Axel Petermann – Im Auftrag der Toten

Worum geht’s?

Cold Cases – dies bezeichnet neue polizeiliche Ermittlungen, in einem bislang ungeklärten Kriminalfall. Ganz ähnliche Fälle werden im neuen Buch von Axel Petermann besprochen. Im Gegensatz zu wahren Cold Cases gelten diese drei Fälle jedoch als polizeilich abgeschlossen. In allen drei Fällen gibt es aber Personen, die auch nach vielen Jahren nicht mit der vermeintlichen Aufklärung der Polizei abschließen können und sie von einer inneren Intuition getrieben werden.

In solchen Fällen kommt Axel Petermann ins Spiel. Denn der frühere Profiler widmet sich nach seiner Pensionierung genau solchen Fällen.

Inhalt

Der Tod einer lebensfrohen Person wird als Selbstmord aufgeklärt, obwohl ihrem Ex-Freund belastende Indizien eines Tötungsdeliktes zugetragen werden. Der Mord an zwei jungen Mädchen wird von der Schweizer Polizei trotz zahlreicher Verdächtiger zu den ungeklärten Akten gelegt. Und ein Mann sitzt schon viele Jahre wegen Mordes an seiner reichen Tante ein, vielleicht zu Unrecht?

Axel Petermann liebt(e) seinen Beruf und für ihn war schon lange vor seinem letzten Blick in sein leergeräumtes Büro klar, dass er weitermachen würde. Dass ihn jedoch wöchentlich so viele Anrufe und Anfragen von Personen erreichen, die den Tod eines Angehörigen neu aufgerollt haben möchten, war ihm nicht klar. In der Regen arbeitet er pro bono, das heißt, dass er unentgeltlich arbeitet, seine berufliche Expertise jedoch dem Allgemeinwohl zur Verfügung stellen möchte. Und genau aus diesem Grund, dürfen zahlreiche Leser heute dieses Buch “Im Auftrag der Toten” in den Händen halten und erhalten dadurch einen intimen Einblick in die Polizeiarbeit.

Die drei behandelten Fälle werden ausführlich auf jeweils über 100 Buchseiten besprochen. Sie unterscheiden sich stark in ihrem Sachverhalt. Sowohl das/die Opfer sind komplett verschieden, sowie auch der Modus Operandi. Einzig gleich ist die Vorgehensweise von Herrn Petermann. Für ihn gilt es die Entscheidungen des Täters vor, während und nach der Tat zu verstehen und sich ein Bild der Persönlichkeit der Opfer zu machen.

Mein Eindruck

Schon auf den ersten Seiten bin ich von dem Schreibstil des Autors total mitgerissen. Das Buch hat mich fortan nicht mehr losgelassen. Die komplexen Fälle werden in einer gut verständlichen Alltagssprache geschildert. Auch wenn man natürlich nicht ganz ohne Fachbegriffe auskommt, so werden diese direkt für Laien erläutert, so dass am Ende keine Frage unbeantwortet bleibt.

Der tiefe Einblick in die Polizeiarbeit fand ich extrem spannend und teilweise erschrecken zugleich. Mir ist natürlich auch klar, dass man durch dieses Buch eine kurzzeitig verzerrte Wahrnehmung erhält. Unzulängliche Indizien-,und/oder Beweislagen, unzureichende Nachforschungen und Fehlschlüsse sind sicher nicht die Regel, doch in diesem Buch wird natürlich so Einiges an der Beamtenarbeit in Frage gestellt oder besser gesagt in ein anderes Licht gerückt und der Blickwinkel verändert. Gerade im letzten Fall wird klar, wie wichtig eine minutiöse Sequenzierung eines Tathergangs ist und im Gegenzug wie folgenschwer Fehlinterpretationen sein können.

Immer wieder beruft Petermann sich in weniges Sätzen auf vorhergegangene, vergleichbare Fälle, das hat mir sehr gut gefallen. Auch die Tatsache, dass er nie lange abschweift und schnell wieder zum Ursprung zurückfindet ist ganz nach meinem Geschmack. Er lockert aber dadurch den Lesefluss unwahrscheinlich auf.

Das Buch wird im Verlauf mit jedem Fall immer besser und spannender. Besonders der letzte Fall, der Mord an einer reichen Frau, in dem der Lieblingsneffe verurteilt wurde, hat es mir angetan. Es hat mich zwischendurch wirklich gelähmt und die Umstände werden mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben.

Über den Autor

Axel Petermann hat als Leiter einer Mordkommission in Bremen und stellvertretender Leiter im Kommissariat für Gewaltverbrechen mehr als 1000 Fälle bearbeitet, in denen Menschen eines unnatürlichen Todes starben. 2000 begann er mit dem Aufbau der Dienststelle »Operative Fallanalyse«, deren Leiter er bis zu seiner Pensionierung 2014 war. Als Dozent für Kriminalistik lehrt er seit vielen Jahren an verschiedenen Hochschulen in Deutschland. Seit 2001 ist er Fachberater für diverse »Tatort«-Formate (u. a. Bremen, Münster, Köln) sowie zahlreicher Dokumentar- und Nachrichtensendungen von ZDF, RTL und SAT1. Seit 2018 ist er Moderator und Fallanalytiker der ZDF-Reihe »Aufgeklärt – Spektakuläre Kriminalfälle«. Er hat bereits einige Bücher veröffentlicht, die zu Spiegel-Bestsellern wurden, u. a. 2015 »Der Profiler« bei Heyne. Axel Petermann hat drei Söhne und lebt mit seiner Frau bei Bremen. (Verlagsinfo)

Fazit

Ein wirklich sehr empfehlenswertes Buch – wenn man dieses Thema mag und ertragen kann. Mich hat der Klappentext zu diesem Buch geführt und ich bereue die Entscheidung nicht. Axel Petermann scheint ein außerordentlich akribischer und bedachter Mensch zu sein. Ich hab einen sympathischen Eindruck von ihm und fühlte mich das ganze Buch hinweg sehr gut unterhalten.

Broschiert: 384 Seiten
ISBN: 978-3453605800

www.penguinrandomhouse.de
www.axelpetermann.de

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