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Wehrli, Reto – Verteufelter Heavy Metal (Erweiterte Neuausgabe)

Dass Heavy Metal in Teilen unserer Gesellschaft nicht gerade den besten Ruf genießt, ist bekannt. Ebenso die Tatsache, dass Heavy-Bands ab und an für Skandale sorgen und damit Aufruhr seitens des Gutbürgertums auslösen, was immer wieder in zensorischen Eingriffen gipfelt. Doch was genau steckt dahinter? Mit dieser Frage beschäftigt sich Reto Wehrli im vorliegenden Buch „Verteufelter Heavy Metal“.

Das Werk gliedert sich in zwei Hauptteile – „Grundlagen und Geschichte“ sowie beispielhafte „Falldarstellungen“. Abgerundet wird das Ganze durch viele beanstandete Songtexte und insgesamt 295 Abbildungen, darunter viele der im Text beschriebenen Corpora Delicti, womit man Reto Wehrlis Werk wohl ohne zu zögern ebenfalls in die Liste jugendgefährdender Kunst und Kultur aufnehmen müsste. Ein paar der Bilder weisen jedoch keine gute Qualität auf, da sie zu unscharf aussehen. Kuriose Folge dessen ist, dass die Abbildung manches wegen Gewaltdarstellung beanstandeten CD-Covers (z.B. CANNIBAL CORPSE) in diesem Buch aussieht, als wäre sie gerade deshalb unkenntlich gemacht worden, was aber vom Autor keinesfalls so beabsichtigt war.

Reto Wehrli arbeitet sehr viel mit Zitaten und hat für sein Werk eine sehr umfangreiche Recherche betrieben, was für hohe Objektivität und differenzierte Schilderungen sorgt.

Im Unterschied zur Erstausgabe wurde der Umfang sehr stark erweitert, es wurden mehr Bilder abgedruckt, und die strikte Trennung der beiden oben genannten Teile vorgenommen (in der Erstausgabe waren die Falldarstellungen in die jeweiligen Kapitel eingearbeitet). Hier wird man als Leser allerdings vor die Entscheidung gestellt, ob man sich zuerst in die allgemeinen Abhandlungen und dann in die Fallbeispiele vertieft oder ob man gemäß der Referenzierung der Beispiele immer hin und her pendelt. Bestimmte Sachverhalte tauchen daher auch doppelt auf, z. B. die empörte Aufregung von Tipper Gore über die Obszönitäten auf einem PRINCE-Album, welche die Gründung des PMRC (Vereinigung besorgter Mütter zur Säuberung der Gesellschaft von teuflischer Rockmusik) zur Folge hatte, oder der Selbstmord eines Jugendlichen, der zu dieser Tat angeblich durch den OZZY OSBOURNE-Song ‚Suicide Solution‘ angestiftet wurde, und der dann sogar Gegenstand eines Gerichtsverfahrens gegen den Madman war.

Doch nun erst einmal ein paar Worte zum Aufbau von „Verteufelter Heavy Metal“. Zunächst wird der Ursprung des Heavy Metal geklärt und der Autor nimmt eine grundsätzliche Charakterisierung dieser „Teufelsmusik“ sowie von deren Anhängern vor. Gerade die Vergleiche zu anderen Genres wie Blues oder dem Horrorfilm machen die Einordnung sehr gelungen. Es werden die Anfänge der Zensurbestrebungen und ihrer Ursachen geschildert, und zum besseren Verständnis erfolgt auch noch eine Abhandlung über die „Psychologie des christlichen Fundamentalismus“. Nachdem damit quasi die Grundlagen der Thematik geklärt sind, widmet Wehrli noch ein paar „Besonderheiten“ eigene Kapitel. Da wäre zunächst das Phänomen des Backward Maskings (Rückwärtsbotschaften in Rocksongs), in dem er sowohl die typischsten Beispiele (ich sage nur ‚Stairway To Heaven‘) für solche Anschuldigungen detailliert beschreibt, als auch die Wirksamkeit solcher Botschaften vom wissenschaftlichen Standpunkt aus untersucht. Ein weiteres Kapitel reflektiert Literatur von bekennenden Heavy-Metal-Gegnern, deren Thesen er nicht nur auf argumentatorisch hohem Niveau entkräften kann, sondern denen er gleichzeitig auch noch ungenügende Detailkenntnisse und ein oberflächliches, unwissenschaftliches Vorgehen nachweist. Auch dem NS-Black-Metal wird ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem sehr detailliert auf die Vorgänge in Skandinavien als auch im deutschen Raum in den neunziger Jahren eingegangen wird.

