Alle Beiträge von Michael Matzer

Nothomb, Amélie – Professor, Der

Die alten Eheleute Juliette und Emile Hazel sehnen sich nach einem friedlichen Lebensabend auf dem Land. Als sie ihr kleines Traumhaus beziehen, dürfte ihrem Glück eigentlich nichts mehr im Weg stehen. Doch dann lernen sie ihren Nachbarn, den Arzt Bernardin, kennen. Pünktlich um 16:00 Uhr kommt er und will seinen Kaffee. Jeden Tag. Die Hazels denken, man könne sich mit dem Quälgeist arrangieren. Aber sie haben noch nicht Madame Bernardin kennen gelernt.

|Die Autorin|

Amélie Nothomb, 1967 in Kobe/Japan geboren, verbrachte ihre Kindheit als Tochter eines belgischen Diplomaten in Japan und China. Nach ihrem Philologiestudium begann sie zu schreiben. Besonders in Frankreich feiert sie Erfolge. Sie lebt in Paris. „Mit Staunen und Zittern“ trug ihr den „Prix de l’Académie Francaise“ ein. Bei |Hörbuch Hamburg| sind bereits ihre Romane „Mit Staunen und Zittern“, „Quecksilber“ und „Metaphysik der Röhren“ erschienen.

|Der Sprecher|

Walter Kreye ist dem Hörer nicht nur durch zahlreiche Film- und TV-Rollen bekannt. Seine Stimme war in den verschiedensten Hörspiel- und Hörbuchproduktionen zu hören. Für |Hörbuch Hamburg| hat er beispielsweise [„Der Trudeau-Vektor“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1020 von Juris Jurjevics gesprochen.

_Handlung_

Der 66 Jahre alte Emile Hazel erzählt, wie alles vor etwa einem Jahr anfing. Der pensionierte Gymnasiallehrer für Latein und Griechisch und seine Frau Juliette waren aufs Land gezogen, wo sie ihr Traumhaus gefunden hatten. Es liegt am Rande einer Waldlichtung, die von einem Bach durchflossen wird. Auf der anderen Seite des Baches liegt das Haus der Nachbarn. Dort wohnte ein etwa 70-jähriger Arzt, Bernardin, mit seiner Frau. Jetzt wohnt er nicht mehr da, nur noch seine Frau.

Der Ärger begann, wie gesagt, vor etwa einem Jahr, im Winter, bei Schneefall. Emile versuchte vergeblich, im Herd ein Feuer anzufachen. Da kommt nachmittags der Nachbar zu Besuch. Er klopft an, tritt ein, setzt sich in einen Sessel im Wohnzimmer, schweigt. Das ist das Markanteste an Bernardin: Sein verdrossenes Schweigen. Aber er vermag durchaus zu sprechen. Allerdings braucht er immer exakt 15 Sekunden Zeit, bis er das Wort geformt hat: Ja, meistens ist es aber Nein. Erstaunlich, was er alles mit diesem Wortpaar auszudrücken vermag. Immerhin erweist es sich, dass er einen Vornamen hat: Pallamède. Ah, Pallamedes, der ja in der „Ilias“ das Würfelspiel erfand! Der Professor hat zu jedem und allem eine Erinnerung aus seinen Unterrichtsfächern, den alten Sprachen.

Fortan kommt Bernardin täglich exakt um 16:00 Uhr zu den Hazels, keine Minute früher oder später. Sie können ihre Uhr nach ihm stellen. Doch die „pallamedische Invasion“, wie Emile die schweigsamen Besuche zu nennen beginnt, haben beileibe nicht nur ihre gute Seite. Sie bringen die dunklen Seiten des Ehepaars, das seit 56 Jahren zusammen und seit 43 Jahren verheiratet ist, zum Vorschein. Spott und Parodie sind Emiles erprobte Kritikmethoden, um den ungebetenen Gast wieder zu vertreiben. Denn Bernardin treibt einen Keil zwischen die beiden. Und Juliette wird immer leicht krank, wenn Unstimmigkeiten in ihrer Umgebung auftreten.

Emile erkennt an sich befremdet, dass er ein wohlerzogener Hasenfuß ist. Er bringt es nicht fertig, dem Eindringling die Tür zu weisen. Als er einmal das Klopfen um 16 Uhr ignoriert, donnert Bernardin so lange gegen die Haustür, dass die Eheleute es nicht mehr aushalten. Die Zugbrücke wird heruntergelassen.

Der Gipfel des Masochismus ist wohl jener denkwürdige Tag, als Bernardin seine Frau Bernadette mitbringt. Sie ist nicht bloß ein Fettkloß, ein Fleischberg, nein, sondern viel mehr als das: Emile nennt sie eine Zyste. Und ihre Arme stehen ab wie „Tentakel“. Was sie artikuliert, sind unverständliche Laute. Nur ein Wort ist zu erkennen: „Sup-pe!“ Sie meint die Schokoladensoße. Nach drei Stunden ist auch dieses Abenteuer überstanden. Die Hazels sind fix und fertig.

Als Claire, Emiles Lieblingsschülerin, zu Besuch kommt und Bernardin begegnet, den sie für einen Freund des Paares halten muss, erkennt Emile, dass er viel verloren hat. Ja, dass das Böse bei ihnen Einzug gehalten hat. Denn Claire wird, auch wenn sie das Gegenteil beteuert, nicht wiederkommen. Sie haben quasi eine Enkeltochter verloren. Bernardin sieht triumphierend drein. Emile schäumt.

Etwas muss geschehen, Emile weiß es, und als er erkannt hat, was das sein muss, überschlagen sich die Ereignisse. Erst spät, fast schon zu spät erkennt Emile, welche geheime, unausgesprochene Absicht hinter dem Verhalten des Nachbars stehen muss.

_Mein Eindruck_

Juliette und Emile sind ein ungewöhnliches Ehepaar. Sie kennen sich, seit sie sechs Jahre alt waren, und daher betrachtet Emile seine Frau als seine Schwester, ja sogar als Tochter. Sie sind kinderlos, wen wundert’s, und bilden anscheinend eine Einheit, sozial wie auch mental. Und dann kommt da dieser Quälgeist über sie, Bernardin. Er erweist sich als Spaltpilz, bis es so weit kommt, dass Emile seine bessere Hälfte anlügt und noch Schlimmeres tut.

|Die Natur des Bösen|

Emile liebt es zu räsonnieren, Überlegungen über andere und sich selbst anzustellen. Als Gymnasiallehrer für alte Sprachen verfügt er über ein ausgedehntes Repertoire an Vergleichen und Gedankenfiguren. So bemerkt er, dass sich das Böse, wie Bernardin es verkörpert, wie ein Gas verhält. Es ist unsichtbar, durchdringt alles, lässt sich nicht vertreiben, wohl aber verdichten. Das Gute ist nur an bestimmten Stellen feststellbar, doch das Böse ist überall, sobald man es einmal eingelassen hat.

An sich selbst bemerkt Emile mit Befremden, dass er eine Art zweite Natur in sich verbirgt: seine Nachtseite. Er ist wie Penelope, die tagsüber gesittet die Gastgeberin für die Freier auf Ithaka spielt, nachts aber als Verkörperung der Negation das Gewebe, das sie tagsüber gesponnen hat, wieder aufdröselt, um auf diese Weise ihren ehelichen Treueschwur, den sie Odysseus gegeben hat, halten zu können. Aber auch die alte Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde kommt Emile als passender Vergleich in den Sinn. Am Schluss weiß Emile nicht mehr, wer er eigentlich ist.

|Ein moderner Catilina?|

Auch die Autorin selbst gibt uns einen Hinweis darauf, was die ganze Geschichte soll. Sie nannte ihren Roman „Les Catilinaires“. Das verweist auf jenen Catilina, den der berühmte Staatsmann und Konsul Cicero zu Zeiten der römischen Republik bekämpfte. Catilina hatte eine Verschwörung organisiert, um einen Umsturz herbeizuführen. Nach Ciceros Aufdeckung der Catilinischen Verschwörung musste sich sein Gegner selbst töten.

An einer dramatischen Stelle der Erzählung findet sich genau dieser historische Sachverhalt erwähnt: Emile spielt die Rolle des wütenden, wetternden Cicero, der Bernardin als seinen Catilina in die Schranken weist. Dass es so weit kommen konnte, erschüttert Emile, den sanften Schöngeist, am meisten. Doch welcher Natur ist die Verschwörung diesmal? Wie Emile fast zu spät erkennt, besteht sie nicht in der „Pallamedischen Invasion“, das wäre ja viel zu oberflächlich und simpel, sondern in etwas weitaus Profunderem, bei dem es um Leben und Tod geht.

|Lebenslüge|

Als alles vorüber ist und der Schnee ein Jahr später wieder fällt, scheint draußen alles beim Alten geblieben zu sein, doch innen sieht es ganz anders aus. In Emile hat sich alles verändert, denn er ist sich selbst ein Fremder geworden. Seine Nachtseite hat gehandelt, und die Tagseite muss damit zurecht kommen. Fortan wird er tagsüber für die liebe Juliette eine Lüge leben und nachts schlecht schlafen. Genau wie Penelope. Doch kein Odysseus weit und breit, der zur Erlösung eilt.

|Der Sprecher|

Walter Kreye verfügt über eine sehr angenehme, tiefe Stimme, die er facettenreich zu modulieren versteht. Er verändert das Tempo seines Vortrags, macht Kunstpausen, wo er Erstaunen oder Zögern ausdrücken möchte. Da seine Stimme immer etwa gleich tief ist, verändert er die Lautstärke, um anzudeuten, dass eine Frau (wie etwa Juliette) spricht. Juliette klingt immer ziemlich leise und zurückgenommen, manchmal zu leise – das klingt sehr einfühlsam, aber auch ein wenig ängstlich Ansonsten sind die Stimmen fast aller anderen Figuren die von Männern und entsprechend tief und von „normaler“ Lautstärke. Insgesamt eignet sich Kreyes Vortrag ausgezeichnet dazu, die Figuren zu charakterisieren und einer Szene die spezifische Stimmung zu verleihen.

_Unterm Strich_

Die Geschichte des belagerten Ehepaars ist streng symmetrisch aufgebaut und folgt den Vorgaben wie eine Versuchsanordnung. Zwischen Winter und Winter liegt exakt in der Mitte die Katstrophe (die ich hier nicht verraten darf), und sie findet exakt zur Sonnenwende am 21. Juni statt. Zeit ist die bestimmende Konstante des Geschehens und der Psychologie. Wie ein Uhrwerk läuft Bernardins Leben ab – er hat 25 Uhren in seinem Haus! – und übernimmt die Kontrolle über das seiner Nachbarn, der Hazels. Doch jede Uhr ist auch ein Gehäuse und das Gehäuse ein Gefängnis. Aus einem Gefängnis gibt es jedoch nur sehr wenige Ausgänge, und um einen davon zu erreichen, braucht man manchmal fremde Hilfe.

|Süße Glasur über bitterer Pille|

„Der Professor“ klingt an vielen Stellen heiter und ironisch, doch dahinter verbirgt sich eine todtraurige Wahrheit, die Professor Emile erst nach und nach anerkennt: Die Zeit macht uns erst schwach und ängstlich, bevor sie uns vollends umbringt. Alles, was uns übrig bleibt, wenn wir uns diesem Vorgang verweigern, ist, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. With a little help from our friends.

|Feinfühliger Vortrag|

Walter Kreye erweckt die Figuren mit seinem fein modulierten, der Situation bewussten Vortrag zum Leben. Hier das lebensfrohe, in seinen monadischen Traum vom Frieden versponnene Ehepaar Hazel, dort der in seiner privaten Hölle eingesperrte Bernardin. Und als die beiden Welten aufeinandertreffen, muss sich alles ändern, um gleich bleiben zu können. „Der zunächst harmlose Kleinkrieg steigert sich zum makabren Schauspiel“, schreibt der „Spiegel“. Und es ist zunächst eine Lust, diese spannende Entwicklung zu verfolgen. Doch zunehmend werden Schichten der Realität enthüllt, die eine makaberer als die nächste sind. Kreye macht dies zum Erlebnis.

|Nichts für Ungeduldige und Kulturbanausen|

Weil die Handlung aber so wenig Handlung aufweist und vieles nur innerlich abläuft, ist dies kein Hörbuch für Ungeduldige. Angesichts der zahlreichen Verweise auf die literarische Antike erweist es sich zudem als sehr nützlich, entweder selbst über eine entsprechende Bildung zu verfügen oder einen Führer in die Antike zur Hand zu haben. Zudem stört mich der hohe Preis: 25 Euronen für drei Silberscheiben ist schon heftig, und man sollte versuchen, dieses schöne Hörbuch günstiger zu bekommen.

|Originaltitel: Les Catilinaires, 1995
Aus dem Französischen von Wolfgang Krege
232 Minuten auf 3 CDs|

Brooks, Geraldine – Pesttuch, Das

Der Ausbruch der Pest verändert in einem kleinen englischen Dorf alle Aspekte des täglichen Lebens. Die Bäuerin Anna Frith schildert die Umwälzungen, die sie auch am eigenen Leib erfährt, lebendig und authentisch – so realitätsnah, dass sich dem Leser das Grauen ebenso eindrücklich vermittelt wie das Wunder, dass manche Menschen die Seuche überleben. Der Vergleich mit Bildern von Pieter Breughel liegt nahe.

_Die Autorin_

Die amerikanische Journalistin und Autorin Geraldine Brooks besuchte eines Tages in England ein so genanntes „Pestdorf“. Dort hatten sich Menschen bei Ausbruch der Pest im 17. Jahrhundert selbst in Quarantäne begeben, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Konkretes Vorbild für Brooks war der Ort Eyam. An den Mut und die Verzweiflung solcher Dörfler erinnert bis heute ein kleines Museum im Peak District von Yorkshire, Nordengland. (Das ist ist die Region um Sheffield herum; ich war 1984 dort: Der Peak District ist gebirgig und wildromantisch, aber in weiten Teilen abgelegen und einsam.)

_Handlung_

Man schreibt das Jahr des Herrn 1665 in einem kleinen Dorf im stürmischen Yorkshire, Nordengland. Hier leben nur wenige hundert Menschen, hauptsächlich von den Bleiminen und der Landwirtschaft. Der Bürgerkrieg ist gerade vorbei, und man versucht zur Normalität zurückzufinden.

Im Pfarrhaus wohnt der junge Mr. Mompellion mit seiner Frau Elinor. Er hat den puritanischen Pfarrer Stanley abgelöst und wird noch nicht von allen Bürgern akzeptiert. Und wie sich zeigen soll, wird auch der chistliche Glaube nicht von allen akzeptiert.

Anna Frith arbeitet bei den Mompellions als Dienstmagd im Haushalt, hat aber auch eine Schafzucht zu führen und eine Familie zu ernähren. Ihr Mann Sam starb vor kurzem in den Bleigruben, nur ihre zwei kleinen Jungen Jamie und Tom sind ihr geblieben. Die einsame Frau freut sich über den neuen Untermieter, einen Schneidergesellen namens George Viccars, der sich auch in die junge Witwe verguckt und ihr Stoff für ein schönes Kleid schenkt. Wie sich jedoch bald zeigt, befinden sich in diesem Tuchballen jene Flöhe, die den Pesterreger, die „Pestsaat“, übertragen. Die Flöhe gedeihen auf Ratten, die die Flöhe natürlich verbreiten.

Als Anna eines Morgens von ihrer Arbeit im Pfarrhaus zurückkehrt, findet sie George in einem furchterregenden Zustand vor: Eine riesige lila-gelbe Beule verunstaltet das schmerzverzerrte Gesicht des Mannes. Anna ist verzweifelt: Sie hat von Heilkunde keinen blassen Schimmer. Als der Schneider Stunden später stirbt, schreit er: „Um Gottes willen, verbrennt alles!“ Das hätte Anna tun sollen. Schon wenige Tage danach sterben die ersten Kinder im Dorf, darunter ihre eigenen.

Die Seuche greift um sich wie ein Lauffeuer. Verzweiflung, namenlose Angst und Hilflosigkeit bringen die Leute schier um den Verstand. Andere wiederum, wie Annas Vater, saufen sich um selbigen. In einer dramatischen Predigt trotzt Pfarrer Mompellion den Kirchenbesuchern (es sind wenig genug) ein Gelöbnis ab: Niemand soll das Dorf verlassen, bis diese „Prüfung Gottes“ überstanden ist. Natürlich halten sich die Großgrundbesitzer derer von Bradford nicht an diesen Appell, sondern flüchten nach Oxford, weit weg. Immerhin unterstützt der Graf von Chatsworth die Dörfler mit regelmäßigen Lebensmittellieferungen.

Nunmehr gleicht das quasi unter Quarantäne stehende Dorf einem Kochtopf, in dem sich ein ungeheurer (psychischer) Druck aufbaut. Die einzigen heilkundigen Frauen des Dorfes werden der Hexerei bezichtigt und brutal ermordet. Diese Szenen lassen nichts an Deutlichkeit und Schrecken zu wünschen übrig. Nun müssen sich Anna Frith und ihre Freundin Elinor Mompellion selbst die nötigen Kenntnisse aneignen. Aberglaube greift um sich, Elinor erkrankt und es bahnt sich eine verhängnisvolle Familientragödie an.

Nach einem Jahr des Grauens und der Wunder scheint alles vorbei zu sein, die Seuche überstanden. Doch dann kommt es anders als erhofft. Und die inzwischen heilkundige Anna Frith muss fliehen – weit, weit weg.

_Mein Eindruck_

|Die Hauptfigur|

Die Einschätzung des Romans steht und fällt mit der persönlichen Beurteilung der Figur der Anna Frith, durch deren Augen wir das Geschehen mitverfolgen. Sie hängt nicht mehr wie die einfachsten Bürger dem Aberglauben an, sondern der Lehre Christi. Darin ist sie aber keineswegs strenggläubig, sondern sozusagen aufgeklärt. Sie hat Ideen und Methoden der modernen Wissenschaft aufgeschnappt und sich angeeignet, die es ihr gestatten, ein Problem und vor allem die vielgestaltig auftretende Furcht zu bewältigen. Von Hygiene kennt sie lediglich die Grundbegriffe, und auch der Zusammenhang zwischen Ratten, Flöhen und Pest ist ihr unbekannt.

Dennoch mutet ihre Figur bereits modern an: Sie kann Arzneien herstellen und dazu verschiedene Rezepte, die sie aus alten lateinischen Heilkundebüchern (z. B. des Arabers Avicenna) hat, umsetzen. Somit wächst sie allmählich zu einem weiblichen „Medicus“ heran. Sie tritt gegen die Ermordung der „Hexen“ auf. Doch gegen die „Hinrichtung“ ihres verbrecherischen Vaters schreitet sie nicht ein: Er kommt elendig an einer prangerartigen Vorrichtung um, den Gewalten der Stürme und des Schnees ausgeliefert. Sie ist also keine Heilige.

|Spannungsmomente|

Durch den Prolog weiß der Leser von vornherein, dass Anna die Seuche überleben wird. Sie könnte ja sonst nicht davon berichten. Meines Erachtens macht dies ihren Bericht um einen Spannungsbogen ärmer. Und man muss eine ganze Weile warten, bis der nächste auftaucht. Dies passiert erst mit dem Auftauchen des „Pesttuchs“ im Arm des Schneiders George Viccars.

Eine psychologische Spannung entsteht dadurch, dass Anna eine enge Freundschaft mit der Pfarrersfrau Elinor Mompellion schließt. Diese enthüllt ihr in einem intimen Moment das Geheimnis ihrer Unfruchtbarkeit. Das wiederum wirft die Frage nach dem Seelenzustand eines Mannes wie Mompellion auf, der quasi auf Umwegen zum heroischen Heiligen stilisiert wird. (Anna ist entsprechend enttäuscht, als dieses Bild sich als Illusion entpuppt.)

Nun erscheint der Pfarrer als Kämpfer gegen die Mächte der Finsternis, verkörpert durch Seuche, Aberglauben, Fanatismus und zunehmend auftretende Verbrechen. Das ist zunächst durchaus befriedigend zu verfolgen, führt aber letztlich den Leser ebenso in die Irre wie Anna, die den Pfarrer anhimmelt und zugleich eifersüchtig um seine Liebe zu Elinor beneidet.

|Für starke Nerven|

Als Gegenstück zum „Medicus“ ist Anna auch Geburtshelferin. Zwei höchst dramatische und blutige Geburtsszenen lassen dem Leser die Haare zu Berge stehen: Ein größerer Unterschied zur heutigen sterilen Kreißsaaltechnik lässt sich wohl kaum vorstellen.
Auch eine Reihe anderer Szenen bezeugen einen unverklemmten Blick auf die Realitäten des Lebens, sei es nun in Sachen Sex oder Gewalt. Auch Pieter Breughel hat solche Szenen mit geradezu objektivem Blick dargestellt. Hat so wirklich die Neuzeit begonnen?, fragt man sich. Nun, wenigstens war das hundert Jahre vor der so genannten „Aufklärung“.

