Alle Beiträge von rezi

John Sinclair – Die magische Bombe (Folge 104)

Die Handlung:

Die französische Hellseherin Madame Tanith wird in London tot aufgefunden – und eine Zeugin identifiziert Oberinspektor John Sinclair als Täter! Die Beweislast ist erdrückend. Nur Suko und Sir James Powell glauben noch an Johns Unschuld. Aber wer steckt hinter der Intrige? Als die Wahrheit aufgedeckt wird, ist es längst zu spät … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ziemlich abrupt werden wir in diese Folge hineingerissen. Madame Tanith will John treffen – nun gut, aber warum lange nach Mitternacht an einer U-Bahn-Station? Schon das hätte unseren Geisterjäger doch eigentlich bereits misstrauisch werden lassen müssen. Dass ihm anschließend der Mord an einer Wahrsagerin angehängt werden soll, davon konnte er schließlich nichts wissen. Ich habe ja wirklich nichts gegen Horror-Hörspiele, nur sollte das logisch Erklärbare auch dargelegt werden.

John Sinclair – Die magische Bombe (Folge 104) weiterlesen

St. Crow, Lili – Verraten (Strange Angels 2)

_|Strange Angels:|_

Band 1: [„Verflucht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7061
Band 2: _“Verraten“_
Band 3: „Jealousy “ (noch ohne dt. Titel)
Band 4: „Defiance “ (noch ohne dt. Titel)
Band 5: „Reckoning“ (noch ohne dt. Titel)

_Dru und ihr bester Freund Graves_ tauchen in einer geheimen Schule unter, um sich vor ihren Verfolgern in Sicherheit zu bringen. Doch während der junge Werwolf mit offenen Armen empfangen wird, behandelt man Dru wie eine Gefangene. Noch dazu trachtet ihr auch hier jemand nach dem Leben. Als Vampire die Schule angreifen, gerät Dru in höchste Gefahr – und muss sich die schockierende Frage stellen, ob der Verräter ihr näher ist, als sie für möglich hielt … (Verlagsinfo)

_Kritik_

Mit „Verraten“ erscheint der zweite Teil der auf fünf Bände ausgelegten Reihe um die „Strange Angels“ von Lili St. Crow. „Verraten“ knüpft direkt an das Ende von „Verflucht“ an. Dem Titel wird hier Rechnung getragen, aber wer hat Interesse daran, die junge Svetocha Dru zu verraten? Schnell findet der Leser sich wieder in die Handlung ein, durch kurze Rückblicke in die Geschehnisse aus dem ersten Teil wird dies erleichtert.

Der Erzählstil der Autorin überzeugt schon dadurch, dass Lili St. Crow es versteht, die düstere Atmosphäre greifbar zu übermitteln. Auch die verschiedenen Emotionen werden fassbar transportiert und so gelingt es den Lesern spielend, sich in die Protagonisten einzufühlen. Fesselnd und unterhaltsam werden die spannenden Abenteuer der Darsteller erzählt. Gekonnt greift die Autorin auch auf eine Umgangssprache zurück, die sich den jüngeren Darstellern und Lesern anpasst und so sehr authentisch wirkt. Mühelos hält die Autorin sich an den roten Faden ihrer Geschichte und wertet diese durch Rückblicke und kleinere Nebenhandlungen auf. So erfährt der Leser beispielsweise einiges aus dem Leben Drus Mutter, etwas das manche Fragen, die im ersten Band offenblieben, klärt. Es werden dabei aber auch neue Fragen aufgeworfen, um die Neugier auf die weiteren drei Bände aufrechtzuerhalten. Die Schauplätze werden greifbar beschrieben, sodass es leichtfällt, sich diese vorzustellen. Ein mitunter düsteres Bild der Schola und der Umgebung wird gezeichnet. Fantastische Elemente bettet die Autorin glaubwürdig in die reale Welt ein und schafft so eine überzeugende Basis für ihre Geschichte.

„Verraten“ ist actiongeladen und spannend. Gleich zu Beginn wird wieder ein Spannungsbogen aufgebaut, der sich meist im oberen Level hält. Zwar kommt es immer mal wieder zu ruhigeren, durch Dru nachdenklichen Szenen, diese passen sich der actionreichen Spannung dabei sehr vorteilhaft an. Die Leser dürften geradezu durch das Buch fliegen, um dann einen Cliffhanger zu erleben, der das Warten auf den nächsten Band nicht einfach macht.

Erzählt wird der Roman weiterhin aus der Perspektive Drus. Dies macht einen guten Teil des Rätselhaften aus, da der Leser wie Dru selber nicht weiß, wer sie verrät und wer wirklich zu ihr hält. Drus Stimmungen und Gefühle werden so nachvollziehbar weitergegeben und die Leser sehen sich auch mit den Ängsten und Schwächen der Protagonisten konfrontiert.

Ihre Figuren hat die Autorin authentisch und lebendig konzipiert. Vom Denken und Empfinden altersgemäß wachsen die lebendigen Figuren dem Leser schnell ans Herz. Dieses dürfte auch daran liegen, dass die Figuren nicht ohne Fehl und Tadel furchtlos ihre Abenteuer bewältigen, sondern auch von Angst und Zweifeln gequält werden.

Dru muss dabei das größte Päckchen tragen, nicht nur, dass sie plötzlich ohne Familie dastehen muss, auch ihre Gaben sind ihr suspekt. Verständlich, dass sie von den Lehrern der Schola fordert, mehr beigebracht zu bekommen und eine vernünftige Ausbildung auch im Kampf zu erhalten. Dass sie mit Samthandschuhen angefasst wird und das Gefühl bekommt in einen Glaskasten gesperrt zu werden, ist daher nachvollziehbar und auch gerechtfertigt.

Graves dagegen bekommt genau das, was Dru sich so sehnlich wünscht, eine fundierte Ausbildung. Mit seiner liebenswerten und hilfsbereiten Art macht er sich schnell Freunde und steigt auch in der Rangordnung an der Schola schnell auf. Auch die Herzen seiner jungen Leserinnen dürfte sich dieser Darsteller sicher sein.

Nach wie vor geheimnisvoll und undurchsichtig bleibt der Djamphir Christophe. Immer zur Stelle, wenn Dru Hilfe braucht, hütet er ein verhängnisvolles Geheimniss.

Die Aufmachung des Covers passt sich dem des ersten Bandes perfekt an. Dunkle Farben, ein heller Schriftzug, der zu leuchten scheint und der samtige Eindruck beim Berühren des Covers machen den Schutzumschlag zu etwas Besonderem. Lediglich das männliche Model scheint nicht zu den Protagonisten zu passen, auch wenn klar ist, dass es sich hier um Graves handelt.

_Autorin_

Lili St. Crow ist das Pseudonym der amerikanischen Autorin Lilith Saintcrow, das sie für ihre actiongeladenen, spannenden Jugendromane verwendet. Sie wurde in New Mexico geboren und lebt heute mit ihrer Familie in Vancouver.

_Fazit_

Lili St. Crow zeigt, was sie kann. Mit „Verraten“ steigert sie die actionreiche Geschichte ihrer „Strange Angels“. Nervenzerreißende Spannung, ein authentischer und flüssiger Sprachstil und ansprechende, äußerst überzeugende Charaktere bieten nicht nur jungen Lesern unterhaltsamen Lesespaß.

Die Reihe um die „Strange Angels“ verspricht spannend zu bleiben und so freue ich mich schon jetzt auf den dritten Teil.

|Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
ISBN-13: 978-3426283462
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 15 Jahre
Originaltitel: Strange Angels: Betrayal|

_Lilith Saintcrow bei |Buchwurm.info|:_
|Jill Kismet|:
Band 1: [„Dämonenmal“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6337
Band 2: [„Schattenjagd“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6789
Band 3: [„Blutige Vergeltung“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7012

[„Teufelsbraut“ (Dante Valentine – Dämonenjägerin 1)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5288
[„Höllenritt“ (Dante Valentine – Dämonenjägerin 2)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5957
[„Feuertaufe“ (Dante Valentine – Dämonenjägerin 3)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6150
[„Sündenpfuhl“ (Dante Valentine – Dämonenjägerin 4)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6353
[„Höllenschlund“ (Dante Valentine – Dämonenjägerin 5)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6476

Kepler, Lars – Paganinis Fluch

_Inhalt_

Carl Palmcrona wird im Stockholmer Nobelstadtteil Östermalm in seiner Wohnung tot aufgefunden. Das Zimmer, in dem er an einem Strick hängt, ist unmöbliert – es gibt darin nichts, worauf er hätte steigen können, um Selbstmord zu begehen. Am selben Tag wird auf einer Jacht, die in den Stockholmer Schären treibt, eine tote Frau entdeckt. Ihre Lungen sind mit Meerwasser gefüllt, ihr Körper und ihre Kleider jedoch vollkommen trocken. Sie ist auf einem Boot ertrunken, das noch schwimmt … Die beiden Todesfälle geben der Polizei Rätsel auf. Bis Kommissar Joona Linna zwischen ihnen eine Verbindung entdeckt. Die Spur führt zu einem Mann, der die Violinen des Teufelsgeigers Paganini sammelt – und Albträume wahr werden lässt.

_Kritik_

„Paganinis Fluch“ von Lars Kepler alias Alexander und Alexandra Ahndoril ist der zweite Kriminalroman des Autorenduos. Schon in „Der Hypnotiseur“ spielte der finnisch-stämmige Kriminalkommissar Joona Linna die Rolle, des eigensinnigen, aber hochkompetenten Ermittlers. In Stockholm kommt es dubiosen Morden und der Täter scheint nicht gerade zimperlich gewesen zu sein.

Schon in den ersten Kapiteln wird sich der Leser fragen, was in aller Welt die vermeintlichen Morde mit dem Teufelsgeiger Paganini zu tun haben! In „Paganinis Fluch“ geht es um mehr als leidenschaftliche Musik oder einen Pakt mit dem Teufel. Politik kombiniert mit Waffenhandel bilden die Haupthandlung in diesem Roman des schwedischen Autorenpaares.

Umso verwirrender ist demnach der Titel des Buches. Weder viele Geigen noch ein Fluch sind Bestandteil der Handlung. Als Eyecatcher gedacht, verspricht der Titel überhaupt mysteriöse Spannung, doch dieses Mal ist der Plot gar nicht so spannend, wie es der Leser nach „Der Hypnotiseur“ erwartet.

Die Handlung birgt zwar Konflikte und Komplikationen, aber entwickelt sich in einem gemächlichen Tempo. Allerdings haben es die Autoren geschickt verstanden, die Charaktere in die Handlung zu integrieren. Naive Erpresser treffen auf Auftragskiller und Politiker gehen mit Rüstungskonzernen Bande eine. Hinzu kommt dann ein dekretierendes Foto, welches das zentrale Thema für Joona Linna wird. Nach und nach lichtet sich der Nebel und der Leser kann die verschiedenen Handlungsstränge miteinander verweben, sodass er den ermittelnden Beamten gut folgen kann und manchmal ist der konzentrierte Leser den Ermittlern sogar eine Nasenlänge voraus.

Diese Perspektive ist zwar interessant, aber leider vermeiden es die Autoren, so manches Detail zu verstecken. Zu transparent werden die Handlungen der Protagonisten, was zur Folge hat, dass der Spannung keine Möglichkeit gegeben wird, sich entwickeln zu können.

Viel Mühe und Aufwand hingegen gaben sich die Autoren mit der Konzeption ihrer Protagonisten. Axel Riessen, der das politische Amt des Rüstungskontrolleurs innehat, ist der Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Sein musikalisches Talent an der Geige konnte er nicht weiter ausbauen, da er indirekt getötet hat. Und diese Geister der Vergangenheit haben ihn mit dem Fluch der chronischen Schlaflosigkeit zurückgelassen. Sein gestörtes Verhältnis zu sich selbst und zu einem noch minderjährigen und psychisch-gestörten Mädchen klingt höchst interessant, aber ist dennoch recht unglaubwürdig. Und genau an dieser Stelle löst sich das Rätsel um den Titel des Romans in Wohlgefallen auf.

Das sehr aktuelle Thema „Waffenhandel“ wird leider in den Hintergrund gedrängt. Das Schweden so tief in den internationalen Waffenhandel involviert ist, vermutet der deutsche Leser gar nicht. Diese Brisanz hätte in dem Roman großartig verarbeitet werden können, allerdings verläuft auch diese Thematik im Sande.

_Fazit_

Die Erwartungshaltung war groß, gerade nach dem genialen Start mit „Der Hypnotiseur“ greift man nur allzu gerne nach dem zweiten Titel des schwedischen Autorenpaares.

Trotz sehr guter Ideen und einer fast schon perfekten Figurenzeichnung, verliert sich die Spannung in der oftmals unstrukturierten Handlung. Daran kann auch der interessante Joona Linna nicht viel ändern, der deutlich unterfordert erscheint.

„Paganinis Fluch“ ist ein solider Thriller und nicht unbedingt ein Kriminalroman, da hier zu viel verraten wird. Auch wenn ein wenig Enttäuschung vorherrscht, der dritte kommende Band, kann hoffentlich wieder an „Der Hypnotiseur“ anknüpfen.

|Gebundene Ausgabe: 624 Seiten
Originaltitel: Paganinikontraktet
ISBN-13: 978-3785724286|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de

_Lars Kepler bei |Buchwurm.info|_
[„Der Hypnotiseur“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6797
[„Der Hypnotiseur“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7015

Anne Hertz – Wunschkonzert

|“Hat er dir denn gefallen?“, fragt meine beste Freundin.
„Und wie!“, gebe ich zu. „Aber ,,,“
„Süße, wieso gibt es bei dir eigentlich immer ein Aber?“|

_Das Leben ist kein „Wunschkonzert“,_ zumindest nicht für Stella Wundermann. Stella hat in der Musikbranche als Senior Artists and Repertoire Managerin Karriere gemacht. Sie hat eine fürsorgliche Mutter und einen kuscheligen Freud, dem sie wirklich alles anvertrauen kann. Klingt gut? Ist es aber nicht! Stellas Mutter mimt die Glucke und Stellas wunderbarer Freund ist !Möhrchen!, ein Stoffhase aus ihrer Kindheit. Dazu kommt, dass es auch in ihrem Job nicht gerade zum Besten steht. Das Label, unter dem sie arbeitet, wurde verkauft und nun steht auch noch ein Teambuildingseminar in der Lüneburger Heide an.

Als würde das nicht schon reichen, um jedem den Tag gründlich zu vermiesen, steht Stella zusätzlich mitten im Gefühlschaos. Mit drei attraktiven Männern muss Stella sich herumschlagen. Da wäre einmal Tim, ein Musiker, den Stella gerne unter Vertrag nehmen würde. Ihr Konkurrent Martin, der plötzlich sehr liebevolle Seiten zeigt, und eben ihr neuer Chef, der sie zu dem Albtraum „Teambuildingseminar“ verdonnert hat.

_Kritik_

„Wunschkonzert“ spielt in der Musikbranche. Das Autorenduo Anne Hertz schickt ihre Protagonisten Stella Wundermann auf ein Teambuildingseminar in der Lüneburger Heide und ein großes Gefühlschaos.

Anne Hertz ist ein Garant für humorvolle und entspannende Lesestunden. Mit einer Menge Wortwitz beschreiben die Autorinnen, wie die Protagonisten Stella sich nicht nur beruflichen Herausforderungen stellen muss, sondern auch das komplette Gefühlschaos mit einer Menge Höhnen und Tiefen erlebt. Um ihren Plot um Liebe, Musik, Freundschaft und auch das innere Kind, haben die Autorinnen eine unterhaltsame Geschichte entwickelt, die ihre Leserinnen geradezu verschlingen dürften. Eine gute Portion Romantik wurde in die, für das Autorenduo bekannte, Irrungen und Wirrungen eingebettet. Jede Menge Humor ist dabei garantiert, aber auch Gefühl kommt nicht zu kurz. Dank des lockeren Stils der Autorinnen findet der Leser sich schnell in die Geschichte ein und das Buch liest sich flüssig in einem Rutsch. Mit einem Augenzwinkern erzählen Frauke Scheunemann und Wiebke Lorenz von den Erlebnissen Stellas. Sei es das Berufsleben, das plötzlich auf dem Kopf steht, das Gefühlschaos, in das sich Stella manövriert, oder auch das Entdecken eigener Träume, die lange verschüttet waren.

Spannung erzeugen die Hertz-Schwestern durch immer wieder auftretende Wendungen und dieses „Oh-Nein-Feeling“ wenn mal wieder etwas passiert, was das Leben der Protagonisten komplett auf den Kopf stellt. Fieberhaft blättert der Leser die Seiten um und hofft, dass das Ganze für die sympathische Stella gut ausgeht.

Da der Roman aus der Perspektive von Stella erzählt wird, bekommt der Leser hautnah mit, was die sympathische Protagonistin erlebt und empfindet.

Mit einem Augenzwinkern haben die Autorinnen ihrer Charaktere sehr lebensnah konzipiert.

Stella, die erst einmal den Eindruck macht, sehr kontrollsüchtig zu sein, dabei aber auch zuverlässig gerecht ist. Gradlinig und diszipliniert verfolgt sie ihre beruflichen Ziele, das Privatleben bleibt dabei allerdings ziemlich auf der Strecke. Nach und nach offenbart sich dem Leser, warum Stella sich so verhält. Schnell schließt der Leser Stella ins Herz und so der eine oder andere findet sich so manches Mal in dieser Figur wieder. Dass Stella sich so manches Mal selbst im Weg steht und so auch in äußerst peinliche Situationen schlittert macht diese Person ungemein liebenswert.

Tim Lievers ist der Sänger der Reeperbahnjungs und scheint Stella nicht nur als Karrieresprungbrett zu sehen. Mit gefühlvollen Songtexten umschmeichelt Tim Stella. Nachdem Stella ihn aber immer wieder vertröstet, nicht nur beruflich, geht er andere Wege. Tim macht einen sehr bodenständigen Eindruck und sorgt für viele gefühlvolle Momente in „Wunschkonzert“.

Martin, Stellas ärgster Konkurrent, scheint erst einmal leicht durchschaubar. Im Laufe des Romans fragt der Leser sich dann allerdings doch, wer Martin wirklich ist. Der arrogante Karriere-Typ, der alles aus dem Wege räumt, was seinen Erfolg schmälern könnte, oder doch ein Mann mit Herz?

Für die Geschichte sind einige Nebenrollen ebenfalls sehr wichtig. Stellas Mutter, die nachdem Stellas Vater sie sitzen lassen hat, von Männern überhaupt nichts hält und so auch ihre Tochter erzogen hat. Stellas beste Freundin Miriam und auch Stellas Sekretärin Hilde. In Gesprächen mit diesen Figuren lernt der Leser Stella noch viel besser kennen.

Das Cover kommt fröhlich bunt daher und passt so perfekt zum Plot. Auf den Umschlaginnenseiten sind Fotos der Autorinnen abgebildet und alle Romane der Hertz-Schwestern.

Das Besondere an diesem Titel: Er hat einen eigenen Soundtrack. Von Jan Sievers, der Pate für Tim Lievers ist, kommt das Album „Abgeliebt“ auf dem viele der Songtexte aus „Wunschkonzert“ zu hören sind. Nicht nur zusammen mit dem Buch gehört ist es ein Genuss, den Texten zu zuhören.

_Autorinnen_

Anne Hertz ist das Pseudonym der Hamburger Autorinnen Frauke Scheunemann und Wiebke Lorenz, die nicht nur gemeinsam schreiben, sondern als Schwestern auch einen Großteil ihres Lebens miteinander verbringen. Bevor Anne Hertz 2006 in Hamburg zur Welt kam, wurde sie 1969 und 1972 in Düsseldorf geboren. 50 Prozent von ihr studierten Jura, während die andere Hälfte sich der Anglistik widmete. Anschließend arbeiteten 100 Prozent als Journalistin. Anne Hertz hat im Schnitt zwei Kinder und mindestens 0,5 Männer. Mehr Informationen unter: [www.anne-hertz.de]http://www.anne-hertz.de

_Fazit_

Anne Hertz ist ein Garant für heitere, facettenreiche und gefühlvolle Lesestunden. Mit ihrem neuen Titel „Wunschkonzert“ haben die Autorinnen noch einmal mehr bewiesen, dass sie es verstehen, ihre Leserschaft vergnüglich zu unterhalten.

Die Mischung aus liebenswerten Figuren, einer Menge Humor und Gefühl und interessanten Themen, wie hier die Musik, ist perfekt gelungen. „Wunschkonzert“ ist die ideale Begleitung für einen entspannten Tag.

Zusammen mit Jan Sievers CD „Abgeliebt“, auf der viele Songtexte aus dem Buch zu hören sind, ist ein außergewöhnliches Leseerlebnis sicher das klangvoll unterstütz wird.

|Broschiert: 384 Seiten
ISBN-13: 978-3426652718|
http://www.droemer-knaur.de/home

Wunschkonzert ist ebenfalls als E-Book mit exklusiven Zusatzinhalten, Videos und Audios erhältlich.

