Alle Beiträge von Michael Drewniok

Greg F. Gifune – Savages

Vergnügungsreisende Freunde stranden schiffbrüchig auf einer einsamen Tropeninsel. Das nackte Überleben wird zur Bewährungsprobe, die nicht jede/r übersteht, zumal sich herausstellt, dass man nicht allein auf der Insel ist: Eine bizarre Kreatur ist der Gruppe mordend auf den Fersen … – Horror-Kurzroman, der den nun einsetzenden Kampf und – sehr detailfroh – die tödlichen Folgen beschreibt: simpel in der Handlung, rabiat im Ton, arm an Überraschungen: routinierter Splatter-Grusel.
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Jeffery Deaver – Letzter Tanz (Lincoln Rhyme/Amelia Sachs 2)

Ein genialer Killer räumt Zeugen aus dem Weg, die einen kriminellen Geschäftsmann belasten könnten. Die ratlose Polizei heuert den fast vollständig gelähmten aber detektivisch weiterhin erfolgreichen Lincoln Rhyme an, der sich mit dem Killer ein erbittertes Duell liefert … – Der zweite Lincoln-Rhyme-Thriller kann auf den Überraschungseffekt des ersten – dieser Detektiv ist wahrlich gehandicapt! – nicht mehr zählen, unterhält aber durch einen soliden Plot, überraschende Wendungen und interessante Figuren: Thriller-Unterhaltung auf hohem handwerklichen Niveau! Jeffery Deaver – Letzter Tanz (Lincoln Rhyme/Amelia Sachs 2) weiterlesen

Anne Frasier – Ich bin nicht tot

Nach drei Jahren konnte Polizistin Jude Fontaine ihrem Dasein als Sexsklavin entkommen. Psychisch labil kehrt sie in den Dienst zurück und deckt dort eine Kette ähnlicher Verbrechen auf, wobei die Täter womöglich Fontaines eigener Familie angehören … – Zunächst gefällt die gelungene Figurenzeichnung, während der eigentliche Fall Nebensache bleibt. Im letzten Drittel wirft die Autorin die Story um und fesselt durch eine rasante, unerwartete Auflösung: Ungeachtet der Werbung, die einen soften Lady-Thriller androht, bietet dieser Roman gute Krimi-Unterhaltung.
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Cheryl Bradshaw – Die Heimsuchung von Grayson Manor


In der geerbten Villa geht es um, weshalb die ohnehin hellsichtige Addison versucht, das Rätsel eines offensichtlich ungesühnten Mordes zu lüften. Da sowohl die Geister als auch einige noch lebendige Zeugen des alten Dramas finstere Pläne verfolgen, gerät Addison erwartungsgemäß unter zweiseitigen Druck … – Eher leichtfüßiges Geistergarn, das ideenschwach in den Fußstapfen ähnlicher Mystery-Storys wandelt; obwohl die Hauptfigur ein wandelndes Klischee ist, erspart die Autorin ihr (und den Lesern) allzu ranzige Gaslicht-Romantik und „Mr.-Right“-Gesülze: Lesefutter.
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Edward Lee & Elizabeth Steffen – Dahmer ist nicht tot

Obwohl der Serienkiller und Kannibale Jeffrey Dahmer im Gefängnis umgebracht wurde, werden ‚draußen‘ weiterhin Männer nach bekanntem Muster niedergemetzelt. Treibt ein Trittbrett-Mörder sein Unwesen, oder konnte Dahmer seinen Tod vortäuschen, um auszubrechen und dort weiterzumachen, wo das Gesetz ihm Einhalt gebieten konnte … – Geschickt spinnt Autor Lee, der durch die ‚echte‘ Profiler-Expertin Elizabeth Steffen unterstützt wird, sein Garn um den Tod eines authentischen Serienmörders; dabei verzichtet er weitgehend auf sein (keineswegs vermisstes) ‚Markenzeichen‘ – die detaillierte Darstellung sexueller Extrem-Aktivitäten – und präsentiert stattdessen einen spannenden Thriller.
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Tim Curran – Der Leichenkönig

