C. J. Cherryh – Die letzten Städte der Erde. SF-Erzählungen


Spuk in den Städten der Endzeit

Diese 1981 entstandene Story-Sammlung – in der deutschen Ausgabe als „Roman“ bezeichnet – behandelt nur ein Thema: die verfallenden Städte, nachdem die Menschheit in ferner Zukunft die Erde verlassen hat, um zu anderen Sternen aufzubrechen. Das Leben ist nicht mehr sicher, seitdem sich die Sonne in eine Nova zu verwandeln droht.

Die Autorin

Caroline Janice Cherryh, geboren 1942 in St. Louis, ist von Haus aus Historikerin und lebt in Oklahoma. Sie erhielt schon 1980 ihren ersten Science-Fiction-Preis für ihre umwerfende Novelle „Kassandra“***. 1983 folgte der erste HUGO Award für „Pells Stern“, später ein weiterer für „Cyteen“. Beide Romane gehören zu ihrem Allianz-Union- bzw. PELL-Zyklus, der eine Future History darstellt, wie sie schon von anderen Größen des Science-Fiction-Feldes geschaffen wurde, darunter Robert A. Heinlein oder Isaac Asimov.

***: Die Story ist jetzt im Sammelband „The short fiction of C.J. Cherryh“ (Januar 2004) zu finden.

Wichtige Romane und Trilogien des Allianz-Union- bzw. PELL-Zyklus:

„Downbelow Station“ („Pells Stern“): PELL 1
„Merchanter’s Luck“ („Kauffahrers Glück“): PELL 2
„40.000 in Gehenna“ (dito): PELL 3
„Rimrunners“ („Yeager): PELL 4
„Heavy Time“ („Schwerkraftzeit“): PELL 5
„Hellburner“ („Höllenfeuer“): PELL 6
„Finity’s End“ („Pells Ruf“): PELL 7
„Tripoint“ (Tripoint): PELL 8
„Cyteen“ (3 Romane im Sammelband „Geklont“)
„Serpent’s Reach“ („Der Biss der Schlange“)
„Cuckoo’s Egg“ („Das Kuckucksei“)
Die DUNCAN-Trilogie „Die Sterbenden Sonnen“: Kesrith; Shon’jir; Kutath.
Der CHANUR-Zyklus: Das Schiff der Chanur; Das Unternehmen der Chanur; Die Kif schlagen zurück; Die Heimkehr der Chanur; Chanurs Legat.

Die Erzählungen

Die erste Geschichte spielt in Paris, wo sich Liebende und Feinde in vielgestaltigen Kombinationen reinkarnieren lassen. Über der Stadt liegt eine Stimmung des „ennui“, da man sich auf alle denkbaren Arten geliebt und bekämpft hat – bis der Tod persönlich auftritt.

In London, das von den Geistern vergangener Zeiten erfüllt ist, wartet Bettine darauf, das Mädchen des Lord Mayors zu werden. Ihre Stunde kommt im „Spukturm“.

In Moskaus längstem und vielleicht letztem Winter gibt es noch Menschen in der Stadt. Es gibt noch Farbe und Familien um ein Feuer und junge Männer, die morgens in den Schnee losziehen. Doch der kalte Wind und das Eis machen vor den Menschen nicht Halt.

New York City besteht immer noch aus Säulen von Glas und Beton, Heimat für Millionen. Nur wenige können auf dem Balkon stehen und nicht schwindlig werden, noch weniger Leute können die notwendigen Außenarbeiten ausführen, um die Wolkenkratzer zu reparieren. Dies sind die „Highliner“. Man sollte ihnen nicht in die Quere kommen…

„Nächtliche Spiele“ werden in einem sattsam bekannten dekadenten Rom à la Fellini veranstaltet. Ein Magical Dream Device – Amerikanern aus den 50ern noch vertraut – wird benutzt, um Rache zu nehmen.

In Peking sitzt „Der General“ in einer Stadt, in der Menschen reinkarniert werden. Diesmal ist es Yilan Baba, eine Art Dschingis Khan. Leider erleidet er das Schicksal von Julius Cäsar. Verrat kommt eben zu allen Zeiten vor.

Unterm Strich

Die Erzählungen sind in einem ruhigen elegisch, unaufgeregten Tonfall gehalten, der für Cherryh völlig untypisch, aber dem Sujet umso eher angemessen ist. Manche Szene vermag einen einfühlsamen Leser durchaus zu Tränen zu rühren.

Die ersten vier Erzählungen sind ausgezeichnet gelungen, die restlichen (Rom, Peking) nur mittelmäßig. Selbst Cherryh-Fans müssen diese Storys nicht gelesen haben. Dass die Sonne zur Nova wird, soll erst in ungefähr 4 Milliarden Jahren der Fall werden. Aber ein Schriftsteller kann sich die Freiheit nehmen, dieses unglückselige Ereignis kurzerhand vorzuverlegen.

Taschenbuch: 236 Seiten
Info: Sunfall, 1981
Aus dem US-Englischen übertragen von Thomas Schichtel
www.heyne.de

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