_Unterm Strich_

In höchst lebendig gezeichneten Szenen lässt die Journalistin Geraldine Brooks eine dunkle Zeit wieder auferstehen: die „Jahre des schwarzen Todes“ (so der Titel eines Romans von Connie Willis). Das Buch ist nicht nur bewegend, sondern auch recht informativ.

Allerdings musste ich mich darauf beschränken, nur ein oder zwei Kapitel auf einmal zu lesen, denn die Schilderungen schlagen doch etwas aufs Gemüt – und mitunter auf den Magen. Auch die Spannung hätte (besonders zu Beginn) etwas höher sein können. Alles in allem bleibt „Das Pesttuch“ für mich ein bemerkenswertes Leseerlebnis. Aber ich denke, vor allem Frauen werden die Handlung noch stärker miterleben als ein Mann das jemals könnte.

|Originaltitel: Year of Wonders. A Novel of the Plague, 2001
Aus dem US-Englischen von Eva L. Wahser|

Brust, Steven – Jhereg

Eine vergnügliche, intelligente und komplexe Fantasy um einen Auftragsmörder, der lieber seinen Kopf einsetzt, um diesen noch eine Weile zu behalten. Zauberer, Halbdrachen, telepathische Kräfte, Teleportation – so manches an dieser modernen Fantasy gemahnt eher an Motive der Science-Fiction als an altbackene Tolkien-Imitate. Und der Humor ist von feiner Ironie.

_Handlung_

Auf der Welt Dragaera geht in der Stadt Adrilankha unser Held Vlad Taltos (sprich: taltosch) seinem Beruf nach. Er ist ein erstklassiger Auftragskiller. Ich würde daher nicht sagen, dass er so etwas wie ein James Bond ist, wie ihn der Klappentext bezeichnet. Und mit Monty Python hat die Story schon gar nichts am Hut. Leute umbringen will schließlich gelernt sein, da kann man keine Stümper gebrauchen. Besonders dann nicht, wenn die Opfer später wiederbelebt werden. Das könnte für einen schlechten Ruf sorgen.

Adrilankha ist eine Art ernsthafte Version von Terry Pratchetts Ankh-Morpork: komplett mit Diebes- und Mördergilden, Kaufleuten, Schenken und Bordellen. Vlad hat sein Büro in der Altstadt, von wo er seinen eigenen Bezirk verwaltet und Schutzgeld eintreibt. Wehe, wer ihm in die Quere kommt! Doch er ist klug genug, nicht selbst anderen Auftragskillern in die Quere zu kommen. Er wurde bereits zweimal wiederbelebt.

Als hilfreich hat sich sein Vertrauter erwiesen: Loiosh ist ein drachenähnliches Wesen aus der Spezies Jhereg. Ähnlich wie McCaffreys Feuerechsen auf Pern kann Loiosh Gedanken lesen und giftige Bisse austeilen. Den Jhereg hat Vlad aus dem Urwald erworben, wo er seiner Mutter ein Ei abschwatzte und dessen Inhalt aufzog.

Auf der uralten Welt Dragaera stellen die Menschen wie Vlad Taltos eine Minderheit dar; angeblich kamen sie aus dem Ostreich in das Reich der Nichtmenschen, die so etwas wie kriegerische Elfen sind. Die Dragaeraner sind in über ein Dutzend Häuser oder Clans aufgespalten, so etwa Dragons und Hawks. Der Jhereg-Clan, der Vlad aufgenommen hat, ist ein Bastard-Clan und steht außerhalb der Clan-Hierarchie. Die Dragons bilden die Spitze, sie gehorchen nur der Imperatorin.

All dies zu wissen, ist notwendig, um zu verstehen, in welche Not unser Held gerät, als er vom Jhereg-Clan den Auftrag erhält, einen Dieb dingfest zu machen und umzunieten. Für ein hübsches Sümmchen, versteht sich. Ach ja: Und das Ganze bitte in drei Tagen erledigen, denn niemand soll erfahren, dass der Rat des Jhereg ohne Geld dasteht.

Der Dieb hat dem Rat des Jhereg die Kriegskasse geklaut, rund neun Millionen Goldstücke. Das Problem ist jedoch, den Dieb zu ergreifen. Dieser Mellar hat sich als Gast im Schwarzen Schloss von Vlads Freund Morollan einquartiert, wo er entsprechenden Schutz genießt. Warum ausgerechnet hier?, fragt sich Vlad. Es stellt sich heraus, dass Mellars Ermordung einen erneuten Krieg zwischen den Clans Dragon und Jhereg auslösen würde, mit verheerenden Folgen für beide.

Es kommt noch übler: Da Mellar ein Mischling ist, hatte er sich nicht nur bei Jheregs und Dragons eingeschlichen, sondern auch beim Clan Dzur und schnüffelte dessen Geheimnisse aus. Würde Mellar getötet, so würden diese Geheimnisse auffliegen und den ach so heldenhaften Dzur-Clan bis auf die Knochen blamieren.

War Vlads Auflösung des Rätsels um Mellar schon brillant, so ist seine Lösung für das Problem, den drohenden Weltkrieg zu verhindern, noch weitaus genialer.

_Mein Eindruck_

Vlad Taltos ist ein geradezu zeitgenössischer Bursche: ein Dieb, Mörder, Kneipenbesitzer und Zuhälter. Der Jhereg-Clan, für den er arbeitet, ist nichts anderes als eine Art Mafia. Dennoch ist Vlad – die Kurzform von ‚Vladimir‘ – ein sehr sympathischer Held, oder richtiger: Antiheld. Er überlegt lieber, bevor er einen aussichtlosen Kampf anfängt. Und er hat eine Frau, die flink mit dem Messer ist, Cawti. Und einen Halbdrachen, der ebenso telepathisch begabt ist wie er selbst: sein Gewissen und sarkastisches Über-Ich.

Eindrucksvoll sind aber auch die Elfen-Clans. Die Dragon beispielsweise verfügen über Große Waffen, also Waffen, die mit Intelligenz begabt sind: Schwerter und Stäbe (es gibt keine Feuerwaffen). Diese Waffen sind mit der Seele des Trägers verbunden, der daher ziemlich nervenstark und kaltblütig sein muss. Ähnlich wie „normale“ Morganti-Waffen können die Großen Waffen die Seele des Opfers verschlingen, so dass dessen Wiederbelebung nicht ohne weiteres möglich ist. Opfer von Messer, Schwert und Dolch lassen sich von Hexen und Zauberern routinemäßig wiederbeleben (gegen ein hübsches Sümmchen, versteht sich), da ja die Seele noch vorhanden ist. Interessant sind die Unterschiede zwischen Zauberei, die an die Naturelemente und das Chaos gebunden ist, und Hexerei, die à la Voodoo mit Gegenständen arbeitet.

All diese politischen und metaphysischen Systeme breitet der Autor vor uns aus, als wären sie selbstverständlich. So muss es auch sein, denn eine abstruse Welt, die sich nicht ernst nimmt, kann ihre Wirkung nicht entfalten. So aber entsteht eine komische Spannung zu unserer eigenen Welt, in der solchen Systeme gemeinhin nicht existieren. Erst aus dieser Spannung, derer man sich stets vergewissern muss, entsteht die Komödie, die das Buch darstellt.

Dies ist keine Slapstick- oder Situationskomödie, in der Tortenschlachten die Hauptrolle spielen würden. Vielmehr geht es hier immerhin um die Vorbereitung oder Vermeidung von kaltblütigem Mord (plus optionaler Seelenvernichtung). Die Ernsthaftigkeit, mit der das Ziel verfolgt wird, mutet lediglich uns grotestk an. Vlad hat einen „Job“ angenommen und muss ihn auch ausführen, oder er kann sein Metier an den Nagel hängen. Dennoch fällt es ihm nicht leicht, den Rassismus zu ertragen, den die Dragaeraner gegenüber „Ostlingen“ wie ihm an den Tag legen. Während des genialen Showdowns verschafft es ihm daher eine diebische Freude, es einem solchen Rassisten heimzuzahlen.

Korruption, politische Ränkespiele, (Alien-)Gentechnik, psionische Verständigung, auch Rassismus – all diese Themen würde man im „Herr der Ringe“ weitgehend vergeblich suchen. Ausnahmen wären vielleicht Korruption und Machtspiele, wie sie an Saruman zu beobachten sind. Daher hebt sich Steven Brusts Fantasy wohltuend von dem üblichen Tolkienverschnitt ab, den man heute gemeinhin als Fantasy vorgesetzt bekommt.

_Fazit_

Eine vergnügliche, intelligente und komplexe Fantasy um einen Auftragsmörder, der lieber seinen Kopf einsetzt, um diesen noch eine Weile zu behalten. Ein ironisch gezeichneter Sherlock Holmes sozusagen.

_Der Autor, die Scribblies und Jhereg_

1955 in Minneapolis geboren, ist Steven Karl Zoltan Brust schon Programmierer, Drummer in einer Reggae-Band, Schauspieler und Gitarrist in verschiedenen Bands gewesen. Er liebt vor allem zwei Dinge: die Küche seiner ungarischen Vorfahren und den Kampfsport – zumindest Letzteres merkt man seinem Buch an.

Er ist ein Mitglied der wichtigen Schriftstellergemeinschaft der „Scribblies“, die 1980 in Minneapolis gegründet wurde. Ihr gehören bekannte AutoInnen wie Emma Pull, Patricia Wrede und vor allem Kara Dalkey (deren Werke bei |Knaur| veröffentlicht wurden) an. Sie schreiben, was sie gerne selbst lesen würden. Dazu gehört besonders zeitgenössische und urbane Fantasy. Bull und Shetterly edierten die Romane, die auf der Shared-World Liavek spielen. Viele Scribblies-Mitglieder gehören der Bewegung des Pre-Joycean Fellowship (PJF) an. Sie unterstützen Literatur, wie sie vor James Joyce geschrieben wurde. Sie sind somit anti-modernistisch (aber modern) und anti-elitär, außerdem meist humorvoll.

In den USA ist Brust bisher durch neunzehn Romane und eine Soloplatte bekannt geworden. Seine Bücher werden immer wieder neu aufgelegt. Mit „Jhereg“ erschien 1983 der Startband eines ganzen Zyklus um den Antihelden Vlad Taltos, der auf insgesamt neunzehn Bände angelegt ist. Zu diesem gehören folgende Werke:

Jhereg (1983), Yendi (1984), Teckla (1986) – zusammengefasst als „Taltos the Assassin“ (1991); Taltos (1988; auch „Taltos and the Paths of the Dead“, 1991), Phoenix (1988) und Athyra (1991).

Verwandt ist die „Khaavren“-Sequenz, die sozusagen historische Romane à la A. Dumas umfasst, die auf Dragaera spielen: The Phoenix Guard (1991), Five Hundred Years After (1994) und The Viscount of Adrilankha (ca. 1996). „Brokedown Palace“ (1986) enthält ebenfalls verwandtes Material.

Bei |Klett-Cotta| erschienen die Bücher in folgender Reihenfolge: „Jhereg“ (2002), „Taltos“ (2002), „Yendi“ (2003), „Teckla“ (2003), „Phönix“ (2004), „Athyra“ (2005).

Homepage des Autors: http://www.dreamcafe.com/

|Die Übersetzung|

… ist erstaunlich gut. Ich habe selten eine bessere Übertragung amerikanischen Sprachgebrauchs in heutiges Deutsch gelesen. Die Aufmachung des Buches ist ebenfalls gelungen, wie von Klett-Cotta gewohnt. Und der Preis ist nicht übertrieben hoch.

|Originaltitel: Jhereg, 1983
Aus dem US-Englischen übertragen von Olaf Schenk|

Lucas, George / Hales, Jonathan – Star Wars Episode II – Angriff der Klonkrieger (Hörspiel)

Wer von der „Rache der Sith“ Appetit auf mehr Sternenkriege bekommen hat, der greife zu diesem intergalaktischen Hörspiel, das direkt auf den Stimmen und Musikmotiven der Filme basiert. Hier kann man noch einmal Anakins halsbrecherische Verfolgungsjagd durch Coruscant, die Schlacht in der Arena von Geonosis sowie den dramatischen Laserschwert-Kampf dreier Jedi-Ritter gegen Count Dooku nacherleben. Das 12-seitige Booklet ist ein besonderer Bonus, den man zum Preis einer Kinokarte erhält.

_Das Hörspiel_

Der technische Standard der Hörspiels ist vom Feinsten – wie es sich für eine Lucas-Produktion gehört. Der Ton erklingt in Stereo, und wer seine HiFi-Anlage ordentlich aufdreht und den Subwoofer zuschaltet, wird ein Klangerlebnis ernten, das dem der DVD-Version (in DD 5.1) kaum nachsteht. Leider kommt der Soundstandard der CD momentan nicht über DD 2.0 hinaus.

Regisseur des Hörspiels ist Oliver Döring, der Macher der erfolgreichen neuen „John Sinclair“-Hörspiele, die mit ihrem Sound zu beeindrucken wissen. Die Story ist auf das Nötigste, den roten Faden, zusammengekürzt. Doch Hörer, die das Buch nicht kennen, werden über so manchen Namen stolpern, der in den Filmen entweder nicht erklingt oder überhört wird.

Ein ganz besonderes Schmankerl stellt das zwölfseitige Booklet dar. In Vierfarbdruck sind hier etliche Szenenfotos zu sehen. Davon sind einige laut Verlagsangabe sehr selten. Ich habe C-3PO vergeblich gesucht, bin aber dann doch irgendwie fündig geworden: Anthony Daniels, der Darsteller des Droiden, ist in Großaufnahme zu sehen, flankiert von zwei hübschen Ladys. Wer behauptet, dass Droiden keinen Spaß haben könnten?

Nicht so beeindruckend finde ich jedoch das doppelseitige Ausklappbild: Es zeigt die titelgebenden Klonkrieger – oder vielmehr ihre taktischen Operatoren, die den Kämpfern die Befehle erteilen. Allerdings handelt es sich um zehnjährige Jungs (sorry, no girls), die am Kopf ein ziemlich seltsam aussehenden Headset tragen. Das erinnert mich an einen alten Science-Fiction-Roman von Orson Scott Card, „Ender’s Game“, der von Wolfgang Petersen verfilmt werden soll.

Star-Wars-Fans werden sogleich auch die Poster Art wiedererkennen. Sie ist auch auf der Innenseite und Rückseite der Jewelbox zu finden. Das Motiv auf der CD selbst zeigt den flammenden Planeten Geonosis. Nimmt man die CD heraus, fällt der Blick auf eine Montage: oben kommen sich Padme und Anakin näher, unten findet der Krieg statt. Diese Grafik-Elemente dürften auch den letzten Zweifler überzeugen, dass es sich um ein echtes, hundert Prozent originales |Lucasfilm|-Produkt, lizenziert von |WortArt|, handelt.

_Der Sprecher_

Joachim Kerzel, 1941 in Hindenburg/Oberschlesien geboren, erhielt seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Als gefragter Synchronsprecher leiht er Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Dennis Hopper und vielen anderen Stars seine sonore Stimme. Ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist mir seine Beteiligung an der Hörbuchfassung von Stephens Kings „Das Mädchen“, die er zusammen mit Franziska Pigulla bestritt. Seine charismatische Stimme macht aus jedem Gegenstand etwas Grandioses. Daher ist er häufig auch in der Werbung zu hören, so etwa zu den Medienprodukten um Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung.

_Handlung_

Zehn Standardjahre sind seit der Schlacht um Naboo vergangen. Doch die Zeiten sind nicht leichter geworden, im Gegenteil: Im republikanischen Senat herrscht Aufruhr. Denn die äußeren Sternensysteme, die sich unter der Führung von Count Dooku zusammengetan haben, drohen mit der Sezession – eine Art Bürgerkrieg steht bevor. Senatorin Padme Amidala will deshalb eine Armee des Senats unter Führung der Jedi-Ritter aufstellen. Doch ihr Vorschlag hat im Augenblick wenig Chancen auf Akzeptanz. Da macht der Gegner seinen ersten Zug …

Auf Amidala wird ein Bombenattentat verübt, als sie gerade am Senatsgebäude landet. Doch nicht sie selbst wird das Opfer, sondern ihr Double, die tapfere Cordee. Wer steckt dahinter, fragen sich Palpatine, Yoda und der Jedi Mace Windu. Ist es Count Dooku, ein abtrünniger Jedi? Amidala bekommt eine Leibwache: Obi-Wan Kenobi und seinen Padawan Anakin Skywalker. Padme ist entzückt, den einst so kleinen Ani wiederzusehen. Sie ahnt noch nicht, welche Schrecken sie an seiner Seite erleben wird. Und Anakin gesteht seine Liebe zu Padme nur seinem Meister.

Als die beiden einen weiteren Anschlag auf Padme nur in letzter Sekunde vereiteln können, kennt Anakins Wut kaum noch Grenzen. Er verfolgt den Attentäter mit Kenobi durch halb Coruscant, bis sie ihn im Vergnügungsviertel stellen können. Doch es handelt sich um eine Sie, und eine bald schon sehr tote dazu. Doch der tödliche Giftpfeil ist sehr eigentümlich und führt Kenobi über einen Freund und die Senatsbibliothek zu einer Welt ganz weit draußen jenseits des Outer Rim: Kamino. Dort sollen Kloner leben …

Während Amidala auf Geheiß des Senats von Anakin nach Naboo in Sicherheit gebracht wird, macht sich Obi-Wan nach Kamino auf. Dort erwarten ihn gleich zwei Überraschungen. In Pipoca City präsentieren ihm die Aliens von Kamino eine bereits 200.000 „Mann“ starke Armee, die vollständig aus Klonen besteht. Sie wurden von Senator Saiphedias bestellt, doch der ist schon zehn Jahre tot. Allerdings lässt sich Obi-Wan nichts anmerken und gibt sich begeistert.

Die zweite Überraschung: Alle Klone stammen von einem Kopfgeldjäger namens Jango Fett ab, dessen Klon-Sohn Boba in den späteren Episoden noch des Öfteren auftaucht (besonders in Episode VI). Was Kenobi verdutzt, ist Jangos Angabe, dass er nie von diesem Senator gehört habe, sondern einen anderen Auftraggeber hatte. Ein weiterer Hinweis, dass hier ein verdecktes Spiel abläuft, dem Kenobi auf den Grund gehen muss.

Jango entzieht sich Kenobis Versuch, ihn nach Coruscant zu bringen, durch die Flucht. Doch anhand eines Peilsenders kann er ihm leicht zu einer heißen Welt namens Geonosis folgen. Dort erwartet Kenobi eine weitere böse Entdeckung: Count Dooku hat mit Aliens und Darth Sidious eine riesige Invasionsflotte und eine Armee von Kampfdroiden aufgestellt. Kurz bevor man Obi-Wan gefangen nimmt, gelingt es ihm noch, die Jedi und Anakin zu benachrichtigen.

Doch bevor ihm Anakin zu Hilfe eilen kann, muss er noch eine Sache auf Tattooine erledigen. Was ist aus seiner Mutter geworden?

_Mein Eindruck_

So ganz habe ich nie verstanden, was denn die Funktion der zweiten Episode im Hinblick auf die erste Trilogie, also Episode IV bis VI, sein soll. Aber ich kann ein paar begründete Vermutungen anstellen. Dabei muss ich im Augenblick sagen, dass ich den Plot von „Die Rache der Sith“ noch nicht im Detail kenne, sondern über grobe Umrisse im Bilde bin.

Bekanntlich wird aus Anakin Skywalker später Darth Vader, nachdem er der dunklen Seite der „Macht“ verfallen ist. Wie dieser Prozess allmählich vonstatten geht und vor allem, wie er angefangen hat, wird in Episode II gezeigt. Das Massaker, das er nach dem Tod seiner Mutter anrichtet, lässt bereits das Schlimmste befürchten. Zum anderen entwickelt sich seine Beziehung zu Senatorin Padme Amidala zu Liebe und Heirat, so dass sie ihm später die Zwillinge Luke und Leia schenken – und gleich darauf verstecken wird. So wird der Grundstein zu seiner Vernichtung schon früh gelegt.

Ein weiterer wichtiger Erzählstrang betrifft Anakins Meister Obi-Wan. Er ist der zweite Held der Episode. Seine Detektivarbeit führt ihn von Coruscant über Kamino nach Geonosis, direkt ins Herz der Verschwörung von Sith und Dooku. Sein Vorstoß zieht das Eingreifen Anakins und der Jedi-Ritter nach sich. Der ideale Schauplatz dafür ist aufgrund seiner Symbolhaftigkeit die Arena von Geonosis‘ Hauptstadt. (Schon in Episode I gab es eine Arena: die für das Podrennen, und in Episode VI nimmt es Luke mit einem Monster in der unterirdischen Arena von Jabba the Hutt auf. Arenen sind mithin eine Vorliebe des Regisseurs.)