Bei den Falldarstellungen, in denen sehr viel Detailwissen wiedergegeben wird, tauchen natürlich auch die hierzulande bekanntesten Beispiele von Zensur und öffentlicher Entrüstung auf; es seien hier exemplarisch die Indizierung von CANNIBAL CORPSE-Covern, die im Zuge der Schulschießereien von Littleton respektive Erfurt massiv angefeindet und dafür (mit-)verantwortlich gemachten Bands MARYLIN MANSON, RAMMSTEIN und SLIPKNOT, oder auch die Playgirl-Nacktfotos eines Peter Steele (im Buch übrigens mehrfach gemächtig abgebildet) genannt. Es sei in diesem Zusammenhang auch gleich darauf verwiesen, dass hier beileibe nicht nur Heavy-Metal-Bands abgehandelt werden, vielmehr werden alle mit Zensurbemühungen in Berührung gekommenen Künstler und damit verschiedenste Musikstile anhand von Beispielen reflektiert, wobei die ältesten vom Anfang des 20. Jahrhunderts stammen.

Einige der Fallbeispiele kommen ob ihrer Charakteristik für die Thematik dieses Buches sehr umfangreich daher (das sind vor allem die von den SEX PISTOLS, MADONNA und MICHAEL JACKSON), die trotz ihrer Länge stets sehr interessant zu lesen sind, zumal sie zumeist ein recht differenziertes Bild (im Gegensatz zum durch die Medien verbreiteten Kurzeindruck des jeweiligen Künstlers) zeichnen und auch mit psychologischen Interpretationsversuchen und Verhaltensdeutungen nicht hinter dem Berg halten. Vereinzelt sind auch kritische Töne des Autors gegenüber den Künstlern zu hören (beispielhaft seien hier das exzentrische Getue von GUNS ‚N ROSES-Sänger Axl Rose und der „unreife Satanismus“ derer von BELPHEGOR genannt), insgesamt sind die Darstellungen aber sehr objektiv gehalten.

Auch sehr aktuelle Geschehnisse wurden bereits in die Neuauflage eingearbeitet (z. B. JANET JACKSON und der „Nipplegate“-Skandal), am zeitnahsten ist allerdings die „Entgleisung“ von Prinz Harry, der als Faschingskostüm eine Rommel-Uniform mit Hakenkreuz trug, was Wehrli zu einer Bemerkung ob der prophetischen Gabe der SEX PISTOLS veranlasste. Als besonders spannend empfand ich persönlich hingegen gerade die Beispiele der Künstler aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, da der Autor hier einen interessanten Kontrapunkt zur heutigen Zeit setzt, indem gezeigt wird, womit man damals bereits Provokationen und Empörung auslösen konnte.

Ein paar kritische Bemerkungen müssen jedoch auch getroffen werden, denn bei Reto Wehrli haben sich hie und da ein paar Ungenauigkeiten eingeschlichen. Bei den Ausführungen zum Thema Songtexte offenbart der Autor m. E. ein etwas zu eingeschränktes Sichtbild. Die Feststellung, dass es im Heavy Metal keine Songtexte gibt, die eine positive und optimistische Grundaussage beinhalten und vielleicht sogar Hoffnung oder Romantik propagieren, halte ich in dieser Deutlichkeit für falsch. Natürlich sind solche Lyrics klar in der Minderheit gegenüber den Schilderungen vom zwanglosen Ausleben von Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll sowie Beschreibungen von Chaos, Vernichtung und Tod – nichtsdestoweniger gibt es einige (auch sehr bekannte) Bands, deren Songtexte konträr dazu stehen. Das beschränkt sich dann auch nicht auf die christlichen White-Metal-Bands, es sei nur einmal auf Gruppen wie SAVATAGE oder PAIN OF SALVATION verwiesen.