_Anne Hertz_ bei |Buchwurm.info|
[„Sahnehäubchen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7017

Eagle, John Henry – eiserne König, Der

|“Wenn der Mond am Tag der Ruhelosen Seelen rundet, wird der eiserne König von den Toten auferstehen. Dann wird die Säule unserer Welt zu Staub zerfallen, und alles, was grünt, wird verdorren, und alles, was aufrecht geht, wird sich beugen, und der eiserne König wird für immer über Pinafor herrschen. Und nur derjenige wird ihn überwinden, welcher die Kraft achtet, die allem Lebendigen innewohnt; und nur wird ihn niederringen welcher um die Macht der fünf Finger weiß. So steht es geschrieben, und so wird es sein.“|

Hans lebt in einer Gruppe von Räubern in den Wäldern von Pinafor. Die verruchte Gruppe wird von Grimm angeführt. Pinafor scheint in Gold zu ersticken, daher sind die Raubzüge der Truppe von Erfolg gekrönt und Übermut macht sich breit. Eines Tages, die Räubertruppe ist gerade auf dem Weg in ihr Versteck, wird Hans auf ein geheimnisvolles Mädchen mit magisch grünen Augen aufmerksam, das die Gruppe beobachtet. Grimm stellt dieses Mädchen und will wissen, was es in den finsteren Wäldern treibt. Als sie nicht spricht, schickt Grimm sich an das junge Mädchen zu foltern. Doch das Mädchen wehrt sich und mit einem grünen Feuer verbrennt sie alle außer Hans.

Unter Schock stehend stolpert Hans durch den Wald und bricht ohnmächtig zusammen. Als er wieder erwacht, befindet er sich in einem Hexenhäuschen und steht seinen Dämonen gegenüber. Schließlich wurde er in jungen Jahren von einer Hexe gefangen gehalten die ihn zu gerne verspeist hätte. Nur der Mut seiner Schwester rettete ihm sein Leben. Doch die alte Muhme pflegt Hans gesund, schließlich wartet eine große Aufgabe auf ihn.

So ergeht an Hans der Auftrag ein geheimnisvolles Mädchen mit grünen Augen und einem tätowierten Labyrinth auf dem Rücken zu finden, um Pinafor vor dem Untergang zu retten. Gemeinsam mit Sneewitt und ihren Gefährten macht sich Hans auf um ein großes Abenteuer zu bestehen. Aber Hans und seine Gefährten sind nicht die Einzigen, die auf der Suche nach dem Mädchen sind, ein grausamer Untoter und seine Sieben Raben sind der Truppe voraus.

_Kritik_

Mit seinem phantastischen Abenteuer „Der eiserne König“ erzählt der Autor John Henry Eagle nicht nur ein abenteuerliches Märchen. Der Autor erzählt außerdem von bekannten Märchenfiguren deren Geschichte und Leben doch nicht so traumhaft verlaufen ist wie die Leser es nach dem „und wenn sie nicht gestorben sind …“ vermuten dürften.

Der Erzählstil von J. H. Eagle ist flüssig zu lesen und sehr abwechslungsreich. Sprachlich überzeugt „Der eiserne König“ ebenfalls, da viel Wert auf Ausdruck gelegt wird. Der Stil passt sich so dem märchenhaften und sehr abenteuerlichen Plot geradezu perfekt an. Ein klarer Satzbau und Kapitel von angenehmer Länge unterstreichen die Lesbarkeit. Bildgewaltig beschreibt der Autor das Land Pinafor, schnell gelingt es so, sich die Umgebung bildhaft vorzustellen. Eine Karte auf den Umschlaginnenseiten unterstützt dies noch zusätzlich. Trotz der lebendigen Beschreibungen verrennt sich der Autor niemals in seinen Schilderungen, sondern gibt auch der beeindruckenden Handlung den erforderten Raum sich zu entfalten. Keinesfalls romantisch und verklärt wird hier dieses märchenhafte Abenteuer erzählt, der Autor schafft eine authentisch düstere Grundstimmung zu übermitteln, die perfekt zu dem originellen Plot passt. Verschiedene Rückblicke machen klar, mit welcher märchenhaften Figur der Leser es gerade zu tun hat, denn nicht immer geben die Namen einen Hinweis. Da wird im Verlauf der Geschichte so manche Überraschung auf die Charaktere und vor allem die Leser zukommen. Zum Ende sind dann alle Geschichten und Handlungen sinnvoll miteinander verknüpft und die Geschichte ist abgeschlossen.

Aufgeteilt ist die spannende Geschichte in zwei Teile. Teil eins „Das Mädchen mit den grünen Augen“, befasst sich mit der Suche und den Abenteuern, die die Gefährten auf der Suche nach dem geheimnisvollen Mädchen Maleen erleben. Im zweiten Teil „Fünf Finger hat die Hand“ müssen die Charaktere noch viele weitere Abenteuer bestehen.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht eines unbeteiligten Beobachters, der die Geschichte sehr gut im Blick hat. So bekommt der Leser nicht nur mit was im Lager von Hans und seinen Gefährten passiert, auch was die Gegenspieler planen und erleben, wird erzählt. Diese allumfassende Perspektive lässt es zu, die Geschehnisse umfassend mitzuerleben.

Gleich zu Beginn der Geschichte wird ein enormer Spannungsbogen aufgebaut, der sich dann durch die Geschichte hinweg hält. Der Spannungsbogen flaut auch innerhalb der Geschichte kaum mal ab und so wird der Leser von einem zum nächsten Erlebnis getrieben. Pausen zum Luftholen gönnt uns Lesern der Autor kaum. Immer, wenn man meint, es müsste mal zu einer ruhigeren Phase kommen, gibt es eine Wendung, die direkt in das nächste atemlose Abenteuer führt. Manchmal wirkte dies etwas zu überladen.

Eine Vielfalt sehr interessante und individuelle Figuren werden uns Lesern präsentiert. Anders als der Ausgang vieler Märchen glauben macht, tragen diese lebendigen Charaktere ihre Dämonen mit sich und kämpfen so nicht nur gegen das „Böse“ das Pinafor unterjochen will, sondern auch gegen die prägenden Erlebnisse ihrer Vergangenheit. Ob Hans, Sanne, Reineke Fuchs, Sneewitt, Horn oder Hardt, um nur einige zu nennen, jeder Charakter hat seine eigenen Eigenarten, die diese vielschichtigen Figuren ausmachen. Die Protagonisten entwickeln sich zudem sehr glaubwürdig weiter, wobei diese ihre eigenen Ziele verfolgen, und trotzdem als Gruppe bestehen können. Aber nicht nur die Protagonisten sind so vielfältig konzipiert, auch die Antagonisten wie beispielsweise Grimm sind glaubwürdig in ihrer Motivation und zudem wandlungsfähig. Überflüssige Darsteller sind trotz der Vielfalt nicht vorhanden, jeder trägt zum Gelingen der Geschichte unverzichtbar bei.

_Autor_

John Henry Eagle wurde 1971 als Sohn eines in der Lüneburger Heide stationierten britischen Offiziers und einer deutschen Mutter geboren. Nach einem wechselhaften schulischen Werdegang, der ihn an mehrere Internate führte, arbeitete er sich in London zum Börsenmakler hoch, stieg dann aber aus und kehrte nach Deutschland zurück, um sich dem Schreiben zu widmen. Er verfasste unter Pseudonym Drehbücher, Schauerromane und Szenarios für Graphic Novels. „Der Eiserne König“ ist das erste Buch, das unter seinem wahren Namen erscheint. Er lebt mit vielen Katzen in der Nähe von Berlin.

_Fazit_

Auf 651 Seiten erzählt John Henry Eagle ein wahrhaft meisterhaftes Abenteuer, das die Leser schlicht fesseln dürfte. Intelligente und mutige Figuren und ein reizvoller Plot, der neben atemberaubender Spannung noch einiges mehr zu bieten hat, sorgen für wahrlich märchenhafte Unterhaltung.

Mich hat der Autor überzeugen können. Und nachdem in „Der eiserne König“ aus den Schätzen Grimms Märchen geschöpft wurde, hoffe ich, dass sich John Henry Eagle auch noch andere Märchenerzähler vornimmt.

|Gebundene Ausgabe: 650 Seiten
ISBN-13: 978-3841421173|
[Fischer Verlage]http://www.fischerverlage.de/buecher/kinder-__und__jugendbuecher

Ullrich, Allyssa / Ullrich, Hortense – Last Girl Standing: Die Wette

Diese Rezension stammt von Nadine Stifft

_Inhalt_

Charly ist ziemlich tollpatschig. Erst recht, wenn ein Mann in ihrer Nähe ist. Dann blamiert sie sich auch schon mal kräftig. Auch als sie Felix begegnet, ist es nicht anders und sie möchte im Boden versinken, denn sie hat sich ein wenig in Felix verguckt und berichtet dies später ihren vier Freundinnen Lavender, Emmy, Leonie und Sofia bei ihrem nächsten Treffen. Die fünf Damen verbringen jeden Freitagabend miteinander, um das Thema „Männer“ zu diskutieren. Und eigentlich haben sie auch gedacht, dass sie so schnell kein Mann auseinanderbringen kann. Bis Felix ihnen wegen einer Wette mit seinem besten Kumpel Tim einen Strich durch die Rechnung macht. Denn in der Wette geht es darum, an einem Abend drei Dates gleichzeitig zu haben und dabei nicht aufzufliegen. Blöderweise sucht sich Felix nun drei von den besten Freundinnen aus …

_Kritik_

„Last Girl Standing“ von Allyssa und Hortense Ullrich ist ein frischer und spritziger Frauenroman, bei dem der Humor nicht auf der Strecke bleibt. Allein auf den ersten Seiten musste ich wegen der süßen Tollpatschigkeit von Charly schon viel schmunzeln. Die Geschichte ist aus der Sicht eines Beobachters geschrieben, die Sätze sind nicht allzu lang und flüssig zu lesen. Es gibt viele und auch lustige Dialoge. Die Kapitel sind meist kurz, so dass man sich auch zwischendurch mal eine Pause gönnen kann.

Es ist sehr amüsant zu lesen, wie sich die verzwickte Geschichte entwickelt. Denn irgendwie weiß ja keiner von den Mädels, dass sie den gleichen Typen kennen gelernt haben. Und auch Felix und Tim tappen erst mal im Dunkeln. So nach und nach dämmert es den beiden aber doch. Weil Felix aber seine Wette nicht verlieren will, datet er dann trotzdem alle drei, was in einem kleinen Spektakel endet. Danach sinnen die Freundinnen auf eine kleine Rache.

Besonders gelungen finde ich, dass die Kapitel jeweils nach einem Cocktail benannt sind, dessen Rezept am Ende des Kapitels immer abgedruckt ist. Viele hören sich recht lecker an.

Negativ finde ich, dass so ein Namenswirrwarr herrscht. Bei so vielen Protagonisten bleibt es wahrscheinlich nicht aus, aber nach einer Weile blickt man doch ganz gut durch und man kann die Geschichte genießen. Leider ist es generell ein Buch, welches ein absehbares Ende hat. Also ist es meines Erachtens nicht allzu spannend.

_Autorinnen_

Hortense Ullrich ist im Saarland geboren und in Bad Homburg aufgewachsen. Nach ihrem Design-Studium in Wiesbaden arbeitete sie in einer Werbe- und PR-Agentur in Frankfurt. Nachdem sie bei verschiedenen Fachzeitschriften Redakteurin, Ressortleiterin und Chefredakteurin war, entschloss sie sich, Drehbuchautorin zu werden. Inzwischen lebt sie als erfolgreiche Autorin zahlreicher Kinder- und Jugendbücher mit ihrer Familie in Bremen.

Allyssa Ullrich lebt seit knapp zwei Jahren in Hamburg, studiert Media Management und hat nun ihren zweiten Roman geschrieben. (Verlagsinfo)

_Fazit_

„Last Girl Standing“ von Allyssa und Hortense Ullrich ist eine tolle kleine Lektüre für zwischendurch, wenn man mal Lust auf etwas Humor hat oder sich den Tag ein wenig versüßen möchte. Die Geschichte an sich ist nicht sehr lang und somit gut zu lesen. Ich kann das Buch demnach mit gutem Gewissen weiterempfehlen.

|Taschenbuch: 256 Seiten
ISBN-13: 978-3499216053|
[www.rowohlt.de]http://www.rowohlt.de

 

JANA OLVIVER – Aller Anfang ist Hölle (Die Dämonenfängerin 1)

Die Dämonenfängerin:

Band 1: „Aller Anfang ist Hölle“
Band 2: „Forbidden“ (noch ohne dt. Titel)
Band 3: „Forgiven“ (noch ohne dt. Titel)

Die Hölle ist leer, und alle Teufel sind hier (Shakespeare).

Atlanta 2018. Riley Blackthorne lässt sich von ihrem Vater zu einer Dämonenfängerin ausbilden. Luzifer hat die Zahl der Dämonen stark erhöht und so will die junge Riley in die Fußstapfen ihres Vaters Paul treten. Dieser gilt als der erfolgreichste Dämonenfänger und Riley begegnet daher nicht nur Wohlwollen in der Zunft der Dämonenjäger.

Als ihr Vater überraschend bei einem Auftrag ums Leben kommt, stellt sich das Leben der 17 Jahre jungen Riley auf den Kopf. Ihre Mutter musste sie bereits zu Grabe tragen und so erträgt sie es nur schwer, auch noch ihren Vater zu verlieren. Nun hat sie nur noch Denver Beck, Pauls ehemaligen Lehrling und Partner an ihrer Seite. Vor Jahren war Riley sehr verliebt in den jungen Dämonenfänger, der sie aber zurückwies. So erträgt Riley Beck kaum.

Nekromanten haben es zusätzlich auf den Leichnam ihres Vaters abgesehen, Reiche würden eine Menge Geld für so einen untoten Diener zahlen. So bleibt Riley nichts anderes über, als nächtelang auf dem Friedhof Wache zu halten.

Kritik

Mit „Aller Anfang ist Hölle“ eröffnet Jana Oliver ihre Serie um die Dämonenfängerin Riley Blackthorne. Die Serie spielt in Atlanta, einer Stadt, die Luzifer mit Dämonen überspült.

Auf jugendliche Leser ausgerichtet, ist dem lockeren Erzählstil leicht zu folgen. Verständlich und flüssig geschrieben erleben die Leser die fesselnden Abenteuer Rileys mit. Dem Verlauf der Geschichte kann spielend gefolgt werden. Zwischen den interessanten Figuren geführte Dialoge sind in jugendlicher Sprache verfasst. Dies passt zwar hervorragend zu den heranwachsenden Charakteren. Bei Sätzen wie: „Die Hütte tut bald einstürzen …“ dürften sich die Leser jedoch ernsthaft fragen was sich Autorin oder Lektorat dabei gedacht haben. Witzig sind die Wortstellungen der Dämonen, diese erinnern stark an Yoda aus „Star Wars“.

Das Atlanta in dem Riley lebt wird ausführlich beschrieben und so entsteht auch schnell ein umfassendes Bild der Gesamtsituation. Interessant ist vor allem, wie es mit der Schulbildung steht und mit welchen Problemen die Bevölkerung zu kämpfen hat, nicht nur die unterschiedlichen Dämonen machen den Menschen das Leben schwer.

„Aller Anfang ist Hölle“ ist definitiv als Einführung in das Leben der jugendlichen Riley und die Serie um diese Figur zu verstehen. Viel wird erklärt und die unterschiedlichen Charaktere eingeführt. Da bleibt die Spannung so manches Mal auf der Strecke, faszinierend ist der Plot allerdings allemal. Aufgrund der interessanten Handlung bleibt der Lesefluss auch nicht auf der Strecke und interessiert verfolgt der Leser wie das Schicksal Rileys sich entwickelt. Auch wenn das Buch die meiste Zeit vor sich hinplätschert, kommt es doch zu einem gewaltigen Showdown, der extrem spannende Folgebände verspricht.

Rückwirkend erzählt ein vorurteilsfreier Beobachter die aufregenden Erlebnisse von Riley. Dabei konzentriert sich die dritte Person vollkommen auf Riley, dadurch lernt der Leser die ansprechende Protagonistin überaus gut kennen. Die persönlichen Hintergründe der weiteren interessanten Figuren bleiben allerdings noch auf der Strecke. Dies dürfte sich allerdings in den Folgebänden nach und nach legen, gehören diese offenen Fragen unter anderem zu den Dingen, die neugierig auf mehr machen.

Die Figurenzeichnung ist der Autorin sehr glaubwürdig und überzeugend gelungen. Die zumeist jugendlichen Charaktere verhalten sich, wie der Leser es von dieser Altersgruppe erwarten kann.

Rileys Charakter und auch ihre Motivation werden ausführlich und glaubwürdig beschrieben. Wie sie mit den Problemen umgeht, die sich im Zuge ihrer außergewöhnlichen Tätigkeit und des Todes ihres Vaters entwickeln, werden authentisch vermittelt. Auch die weiteren Darsteller wirken meist sympathisch. Offene Fragen gibt es zu manchen, dies macht einen Serienstart allerdings auch aus. Letztendlich lebt eine Serie davon, dass der Leser in den Folgebänden auf Antworten hofft. Dämonen stellen ja in der Regel das vollkommene Böse dar, in dem vorliegenden Roman ist dies auch genau so. Zumindest ab der Dämonenstufe drei. Durch die Sprache, die die Autorin den dämonischen Wesen in den Mund gelegt hat, schmunzelt der Leser sicherlich aber auch so manches Mal.

Das Cover ist sehr ansprechend gelungen. Hell gehalten ist ein junges Mädchen abgebildet, das durchaus Riley sein kann. In der Hand hält sie eine, in der Handlung öfter vorkommende, Glaskugel. Der Serientitel wird durch Prägung und Spotlack hervorgehoben.

Autorin

Jana Oliver, geboren und aufgewachsen in Iowa, ist eine preisgekrönte Autorin. Sie ist am glücklichsten, wenn sie haarsträubende Legenden recherchiert, auf alten Friedhöfen umherwandert und neue Geschichten erträumt. Sie glaubt wirklich, dass sie den besten Job der Welt hat. „Aller Anfang ist Hölle“ ist der erste Band ihrer neuen Serie „Die Dämonenfängerin“. Die Autorin lebt wie ihre Heldin Riley Blackthorne in Atlanta, Georgia.

Fazit

Mit „Aller Anfang ist Hölle“ hat Jana Oliver den äußerst vielversprechenden Start ihrer Serie um die Dämonenfängerin Riley Blackthorne veröffentlicht. Sicherlich als Einführung in die folgenden Bände gedacht, lernt der Leser die verschiedenen Charaktere, besonders die Protagonistin Riley Blackthorne, sehr gut kennen. Neben dem spannenden Showdown überzeugt der Roman durch den feinen Humor und die lebendigen Figuren. Der fesselnde Plot tut sein Übriges.

Ich bin sehr gespannt, wie es mit Riley weitergeht. Ich denke wir Leser können uns hier noch auf viele unterhaltsame Lesestunden freuen.

Gebundene Ausgabe: 537 Seiten
Orginaltitel: The Demon Trappers 1. Forsaken
ISBN-13: 978-3841421104

Verlagshomepage

White, Kiersten – Flames \’n Roses – Lebe lieber übersinnlich

_|Paranormalcy|-Trilogie:_

Band 1: „Flames ’n‘ Roses“
Band 2: „Supernaturally“ (26.07.2011, noch ohne dt. Titel)
Band 3: – nur angekündigt –

|“Ich weiß nicht, woher ich komme.
Ich sehe Dinge, die du nicht siehst.
Ich bin Teil einer dunklen Prophezeiung.
Und dabei will ich doch nur eins: ein richtiges Date!“|

_Die 16-jährige Evie_ hält sich eigentlich für ein ganz normales Mädchen, das sich nur durch eine ganz besondere Gabe von den übrigen Menschen unterscheidet: Evie kann durch die Cover paranormaler Wesen schauen und diese somit erkennen. Was Evie dort zu sehen bekommt, unterscheidet sich stark von dem, was generell von paranormalen Wesen erwartet wird. Da wären zum Beispiel Vampire, die unter ihrem verführerischen Cover so aussehen, wie es eigentlich erwartet werden dürfte, ziemlich tot. Dies ist auch der Grund dafür, dass Evie von Raquel als kleines Mädchen adoptiert wurde und seitdem für die IBKP (Internationale Behörde zur Kontrolle Paranormaler) arbeitet.

Evies Job besteht darin, nicht registrierte Paranormale aufzuspüren und zu klassifizieren. Ausgerüstet mit ihrem pinken, mit Glitzersteinchen verzierten Tasey (Anm.: Taser/Elektroschockgerät) macht Evie daher Jagd auf Vampire, Werwesen und Co.
Trotzdem verläuft Evies Leben relativ glücklich, nur ein Traum scheint unerfüllbar. Evie würde gerne das ganz normale Leben einer Jugendlichen, inklusive Schulbesuch, führen. Dies wird ihr allerdings von ihrer Ziehmutter Raquel streng untersagt. So ergibt es sich, dass Evies beste Freundin die Meerjungfrau Alisha ist und sie ihre ersten romantischen Erfahrungen mit einem Feenmann hat.