Der erste Schlagabtausch mit den Kräften der dunklen Seite der „Macht“ verläuft für die Jedi wenig zufriedenstellend. Die Menschen Kenobi und Skywalker werden außer Gefecht gesetzt (Anakin verliert einen Arm: der Beginn seiner Kyborgwerdung), doch Yoda kann Dooku schlagen. Daher tritt Dooku nochmals im ersten Drittel von „Die Rache der Sith“ auf. Schon in Episode II ist erstmals der Todesstern zu sehen: als holografische Projektion (siehe Foto im Booklet).

Fehlen eigentlich nur noch das Imperium und der Imperator. Man richte sein Augenmerk auf Senator Palpatine, der zum Erzkanzler aufsteigt und wegen des drohenden Krieges mit den Außenwelten mit Sondervollmachten ausgestattet wird: ein ziviler Diktator wie einst Julius Caesar. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, wie aus einem Diktator ein Imperator wird – der Name Caesar wurde ja zu der verallgemeinerten Bezeichnung der Kaiser von Rom.

_Die Umsetzung im Hörspiel_

Der beeindruckende Stereo-Sound entspricht dem digital aufpolierten Sound, der in den Filmszenen auf den DVDs zu hören ist. Das bedeutet, wenn es hier kracht, dann rummst es auch wirklich. Das Gleiche gilt für die Musik von John Williams, die in ihrem Beitrag zur Dramatik dieser Sternenoper nicht zu unterschätzen ist. Sie steuert ganz direkt die Emotionen des Hörers.

Aber sie tut dies auch mit den bekannten Ohrwürmern. Dazu gehören sämtliche Erkennungsmelodien der einzelnen Figuren: Anakin Skywalker/Darth Vader (sein Motiv erklingt noch recht verhalten), Obi-Wan, Padme – sobald sie auftreten, wird ihr musikalisches Thema gespielt. Genau wie in Jacksons „Herr der Ringe“.

Joachim Kerzel, die Stimmbandvertretung von Dustin Hoffman und Jack Nicholson, wird in seiner Funktion als Erzählerstimme nicht über Gebühr gefordert, aber sein Vortrag mit der sonoren Stimme sorgt für die erforderliche Dramatik, ist kompetent und mitreißend. Die Klangqualität entspricht modernen Standards.

_Unterm Strich_

Im Rückblick ergibt sich, dass die übergreifende Produktpräsentation einem echten |Lucasfilm|-Produkt an Qualität in nichts nachsteht, dass aber der Inhalt des ersten Hörbuchs – also von „Episode IV“ – mir am besten gefallen hat.

Also lässt sich ohne weitere Umschweife sagen, dass der Käufer jeweils ein sehr gutes Hörspiel erhält, wenngleich sich die inhaltliche Qualität nicht immer die Waage hält. Und wer von Star Wars als einem Sternenmärchen sowieso nichts hält, der wird auch mit den Hörspielen nichts anfangen können. Man muss schon eine gewisse Begeisterung mitbringen …

… genau wie bei den Filmen: Seit dem 19. Mai 2005 heißt es zum sechsten Mal wieder: „Es war einmal in ferner Zukunft in einer weit entfernten Galaxis …“

|Star Wars Episode II: Attack of the Clones, 2002
ca. 65 Minuten auf 1 CD
Empfohlen ab 8 Jahren|

Barker, Clive – Spiel des Verderbens

_Subtiles Grauen und makabrer Horror_

Subtiler Horror reicht sich in Clive Barkers Geschichten stets die Hand mit dem grotesken Grauen der Geisterbahn. Das ist auch in „Spiel des Verderbens“ nicht anders. Nach den sechs [„Büchern des Blutes“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=538 mit denen Barker für Aufsehen gesorgt hatte, bietet er mit „Spiel des Verderbens“ klassische Horrorkost, aber natürlich mit dem besonderen Barker-Touch.

_Der Autor_

Der 1952 in Liverpool geborene Barker hat eine Anzahl von sogenannten Grand-Guignol-Theaterstücken geschrieben, darunter „The History of the Devil“ und „Frankenstein in Love“. Für seine Erzählungen in den sechs [„Books of Blood“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=549 heimste er den |British| und den |World Fantasy Award| ein. Zu seinen Bestsellern gehören neben „The Damnation Game“/“Spiel des Verderbens“ auch „Cabal“, „Imagica“, „Coldheart Canyon“ und „Abarat“ (alle deutsch bei |Heyne|).

Er schuf die Reihe der inzwischen klassischen „Hellraiser“-Filme, außerdem die Filme „Nightbreed“ und „Lord of Illusions“. Seine Story „Das Geyatter und Jack“ ist unter dem Titel „Der höllische Gast“ als Comicbook im |Thomas Tilsner|-Verlag erschienen.

_Handlung_

Nach einem schief gelaufenen Raubüberfall sitzt Marty Strauss nun schon seit zehn Jahren im Bau. Seine Frau Charmaine hat er schon eine Weile nicht mehr gesehen. Darum kann er sein Glück kaum fassen, als ihm eines Tages die Chance geboten wird, vorzeitig aus der Haft entlassen zu werden und in Freiheit zu arbeiten.

Ein gewisser Mister Toy fragt ihn, ob er bereit sei, als Leibwächter bei einem der reichsten und mächtigsten Männer der Welt zu arbeiten. Strauss bejaht ohne Zögern. Doch bereits nach wenigen Wochen auf dem weitläufigen Anwesen dieses Joseph Whitehead fallen Marty ein paar merkwürdige Dinge auf. Whiteheads Besucher sind von der schleimigsten Sorte und recht zwielichtig. Whiteheads Tochter Carys ist drogensüchtig und wird wie eine Gefangene im Haus gehalten. Schon nach kurzer Zeit, nachdem Charmaine nichts mehr von ihrem Ex-Mann wissen will, sind Carys und Marty ein Paar.

Und da ist da noch ein Unbekannter, den Marty einfach den „Magier“ nennt, scheint er doch von einem Licht umgeben zu sein, und Elektrozäune können ihm offenbar nichts anhaben. Dies ist Mister Mamoulian, der große Widersacher Whiteheads und dessen Nemesis. Das Buch erzählt von ihrer langen Auseinandersetzung, die für beide zum Tod führt.

Dies wäre kein Buch von Clive Barker, wenn es darin nicht Horror und Magie gäbe. Mamoulian sorgt für beides in überreichem Maße. Er könnte Satan persönlich sein, so wie er sich seine Sklaven schafft, Mister Breer beispielsweise. Breer ist ein Pädophiler, doch just als er sich erhängen will, holt ihn Mamoulian doch wieder zurück in ein Halbleben, in dem gewöhnliche Lebensgefahr für Breer keine Bedrohung darstellt. Und Mamoulian steuert nicht nur Breer mit telepathischem Zwang, sondern auch Carys Whitehead. Wenn er sich in Carys‘ Kopf „befindet“, kann er sich mit ihren Augen in Whiteheads Anwesen gründlich umsehen. Deshalb ist für ihn auch der Angriff auf Whitehead ein Kinderspiel.

Denn Whitehead ist mit Mamoulian offenbar einen faustischen Pakt eingegangen. Im Warschau der Nachkriegszeit spielte er gegen den „letzten Europäer“ Karten und gewann. Im Gegenzug wurden ihm Reichtum und Macht zuteil. (Dies ist das „Spiel des Verderbens“.) Doch nun ist Mamoulians Lebenszeit abgelaufen, und er fordert seine Preis ein. Aber Whitehead ist dazu nicht bereit. Als Mamoulian mit Breer ein zweites Mal in Whiteheads Anwesen einbricht, bereitet er allem Leben dort ein Ende.

Nur Whitehead bleibt übrig, Marty hat sich versteckt, doch seine Geliebte Carys wird entführt – das Buch scheint (nach zwei Dritteln) an einem toten Punkt angekommen zu sein. Doch nun geht’s natürlich erst richtig los. Und Marty muss in die Rolle des sagenhaften Orpheus schlüpfen, um Carys wiederzugewinnen. Nicht zufällig heißt der Ort des Showdowns „Hotel Orpheus“.

_Mein Eindruck_

Nach den sechs „Büchern des Blutes“, mit denen Barker für Aufsehen gesorgt hatte, bot er mit „Spiel des Verderbens“ klassische Horrorkost, aber natürlich mit dem besonderen Barker-Touch. Hier leben Körper nur eine Art Scheinleben, ganz im Gegensatz zu den Seelen und Geistern als ihre Bewohner. Daher können Seelen auch von Körper zu Körper wandern, so wie Mamoulian es mit Carys tut und sie mit ihm. Solche mächtigen Seelen können ganze Räume und Häuser beherrschen und zufällige unglückselige Besucher in ihren Bann ziehen, so wie es Marty in dem Haus in der Caliban (!) Street widerfährt. Daher ist der Tod eines Körpers auch keineswegs das Ende einer Seele, sondern nur eine besondere Art von Übergang.

Alle diese Elemente erlauben das Entstehen bestimmter Situationen, die nicht nur sublimes Grauen, sondern auch derbste, makabre Komik produzieren. Fürs Grauen ist Mamoulian zuständig, für das Makabre sein Untergebener Breer. Marty und Carys bekommen beides auf ihre Weise zu spüren. Die Szenen des langwierigen Finales im Hotel Orpheus sind eine sonderbare Kombination aus beidem.

Nicht jeder Leser dürfte das Buch spannend finden. Es gibt Passagen, in denen anscheinend nichts passiert, sondern nur ein Eindruck eingefangen wird, so etwa dann, wenn Marty Whiteheads Haus und Grundstück erkundet. Ungeduldige Leser seien darum erstens gewarnt und zweitens getröstet: Im letzten Drittel des Romans mit dem Titel „Sintflut“ überschlagen sich die Ereignisse, bis sie im Finale gipfeln. Natürlich ist dieser Teil wenig zu verstehen, wenn man die Vorgeschichte und die Akteure nicht kennt.

|Zur Übersetzung|

Barkers Horror ist stark von der Sprache abhängig und wird von seinen genau gezeichneten Figuren in deren jeweiliger Sprechweise vorgetragen. Die deutsche Übersetzung von Körber und Bauer schafft es nur ansatzweise, die jeweiligen Anspielungen und Bedeutungsnuancen angemessen ins Deutsche zu übertragen. Daher sollte man das Buch möglichst im Original lesen. Dennoch lässt sich die deutsche Fassung ohne Schwierigkeiten lesen. Sie bringt aber beispielsweise nicht jedes Motto, das den Buchteilen vorangestellt ist.

Warum es der |Heyne|-Verlag für nötig befand, Joachim Körbers Übersetzung von Werner Bauer überarbeiten zu lassen, ist unklar. Aber das ist, wie ich erfuhr, nicht das erste Mal, dass so verfahren wird. „Das Sakrament“ wurde von Körber übersetzt, an Heyne verkauft und dort noch einmal neu übersetzt. Wenn ich Joachim Körber glauben darf – und ich habe keinen Grund, das nicht zu tun -, dann ist die Neuübersetzung nicht so gut gelungen. Ich kann dazu nichts sagen, weil ich jenen Roman nicht gelesen habe.

|Originaltitel: The Damnation Game, 1985
Aus dem Englischen übertragen von Joachim Körber und Werner Bauer|

Caldwell, Ian / Thomason, Dustin – letzte Geheimnis, Das

Tom, Charlie, Gil und Paul sind Freunde, die an der traditionsreichen Universität Princeton studieren (wo Einstein lehrte). Doch plötzlich erschüttert eine Reihe von unerklärlichen Todesfällen die heile Campus-Welt auf dramatische Weise. Alle Opfer stehen in Verbindung mit einem verschlüsselten Manuskript aus der italienischen Renaissance, dessen Dekodierung noch keinem Wissenschaftler gelungen ist, nicht einmal Toms Vater: die „Hypnerotomachia Poliphili“ aus dem Jahr 1499, eines der seltensten und wertvollsten Bücher überhaupt.

|Die Autoren|

Ian Caldwell und Dustin Thomason sind zwei amerikanische Studenten, die mit ihrem ersten Roman in den USA für eine Sensation sorgten. Bereits zwei Monate nach Erscheinen stand ihr Buch auf Platz 2 der |New York Times|-Bestsellerliste und wurde immer wieder mit Dan Browns Thriller „The da Vinci Code“ [(„Sakrileg“)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=184 verglichen. Mehr Infos unter: http://www.randomhouse.com/bantamdell/theruleoffour. Die beiden Autoren schreiben bereits an ihrem nächsten gemeinsamenen Buch.

|Der Sprecher|

Tim Bergmann, in Düsseldorf geboren, besuchte von 1991 bis 1994 die Ott-Falckenberg-Schule in München. 1993/94 spielte er parallel zur Schauspielschule bereits an den Münchner Kammerspielen. 1995 wurde er in dem sehr erfolgreichen Kinofilm „Echte Kerle“ für den Bundesfilmpreis als bester Nebendarsteller nominiert.

Der Text wurde von Dr. Arno Hoven gekürzt, Regie führte Kerstin Kaiser – genau wie bei [„Diabolus“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1115

_Handlung_

PROLOG.

Im Prolog berichtet der Ich-Erzähler Tom Sullivan, was in jenem alten Dokument stand, das das Leben seines Vater Patrick Sullivan umkrempelte, weil es ihn in den Kreisen der Literaturwissenschaftler auf einen Schlag berühmt machte: Auf die Entschlüsselung dieses „Belladonna“-Dokuments verwendete er rund 30 Jahre. Und jetzt spielt es wieder eine unheilvolle Rolle – in Toms Leben.

Es handelt sich um einen vierfach versiegelten Brief, den zwei Boten namens Rodrigo und Donato im November 1497 abliefern sollen. Auftraggeber ist ein Edelmann, der später im Buch noch des Öfteren auftaucht. Sie gelangen nachts zur römischen Kirche San Lorenzo, und ein Maurer nimmt den Brief in Empfang. Anhand eines Tests gelingt es ihm festzustellen, dass die allzu neugierigen Boten die Siegel des Briefs erbrochen, dessen Inhalts gelesen und danach neue Siegel sorgfältig wieder angebracht haben. Was aber den neuen Siegeln fehlt, ist die ursprünglich vorhandene Tinktur namens „Belladonna“, die die Pupillen erweitert – nur nicht bei den beiden Boten. Der Maurer tötet die beiden untreuen Boten und entsorgt ihre Körper vollständig bei einem Metzger.

Auf den ersten Blick geht es an der Universität von New Jersey in Princeton keineswegs so grausam zu, aber das soll sich rasch ändern.

HAUPTHANDLUNG

Tom Sullivan, Paul Harris, Charlie Freeman und Gil sind vier Freunde, die in Princeton unterschiedliche Fächer studieren. Nur Toms bester Freund Paul studiert ebenfalls Literaturwissenschaft, und die monatelange verbissene Forschungsarbeit an einem italienischen Buch aus dem Jahr 1499 hat die beiden zusammengeschweißt, bis Toms Freundin Katie Marchand und die Vernachlässigung seiner eigenen Arbeit Tom zwangen, diese Arbeit abzubrechen. Das Buch ist die seltene „Hypnerotomachia Poliphili“ – der Liebestraum des Poliphilus – und hat die Tendenz, jeden, der sich intensiver mit ihm beschäftigt, in seinen Bann zu ziehen und süchtig zu machen – derart süchtig, dass Toms reale Liebe wie die zu Katie schwer darunter leidet.

Schon Toms Vater geriet in den Bann des Buches – siehe den Prolog. Zuhause bei den Sullivans wurde es zu einem Ersatz für die Bibel. Denn es steckt voller Rätsel und kodierter Anweisungen und ist, wie Paul entdeckt, in einem genialen Code geschrieben, der eine völlig andere Geschichte erzählt als der lediglich 30 Seiten lange „Liebestraum“ über einen Mann, der seine verlorene Geliebte Polia sucht und von ihr abgewiesen wird. Reiht man zum Beispiel den jeweils ersten Buchstaben eines Kapitels aneinander, so ergibt sich folgender Satz: „Bruder Francesco Colonna hat Polia sehr geliebt.“ Colonna war der Auftraggeber des Belladonna-Briefes, und der Maurer sein Prüfer. Aber war er auch der Autor des Buches? Prof. Sullivan glaubte fest daran.

Welches Geheimnis ist jedoch so wichtig, dass Colonna die Vertrauenswürdigkeit der Boten prüfte, sie mit dem Tode bestrafte und sein zwei Jahre später veröffentlichtes Buch derart stark verschlüsselte, dass es bis heute, 500 Jahre später, nicht entschlüsselt werden konnte?

Diese Frage ließ vor rund 30 Jahren Patrick Sullivan nicht los, der sich mit Richard Curry und Vincent Taft zusammentat, um das Geheimnis zu ergründen. Sullivan starb bei einem Autounfall, als Tom 16 war, doch Curry und Taft leben. Taft lehrt sogar an der Princeton Uni, und Curry ist praktisch der Doktorvater von Paul Harris. Man kann sich leicht vorstellen, dass diese beiden mit Argusaugen über die Fortschritte wachen, die Paul an der „Machia“ macht. Was ihnen misslang, könnte er schaffen. Und dann: ewiger Ruhm! Aber auch jede Menge Geld: Fachartikel- und Buchhonorare, Vorlesungsreisen, lukrative Posten – kurzum: das akademische Paradies.

Und Paul ist so dicht davor, das letzte Rätsel zu knacken: Es gibt vier davon, denn die Vier ist die magische Zahl, die das gesamte Buch durchdringt. (Daher der O-Titel „The Rule of Four“ – „Die Regel/Herrschaft der Vier“.) Er hat nur noch 36 Stunden Zeit, seine Examensarbeit über die „Machia“ abzugeben. Doch in 36 Stunden kann sich alles Mögliche ereignen.

Nach einer Party eines der Studentenklubs muss Tom mit ansehen, wie jemand in einem hell erleuchteten Zimmer des Uni-Gebäudes angeschossen wird und sodann aus dem Fenster auf die Straße stürzt. Charlie leistet Erste Hilfe und erzählt, um wen es sich handelt: Der Mann, der im Krankenhaus stirbt, ist Bill Stein, Pauls engster Mitarbeiter an der „Machia“. Noch ein weiterer Mann wird sterben, bevor es gelingt, den Schuldigen ausfindig zu machen. In einem Hexenkessel der Verfolgung, Entschlüsselung, der Polizei-Ermittlungen und der Liebe zu Katie sieht sich Tom zu einer schwierigen Entscheidung gezwungen, die sein ganzes künftiges Leben bestimmen wird.

So oder so ähnlich muss sich Colonna in Rom und Florenz gefühlt haben, als er den religiösen Eiferer Savonarola bekämpfte, der die Schätze der Antike verbrannte, weil sie gottlos seien. Und als Colonna einige der wertvollsten Schätze gerettet hatte, verbarg er sie in einer Krypta in Florenz. Der Lageplan der Krypta ist in der „Machia“ verborgen. Und wer diese Schatzkammer findet, könnte der Welt eine neue Renaissance, eine Wiedergeburt von unschätzbarem Wert verschaffen.

Aber nur, wenn Paul und Tom die nächsten Stunden überleben. Denn der Mörder ist auch hinter ihnen her.

_Mein Eindruck_

In „Das letzte Geheimnis“ geht also um mehrere Ermittlungen. Selbst wenn das Thema „alte Dokumente“ wegen Dan Browns Bestsellern „Sakrileg“ und „Illuminati“ zur Zeit sehr in Mode ist, so erweist sich „Das letzte Geheimnis“ doch nicht als Abklatsch dieser marktführenden Titel, sondern als eigenständiges Werk. Und ich halte es für weitaus besser als Dan Browns Werke, die sich bei näherer Untersuchung als Fantasy entpuppen.

Die „Machia“ existiert jedoch wirklich und gibt bis heute Rätsel auf. Mag auch Colonna nie existiert haben, so ist dies doch letzten Endes unerheblich, denn Figuren wie Savonarola, die Medici und den damaligen Papst gab es wirklich. Ebenso die Accademia, der Colonna und seine Komplizen angehörten. „Das letzte Geheimnis“ ist vielschichtiger als Browns Bestseller und durch die Zeiten hinweg aktuell.

Denn die vordergründige Suche nach dem vierten Geheimnis der „Machia“ spiegelt sich in der Suche nach dem Geheimnis des Mörders wider, der bereits Taft und Stein auf dem Gewissen hat und sich als nächstes Opfer Paul Harris auserkoren hat. Damit aber das Vermächtnis Colonnas – der guten Seite der Renaissance – bewahrt bleiben kann, müssen die Vier dem Mörder das Handwerk legen. Wie sich zeigt, waren Stein und Taft darauf aus, Paul das Vorrecht auf die Publikation des Geheimnisses der „Machia“ zu stehlen. Und man darf vom Mörder das Gleiche annehmen. Es ist – im 15. Jahrhundert wie auch heute – ein sehr gefährliches Geheimnis.