Bei der Thematisierung der in den Lyrics zum Ausdruck gebrachten Gesellschaftskritik hätte der Autor zudem auch ruhig darauf eingehen können, dass sich eben jene Kritik nicht nur am Spießbürgertum bzw. an den aufdiktierten Normen und der Scheinheiligkeit der „heilen Welt der Etablierten“ fest macht, sondern durchaus auch „massenkompatible“ Kritik zur Sprache kommt, die der textlichen Thematisierung von Tod, Zerfall und Verderben sogar zum Teil entgegensteht. Als Beispiel (viele andere wären möglich) sei hier nur einmal die aktuelle KREATOR-Scheibe „Enemy Of God“ erwähnt, auf der mit Kriegstreibern wie George W. Bush aufgeräumt und generell die Lösung von politischen Konflikten mittels Gewalt angeprangert wird.

Auch die Charakterisierung (oder vielleicht sollte ich es eher Psychoanalyse nennen) des typischen Metallers empfinde ich als etwas zu oberflächlich und einseitig. Obgleich Heavy-Metal-Fan zu sein, für die meisten Betroffenen nicht nur den Musikgeschmack, sondern das Lebensgefühl reflektiert, wäre hier eine differenzierte Reflexion angebracht gewesen. Es ist schon ziemlich gewagt, bestimmte Charakter- und Wesenszüge sowie Verhaltensmuster zu definieren und zu behaupten, dass sich in dieses Schema der überwiegende Teil der Metal-Anhänger einordnen lasse. Außerdem scheint mir der Autor den gemeinen Metalfan zu sehr in der Gruppe der Jugendlichen anzusiedeln, die nach Orientierung und eigenen (nicht von außen aufdiktierten) Wertvorstellungen im Leben suchen. Dabei lässt er die Tatsache unter den Tisch fallen, dass Heavy Metal nicht wie noch in den achtziger Jahren als „Teenie-Mucke“ kategorisiert werden kann. Natürlich zeichnet sich der Heavy Metal durch eine gewisse rebellische Attitüde aus, zu sehr verallgemeinern sollte man hier dennoch nicht. Auch wird Heavy Metal nicht mehr ausschließlich von Weißen produziert, auch wenn diese natürlich nach wie vor die absolute Mehrheit darstellen. Die Ausführungen zu den angesprochenen Punkten sind somit zwar durch eine unbestreitbar gekonnte Argumentationsführung, allerdings auch durch eine gewisse Einseitigkeit gekennzeichnet.

Es ist allerdings festzuhalten, dass dies die absolute Ausnahme darstellt, und die Argumentationen insgesamt sehr fundiert und für den Leser nachvollziehbar sind. Sprachlich liest sich das Werk hingegen recht unterschiedlich. Mitunter schmeißt der Autor mit komplizierten Fachbegriffen nur so um sich, so dass wohl der eine oder andere Leser nur unter Zuhilfenahme des Dudens den gesamten Sinn erfassen kann. Hier scheint sich der Autor ein bisschen in hochtrabenden Wortkonstruktionen sonnen zu wollen. Auf der anderen Seite hat die Wortwahl stellenweise aber auch schon fast Straßenslang-Charakter, wobei man über solche phantasievollen Umschreibungen wie bspw. „nymphomanischer Wanderpokal“ (als Bezeichnung für die jugendliche MADONNA, S. 465) durchaus herzhaft lachen kann.