Doch plötzlich steht Evies geordnetes Leben völlig auf dem Kopf, der Gestaltenwandler Lend bricht in die Zentrale der IBKP ein. Durch ihn erfährt Evie nicht nur, dass seit Kurzem viele paranormale Wesen getötet wurden und es eine dunkle Prophezeiung gibt, die irgendwie bis ins Detail auf Evie zutrifft. Wobei Evie sich ziemlich sicher ist, nicht böse zu sein und dass sie keinesfalls ein paranormales Wesen ist. Trotzdem forscht Evie gemeinsam mit dem süßen Lend nach, was es mit dieser Prophezeiung auf sich hat und wer Evie wirklich ist, denn so normal, wie sie bisher immer dachte, scheint sie doch nicht zu sein ,,,

_Kritik_

Mit ihrem Debütroman „Flames ’n‘ Roses – Lebe lieber übersinnlich“ hat die Autorin Kiersten White einen facettenreichen und vielversprechenden Auftakt einer übersinnlichen Trilogie veröffentlicht. Auch wenn hier wieder zu den beliebten Vampiren und anderen paranormalen Wesen gegriffen wird, werden diese doch erfrischend anders gezeigt.

Kiersten White bedient sich einem leicht verständlichen und emotionsgeladenen Erzählstil, der auf die jugendliche Zielgruppe ausgerichtet ist. Mit viel Liebe zum Detail und einer Menge Wortwitz beschreibt die Autorin nicht nur ihre liebenswerten Figuren, auch die Schauplätze ihrer humorvollen und magischen Handlung werden faszinierend beschrieben. Schnell entsteht so ein dreidimensionales Bild vor dem Auge des Lesers. Die für andere Jungendbücher typischen verbalen Ausfälle wurden hier interessant und humorvoll gelöst, was zu einem deutlichen und vor allem witzigen Pluspunkt führt. Auch die Romantik kommt hier nicht zu kurz, passend zum Alter der Protagonisten entfaltet sich diese sanft und daher sehr authentisch.

Der erste Band der Trilogie endet abgeschlossen und trotzdem werden genug Fragen offengelassen, um den Leser auf die weiteren Bände neugierig zu machen.

Gleich zu Anfang wird der Leser in die spannende, aber auch humorvolle Geschichte hineingeschubst. Man findet sich auf einem düsteren Friedhof wieder, auf dem ein Vampir es kaum fassen kann, dass unsere Heldin Evie nicht gleich vor Schreck und Angst umfällt. Der Spannungsbogen wird nach diesem Vorfall erst einmal in einem niedrigen Bereich gehalten und der Leser bekommt erst einmal einen Einblick in Evies Leben und lernt auch die anderen für diese Geschichte wichtigen Charaktere kennen. In dem Moment, wo der geheimnisvolle Lend dann die Bildfläche betritt, zieht der Spannungsbogen sehr deutlich an. Nicht nur der Tod vieler paranormaler Wesen beeinflusst diesen, auch das rätselhafte Geheimnis um Evie und die düstere Prophezeiung, schaffen es hier, den Leser an das undurchsichtige Geschehen zu fesseln.

Aus der Perspektive Evies erzählt, fällt es dem Leser sehr leicht in die Haut der liebenswerten Protagonistin zu schlüpfen. Evie erzählt, wie ihr der jugendliche Schnabel gewachsen ist und legt auch ihre Sehnsüchte offen. Gemeinsam mit der liebenswerten Figur macht sich der Leser so auf, das Geheimnis um Evie und die mysteriöse Prophezeiung zu lüften. Ihre Geschichte erzählt Evie mit so viel Witz, Aufrichtigkeit und Liebenswürdigkeit, dass der Leser sie schon fast nur lieben kann.

Ansprechend und sehr authentisch sind die einzelnen Darsteller konzipiert. Keiner gleicht dem anderen und facettenreiche Charaktereigenschaften machen es dem Leser nicht immer leicht hinter die Gesichter zu blicken.

Allen voran wird Evie sehr glaubwürdig und vielschichtig beschrieben. Nicht nur ihre Liebe zu glitzernden und vor allem zu rosafarbenen Accessoires macht dieses toughe Mädel aus. Vor allem besticht sie durch Mut, Gradlinigkeit und auch eine gute Portion Selbstironie. Auch ihre Sehnsucht nach ein wenig Normalität, und sei es nur ein ganz normaler Schulbesuch statt des ewigen Privatunterrichts, kommt deutlich zum Ausdruck. Aufgewachsen zwischen Erwachsenen und deutlich älteren Paranormalen, ist es nur logisch, dass sie sich direkt zu dem gleichaltrigen Lend hingezogen fühlt.

Lend ist ein Gestaltenwandler der besonderen Art, er hat sich nicht auf ein Cover festgelegt, sondern wechselt diese nach Lust und Belieben. So kann es durchaus passieren, dass Evie sich selbst gegenübersitzt. Dem Leser dürfte schnell klar sein, dass Lend wenig Böses im Sinn hat, auch wenn seine Herkunft geheimnisvoll bleibt.

Bei den weiteren Charakteren sorgt die Autorin immer wieder für Überraschungen, sodass die Handlung niemals vorhersehbar ist.

Besonders gut haben mir auch die diversen Nebencharaktere gefallen, hier wurde nicht nur dem Vampir als dem Wesen schlechthin Raum gegeben. Auch Moorhexen, Trolle, Feen (die nicht immer so süß sind, wie man gemeinhin glaubt), Wassergeister und Nixen tummeln sich in der ansprechenden Geschichte.

Auch das Cover verdient lobende Worte, der Verlag ist ja nicht nur für geniale Bücher bekannt, auch die Gestaltung der einzelnen Cover gelingt immer wieder meisterhaft. Im vorliegenden Fall wurde ein ansprechendes Cover gestaltet, das nicht nur durch die Farbkombination ins Auge fällt. Gelungen ist hier dann auch das Design der Kapitelüberschriften, die eine florale Grafik zeigen. Besonders liebenswert sind die in pink gedruckten Seitenzahlen und das passende Lesebändchen in grau.

_Fazit_

Mit „Flames ’n‘ Roses – Lebe lieber übersinnlich“ hat die Autorin Kiersten White einen vielversprechenden Start einer übersinnlichen und spannenden Trilogie veröffentlicht, die nicht nur durch außergewöhnliche und sympathische Figuren hervorsticht.

Die Mischung aus altbekannter Fantasy gepaart mit neuen Ideen ist der Autorin hervorragend gelungen. Kiersten White hat gekonnt in ihren magischen Plot eine jugendlich frische Romanze eingewoben.

Mir hat das Buch überraschend gut gefallen und schon jetzt freue ich mich auf die beiden Folgebände.

_Autorin_

Kiersten White hat einen großen Mann und zwei kleine Kinder. Sie lebt in San Diego, nahe dem Meer, wo sie ihre Tage vollkommen normal verbringt. Diese Fülle an Normalität hat dazu geführt, dass sie alle paranormalen Dinge absolut faszinierend findet – unter anderem Feen, Vampire und Popkultur.

„Flames ’n‘ Roses“ ist ihr erstes Buch. (Verlagsinfo)

|Gebundene Ausgabe: 380 Seiten
ISBN-13: 978-3785572382
Originaltitel: Paranormalcy|
[www.loewe-verlag.de]http://www.loewe-verlag.de

Andrzej Sapkowski – Dame vom See, Die (Geralt-Saga, 5. Roman)

Diese Rezension stammt von Michael Birke

_Die Geralt-Saga:_

Vorgeschichte: _1_ [Der letzte Wunsch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3939
Vorgeschichte: _2_ [Das Schwert der Vorsehung]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5327

_Roman 1_: [Das Erbe der Elfen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5334
_Roman 2_: [Die Zeit der Verachtung]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5751
_Roman 3_: [Feuertaufe]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5966
_Roman 4_: [Der Schwalbenturm]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6447
_Roman 5: Die Dame vom See_

„Ich bin mir nicht sicher, ob diese Geschichte wirklich schon zu Ende ist. Denn du musst wissen, dass sich Vergangenheit und Zukunft schrecklich verflochten haben. In jedem Augenblick liegt die Ewigkeit.“

Ich kann mich diesem Zitat auf dem Buchrücken nur anschließen, denn genau so hat Sapkowski „Die Dame vom See“, den abschließenden Band der Hexer-Saga, geschrieben. Sehr schwer fällt es mir diesen Roman zu bewerten, denn sehr unterschiedlich sind die durch eine sehr wirre und willkürliche Rahmenhandlung zusammengefassten Erzählungen. Das hat jedoch auch etwas Gutes, so kommt Geralt wieder mehr zum Zuge als in „Schwalbenturm“, was mir sehr gut gefallen hat. Als weitere Perspektiven werden unter anderem die eines Kriegsfreiwilligen, eines Medikus im Schlachtgetümmels, der Loge der Zauberinnen, Ciris Gefangenschaft als Dame vom See und sogar des Kaisers Emhyr var Emreis angeboten.

Leider war die Prophezeiung um Ciri und ihre Bedeutung für die ganze Welt von Anfang an sehr vage und bleibt es bis zu ihrer überraschenden, aber relativ unbefriedigenden Auflösung. Danach plätschert der Roman noch sehr lange hin, die in diese Rahmenhandlung eingeflochtenen Episoden wirken nach dem Showdown mit Nilfgaard auf dem Schlachtfeld überflüssig und aufgesetzt. Warum hat Sapkowski stattdessen nicht mehr aus der Provinz Touissant erzählt, wo Geralt auf der erfolglosen Suche nach Ciri Station macht und von Fringilla Vigo becirct wird. Hier nämlich ist er der Hexer, wie wir ihn kennen und lieben. Monster soll er jagen, die wahren Monster sitzen jedoch im Schloss und sind menschlich. Der angeblich gar so böse Sukkubus, den die Damenwelt von Touissant gerne erledigt sehen würde, hat viele Freunde, vergreift sich nicht an Minderjährigen und ist auch ansonsten sehr gut gelitten, weshalb alle Männer Geralt anflehen, den süßen Sukkubus doch bitte zu verschonen. Natürlich findet Geralt eine passende Lösung. Einen weiteren Höhepunkt stellt die Schlacht mit den Heeren Nilfgaards dar, die Sapwkoskis unter anderem aus der Perspektive eines Kriegsfreiwilligen und eines Feldschers sehr intensiv und gelungen schildert.

Etwas sehr weit hergeholt und mitunter irritierend war die Verknüpfung mit der Artuslegende, Parzival und dem Elfenkönig Oberon. Nimue und Condwiramurs (Parzivals Mutter) die Geschichte Ciris „nachträumen“ zu lassen und von ihren Erlebnissen in der Elfenwelt zu berichten zu lassen stört den Lesefluss beträchtlich. Am Ende der Geschichte wird der Bogen zum Beginn, wo der Ritter Galahad eine nackte Ciri im See baden sieht, geschlagen. Warum so viel Aufwand für diesen geringen Effekt? Es scheint mir eher, dass Sapkowski wie bereits in seiner Hussitensaga um Reinmar von Bielau die Luft und die Lust ausgegangen sind. George R. R. Martin arbeitet mit wesentlich mehr Figurenperspektiven, aber die Handlung wird dadurch nicht verworren oder irritierender. Spannungskurve und Gesamtkonzeption Fehlanzeige, ein überbordender Überbau für das, was Sapkowski am besten kann und wohl auch am liebsten weiter gemacht hätte: Kurze, knackige und humorvolle Episoden über den Hexer Geralt zum Besten geben.

Als Abschluss der Hexersaga ist das Buch leidlich gelungen, ich hätte mir gewünscht, mehr von Geralt und Yennefer zu lesen. In Zukunft würde ich mir lieber weitere Kurzgeschichten rund um den Hexer wünschen, gerne auch über interessante Charaktere aus seinem Umfeld. Eine ganze Welt rund um die Geschichten zu schaffen ist lobenswert und faszinierend, doch die recht diffuse Prophezeiung um Ciri hätte Sapkowski besser nicht bemühen sollen, sie ist recht schwach und die abschließende Pointe lässt vieles im Nachhinein als sehr unlogisch und konstruiert erscheinen.

Trotzdem hatte ich mit „Die Dame vom See“ mehr Freude als an „Schwalbenturm“. Die Saga um Geralt wird in der kommenden Fortsetzung des ausgezeichneten Computerrollenspiels „The Witcher“ weitergeführt. Allerdings hat Sapkowski an „The Witcher 2: Assassins of Kings“ in keinster Weise mitgewirkt. Leider hat der Autor bisher nichts über eine Fortsetzung der Hexer-Geschichten verlauten lassen. Nur einige ältere Kurzgeschichten, die zum Teil in Konflikt zu den anderen Geschichten stehen, sind noch nicht ins Deutsche übersetzt worden.

Schade, ich hätte trotz dieses Abschlussbandes gerne weitere Abenteuer des Hexers gelesen.

|Taschenbuch: 539 Seiten
Originaltitel: |Pani Jeziora|
Aus dem Polnischen von Erik Simon
ISBN-13: 978-3423248174|
[www.dtv.de]http://www.dtv.de
[www.der-hexer.de]http://www.der-hexer.de

 

_Weitere Titel des Autors bei |Buchwurm.info|:_
[„Narrenturm“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1884
[„Gottesstreiter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3367
[„Lux perpetua“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4568

Interview mit Sabine Ebert

_Um Sie den Lesern vorzustellen, würden Sie etwas über sich erzählen?_

Ich bin in Berlin aufgewachsen, habe dann in Magdeburg mein journalistisches Volontariat gemacht und in Rostock Sprachwissenschaften studiert. Dann hat es mich ins sächsische Freiberg verschlagen, dort arbeitete ich viele Jahre als freie Journalistin und habe mehrere Sachbücher zur Freiberger Geschichte geschrieben. Bis dann irgendwann dann der Wunsch immer stärker mich an einem Roman zu versuchen.

An meinem ersten Roman habe ich dann, neben meiner eigentlichen Arbeit, fünf Jahre geschrieben. Da wusste ich auch noch nicht, ob mir das gelingen wird, ob ich das kann. Ob ich überhaupt einen Verlag finden werde, ob ich Leser finden werde, aber ich wollte es einfach mal versuchen … und das ist dabei rausgekommen.

_Lesen Sie gerne selbst? Wenn ja, welche Genres faszinieren Sie am meisten? Auch etwas Historisches?_

Früher habe ich historische Romane gelesen, jetzt gar nicht mehr. Da ich selber welche schreibe, lese ich lieber Fantasy, Science-Fiction oder einen Krimi als Kontrastprogramm.

_In einem Ihrer Nachworte erzählen sie davon, dass Sie sich der Interessengruppe „Mark Meißen 1200“ angeschlossen haben, welches Erlebnis in dieser Gruppe hat sie am meisten beeindruckt?_

Überhaupt erst einmal dieses Zusammenkommen mit dieser Gruppe, ich hatte bis zum Erscheinen meines Buches überhaupt keinen Kontakt zu der mittelalterlichen Szene. Bis dahin hatte ich mein Wissen nur aus Büchern und aus Gesprächen mit Fachleuten.

Nachdem das erste Buch erschienen war, kam eine Fanmail und der Verfasser hat geschrieben, er würde einer mittelalter Gruppe in Dresden angehören, diese würde sich [Mark Meißen 1200]http://www.mark-meissen-1200.de nennen. Da dachte ich, wow, „Mark Meißen 1200“, da leben wir ja am gleichen Ort und zur gleichen Zeit. Diese Gruppe würde ich gerne kennenlernen.

Die Gruppe hat mich dann zu einem Historienspiel eingeladen und da ist mir erst einmal bewusst geworden, wie akribisch es dort zu geht. Da ist alles selbst gemacht, die Kleider individuell genäht, die Borten von Hand gewebt, die Tische selbst getischlert, auch die Bänke, Truhen und so weiter. Außerdem beschäftigen sich die Mitglieder dort sehr intensiv mit dem höfischen Zeremoniell. Oder sie kochen am offenen Feuer nach mittelalterlichen Rezepten und lassen die Zeit dadurch sehr realistisch werden. Das hat mich sehr beeindruckt.

Ich habe mich auch auf Anhieb sehr gut mit der Gruppe verstanden und habe mich dann der Gruppe „Mark Meißen 1200“ angeschlossen. Ich stehe mittlerweile auch mit etlichen anderen aus der Szene, wie „Hochmuot“ und den [„Freien von der Karlshöhe“]http://www.die-freien-von-der-karlshoehe.de in Verbindung und habe da nicht nur wirklich gute Freunde gefunden und genieße das, sondern ich muss auch sagen, ich lerne von denen ungeheuer viel.

Klar, man muss recherchieren, in Büchern, man braucht zwingend die Fachliteratur, die Meinung von Experten. Das Ganze dann aber auch mal praktisch zu erleben, ist noch einmal ein ganz anderer Zugang. Es ist sehr wichtig, um ein reales Gefühl für diese Zeit zu bekommen.

Das Bild, was die meisten im kollektiven Bewusstsein vom Mittelalter haben, ist total verklärt, durch Märchen, aber auch durch alte Hollywood Schinken. Dieses „edeler Ritter“, „liebreizendes Burgfräulein“ und alles ist chic. Das hat aber mit dem wirklichen Mittelalter nichts zu tun. Realistisch war eine Burg kalt und rauchig, die Ritter plagte die Gicht. Es war einfach nur schmutzig, es stank. Aber trotzdem kann man es nicht als „das finstere Mittelalter“ abtun, wie es die Nachfahren in der Neuzeit getan haben. Es war auch eine Zeit großer Umwälzungen, großer Entdeckungen und großer Bewegung. Aber es gab dort keine Individualität, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die romantische Liebe, das war alles noch nicht erfunden.

_Wie teilen Sie sich Ihre Zeit zum Schreiben ein, haben Sie bestimmte Vorlieben?_

Mein Arbeitstag beginnt in der Regel morgens um 9 Uhr und geht dann bis Open End. Wenn ich wirklich intensive Schreibphasen habe, sorge ich auch dafür, dass ich absolute Ruhe habe, kein Telefon, keine Termine, um richtig in der Geschichte versinken zu können. Nach ein bis zwei Wochen intensiver Schreibphase ist der Kopf erst mal leer, dann heißt es erstmal alles Ausdrucken, mal einen Tag liegen lassen, derweil alles liegen gebliebene erledigen, was in der Zeit angefallen ist wie Fanpost, die Steuer, Quellen noch mal nachlesen und so weiter.

Dann wird am Blatt gearbeitet, alles umgearbeitet, revidiert und dabei reifen dann schon die nächsten Szenen im Kopf und dann geht es mit dem Schreiben weiter.
Selbstverständlich braucht man eine große Disziplin, man kann nich einfach sagen: „Es klemmt gerade, jetzt mache ich mal drei Wochen nix“ oder etwas in dieser Art. Dies kommt natürlich auch darauf an, wie weit der Abgabetermin noch in der Zukunft liegt.

Manchmal ist es selbstverständlich gut, das alles mal einen Tag hinzulegen und etwas ganz anderes zu machen. Ich besticke dann zum Beispiel mein Premierenkleid für die Lesungen oder so etwas. Meine Leser mögen es ja sehr, dass Ich bei den Lesungen mittelalterlich gewandet bin und dafür kann man nichts fertig kaufen, das muss man schon alles selber machen. Und dann mal einen Tag zu nähen oder zu sticken und zu sehen wie etwas unter den Händen wächst ist für mich eine richtig tolle Erholung, Befreiung und Ablenkung sein.

Wenn gar nichts mehr hilft, gehe ich noch mal zurück zu den Quellen oder arbeite an dem schon vorhandenen Text. Dann funktioniert das schreiben wieder.

_Sie haben sich ja für das Genre „Historischer Roman“ entschieden, gerade hier liegt ja viel Recherchearbeit vor Ihnen. Wie sieht diese für sie aus?_

Bevor ich den ersten Satz überhaupt geschrieben habe, habe ich mich ein Jahr lang in die Materie eingelesen, um überhaupt ein Gefühl für die Zeit zu bekommen. Ich habe aus Universitätsbibliotheken viel Fachliteratur gelesen und sehr viel mit Historikern gesprochen. Die Leute liefern mir dann auch viel, und das alles setze ich um, und wenn es nur in einem kleinen Nebensatz ist.

Die Fachleute sind dabei sehr wichtig, gerade bei der Fachliteratur kommt man schnell an den Punkt, wo man mehr Fragen wie Antworten hat. Ich habe da das große Glück, Historiker zu kennen, die dem Ganzen gegenüber sehr aufgeschlossen sind. Zu denen kann ich kommen und meine Fragen stellen. Wenn es keine Belege gibt, kann ich mit diesen darüber diskutieren, welche die wahrscheinlichste Variante ist und jenseits der akademischen Gelehrsamkeit machen die das dann mit mir. Wir sagen dann wirklich mal, „Ok, das wäre logisch. Das und das ist eigentlich nicht logisch“, dann diskutieren wir das aus sozusagen.