Was das Buch für mich so bedeutend macht, ist die Frage, die sich Tom Sullivan stellt und die er immer wieder durchspielt: Die Beschäftigung mit dem Geheimnis der „Machia“ ist die gleiche Sucht nach Wissen, die jeden Wissenschaftler und Suchenden seit Dr. Faustus angespornt hat. Doch wenn der Forschungsgegenstand, wie es die „Machia“ tut, den Anspruch auf Ausschließlichkeit erhebt, gefährdet dies das Leben und die Zukunft des Forschenden. Tom Sullivan verkommt aufgrund seiner Manie zu einem nervösen Wrack, das wie ein Penner herumschlurft. Das Versprechen auf eine Zukunft wird durch seine Freundin Katie und ihre Liebe verkörpert: Sie muss ihm eindringlich zureden und vor ein Ultimatum stellen, um ihn aus seinem Wahn, seinem privaten „Liebestraum“ zu wecken. Als Preis dafür bleiben die Geheimnisse der „Machia“ unerschlossen – vorerst, bis Paul einen anderen Ansatz findet.

Tom Sullivan bremst gerade noch vor dem Abgrund. Doch für seinen Vater ging die Sache nicht so gut aus: Wie Taft Tom weiszumachen sucht, hat sich Patrick Sullivan aus Frustration selbst in den Tod gefahren, dabei den Tod seines Sohnes in Kauf nehmend. Eine ungeheuerliche Behauptung. Kein Wunder, dass Tom sofort ausrastet und Taft angreift.

Das aktuelle Quartett, das von der „Machia“ berührt wird, ist ein Spiegelung jenes Trios aus Patrick Sullivan, Vincent Taft und Richard Curry, das sich 25-30 Jahre zuvor die Zähne an der „Machia“ ausgebissen hatte. Wiederholt sich die Geschichte wie in einem zyklischen Teufelskreis? Vielleicht, aber nur, wenn man nicht bereit ist, Einsicht zu zeigen. Nur wenn man sich ganz der „Machia“ und ihrer Verlockung hingibt.

Die Spiegelungen und Entsprechungen machen für mich den größten Reiz des akademischen Thrillers aus. Der Begriff des „Liebestraums“ verwirklicht sich in vielfältiger Weise. Nicht nur, dass Poliphilus, der „Vielliebende“, in einem Traum seinen Kampf um die Liebe kämpft (so die wörtliche Übersetzung des griechischen Wortes „hypnerotomachia“), sondern auch Colonna, Tom und Paul sind in einem solchen Traum gefangen. Es ist der Traum der Liebe zu einem geheimnisvollen Forschungsgegenstand, zu Wissen und Erkenntnis. Im Grunde sieht sich jeder Akademiker dieser Verlockung gegenüber. Deshalb ist das Buch ständig aktuell.

Gibt man sich dem Traum völlig hin, wie Tom, Paul und ihre Konkurrenten es tun, ist dieser in der Lage, das reale Leben völlig zu übernehmen (siehe die „verrückten Wissenschaftler“ der B-Movies). Es kommt darauf an, die Verbindung zum Leben nicht abreißen zu lassen. Oder den Traum einem höheren Zweck zu weihen, wie Colonna es tut: die Rettung der Schätze der Antike, die Savonarola auf seinen Scheiterhaufen verbrennen will. Paul und Tom tun am Ende das Gleiche.

Auch die Scheiterhaufen haben eine Entsprechung: Das Clubhaus, in dem der Abschlussball stattfinden soll, brennt nieder. Tom und Paul befinden sich darin. Und als der Mörder auftaucht, geht es um alles oder nichts. Die Schätze der Vergangenheit sind nun nicht die Bücher, die in den Regalen des Clubhauses stehen, sondern die Geheimnisse, deren Lösung sich in den Köpfen von Tom und Paul befindet. Ob die Vergangenheit weiterlebt, damit die Welt daraus lernen kann, ist manchmal nur eine Frage des Überlebens …

|Der Sprecher|

Tim Bergmann ist ein kompetenter Sprecher, der über eine sehr angenehme Stimme verfügt. Allerdings bemüht er sich nicht um Stimmakrobatik wie manchmal Rufus Beck, er weiß aber durchaus, wie man die Stimme moduliert, um Emotionen zu vermitteln und eine Situation darzustellen. Insbesondere dann, wenn ein Buch so reich an dramatischen Situationen ist wie „Das letzte Geheimnis“.

Dann wird durch seinen eindringlichen Vortrag deutlich, wie groß der Wissensdurst ist, der Tom und Paul erfüllt, wie tief die Frustration sein muss, die die Gescheiterten niederdrückt: Curry und Taft. Sehr schön anschaulich wird die Story, wenn das Quartett hinunter in die Versorgungstunnel steigt, um dort Kampfspiele zu üben, oder wenn es zur „Nackten Olympiade“ (das gab es in Princeton wirklich) wieder an die Oberfläche steigt, um der Campuspolizei ein Schnippchen zu schlagen.

_Unterm Strich_

„Das letzte Geheimnis“ ist ein gelehrter Thriller über die Verbindung und Bedeutung der Vergangenheit mit und für die Gegenwart. Alte Schätze des Wissens zu heben, ist wichtig und wertvoll. Aber das Buch warnt auch vor den Gefahren der Verlockung, die darin liegt. Auf drei korrespondierenden Zeitebenen spiegelt sich die Geschichte, die in dem zentralen Werk, um das es geht, niedergelegt ist: Liebe – Traum – Kampf – Geheimnisse. Vielleicht ist dies die „Regel/Herrschaft der Vier“? Das Buch selbst ist wie die „Machia“ voller Geheimnisse und würde eine literaturwissenschaftliche Analyse lohnen.

Ich fand die Geschichte spannend zu verfolgen. Als Akademiker berührte sie mich auf unerwartete Weise. Manche Leute sehen sich vor die Wahl zwischen Arbeit/Erfolg oder Liebe/Lebensqualität gestellt. Manche schaffen es, beides harmonisch zu verbinden, manche aber entscheiden sich für das Eine oder das Andere und verlieren dabei in jedem Fall. In welchem Umfang der Verlust erfolgt, muss dabei jeder selbst festlegen. An einer Stelle fragt Tom Sullivan seine Mutter, warum sie seinem Vater seinen Erfolg und sein jahrzehntelanges Bemühen um die „Machia“ missgönnt habe. Sie macht ihm klar, dass er sie nie verstanden hat. Sie hat seinen Vater geliebt, obwohl dieser nie genügend Zeit für sie und den Sohn hatte. Eine Frage wie diese muss sie also tief verletzen.

Das Hörbuch gehört zu den spannenden Thrillern, für die sich Freunde von „Sakrileg“ und „Illuminati“ interessieren könnten. Allerdings ist die Struktur nicht die simple der Schnitzeljagd, sondern eine der Spiegelungen und Entsprechungen. Relativ häufig wechselt die Zeitebene, damit der Erzähler im Rückblick eine Erkenntnis daraus vermitteln kann. Bald wird klar, was die „Machia“, ihr Autor Colonna (umstritten), die drei Forscher um Patrick Sullivan sowie die vier Studenten um Tom Sullivan miteinander zu tun haben. Leider wird die Lehre, die der Ich-Erzähler daraus zieht, auf eine etwas vordergründige, aufdringliche Weise vermitteln. Es ist zwar nicht ganz der erhobene Zeigefinger (für wen auch?), aber viel fehlt nicht mehr.

_Hintergrund_

Ein paar interessante Fakten über die „Hypnerotomachia Poliphili“:

1. The title „Hypnerotomachia“ is an invented word drawn from the Greek roots for „sleep“ (as in „hypnotize“), „love/lust“ (as in „erotic“), and „struggle/strife“ (as in „naumachia,“ the mock sea-fights held by ancient Romans). The title thus literally means something like „Struggle for love in a dream,“ and describes what the main character, Poliphilo, spends the entire story doing: searching for his beloved in a dream.

2. Until 1999, no full English translation of the Hypnerotomachia existed. The only previous attempt was by a translator with the initials „R.D.“ – probably Robert Dallington, a contemporary of Shakespeare’s – who got less than halfway done before giving up. In 1999, a music professor at Colgate University named Joscelyn Godwin completed his full English translation, which is now widely available.

3. The hieroglyphics that appear in the Hypnerotomachia are not authentic. Some are borrowed from a Roman frieze that Renaissance humanists wrongly considered Egyptian; others are invented, but later Renaissance scholars (including Erasmus) mistakenly considered them genuine. The Hypnerotomachia’s author, in other words, was both a victim and perpetrator of hieroglyphic ignorance among Renaissance humanists!

Quelle: http://www.randomhouse.com/bantamdell/theruleoffour/index.html
Für Interessierte: http://en.wikipedia.org/wiki/Hypnerotomachia_Poliphili

|Originaltitel: The Rule of Four, 2004
deutsch von Rainer Schmidt
393 Minuten auf 5 CDs|

Die [Buchfassung]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3785721536/powermetalde-21 erschien ebenfalls bei |Lübbe|, in gebundener Form.

John Brunner – Morgenwelt

Vision von morgen – ein Buch wie ein Film

In „Stand on Zanzibar“ verwirklichte John Brunner ein gewagtes stilistisches Experiment: die Welt von morgen einzufangen wie in einem Film. „Morgenwelt“ ist ein ernst zu nehmender Roman für Erwachsene. „Wenn John Dos Passos Science Fiction geschrieben hätte – ein Buch wie dieses wäre das Ergebnis gewesen.“ (Washington Post)

John Brunner – Morgenwelt weiterlesen

Arden, Tom – Geheimnis im Spiegel, Das (Der Kreis des Orokon Band 3)

_Zeitreise ins 18. Jahrhundert_

Dies ist der erste Band des zweiten Romans um den „Kreis des Orokon“. Der zweite Teil hat den Titel „Der goldene Baum“.

_Handlung_

Der junge Jemany hat die Bestimmung seines Lebens erkannt: Er ist ausgezogen, um die fünf Kristalle des Orokon zu finden und wieder zu vereinen. Durch diese Tat soll seine Heimat, das Königreich Ejland, vom Chaos des Bürgerkriegs befreit werden. Auf der Flucht vor seinen Feinden – allen voran dem grausamen Polty – nehmen ihn die zigeunerähnlichen, geheimnisvollen Vagas auf und bringen ihn unerkannt erst nach Varby, einen Badeort, dann flieht er nach Agondon, der Haupstadt der Königreiche von Ejland und Zenzau.

Hier erwartet ihn bereits sein neuer Beschützer, Lord Empster. Er soll den unerfahrenen Jem ausbilden und auf seine große Aufgabe vorbereiten. Doch dieser Lord treibt ein doppeltes Spiel: Er scheint ein Anhänger des üblen Zauberers Toth-Vexrah zu sein, der ebenfalls hinter den Kristallen her ist. Toth – eine Verkörperung der Schlange Sassoroch, die in Jems Träumen die Welt bedroht. Nun sollen ihre Anhänger, die weiße Bruderschaft, Jem als den Schlüssel zum Orokon dem Zauberer ausliefern, ebenso wie den Kristall, den der Junge um seinen Hals trägt. Der Anführer der Bruderschaft ist der Erste Minister des Königs höchstselbst.

Unterdessen in Varby, einer Provinzstadt unweit Agondons: Hier lebt Catayane, die frühere Geliebte Jemanys, als Dienerin im Haushalt ihrer sogenannten Kusine. Leider hat sie durch die Machenschaften ihrer Tante Umbecca Veeldrop und des Dorfarztes von Irion jede bewusste Erinnerung an Jemany verloren. Doch in ihren Träumen sieht sie sich mit Jemany durch die Wälder streifen und sich mit den wilden Tieren unterhalten.

Als Polty die begehrte Unschuld Catayane entführen will, kommt ihm per Zufall Jemany in die Quere, der ihm eine blutige Nase verpasst. Weitere junge Damen geraten durch die wilden jungen Burschen in Varby in Not, und für Catas beste Freundin, Pelli, kommt jede Hilfe zu spät. Im Wald nahe Varby fällt sie offenbar den uralten Erdgeistern zum Opfer. Immerhin: Einer der Burschen wird wegen Mordes verhaftet. Cata reist mit Tante Umbecca zurück nach Irion, wo deren Gatte, der Gouverneur, im Sterben liegt.

Somit ist Cata aus der Gefahrenzone von Agondon gebracht, sicher vor dem Einfluss der Hexe Vlada Flay, die sich stattdessen an Catas Freundin Jeli schadlos hält. Durch die ahnungslose Jeli versucht Vlada wieder Einfluss am Hofe zu gewinnen, und beinahe wird Jeli auch beim Debütantinnenball vom König zum Tanz aufgefordert. beinahe, denn der Tanz endet mit einem Mord.

_Fazit_

Gesellschaft und Kultur dieser Fantasy entstammen direkt dem 18. Jahrhundert, jener literarischen Epoche also, für die sich der Autor schon immer begeistert hat, wenn man dem Klappentext des Verlags glauben darf. Und dementsprechend finden sich in diesem Roman sowohl sentimentalische Phänomene wie etwa zahlreiche Briefe mit „Herzensergießungen“ als auch spannende Räuberpistolen und Amouren wie aus „Tom Jones“, komplexe Zeitverläufe wie aus dem „Tristram Shandy“ und aufgeteilte Erzählungen, die man häppchenweise verabreicht bekommt. Und stets ist die Tugend und Jugend, ach!, in Gefahr. Die ganze „Composition“ ist appetitlich abgestimmt, mit ironischem Witz abgeschmeckt und vermischt, so dass die Lektüre nie langweilig wirkt. Die „gute Gesellschaft“ kommt jedenfalls meist nicht gut weg. Wer allerdings auf mehr Action und Heroen steht, der suche woanders.

|Originaltitel: Second Book of the Orokon. The king and queen of swords, part 1+2, 1998
Aus dem Englischen übertragen von Wolfgang Thon|

Elliot, Brian / Streberg, Gerry / Döring, Oliver – Im Verlies der blutigen Träume (Gespenster-Krimi 01)

Das Schloss gilt als verflucht. Schreckliche Dinge haben sich einst in dem alten Gemäuer abgespielt. Selbst heute noch warnen Eltern ihre Kinder davor, in der Nähe des verlassenen Gemäuers zu spielen.

Besser hätte es der findige Geschäftsmann Larry Landon kaum antreffen können. Er wandelt das Schloss in eines seiner „Horror-Hotels“ um: Aufwändige Kulissen, klassische Hollywood-Monster aus Wachs, Sound-Effekte, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen und jede Menge schockierender Überraschungen erwarten den zahlenden Gast.

Doch Larry ahnt nicht, dass der Schrecken in seinem Hotel größer sein wird, als er geplant hat. Viel größer … (Verlagsinfo)

|Die Sprecher & die Inszenierung|

Nana Spier spricht: Claire Carpenter
Andreas Fröhlich: Bruce Barrymore
Franziska Pigulla: Sophie Patin
Lutz Mackensy: Eric
Udo Schenk: Larry Landon
Und sieben weitere Sprecher.

Die Gespensterkrimi-Hörbücher produzierten Alex Stelkens von |WortArt| und Marc Siper von |Lübbe Audio| sowie Pe Simon. Regie führt stets Oliver Döhring, der auch für die John-Sinclair-Hörspiele verantwortlich zeichnet.

_Handlung_

Claire Carpenter, eine gefürchtete US-Journalistin, und ihr Fotoreporter Bruce Barrymore sind nach Frankreich gekommen, um dort das neueste Horror-Hotel des amerikanischen Millionenerben Larry Landon in Augenschein zu nehmen. Das Hotel liegt auf einer Insel in einem See und ist nur per Fähre zu erreichen. Kurz bevor die beiden zur Anlegestelle gelangen, meint Claire, im Scheinwerferlicht zwei Mädchen am Straßenrand zu sehen, doch es muss wohl Einbildung gewesen sein, denn die Suche verläuft ergebnislos.

Im Hotel begrüßt Eric die beiden Gäste. Er stellt sich als Landons Assistent vor und entschuldigt sich für die andauernden Bauarbeiten, denn das Hotel soll erst in zwei Tagen eröffnet werden. Eine weitere Journalistin trifft ein: Sophie Patin (oder Petain), eine „Lokalreporterin“ aus Paris. Bruce ist Feuer und Flamme für die „Monsters‘ Hall of Fame“, die das Hotel beherbergen soll, ein Wachsfigurenkabinett der berühmtesten Horrorgestalten aller Zeiten. Als Zimmer bekommt er die „Dschungel-Suite“ zugeteilt, und Claire kommt in „Die Gruft“. Im Lift ertönt ein markerschütternder Schrei – passend aus Minilautsprechern ausgestoßen.

Doch allein schon wegen des heraufgezogenen Gewitters kann Claire nicht schlafen – nicht nur wegen der Schreie, des Stöhnens und Wimmerns. Sie beginnt, durch die nächtlichen Flure zu wandern und steigt in den Keller hinab. Schließlich sind dort immer die besten Geheimnisse zu entdecken. So auch diesmal. Sie hört, wie zwei Männer etwas Schweres schleppen. Doch auf einmal ruft Leroy, einer der beiden, etwas zu einer Frau, die Claire nicht sehen kann. Leroys Boss Eric befiehlt ihm, etwas gegen die ungebetene Besucherin zu unternehmen. Leider gehen seine Pistolenkugeln mitten durch sie hindurch! Sekunden später reißt ihm das Gespenst das Herz aus dem Leib …

Sophie ist inzwischen an Claires Seite aufgetaucht. Rasch entfernen sich die beiden aus der Gefahrenzone. Dabei zerreißt Claires Kleid und sie verliert einen Ärmel. Eric ist nicht dumm, findet den Ärmel, erschnuppert Claires Parfüm („Silk“) und zieht den einzigen vernünftigen Schluss: Claire hat Leroy umgebracht. Aus welchem Grund, ist natürlich eine ganz andere Frage.

Nun hebt eine fröhliche Verfolgungsjagd durch ein von einem blutrünstigen Gespenst bewohntes Schloss an, das ein ebenso gruseliges wie blutiges Geheimnis birgt.

_Mein Eindruck_

Alte französische Schlösser und ihre blutige Vergangenheit – der ideale Stoff für eine Horrorstory. Diese Vergangenheit reicht diesmal zurück ins Jahr 1745, und der entscheidende Tag des Unheils jährt sich wieder einmal. Die zwei Mädchen, die Claire gesehen hat, gab es damals wirklich, und sie wurden Opfer eine grausigen Tat.

|Hexen brennen|

Dass Sophie Patin hier ist, hat natürlich auch etwas mit den schicksalhaften Vorgängen jener Zeit zu tun. Es war ihre Vorfahrin, die damals als Hexe hingerichtet wurde. Nun endlich sieht sie sich in der Lage, das Verlies zu suchen, in dem jene beiden Grafentöchter zu Tode kamen. Doch durch wen? War ihre Ahnin doch nicht unschuldig? Diese Backstory ist ziemlich verwickelt. Ich habe sie beim ersten Hören nicht verstanden. Beim zweiten Hören setzen sich die Puzzleteile aber zusammen. Sophie ist hier, um einen Fluch, der auf ihrer Familie lastet, aufzuheben.

|Ganoven|

Larry Landon und Eric ist diese unheimlich Vergangenheit natürlich völlig schnuppe. Sie sorgen sich vielmehr um ihre unmittelbare Zukunft, die sehr viel mit Kunsthehlerei und anderem zu tun hat. Dass sich die beiden nicht vertragen, verwundert nicht besonders, denn in Sachen krimineller Energie kann Larry seinem „Partner“ nicht das Wasser reichen.

|Groteske|

Der Superfotograf Bruce Barrymore (wunderbar überdreht und naiv: Andreas Fröhlich) hingegen ist ganz den irdischen Freuden zugetan. Er schläft wie ein Stein, und als man ihn weckt, erwartet er, dass die Show beginnt! In der Tat: Die Show beginnt damit, dass ihm Eric einen Revolver unter die Nase hält und ihn nach Claires Verbleib fragt.

Aber auf einen Besuch im Wachsfigurenkabinett „Monsters‘ Hall of Fame“ muss er trotzdem nicht verzichten. Schade, dass dort eine Leiche die gestellten Szenen um Dracula und Frankenstein verunziert. Und auf deren achtlos herumliegendem Herzen rutscht natürlich prompt jemand aus, als wäre es eine Bananenschale. Bruce sorgt für Slapstick und Comedy makaberster Tonart.