Gerade bei den Falldarstellungen kommt die Sprache immer wieder auf die Werbewirksamkeit von politischen Boykottaufrufen oder gesetzlichen Zensurmaßnahmen für die betroffenen Künstler und darauf, wie vorhersehbar die Reaktionen auf eine gelungene Provokation doch immer wieder ausfallen und sogar Inhalt von geschickt kalkulierten Marketingstrategien sind. Aber auch der umgekehrte Fall ist typisch, wie dem sehr interessanten Abschnitt „Zensur durch marktwirtschaftliche Lenkungsmaßnahmen“ zu entnehmen ist, der die schleichende Zensur durch Boykott thematisiert.

Zu den Fallbeispielen ist noch zu sagen, dass die Liste natürlich noch beliebig hätte verlängert werden können, was aber sinnvoll gewesen wäre, da sie bereits jetzt fast 400 Seiten umfasst (und damit über die Hälfte des gesamten Buches) und sich zudem die Skandale sowieso ständig wiederholen. Vielleicht hätte man auf die gerade in Deutschland doch recht populären Fälle der Bands EISREGEN (deren Alben in schöner Regelmäßigkeit verboten und damit Livekonzerte nahezu unmöglich gemacht werden) oder MOTÖRHEAD (die von Kritikern immer mal wieder in die rechte Ecke gedrängt wurden, obwohl man Mastermind Lemmy Kilmister wohl viel eher ein gesteigertes historisches Interesse bescheinigen muss) eingehen können, aber insgesamt sind es wohl eher schon zu viel Skandalschilderungen als zu wenige.

Andererseits birgt die komprimierte Zusammenfassung der Beispiele und deren Unteilung in den angloamerikanischen Raum sowie den Bereich Deutschland/Frankreich/Schweiz hochinteressantes Vergleichspotenzial. So werden gerade in den USA jegliche Form von Sexualität, Satanismus (im deutschen Raum tendenziell nur vergleichbar mit dem Freistaat Bayern), sowie „unpatriotische Auswüchse“ in der Kunst gegeißelt, während es im deutschspachigen Raum eher Gewaltdarstellungen sind und Dinge, die mit der unrühmlichen Geschichte Deutschlands zusammenhängen (und zwar solche, die ganz im Gegensatz zur USA zu „patriotisch“ bzw. nationalistisch anmuten). Müßig zu erwähnen, dass die Gewichtung dabei des Öfteren sehr merkwürdig erscheint. So musste z. B. für das SODOM-Album „Til Death Do Us Unite“ ein Alternativcover angefertigt werden, das nüchtern betrachtet weit mehr Anlass zur Beanstandung geboten hätte. So ist auch der Autor der Meinung, dass ein Überdenken der gesellschaftlichen Wertbilder dringend angesagt scheint, wenn es besser ist, einen bis an die Zähne bewaffneten Knarrenheinz aufmarschieren zu lassen, als den Bauch einer schwangeren Frau zu zeigen. Auch der „Nipplegate“-Skandal um JANET JACKSON passt in diese Ecke. Hier gibt Wehrli ein Zitat von Lewinsky (nicht Monica) wieder: „Durch Amerika, wo Mord und Totschlag lange nicht so obszön sind wie ein unverhülltes sekundäres Geschlechtsmerkmal, ging ein Aufschrei der Empörung. Im Land der Heuchler, wo man gegen einen Krieg wenig einzuwenden hat, solange die Leichen seiner Opfer nur züchtig bekleidet bleiben, übten sich die Moralapostel in Entrüstung“ (S. 538) (aus „Die wirklich wichtigen Dinge“ von C. Lewinsky). Nothing more to say …

Ähnlich im deutschsprachigen und amerikanischen Raum ist jedoch die meistens sehr oberflächliche Auseinandersetzung der Kritiker mit dem beanstandeten Material, die auch oftmals in schlichter Fehlinterpretation kumuliert. Sogar die Leipziger Popper DIE PRINZEN wurden wegen ihres Songs ‚Bombe‘, der nun wirklich absolut unzweifelhaft ein Anti-Nazi-Statement abgibt, angefeindet, was beweist, wie wenig differenziert und vor allem sachlich ungenau sich manche Menschen mit Kunstprodukten verschiedener Art auseinandersetzen, bevor sie diese verdammen. Auch diese Thematik kommt in Wehrlis Buch immer wieder zur Sprache. In diesem Zusammenhang sei auch auf die absolut nachvollziehbare Logik verwiesen, dass durch den Heavy Metal real existierende Probleme und Missstände nicht hervorgerufen werden, sondern auf sie aufmerksam gemacht wird. Aber das Prinzip, dass der Bote für die überbrachten schlechten Nachrichten zu büßen hat, ist ja nun wahrlich kein neues, weil damit so herrlich von der schmerzhaften Realität abgelenkt werden kann.