Dann braucht man die Experten für Geologie, für historischen Bergbau, für Münzwesen und Schwertkampf. Ich habe auch gezielt Leute gesucht, die historischen Schwertkampf nach alten Quellen rekonstruieren. Die choreografieren mir die Zweikämpfe und bei diesen Truppen bin ich auch mit einer zusammengekommen, die den Kampf zu Pferd trainieren. Da habe ich sehr viel gelernt, was die Reiter Formation angeht oder die Schlacht aus der Sicht des Reiters und wie die mittelalterliche Panzerreiterei funktionierte.

Bevor ich mit der Recherche angefangen habe, wusste ich fast nichts über das Mittelalter und jetzt führen die Recherchen mich immer tiefer in diese Zeit, eine wirklich spannende Entdeckungsreise, an der ich viel Freude habe.

_Es gibt ja viele historische Romane, die gerade Frauen als starke Persönlichkeiten beschreiben, was macht diese Frauen so interessant für Autoren?_

Das ist so ein bisschen Trend geworden, keine Ahnung. Ob die Verlage dabei an die weibliche Leserschaft denken? Ich habe da einen anderen Ansatz, ich möchte ja auch gerne die Männer als Leser haben.

Das mit der starken Frau muss man sowieso vorsichtig genießen, die starke Frau im Mittelalter, da gab es vielleicht eine Handvoll. Auch eine Fürstin hatte in der Regel den Mund zu halten und Söhne zu gebären. Sie durfte sich nicht öffentlich in die Belange ihres Mannes einmischen, sonst hätte sie ihren Mann auch in Verruf gebracht. Seine Gefolgsleute hätten gesagt: „Ws ist denn das für ein Weichei der sich von einem Weib etwas sagen lässt?“

Es gab starke Frauen. Es gab auch Fürstinnen, die ihren minderjährigen Söhnen über viele Jahre das Erbe erhalten haben. Oder, die sich sogar angelegt haben mit anderen Fürsten, mit Geistlichen. Sicherlich das hat es gegeben, aber dies waren ganz seltene Ausnahmen. Frauen waren noch nicht einmal rechtsfähig. Sie durften keine Verträge machen, sie waren nicht mündig, sondern das Eigentum ihres Ehemannes in jeglicher Hinsicht. Frauen duften auch vor Gericht nicht sprechen, wenn eine Frau Klage erhob, muss sie einen Mann schicken, der an ihrer Stelle spricht, da man eine Frau per se schon mal nicht für fähig hielt, einen vernünftigen Gedanken zu fassen.

_Fakten und Fiktion sind ja oftmals fließend zu sehen. Ist es vorstellbar, dass die eine oder andere fiktive Figur wirklich so gelebt und gehandelt hätte?
Gibt es in Ihren Romanen Figuren, die ein lebendiges Vorbild haben?_

Ich glaube nicht, dass man Leute aus unserer Zeit so in das Mittelalter transferieren kann. Man mus sich immer in die Mentalität dieser Zeit reinversetzen. Solche Sachen, die heute selbstverständlich sind, dass eine Frau einen Mann anschaut, ihn anspricht, gab es da nicht. Die historischen Persönlichkeiten habe ich natürlich so genau wie möglich gestaltet, nach dem was wir heute über sie wissen, da habe ich mich sehr akribisch dran gehalten und die fiktiven Figuren müssen im Kontext der Zeit stimmen. Von den fiktiven Personen muss man von jeder sagen können: „Könnte es diese gegeben haben?“, das ist mein Anspruch.

_Warum lebt Ihrer Meinung nach, das Genre „historischer Roman“ so auf?_

Da gibt es denke ich mehrere Beweggründe. Für manche ist es bestimmt noch dieses romantisch verklärte Bild, aber ich merke es bei der Fanpost und den Begegnungen mit Lesern, dass diese wirklich ein Stück deutscher Geschichte erleben wollen. Dass die Menschen jetzt auch wissen wollen, was früher passiert ist und dadurch ein Stück Identität finden. Ich habe ja jetzt gerade dort, wo meine Romane spielen, in Sachsen-Anhalt, in Braunschweig, in Thüringen riesige Fangemeinden und die sind so froh, dass da ein Stück ihrer Geschichte lebendig wird. Ich bekomme aber auch Fanpost aus Gegenden, wo meine Romanfiguren überhaupt nie gewesen sind und die sagen nur: „So hätten wir es mal im Geschichtsunterricht hören müssen, dann hätten wir es uns auch gemerkt.“ Das Interesse der Deutschen an der eigenen Geschichte ist sehr wachsend.

_Welche Überraschungen haben Sie schon bei der Recherche erlebt?_

Ach, jede Menge, ich wusste zum Beispiel gar nicht, dass Sachsen zu der Zeit gar nicht das Gebiet war, das es heute ist. Ich finde dann auch viele Kleinigkeiten über zum Beispiel höfisches Benimm oder Details über Essgewohnheiten und so, die man dann einfach mal mit einem Halbsatz einbauen kann. Das freut die Leser ungemein, da etwas ganz Originelles zu erfahren.

_Tauschen Sie sich mit anderen Autoren historischer Romane aus?_

Nein, das nicht, ich bin zwar mit einigen Autoren im freundschaftlichen Kontakt, aber wir schreiben jeder für sich alleine.

_Welcher Teil der „Hebammen“-Reihe gefällt Ihnen persönlich bisher am besten?_

Der Vierte. Den finde ich bis jetzt den Stärksten, also ich arbeite hart, um den jetzt mit dem fünften, dem großen Finale, noch zu toppen.

_Im Herbst erscheint der fünfte und letzte Teil der „Hebammen“-Reihe, für Ihr nächstes Buch haben Sie sich für eine ganz andere Epoche entschieden. Wie kam es dazu und dürfen Sie uns schon etwas darüber verraten?_

Da werden wir in die Zeit der napoleonischen Befreiungskriege gehen, die Völkerschlacht bei Leipzig 1813. Die Leipziger selbst haben mich eingeladen, mit Blick auf die 200. Wiederkehr dieses Ereignisses im Jahr 2013 einen Roman über die Völkerschlacht zu schreiben. Hintergrundwissen sauge ich jetzt schon wie ein Schwamm auf, das Schlachtfeld habe ich schon besucht und auch an einem Biwak teilgenommen.

_Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Gespräch genommen haben_

_Nadine Warnke_

_Sabine Ebert bei |buchwurm.info|:_

[„Das Geheimnis der Hebamme“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6864
[„Die Spur der Hebamme“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6871
[„Die Entscheidung der Hebamme“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6878
[„Der Fluch der Hebamme“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6883
[„Blut und Silber“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6068

Interview mit Anne Hertz

Mit Anne Hertz alias Frauke Scheunemann und Wiebke Lorenz im Gespräch über das gemeinsame Schreiben, das Talent zu kochen und Vieles mehr

_Um euch den Lesern vorzustellen, würdet ihr etwas über euch erzählen?_

_Frauke Scheunemann:_ Wir sind zwei Schwestern Wiebke und Frauke und zusammen sind wie „Anne“.

Ich bin 41 Jahre alt und lebe mit meinem Mann und meinen vier Kindern (drei Mädchen und ein Junge im Alter zwischen neun Jahren und einem Jahr) in Hamburg. Studiert habe ich Jura und habe früher als Journalistin gearbeitet.

_Wiebke Lorenz:_ Ich bin 39 Jahre alt, nicht mehr verheiratet, keine Kinder, vom Leben gebeutelt, vergrämt und verzweifelt.|(lacht)|

_Welchen Interessen und Hobbys widmet ihr euch in eurer Freizeit?_

_Wiebke:_ Bei mir ist es auf natürlich Musik ganz ausgeprägt (Anm: Wiebke singt auf den Lesungen), ich wollte eigentlich auch Musik studieren. So kam ich auch zum Schreiben, ich habe Musikkritiken geschrieben. Dazu kommen Windsurfen, Ski fahren und natürlich Lesen. Frauke hat natürlich keine Hobbys, sie hat vier Kinder |(lacht)|

_Frauke_ |(lacht)|_:_ Auch ich lese gerne und ein weiteres Hobby ist das Reiten.

_Lest ihr selbst gerne und welche Genres sprechen euch da an?_

_Wiebke:_ Ich lese sehr, sehr gerne richtig düstere Thriller. Unterhaltungsromane und sowieso alles, was mir zwischen die Finger kommt.

_Frauke:_ Ich lese auch sehr gerne und tatsächlich sogar in dem Genre, in dem wir auch schreiben, romantische Komödien. Da lese ich alles, was die Kolleginnen so schreiben. Gerne lese ich auch klassischen Krimis in Richtung Agatha Christie. Ich habe auch jahrelang gerne Dick Francis gelesen, weil da Pferde vorkamen, Pferde und Krimi das war genau mein Fall. Leider ist Dick Francis ja mittlerweile verstorben.

_Wiebke:_ Bei mir muss es da schon eher sehr viel Blut und einen Serienkiller geben.

_Wie seid ihr dazu gekommen, zusammen Romane zu schreiben? Wie sah die Geburtsstunde von „Anne Hertz“ aus?_

_Frauke:_ Irgendwann hat Wiebke mich gefragt ob ich Lust habe mit ihr zusammen ein Kochbuch zu schreiben. Für Tim (Timothy Sonderhüsken), unseren Lektor bei Knaur. Er wollte ein lustiges Kochbuch geschrieben haben.

_Wiebke:_ ich sagte ihm „Ich kann gar nicht kochen“, worauf er meinte, ich solle doch meine Schwester fragen.

_Frauke:_ Ich kann auch nicht kochen, aber umso lustiger wurde es. Ja, und so haben wir angefangen, gemeinsam zu schreiben, aber keine Kochbücher sondern Romane. Kochbücher funktionieren einfach nicht, wenn man nicht kochen kann, das ist dann nicht so einträglich.

Zuhause bin ich für die Fraktion „quick and dirty“ à la „Fischstäbchen und Kartoffelbrei“ zuständig. Die Haute Cuisine, für die man sich zwei Tage in der Küche einsperren muss, weil sonst das Soufflé zusammenstürzt, ist die Aufgabe meines Gattens, der da völlig aufgeht. Ich stelle die Grundversorgung sicher.

_Wie genau kann der Leser sich das gemeinsame Schreiben vorstellen, sitzt ihr beim Schreiben zusammen oder schreibt jede von euch einen Teil und die Nächste setzt den Roman fort? _

_Wiebke:_ Manchmal ja und manchmal nein, wir entwickeln die komplette Geschichte zusammen und schreiben dann das Exposé, das hat so ca. 15-20 Seiten und unterteilen dies in Kapitel. Diese teilen wir dann untereinander auf. Zu Beginn jeden Romans gehen wir erst einmal für 14 Tage in Schreiklausur, da Frauke wie gesagt vier Kinder hat und da braucht man einfach auch viel Ruhe. Gerne fahren wir dann an die Ostsee (Meck-Pom.) in ein schönes Wellness Hotel. Gucken dann liebend gern tagelang US-Serien wie „Grey’s Anatomy“ bis das schlechte Gewissen, das so groß wird und uns wieder einfällt, wir sind gar nicht hier, um zu entspannen, sondern um zu arbeiten.

_Frauke:_ Es schreibt dann schon jede für sich, wir tauschen uns schon aus, aber generell schreibt jede für sich. Zwischendurch wird das Ganze zusammengefügt und wir überarbeiten das gegenseitig.

Das Praktische, wenn man zusammen schreibt, ist ja, auch wenn es wirklich zu einem Hänger kommt und eine von uns in einer Szene nicht mehr weiterkommt, kann man das Ganze abgeben und sagen: „Irgendwie komme ich hier gerade nicht raus. Da muss jetzt das und das passieren, aber ich komm da gerade einfach nicht drauf.“

_Wiebke:_ An den Stellen, wo wir nicht harmonieren, streiten wir uns gründlich, dann reden wir eine Woche nicht miteinander |(lacht)|

Ich glaube, das gemeinsame Schreiben würde nicht so gut funktionieren, wenn wir keine Schwestern wären, so sind wir gleich sozialisiert, haben die gleiche Sprache, wir haben den gleichen Background …

_Wer sind eure Testleser? Dein Mann Frauke, eure Freunde, Familie? Gibt es da auch Kritik?_

_Frauke:_ Mein Mann liest schon meistens mit …

_Wiebke:_ Ich habe keine Freunde |(lacht)|

_Frauke:_ Nein, richtige Testleser haben wir nicht, wir sind ja schon zu zweit und mit unserem Lektor Tim sind es drei … das reicht.

_Wiebke:_ Mutti gerne mal …

_Frauke:_ Wobei, ihr geben wir es aber lieber am Ende.
Kritik gibt es dann schon von meiner Mutter, sie ist Hauptschullehrerin, die ist so vom alten Schlag …

_Wiebke:_ Unserer Mutter!

_Frauke:_ Also unsere Mutter ist gestandene Volksschullehrerin, wenn sie meint, das passt so nicht, hat sie auch wenig Scheu, das deutlich zu formulieren. Sie hat dann auch schnell den Bleistift am Wickel.

_Zusammen schreibt ihr ja sogenannte „Frauenromane“, was reizt euch besonders an diesem Genre und wo liegen die Schwierigkeiten?_

_Frauke:_ Also ich persönlich lese ja auch gerne romantische Liebeskomödien, insofern macht es mir auch sehr viel Spaß, diese zu schreiben. |(guckt zu Wiebke)| liest du die eigentlich auch so gerne wie ich?

_Wiebke:_ Nein. Ich bin ja nicht so romantisch, ich bin ja auch schließlich nicht seit 15 Jahren verheiratet, deswegen bin ich wohl nicht romantisch veranlagt |(lacht)|. Aber müsste es nicht genau anders herum sein?

_Frauke_ |(lacht)|_:_Du hast noch genug eigene Romantik in deinem eigenen Leben, ich muss mir diese anlesen.

Nein, es ist einfach immer wieder spannend, über die Liebe zu erzählen, sie hat ja so viele Facetten. Es ist immer wieder sehr reizvoll, sich damit auseinanderzusetzen. Dazu sind unsere Heldinnen ja nicht nur auf der Suche nach dem richtigen Mann, sondern haben in der Regel noch ein anderes handfestes Problem. Davon handelt eigentlich die Geschichte, wie die Protagonistin sich verändert und nicht so sehr, wie sie den richtigen Mann findet.

Natürlich ist auch ein Happy End dabei, in der romantischen Komödie ist dies ja klar. Aber wir finden so „Girl meets Boy“-Happy-Ends, also da sind wir zu einfallslos. Da würden wir so auf 43 Seiten kommen und unser Lektor würde sagen: „Bitte? Das reicht so nicht!“

_Kommen in euren Romanen auch Anekdoten eurer Freunde vor, lasst ihr euch von Erlebnissen aus eurer Umwelt inspirieren?_

Also Anekdoten kommen schon mal vor, aber ansonsten sind die Plots komplett unserer Fantasie entsprungen. Sonst hat man ja irgendwann keine Freunde mehr. Jetzt im sechsten Band würde es dann langsam wirklich dünne.

_Was inspiriert euch zu euren Handlungen? Zum Beispiel „Goldstück“, wo es ja um Coaching und die höhere Macht des Wünschens/Bestellungen ans Universum geht._

_Wiebke:_ Das war ein Thema, das mich sehr umgetrieben hat.

_Frauke:_ Wiebke hat eine Eso-Macke |(lacht)|

_Wiebke:_ Frauke fand das Thema total schwachsinnig und dann sind wir in die Schreibklausur gefahren und ich hatte einen ganzen Wäschekorb mit Material zu diesem Thema dabei. Und dann hat Frauke angefangen sich da einzulesen und dann fand sie es auf einmal auch ganz faszinierend.

_Frauke:_ Insofern, Eso-Macke klingt so despektierlich, aber ich habe festgestellt, da ist wirklich etwas dran. Wenn man sich mehr damit beschäftigt, wie das klappt und wie das dann wird, wenn es klappt, ich bin ja wirklich mehr ein „Down to Earth“-Mensch, aber es funktioniert!

_Wiebke:_ Unsere Inspiration kann aber auch durch einen Zeitungsartikel kommen, bei „Trostpflaster“ war es so, dass Ich einen Artikel in der „Welt“ gelesen habe, wo es um eine Trennungsagentur ging, die gerade in Berlin eröffnet hat. Wir fanden, dies sei ein völlig schräges Thema, das wir aber sofort aufgreifen mussten.

Jetzt bei „Sahnehäubchen“ kam die Inspiration durch ein Interview, das ich für eine Frauenzeitschrift mit einem sogenannten Pick-Up-Artist, einem Verführungskünstler, geführt habe. Die Inspiration kann folglich überall herkommen, ein Zeitungsartikel, etwas was eine Freundin aufgeschnappt hat, ein Traum … überall her.

_Würdet ihr etwas über euren aktuellen Roman „Sahnehäubchen“ erzählen und warum man diesen unbedingt lesen sollte?_

_Wiebke:_ Weil wir Geld damit verdienen und weil wir gerne ein schönes Leben haben. |(lacht)|

_Frauke:_ Es ist einfach eine lustige Geschichte, in der auch die Wahrheit über die Männer steht.

_Wiebke:_ Und man kann es hervorragend in der Badewanne lesen.

_Frauke:_ Wiebke ist ja wirklich mit diesem Pick-up-Artist mal losgezogen und ich persönlich fand, dass dies so eine abstruse Sache ist, dass ich sagte, lass uns da doch einmal einen richtigen Roman draus machen. Es ist auch wirklich lustig geworden, wie die beiden Charaktere Nina und Dwaine so im Wettstreit miteinander stehen. Wer auf solche Kabbeleien steht, ist da wirklich gut bedient.

_Neben Anne Hertz schreibt ihr beide auch erfolgreich Soloprojekte, Frauke „Dackelblick“ und Wiebke „Allerliebste Schwester“. Vermisst ihr da beim Schreiben das Miteinander?_

_Wiebke:_ Nein, weil, die schreiben wir immer, wenn wir gerade einen Anne-Hertz-Roman fertig haben und so genervt voneinander sind, dass wir erst einmal Abstand brauchen. Und wenn man dann so alleine geschrieben hat, dann fehlt einem die andere doch wieder. Dann kommt wieder ein Anne-Hertz-Roman, also immer im Wechsel.

_Frauke:_ Na ja und Wiebke liest ja auch gerne diese düsteren Thriller, das ist ja nichts für mich …

_Wiebke:_ Gut, dass du „Allerliebste Schwester“ nicht gelesen hast |(lacht)|.

_Frauke:_ Das habe ich gelesen und es ist wirklich gut, ein sehr, sehr gutes Buch, sehr spannend. Ich war auch einfach neugierig. Ich habe verfolgt, wie der Roman entstanden ist, und wollte wissen, wie der Roman geworden ist. Aber es ist nicht mein Home-Genre. Diese Bücher zusammen zu schreiben ginge daher wirklich nicht.

_Was dürfen wir zukünftig von Anne Hertz erwarten? Dürft ihr hier schon etwas verraten?_

_Wiebke:_ Ja, wir werden jetzt von dem Frühjahrsprogramm auf das Herbstprogramm wechseln. Daher kommt im Oktober oder November der nächste „Anne Hertz“ raus. Dieser wird „Wunschkonzert“ heißen. „Wunschkonzert“ wird in der Musikbranche spielen und es geht um eine Art Teambuilding-Seminar, das in einem Hotel in der Lüneburger Heide stattfindet. Natürlich geht es auch um die Liebe, Irrungen und Wirrungen und Musik, da werden meine musikalischen Passionen mit einfließen.

_Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habt!_

Nadine Warnke und Michael Sterzik (März 2011)

Mehr zu Anne Hertz: www.anne-hertz.de

Kelley Armstrong – Nacht der Hexen

Der Glaube an Hexen ist weltweit verbreitet. Zauberkenntnisse und der Pakt mit dem Teufel waren ideale Vorwände, um in der Epoche des Mittelalters europaweit Frauen der Hexerei zu bezichtigen, sie mit der Folter zu unsinnigen und unmöglichen Geständnissen zu erpressen, um sie anschließend durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen grausam zu ermorden.

Der Hexenglaube ist bis in die heutige Zeit erhalten geblieben, und in manchen Gegenden wird Frauen, die man als „Hexe“ betitelt, noch immer mit ungewöhnlicher Feindseligkeit oder Misstrauen begegnet.

Magische Fähigkeiten oder das Wissen um alternative mit der Natur verbundene Behandlungsmöglichkeiten sind meistens artverwandt. Es gibt wahre Hexenkulte, Hexenversammlungen, Hexenreligionen und Traditionen, und auch noch in unserer Zeit organisieren sich die magiebegabten Frauen in Hexenzirkeln.