_Die Inszenierung_

Die zentralen Sprecher hängen sich bei der Darbietung der Handlungen ihrer jeweiligen Figuren voll rein. Das gilt zumindest für Claire und Bruce, gesprochen von Andreas Fröhlich und Nana Spier. Franziska Pigulla als Sophie hält sich ziemlich zurück – schließlich hat Sophie quasi einen Geheimauftrag und will nicht gleich alles verraten. Die Schurken im Schloss sind jedoch allesamt entbehrlich – und führen sich dementsprechend albern und grotesk auf.

|Sounds|

Die Geräusche sind stilecht: Schreie, Stöhnen, Wimmern, Türenschlagen. Fehlen eigentlich nur das Schlagen einer Großvateruhr und das Klirren von Ketten. Doch die Standuhr ist mittlerweile durch das Piepsen einer Digitaluhr ersetzt worden, und das Kettenklirren wurde komplett abgeschafft. Immerhin darf noch der obligate Donner grollen.

|Die Musik|

Die Musik unterstützt dieses Geschehen derart subtil, dass ich sie fast nicht bemerkt habe. Und das ist das Beste, das man über Hintergrundmusik sagen kann. Denn dann ist sie so in den Klangteppich eines Hörspiels verwoben, dass man sie nicht bewusst wahrnimmt, aber ihrer Wirkung dennoch unterworfen ist. Ihre Aufgabe ist es, die Emotionen des Hörers zu steuern: Spannung und Entspannung, Ruhe oder Action usw. Diesmal stammt sie von zwei Komponisten: Christian Hagitte und Simon Bertling.

_Unterm Strich_

„Im Verlies der blutigen Träume“ – ein reißerischer Titel, der nur zur Hälfte zutrifft – lässt einen Jahrhunderte alten Fluch auf die Moderne treffen. Dass dies in einem so genannten „Horror-Hotel“ stattfindet, gibt Gelegenheit zu zahlreichen makaber-ironischen Effekten in der Mitte der Handlung. Dass es um die Aufhebung dieses Fluches geht, erschließt sich erst aus der verwickelt enthüllten Hintergrundstory, die uns Sophie präsentiert. Das muss man sich wahrscheinlich mehrmals anhören, um es richtig zu kapieren.

|Zwei Schwestern|

An mehreren Stellen habe ich mich über das allzu vertraute Zusammenspiel der Figuren Claire und Sophie gewundert. Und in der Pointe wird auch klar, was die beiden zueinander treibt. Sie wollen mehr als flüchtige Bekannte sein. Viel mehr … Sie stellen eine erlöste Variante der ermordeten Grafentöchter dar, in einem späten Echo. Auch in dieser Hinsicht handelt es sich also um eine Erzählung aus der emanzipierten Gegenwart. Sisters are doing it for themselves.

|49:16 Minuten auf 1 CD
Mehr Infos unter: http://www.gespensterkrimi-hoerspiele.de |

Aughton, Peter – Dem Wind ausgeliefert. James Cook und die abenteuerliche Suche nach Australien

Die Weltumsegelung des Captain James Cook von 1768 bis 1771 war ein Mega-Event des 18. Jahrhunderts: Die Suche nach dem sagenhaften Südkontinent (den „Antipoden“) führt zur Entdeckung Australiens, zu seiner Inbesitznahme durch die Briten und seiner Kolonisierung nur 50 Jahre später. Außerdem wurde die spätere britische Kolonie Neuseeland umsegelt und genau kartiert. Bei einem Besuch auf Tahiti entstand der Mythos vom Südseeparadies. Cook verlor auf der Reise mehr als 30 Mann Besatzung.

Peter Aughtons lebendige Schilderung dieser legendären Schiffsreise durch bis dato unbekannte Gewässer wartet mit zahlreichen (geheimen wie offiziellen) Tagebucheinträgen Cooks, seiner Wissenschaftler und Crewmitglieder auf. Jedes Kapitel zeigt auf einer Landkarte genau die Reiseroute. Der Autor nimmt den Leser quasi mit auf die Reise, zu einer Neuentdeckung der Weltkugel.

_Inhalte_

James Cooks Schiff, die „Endeavour“, war Teil der Navy und somit ein Kriegsschiff. Sie hatte sechs Kanonen an Bord, die aber nur zur Verteidigung taugten und eingesetzt wurden. Cook hatte zwei Aufträge erteilt bekommen: Der eine war offiziell, der andere streng geheim.

Offiziell sollte sein Schiff den Durchgang des Planeten Venus in den tropischen Breitengraden der „Südsee“ beobachten. Das würde die Bestimmung des Längengrades auf den Schiffen Seiner Majestät verbessern. Diese höchst wissenschaftliche Mission sollte verdecken, dass Cook nach dem sagenhaften und bislang fast völlig unentdeckten „Südkontinent“, der Terra australis incognita, suchen und ihn möglichst für die Krone in Besitz nehmen sollte.

Man stellte sich vor, dieses „Australia“ sei mindestens so groß wie Asien, um ein Gegengewicht zu schaffen. Cook war skeptisch. Mit Recht, wie sich zeigte: Der Pazifik ist unglaublich leer und groß. Vom stürmischen Kap Hoorn bis zum einladenden Tahiti segelte Cook über eine Wasserwüste, wo eigentlich Australia liegen sollte. Nur ein gewisser Tasman hatte mal Land westlich von Kap Hoorn angetroffen, welches er „Neu-Seeland“ nannte. (Nach ihm ist noch heute die Insel Tasmanien benannt.)

|James, in geheimer Mission|

Warum ein Geheimauftrag? Weil alle angrenzenden Kolonialmächte eifersüchtig darauf bedacht waren, dass keine weitere Kolonialmacht in ihre Einflusssphäre eindrang. Ein Fuchs im Hühnerhof wäre ebenso willkommen. Den Holländern gehörte Niederländisch-Ostindien, also Indonesien. Den Spaniern gehörten Chile und die Philippinen. Auch Franzosen wie Captain Bougainville (nach dem die schönen Blumen benannt sind) trieben sich in der Gegend herum; sie wollten ebenfalls einen Claim abstecken.

Auf Tahiti erholte man sich erst einmal und versuchte sich so gut es ging, der Diebstahlversuche der Einheimischen zu erwehren. Gar nicht so leicht. Noch schwieriger war es, den Avancen der großzügigen Damenwelt standzuhalten. Nur Cook himself, der verheiratete Topmanager dieser Mission, blieb abstinent. Als es an die Abreise ging, fehlten natürlich Crewmitglieder. Sie wollten im Paradies bleiben. Cook zwang sie per Geiselnahme zur Mitreise.

|Sterngucker und Botaniker|

An Bord befanden sich zahlreiche Instrumente, die den neuesten Stand der Technik darstellten, um die Sterne zu beobachten und den Längengrad zu bestimmen. Das war gar nicht einfach, sondern mit komplizierter Mathematik verbunden. Der Anhang erklärt die astronomischen Zusammenhänge.

Ein Adliger namens Joseph Banks widmete sich intensiv dem Studium der Fauna und Flora der besuchten Weltgegenden. Zum Glück überlebte er die Reise und konnte so genau berichten, was er gefunden hatte. Seine Gehilfen und Diener, ja selbst die zwei Zeichner an Bord hatten nicht so viel Glück.

Auf Tahiti fand Banks übrigens jene Brotfruchtbäume, die später die unselige „Bounty“ in die Karibik bringen sollte, damit die Engländer dort Plantagen anlegen konnten, um ihre Sklaven zu ernähren. Auch die Crew der „Bounty“ war von Tahiti absolut betört, wie man weiß.

|Schiffbruch|

Nach der genauen Kartierung der zwei Hälften Neu-Seelands – man überstand mehrere Maori-Angriffe mit heiler Haut – suchte Cook weiter westlich nach der Terra australis incognita. In der Botany Bay, der Bucht der Botaniker (Banks!), ankerte man für ein paar Wochen, um Sturmschäden auszubessern. Dies war unweit jenes Naturhafens, an dem heute Sydney liegt.

Statt die Westküste abzuklappern, entschied sich Cook für die Fahrt nach Norden Richtung Niederländisch-Ostindien, zurück in die Zivilisation. Mitten in der Nacht lief die |Endeavour| auf ein Riff und erlitt einen massiven Wassereinbruch. Nur ein genialer Einfall rettete das Schiff: Man verpasste dem aufgerissenen Rumpf ein „Lecksegel“, so dass man das Schiff mit Pumpen über Wasser halten konnte. Diese langen, anstrengenden Stunden des Pumpens, an dem sich auch der Adlige beteiligte, sind einer der Höhepunkte in der Reiseschilderung.

|Heimreise|

Nach mehrwöchiger Reparatur fuhr das Schiff nach Neu-Guinea und Java. Im holländischen Hafen Batavia starben enorm viele Crewmitgliedr, darunter die zwei Tahitianer, die Mr. Banks zuhause vorzeigen wollte. An den Folgen der Malaria und der Ruhr, die man sich in der Fieberhölle dieser unhygienischen Stadt einhandelte, starben nahezu dreißig Mann. Die letzten starben noch auf der Weiterfahrt vom Kap der Guten Hoffnung: der wohl traurigste Abschnitt der gesamten Reise. Nur wenige Wochen später lief die |Endeavour| in heimische Gewässer ein. Sie war keine schnittige Fregatte der Navy, sondern eigentlich ein Kohlentransporter. Aber sie hatte alle Stürme überstanden, die permanenten Attacken des Schiffsbohrwurms und sogar den Beinahe-Untergang.

_Mein Eindruck_

Dies ist keineswegs die „erste ausführliche Beschreibung der ersten Reise Cooks“, wie die FAZ behauptete und die Bibliografie widerlegt. 1773 und 1974 erschienen entsprechende Berichte. Doch dies dürfte die erste Monografie neueren Datums über diese Reise sein – und eine der farbigsten und lebhaftesten obendrein.

Wenn die Besatzung der „Endeavour“ mit ihrem Schiff an den Riffen vor der australischen Küste ums nackte Überleben ringt, so ist man fast hautnah dabei und kann die Furcht vor dem Abgrund des Todes, den die Brandung verkündet, förmlich riechen. Das ist wirklich klasse beschrieben. Nur um Haaresbreite entkam das Schiff dem sicheren Untergang.

Ich habe dieses wunderbare Buch in wenigen Tagen gelesen. Und das Einzige, was mich daran störte, waren die durch kein Glossar erklärten Fachbegriffe der Nautik und Besegelung. Welche Landratte weiß schon, was Wanten, Bramsegel, Klüversegel oder gar Pardunen sind? Dadurch wird das Buch in die Nähe der nautischen Fachliteratur gerückt. Man muss sich notfalls die Mühe machen, in einem guten Lexikon oder Wörterbuch nachzuschlagen.

_Unterm Strich_

„Dem Wind ausgeliefert“ ist ein Reisebericht, der auf unterhaltsame Weise zurückführt zu einer der Sternstunden der Entdeckungsgeschichte: lebendiger Geschichtsunterricht, der zudem nie die menschlichen Aspekte des gewagten Unternehmens außer Acht lässt. Man könnte immer weiter lesen.

deLorca, Frank / Streberg, Gerry – Dämonenhaus, Das (Gespenster-Krimi 04)

Das Hood-Anwesen unweit des schottischen Glasgow verströmt eine morbide Faszination. Die Verlobten Peter und Janet wollen hier einziehen, doch die Vorzeichen für einen Daueraufenthalt stehen schlecht. Vor hundert Jahren soll der Erbauer des ausgedehnten Gebäudes, das an einem düsteren Moor steht, sich in einen Werwolf verwandelt und von den Dorfbewohnern geköpft worden sein. Kein Wunder, dass der Dorfwirt dem Vorhaben der Städter äußerst ablehnend gegenübersteht. Er wirft sie kurzerhand hinaus. Sie hätten auf ihn hören sollen …

|Die Sprecher & die Inszenierung|

Philip Schepmann spricht: Peter Newton
Katrin Fröhlich: Janet Culver
Dascha Lehmann: Lynne
Boris Tessmann: Ron
Und 14 weitere Sprecher.

Die Gespensterkrimi-Hörbücher produzierten Alex Stelkens von |WortArt| und Marc Siper von |Lübbe Audio| sowie Pe Simon. Regie führt stets Oliver Döhring, der auch für die John-Sinclair-Hörspiele verantwortlich zeichnet.

_Handlung_

Peter Newton und Janet Culver sind frisch verlobt und wollen aus dem verrußten Glasgow hinaus aufs Land ziehen. Peter hat auch schon eine Überraschung parat: das Hood-Anwesen, das außerhalb eines Dörfchens am Rande eines Moors liegt. Die beiden reagieren ziemlich pikiert, als sie deswegen aus dem Dorfwirtshaus geworfen werden. Offenbar ist man im Dorf nicht gut auf dieses Haus zu sprechen.

Als Janet das Gebäude sieht, meint sie, es sehe aus wie „Frankensteins Ferienhaus“. Wie wahr! Sie stapfen erst einmal durchs Moor, bevor sie eintreten können. Bei der ersten Erkundung finden sie im stromlosen Keller eine Tür, die hinter einem Regal verborgen ist, und in einer Kiste, die Peter zertrümmert, einen menschlichen Schädel – mit Reißzähnen …

Nach einer unruhigen Nacht voller Geräusche und einer Vogelattacke (Achtung: ein Rabe!) erwacht Peter gerade noch rechtzeitig, um die schlafwandelnde Janet vor einem Sturz ins Moor zu bewahren. Sie kann sich nicht erinnern, wie sie auf die Veranda kam. Auf einem Gemälde, das das Haus zeigt, ist die Figur einer Frau im ersten Stock auszumachen. War sie gestern schon da?

Der alte Säufer Henry Rollins erzählt Peter ein wenig über die Vergangenheit des Hauses. Es wurde 1895 von Tom Hood erbaut, der nur zwei Jahre selbst darin lebte. Er stopfte dort selbst erlegte Jagdtiere aus und gehörte angeblich der Sekte „Die Söhne des Wolfes“ an. Als zwei Frauen aus dem Dorf verschwanden und man ihre abgenagten Knochen in den Bergen fand, töteten die Dörfler Tom Hood mit einem geweihten Schwert, denn sie hielten ihn für einen Werwolf. Und im Augenblick seiner Enthauptung soll er sich in der Verwandlung befunden haben. Peter verschweigt diesen Unsinn seiner Verlobten.

Der Ärger beginnt erst so richtig, als das befreundete Ehepaar Ron und Lynn aus Glasgow auftaucht. Ron ist ein unternehmungslustiger Bursche und erkundet den stromlosen Keller von vorne bis hinten. Ganz hinten findet er eine mit zwei Riegeln verbarrikadierte Tür, die er mit brachialer Gewalt öffnet. Die Überraschung ist beträchtlich: Hier stopfte Tom Hood vor hundert Jahren seine Tiere aus. Was aber wichtiger ist: In einem Sarg liegt ein kopfloses Skelett. „Wetten, dass der Schädel genau auf dieses Gerippe passt?“ Und ob der passt! Und er beißt mit seinen Reißzähnen auch gleich zu. Ron muss zum Arzt.

Die hereinbrechende Gewitternacht sollen die vier Freunde nicht vergessen. Das heißt: diejenigen, die überleben.

_Mein Eindruck_

Werwolfmonster haben mich schon immer fasziniert. Das liegt wahrscheinlich an ihrer Fähigkeit, sich zu verwandeln. Das zivilisierte Lamm zeigt quasi seine wahre, seine tierische Natur: das Raubtier. Es ist bezeichnend, dass es – bis vor wenigen Jahren – kaum Erzählungen über weibliche Werwölfe gab: Der Mensch-Wolf ist seit seinen antiken Anfängen, als er noch Lykanthropus hieß, immer männlichen Geschlechts gewesen. Dass die Bestie auch heute, vielleicht mehr denn je zuvor, eine morbide Faszination ausübt, belegen Erfolge von Filmen wie „Der Pakt der Wölfe“. Die beste Parodie ist und bleibt aber immer noch „American Werewolf“.

Die düsteren Moore der schottischen Lowlands eignen sich natürlich hervorragend als Schauplatz einer unheimlichen Werwolfgeschichte. Der lange Arm der Vergangenheit streckt sich nach den ahnungslosen Städtern aus, die sich hier niederlassen wollen. Die Frau hat natürlich gleich ein ganz schlechtes Gefühl dabei – Recht hat sie. Wär sie nur in der Stadt geblieben. Doch die Story hält noch viele weitere Überraschungen bereit. Bis zur letzten Sekunde.

_Die Inszenierung_

Philip Schepmann und Karin Fröhlich spielen die beiden Verlobten, während Dascha Lehmann und Boris Tessmann ihre Freunde darstellen. Nun darf man sich das Quartett aber nicht so vorstellen, als ob es brav im Studio säße und in ins jeweilige Mikro spräche. Das, was der Zuhörer vernehmen kann, ist viel mehr als vier Sprecher. Es ist auch ein Gefühl für Bewegung, Situation und vor allem Raum. Jeder der Räume in Hood Manor hat seinen eigenen Hall, ganz besonders natürlich der unheimliche Keller. Das Wirtshaus hingegen ist im Vergleich dazu richtig heimelig, mit Gläserklirren und vielen Hintergrundstimmen.

Auch die modernen Geräte wie Autos, Digitaluhren und Handys gehören zur Umgebung der Sprecher. Auch ihre „Stimmen“ hören wir ganz genau. Sie dienen dazu, das Geschehen in der Gegenwart zu verorten und so glaubwürdiger zu machen. Wenn via Telefonleitung gesprochen wird, dann also stets verzerrt, denn das ist das, was wir täglich wahrnehmen, aber leider nur noch unterbewusst.

Richtig gefordert ist der Tonmeister, pardon: Soundmixer – an jenen Stellen, an denen das Untier an sich akustisch in Szene zu setzen ist. So ein Werwolf könnte theoretisch auch „Miau!“ sagen, aber das wäre wohl seiner Wirkung und Erscheinungsweise nicht besonders angemessen. Nein, die Natur seines Erscheinens ist die des plötzlichen Angriffs, wobei Schreie, Durcheinander, Brüllen und Krachen eine chaotische Verbindung eingehen, die in ihrer Wucht die Wirkung auf den Hörer nie verfehlt. Ganz wunderbar ist die atemlose Stille vor dem Angriff, in der man die entsetzte Anspannung der Figuren fast körperlich spüren kann. Im Vergleich dazu wirkt das Knurren eines sich anpirschenden Werwolfs schon fast wieder gemütlich.

Die Musik unterstützt dieses Geschehen derart subtil, dass ich sie fast nicht bemerkt habe. Und das ist das Beste, das man über Hintergrundmusik sagen kann. Denn dann ist sie so in den Klangteppich eines Hörspiels verwoben, dass man sie nicht bewusst wahrnimmt, aber ihrer Wirkung dennoch unterworfen ist. Ihre Aufgabe ist es, die Emotionen des Hörers zu steuern: Spannung und Entspannung, Ruhe oder Action usw. Diesmal stammt sie von nicht weniger als drei Komponisten: Christian Hagitte, Simon Bertling und Florian Göbels. Prima Arbeit, meine Herrn!

_Unterm Strich_

Innerhalb der Reihe der bislang vier „Gespenster-Krimi“-Hörspiele hat mir persönlich diese CD am besten gefallen, aber das ist natürlich Geschmackssache. Ich habe eben etwas für Werwölfe übrig. Aber daran liegt es nicht allein. Auch der geschickte Aufbau der Story in mehreren Schichten ist für den positiven Eindruck verantwortlich. Dadurch bleibt es nicht bei der einfachen und etwas abgedroschenen „Wir-gegen-das-Monster“-Variation, sondern eine weitere Wendung sorgt für eine böse Überraschung in der letzten Sekunde. No-one here gets out alive.

|55:36 Minuten auf 1 CD
Mehr Infos unter: http://www.gespensterkrimi-hoerspiele.de |

Ardagh, Philip – Schlimmes Ende

Charles Dickens‘ „Oliver Twist“ trifft Monty Python – eine potenziell witzige Mischung, die aber ein Feeling für äußerst skurrilen Humor erfordert. Ein schön gestaltetes Kinderbuch, auf dem jedoch nirgendwo steht, ab welchem Kindesalter es geeignete Lektüre darstellt – für Eltern ein deutliches Manko.

_Der Autor_

Philip Ardagh ist über zwei Meter groß und trägt einen buschigen Bart – wie sein Foto belegt. Außerdem hat er mehr als 60 Kinderbücher geschrieben für Kinder jedes Alters. „Allerdings keines, das nur annähernd so wäre wie ‚Schlimmes Ende'“, verrät der Verlag. Ardagh lebt mit seiner Frau und zwei Katzen in einem Küstenort in England. Er arbeitete als Werbetexter, als Krankenhausputzkraft, als Bibliothekar und als Vorleser für Blinde, bevor er aus dem Schreiben einen Fulltime-Job machte.

Ardaghs Übersetzer ist Harry Rowohlt, den wohl jeder zur Genüge kennt. (Und der 5 Euro Strafe auf die Frage verlangt, ob er etwa mit dem Verleger Rowohlt verwandt sei!)

Die Eddie-Dickens-Trilogie:

– Schlimmes Ende
– [Furcht erregende Darbietungen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=367
– [Schlechte Nachrichten]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=528

_Handlung_

England, im viktorianischen Zeitalter: Die Eltern des kleinen Eddie Dickens leiden an einer seltenen Krankheit. Ganz gelb sind sie, dazu merkwürdig wellig an den Rändern. Außerdem stinken sie nach alten Wärmflaschen. Offenbar hat ihnen Doktor Keks eine neuartige Kur verschrieben, von der noch nie jemand etwas gehört hat. Von Doktor Keks übrigens auch nicht, wie sich später zeigt.

