aufregendes mehr passiert. Jeden Sonntag pilgern die Schäfchen brav in die Kirche, werfen ein paar Pence in die Kollekte, beichten die üblichen Vergehen und lassen sich von ihren Sünden freisprechen. Bis eines Tages der Kirchenvorsteher ermordet wird – während des Gottesdienstes. Das kommt Chief Inspector Morse ganz gelegen, der sich in seinem Urlaub fürchterlich langweilt. Als kurz darauf der Pfarrer höchstselbst vom Kirchturm in den Tod springt, stehen Morse und sein treuer Sergeant Lewis vor einem kriminalistischen Rätsel … (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 288 Seiten
Originaltitel: Service of All the Dead
Unionsverlag

M. R. C. Kasasian – Der Fluch des Hauses Foskett (Sidney-Grice & March-Middleton/Gower-Street-Detective 2)

Im London des Jahres 1882 soll Privatermittler Grice die finanziell miteinander verbandelten Mitglieder eines Vereins voreinander beschützen. Trotzdem kommen sie rasch nacheinander sowie grässlich zu Tode, was seinem Ruf arg abträglich ist … – Auch im zweiten Band der „Gower-Street-Detective“-Serie versucht Autor Kasasian nicht zu verbergen, dass es sich hier um einen weiteren Historienkrimi im Sherlock-Holmes-Stil handelt; Dr. Watson ist hier eine (selbstbewusste) Frau, das viktorianische London ein Pfuhl alltäglicher Ungerechtigkeit, und Splatter-Effekte sind keineswegs verpönt: ordentliches Lesefutter. M. R. C. Kasasian – Der Fluch des Hauses Foskett (Sidney-Grice & March-Middleton/Gower-Street-Detective 2) weiterlesen

Sheila Radley – Das Unheil in Person (Douglas Quantrill 3)

Als in einer englischen Kleinstadt ein Skelett entdeckt wird, rührt die Polizei eine sorgfältig vertuschte aber nie überwundene Tragödie auf, die nun ihre gnadenlose Fortsetzung findet … – Der dritte Fall für Chief Inspector Quantrill bietet makelloses englisches Krimi-Handwerk. Die meisterlich dargestellte Dorf-Idylle, die gleichzeitig Gefängnis ist, ist die Ideal-Kulisse für eine ebenso schauerliche wie traurige Geschichte, die von der Verfasserin nichtsdestotrotz humorvoll präsentiert und gebührend überraschend aufgelöst wird: ein zeitloses Lektüre-Vergnügen. Sheila Radley – Das Unheil in Person (Douglas Quantrill 3) weiterlesen

[NEWS] Caleb Carr – Die Einkreisung

New York 1896: Unter Polizeichef Theodore Roosevelt kommt es zu einem grauenvollen Mord, der sich als Teil einer ganzen Mordserie erweist. Mit den Ermittlungen wird Dr. Kreisler beauftragt, ein Vorläufer Sigmund Freuds. Gegen erbitterte Widerstände gelingt es ihm, mittels eines detaillierten Psychogramms den Mörder einzukreisen. (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 736 Seiten
Originaltitel: The Alienist
Heyne

James Carlos Blake – Red Grass River

In den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts tobt in den Sümpfen Floridas eine erbitterte Familienfehde zwischen Schwarzbrennern und Gesetzeshütern, die sich zu regelrechten Kriegen mit rivalisierenden Gangsterbanden ausweitet und für außerordentliche Opferzahlen sorgt … – Großartige Mischung aus Historien-Roman und Thriller. Handlung, Figuren, Landschaftsdarstellung (und Übersetzung): alles vom Feinsten. Hinzu kommt eine erstaunliche atmosphärische Dichte, was „Red Grass River“ insgesamt zu einer der sicherlich besten Neuerscheinungen des Jahres aufwertet. James Carlos Blake – Red Grass River weiterlesen

Sylvain Neuvel – Giants: Zorn der Götter (Themis Files 2)

Die Entdeckung und Nutzung eines außerirdischen Riesenroboters weckt die Aufmerksamkeit der ursprünglichen Eigentümer. Sie schicken Kampfmaschinen, denen die Erde nichts entgegenzusetzen hat; die Ausrottung der Menschheit ist nur zu verhindern, wenn das eigentliche Motiv des Gegners entschlüsselt werden kann … – Der zweite Teil der „Themis Files“ wird erneut durch E-Mails, Protokolle, Tagebucheinträge usw. ‚erzählt‘, was weiterhin erstaunlich gut funktioniert sowie verbirgt, dass die Story oft auf der Stelle tritt: trotzdem unterhaltsam. Sylvain Neuvel – Giants: Zorn der Götter (Themis Files 2) weiterlesen