Der (Aber-)Glaube hat mit Sicherheit einen wahren Kern und auch seine Geheimnisse um längst verlorenes Wissen, das man zum Guten oder auch zum Bösen einzusetzen vermag. Die Mythologie hat ihren Ursprung wohl in der griechisch-römischen Zeit, dort wurden die Hexen als Medea oder als Circe betitelt.

In der Esoterikszene wird häufig von der Wicca-Religion gesprochen, die gerade in den USA weit verbreitet ist und sich als Naturreligion sieht. In der magisch-paranormale Welt gibt es aber auch Männer, die als Hexer oder Magier gelten können und ebenso „Zauberformeln“ aus Büchern und Schriften verwenden. Solche „Grimoires“ sind Zauberbücher mit magischem Wissen.

Beschwörungsformeln, Rituale, Listen von namentlich kenntlichen Dämonen, Engeln und anderen Kreaturen sind wohl die wichtigsten Inhalte, aber auch Rezepte für medizinische Heilmittel und Tränke können dort aufgeführt sein. Und wie immer und überall gibt es weiße und schwarze „Zauberbücher“, die sich mit Magie und Wissen beschäftigen.

Auch in der Literatur, gerade in der fantastischen, gibt es eine Vielzahl von Hexen und Zauberern mit ganz unterschiedlicher Gesinnung. Die kanadische Autorin Kelley Armstrong hat mit „Nacht der Hexen“, der im Verlag |Knaur| erschienen ist, einen spannenden und abwechslungsreichen Roman zu dieser Thematik verfasst.

Inhalt

Paige Winterbourne ist die Tochter einer Hexe und selbst eine magisch begabte Frau, auch wenn sie nicht über solch großartige talentierte Fähigkeiten wie die Frau Mama verfügt. Streng und gewissenhaft versucht sie motiviert und angestrengt, ihr Potenzial zu steigern, indem sie aus ihren Grimoires ihre Formeln lernt und versucht praktisch anzuwenden.

In der menschlichen Welt ist sie Vormund und vom Beruf Webdesignerin. Gerade Ersteres verlangt ihr einiges ab, denn die 13-jährige Savannah ist wie Paige selbst eine Hexe, wenn auch eine sehr junge, und schon jetzt trägt sie eine außergewöhnliche Kraft in sich. Hinzu kommt noch, dass Savannah recht eigensinnig und stur sein kann, und neben ihrer pubertierenden Art kann das schon anstrengend werden.

Paige ist nebenbei noch ein nicht unumstrittenes Oberhaupt des amerikanischen Hexenzirkels, trotz ihrer noch jungen Jahre. Ihr Leben gerät aber durch einen Sorgerechtsstreit des leiblichen Vaters, eines mächtigen Magiers, etwas aus den Fugen. Unterstützt von einer Halbdämonin – Leah, einer Erzfeindin von Paige – wird die Bedrohung durch Einschüchterungsversuche mit weltlichen und magischen Mitteln stetig lebensgefährlicher. Vom Hexenzirkel auf weiter Flur alleine gelassen, vom Gesetz her auf schwachen Säulen fundiert, scheint jeglicher Widerstand zunächst zwecklos zu sein. Da sie in der menschlichen Welt um das Sorgerecht kämpfen muss, nimmt sie sich einen Anwalt, der wenig später grausam ermordet wird. Und natürlich wird Paige dafür verantwortlich gemacht. Hinzu kommt noch, dass die Polizei einen satanisch anmutenden Altar in ihrem Garten findet und Heerscharen von Journalisten und neugierigen Personen gar nicht daran denken, von ihrem Haus abzuziehen.

Noch unwahrscheinlicher und undurchsichtiger wird die spektakuläre Lage, als sich ein magischer Anwalt an die Seite von Paige und Savannah stellt – Lucas Cortez, jüngster Sohn der mächtigsten Magierfamilie des Landes.

Arrogant und selbstsicher und magisch gar nicht so unbegabt, wird Cortez zum Verbündeten des Duos, aber Paige fragt sich, was er mit seiner selbstlosen Art bezweckt …

Kritik

Kelley Armstrong hat mit ihrem dritten phantastischen Band „Nacht der Hexen“ einen wirklich „zauberhaften“ Roman verfasst. Vielschichtig und ungemein sarkastisch erzählt Paige die Handlung aus ihrer Perspektive. Armstrongs magische Welt ist eine bunte, paranormale Mischung aus Menschen und Magie, Hexen und Magiern und zudem tummeln sich noch Dämonen auf der Bühne. Moderne Zeiten und alte magische Traditionen mit urfeindlichen Vorurteilen werden miteinander verflochten, sodass ein imposanter Schauplatz entsteht mit viel Raum für Ideen, die eine spannende Handlung immer wieder magisch vorantreiben.

Am Anfang gestaltet sich die Geschichte recht undurchsichtig und unübersichtlich, auch wenn man die Spannung immer als ansteigend empfindet. Der Ursprung der Magie um Hexen und Zauberern bleibt etwas im Unklaren, auch für die wechselseitige und etwas komplizierte Beziehung bleibt trotz einiger Erklärungen noch viel Raum, um vielleicht in späteren Romanen aufgearbeitet zu werden. Charmant und humorvoll bewegen sich alle Protagonisten durch die Handlung. Paiges Gedankengänge und zynische Dialoge verfolgt der Leser immer mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Ihre Ziehtochter Savannah ist ziemlich direkt und forsch, doch hilflos agieren und pubertieren kann eben auch ein besonders begabtes dreizehnjähriges Mädchen.

Lucas Cortez wirkt mit seiner Vergangenheit noch am interessantesten. Auch wenn er quasi nicht die Hauptrolle einnimmt, so ist es doch sehr wahrscheinlich, dass sich in Bälde alles um den jüngsten Spross der Familie Cortez drehen kann. Paige und Lucas stellen sich als Team dar. Paige ist eher hoch emotional und immer am Rand der Hysterie, immer in Sorge um Savannah und immer mit dem Gefühl gerade heraus. Lucas dagegen ist immer Herr der Situation und findet, egal wie verzwickt die Konfrontation mit den Gegnern auch ist, immer einen Ausweg. Eine Aura des Geheimnisvollen umgibt den jungen Mann, ein Hauch von Zauber und Macht.

Savannah ist der Schlüssel, der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, aber selbstbewusst und dickköpfig, dazu ausgestattet mit magischen Kräften, die sie noch längst nicht begreifen und steuern kann, wirkt sie etwas verloren und muss sich ständig behaupten, gegen wen auch immer.

Wer hier „gut“ und „böse“ ist, ist nicht ganz einfach zu erkennen, weil jede Partei Interessen hat, die man durchaus verstehen kann. Die Magier sind eher an politischer und wirtschaftlicher Macht interessiert und setzen ihre magischen Fähigkeiten ein, um an Einfluss und Reichtum zu gelangen. Die Hexen aber wirken unsicher und nicht wirklich gut organisiert. Zerrissen und ängstlich, wissen sie nicht, wie sie mit ihren Fähigkeiten umzugehen haben, auch wenn sie nach Höherem streben und das Wohl aller im Vordergrund sehen.

„Nacht der Hexen“ ist stimmig und gradlinig geschrieben. Es gibt nur einen Handlungsstrang, der sich aber kontinuierlich entwickelt und immer aus der Perspektive von Paige geschildert wird. Die Dialoge zwischen den Protagonisten und auch Paiges Gedankengänge sind originell und witzig. Nicht albern, sondern der Unterton ist immer gewollt ironisch, was der ganzen Geschichte gut tut, denn es mindert nicht im Geringsten die dramatische und durchaus ernste Handlung.

Kelley Armstrong hat einen imponierenden Roman geschrieben, der eindeutig auf Erwachsene ausgerichtet ist. Auch in „Nacht der Hexen“ wird getötet und gemordet, aus Rache, Habgier und wahrer Bösartigkeit. Armstrongs sprachlicher Stil ist ausgereift und der Geschichte angepasst, keine Übertreibungen oder inhaltlich logisch Fehler trüben das Lesevergnügen. Einzig und allein als Kritikpunkt sei zu verwerken, dass die magisch geschilderte Welt unstrukturiert wirkt, die Vergangenheit von Hexen und Zauberern wird zwar angerissen und macht neugierig, geht aber (noch) nicht in die Tiefe.

Fazit

„Nacht der Hexen“ kann ich sehr empfehlen. Der Roman hat alles, was eine spannende und vor allem unterhaltsame Geschichte auszeichnet. In sich abgeschlossen, bleibt trotzdem viel Raum für weitere Ereignisse und Handlungsräume, und auch die Protagonisten wirken inhaltlich und charakterlich noch weiter ausbaubar. Ich bin neugierig auf viele weitere Teile aus Kelley Armstrongs Feder und freue mich schon auf den nächsten Teil.

Autorin

Die kanadische Fantasy-Autorin Kelley Armstrong wurde 1968 in Sudbury, Ontario, als älteste von vier Geschwistern geboren. Als sie neun Monate war, zog ihre Familie nach London, Ontario. Sie studierte Psychologie und Informatik an der University of Western Ontario, bevor sie Schriftstellerin wurde. Sie lebt heute mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Ontario, Kanada.

Taschenbuch: 522 Seiten
Originaltitel: Dime Store Magic
ISBN-13: 978-3426632024

http://www.droemer-knaur.de

Kelley Armstrong – Pakt der Hexen

Nach den turbulenten Ereignissen im Sorgerechtsstreit um ihre Stieftochter Savannah hat die Hexe Paige Winterbourne noch immer alle Hände voll zu tun. Da sie aus dem Hexenzirkel ausgeschlossen wurde und nun in der paranormalen Welt etwas verloren dasteht, versucht sie selbst eine zauberhafte Vereinigung von Hexen ins Leben zu rufen, was gar nicht so einfach ist.

Doch es gibt auch viel Neues und Positives in ihrem persönlichen Umfeld. Paige hat nun einen Mann an ihrer Seite, und dieser ist alles andere als normal. Lucas Cortez ist Magier, Rechtsanwalt und Erbe des wohl mächtigsten Magierclans. Bisweilen ist er ein wenig eigensinnig, sieht sich als glorreicher Ritter und bekämpft Ungerechtigkeiten, wo er sie nur finden kann, doch er hat ungeahnte Talente und ein Selbstbewusstsein, das nur schwer zu erschüttern ist.

Die Ruhe findet ein plötzliches Ende, als Lucas Vater Benicio, das Oberhaupt des Magierclans, während der Abwesenheit seines Sohnes bei Paige erscheint. Indirekt bittet Benicio Cortez Paige und Lucas um Hilfe. In Miami, dem Sitz des Cortez-Clans, gibt es einen Mörder, der die Kinder der Magierfamilien bedroht. Es ist schon zu ersten Todesfällen gekommen und ein Mädchen liegt noch im Koma. Paiges innerliche Alarmglocken schlagen schon an, und gemeinsam mit Lucas und Savannah reist sie nach Miami.

In der sonnigen Stadt erwartet sie aber das „Böse“. Nicht nur der Cortez-Clan hat mit der Bedrohung durch den Killer Angst und Schrecken erlebt, auch der Boyd- und der Nast-Clan sind schon von ersten Angriffen eines höchstwahrscheinlich paranormalen Mörders bedroht.

Lucas und Paige, die beide Angst davor haben, dass auch Savannah getötet werden könnte, vertraut ihren Freunden Elena und Clay Savannah an – beides Werwölfe und damit durchaus imstande, jegliche Bedrohung auszuschalten.

Gemeinsam mit einer Nekromantin und einer schon sehr alten Vampirin, die Lucas und Paige bei ihren gefährlichen Ermittlungen unterstützen, werden auch sie selbst das Ziel des Killers und geraten in tödliche Gefahr …

Kritik

„Pakt der Hexen“ von Kelley Armstrong ist der vierte Teil der Reihe „Woman of the Otherworld“. Armstrongs Protagonisten sind zumeist Frauen, die in den Geschichten ihren Mann stehen müssen. Waren es in den ersten beiden Romanen weibliche Werwölfe, so spielt in dem dritten und vierten Teil Paige Winterbourne in ihrem Wesen als Hexe die Hauptrolle, im fünften Teil wird Eve, die verstorbene Mutter von Savannah, als Geist die Geschicke lenken.

Sicherlich ist „Pakt der Hexen“ unabhängig von den anderen Teilen zu lesen, doch empfehle ich, bei Band eins anzufangen, da alle Protagonisten, weibliche wie auch männliche, in fast allen Bänden manchmal sogar eine tragende Rolle spielen. Manche Dialoge und Rückblenden sind also erst für den Leser verständlich, wenn er die Vergangenheit der Figuren nachvollziehen kann.

Gerade das etwas schwierige und angespannte Verhältnis zwischen Lucas und seinem Vater Benicio findet in Band 3 eine erste Erklärung, die in diesem Band weiter vertieft wird. Lucas im Schutze und Schatten seines mächtigen Vaters aufgewachsen, weiß um die Strukturen und Gesetze des Magierclans, sieht aber in vielen Situationen Ungerechtigkeiten, die das ganze System für seine Augen als unglaubwürdig darstellen. Sein Vater dagegen, der das rebellische Verhalten seines Lieblingssohnes eher für jugendlichen Übermut hält, unterstützt ihn finanziell und behindert ihn auch nicht.

In Kelley Armstrongs magischer Welt geht es natürlich auch wie im realen Leben der Menschen nicht ohne Konfrontationen zu. Auf der einen Seite gibt es die Magier, die sich arrogant und selbstsicher als Denker und Lenker verstehen; daneben existieren die Hexen, die mit den Magiern seit den Anfängen konkurrieren, aber aus verschiedenen Ängsten nicht an Boden gewinnen können. Innerhalb dieser Welt mischen dann noch Nekromanten, Schamanen, Druiden und natürlich auch Dämonen, die den Magiern zumeist dienen, mit. Etwas abseits davon und für sich selbst verantwortlich, trennen sich die Vampire und Werwölfe von den anderen Gruppierungen und haben ihre ganz eigenen Probleme. Schon als Minderheit und vom „Aussterben“ bedroht, beteiligen sich diese nicht an den Vorherrschaftskämpfen und magischen Auseinandersetzungen um wirtschaftliche und politische Macht.

Man erkennt also: Kelley Armstrongs magische Welt ist komplex und kompliziert, was in den Handlungen der einzelnen Romane die Spannung und Abwechslung sehr nach vorne treibt.

„Pakt der Hexen“ ist ein magischer Thriller mit vielen unterschiedlichen Ansätzen, was den Protagonisten positiv anzurechnen ist. Jede Spezies hat so ihre eigenen Fähigkeiten und Eigenarten und selbst erschaffenen menschlichen Probleme. Paige Winterbourne, eine noch junge, aber talentierte Hexe, ist eher überheblich und aufbrausend, wohingegen ihr Freund Lucas als Magier ruhig und sachlich versucht, die Situationen zu entschärfen. Eine Mischung im Duo, die sich wunderbar ausgleicht und ergänzt.

Aber sie kommt nicht ohne Konfliktpotential in der Beziehung aus. Paiges Ziehtocher hat enormes magisches Potential, was sie ihrer verstorbenen Mutter Eve zu verdanken hat, aber mit ihren jungen Jahren und ihrer noch lange nicht abgeschlossenen Ausbildung bietet sie ein leichtes und viel beachtetes Ziel für einige Interessenten.

Kelley Armstrong hat in „Pakt der Hexen“ der Spannung, die auch schon im dritten Teil konstant und sogar steigend war, einen weiteren Schubs nach vorne geben können. Da sich die Charaktere und ihre einzelnen Geschichten immer weiter vertiefen, nehmen der Anspruch und die Spannung auch weiter linear zu. Zwar gibt es immer den gleichen engeren Kreis paranormaler Personen und es kommen auch immer einige dazu, doch gibt es auch Opfer, die nach ihrem (un)natürlichen Tod wohl nicht wieder auferstehen werden.

„Pakt der Hexen“ ist spannend und weiß zu überraschen. In diesem Thriller, auch mit seinen phantastischen Elementen, verfolgt der Leser die Serienmorde eines paranormalen Killers und die Ermittlungen unserer zwei mit magischen Fähigkeiten gesegneten Protagonisten. Der Leser ist zwar versucht, auch selbst den Täter zu ermitteln, aber aus Unkenntnis der nicht menschlichen Verdächtigen kann das gar nicht gelingen. Trotz allem, die Spannung steigt, für Action ist vielfach gesorgt und als besonderes Schmankerl kommt der Humor erst recht nicht zu kurz. Paiges etwas aufbrausendes Temperament und ihre erzählerische Perspektive sind gleichsam zynisch lustig wie auch ansprechend der Situation abgestimmt.

Der Roman ist zwar in sich abgeschlossen, doch weiß man als Leser nach der letzten Seite, dass es noch weitergehen muss. Allein schon die Familienverhältnisse innerhalb des Clans der Cortez geben viel Handlungsspielraum und Ideen für zukünftige Projekte.

Fazit

„Pakt der Hexen“ kann ich sehr empfehlen. Nicht nur für Frauen wird der Roman spannend, vielseitig und interessant sein, auch wenn in den Romanen jedes Mal der weibliche Part die Zügel in der Hand hält. Sicherlich ist hier auch für Romantik gesorgt, und auch wenn die Protagonisten untot, unheimlich und irreal agieren, so sind sie – oder waren es zumindest – auch menschlich. Für Leser, die komplexe Verflechtungen, Intrigen und Magie lieben, wird dieser Roman viele Überraschungen bereithalten.

Kelley Armstrong schreibt erstaunlich frisch und flüssig, sie hält sich nicht lange in Beschreibungen auf, sondern legt viel Wert auf prickelnde, zynische Dialoge und ansteigender Spannung.

Der Roman sollte, und das empfehle ich wärmstens, nicht als erstes Buch der Serie gelesen werden. Der vorherige Titel – „Nacht der Hexen“ – in dem auch die Hexe Paige die Hauptrolle spielt, sollte zumindest schon gelesen sein. Besser noch, man fängt gleich mit den beiden Romanen „Blut der Wölfin“ und „Rückkehr der Wölfin“ an, denn damit beginnt die magische Saga. Somit ist dem Leser gewährleistet, dass er einige Personen, die dort auftauchen, wie eben die Werwölfe, schon kennen und lieben gelernt hat.

Taschenbuch: 576 Seiten
Originaltitel: Industrial Magic
ISBN-13: 978-3426638071

http://www.droemer-knaur.de

Yancey, Rick – Monstrumologe, Der

_|Der Monstrumologe|:_

Band 1: _“Der Monstrumologe“_
Band 2: „The Curse of the Wendigo“ (noch ohne dt. Titel)

_New Jerusalem, 1888._ Der 12 Jahre alte Will Henry lebt, seit er seine Eltern bei einem Feuer verloren hat, bei dem skurrilen Dr. Warthrop und arbeitet als sein Assistent. Auch Will Henrys Vater hatte für Dr. Warthrop gearbeitet und vor Will und seiner Mutter immer ein großes Geheimnis um seine Tätigkeit gemacht. Warum das so war, muss der junge Will nun am eigenen Leib erfahren, Dr. Warthrop arbeitet als Monstrumologe, er erforscht und jagt jene Wesen, die eigentlich nur in Sagen und Albträumen vorkommen. Ob er will oder nicht, Dr. Warthrop meint auf Will angewiesen zu sein und so muss der 12 Jahre alte Junge ihm bei jeder noch so grauenvollen Studie assistieren.

Eines Nachts steht der Grabräuber Erasmus vor des Doktors Tür und liefert kreidebleich einen zutiefst verstörenden und grausamen Fund ab. Auf seiner Karre verbirgt Erasmus ein totes, sieben Fuß großes, kopfloses Monster, das sich mit seinen in Höhe des Bauches liegenden Zähnen in eine junge Frauenleiche verbissen hat und diese junge Frau in grausiger Umarmung festhält.

Dr. Warthrop hat das Monster schnell katalogisiert und berichtet Will, mit welch einer Rasse sie es zu tun haben: Den Anthropophagen. Bei den Anthropophagen handelt es sich um eine hochgefährliche Rasse, die eigentlich in Amerika nicht vorkommt. Wie dieses Exemplar die weite Reise über das Meer getätigt hat, bleibt rätselhaft.

Zu allem Überfluss findet Dr. Warthrop in der Frauenleiche den Embryo des Anthropophagen, somit ist klar, dass Dr. Warthrop und Will Henry es nicht nur mit einem Exemplar zu tun haben. In New Jerusalem scheint ein ganzes Rudel zu leben und nur der kauzige Dr. Warthrop und der kleine Will Henry stehen zwischen den ahnungslosen Menschen und den todbringenden Monstern …

_Kritik_

Der Autor Rick Yancey hat mit dem Titel „Der Monstrumologe“ einen düsteren Horror-Roman um die Forschung und Jagd nach Monstern geschrieben.

Erzählt wird der Roman aus der Sicht des erwachsenen Will Henry, der seine Erlebnisse noch einmal Revue passieren lässt und aus der Sicht eines an Erfahrungen reichen Erwachsenen seine eigene Geschichte schildert.