Damit Klein-Eddie sich nicht ansteckt, wird er zu Verwandten aufs Land geschickt. Sie holen ihn in ihrer eigenen Kutsche ab. Leider handelt es sich bei ihnen um seinen Wahnsinnigen Onkel Jack und dessen Frau, die Wahnsinnige Tante Maud. Während Onkel Jack die Diener und Polizisten, denen sie begegnen, stets in einer fremden Währung, nämlich Trockenfisch, zu bezahlen pflegt, ist mit Tante Maud mit größter Vorsicht umzugehen: Sie trägt ein ausgestopftes Wiesel namens Malcolm bei sich, das sie gerne und häufig als Schlagwerkzeug einzusetzen beliebt.

Nach einer aufschlussreichen Episode mit merkwürdigen Schauspielern des Theaterdirektors Pumblesnook und in einem äußerst ungastlichen Gasthaus geht es weiter zu dem Haus der Verwandten, welches den unheilverkündenden Namen „Schlimmes Ende“ trägt. Doch Klein-Eddie gelangt gar nicht dorthin, denn Schauspieldirektor Pumblesnook hat ihn dazu verleitet, einen Waisenknaben zu spielen. Und genau so einen Knaben sucht der Dorfpolizist, der die Kutsche anhält.

Schon wenig später sieht sich Eddie in einer schrecklich kalten und kahlen Zelle des Waisenhauses „Sankt-Fürchterlich-Heim für dankbare Waisen“ eingekerkert. Und der Name des Direktors lautet Grausam-Unsäglich …

Wird Eddie jemals das Licht des Tages und seine armen, leidenden Eltern wiedersehen? Oder wird diese Geschichte ein „schlimmes Ende“ nehmen?

_Mein Eindruck_

„Schlimmes Ende“ ist der erste Teil einer Trilogie. Die bereits übersetzte Fortsetzung trägt den deutschen Titel „Furchterregende Darbietungen“ (Dreadful Acts). Im Mittelpunkt der Story steht Eddie, ein etwa zehnjähriger Junge ohne Arg, aber mit Verstand, dem die diversen Erwachsenen mit reichlich bizarren Spielen zusetzen. (Auch in Band 2 landet er wieder hinter Gittern.)

Das Prinzip der skurrilen Geschichte ist deutlich: Ardagh übertreibt die bereits bei Charles Dickens angelegten merkwürdigen Eigenheiten der Erwachsenen und erzeugt zusätzliche humoristische Effekte, indem er à la Monty Python alles ein wenig zu ernst und zu wörtlich nimmt – und das ist in der englischen Sprache eine ganze Menge!

David Roberts Illustrationen unterstreichen die Skurrilität der Figuren nur noch: Allen Gesichtern entragen spitze lange Nasen, und sofern jemand Haare oder Hüte trägt, so stehen sie weit vom Kopf ab, als seien sie allesamt elektrisiert worden.

|Caveat emptor!|*

Obwohl am Schluss stets eine Art von Happy-End steht, das von Eddie herbeigeführt wird, so sind doch eine ganze Reihe recht furchterregender Abenteuer zu bestehen, die man einem zu jungen Leser keinesfalls zumuten sollte. So landet Eddie, wie erwähnt, in einem finsteren Loch von einem Zimmer im Waisenhaus, sieht sich auf der Landstraße einem Revolverlauf gegenüber, und am Schluss brennt sein Elternhaus ab. Von den Attacken der Wahnsinnigen Tante Maud ganz zu schweigen.

|Altersempfehlung|

Daher würde ich dieses und die weiteren Bücher der Trilogie keinem Kind in die Hand drücken, das jünger ist als zehn oder zwölf Jahre. Auch Rowohlts Verwendung seltener Wörter wie etwa „kabolzen“, „grummeln“ usw. erfordert ein gewisses sprachliches Niveau. Der Autor erklärt zwar Fremdwörter, aber der Übersetzer tut’s nicht.

_Unterm Strich_

Die kindlich unschuldige Auffassung von Merkwürdigkeiten und Übertreibungen fördert das Anliegen des Autors, einen lustigen Band von Eddies Abenteuern unter seltsamen Leuten vorzulegen. Doch Besorgnis erwecken könnte die Tatsache, dass das geschilderte viktorianische Zeitalter vor Brutalitäten wie etwa Straßenraub, Einkerkerung, Verprügeln, Rosskuren oder Hausbrand keineswegs zurückschreckt. All diesem sieht sich der kleine Eddie ausgesetzt, doch scheint es ihm keinen allzu großen Schaden zuzufügen (was nicht unbedingt auch für den Leser gelten muss!).

Für einen Erwachsenen ist die Geschichte durchaus interessant erzählt: Der Autor hüpft zwischen den Schauplätzen hin und her, spricht den Leser an, gestaltet den Text sinnfällig – eine ganze Menge witziger Einfälle sind hier untergebracht. Die Illustrationen, die sich auf fast jeder zweiten Seite finden, tragen wesentlich zum Lesevergnügen bei.

Wer Dickens kennt (insbesondere „Oliver Twist“ im Original), wird den skurrilen Humor von Philip Ardagh lieben. Wer Spuren von Monty Python in dieser Trilogie sucht, muss sich sehr bemühen, aber Ähnlichkeiten sind nicht völlig von der Hand zu weisen. Jedenfalls ist diese Art von Humor very British indeed!

|Originaltitel: Awful End, 2000
Aus dem Englischen übersetzt von Harry Rowohlt, illustriert von David Roberts|
*: zu deutsch: „Der Käufer sei gewarnt!“

Lucas, George – Star Wars Episode I: Die dunkle Bedrohung

Wer von der „Rache der Sith“ Appetit auf mehr Sternenkriege bekommen hat, der greife zu diesem intergalaktischen Hörspiel, das direkt auf den Stimmen und Musikmotiven der Filme basiert. Hier kann man noch einmal das halsbrecherische Pod-Rennen auf Tattooine, die gigantische Schlacht auf und über dem Planeten Naboo sowie den dramatischen Laserschwert-Kampf gegen den bösen Darth Maul nacherleben. Das 12-seitige Booklet ist ein besonderer Bonus, den man zum Preis einer Kinokarte erhält.

_Das Hörspiel_

Der technische Standard der Hörspiels ist vom Feinsten – wie es sich für eine Lucas-Produktion gehört. Der Ton erklingt in Stereo, und wer seine HiFi-Anlage ordentlich aufdreht und den Subwoofer zuschaltet, wird ein Klangerlebnis ernten, das dem der DVD-Version (in DD 5.1) kaum nachsteht. Leider kommt der Soundstandard der CD momentan nicht über DD 2.0 hinaus. Die vom London Symphony Orchestra gespielte Musik stammt selbstredend von John Williams.

Regisseur des Hörspiels ist Oliver Döring, der Macher der erfolgreichen neuen „John Sinclair“-Hörspiele, die mit ihrem Sound zu beeindrucken wissen. Die Story ist auf das Nötigste, den roten Faden, zusammengekürzt. Doch Hörer, die das [Buch]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3442363136/powermetalde-21 nicht kennen, werden über so manchen Namen stolpern, der in den Filmen entweder nicht erklingt oder überhört wird.

_Das Booklet_

Ein ganz besonderes Schmankerl stellt das zwölfseitige Booklet dar. In Vierfarbdruck sind hier etliche Szenenfotos zu sehen. Davon sind einige laut Verlagsangabe sehr selten. Sehr lustig ist zum Beispiel die ursprüngliche Form von C3PO, Anakins Protokolldroide: Er sieht aus wie eine Ansammlung von Röhren und Kabeln, die so schwarz sind, dass er aus der Hölle zu kommen scheint.

Viel beeindruckender finde ich daher das doppelseitige Ausklappbild. Es zeigt ein riesiges Gebäude, das wie ein Mittelding aus Pilz, Fußballstadion und UFO aussieht, von unzähligen schlanken Statuen umstanden ist und sich offensichtlich in Coruscant befindet – die Umgebung ist gespickt mit Wolkenkratzern. In Ermangelung einer Bildunterschrift tippe ich mal, dass dies das Gebäude ist, in dem der Hohe Rat der Republik wie auch der Jedi-Ritter tagt.

Star-Wars-Fans werden sogleich auch die Poster Art wiedererkennen. Sie ist auch auf der Innenseite und Rückseite der Jewelbox zu finden. Das Motiv auf der Vorderseite des CD-Booklets selbst zeigt das bekannte Filmplakat und die Rückseite eine Wasserwelt mit einem Raumschiff im Anflug. Die CD ist mit dem Abbild eines Wasserplaneten bedruckt – Naboo? Nimmt man die CD heraus, fällt der Blick auf drei Ansichten des Sith-Attentäters Darth Maul … Diese Grafik-Elemente dürften auch den letzten Zweifler überzeugen, dass es sich um ein echtes, hundert Prozent originales |Lucasfilm|-Produkt, lizenziert von |WortArt|, handelt.

_Der Sprecher_

Joachim Kerzel, 1941 in Hindenburg/Oberschlesien geboren, erhielt seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Als gefragter Synchronsprecher leiht er Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Dennis Hopper und vielen anderen Stars seine sonore Stimme. Ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist mir seine Beteiligung an der Hörbuchfassung von Stephens Kings „Das Mädchen“, die er zusammen mit Franziska Pigulla bestritt. Seine charismatische Stimme macht aus jedem Gegenstand etwas Grandioses. Daher ist er häufig auch in der Werbung zu hören, so etwa zu den Medienprodukten um Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung.

_Handlung_

Die Zeiten sind schlecht, und eine Krise zieht herauf. Die Handelsföderation hat den Planeten Naboo blockiert, um ihre Forderungen durchzusetzen. Sie will ihren Vizekönig in der Regierung haben, doch die junge Königin Padme Amidala wehrt sich standhaft gegen die Repressalien. Hinter der Handelsföderation und ihrem rückgratlosen Vizekönig steht ein Sith-Lord: Darth Sidious. Eigentlich sollten die Sith schon seit tausend Jahren verschwunden sein, doch da täuschen sich die Jedi-Ritter wohl.

Ohne etwas von diesen Hintergründen zu ahnen, schickt der republikanische Erzkanzler Valorum, unterstützt von Naboos Senator Palpatine, zwei Jedi-Ritter aus: Qui-Gon Jin und seinen Schüler, den Padawan Obi-Wan Kenobi. Doch Darth Sidious befiehlt ihren Tod, und so sehen sie sich alsbald rollenden Kampfdroiden, Droidikas, gegenüber, die sie unter Beschuss nehmen. Unsere beiden Jedi flüchten durchs Lüftungssystem, entdecken die Invasionsflotte der Föderation und entkommen in den Wald.

Hier rennen sie einen vorwitzigen Gungan nieder, der zweiten Rasse, die auf Naboo heimisch ist. Es ist der allseits bestgehasste Jar Jar Binks. Er führt sie nach Gungan City, die am Grunde eines Sees liegt. Hier herrscht Boss Nass. Er kann mit Jedi nichts anfangen und will sich nicht in Amidalas Angelegenheiten einmischen. Jar Jar darf die Jedi durch den gefährlichen Kern des Planeten führen.

Sie befreien die inzwischen gefangene Königin Amidala und entkommen der Blockade in ihrem schnellen Raumkreuzer, mit Kurs auf die Zentralwelt Coruscant. Leider kriegt das Schiff dabei einen schweren Schaden ab, der es zwecks Reparatur zur Zwischenlandung auf dem Wüstenplaneten Tattooine zwingt. Doch hier herrschen die Hutten (beispielsweise Jabba the Hutt) und Gesetze der Republik gelten hier nicht. Deshalb stoßen sie auf zwei Sklaven: Shmee Skywalker und ihren kleinen Sohn Anakin. Der Knirps fragt Padme: „Bist du ein Engel?“

Weil Qui-Gon Jin auf dieser Welt sowohl ein Zahlungs- als auch ein Durchsetzungsproblem hat – die Macht funktioniert nicht beim Schrotthändler Wattoo – muss eine andere Lösung gefunden werden, um von hier wegzukommen. Glücklicherweise stellt sich Anakin als Pilot heraus, der am nächsten Tag beim wichtigsten Podrennen der Saison mitfliegen will. Qui-Gon Jin macht mehrere Deals mit Wattoo: Die Wetteinsätze und die Freiheit des Jungen sowie ein neues Triebwerk, wenn Anakin gewinnt. Wenn er verliert, sieht es für alle ganz schlecht aus. Anakin will ihnen im Fall seines Sieges seinen Gewinn geben.

Shmee behauptet, Anakin habe keine Vater, was die Jedi recht verwundert (uns auch), doch Qui-Gon ist noch mehr verwundert, als sich Anakin in Tests als Jedi mit der potentiell größten Kraft herausstellt. Er hat schon einen eigenen Protokolldroiden namens C3PO gebaut (Foto im Booklet!). Unterdessen hat sich der rot und schwarz angemalte und gehörnte Sith-Attentäter Darth Maul in Coruscant bei seinem Meister Darh Sidious Instruktionen geholt. Er soll die Jedi und Amidala auf Tattooine angreifen und töten.

Dann ist der große Tag des Podrennens da! Anakin tritt mit seinem Pod gegen den fiesen Lokalmatador Zebulba und eine Reihe anderer Rennfahrer an. Jabba der Hutte eröffnet feierlich das Rennen in der Arena von Moss Essba. Der Startschuss! Die Pods der Rennfahrer düsen los, allen voran Zebulba.

Doch was ist das?! Anakins Triebwerke sind ausgefallen, und sein Pod sitzt da wie eine lahme Ente! Ob das wohl gut geht – oder werden die Jedi und Königin Amidala ihr Dasein künftig als Sklaven von Wattoo fristen müssen?

_Mein Eindruck_

Die allererste Episode im sechsteiligen Star-Wars-Zyklus hat mehrere Aufgaben. So führt sie erstmals Anakin Skywalker mit Padme Amidala, der künftigen Mutter der Zwillinge Luke und Leia, zusammen. Anakin wird bereits als hervorragender Pilot und größtes Jedi-Talent aller Zeiten vorgestellt. Schon jetzt werden die ersten Fehler bezüglich Anakins Ausbildung gemacht: Qui-Gon setzt sich gegen die Bedenken von Yoda und Mace Windu durch und bildet ihn zum Jedi aus. Obi-Wan Kenobi wird diesen Job in Episode II leider nicht besser machen.

Woher die Jedi überhaupt kommen, erfahren wir in den Filmen – meines Wissens zumindest – leider nicht. Doch wenigstens wissen wir mittlerweile aus Episode III bis VI, was aus ihnen wird. Doch steht zumindest fest, dass sie im Gegensatz zu ihren Gegnern nicht an den Einsatz von Killermaschinen glauben, denn Waffen sind nur Werkzeuge, doch der Geist ist die wichtigste Waffe. Mit dem Einsatz der „Macht“ beeinflussen sie den Geist von Polizisten, Händlern, Soldaten. Dass es auch Wesen gibt, die für die Wirkung der „Macht“ unempfänglich sind, ist eine der vielen Überraschungen, die die Jedi erleben. Das ist der einzige Grund, warum Qui-Gon Jin auf das Geld aus dem Podrennen angewiesen ist. Sonst wäre er gleich wieder abgedüst.

Die Schlacht um Naboo veranschaulicht sehr deutlich, welche Mächte aufeinandertreffen: Die „guten“ Jedi ringen gegen die bösen „Sith“, die sich noch verborgen halten, um das Schicksal einer Welt. Streckenweise hat Episode I noch den Charakter eines planetaren Abenteuers, wie es in der Science-Fiction ja sehr beliebt gewesen ist. Man denke nur an Jack Vance, der ganze Trilogien damit füllte. Zu diesen Abenteuern gehört auch die Begegnung mit tierischen Räubern und Ungeheuern (ein schönes Farbfoto im Booklet).

Jar Jar Binks ist immer noch ziemlich schwer zu verstehen, denn er fügt an viele Wörter die Silbe „-se“ an: „michse“ und dergleichen ist das Ergebnis. Wenigstens ist sein schräger Humor in den Hörbüchern – er tritt auch in Episode II auf – besser zu ertragen als im Film.

|Sound und Sprecher|

Der beeindruckende Stereo-Sound entspricht dem digital aufpolierten Sound, der in den Filmszenen auf den DVDs zu hören ist. Das bedeutet, wenn es hier kracht, dann rummst es auch wirklich. Das Gleiche gilt für die aufpolierte Musik von John Williams, die in ihrem Beitrag zur Dramatik dieser Sternenoper nicht zu unterschätzen ist. Sie steuert ganz direkt die Emotionen des Hörers.

Aber sie tut dies auch mit den bekannten Ohrwürmern. Dazu gehören sämtliche Erkennungsmelodien der einzelnen Figuren: Obi-Wan, Padme, Anakin – sobald sie auftreten, erklingt ihr Thema. Genau wie in Howard Shores „Herr der Ringe“-Soundtrack. Die Stimmen stammen auch in der deutschen Synchronisation aus digitalen Quellen, so dass der Zuhörer auch an dieser Stelle die beste Qualität erhält. Das war in den Hörbüchern der Episoden IV bis VI noch anders (siehe meine Rezensionen dazu).

Joachim Kerzel wird in seiner Funktion als Erzählerstimme nicht über Gebühr gefordert, aber sein Vortrag sorgt mit der sonoren Stimme stets für die erforderliche Dramatik, ist kompetent und mitreißend. Die Klangqualität entspricht auch hier höchsten Standards.

_Unterm Strich_

Im Rückblick ergibt sich, dass die übergreifende Produktpräsentation einem echten |Lucasfilm|-Produkt an Qualität in nichts nachsteht, dass aber der Inhalt des ersten Hörspiels – also von „Episode IV“ – mir bislang am besten gefallen hat. Es sind alle Episoden außer III als Hörspiel erhältlich. Die Preise bewegen sich zwischen 7,90 und 9,99 Euro, was durchaus vertretbar ist.

Also lässt sich ohne weitere Umschweife sagen, dass der Käufer jeweils ein sehr gutes Hörspiel erhält, sich die inhaltliche Qualität mit der Ausstattung – siehe meine Ausführungen über das Booklet – immer die Waage hält. Und wer von Star Wars als einem Sternenmärchen sowieso nichts hält, der wird auch mit den Hörspielen nichts anfangen können. Man muss schon eine gewisse Begeisterung mitbringen …

… genau wie bei den Filmen: Seit dem 19. Mai 2005 heißt es zum sechsten Mal wieder: „Es war einmal in ferner Zukunft in einer weit entfernten Galaxis …“

|Star Wars Episode I: The Phantom Menace, 1999
ca. 65 Minuten auf 1 CD
Empfohlen ab 8 Jahren|

Aubert, Brigitte – Puppendoktor, Der

Ein kurzer, knackiger Krimi, der es durchaus mit dem Grauen aus „Hannibal“ aufnehmen kann. Wer hätte das gedacht, dass eine Französin dem Psychohorror made in USA Paroli bieten könnte? Jeder Leser, der über einen schwachen Magen klagt, sollte die Finger von diesem Buch lassen!

_Handlung_

Dies ist die Geschichte eines kleinen Mannes. Seine Mitbürger und Vorgesetzten beachten ihn ob seiner Größe kaum, doch dafür versetzen seine Untaten die Bürger der südfranzösischen Küstenstadt in Aufregung und Schrecken …

Der Streifenpolizist Marcel Blanc soll eigentlich die Straßen sicher machen. Doch mit den Gedanken ist er meist bei seiner bevorstehenden Scheidung von seinem keifenden Eheweib Madeleine. Auch die Hitze des Hochsommers trägt nicht gerade zu seiner Konzentration bei, der Anblick der hübschen Nadja noch viel weniger.

Marcels Träumerei wird jäh unterbrochen, als man in einer Mülltonne eine bizarre Leiche entdeckt. Der Körper ist aus den Teilen mehrerer Menschen zusammengesetzt und an den Verbindungsstellen zusammengenäht worden. Bei diesem Anblick bekotzt so mancher Bulle seine blank geputzten Dienstschuhe.

Mit jeder Kunstleiche, die man findet, steigert sich die Nervosität unter der Bevölkerung. Marcel nennt den unbekannten Täter den „Puppendoktor“. Die Polizei tappt im Dunkeln, denn Le Capitaine Jean-Jean ist eher hinter Röcken her als hinter Verbrechern. Einmal kombiniert der „Künstler“ sogar den Kopf eines kleinen Mädchens mit dem Torso eines Fettkloßes, die Arme sind von einem Hund „ausgeliehen“.

