Pierre Bordage – Terra Mater (Hyponeros 2)

Nach »Die Krieger der Stille« ist mit »Terra Mater« der zweite Roman einer spannenden Trilogie erschienen. Er berichtet von den Ereignissen direkt im Anschluss an Band eins und endet mit einem kosmisch-metaphysischen Höhepunkt als Aufhänger und Spannnungshalter für den dritten Roman.

Von überziegelsteingroßem Format als Tradepaperback, richtet sich der Umfang des Werks ganz nach modernen Vorstellungen der Äußerlichkeit und damit an Leser, die langatmige und bombastische Romane in ihren Regalen stehen haben wollen und bereit sind, für eine Geschichte in der Summe 45 Euro zu bezahlen. Von dieser herausgeberischen, in der Finanzkrise doppelt ärgerlichen reißerischen Aufmachung abgesehen, strickt der Autor allerdings ein ansehnliches Werk mit großartigen Zusammenhängen. Aber auch hier wirkt der Ausspruch des Kultautors Andreas Eschbach eher wie Verlags- und Freundschaftswerbung, wenn in großen Lettern auf dem Buchrücken steht: »Bordage nicht zu lesen, wäre ein Fehler«.

In einer ausschließlich von menschlichen oder menschenabkömmlichen Vernunftwesen bevölkerten Galaxis ist eine fremdartige Intelligenz, die in Form des Volkes der Scaythen auftritt, im Begriff, alle Schlüsselpositionen der Macht zu besetzen und ein kirchlich kontrolliertes System der Verdummung und Gleichgültigkeit zu erschaffen. Hinter den Scaythen steht anscheinend eine Wesenheit, deren Existenzgrundlage und Macht von der Einfältigkeit des/der Universums/sen abhängt und in diesem Universum nach der vollkommenen Macht strebt, indem sie die Kreativität vernichtet.

Die metaphysische Wissenschaft der inddikkischen Wissenschaft ist dabei das größte Hindernis, und so war es das größte Interesse der Scaythen, die Bewahrer dieser Wissenschaft und ihre Anwender, die Krieger der Stille, auszulöschen. Die Versuche der zwei dem Massaker entkommenden Menschen auf der alten Erde (Terra Mater), die Wissenschaft neu mit Leben zu erfüllen und nach einem Erlöser zu suchen, füllt nebst der weiteren Machtergreifung der Scaythen und Umwälzungen in der Kirche den zweiten Roman, der in dem Versuch des Mahdis der neuen Krieger der Stille auf der Erde gipfelt, sich der Hintergrundintelligenz in einer mentalen Auseinandersetzung zu stellen und sie zu besiegen.

Trotz der bombastisch klingenden Rahmenhandlung sind es vor allem kleine Ereignisse mit menschlichen Charakteren, die in ihrer Gesamtheit den großen Zusammenhang erzeugen und eine runde, stimmungsvolle Geschichte zum Leben erwecken. Nur kleine Abstecher in höhere Sphären werfen Schlaglichter und lassen den überstrapazierten Sense of Wonder anklingen, der für großartige kosmische Erzählungen typisch ist. Doch wo anderswo Raumschiffe und Aliens für Spannung sorgen, stehen hier die Menschen allein im Vordergrund.

Der Entwurf selbst ist nicht ganz neu. Die Menschen verbreiten sich über die Galaxis, ein Adel etabliert sich und kontrolliert über Erbrecht die Systeme, eine Religion als Staatsreligion unterdrückt die einfachen Menschen und kontrolliert ihr Wissen. Wie schon andere Schriftsteller – unter ihnen Dan Simmons, der in seinem Ilium-Epos dieses Thema auf die Spitze treibt – erkannten, ist der Konflikt zwischen größeren Glaubensgemeinschaften und politischen Interessengruppen auf der einen Seite und Judentum auf der anderen Seite ein Thema, das die Menschheit seit Ewigkeiten spaltet und zu schrecklichsten Gräueltaten antreibt – und dies aller Wahrscheinlichkeit nach auch in ferner Zukunft noch tun wird. Auch Bordage benutzt diesen alten Konflikt als Träger seiner Erlöser-Geschichte, die in diesem zweiten Band in den Vordergrund tritt und von der Entdeckung des Erlösers als Kind über seine Verfolgung durch Staat und Kirche, seinen scheinbaren Tod und seine Wiedergeburt auf der alten Erde bis zum Sammeln von »Jüngern« reicht. Sein Eingreifen in die umfassende Handlung ist in Band drei zu erwarten (»Die Sternenzitadelle« ist für den Dezember 2009 angekündigt), wo er entweder gewinnt, scheitert oder durch seinen Tod den Sieg der Menschheit gewährleisten wird. Letzteres ist am wahrscheinlichsten.

Wenn wir also die Entwicklung des Hauptthemas (Erlösung der Menschheit) über die drei Bücher betrachten, bemerken wir eine Zunahme des Transzendenten und Kosmischen schon im zweiten Band. Da sich in diesen Sphären die Entscheidung abspielen muss, weil sie der »Lebensraum« der vernichtenden Wesenheit sind, wird Band drei wohl der »wundervollste« Roman werden und die wichtigen bisher aufgeworfenen Fragen zusammen- und zu einem Finale führen.

Originaltitel: Terra Mater
Deutsch von Ingeborg Ebel
543 Seiten, kartoniert
ISBN-13: 978-3-453-52409-5

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 4,00 von 5)

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