Der Autor bedient sich einer Sprache, die für die Zeit des endenden 19. Jahrhunderts passend erscheint. Anfangs muss der Leser sich vielleicht etwas an die Satzbauweise und die Sprache selbst gewöhnen. Sobald der Einstig geschafft ist, liest sich der Roman flüssig und durch einen stetig steigenden Spannungsaufbau ist der Leser schnell an das Geschehen gefesselt. Auch die Rätsel um die Figuren selber und die Klärung wie die nicht in Amerika vorkommenden Anthropophagen eingeschleust werden konnten, tragen zum Gelingen der Geschichte bei.

Detailgetreu schildert der Autor nicht nur die Umgebung und die Monster, auch vor sehr bildlichen Beschreibungen der Tatorte, der teilweise übelst zugerichteten Leichen und der Monster selbst, macht der Autor keinen Halt. Trotz der splatterfreien Sprache kommt das Grauen hier definitiv nicht zu kurz. Dem empfindsamen Leser kann sich hier bei der Beschreibung schon mal der Magen umdrehen.

Die Protagonisten sind passend zur düsteren Grundstimmung authentisch gezeichnet. Passend zu den Erlebnissen entwickeln sich diese weiter und der Leser erfährt einige Hintergründe der einzelnen Figuren.

Mit dem jungen Will Henry hat der Leser schnell Mitleid, er muss schnell erwachsen werden und mit dem Vorhandensein der albtraumhaften Monster klarkommen. Zeit, Kind zu sein, ist Will Henry nicht vergönnt, sein Mentor fordert von ihm, ein vollwertiger Ersatz für den verstorbenen Vater zu sein. Auch ist Will Henry für die Haushaltsführung und die eigene und des Doktors Verpflegung zuständig.

Dr. Warthrop ist seinen Monstern so sehr verschrieben, dass auch er kaum noch menschlich erscheint. Den Menschen ausmachende Fähigkeiten wie Feingefühl, Trost, Liebe scheinen diesem Charakter fremd zu sein. Dr. Warthrop kommt wie der perfekte Egoist daher, jeder, besonders Will Henry, hat sich ihm zu fügen und die Bedürfnisse andere sind ihm nur suspekt und nicht nachvollziehbar. Diesem Charakter Sympathien entgegenzubringen ist anfangs schier unmöglich. So manches Mal dürfte die Frage aufkommen, wer hier nun das wirkliche Monster ist.

Auch die weiteren Protagonisten kommen hier in der Beschreibung nicht zu kurz, der Autor versteht, jede Figur zu einer für die Geschichte unentbehrlichen zu machen.

Die Aufmachung des Paperbacks ist sehr gelungen. Schon das Cover zeigt den jungen Protagonisten Will Henry in düsterem Schwarz-Weiß, lediglich ein paar kleine Blutstropfen bringen Farbe ins Spiel. Auch im Buch finden sich Zeichnungen der vom Monstrumologen benötigten Werkzeuge und ganzseitige Illustrationen, die zu der Handlung passen. Auch spart der Verlag nicht an einem passenden Lesezeichen, hinten im Buch kann man es heraustrennen.

_Fazit_

Mit „Der Monstrumologe“ hat der Autor Rick Yancey einen schaurig düsteren Horrorroman geschrieben, der den Leser das Gruseln lehrt. Der Leser, der niedlichen Feen nichts abgewinnen kann, es dafür aber liebt, wenn ihm beim Lesen die Haare zu Berge stehen, ist mit „Der Monstrumologe“ bestens bedient.

Lediglich der Altersempfehlung des Verlages kann ich keinesfalls zustimmen, für Jugendliche ist dieser Roman kaum geeignet und hat in der Kinder/Jugendbuchabteilung nichts zu suchen. Die sehr lebendige Beschreibung der grausig verstümmelten Leichen ist für das vorgeschlagene Alter zu viel des Guten.

_Autor_

Rick Yancey wollte schon seit seiner Jugend Schriftsteller werden. Nach seinem Abschluss in Anglistik an der Roosevelt University in Chicago startete er in seiner Heimat Florida eine Künstlerkarriere. Während er in Teilzeit unterrichtete und sich als Theaterschauspieler versuchte, nahm er eine Anstellung beim Finanzamt an. Den Traum der Schriftstellerkarriere gab er nie auf, dafür aber nach zehn Jahren seine Beamtenstelle. Über seine Zeit beim Finanzamt schrieb er ein Memoire („Confessions of a Tax Collector“), das vom Wall Street Journal als eins der fünf besten Bücher bezeichnet wurde, das je über Steuern geschrieben wurde. Seine Jugendbuchtrilogie über Alfred Kropp erschien in 17 Ländern und wurde für die berühmte Carnegie Medal nominiert. Rick ist stolzer Vater von drei Söhnen. Er lebt mit seiner Frau Sandy in Florida.

|Taschenbuch: 416 Seiten
Originaltitel: The Monstrumologist
ISBN-13: 978-3785760406|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de

Eine Leseprobe bietet der Verlag [hier]http://www.bic-media.com/dmrs/widget.do?isbn=9783785760406 an.

_Rick Yancey bei |Buchwurm.info|:_
[„Der Monstrumologe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6655

Eschbach, Andreas – steinernen Schatten, Die (Das Marsprojekt 4)

_Spannendes Abenteuer: auf einer fremden Welt gestrandet_

Arianna, Ronny, Carl und Elinn – alle zwischen 13 und 15 Jahren alt – sind als erste Kinder auf dem Mars geboren worden und aufgewachsen. Doch im Jahr 2086 sollen sie gemeinsam mit anderen Marssiedlern zur Erde zurückkehren, weil machthungrige Politiker behaupten, das Marsprojekt sei gescheitert. Die Vorbereitungen zur Stilllegung der Forschungsstation laufen bereits auf Hochtouren, als die Kinder eine aufregende Entdeckung machen.

Während die Forscher noch über den Zweck der seltsamen blauen Türme grübeln, machen sich die Marskinder daran, ihr Geheimnis zu lüften. Was niemand weiß: Die Kinder halten den Schlüssel zu einer anderen Welt in der Hand. Ein kleiner Schritt, die Passage öffnet sich, die Türme sind ein Portal! Bald finden sie sich auf dem geheimnisvollen Planeten wieder und müssen feststellen, dass ihnen der Rückweg nach Hause abgeschnitten ist. Auf sich allein gestellt, schlagen sie sich auf dem unbekannten Planeten durch – einer Welt, die alles andere als verlassen ist …

Das Marsprojekt:

01: [„Das ferne Leuchten“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5497
02: [„Die blauen Türme“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1165
03: [„Die gläsernen Höhlen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2484
04: [„Die steinernen Schatten“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4301
05: [„Die schlafenden Hüter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5266

_Handlung_

Elinn ist überzeugt davon, dass die Marsianer sie gerufen haben. Als sie dies jedoch im Rat der fünf Marskinder (da sind noch Carl, Ariana, Ronny und Urs), lehnen diese ihren Plan als zu gefährlich ab. Deshalb macht sie sich auf eigene Faust auf den Weg zum Löwenkopf, wo die zwei blauen Türme der Marsianer stehen. Seit Carl aus einem dieser Türme getreten ist, obwohl er 5000 Kilometer von hier eingetreten war, weiß jedes der Marskinder, dass es sich um das Tor in eine fremde Welt handelt. Nur Elinn jedoch ist überzeugt, dass das marsianische Artefakt mit ihrem Namen darauf ein Schlüssel sein muss – genau wie bei Carl.

Doch der blaue Turm ist umlagert von den Zelten, Männern und Messgeräten Professor Caphurnas, der hier die Aliens untersucht. Dennoch gelingt es ihr, unerkannt mit dem Frachtflugzeug herzukommen und bis zum Zaun vorzudringen – ein Hüpfer in der schwachen Schwerkraft, und sie ist drüber. Noch ein paar Schritte zum Turm, das Artefakt als „Schlüssel“ vorgestreckt, und sie ist durch: auf einer fremden Welt! Doch da packt sie eine gewaltige Kraft und streckt sie zu Boden. Elinn hat eines nicht bedacht: dass die Schwerkraft viel höher ist als auf dem Mars. Und wenn man sie nicht bald rettet, wird sie hier sterben.

Als Carl das Verschwinden seiner Schwester entdeckt, schlägt er Alarm. Seine Mutter erleidet einen Nervenzusammenbruch, doch Tom Pigrato, der Gouverneur, behält die Nerven. Er ruft bei Caphurna an. Der ist überrascht, bestätigt aber bald, dass er Elinn jenseits der Barriere auf dem Boden liegen sehen kann. Pigrato bittet Carl und Urs, Elinn zu retten, denn sie sind die Einzigen, die ebenfalls über diese „Schlüssel“ der Aliens verfügen. Ein Versuch von anderen Helfern, zu Elinn vorzudringen, scheitert.

Urs und Carl schleppen ein in aller Eile vorbereitetes Messgerät durch die Barriere. Dann streckt auch sie die hohe Schwerkraft nieder: 1,06 g zeigt das Messgerät, aber auch Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid. Dieser fremde Planet hat eine Atmosphäre, doch es herrscht Nacht, während auf dem Mars die Sonne aufgeht. Erleichtert stellen sie fest, dass Elinn noch lebt, aber sie atmet schwer. Jeder auf dem Mars weiß seit den Tests, die Pigrato durchführen ließ, dass Elinns Lunge nicht unter Erdbedingungen arbeiten kann. Sie hat höchstens zwei Wochen zu leben. Und sie können alle drei nicht zurückkehren: Die Schlüssel funktionieren nur in einer Richtung – und der Turm ist von ihrer Seite aus nicht zu sehen. Sie brechen auf, um diese Welt zu erkunden – und erleben eine große Überraschung!

|Unterdessen …|

Auf dem Mars herrscht große Aufregung wegen der verschwundenen Kinder, die in der fremden Welt gestrandet sind. Und seit der Turm die Barriere geschlossen hat, sind sie auch nicht mehr zu sehen. Da bemerkt Prof. Caphurna, dass auch der andere Turm sich verlangsamt – in sieben Wochen wird auch er zum Stillstand kommen. Wird sich dann ein weiteres Tor öffnen? Leider zu spät, um Elinn zu retten.

Um sicherzugehen, dass keine weiteren Türme mit Tarnvorrichtungen auf dem Mars existieren, lässt Pigrato jenen Motorsegler starten, mit dem der Tarnschirm der Türme zuerst unterflogen wurde. Der einzige Pilot, der das Ding fliegen kann und leicht genug ist, ist Ronny, das Fliegerass. Ronny findet es absolut „galaktisch“, diese Chance erneut geboten zu bekommen und sagt sofort zu. Wenige Stunden später steigt er vom Löwenkopf auf, um den Flieger zur zerstörten Asiatischen Marsstation zu steuern, wo es noch ein Startkatapult für solche Flieger gibt.

|Die fremde Stadt|

Doch bei der Erkundung und Überführung passiert Ronny etwas Merkwürdiges. Als er eigentlich über den Valles Marineris sein sollte, der großen Marsschlucht, fällt sein Blick auf eine große Stadt voller Licht, in der sechs blaue Türme stehen. Da senkt sich ein riesiges Raumschiff auf den Zentralplatz zwischen den Türmen und eröffnet das Feuer. Alles im Umkreis wird zerstört. Dann schließt sich der Blick auf dieses Spektakel wieder. Ronny gelingt es, den Flieger sicher zu landen, als wäre nichts gewesen.

Doch als Pigrato diese Szenen auf den Aufnahmen der automatischen Kamera des Fliegers sieht, bekommt er Zweifel, ob es eine so gute Idee war, alles alleine machen zu wollen. Er wird die Erde informieren müssen, das heißt den Chef der Raumfahrtbehörde, den strengen, zwielichtigen Senator Bjornstadt. Und wenn die „Heimwärtsbewegung“ von den Vorgängen auf dem Mars Wind bekommt, wird sie Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um jegliche Raumfahrt zum Stillstand zu bringen und die Marssiedler zur Erde zurückzuholen. Dem Statthalter Pigrato stehen schwere Zeiten bevor. Von der Ungewissheit über den Verbleib seines einzigen Kindes Urs ganz abgesehen.

Einige Stunden später erhält Ariana DeJones, Urs’ Freundin, eine erstaunliche, kurze Mail von ihrem Freund …

_Mein Eindruck_

Ich habe diesen spannenden Abenteuerroman in nur zwei Tagen gelesen und bin sicher, man kann ihn auch in nur einem Tag schaffen. Die Geschichte entwickelt sich wendungsreich und unvorhergesehene Richtungen, sodass man stets gespannt ist, wie die Handlung weitergeht. Wird Elinn überleben? Wo befinden sich die Marskinder überhaupt? Wird es für sie eine Rückkehr geben?

Gut fand ich, dass der Autor nicht auf den bisherigen Funden herumreitet und die Leute ewig rätseln lässt, wie die Technik der Aliens auf dem Mars funktioniert. Das bringt nämlich einfach nichts und wäre nur Anlass zu endlosen Diskussionen gewesen, wie sie noch im ersten Band zu finden waren. Stattdessen ergreift wie schon zuvor jeweils eines der Marskinder die – mehr oder weniger vernünftige – Initiative und macht sich daran, eben diese Technik zu nutzen.

Für Elinn könnte dies allerdings fatale Folgen haben. Deshalb müssen ihr Carl und Urs, als personalisierte Inhaber der „Schlüssel“, ihr folgen und helfen. Natürlich macht auch Carl die hohe Schwerkraft zu schaffen, aber Urs hat die Erdschwerkraft noch nicht lange verlassen (er ist erst zwei Monate auf dem Mars) und hält sich am besten auf der fremden Welt, die sie betreten haben. Was das Trio dort vorfindet, soll hier nicht verraten werden, damit die Überraschung erhalten bleibt.

Ziemlich witzig bemerkte ich, dass sich der Autor à la Hitchcock selbst in die Geschichte hineingeschrieben hat. Der Astronaut Peter Eisenhardt ist an Bord eines den Mars umkreisenden Raumschiffs und erzählt seinem Kollegen von einem Großvater, der Science-Fiction-Romane schrieb, darunter auch Zeitreisegeschichten. Da kam mir doch gleich „Das Jesus Video“ in den Sinn. So was nennt man bei Filmen einen Cameo-Auftritt, aber diesmal ist er selbstironisch gemeint.

Außerdem gibt es einen ziemlich witzigen Auftritt eines afrikanischen Künstlers, der sich Kibbi nennen lässt. Wieder mal hat der Autor seine Kultur- und Geschichtskenntnisse ausgegraben und angewandt. Dieser Kibbi hat die Kunst für ein Museum geschaffen, das die Menschheitsgeschichte darstellt, aber mit einer so innovativen Konzeption, der er jeden Handwerker einzeln anleiten muss, um alles richtig zu machen.

Das Museum steht nahe der kenianischen Olduvai-Schlucht, die unter Anthropologen als Ursprung der Menschheit gilt, seit die Familie Leakey hier Knochen von Frühmenschen fand. Doch nun hat man hier einen verstörenden Fund gemacht, der die ganze schöne Theorie von der Entstehung des Menschen über den Haufen wirft: die titelgebenden „steinernen Schatten“ …

_Unterm Strich_

Ich fand diesen vierten Teil des Zyklus‘ fast noch spannender und witziger als den Vorgänger, obwohl der auch schon ziemlich haarsträubend ist. Für Jugendliche ab zwölf bis vierzehn Jahren (und natürlich erwachsene Junggebliebene) bietet der Roman einige überraschende Wendungen, sodass ich mich gut unterhalten fühlte.

Immer wieder beeindruckte mich der Kenntnisreichtum des Autors in der Luft- und Raumfahrttechnik – Kunststück, hat er doch beides studiert. Außerdem finde ich seine süddeutsche Umgangssprache immer sympathischer. Das hebt seinen Erzählstil nämlich wohltuend von den Übersetzungen aus dem Englischen ab, mit denen der deutsche SF-Markt regelmäßig überflutet wird. Genauso würde ich als Schwabe auch erzählen, wenn ich die Zeit (und den Mut) dazu hätte.

|Zur Taschenbuch-Ausgabe|

In dieser Taschenbuchausgabe des 2007 bei Arena veröffentlichten Romans fehlen allerdings die Illustrationen. Trotzdem behauptet der Bastei-Lübbe Verlag, diese Ausgabe sei „Vollständig“. Wahrscheinlich bezieht sich diese Behauptung nur auf den Text.

Die Umschlaginnenseiten der Leinenausgabe bieten nämlich zwei hilfreiche Zeichnungen. Die Hintere ist dem Löwenkopf-Areal gewidmet. Eigentlich hätte sie an den Anfang gehört, weil dort die Handlung einsetzt. Im vorderen Umschlag ist die Raumstation MIR-3 abgebildet, die dem reichsten Mann der Erde, dem Erfinder Yules Whitehead, gehört, und die im letzten Viertel der Handlung eine kleine Rolle spielt. Sie dient als Habitat für Leute, die zum Mars wollen oder von dort kommen. Sie verfügt über einen Mechanismus zur Erzeugung künstlicher Schwerkraft, wie man ihn aus dem Film „2010 – Das Jahr in dem wir Kontakt aufnehmen“ kennt (der Mittelteil der „Leonov“ rotiert).

Aber dennoch kann sich der Leser freuen: Die Taschenbuchausgabe ist mit knapp neun Euro einen Fünfer billiger als die Leinenausgabe. Obendrein weist sie ein viel schöneres Titelbild auf, als es die Arena-Ausgabe zu bieten weiß. Natürlich könnte sich der kundige Astronom fragen, was das für ein Riesenplanet sein soll, der da am Himmel hängt. Aber man sollte Titelbilder sowieso nur als poetische Interpretationen des jeweiligen Künstlers auffassen.

|Taschenbuch: 334 Seiten
ISBN-13: 978-3404243952|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de

_Michael Matzer_

Über 25 weitere Besprechungen zu Titeln von _Andreas Eschbach_ finden Sie in unserer [Datenbank]http://buchwurm.info/book .

Brent Weeks – Jenseits der Schatten (Schatten-Trilogie 3)

Die Schatten-Trilogie:

Band 1: „Der Weg in die Schatten“
Band 2: „Am Rande der Schatten“
Band 3: „Jenseits der Schatten“

Mit „Jenseits der Schatten“, dem letzten Teil der Nachtengel-Trilogie, schließt der amerikanische Autor Brent Weeks seine Saga um den Assassinen Kylar Stern ab.

Als Schüler von Durzo Blint erreichte der noch sehr junge Kylar ein erschreckendes Talent für das Töten seiner Opfer. Und dadurch entwickelte sich ein fast schon legendärer Ruf als |Nachtengel von Cenaria|. Die Invasoren aus Khalidor konnte er retten, den brutalen und grausamen Gottkönig töten, der seine Heimat tyrannisch seinem Willen unterworfen hat.

Doch der Sieg verlangte ihn einen hohen Preis. Seinen rechten Arm hat er verloren, seine Frau Elene ist verschollen und noch dazu ist er durch die Magischen Ringe an Vi, eine ebenfalls tödliche Attentäterin, gebunden. Auch der „Wolf“ in der mystischen Schattenwelt ist alles andere als offen gegenüber dem Blutengel und jetzigen Nachtengel.

Cenaria wird regiert von einer Königin – Terah Graesin – und Logan, dem eigentlichen König Cenarias, und nun sieht sich der militärische Oberbefehlshaber aufgrund weiterer Bedrohungen durch Invasoren genötigt, schnell zu handeln. Doch in ihm sträubt sich alles dagegen, die Königin zu stürzen, um sein rechtmäßiger Erbe anzutreten.

Kylars Plan ist die einzige Chance, um vielleicht den ganzen Kontinent und die angrenzenden Länder zu retten, zumal ein khalidorischer Magier das Ziel verfolgt, die personifizierte Göttin Khali zu beschwören. Ein Alptraum, der darauf abzielt, sich selbst als Gottkönig über alle zu erheben.

Um das Land zu retten, muss Kylar seine Freundschaft zu Logan aufs Spiel setzen und sich töten lassen, aber als Unsterblicher muss er dafür einen Preis zahlen, dessen er sich zu spät bewusst wird …

Kritik

Der dritte und abschließende Roman der Schatten-Trilogie unterscheidet sich enorm von den beiden Vorgänger-Romanen. Auch wenn nun alle Geheimnisse und Fragen gelüftet werden, wird es im Laufe der Handlung, die durch und durch mit Magie versetzt ist, sehr unruhig und manchmal schwer nachvollziehbar.

Der Autor Brent Weeks übertreibt es mit seiner unglaublichen Vielzahl von Charakteren, die den sowieso schon unübersichtlichen Kontinent bevölkern. Auch hier kann man schnell den roten Faden verlieren, denn die eine oder andere Prophezeiung wirkt absolut überdreht und unangemessen.