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wühlen zwei Grabräuber zu tief in Glasgows Friedhofserde; sie erregen die Aufmerksamkeit des „Leichenkönigs“, einer uralten, bösartigen und überaus schlauen Kreatur, die nichts gegen Frischfleisch einzuwenden hat und dem Duo auf den Fersen bleibt … – Mit brachialer Wonne lässt Autor Curran eine Vergangenheit erstehen, die vor Schmutz, Brutalität und Bosheit förmlich trieft, um vor diesem Hintergrund eine ebenso stimmungsvolle wie unappetitliche Horrorgeschichte zu erzählen: Wer seinen Grusel filigran vorzieht, sollte hier lieber Abstand halten!
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Agatha Christie – Das unvollendete Bildnis (Hercule Poirot 23)

Vor 16 Jahren starb ihre Mutter als verurteilte Gattenmörderin. War Caroline Crale womöglich unschuldig? Auf Bitte der Tochter rollt Detektiv Poirot den Fall neu auf. Obwohl sich die Zeugen von einst drastisch widersprechen, kann er das Geschehen rekonstruieren, was zu einem dramatischen Ergebnis führt … – Aus fünf scheinbar eindeutigen Zeugenaussagen destilliert Privatermittler Hercule Poirot in seinem 23. Fall nachträglich völlig logisch eine Wahrheit, die mit einem gelungenen Täuschungs-Twist präsentiert wird: Agatha Christie legt einen weiteren Höhepunkt ihrer Serie vor.
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Rex Stout – Zu viele Köche (Nero Wolf 5)

Ein Wettbewerb exzentrischer Meisterköche endet damit, dass einem verhassten Kollegen ein Messer in den Rücken gerammt wird. Zu seinem Leidwesen wird Meisterdetektiv Nero Wolfe, der eigentlich nur schlemmen wollte, in diesen Mordfall verwickelt … – In seinem fünften Fall geschieht das Unglaubliche: Wolfe verlässt seine Wohnung und New York! Allerdings bildet das Kanawha Spa, ein Luxus-Hotel, den Schauplatz eines typischen „Locked-Room“-Krimis, der spannend und witzig sowie in neuer, ungekürzter, ausgezeichneter Übersetzung erzählt wird.
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Ben Benson – Der tickende Tod (William Parr 6)

In 24 Stunden wird er eine Bombe explodieren lassen. Die Suche nach dem Attentäter wird für die Polizei zu einer Nervenprobe, zumal ein gleichzeitig stattgefundener Mord eine Spur darstellen könnte, aber nicht muss … – Der sechste Roman der William-Parr-Serie lebt von jener Spannung, den eine brennende Lunte auslöst; parallel zur verstreichenden Handlungszeit zieht das Tempo an, bis die dem Leser vorgestellten Rätsel in einem überraschenden Finale aufgeklärt werden: handfeste, zeitlose Krimi-Kost.
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Jens Henrik Jensen – Oxen: Das erste Opfer (Oxen 1)

Der traumatisierte Ex-Soldat Oxen wird zufällig Zeuge eines Mordes und gilt einerseits als verdächtig, während der dänische Geheimdienst ihn andererseits ‚überredet‘, sich notfalls außerhalb der Gesetze die Bluttat aufzuklären bzw. ein dahintersteckendes Komplott aufzudecken … – Kurz darauf sind genretypisch nicht nur mysteriöse Feinde, sondern auch verdächtige ‚Freunde‘ hinter Oxen her, der hier einen Kampf aufnimmt, der ihn (mindestens) zwei weitere Buchbände beschäftigen wird: keine skandinavische Krimi-Tristesse, sondern schnelle, spannende, aber nicht in Blut schwimmende Thriller-Unterhaltung. Jens Henrik Jensen – Oxen: Das erste Opfer (Oxen 1) weiterlesen