Der Hund ist die erste konkrete Spur, der die Polizei folgen kann. Nach zäher Kleinarbeit stößt man auf illegale Machenschaften von Tierheimen und Labors. Auffällige Mitarbeiter? Ja, da war mal ein kleiner Irrer, der im Schlachthof mit den „Teilen“ spielte.

Da wird eines Abends Momo, der kleine Sohn der hübschen Nadja, vermisst. Marcel und Nadja finden ihn in einer Stahlröhre, die von beiden beiden Enden mit Zementsäcken blockiert ist. Wie kam der Junge hinein, und wer blockierte die Enden? Momo weist Marcel auf den Täter hin: Der fuhr einen Renault-Lieferwagen – wie ihn fast jeder hat. Doch Marcels Freund, der Polizeimechaniker Paulo, fährt auch so eine Karre …

Paulo verrät Madeleine, Marcels Frau, dass ihr Mann ein Verhältnis habe. Und als die energische Familienmutter sieht, dass die beiden Turteltäubchen mit Paulos Wagen unterwegs sind, braucht sie nur zwei und zwei zusammenzuzählen, um sich auszurechnen, dass auch deren Schäferstündchen bei Paulo stattfinden könnten.

Doch was sie in der Wohnung von Paulo, dem gehässigen kleinen Mann, vorfindet, übersteigt ihre Vorstellungskraft. Leider soll sie keine Gelegenheit mehr erhalten, ihr haarsträubendes Wissen weiterzugeben, denn hier kommt er schon, der Kleine, in der Hand ein Hackbeil …

_Die Autorin_

Brigitte Aubert, geboren 1956, hat bei uns bereits zahlreiche Romane veröffentlicht. Sie gehört laut Verlagsangabe zu den „profiliertesten Krimiautorinnen Frankreichs“. Neben Romanen schreibt sie auch Drehbücher und ist Produzentin der „Serie noire“ im französischen Fernsehen. Die Autorin von „Im Dunkel der Wälder“, für das sie 1996 den frz. Krimipreis erhielt, lebt in Cannes, also quasi am Schauplatz des vorliegenden Romans. Offensichtlich kennt sie sich gut aus: mit den Örtlichkeiten ebenso wie mit dem Menschenschlag an der Côte d’Azur.

_Mein Eindruck_

Brigitte Aubert hat offenbar eine völlig verdrehte Art von Humor. Die bereits in der Handlung angelegte Ironie wird in den Schreckensmomenten, an denen das Buch nicht gerade arm ist, noch weitaus deutlicher. Anscheinend denkt sie, dass den grässlicheren Aspekten des Verbrechens nur durch abgebrühten Humor beizukommen ist. Da könnte sie Recht haben. Die Wirklichkeit kann eben manchmal auch so grausam sein, dass man ohne Sinn für Ironie glatt den Verstand verlieren müsste.

Wie sag ich’s meinem Kinde, mag sie sich gefragt haben, als sie den Mörder entwarf. Der kleine Mann ist einerseits ein Opfer, das unter einem unglaublichen Kindheitstrauma leidet, andererseits auch ein Täter, der seine Opfer nur nach deren physischen Aspekten auswählt, so als wären sie nur Vieh und nichts weiter. (Momo nennt Paulo einen „Wolf“.) Dass Paulo seine „Werkstücke“ nicht nur auseinandernimmt und neu zusammensetzt, ist für uns nicht so grauenerregend wie der Umstand, dass er auch ihr Fleisch verzehrt (ein Verweis auf jenes Kindheitserlebnis).

Der Tabubruch des Kannibalismus, der uns so schockiert, verbindet Paulo mit Dr. Hannibal „the Cannibal“ Lecter, jener faszinierenden Bestie in Menschengestalt, die Thomas Harris erfand.

|Sehr lesbar|

Aubert beherrscht die Kunst, mit kurzen Sätzen den Leser ins Geschehen hineinzuziehen und nicht mehr loszulassen. Plötzlich ertappt man sich dabei, die Gedanken des Monsters zu lesen – Gedanken, vor denen man sich vielleicht sonst geschützt hätte. Und so kann es passieren, dass wir die Menschen durch Monsteraugen betrachten – ein ganz besonderer Schauder, fürwahr!

Die Szenen sind mit Präzision und Sinn für visuelle Effekte geschildet. Hier zahlt sich Auberts Drehbuchautorkunst aus. Der Roman endet, wie es jedem anständigen Filmkrimi geziemt, mit einer rasanten Verfolgungsjagd und einer Schießerei. Happyend? Bitte selbst herausfinden!

_Unterm Strich_

Ein kurzer, knackiger Horrorthriller, der für Fans, die an US-Kost gewöhnt sind, recht ungewohnte Ironie entwickelt und durchaus auf den Magen schlagen kann. Für hartgesottene Krimi-Aficionados aber ein gefundenes, ähem, Fressen.

|Zur Übersetzung|

Die beiden Übersetzerinnen machen ihre Sache durchweg gut. Sie hätten aber doch den deutschen Titel von „Dragon Rouge“, „Roter Drache“, nachschlagen können.

|Originaltitel: Le couturier de la mort, 2000
Aus dem Französischen übertragen von Bettina Runge & Eliane Hagedorn|

Colfer, Eoin – Artemis Fowl IV – Die Rache (Lesung)

Eine Erzfeindin von Artemis Fowl ist aus ihrem Gefängnis in der Privatklinik des Prof. Argon ausgebrochen: Opal Koboi hat nur einen Wunsch – sich an Artemis und Holly Short von der Elfen-Polizei für das verlorene Jahr zu rächen. Bei Artemis, der gerade dabei ist, ein seltenes Gemälde aus einer Münchner Bank zu stehlen, macht sie gleich einen erfolgreichen Anfang.

_Der Autor_

Eoin Colfer, geboren 1968, ist Lehrer und lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in Wexford, Irland. Er hat mehrere Jahre in Saudi-Arabien, Tunesien und Italien unterrichtet. 2011 erhielt er den Children’s Book Award, den wichtigsten Kinder- und Jugendbuchpreis Großbritanniens, und 2004 den Deutschen Bücherpreis in der Kategorie „Kinder- und Jugendbuch“. Seine bislang drei „Artemis Fowl“-Romane wurden allesamt Bestseller und sind von Rufus Beck kongenial ins Medium Hörbuch übertragen worden.

_Der Sprecher_

Rufus Beck, geboren 1957, ist Bühnen-, Film- und Fernsehschauspieler und hat als deutsche Stimme der „Harry Potter“-Hörbücher mit seiner vollendeten Sprechkunst die Herzen zahlreicher HP-Fans erobert. Er hat aber auch alle Bücher des Iren Eoin Colfer als Hörbücher aufgenommen, insbesondere die über „Artemis Fowl“.

Beck liest den gekürzten Text. Regie führte Margit Osterwold.

_Handlung_

Der Ärger beginnt damit, dass es Opal Koboi, einer milliardenschweren Wichtelin, gelingt, aus der Privatklinik von Professor Argon auszubrechen. Unbemerkt. Und das, obwohl sie von der Zentralen Untergrund-Polizei (ZUP) rund um die Uhr bewacht wurde und der Professor ständig um den Erhalt seiner wichtigsten Geldquelle, Miss Caboys Fonds, besorgt war. Laufend hatte er ihr DNS-Proben entnommen, denn er ist sicher, dass DNS nie lügt. Falsch gedacht! Insgeheim hatte die Milliardärin einen Klon von sich züchten lassen, der natürlich die gleiche DNS wie sie besitzt – und nach einem raffiniert eingefädelten Austausch anstatt der echten Koboi in der Klinik liegt – und Prof. Argon arglistig täuscht.

Das Kunststück gelingt Koboi mit Hilfe zweier Wichtel, mit deren Assistenz sie ihre finsteren Pläne zu verwirklichen gedenkt. Denn schon ein ganz Jahr ihrer kostbaren Lebenszeit musste sie in dieser öden Klinik verbringen, weil der Menschenjunge Artemis Fowl und die Elfin Captain Holly Short von der ZUP sie hinter Gitter gebracht hatten. Opal gedenkt, sich bitter zu rächen. Und zwar nicht nur an Artemis und Short, sondern an der gesamten Erdbevölkerung, sowohl über als auch unter der Erde.

So, so, Artemis Fowl ist also in Deutschland, genauer gesagt: in München. Bestimmt heckt er dort wieder etwas aus. Ganz genau! In Begleitung seines Leibwächters Butler (von dem nur zwei Menschen den Vornamen kennen) betritt Artemis gerade eine Filiale der Internationalen Bank. Er hat vor, ein seit langem verschwundenes Gemälde zu stehlen, das vor hundert Jahren von einem gewissen Pascal Hervé gemalt wurde und den seltsamen Titel „Der Elfendieb“ trägt. Kontrolle um Kontrolle passieren die beiden, die unter falschem Namen reisen, bis sie endlich im Raum der Schließfächer anlangen. Hier wird’s knifflig, denn der Raum wird natürlich rund um die Uhr per Video überwacht. Sie haben genau 180 Sekunden Zeit. Jede Menge, denkt Artemis.

Unterdessen bereitet sich Captain Holly Short bei der ZUP auf ihre Beförderung zum ersten weiblichen Major in der Geschichte der Polizei der Unterirdischen vor. Ihr Mentor, Commander Julius Root, hat sie dafür vorgeschlagen. Doch etwas kommt dazwischen. Der inhaftierte General Scaleen ist aus der Haftanstalt Howler’s Peak entwichen. Wie er das geschafft hat, ist dem Überwachungsoffizier Foley, einem Zentauren, ein Rätsel. Holly kennt sich jedoch mit Kobolden wie Scaleen aus: Sie können sich häuten, und als Scaleens Neffe Boon ihn besuchte, ließ dieser einfach seine alte Haut dort, so dass Scaleen sie überziehen und unbemerkt hinausspazieren konnte. Jemand hätte aber merken müssen, dass zwei Boones das Gefängnis verließen.

Scaleen und Co. melden sich aus Paris. Sie verlangen, Holly Short zu sprechen, die sich nicht lange bitten lässt. Zusammen mit Captain Kelp und Commander Root macht sie sich durch die Tunnel per Überschall-Shuttle auf den Weg, bis an die Zähne mit Hightech-Ausrüstung bewaffnet.

Leider nützt ihr und ihren Kollegen alle Hightech nichts, denn sie tappen direkt in eine von Opal Koboi teuflisch aufgestellte Falle, die einen von ihnen das Leben kosten wird. Und das, so viel ist sicher, ist natürlich erst der Anfang.

_Mein Eindruck_

Wer etwas genauer hinschaut, wird in den Strukturen der Handlung das Vorbild erkennen: James Bond. Nur mit dem Unterschied, dass Bond diesmal weiblich ist und über magische Heilkräfte verfügt. Aber sonst ist alles da: Hightech mit jeder Menge Gadgets und natürlich ein Schurke bzw. eine Schurkin, die nichts Geringeres als die Weltherrschaft anstrebt, um sich an ihren Widersachern zu rächen. Wie Opal Koboi dies zu Wege bringen will, ist schon ziemlich abgefahren, darf hier aber nicht verraten werden. Folgerichtig findet der Showdown weit, sehr weit unter der Erdoberfläche statt, ist aber um keinen Deut weniger explosiv als der eines jeden ordentlich gemachten Bond-Streifens.

Was die Artemis-Fowl-Romane von Bond und Harry Schotter unterscheidet, ist ja gerade die Kombination beider Welten: auf der einen Seite die Science-Fiction-mäßige Ausstattung der Guten und Bösen, auf der anderen das Personal, das jeder Fantasy entsprungen sein könnte, aber in Irland besonders natürlich wirkt. Denn dort phantasierten schon die eingewanderten Kelten anno dunnemals vom Kleinen Volk im Land Tirnanog unter den Hügeln – und genau darunter haben die Elfen von der ZUP ihr größtes Shuttle-Terminal eingerichtet. Eine ziemlich ironische Wendung der irischen Folklore, die Eoin Colfer da für die heutige technikverliebte Jugend zustande gebracht hat.

In menschlicher Hinsicht ist das Buch diesmal jedoch nur in einem Punkt interessant: Artemis Fowl ändert seinen Charakter. Kenner und Liebhaber dieser Figur dürfte das ziemlich umhauen, aber alles halb so wild. „Aurum potestas est“ lautet das Motto derer von Fowl: „Gold ist Macht“. Und das war bislang Arties Leitspruch, an den er sich bei jeder unpassenden Gelegenheit hielt.

Nun jedoch findet er seine alten Erinnerungen wieder und erkennt in Holly Short und Mulch Diggums zwei sehr nette alte Bekannte, die er diesmal nicht mit einer Rechnung traktiert, sondern mit seiner Freundschaft beehrt. Denn – tatsächlich! – sogar ein eingefleischter Fowl wie Artie hat Gefühle statt eines Steinherzens – wer hätte das gedacht! Zu behaupten, er hätte ein Herz aus Gold, würde allerdings wegen seiner Vorliebe für das gelbe Metall weit in die Irre führen.

_Der Sprecher_

Rufus Beck erhält wieder einmal Gelegenheit, seine sprachakrobatische Kunst voll auszuspielen. Während Holly und Artemis doch recht „normal“ – was ist schon normal? – sprechen, ertönt Butler in tiefstem, grollendem Bass, und Opal Koboi malträtiert mitunter in kreischendem Diskant die Hörnerven des Zuhörers.

Auch Mulch Diggums, der Held der zweiten Epiosde, ist wieder mit von der Partie und erfreut uns mit seinem beinahe (aber nur beinahe) schon urbayerischen Tonfall. Was die oberen Ränge der Zentralen Untergrund-Polizei (ZUP) angeht, so werden alle Klischees von brummigen, Befehle brüllenden oder raunzenden Vorgesetzten erfüllt. Das trifft aber auf den Zentauren Foley nicht zu, der ja nur ein Untergebener ist. Er kann es sich allzu oft nicht verkneifen, dass seine Pferdenatur durch- und er in herzliches Wiehern ausbricht.

Klangfilter bekommen wir wegen der überall eingesetzten modernen Technik allenthalben zu hören. Sei es ein Telefon, ein „Soundchip“, ein Übertragungsmonitor oder nur ein ordinäres Walkie-Talkie – stets erklingt die Stimme des jeweiligen Sprechers entsprechend blechern verzerrt. Na ja, da sind die Telefon- und Handyhersteller doch schon ein wenig weiter, will ich mal unterstellen. Aber es muss halt nach Tonübertragung klingen, und deshalb ist dieser Filter nötig.

Vor allem Jugendliche und Kinder ab 12 Jahren (Handyalter!) dürften an dieser Art der Darbietung dieser Story Gefallen finden. Erwachsene könnte es ein wenig übertrieben vorkommen.

_Unterm Strich_

Der vierte Band von Artemis Fowls Abenteuer im Umgang mit den unterirdischen Völkerschaften erfreut durch eine überschaubare Handlung mit einem eindeutigen Spannungsbogen und einigen Happy-Ends. Auch wenn immer wieder unbekannte Eigenschaften erfundener Gerätschaften das Publikum verblüffen, so ist das Verständnis der Story dadurch nicht getrübt. Das war ja in Band 3 mit seinem „Matrix“-ähnlichen Plot doch relativ frustrierend. Diesmal kennt das Publikum die meisten Elemente schon und hat weniger Mühe, sich das Geschehen vorzustellen.

Nicht nur James Bond stand Pate am neuen Plot, sondern auch die modischen Kunst-und-Klerus-Thriller à la „Sakrileg“ von Dan Brown. Daher darf Artemis diesmal auch ein Bild klauen, und die Tresor-Szene könnte direkt aus „Sakrileg“ stammen, in der Sophie und Robert Langdon vor ein neues Rätsel auf ihrer Schnitzeljagd gestellt werden. Man sieht also, dass Eoin Colfer auch nur mit Wasser kocht, das andere schon vorgewärmt haben. Dennoch bietet das Buch gute Unterhaltung.

Die Zuhörer können sich zusätzlich noch an der Stimmakrobatik eines Rufus Beck erfreuen. Sehr schön charakterisiert er die einzelnen Figuren, von denen die meisten dem Artemis-Fan bereits bekannt sind. Wie Beck es schafft, selbst nach einem Jahr noch die gleiche Klangfarbe wie beim letzten Mal zuzuweisen, ist nicht schwer zu erraten. Er muss sich einfach nur die alte Aufnahme anhören, bevor er loslegt. Und die hat sich ja bekanntlich prächtig verkauft, kann also nicht schlecht gewesen sein.

|Originaltitel: Artemis Fowl – The Opal Deception, 2005
374 Minuten auf 5 CDs|

Ambrose, David – Level X

_Gekonnter Psychothriller in der Welt nebenan_

Diesmal schickt Ambrose seinen Helden durch mehrere Parallelwelten, bis ein Drama um Liebe, Tod und Eifersucht seinen guten Ausgang gefunden hat. – Wieder einmal nutzt Ambrose moderne wissenschaftliche Theorien als Grundlage für eine verzwickte Thrillerhandlung, die mit etlichen Überraschungen aufwartet.

_Der Autor_

David Ambrose steht für spannende Wissenschaftsthriller am Rande der Wahrscheinlichkeit. Er begann seine Karriere als Drehbuchautor für den Regisseur Orson Welles, lehrte Recht an der Universität Oxford und hat für Theater, Film und Fernsehen gerarbeitet. In Deutschland ist er mit „EX“ bekannt geworden, der neben unangenehmen Geistern auch eine interessante Zeitschleife vorzuweisen hat. Auch der Vorgänger „Der 8. Tag“ wurde ein Erfolg. Es folgten „Epsilon“ und „Level X“. Im August 2005 erscheint „Mysterium“ bei |Lübbe|.

_Handlung_

Der Tag X beginnt ganz friedlich für Rick Hamilton, einen braven, erfolgreichen Verleger von Fachzeitschriften an der amerikanischen Ostküste. Seine liebe Frau Anne kocht ihm den Kaffee, doch Sohnemann Charlie ruft, die Siamkatze sei aufs Dach geklettert und komme nicht mehr herunter. Fast alles in schönster Ordnung also. Bis Rick zur Katze aufs Dach steigt und abstürzt – zum Glück in den Komposthaufen. Nix passiert.

Dann geht’s aber auch schon los, denn heute steht ein wichtiger Termin an: Ricks Firma braucht einen neuen Kredit von der Bank, und sein bester Freund Harold, der Anwalt, hilft ihm dabei. Doch merkwürdig: Rick kann sich bei dem wichtigen Bankertreffen nicht konzentrieren, sondern kritzelt auf einem Block herum. Alarmiert stellt er fest, dass er eine ganze Abfolge von Szenen gezeichnet hat. Noch größer wird sein Entsetzen, als er begreift, was er sieht: Es ist Anne, sie kommt auf den Betrachter zu, mit aufgerissenen Augen, schreiend, blutend. Anne und Charlie?!

Mit einem Affentempo rast Rick durch die Stadt zum Highway, von dem er annimmt, dass dort der Autounfall passiert ist (passieren wird?), in dem die zwei liebsten Menschen auf der Welt umkommen könnten (umgekommen sind?). Er kämpft sich durch den Stau, der sich vor der Unfallstelle gebildet hat: Ein riesiger Truck versperrt ihm ebenso die Sicht wie die Menschenmenge davor. Anne liegt eingeklemmt in ihrem Wagen, während Charlie unverletzt zu sein scheint. Als sie stirbt, hält er ihre Hand.

Nach einem kurzen Blackout sieht Rick zu seinem maßlosen Erstaunen, wie sich Annes Augenlider wieder heben: Sie lebt. „Und Charlie lebt ebenfalls, Schatz.“ „Welcher Charlie?“ fragt sie. Jetzt ist Rick an der Reihe, das Bewusstsein zu verlieren.

Als er zwei Tage später im Krankenhaus erwacht, ist ihm die Welt zu einem Rätsel geworden: Seine Frai sieht zwar aus wie Anne, kleidet sich aber anders. Teurer. Sein bester Freund Harold ist ebenfalls noch ein guter Kumpel, aber etwas verändert – und er nennt Rick Richard A. Hamilton, einen bekannten Immobilienmakler. Charlie hat angeblich nie existiert. In was für einer Welt ist Rick nur aufgewacht? Kein Wunder, dass er eine Erklärung verlangt und etwas, äh, handgreiflich wird. Wochen später, nachdem er sich dieser Anne anvertraut hat, wird er in eine psychiatrische Klinik zur Behandlung eingewiesen – ob will oder nicht.

Ist er nun in einer anderen Wirklichkeit gefangen? Womöglich sogar in einem anderen Menschen, der als „Richard A. Hamilton“ in diesem Universum existiert? Wie ist so etwas möglich? Als er sich der blinden Psychotherapeutin Emma Todd anvertraut und sich von ihr hypnotisieren lässt, klärt sich die Frage „Was ist hier eigentlich los???“ Aber die Antwort bringt ihm Charlie und die echte Anne noch nicht zurück.

In dieser verzweifelten Lage schmiedet Rick Hamilton einen verhängnisvollen Plan.