[NEWS] Alistair MacLean – Die Kanonen von Navarone

Ägäis, November 1943: Nach einer missglückten Inselbesatzung sind rund 1200 britische Soldaten vom Feind eingekesselt. Ein Rettungskonvoi ist auf dem Weg, doch thronen über der zu passierenden Meerenge die gigantischen Geschütze der unzerstörbaren Inselfestung von Navarone. Eine Handvoll Spezialisten um Captain Keith Mallory wird ausgesandt, um die Geschütze gezielt auszuschalten. Während der Trupp gegen die Kälte, den Berg und eine feindliche Übermacht ankämpft, ist der größte Gegner jedoch die Zeit: Die Kanonen von Navarone müssen schweigen, bevor die Rettungsschiffe in Schussweite kommen. (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 356 Seiten
Originaltitel: The Guns of Navarone
HarperCollins

Michael Connelly – Ehrensache (Harry Bosch 20)

Zwangspensioniert und gelangweilt wechselt Harry Bosch die Seiten und ermittelt für seinen Halbbruder, einen Anwalt, in einem Mordfall, für den ein Mann vor Gericht steht, auf den die Beweise ein wenig zu deutlich weisen. Bosch sticht tatsächlich in ein Wespennest aus Korruption und Verschwörung, deren Nutznießer ihn erst heimlich und dann direkt in die Zange nehmen … – Band 20 der Harry-Bosch-Serie ist ein „Crossover“ mit Connellys Mickey-Haller-Reihe. Eindeutig im Vordergrund steht jedoch Bosch, der einmal mehr routiniert einen verwickelten Kriminalfall aufdröselt: nicht der beste Beitrag zur Serie, aber erneut lesenswert, weil spannend und mit vielen bissigen Kommentaren zum Thema US-„Law-&-Order“ gewürzt. Michael Connelly – Ehrensache (Harry Bosch 20) weiterlesen

Henry Holt – Alle sind verdächtig (Inspektor Silver 8)

Mit einer Giftspritze wird Lola Fortescue umgebracht, als sie eine Freundin in England besuchen will. Der ermittelnde Beamte steht vor einer ganzen Gruppe potenzieller Verdächtiger, die selbstverständlich jegliche Mordbeteiligung abstreiten … – Weniger klassischer als schlicht alter Rätsel-Krimi, dessen Autor sich der bekannten Elemente bedient, ohne dadurch mehr als leidlich unterhalten zu können, weil seine Figuren blasse Archetypen bleiben; als Beleg für zeitgenössische Krimi-Kost freilich auch gerade deshalb durchaus unterhaltsam. Henry Holt – Alle sind verdächtig (Inspektor Silver 8) weiterlesen

David Wilson – Das Gesetz des Bösen

In Greenbank, einer Gefängnisanstalt für Schwerverbrecher, gelingt einem besonders gefährlichen Insassen die Flucht. Während man ‚draußen‘ fahndet, wird ‚drinnen‘ ein Kinderschänder umgebracht – der Auftakt zu einer ganzen Serie von Morden, denen nicht nur Gefangene zum Opfer fallen: Der oder die Täter verschonen auch das Personal nicht … – Primär durch Grell-Action und bizarre Gewaltakte vorangetriebener Thriller, während die Logik sich in Deckung hält. Autor Wilson, einst selbst im Strafvollzug tätig und ein bekannter Kriminalist, überfrachtet seinem Debütroman, weshalb die Handlung ins Stolpern gerät ist: interessant aber ansonsten gescheitert. David Wilson – Das Gesetz des Bösen weiterlesen

S. Craig Zahler – Wie Schatten über totem Land

Die Befreiung zweier Schwestern aus der Gewalt eines sadistischen Irren endet 1902 als blutige Orgie grotesker Gewalt, wobei sich die Unterschiede zwischen Verbrechern und Rettern zunehmend verwischen … – Quasi existenzieller Western, der die archaische Landschaft als Bühne eines Geschehens nutzt, das die Allgegenwart des Bösen im Menschen nicht nur darstellt, sondern förmlich zelebriert und dabei (pseudo-) literarisch aufpimpt; der Verfasser ist bemerkenswert einfallsreich, wenn es darum geht, Gewalt in Worte zu fassen: als Historien-Horror unterhaltsam. S. Craig Zahler – Wie Schatten über totem Land weiterlesen