Henning Boëtius – Phönix aus Asche

1937 explodiert das deutsche Luftschiff „Hindenburg“ am Himmel über Lakehurst in den USA. Noch Jahre später versucht einer der Überlebenden zu klären, wieso dies geschah; er entlarvt nicht nur die Urheber, sondern findet seine verschollene Liebe wieder … – Mischung aus Historien-Thriller und Liebesgeschichte, wobei die Verknüpfung nicht immer gelingt; auch aufgrund der persönlichen Verbindung des Verfassers zur „Hindenburg“-Historie – sein Vater steuerte das Luftschiff – entwickelt sich dennoch eine spannende, berührende Geschichte.
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William Hope Hodgson – Carnacki, der Geisterdetektiv

Vollständige Sammlung der neun Kurzgeschichten um den „Geisterdetektiv“ Carnacki, mit dem William Hope Hodgson (1877-1918) einen der ersten der noch heute in der Phantastik beliebten Erforscher übernatürlicher Phänomene bzw. ‚Ghostbuster‘ schuf. Die Storys sind spannend und angemessen gruselig, die Übersetzung ist ausgezeichnet, und als ‚Features‘ gibt es eine alte, weiterhin zutreffende Hodgson-Wertung durch H. P. Lovecraft sowie eine moderne, vorzügliche Einschätzung der Carnacki-Storys: elementarer Horror für die Leser klassischer Gruselgeschichten. William Hope Hodgson – Carnacki, der Geisterdetektiv weiterlesen

Ambrose Bierce – Die gesammelten Geschichten und Des Teufels Wörterbuch

Ursprünglich in vier Bänden sammelte der Haffmans Verlag die Kurzgeschichten, ‚Fabeln‘ und Aphorismen des Schriftstellers Ambrose Bierce (1842-1913/14), der zu den (lange vergessenen) Meistern der US-amerikanischen Literatur gehört und in seinen Werken grausige Realität und gruselige Fiktion sowohl eigenwillig wie eindringlich darzustellen weiß: Diese Sammlung demonstriert Zorn und Talent eines auch gegen sich selbst unbarmherzig kritischen Menschen.
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Paul Finch – Das Gespenst von Killingly Hall

Vier Storys und eine Novelle lassen die Tradition der weihnachtlichen Gruselgeschichte aufleben; dass dieses Fest einen frühzeitlich ‚heidnischen‘ Ursprung besitzt, lässt der Autor diverse Pechvögel spüren, die nur den „Friede-auf-Erden“-Aspekt kennen und böse bis tödliche Überraschungen erleben. Leider ist der Krimi-Autor Paul Finch dem Schöpfer von Geistergeschichten deutlich überlegen; er erzählt gut, wärmt aber eher altbackene Plots auf und setzt auf finale ‚Überraschungen‘, die sich nicht einstellen wollen: Lesefutter für Winterabende.
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Ann Granger – Blumen für sein Grab (Mitchell & Markby 7)

In der englischen Provinz treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Die kriminalistisch dilettierende Freundin der Gattin des letzten Opfers quartiert sich in deren Landhaus ein, um dort nach Hinweisen fahnden, was ihrem Lebensgefährten, einem leibhaftigen Kriminalpolizisten, gar nicht gefällt, so dass er sich selbst an den Ort des Geschehens begibt. Folgerichtig wird unser Mörder bald nervös und fühlt sich zu neuerlichen Untaten hingerissen … – Siebter Band einer Serie, deren Potenzial faktisch erschöpft ist. Ein hanebüchener Plot will erfolglos unter unzähligen falschen Spuren verborgen werden. Gefühlsduselige Endlos-Diskussionen drehen sich im Kreis. Das Ergebnis: Herzschmerz mit sanften Spannungselementen; Fortsetzung folgt.
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Robert Harris – München