Eine Bemerkung sei bei dieser Gelegenheit noch zum Abschnitt über die BÖHSEN ONKELZ erlaubt. Wenn sie tatsächlich nicht als (ehemalige) Neonazi-Kapelle zu bezeichnen sind, wie es der Autor behauptet, dann stellt sich natürlich die Frage, warum sich die Frankfurter Band dennoch mehrfach genötigt sah, sich von der eigenen Vergangenheit deutlich zu distanzieren.

Auch die Assoziation, dass die alleinige Betrachtung des Textes des FALCO-Songs ‚Jeanny‘ lediglich an einen schleimigen Verführer, der ein Mädchen anbaggert, erinnert, kann ich nicht so richtig teilen, was natürlich nicht bedeuten soll, dass ich die moralische Entrüstung in Bezug auf diesen Song teile oder gutheiße. Hier gilt wie für so viele andere Beispiele auch, dass deutlich extremere Songtexte unbeanstandet durch die Jugendschutzkontrollen kommen, sofern sie nur in englischer Sprache verfasst sind. Wahrscheinlich sind die verantwortlichen Personen in der Bundesprüfstelle der englischen Sprache einfach nicht mächtig oder gestehen diese Fähigkeit dem jugendlichen Hörer schlicht nicht zu.

Als sehr wichtig erachte ich es, dass dem Leser bei der Lektüre genug Raum gelassen wird, selbst zu entscheiden, wie er den verschiedenen Provokationen und Skandalen persönlich gegenübersteht. Es erfolgt auch nicht zwangsläufig eine Reinwaschung der betroffenen Künstler. Es geht dem Autor in erster Linie darum, Fakten darzustellen, Vergleiche anzubringen und gesellschaftliche Vorgänge zu hinterfragen. Im Blickpunkt steht somit die Beschneidung von künstlerischer Freiheit im Allgemeinen, die Wertung der eigentlichen skandalträchtigen „Aktionen“ erfolgt nur ansatzweise (und kann dann sowohl als Entlarvung einer stumpfsinnigen Provokation als auch als gelungenes Aufzeigen eines Spiegelbildes der Gesellschaft geschehen), was für mich einen entscheidenden Aspekt darstellt. Ob eine Provokation positiv oder negativ in Inhalt und Ausdruck ist, liegt somit im Auge des Betrachters bzw. Lesers, und genau diese mündige Entscheidungsfreiheit wird dem Bürger durch staatliche Zensurmaßnahmen ja abgesprochen. Das ist auch ein wesentlicher Punkt, der durch dieses Werk verdeutlicht werden soll.

Fazit: Schon allein aufgrund des immensen Umfangs (700 Seiten + Anhang) und der intensiven Recherche zu diesem Buch ist „Verteufelter Heavy Metal“ als Referenzwerk für dieses Thema zu bezeichnen. Hier bekommt der Leser eine Menge geboten und kann sich weit mehr als nur einen bloßen Überblick verschaffen. Ich kann dieses Buch somit jedem empfehlen, dessen Interesse über das bloße Hören der Musik hinausgeht.