Steve Mosby – Hölle auf Erden

Nach eigener Auskunft ist Charlotte Matheson gestorben und in der Hölle gelandet, bis der Teufel sie entließ. Die Polizei geht von einer Gruppe weltlicher sowie irrer Fanatiker aus, die aus ihrer Sicht ‚böse‘ Menschen entführt und foltert … – Parallel dazu erzählt Autor Mosby die Geschichte eines psychisch aus der Bahn geworfenen Polizisten, wobei die beiden Handlungsstränge final zusammenfinden: Spektakuläre Effekte sind wichtiger als Logik, und die Figuren neigen zu dramatischer Labilität; primär routiniert bringt Mosby sein krudes Garn über die Runden: Thriller-Futter. Steve Mosby – Hölle auf Erden weiterlesen

Agatha Christie – Der Wachsblumenstrauß (Hercule Poirot 29)

Der reiche Mr. Abernethie starb nicht nur sehr plötzlich, sondern auch gerade rechtzeitig, denn seine sechs Erben befanden sich in großen Geldnöten; eine Kombination, die erst dem Familienanwalt und dann Hercule Poirot verdächtig scheint … – In seinem 29. Fall ermittelt Hercule Poirot abermals im Kreise kaum trauernder, sondern verdächtiger Familienangehöriger, was die Autorin ungemein spannend und unter Legung ebenso eindeutiger wie falscher Fährten über die kriminelle Bühne bringt: In ihrem 44. Kriminalroman zeigt sich Agatha Christie als ebenso routinierte wie einfallsreiche Meisterin des Genres. Agatha Christie – Der Wachsblumenstrauß (Hercule Poirot 29) weiterlesen

Mats Strandberg – Die Überfahrt

Auf einem skandinavischen Fährschiff geht es hoch her: Der Alkohol ist zollfrei und billig, es wird heftig getrunken, die Hemmungen schwinden. Die üblichen Exzesse werden durch zwei mitreisende Vampire erheblich verstärkt, denn die Suff-Fähre verwandelt sich in ein Totenschiff … – Die ungewöhnliche Kulisse sorgt für Interesse, doch ungelenk und viel zu ausführlich setzt Autor Strandberg sein Garn an, das erst nach Ausbruch der Vampir-Katastrophe in Schwung kommt und diese vor allem blutig auf die Spitze treibt: Grusel-Mission recht bedingt erfüllt. Mats Strandberg – Die Überfahrt weiterlesen

Chad Taylor – Shirker

Ein ausgebrannter Spekulant gerät im neuseeländischen Auckland zufällig auf die Spur eines womöglich unsterblichen Serienmörders. Fasziniert und auf der Suche nach einem neuen Lebensinhalt kommt er diesem mit fatalen Folgen zu nahe … – Mit kühlen Worten und knappen Sätzen erzählt der Autor nicht nur einen (phantastischem) Thriller, sondern schildert auch ein sinnleeres Großstadtleben. Das Ergebnis ist konsequent düster, rätselhaft und sehr spannend; kurzum: ein gar nicht alltägliches Lesevergnügen. Chad Taylor – Shirker weiterlesen

David Moody – Straight to You

Kurz nachdem sich die Eheleute Steven und Samantha getrennt haben, beginnt die Sonne zu pulsieren. Das Ende der Welt durch stetig zunehmende Hitze steht bevor, aber bevor es soweit kommt, will Steven seine Frau wiedersehen und schlägt sich durch ein England im Zusammenbruch zu ihr durch … – Die übliche Apokalypse-Story wird ‚individualisiert‘ und aus der begrenzten Sicht eines ‚normalen‘ Mannes beschrieben; das Geschehen bietet keine Überraschungen, die emotionalen Einschübe wechseln zwischen pathetisch und peinlich: ein Routine-Garn, dem der Ehrgeiz des Verfassers nachdrücklich schadet. David Moody – Straight to You weiterlesen

Michael Connelly – Dunkler als die Nacht (Harry Bosch 7)

Ausgerechnet Harry Bosch, Kriminalist mit Leib und Seele, gerät in Verdacht, zur Selbstjustiz zu greifen, um Verbrecher zu strafen, die der Justiz durch die Lappen gingen; er rechtfertigt sich, sondern beginnt ein vor allem für ihn lebensgefährliches Katz-und-Maus-Spiel … – Es ist kein Spoiler, dass Harry Bosch in seinem siebten Fall natürlich nicht zum Rächer degeneriert, sondern tatsächlichen Schurken auf der Spur ist, die das Gesetz missbrauchen. Die Story ist spannend und wendungsreich, und sie führt die Figuren gleich dreier Connelly-Serien in einem Thriller zusammen. Michael Connelly – Dunkler als die Nacht (Harry Bosch 7) weiterlesen