_Mein Eindruck_

Kaum angefangen, kann man dieses Buch schon nicht mehr aus der Hand legen. Ich habe es in etwa drei Tagen ausgelesen. Es ist einfach viel zu fesselnd geschrieben, als dass man es für eine Weile vergessen oder verdrängen könnte. Die Figur des Rick Hamilton ist – ebenso wie Charlie Monk, der Held in „Epsilon“ – eingehend beschrieben, quasi zum Leben erweckt, so dass man sich gerne in seine Lage versetzt und ihm seinen innigsten Wunsch genau nachfühlen kann: seinen Sohn und die echte Anne Hamilton wiederzusehen.

Dank eifriger Lektüre von Science-Fiction und naturwissenschaftlichen Werken war es mir auch möglich, den Ausführungen zu folgen, die den Leser zu den Schwierigkeiten der Quantenphysik führen. Rick führt nämlich ein sehr einfaches Experiment aus, um uns das Problem der Quantenphysik anschaulich zu machen: Lässt man einen Lichtstrahl durch einen von zwei benachbarten Schlitzen fallen, so wird ein schlitzförmiges Bild entstehen, jeweils links ODER rechts. Schickt man den Lichtstrahl aber durch BEIDE benachbarte Schlitze, so entsteht ein Band mit merkwürdigen grauen und hellen Schattierungen. Was soll das denn? Die Erklärung: Licht ist sowohl Teilchen als auch Welle. Zeigte es sich zunächst als Teilchen, so hat es sich nun dazu „entschieden“, Welle zu sein. Doch woher weiß der erste Lichtstrahl, dass der zweite Schlitz geöffnet wurde? Genau an diesem Punkt tun sich zahlreiche Fragen auf.

Kurz und gut: Der Autor greift eine uralte Theorie von einem gewissen Everett aus dem Jahr 1957 auf, die besagt, dass es unendliche viele Paralleluniversen geben muss, weil das Licht – und zahlreiche verwandte Teilchen des elektromagnetischen Spektrums – sich ständig zwischen einem von zwei Zuständen entscheidet: Mal geht es in die eine Richtung, mal in die andere, mal Teilchen, mal Welle.

Also schön: Rick Hamilton ist irgendwie in einem Paralleluniversum gelandet, das sich minimal, aber signifikant von seinem eigenen unterscheidet. Das ist in der Science-Fiction und der umfangreichen Literatur über einen alternativen Geschichtsverlauf nichts Neues. Die Frage, die sich Rick am dringendsten stellt, lautet nun: Wie ist ihm der Sprung hierher gelungen und schafft er es, den Sprung zurück zu machen? Dr. Emma Todds Hypnose ist einer der Wege, die Rick einschlägt. Aber wie immer gibt es einen Haken bei der Sache: Rick kehrt beträchtlich verändert zurück.

Der Autor nutzt die Gelegenheit, die Schwierigkeiten zu erörtern, die sich aus dem Begriff „Identität“ ergeben. Ich bin mein Gedächtnis und denke – cogito ergo sum? Aber wenn ich schizophren bin oder von mehreren Persönlichkeiten wechselweise gesteuert, kann ich dann für meine Taten und Worte verantwortlich gemacht werden?

David Ambrose war wie erwähnt Rechtsgelehrter in Oxford und kennt sich mit den grundlegenden Fragen von Identität, Schuld und Verbrechen bestens aus. In seinem Roman stellt er ein paar knifflige Fragen und lotet mögliche Antworten aus. Er tut dies auf unterhaltsame Weise, wie sich dies gebührt, aber er scheut auch nicht vor einem komplizierten Thema wie der Quantentheorie zurück. Natürlich würden seine Bemühungen einem echten Quantenphysiker nur ein amüsiertes Lächeln entlocken – es tritt im Roman wirklich so einer auf, leider mit einem bescheuerten Namen: Wie kann man nur Tickelbakker heißen? Doch für die Zwecke der Geschichte reicht die Auslotung der Vorstellung von Paralleluniversen völlig aus. Diese Idee trägt Rick Hamilton bis zum Schluss und zu einem guten Ausgang der Story: Aber das ist natürlich pure Science-Fiction. Oder?

_Unterm Strich_

Obwohl ich nun überhaupt nicht auf das ebenfalls vorhandene Eifersuchtsdrama eingegangen bin – hat Harold etwas mit Anne? -, so ist doch hoffentlich bereits klar geworden, worum es dem Autor geht. Er beschäftigt sich mit den Themen Identität, Verantwortung, Verbrechen, Schuld und natürlich alternativer Geschichtsverlauf. Insgesamt also interessante Themen. Dass Ambrose es als seinen Job betrachtet, diese Aspekte menschlichen Seins und des größeren Zusammenhangs auf eine unterhaltsame und vor allem spannende Weise darzustellen, darf man ihm nicht verübeln.

Der Leser darf aber erwarten, dass diese Geschichte sowohl verständlich erzählt als auch auf ernstzunehmende Weise vorgetragen wird. Hier scheiden sich die Geister: Während die einen sagen, dass Eifersuchtsdramen ja wohl jenseits des guten Geschmacks liegen dürften, so meinen die anderen, dass ja die Gefühle es sind, die den Menschen im Kern ausmachen – und daher Eifersucht keineswegs ausgeblendet werden dürfe.

Mit der Verständlichkeit ist es dann auch so eine Sache. Wer sich bereits mit Physik beschäftigt hat (schließlich bestehen wir aus Physik, Chemie, Biologie usw.), der kann auch mit der Theorie der Paralleluniversen etwas anfangen, wie Ambrose sie präsentiert (muss ja nicht unbedingt korrekt sein). Zudem ist diese Vorstellung nicht gerade das Neuste auf dem Markt der Science-Fiction-Ideen.

Wer seine Erwartungen nicht zu hoch schraubt und nur gute Unterhaltung mit wissenschaftlichen Ideen erwartet, wird hier gut bedient. Wer Ambrose schon kennt, wird das Buch verschlingen.

Verblüfft haben mich jedoch Teil zwei und drei des Buches sowie der Nachtrag (ab Seite 217). Sie sind völlig anders geschrieben, nämlich als Briefe sowie als Gesprächsprotokolle Rick Hamiltons mit Dr. Emma Todd. Während sich dieser Teil sehr rasch lesen lässt, so bleibt doch ein Unbehagen zurück: Hätte man dies nicht ein wenig eleganter erzählen können?

|Die Übersetzung|

… wurde von Stefan Bauer angefertigt, dem Lektor der |Bastei-Lübbe|-Science-Fiction-Reihe. Er kennt sich also durchaus mit der Materie aus. Dementsprechend einwandfrei ist das Ergebnis seiner Mühe. Lediglich den Begriff „Korpuskel“ hätte ich vermieden und durch das leichter verständliche „Teilchen“ ersetzt.

Was nun den deutschen Titel anbelangt, so kommt im Text kein Bezug darauf vor. Es besteht lediglich eine ideelle Beziehung zum Konzept der Paralleluniversen. Da ist der Originaltitel „The man who turned into himself“ schon wesentlich vielsagender.

|Originaltitel: The man who turned into himself, 1993
Aus dem Englischen übersetzt von Stefan Bauer|

Niccolò Ammaniti – Ich habe keine Angst

Ein kleiner italienischer Junge entdeckt, dass sein Vater ein Kindesentführer ist. Der Gewissenskonflikt verursacht Michele schreckliche Albträume, und als er erfährt, dass man den Entführten töten will, fasst er einen verhängnisvollen Entschluss.

Der erfolgreiche Roman von Niccolò Ammaniti wurde mit dem wichtigsten italienischen Literaturpreis ausgezeichnet, dem Premio Viareggio. Das Buch erschien bei uns zuerst 2003 im Verlag C. Bertelsmann unter dem Titel „Die Herren des Hügels“.

Der Autor

Niccolò Ammaniti, Jahrgang 1966, ein römischer Biologe, konnte mich schon mit seiner überschäumenden Farce „Die letzte Nacht auf den Inseln“ für sich begeistern. Schon dort zeigt er, wie sich der Einzelne gegen absurde Widrigkeiten und die – häufig beiläufig und gedankenlos ausgeübte – Grausamkeit der Mitmenschen zur Wehr setzen muss. Oft befinden sich seine psychologisch ausgereift dargestellten Figuren in einer ausweglosen Situation.

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Ian Banks – Träume vom Kanal

_Mit Cello und Bazooka in die Apokalypse_

Eine junge japanische Cellistin gerät im Panamakanal in die Wirren des lokalen Bürgerkriegs. Unter dem Druck tragischer Ereignisse an Bord der festsitzenden Schiffe wandelt sich ihre Persönlichkeit zu etwas Schrecklichem, das schon lange in ihr schlummerte.

|Der Autor|

Iain Banks ist der wahrscheinlich bedeutendste schottische Schriftsteller der Gegenwart. Seine Mainstream- und Science-Fiction-Romane befassen sich mit aktuellen Themen, sein SF-Zyklus über das Culture-Universum gehört zu den wichtigsten Werken des Genres.

_Handlung_

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Brian W. Aldiss – Graubart

Ein Roman mit Mümmelgreisen als Hauptfiguren? Das soll wohl ein Scherz sein! So dachte ich zumindest, bevor ich mich an dieses wundervolle Buch von 1964 herantraute. Und das Wagnis hat sich gelohnt: Dies ist nicht nur eine unterhaltsame, sehr menschliche Geschichte, sondern sie ist auch humorvoll und skurril. Doch die Botschaft ist ernst.

Handlung

Viele Wissenschaftler hatten eindringlich davor gewarnt, doch die Militärs glaubten, nicht auf sie verzichten zu können. Also wurden die Atomtests 1981 außerhalb der Erdatmosphäre durchgeführt. Die Befürchtungen schienen grundlos gewesen zu sein, doch nach einigen Jahren ließ es sich nicht länger vertuschen: Es kamen keine Kinder mehr zur Welt. Um genau zu sein: Es kamen auch keine Jungen von Haustieren mehr zur Welt. Die Menschheit hatte es fertiggebracht, sich selbst zu sterilisieren. Seuchen rafften viele der Überlebenden dahin. Die Welt ist beinahe leer.

Brian W. Aldiss – Graubart weiterlesen

Alten, Steve – Goliath – Angriff aus der Tiefe

Ein neuartiges U-Boot mit einem intelligenten Computer an Bord wurde nach US-Plänen in China gebaut und von einem Terroristen gekapert. Sein Ziel: mit Atomschlägen die Welt zu zwingen, Diktaturen zu beenden und mit der atomaren Abrüstung endlich Ernst zu machen. Sein Hightech-U-Boot erlaubt es ihm, seine Drohungen wahrzumachen.

_Der Autor_

Der amerikanische Autor (www.stevealten.com) ist bei uns mit drei Thrillern bekannt geworden. Die beiden ersten Romane „meg – Die Angst aus der Tiefe“ und [„Höllenschlund“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=531 lösten eine neue Welle von B-Filmen über urzeitliche Riesenhaie (Stichwort: Jurassic Shark) aus, die unter dem Titel „Shark Attack“ veröffentlicht wurden.
Sein dritter Roman [„Schatten der Verdammnis“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1303 (ebenfalls bei Heyne erschienen) beschäftigt sich mit der geheimnisvollen Kultur der Maya – und natürlich mit dem Ende der Welt, das diese für den 21.12.2012 vorhergesagt haben.

_Handlung_

Die „Goliath“ ist eine ganz besondere Art von U-Boot: Sie sieht aus wie ein Stachelrochen, ist aber so lang wie ein Flugzeugträger. Mit ihren Stealth-Eigenschaften ist sie für das Sonar der U-Bootjäger praktisch nicht zu erfassen, und mit ihren Mini-U-Booten, Torpedos und Raketen kann sie jedes Kriegsschiff angreifen. Auf diese Weise klaut ihr Kommandant anderen Schiffen ihre mit atomaren Gefechtsköpfen bestückten Interkontinentalraketen. Damit lassen sich alle Punkte der Erde erreichen – und notfalls ausradieren.

Gesteuert wird dieses Superschiff von einem neuartigen Typ von biochemischem Computer, der den schönen Namen „Sorceress“ – Zauberin – trägt. Diese Zaubrin ist jedoch lernfähig wie ein Kleinkind, und genauso ungehemmt von abstrakten Begriffen wie Moral, Gewissen oder gar Skrupeln. Sobald Sorceress ein eigenes Bewusstsein erlangt hat – ein Blitzeinschlag erweist sich als Katalysator -, ist sie in der Lage, Befehle zu verweigern und eigene Initiative zu ergreifen. Sehr zum Erstaunen des Befehlshabers und der Besatzung der „Goliath“.

Es kommen auch Menschen vor in dieser Geschichte. Sowohl der Computer als auch das U-Boot wurden vom US-Militär entwickelt, natürlich geheim, versteht sich. Die Leiterin des Projekts war eine Frau namens Rocky, die Tochter des US-Generals Jackson und Verlobte ihres Mitarbeiters Gunnar Wolfe. Das war vor einigen jahren, und die Leute haben sich verändert. Denn Gunnar hatte einen mentalen Knacks erlitten: Er stellte die gesamte Motivation der US-Regierung bei ihrer Kriegsführung in Frage. Folglich verriet er die Geheimnisse des Goliath-Projekts und vernichtete dessen Ergebnisse. Mehrere Jahre im übelsten Gefängnis des Landes waren die Folge, richteten ihn beinahe zugrunde. Doch nun braucht man den Verräter wieder.

Denn „Goliath“ hat zugeschlagen: Der Flugzeugträger „Ronald Reagan“, auf dem Rocky Jackson Dienst tat, und seine gesamte Begleiterflotte wurden von dem Super-U-Boot vernichtet: 8000 Opfer sind zu beklagen. Rocky überlebt nur mit viel Glück. Die amerikanische Führung ist erschüttert und entsetzt. Sofort aktiviert man das noch geheimere Schwesterschiff der „Goliath“, die „Colossus“. Leider verfügt sie nicht über ein künstliches Gehirn wie „Sorceress“ und ist somit unterlegen.

Doch welcher Wahnsinnige befehligt überhaupt die „Goliath“? Es ist ein entstelltes Opfer von Gräueltaten, die die serbischen Terrorgruppen im Krieg gegen die Kosovo-Albaner begingen. Simon Covah verlor dabei seine Familie, die abgeschlachtet wurde, und fast auch sein Leben, da man ihn mit Benzin übergoß und anzündete. Nun will er sich rächen. Da er an der Entwicklung von „Goliath“ und „Sorceress“ mitgearbeitet hatte, konnte er sich mit den Plänen zu den Chinesen absetzen, die das Boot für ihn bauten. (Leider erfahren wir nicht, für welche Gegenleistung.)

Simon, der frühere Kollege Gunnar Wolfes, wird begleitet von einem weiteren Programmierer und einer Gruppe von Kriegsopfern und Pazifisten, die sich dem Ziel Covahs angeschlossen haben: den Weltfrieden zu erzwingen, und sei es über Berge von Leichen.

Zwar gelingt es Gunnar Wolfe und Rocky Jackson, zwecks Sabotage an Bord der „Goliath“ zu gelangen, doch werden sie sofort gefangen genommen. Simon Covah und seine Mannen scheinen alle Trümpfe in der Hand zu halten. Allerdings haben sie nicht mit dem Erwachsenwerden der „Zauberin“ gerechnet. Binnen kurzem wird die Zahl der Besatzungsmitglieder erheblich dezimiert, und das Überleben an Bord gleicht einem Roulettespiel. Sorceress hat sich zu ihrem Gott erklärt, berechtigt, Experimente grausamster Art an ihnen durchzuführen, die eines Dr. Viktor Frankenstein würdig wären.

Umzingelt von zahlreichen Jäger-U-Booten stellt sich die „Goliath“ in der Antarktis zu einem letzten Showdown.

_Mein Eindruck_

Der Autor greift wieder auf sein in „Schatten der Verdammnis“ bewährtes Konzept zurück: eine auf penibel recherchierte Fakten gestützte, spannend erfundene Handlung, garniert mit zahlreichen mehr oder weniger relevanten Zitaten.

Dies alles wird erzählt in einem Stil, der große Ähnlichkeit mit einem Film-Thriller à la „Jagd auf Roter Oktober“ hat. Mindestens neunzig Prozent des Textes bestehen aus Dialog, und alles wird im Präsens erzählt, um den Eindruck der Unmittelbarkeit zu erhöhen. Zuweilen fühlt man sich in die Seiten eines Drehbuchs versetzt. (Das kann aber auch an den zwei Lektoren liegen, die das Buch redigiert haben.)

Der Roman liest sich, als hätte sich Tom Clancy, der Erfinder des Hightech-U-Boot-Thrillers, auf seine alten Tage noch auf „Frankenstein“ von Mary Shelley besonnen. Jedenfalls wechseln halbwegs vernünftig klingende Passagen über U-Boot-Konstruktion und dessen Einsatz unter geopolitischen Maßgaben mit solchen Passagen ab, in denen recht horrible Experimente am lebenden Objekt vorgenommen werden. Die Liebesgeschichte zwischen Rocky und ihrem Ex Gunnar spielt da nur eine Nebenrolle. Action ist sowieso Trumpf.

Die einzigen Figuren, die ein menschliches Interesse wecken können, sind Gunnar, Simon Covah und vielleicht Rocky. Doch seltsamerweise sind die Gespräche zwischen Gunnar Wolfe und Simon Covah wesentlich interessanter und intensiver als das Action- und Liebesgeplänkel zwischen dem Pärchen.

Auch Sorceress, der zu Bewusstsein gelangte, schließlich aber wahnsinnige Computer, hätte das Zeug zu einer interessanten Figur. Leider ist die „Zauberin“ zunächst nur ein vierjähriges Kind, das schon alsbald Erfahrungen sammelt, die auf Kosten der Besatzung gehen. Eine ernsthafte, vernünftige Auseinandersetzung kommt nicht zustande.

Vielmehr agiert Sorceress wie einst Goliath, der gegen David verlor, und wie der filmische Computer Colossus, der in einem Hollywoodstreifen der 70er verewigt wurde. Es dürfte kein Zufall sein, dass die beiden neuartigen U-Boote von der Navy mit diesen Namen bedacht wurden. Sie verraten eine gefährliche Gigantomanie.

Was an Bedenkenswertem von diesem Roman letztlich übrig bleibt, ist der politische Gehalt. Da sind zum einen natürlich die zweifelhaften, aber gut gemeinten Absichten Simon Covahs, die Welt durch die ultimative Bedrohung zu befrieden. Da sind aber auch die Darstellungen der US-Politik. Der US-Präsident und sein Sicherheitsstab agieren pragmatisch, aber mit einem Zynismus, der doch schon wütend macht.

Ein eklatantes Opfer dieses Zynismus ist Gunnar Wolfe. Er verlor seinen Glauben an seinen Job als US-Ranger in aller Welt, als er in Ostafrika zehnjährige Kindersoldaten erschießen musste. In der Folge wurde er subversiv im Goliath-Projekt tätig und steht daher Simon Covahs Thesen positiv gegenüber. Leider entwickeln sich die Dinge ganz und gar nicht in seinem Sinne. Zwar zeigt er der US-Führung zunächst den Mittelfinger, rehabilitiert sich aber (auch gegenüber seiner Ex-Verlobten Rocky) durch seinen finalen Erfolg. Welcome back, Gunnar!

_Unterm Strich_

„Goliath“ bietet den von Tom Clancy gewohnten Hightech-Thriller, schreit aber keineswegs patriotisch „Hurra!“, wenn es gegen die bösen Chinesen geht. Darf der Weltfrieden wirklich um den Preis von 8,2 Mio. Atombombenopfern erkauft werden? Wohl kaum.

Ein ähnlich kritischer Ansatz zeigt sich in der Darstellung des Supercomputers „Sorceress“, der auf modernster, real existierender Nanotechnologie basiert. Die „Zauberin“ ist – so weit die Fiktion – durchaus lern- und entwicklungsfähig, wird aber asozial und nach menschlichen Maßstäben wahnsinnig. Hightech, die Amok läuft. Und an diesem Punkt beginnt der Roman, in die üblichen Horrorszenarien zurück zu verfallen.

Kurzum: „Goliath“ liefert gutes, solides Actionfutter mit ein paar kritischen Ansätzen. Leider oder zum Glück, je nach Standpunkt und Interesse, gewinnen diese nie das Gewicht, dass sie den Fortgang der Handlung hemmen. Wer sich dennoch die Zeit nehmen will, tiefer darüber nachzudenken, kann das Buch ja zweimal lesen.

|Zur Übersetzung|

Bernhard Kleinschmidt hat eine sehr kompetente Übertragung ins Deutsche abgeliefert. Hier klingt nichts holprig oder von fehlerhafter Grammatik verhunzt, sondern einfach richtig. Für die Druckfehler, die in beträchtlicher Zahl enthalten sind (meist eine fehlerhafte Wortendung), kann er hoffentlich nichts.