Im Herbst 1938 sucht der nazideutsche Diktator Hitler nach einem Vorwand für ‚seinen‘ Eroberungskrieg. Die Briten wollen dies unbedingt vereiteln und schicken eine Diplomatenkommission nach München, um den „Führer“ zum Einlenken zu bewegen, wobei auf beiden Seiten Gesetze und Moral mit Füßen getreten werden … – „literarisch wertvoller“ (Werbedröhnen) Historienthriller; die (moderate) Spannung entsteht aus dem Hintergrundwissen über ein ‚schmutziges‘ Abkommen, das zustande kommt, obwohl alle Beteiligten wissen, dass es wertlos ist: Roman für ein Publikum, das John le Carré den typischen Action-Routinen vorzieht. Robert Harris – München weiterlesen

James Oswald – Die Gräber der Vergessenen (Tony McLean 4)

Ein grotesker Ritualmord und ein Familien-Massaker rufen die Kriminalpolizei der Stadt Edinburgh auf den Plan. Die politisch delikaten Ermittlungen werden einem fähigen aber querköpfigen Fahnder übertragen, den man notfalls als Sündenbock opfern kann; ein Risiko, das angesichts der allmählich aufgedeckten Ungeheuerlichkeiten zur realen Lebensgefahr mutiert … – Der vierte Kriminalroman um Inspektor Tony McLean beginnt als „police procedural“ mit modern sozialkritischem Unterton, um final ganz ernsthaft eine ‚übernatürliche‘ Auflösung zu bieten: ein nicht ganz stimmiger aber sehr unterhaltsamer Genre-Mix.
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Agatha Christie – Das Geheimnis der Goldmine (Miss Marple 6)

Erst stirbt – die Jackentasche voller Roggenkörner – der Hausherr, dann folgen ihm ebenfalls mordbedingt die Gattin und ein Hausmädchen, das wohl zu viel wusste. Jedes überlebende Familienmitglied ist verdächtig, weshalb Inspector Neele heilfroh ist, als ihm eine kluge Frau namens Jane Marple ihre Hilfe anbietet … – Der sechste Miss-Marple-Roman ist ein gelungener, in jeder Hinsicht „klassischer“ englischer Kriminalroman, der routiniert bis kunstvoll Spannung mit sanfter Ironie mischt, wobei die Autorin bis ins Finale die Nase vorn behält und gekonnt überraschen kann.
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Clifton Adams – Ein Grab in Texas

Rancher Frank Gault jagt den Mörder seiner Frau. Der wurde gerade beerdigt, aber Gaults Rachedurst und Misstrauen lassen ihn weiter nachforschen, wodurch er in ein ganz anderes Verbrechen verwickelt wird, dessen Nutznießer den lästigen Störenfried definitiv loswerden wollen … – Obwohl die Geschichte im „Wilden Westen“ spielt, ist sie eher ein Krimi. Die völlige Abwesenheit von Genre-Klischees und Sentimentalitäten sorgen zusammen mit beachtlichen Figurenzeichnungen für spannende, zeitlose Unterhaltung.
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William Shaw – Der gute Mörder (Alexandra Cupidi 1)

In einem Städtchen an der Küste des Ärmelkanals wird ein Pensionär grausam ermordet. Sein Freund und Nachbar, ein Polizist, wird von seiner neuen Vorgesetzten in die Ermittlungen verwickelt, was gefährlich ist, da der Beamte ein düsteres Geheimnis hütet … – Auf zwei Zeitebenen spielt dieser moderne englische Krimi, der gut gezeichneten Figuren etwas zu dramatische Privatleben aufbürdet, während der Kriminalfall vergleichsweise simpel aufgelöst wird: kein „Anwärter für den Thriller des Jahres“, wie es auf dem Cover dröhnt, sondern solides Lesefutter.
William Shaw – Der gute Mörder (Alexandra Cupidi 1) weiterlesen