http://www.telos-verlag.de/

Heilemann, Wolfgang „Bubi“ – AC/DC. Hardrock Live – Photos 1976-1980

AC/DC – ein Name, der dereinst von einem schnöden Staubsauger abgeguckt wurde (alternating current/direct current = Wechselstrom/Gleichstrom) – hat Geschichte geschrieben. Die Australier haben in den Siebzigern den harten Rock mit salonfähig gemacht und eine unnachahmliche Karriere gestartet.
Zu der Zeit, als AC/DC in Europa so richtig durchstarteten, war ein gewisser Wolfgang „Bubi“ Heilemann, seines Zeichens Starfotograph der |Bravo|, der Band sehr nah (in fotographischer Hinsicht!) und hielt zahlreiche Konzerte und Fotosessions im Bild fest. Dieser 208 Seiten schwere Bildband bietet viele tolle Schnappschüsse aus der Zeit zwischen „High Voltage“ und „Back In Black“. Es werden dabei sieben verschiedene Kapitel unterteilt (u. a. „AC/DC privat“ und eigene Kapitel für die Herren Angus Young, Bon Scott [R.I.P.] und dessen Nachfolger Brian Johnson) und mit einer kurzen Einleitung von „Bubi“ Heilemann und der ehemaligen TV-Moderatorin und Buchautorin Sabine Thomas versehen. Da „Bubi“ Heilemann aber auch ein sehr guter Freund der Band war und sicherlich einiges an „Insidern“ mitgekriegt hat, hätte ich mir in dieser Hinsicht noch ein paar umfangreichere Ausführungen erhofft. So wird jedes Kapitel lediglich von einer einseitigen „Einleitung“ eröffnet und diese beinhalten zum Großteil eh´ schon bekannte Fakten. Sehr schön finde ich allerdings, dass die gesamten Texte zweisprachig daherkommen, d. h. alles steht sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch in diesem Buch.

Kommen wir aber zum Wesentlichen dieses Bildbandes, und das sind nun mal die Fotos. Die großformatigen Aufnahmen, die sich zum Teil sogar über zwei Seiten erstrecken, geben einem tatsächlich ein wenig das Gefühl, dabei zu sein. Okay, beim Betrachten der Bilder ist es nicht zu verleugnen, dass AC/DC sicherlich nie zu den hübschesten Rock’n’Roll-Bands des Planeten gehörten, aber dafür ist ihr musikalisches Verdienst um so größer einzuschätzen. Für Fans der Australier dürften die zahlreichen Fotos, die in guter Bildqualität daherkommen, sicherlich eine Augenweide sein und gerade für die älteren Semester, die diese Zeit noch „live“ miterlebt haben, kommen bestimmt ein paar Erinnerungen wieder hoch. In dieser Hinsicht bietet das Buch eine gute Gelegenheit, mal ein wenig in Nostalgie zu schwelgen.

Besonders nett anzuschauen ist die erste Fotosession anno 1976, die am Tag nach dem ersten AC/DC-Konzert im legendären Londoner Club „Marquee“ vonstatten ging, und zwar direkt nach dem Aufstehen, was für Rock’n’Roller heißt: am frühen Abend, da die Nacht zuvor natürlich noch eine fette Party gefeiert werden musste. Austragungsort war das Londoner Nobelviertel Chelsea und zu sehen sind ein paar eher schüchtern wirkende Jungs, die fast schon zu „normal“ wirken. Nur Bon Scott entledigt sich während der Session alsbald seines T-Shirts und stellt sogar ein Tattoo zur Schau, das ein gutes Stück unter seinem Bauchnabel prangt. Dürfte wohl für einige irritierte Blicke unter den Alt- und Neureichen in der näheren Umgebung gesorgt haben …

Den weitaus größeren Teil des Buches nehmen aber alle Arten von Konzertfotos ein, wobei auch der eine oder andere Fan abgelichtet wurde. Und gerade diese Live-Schnappschüsse sind es, die die unglaubliche Power der energiegeladenen und schweißtreibenden Shows der Australier sehr gut im Bild festgehalten.

Insgesamt ist „AC/DC. Hardrock Live – Photos 1976-1980“ auf jeden Fall eine gelungene Sache und besonders für AC/DC-Fans ein echtes Schmankerl. Im Handel kostet der Bildband 49,99 Euro, ebenso viel darf man auch bei den einschlägigen Online-Buchhändlern hinlegen.