In „Jenseits der Schatten“ konzentriert sich die Handlung meist auf Kylar und auf Logan. Mit Vi und Elene, die beide um die Liebe des Attentäters buhlen, gibt es zwar eine Nebenhandlung, doch auch hier steht sie parallel zu der des Nachfolgers des Gottkönigs Dorian, der versucht, Khalidor zu schützen, und auch so manches Urteil fällt, von dem er früher zutiefst glaubte, es wäre Unrecht.

Totgeglaubte leben länger! Ein Sprichwort, das sich hier auch gleich manifestiert, denn Durzo Blint, der Meister und Ziehvater Kylars, lebt. Nach ein paar Jahrhunderten der Kämpfe und der politischen Verwicklungen und Leben, die er führen musste, ist er „müde“ geworden und möchte an der Seite von Momo K. und seiner Tochter „alt“ werden. Doch wie auch bei Kylar, kann er sich seinem Schicksal nicht entziehen.

Ein großer Kritikpunkt sind die magischen Elemente. Hier wird munter verzaubert, verflucht, beschworen, verhext, und auch so manches übernatürliche Wesen und einige doch recht muntere Untote versammeln sich zu einem Showdown, der zwar explosiv verläuft, aber deutlich über die Grenzen der beiden ersten Romane hinausgeht.

Auch wenn es sich hier um das Genre Fantasy handelt, wird die Handlung dann leider allzu phantastisch. Doch es gibt auch Momentaufnahmen, die fabelhaft und wirklich großartig erzählt werden. Gerade die Freundschaft zwischen Kylar und Logan – dieser Bruch ist eine der einfühlsamsten und dramatischsten Szenen, die ich je gelesen habe.

Und wenn wir gerade von Dramatik sprechen: Kylars Unsterblichkeit ist mehr Fluch als Segen, und sein Opfer wird den Leser manches Mal schlucken lassen oder gar zu Tränen rühren. Solche Sensibilität hätte ich dem Autor Brent Weeks nicht zugetraut, erzählt er doch die Geschichte eines Berufsmörders, auch wenn dieser eigentlich ein recht guter Kerl ist.

Erfrischende Momente präsentiert uns Vi, ebenfalls eine tragische, geläuterte Figur mit ebenfalls mächtigem, magischem Potenzial. Hinter Klostermauern, und dann noch bei der Unterrichtung von Zaubern, ist ihr nicht wirklich wohl. Sie sehnt sich nach Kylar, in den sie sich auch ohne die magisch bindenden Ringe verliebt hat. Als Elene später noch im gleichen Kloster einquartiert wird, ist das Liebeschaos perfekt.

Dramatisch und vor allem actionreich geht es zu, wenn sich auf dem Schlachtfeld die verschiedenen Staaten mit ihren Armeen einfinden. Hier haben alle Beteiligten ein Wörtchen mitzureden, und neben viel Zauber wird natürlich auch mit konventionellen Waffen gekämpft.

„Jenseits der Schatten“ von Brent Weeks lebt von einer konzentrierten und schweren Tragik. Kylar und Durzo, nein, eigentlich jeder der Charaktere muss Opfer bringen, manche schweren Herzens. Andere hingegen verschreiben sich einer Sache, die größer und wichtiger ist als sie selbst.

Das ist genau der Mittelpunkt und die Botschaft der Geschichte, die Brent Weeks hervorragend vermittelt. Manchmal zwischen den Zeilen, manchmal kann man nur interpretieren oder Vermutungen anstellen. Doch hier dreht sich am Ende alles um Liebe, Vertrauen und darum, dass das eigene Schicksal, gemessen an den vielen anderen Leben, ein Staubkorn im Wind sein kann, der Flügelschlag eines Schmetterlings, der einen Orkan auslösen kann.

Fazit

Trotz der übertriebenen magischen Momente in „Jenseits der Schatten“ ist der vorliegende Roman absolut zu empfehlen.

Die ganze Schatten-Trilogie, wie sie untertitelt ist, übertrifft die Erwartungen und reiht sich als Perle in die Reihe aktueller Fantasyromane ein.

Brent Weeks erschuf mit Kylar und Durzo Charaktere, die man gerne wiedersehen möchte und an deren Schicksal man aktiv teilnimmt. Hier wird getötet, geopfert, geliebt, es werden Fehler begangen und großartige Ziele verfolgt. Und wenn eine Saga Helden hervorbringt, die menschlicher nicht sein können, dann ist dies genau hier passiert.

„Jenseits der Schatten“ ist der Abschluss einer bald legendären Trilogie und hoffentlich nur der Auftakt zu weiteren Abenteuern mit den gleichen oder auch anderen Charakteren dieser Fantasywelt.

Tauchen Sie „Jenseits der Schatten“ ein, es wird Sie in eine Tiefe reißen, aus der Sie gar nicht mehr entkommen wollen.

Taschenbuch: 699 Seiten
Originaltitel: Beyond the Shadows (Night Angel 3)
Übersetzung: Hans Link
ISBN-13: 978-3442266302

www.brentweeks.com
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

Brent Weeks – Am Rande der Schatten (Schatten-Trilogie 2)

Letztes Jahr erschien im Blanvalet-Verlag das Erstlingswerk von Brent Weeks – „Der Weg in die Schatten“ – und entführte den Leser in eine faszinierende neue Region der phantastischen Literatur. Der Auftaktband der Schatten-Trilogie war mehr als überzeugend, und mit dem Erscheinen des zweiten Teiles ist der Autor durch die Erwartungshaltung des Lesers gefordert, die ohnehin schon dichte Atmosphäre und den Spannungsbogen weiter auszubauen.

Inhalt

Kylar Stern – oder Azoth, wie er früher, in einem ganz anderen Leben hieß – sieht sich gezwungen, sein Leben und das seiner kleinen Familie zu überdenken. Nach der Invasion durch den brutalen und kalten Gottkaiser befindet sich Kylars frühere Heimat in den Händen der Invasoren, die mit Willkür und Opferungen, die eher sorgsam organisierten Hinrichtungen gleichen, das Volk einschüchtern. Kylar und seine alte Liebe, das ehemalige Puppenmädchen Elene und die Tochter seines ehemaligen Meisters, der auch für Kylar so etwas wie eine Vaterfigur gewesen ist, fliehen aus der Stadt. Elene, die um Kylars Vergangenheit und seine Tätigkeit als gedungener Mörder, als „Blutjunge“ weiß, möchte, dass ihr Liebster nicht mehr zu seinem Schwert „Vergeltung“ greift und dem Töten abschwört.

Angekommen in seiner neuen Umgebung, wird Kylar aber nicht glücklich. Auch wenn er mit Elene ein Herzensziel erreicht hat, überkommt ihn eine stetige innere Unruhe. Kylar wurde zum Töten ausgebildet, von einem Meister, dessen tödliches Talent einmalig war, und doch war Durzo Blint kein schlechter Mensch, und vieles, was seinen Meister innerlich bewegte, versteht Kylar erst jetzt. Doch Kylar musste seinen Meister in einem Zweikampf töten, und nun, auf sich allein gestellt, kann er sich nicht wirklich mit jemanden austauschen. Elene würde ihn ohnehin nicht verstehen, denn seinen Wunsch zu töten und seine erworbenen Fähigkeiten zu trainieren, kann er nicht ausleben, und so wird Kylar zunehmend gereizter.

Nach einer Zwiesprache mit sich selbst öffnet er dann doch seine Kiste, in der seine Blutjungenkleidung und seine Waffen schlummern, und geht nachts auf die Jagd. Verbrecher, Diebe und Räuber werden zu Zielen Kylars – auch wenn er sie anfangs nur erschreckt, ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis sein Schwert „Vergeltung“ wieder Blut fließen lassen wird.

Inzwischen wird das Blutmädchen Vi vom Gottkaiser beauftragt, seinen alten Freund Jarl zu ermorden, der inzwischen das Oberhaupt der organisierten Kriminalität geworden ist. Gefangen zwischen den Optionen des Versagens, der Loyalität zu Jarl und dem Zorn des Gottkaisers, ist Vi der Verzweiflung nahe, doch wie unter einem Zwang weiß sie auch, was ihre nächsten Schritte sein werden.

Kylar, der ja vermutet, dass sein Freund und nun König Logan Gyre den Tod gefunden hat, täuscht sich indessen. Logan Gyre lebt, ist aber in dem dunkelsten Gefängnis der Stadt gelandet, das auch als „Das Arschloch der Hölle“ bekannt und berüchtigt ist. Hier haben nur jene Menschen eine Chance zu überleben, die skrupellos sind gegenüber ihrem eigenen Gewissen und jeder Ethik. Im Loch kann man nur überleben, wenn man bereit ist, seine Menschlichkeit abzulegen, wobei Mord hier noch eher eine Bagatelle darstellt.

Als Kylar von seinem alten Freund Jarl um Hilfe gebeten wird, den Gottkaiser umzubringen, um für die Rebellion gegen die Besatzer ein Zeichen zu setzen, muss er sich entscheiden, ob er seiner Familie und dem Versprechen, das er Elena gab, treu bleibt oder aber seine Bestimmung und sein Schicksal herausfordern soll.

Kritik

„Am Rande der Schatten“ von Brent Weeks wird den Leser erneut begeistern. Kylar ist erwachsen geworden; er ist ein Blutjunge, er ist der Nachtengel und damit eine Legende. Sein Talent ist tödlich, doch noch bewahrt er seine Menschlichkeit und sein Mitgefühl für andere. Zwischen Verantwortung und Bestimmung wird Kylar hin- und hergerissen. Fast zu spät entdeckt er, dass sein Schicksal nicht immer in seinen Händen liegt und dass Verantwortung ein sehr scharfes zweischneidiges Schwert sein kann.

Die Handlung baut sich auf, indem die Protagonisten immer wieder in persönliche Konflikte getrieben und so gelenkt werden, dass ihre Entscheidungen die der anderen bis aufs Äußerste beeinflussen. Hier geht es nicht um eindimensionale Beweggründe. Die Grenzen zwischen Freund und Feind, zwischen Verantwortung und Bestimmung sind fließend und oft genug müssen sich Kylar und auch Logan eingestehen, dass man gezwungen wird, sich nicht nur am Rande der Schatten zu bewegen, sondern auch tief in sie einzutauchen.

Dass Kylar wieder zum Schwert greift, ist natürlich schon der Tatsache geschuldet, dass es sich hier um eine Trilogie handelt, also absolut vorhersehbar, doch Kylars Dilemma mit seiner Familie und dem Drang, die Konfrontation mit dem Bösen zu suchen, zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung. Spannend bleibt die ganze Thematik auf jeden Fall, und auch für Action wird gesorgt, wenn auch ein bisschen weniger als im ersten Teil. Deutlich zugenommen hat hier die Einbeziehung der magischen Elemente, und das finde ich diesmal, gemessen an den übrigen Szenarien, überproportioniert.

Kylar wirkt im zweiten Teil deutlich überfordert. Dadurch, dass er immer versucht, allem und jedem gerecht zu werden, vergisst er sich selbst und handelt fast zu spät für sich und andere. Der zweite Handlungsstrang beschäftigt sich primär mit Logan, der gezwungen ist, mit dem Bösen zu paktieren, denn im „Loch“ gibt es keine Zivilisation, hier herrscht Primitivität und keine Moral, und erst recht kennt man hier kein Gewissen. Um zu überleben, muss er sich mit Mördern und Vergewaltigern verbünden, die unverzeihliche Verbrechen verübt haben. Logan verändert ich zwangsläufig und wird niemals mehr die gleiche Person sein.

Das Blutmädchen Vi ist der verlorenste Charakter in diesem zweiten Band. Weder weiß sie, was sie möchte, noch kann sie einschätzen, welche Folgen ihre Handlungen haben werden. Zwischen Gefühl und Verstand verloren, fühlt sie sich isoliert und unverstanden. Noch schlimmer wird es für sie, als sie den Auftrag bekommt, Jarl zu töten, ihren alten Freund, und als sie später Kylar kennenlernt, ist sie fasziniert von seinen Fähigkeiten und seinem Charakter.

In ihrem Leben gab es nicht viel Licht. Sie selbst kannte nur die undurchdringliche Dunkelheit, lebte eher jenseits der Schatten und bewegt sich nun langsam an die verheißungsvolle lichte Oberfläche, die so vielversprechend ist, so menschlich sein kann, dabei aber auch so verletzend. Doch sie ist bereit, für ihre Menschlichkeit zu kämpfen und notfalls auch alles zu opfern. Hier kann der Leser wirklich gespannt sein, denn ähnlich wie bei Kylar trägt sie eine Unmenge an Potenzial in sich und im dritten Teil der Serie kann sie zur Schlüsselfigur werden.

„Am Rande der Schatten“ besteht aus drei Handlungssträngen, die an die drei Protagonisten gekoppelt sind. Zum letzten Drittel des Buches hin verfolgen diese drei ein gemeinsames Ziel, nur der Weg dahin ist ein jeweils eigenständiger.

Interessant zu betrachten ist die Wirkung der Invasoren auf die Bevölkerung. „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ trifft in diesem Falle zu, denn auch die Gilde der Kriminellen ist wenig angetan von der brutalen totalitären Herrschaft und rebelliert offen zusammen mit Bürgern und dem Adel, was in einer „Blutnacht“ eskaliert.

Fazit

„Am Rande der Schatten“ von Brent Weeks setzt die Schatten-Trilogie gelungen fort und überzeugt durch die facettenreichen und vielschichtigen Charaktere. Mit viel Spannung und Action bietet auch dieser Roman ein überaus hohes Lesevergnügen, das den Leser packen und nicht mehr loslassen wird.

Als Negativkritik gibt es nur wenig anzumerken: Die magischen Komponenten sind gerade in der Mitte der Geschichte meiner Meinung nach übermäßig präsent im Vergleich zu den menschlichen Wesenszügen der Charaktere.

Auf der Bühne präsentieren sich Dramatik und Tragik, Liebe und Tod, und selbst in kleineren Nebenschauplätzen zeigt sich das Talent des Autors und somit ein Roman, der mit seinen Figuren hundertfünfzigprozentig zu überzeugen weiß. Phantastisches Lesevergnügen ist hier garantiert, und Brent Weeks hat damit Zauberhaftes für die Leserschaft geleistet.

Der Autor

Brent Weeks wollte schon als Junge Schriftsteller werden und hat sich deshalb nach dem Collage nicht mit dem Erlernen eines anderen Berufes aufgehalten, sondern gleich mit dem Schreiben begonnen. Bis jemand bereit war, ihm etwas dafür zu bezahlen, hielt er sich als Barkeeper über Wasser. „Der Weg in die Schatten“ war seine erste Veröffentlichung und der Auftakt zur |Nachtengel|-Trilogie, gefolgt von „Am Rande der Schatten“. Band drei, „Jenseits der Schatten“, ist für den November 2010 angekündigt. Der Autor schreibt derweil an seiner nächsten Serie, deren erster Band unter dem Titel „The Black Prism“ im August dieses Jahres auf Englisch erschien.

Originaltitel: Night Angel 02. Shadow’s Edge
Übersetzung: Hans Link
704 Seiten, Klappenbroschur
ISBN-13: 978-3442266296

www.brentweeks.com
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

Claudia Toman – Jagdzeit

Diese Rezension stammt von Nadine Warnke

Handlung

Die junge Autorin Olivia Kenning reist für ein Blind Date in das düstere Bergdorf „W.“, das auf sie direkt einen unheimlichen Eindruck macht. Zudem drängt sie eine Deadline, denn ihr erstes Buch wurde endlich veröffentlicht und der Verlag wartet dringend auf ihr nächstes Werk und bedrängt sie dabei stark, was Olivia zusetzt. Sie schafft es kaum, sich an den Shakespeare-Pakt zu halten.

Angekommen in „W.“, bezieht sie ein Zimmer in dem einzigen Gasthaus dort und lernt gleich ein paar der Einwohner flüchtig kennen, ebenso den zweiten Fremden, der sich dort aufhält: Adrian Alt. Die Einwohner von „W.“ sind Fremden gegenüber schon fast feindselig eingestellt, und dies spürt Olivia recht schnell. Irgendetwas scheinen die Menschen dort zu verbergen.

Durch Adrian Alt wird Olivia auf merkwürdige Todesfälle aufmerksam. Entweder sterben die Menschen hier sehr früh oder sie werden außergewöhnlich alt. Nur Einzelne, Unfallopfer und Opfer von Gewalttaten, sterben im mittleren Alter. Was hat es damit auf sich?

Dann findet sich Olivia im düsteren Wald wieder verfolgt von einer Meute Dorfbewohner, die bestrebt sind, die Geheimnisse von „W.“ zu schützen. In diesem wunderlichen Wald trifft Olivia die Eule „Sibby“, die mit ihr sprechen kann und ihr den Weg zu einer Quelle der Inspiration deutet. Dies ist für die unter starkem Druck stehende Schriftstellerin wie die Erfüllung aller ihrer Wünsche …

Kritik

In Claudia Tomans zweitem Buch, „Jagdzeit“ trifft man wieder auf die Protagonistin Olivia, die einem schon aus „Hexendreimaldrei“ bekannt ist. Dieser Roman ist jedoch nicht als Fortsetzung zu sehen, denn die Abenteuer unterscheiden sich völlig vom ersten Buch.

Claudia Toman bedient sich in „Jagdzeit“ einiger bekannter Märchen sowie der nordischen Sagen und verwebt diese gekonnt in einem Märchenkrimi. Man begegnet Hexen, sprechenden Tieren, ungewöhnlichen Pflanzen, düsteren Geheimnissen und noch vielem mehr. Mit ihrem lebendigen, flüssigen und atmosphärisch dichtem Schreibstil schafft es die Autorin, den Leser das ganze Buch über bei der Stange zu halten, auch wenn man durch die ständigen Zeitsprünge, unverhoffte Personenwechsel oder den eingeflochtenen Roman von Olivia manchmal doch sehr verwirrt wird. Erzählt wird der Roman aus der Perspektive von Olivia und Adrian, wobei Olivia deutlich mehr Raum gegeben wird. Der Part von Adrian dient dabei dazu, das Geheimnis von „W.“ aufzudecken, während Olivia ihre eigenen magischen Abenteuer zu bestehen hat.

Die Protagonisten sind lebensnah und humorvoll aufgebaut. Olivia wächst dem Leser mit allen ihren Fehlern und Macken recht schnell ans Herz und sorgt so ganz nebenbei für einige Lacher; sie ist hervorragend und sympathisch konzipiert. Die weiteren Charaktere sind für die Geschichte ausreichend erklärt und eingesetzt.

Fazit

„Jagdzeit“ von Claudia Toman hat mich teilweise überzeugt. Die einzigartige Art der Autorin zu schreiben und ihre Figuren lebendig werden zu lassen, fasziniert mich sehr. Auch das Einarbeiten von bekannten Märchen und der nordischen Mythologie in den Krimi gefällt mir außerordentlich gut. Was ich als störend empfunden habe und was mich auch beim Lesen oft verwirrt hat, waren der ständige Wechsel der drei Erzählstränge und die Fragmente aus Olivias Roman.

Trotz allem hoffe ich, dass es in nächster Zeit noch weitere Bücher von Claudia Tomangibt, da ihre Art zu schreiben etwas Besonderes ist und ich gerne mehr davon lesen möchte.

Autorin

Claudia Toman wurde 1978 in Wien geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie zu etwa gleichen Teilen in Mittelerde, Phantasien, Märchenmond und Derry, Maine. Nach dem Schulabschluss packte sie die Theatersucht und sie arbeitete als Regisseurin, Regieassistentin und Inspizientin in Wien, Tokio und Tel Aviv. Seit 2001 betreut sie die Vorstellungen der Kinderoper an der Wiener Staatsoper. 2009 erschien ihr Debütroman „Hexendreimaldrei“ bei Diana. Der zweite Roman, „Jagdzeit“, wurde im April 2010 veröffentlicht. Claudia Toman lebt als Untermieterin einer eigenwilligen Katzendame in Wien und arbeitet derzeit an ihrem dritten Roman.

Taschenbuch: 336 Seiten
ISBN-13: 978-3453353992
www.randomhouse.de/diana
claudiatoman.blogspot.com

Roberts, Gregory David – Shantaram

Bombay – wie die indische Metropole noch bis 1996 hieß, die anschließend offiziell in Mumbai umbenannt wurde, was dort allerdings selbst von einigen Behörden noch nicht durchgehend umgesetzt wird – ist eine multiethnische und multikulturelle Stadt und zudem eine der größten und sicherlich auch faszinierendsten der Welt. Unzählige einheimische Volksgruppen sowie Menschen aus vielen anderen Nationen der Welt haben ihre Spuren hinterlassen, prägen und entwickeln diese Metastadt laufend weiter.

Mit ihrem Hafen ist Bombay der wichtigste wirtschaftliche Dreh- und Angelpunkt des Subkontinents für Im- und Export und deswegen zur Hauptstadt des Handels geworden. Als eine der größten Städte der Welt produziert Bombay natürlich auch die größten Probleme; inmitten der Stadtteile reihen sich wohlhabende Siedlungen direkt an die zahlreichen Slums an, die mal größer und mal kleiner werden, sofern sie zumindest von den Stadtoberen akzeptiert werden.

Zugleich mit der Wirtschaft floriert auch die kriminelle Organisation der Stadt. Ebenso wie den offensichtlichen Reichtum, der gerne auch zur Schau gestellt wird, gibt es hier Armuts- und Elendsviertel, die von kriminellen Bossen beherrscht werden. Indien ist so weit entfernt von den westlichen Wirtschaftsräumen, dass es für flüchtige Verbrecher wie ein Paradies wirkt. Der Einfluss nationaler und internationaler Gerichtsbarkeit sowie die Verfolgung durch Staatsanwalt und Polizei sind gering bis gar nicht vorhanden.

An humanitärer Hilfe in den Slums mangelt es an jeder Ecke; Drogen beherrschen hier stattdessen den Handel und das (Über-)Leben in der Unterwelt. Medikamentöse und ärztliche Versorgung bleibt der privilegierten Gesellschaft vorbehalten, so dass es hier ganze Viertel gibt, in denen durch Krankheit die regelrecht zum Tode Verurteilten ein jämmerliches Dasein fristen.

Indien ver- und bezaubert durchaus; die märchenhafte Aura des Landes begegnet dem Besucher an vielen Orte. Das Leben, Denken und Handeln der Inder ist so ganz verschieden von unserem. Nüchtern betrachtet allerdings verflüchtigt sich hierbei schnell jedes romantisierte Weltbild. Für zahllose Einwohner des Landes ist das dortige Leben mit all seinen Entbehrungen und Gefahren ein schmerzvoller Überlebenskampf.

Gregory David Roberts hat in seinem Roman „Shantaram“ ein raues, aber zugleich umfassendes und faszinierendes Bild der Metropole Bombay entworfen und damit einen leidenschaftlichen Roman verfasst.

_Inhalt_

Lindsay, ein junger Australier, hat zwei Jahre seiner langjährigen Haftstrafe in einem Hochsicherheitsgefängnis verbracht, als ihm seine spektakuläre Flucht gelingt. Lindsay hat alles verloren, Frau und Kind, seinen Job. Diese Schicksalsschläge haben ihn mit Drogen und Verbrechen konfrontiert, eine Spirale, die im Gefängnis endete.

Um internationalen Fahndern zu entkommen, flüchtet Lindsay mit falschen Papieren ausgestattet nach Bombay. Die indische Kulturhauptstadt wirkt verstörend und anfangs fremd auf ihn. Durch Zufall lernt er den jungen Inder Prabaker kennen, der Lindsay zunächst als Fremdenführer die schillernde und übergroße Stadt zeigt und erklärt.

Als Gestrandeter lernt er andere Menschen kennen, die in Bombay ähnlich wie er selbst einen Neuanfang suchen. Lindsay wird durch Prabaker, der inzwischen sein Freund geworden ist, in die ungeschriebenen Gesetze der Stadt und deren Unterwelt eingeführt. Er lernt einflussreiche Menschen aus dem Drogenmilieu kennen, die die Stadt mit beherrschen und regieren. Alles scheint miteinander verwoben zu sein, jeder macht in seiner Welt Geschäfte und ist abhängig von anderen – dies zu durchschauen, wäre ohne die Hilfe des jungen Inders unmöglich.

Lindsay baut sich eine Art von Familie auf, die viele unterschiedliche Persönlichkeiten umfasst, die bald alles für ihn bedeuten. Da ist Karla, eine bildhübsche, aber kühle Frau mit schweizer Wurzeln, in die er sich verliebt. Auch einflussreiche Männer aus Bombays Unterwelt begleiten den jungen Mann, und er entwickelt zu diesen kriminellen Männern ein tiefsinniges, fast schon väterliches Verhältnis.

Prabaker der spürt, dass Lindsay auf seine Art verloren ist, und führt ihn in seine Familie ein, in der dieser wie ein Sohn aufgenommen und akzeptiert wird. Diese Zeit prägt den jungen Mann und lässt ihn über seine Vergangenheit und seine vielen Möglichkeiten der Zukunft nachdanken.

Prabaker ist es auch, der Linbaba, wie Lindsay jetzt genannt wird, sein eigenes Haus vermittelt. Inmitten der Slums lernt Lin Menschen kennen, die ungeachtet ihrer Nöte und Sorgen füreinander einstehen und Verantwortung übernehmen. Diese exotische Welt birgt viel Gnadenlosigkeit, aber auch viel Hoffnung für die dort lebenden Menschen, die in Baracken hausen, die notdürftig aus Blech, Plastik und Holz eher schlecht als recht zusammengezimmert wurden.

Lindsays neue Heimat wird wenig später zum Teil durch ein Feuer vernichtet, viele Menschen werden durch Flammen und Rauch verletzt, und durch seine rudimentären Medizin- und Erste-Hilfe-Kenntnisse wird Lin schnell zum Arzt in diesem Slum. Doch auch hier ist er abhängig von der Unterwelt und den Bossen, die die Slums regieren und mit Nahrungsmitteln und Medikamenten versorgen. Obwohl Lin keine medizinischer Ausbildung genossen hat, wird er von den Menschen schnell als Slumarzt akzeptiert.

Seine Praxis ist Anlaufstelle für die vielen Verletzten und Kranken, die ihn in immer größerer Anzahl aufsuchen, ebenso wie die vielen Leprakranken, die in eigenen Slums etwas abgegrenzt wohnen. Lin wird zu „Shantaram“, wie ihn Prabaker tauft – ein Mann des Friedens. Durch seine Naivität und nicht zuletzt durch seine ominösen Verbindungen zur Unterwelt wird Lin verraten und in Bombays gefürchtetes Arthur-Road-Gefängnis gesteckt. Dort wird er brutal gefoltert und fast zerbrochen …

Als Lin durch einen einflussreichen Unterwelt-Boss aus dem Gefängnis herausgeholt wird, verfolgt er das alleinige Ziel, sich an demjenigen zu rächen, der für seinen Gefängnisaufenthalt verantwortlich ist …

_Kritik_

Selten hat ein Autor Bombay ein so intensives Gesicht verliehen, wie es Gregory David Roberts gelungen ist. Roberts weiß auch, wovon er schreibt, denn die Person „Shantaram“ oder Lindsay ist er selbst. „Shantaram“ ist seine Biografie, und seine abenteuerlich anmutenden Erlebnisse hat er in diesem Roman verarbeitet.

Der Leser erlebt den Alltag Bombays an der Seite des Autors. Die exotische Stadt besitzt viele Facetten, wir erleben aber vor allem in den Slums Drogen, Alkohol, familiäre Gewalt, Krankheit, Armut und medizinische Missstände. Die sozialen Schichten mit ihrer ungeschriebenen Hierarchie begegnen uns ebenso wie die vielen Sorgen und Nöte der in den Slums wohnenden Menschen. Der Autor lässt uns aber auch an philosophischen Gedanken der Protagonisten teilhaben, wenn in Männerrunden oder Dialogen über verschiedene Themen des Lebens diskutiert wird.

Die Atmosphäre von „Shantaram“ ist eine besondere. Der Leser taucht ein in die Metropole Bombays, in die Straßen der Slums und in die Gedankenwelten der Protagonisten. Der über tausend Seiten umfassende Roman bietet dabei spannende Literatur, die den Leser schon ab den ersten Seiten in Bombays Atmosphäre katapultiert. Die Protagonisten sind zwar zahlreich, aber so grandios präsentiert, dass man mit diesen Figuren leidet, wütend und verzweifelt ist und zugleich einen tiefsinnigen Schauer empfindet, folgt man den Dialogen, die wirklich etwas zu sagen haben.

Philosophisch interpretiert, geht es in „Shantaram“ immer um die Liebe. Der Fokus der Liebe zu anderen, zu sich selbst, zu etwas Höherem, zu einer Aufgabe – Liebe verfolgt den Leser durch alle Kapitel. Dass Lindsay/Linbaba/Shantaram/Roberts von einem Schicksalsschlag in den nächsten geschubst wird, ist dabei nicht unglaubwürdig erzählt. Das Tempo in „Shantaram“ ist nicht überdimensioniert, es überfährt den Leser nicht, lässt ihn aber auch nicht zur Ruhe kommen.

Die Haupthandlung selbst ist dabei ausnehmend spannend, allerdings wird diese Spannung nicht durch Gewalt und Action erzeugt, sondern durch liebevolle Figuren aufgebaut, die der Geschichte ihren Anteil an Leben, Dramatik, Philosophie und auch Gewalt einhauchen.

Der „Guru“, der sensible und etwas schlitzohrige Prabaker, ist eine Figur, die man fast schon mehr liebgewinnt als den Handlunsgträger Lindsay. Seine Botschaften sind nicht ohne Humor und hintergründig in Worte gefasst. Ohne Prabaker wäre Lindsay verloren gewesen, in psychischer wie auch physischer Hinsicht. Selten erlebt man in Erzählungen derartig präsente Figuren, die man faszinierend verfolgt, selbst wenn sie lediglich Nebenfiguren sind, aber nicht im Schatten der Schlüsselgestalt stehen.

Karla, in die sich Lindsay Hals über Kopf verliebt und sich dabei benimmt wie in den Anfängen der Pubertät, ist nicht nur schön an Gestalt, sondern auch sensibel, verletzbar und gerade wegen Letzterem emotional nach außen stark unterkühlt. Bindungen und Gefühlen will sie sich nicht stellen, sie scheut die Verantwortung, doch bringt sie dies so schonend und plausibel rüber, dass man ihre Beweggründe logisch und auch emotional nachvollziehen kann.

_Fazit_

„Shantaram“ ist ein epischer Roman, ein wunderbarer Exot in der literarischen Welt, der leidenschaftlich versucht, die Liebe als umfassendes Konzept in Worte zu fassen, und dem dies auch gelingt. Zwischen den Zeilen und den vielen Handlungsebenen gibt es so viel Wissenswertes und Imposantes zu erleben, dass jedes Gefühl ausgelebt werden kann.

„Shantaram“ ist auch oder gerade deswegen so faszinierend, weil der Schöpfer Gregory David Roberts seine Geschichte autobiografisch erzählt und dabei nicht nur sein Alter Ego, sondern auch sich selbst entdeckt und lieben lernt.

Das moderne Indien hat für westliche Leser mit „Shantaram“ eine umfassende Betrachtungsperspektive bekommen, mit vielen Blickwinkeln und vielen Persönlichkeiten, in denen wir uns trotz ihrer Andersartigkeit so manches Mal wie in einem Spiegel erkennen. Wenn Geschichten wie diese Emotionen in uns wecken und uns unsere Menschlichkeit bewusst machen, so sind sie besonders wertvoll und nach meinem Dafürhalten bedenkenlos zu empfehlen.

Die Filmrechte von „Shantaram“ sind längst verkauft, gesichert hat sie sich Johnny Depp. Und eines ist schon jetzt deutlich: Die Geschichte von „Shantaram“ lebt von ihren Charakteren und ihren Schicksalen. Ein Roman, vielleicht auch später ein Film, an den man sich erinnern und auf eine Fortsetzung warten wird – die bereits in Arbeit ist.

„Shantaram“ bietet Tragik, Dramatik und Liebe in Reinform.

_Der Autor_

Gregory David Roberts (* 1952 in Melbourne) ist ein australischer Buchautor und verurteilter Schwerverbrecher. Roberts sollte im australischen |HM Prison Pentridge| eine 24-jährige Haftstrafe absitzen. Dort brach er nach zwei Jahren aus.

Nachdem er das Sorgerecht für seine damals dreijährige Tochter nicht erhielt, wurde er heroinabhänging. Um seine Sucht zu finanzieren, beging er zahlreiche Raub- und Banküberfälle (allerdings mit vorgehaltener Spielzeugpistole). Nach seiner gelungenen Flucht über die Frontmauer des |HM Prison Pentridge| – am helllichten Tag – ließ er sich nach einem Zwischenaufenthalt in Neuseeland in Mumbai, Indien nieder. 1990 wurde er in Frankfurt gefasst und an seine Heimat ausgeliefert. Dort verbrachte er dann sechs Jahre im Gefängnis, davon zwei in Isolationshaft. In dieser Zeit begann er auch an seinem bekanntesten Buch „Shantaram“ zu arbeiten, das auf seinen Erfahrungen in Mumbai basiert.

Der Titel des autobiografischen Romanes „Shantaram“ basiert auf seinem Spitznamen, der ihm von der Mutter seines besten Freundes Prabaker verliehen wurde. Roberts schrieb außerdem ein Drehbuch des „Shantaram“-Romans und ein weiteres für den Film „Allegra“.

|Originaltitel: Shantaram
Originalverlag: St. Martin’s Press
Aus dem Amerikanischen von Sibylle Schmidt
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 1088 Seiten
Mit Vignetten von Oliver Weiss|
http://www.goldmann-verlag.de
http://www.shantaram.com/

Jeanne Kalogridis – Leonardos Geheimnis

Die Mona Lisa, die zurzeit im Louvre in der französischen Hauptstadt Paris ausgestellt ist, ist wohl auch das bekannteste Werk Leonardo da Vincis. Immer noch ranken sich Theorien um das wohl berühmteste Gemälde der Welt. Das magische Lächeln der Porträtierten ist unergründlich, fast schon mystisch. Leonardo da Vincis Feingefühl für sanfte Übergänge in den Farbregionen ist meisterhaft und für diese Zeit einmalig. Genauso verhält es sich mit dem Spiel von Licht und Schatten, das sich durch die Kleidung der jungen dargestellten Frau zeigt.

Wer war diese junge Frau? Es gibt verschiedene Spekulationen. War das Modell gar keine lebende Person, sondern nur den Phantasien des Meisters entsprungen? Welche Rolle spielte diese geheimnisvolle Frau mit ihrem sanften aber doch scheinbar humorvollen Blick im Leben des Künstlers? Leonardo da Vinci hat dieses Gemälde bei seinem zweiten Aufenthalt in Florenz gemalt (1503 – 1506) – ist diese Frau eine sehr bekannte Dame des florentinischen Adels?! Da Vinci hat dieses Geheimnis mit ins Grab genommen, Abschriften oder Erklärungen existieren zwar zur Genüge vom genialen Meister, aber nichts davon erklärt die Figur der Mona Lisa.

Eines ist jedenfalls sicher: Das Lächeln der Mona Lisa nahm Leonardo da Vinci auf all seinen späteren Reisen mit. Eine stumme Geliebte, eine treue Gefährtin und ein Angelpunkt in seinem künstlerischen Schaffen, doch eine Frage stellt sich immer wieder: Wer war diese unergründliche Frau?

„Leonardos Geheimnis“ von Jeanne Kalogridis erzählt die Lebensgeschichte der Mona Lisa und von ihrem geheimnisvollen Bezug zum größten Genie seiner Zeit – Leonardo da Vinci.

_Die Geschichte_

Florenz im 15. Jahrhundert. Die Stadt wird regiert von der Familie Medici und ist dadurch ein wichtiger kultureller, wirtschaftlicher und politischer Standort geworden.

Ein Jahr vor der Geburt der Mona Lisa wird Giuliano di Medici Opfer einer Verschwörung der Familie der Pazzi. Ein Attentat bereitet seinem Leben ein vorzeitiges Ende. Lisa di Antonio Gherardini Giocondo, genannt Mona Lisa, bekommt zu ihrem zwölften Geburtstag ein Medaillon von ihrer Mutter geschenkt, auf dem ebendieser Mord dargestellt ist. Damit verändert sich das Leben der wohlbehüteten Tochter eines Florentiner Wollhändlers. Der Bruder des Ermordeten schwört Rache, denn ein Verschwörer und Mörder ist nach der Tat entkommen. Zeuge dieser Tat ist der inzwischen schon berühmte Künstler Leonardo da Vinci, den Mona Lisa schon seit ihrer Kindheit kennt.

In den folgenden Jahren begegnet sie da Vinci immer wieder und eine tiefe Freundschaft beginnt. Mona Lisa verliebt sich in einen Medici, den Neffen des toten Giuliano, und gerät mitten in die politischen Auseinandersetzungen. Sie erlebt die Verbannung der Familie aus Florenz, Krieg und Seuchen sowie den traurigen Tod ihres einzigen Kindes. Leonardo begleitet sie als treuer Freund durch die harten Zeiten.

Er arbeitet unablässig an ihrem Portrait, ein perfektes Abbild ihrer Person. Ein dunkles und großes Geheimnis vertraut er seinem Modell an. Nicht nur die Hintergründe des Mordes werden aufgeklärt, sondern dieses Geheimnis wird das Leben der Mona Lisa auf immer verändern.

_Kritik_

Die Autorin Jeanne Kalogrids geht einer der zahlreichen Theorie um die berühmte Gestalt Mona Lisas nach. Seit dem frühen 16. Jahrhunderts versuchen viele Kunstliebhaber, das berühmteste Lächeln der Welt zu analysieren. Ebenso verhält es sich mit der historischen Person der jungen Frau. Die Identität und die Umstände, unter denen sie gemalt wurde, bleiben ein Geheimnis.

Die wahrscheinlichste Kandidatin unter den Anwärterinnen auf die Person Mona Lisas ist wohl die Protagonistin dieses Buches, Lisa di Antonio Gheradini, Tochter eines wohlhabenden Seidenhändlers. Als junges Mädchen wird Lisa in den luxuriösen Haushalt der Medici eingeführt und lernt die mächtigste Familie Florenz kennen. In den politischen Verwirrungen und dem Niedergang der Familie verliebt sie sie in den jüngsten der drei Söhne des Familienoberhauptes Lorenzo de Medici, Giuliano. In der gleichen Zeit tritt auch Leonardo da Vinci in ihr Leben, der ein geförderter Wissenschaftler der kunstbegeisterten Familie ist.

Nach dem Tode Lorenzo de Medicis erlebt Lisa die Vertreibung seiner Nachkommen aus dem toskanischen Florenz. Leonardo da Vinci erhält kurz vor dem Tode seines Förderers Lorenzo de Medici den Auftrag, heimlich ein Portrait von Mona Lisa zu erschaffen …

Jeanne Kalogridis Roman lebt einzig und allein von seiner Perspektive und der ihrer Protagonistin Lisa de Gheradini. Ihre Entwicklung vom unschuldigen, naiven Mädchen zur starken und leidenschaftlichen Frau ist der rote Faden der Erzählung. Ihre Erlebnisse um und mit der Familie der Medici eröffnen dem Roman eine ungeahnte Tiefe. Inwieweit diese Person noch über eine historische Genauigkeit verfügt, sei dabei erst einmal dahingestellt. Mona Lisa ist eine der wenigen geschichtlichen Gestalten, deren Bildnis die meisten Leser vor Augen haben. Gleichzeitig ist über diese Figur zu wenig bekannt, und die Geheimnisse laden die Autorin geradezu ein, eine Theorie zu entwerfen.

So dicht, wie sie ihre Protagonistin beschreibt, lenkt sie die Aufmerksamkeit, die man den anderen Persönlichkeiten widmen sollte, leider ab. Viele Beschreibungen der Nebencharaktere fallen dadurch viel zu simpel und unglaubwürdig aus. Einzig und allein die erzählerische Gestalt Leonardo da Vincis ist interessant und vielseitig. Seine Loyalität und seine geheimnisumwitterte Persönlichkeit verleihen dem Roman eine spannungsvolle Struktur. Allerdings birgt der erste Teil von „Leonardos Geheimnis“ ziemliche Längen, da dieser nicht aus Lisas Sicht geschildert ist. Die Waage zwischen Lisas Entwicklung und der politischen Situation balanciert die Autorin jedoch geschickt aus.

Jeanne Kalogridis verleiht dem historischen Florenz zur Zeit der Renaissance ein vielfältiges Bild mitsamt der politischen und künstlerischen Aufgeschlossenheit und zugleich dem schon frühzeitigen religiösen Fanatismus. Die Autorin nimmt sich jedoch für einen historischen Roman allzu viele Freiheiten heraus und verfälscht damit die Genauigkeit der recherchierten Gegebenheiten. Historischen Quellen nach zu urteilen, gab beispielsweise nicht Lorenzo de Medici da Vinci den Auftrag, sondern dies geschah auf Wunsch ihres Ehemannes.

Zwar gibt die Autorin interessant die verschiedenen Legenden um die Identität der Mona Lisa wider und schafft damit das Sinnbild einer perfekten Frau, aber alles in allem gelingt es Kalogridis nicht, wahre Lesefreude zu wecken. Zu unglaubwürdig und schwammig sind ihre Theorien mit den Fakten verknüpft.

„Leonardos Geheimnis“ ist ein historischer Frauenroman mit wenig wirklich historischem Hintergrund. Für Leser, die einen unterhaltsamen Roman mit einer starken „Frau“ lesen möchten, ist dieser Roman zu empfehlen. Wer allerdings etwas über das Leben und Wirken Leonardo da Vincis erfahren möchte und sich auch für das Gemälde der Mona Lisa interessiert, dem ist hier eher abzuraten.

http://www.ullsteinbuchverlage.de/listhc/