Carla Federico – Die Rosen von Montevideo

„Montevideo“ – den Namen hat man schon einmal gehört; vielleicht im Zusammenhang mit der gleichnamigen Verfilmung des Theaterstücks “Das Haus in Montevideo” mit dem großen Heinz Rühmann. Aber sehr viel mehr weiß man von Uruguays Hauptstatt nicht, wenn man nicht gerade leidenschaftlich an Lateinamerika interessiert ist. Umso interessanter gestaltet sich Carla Federicos Frauenroman “Die Rosen von Montevideo”, der zu großen Teilen in den Jahren von 1829 bis 1898 in Montevideo spielt. Diese zeitliche Periode war gekennzeichnet von einer starken Einwanderungsbewegung aus Europa, staatliche Bevormundung durch die Briten und außerdem tobte ein grausamer Dreibundkrieg von Uruguay, Brasilien und Argentinien gegen Paraguay. Auch in Uruguya selbst hatte sich eine tiefe Kluft zwischen Arm und Reich sowie Stadt- und Landbevölkerung aufgetan.

Mit den ersten Einwanderern gelangt auch Valeria Olivares nach Montevideo. Doch wie die Rosen in ihrem Garten wird Valeria nie richtig heimisch in Uruguya. Ihre Tochter Rosa de la Vegas versucht mit Hilfe einer überstürzten Heirat mit dem Bankier Albert Gothman einer Zwangsehe mit einem wesentlich älteren Mann und Geschäftspartners ihres Vaters zu entgehen. Dadurch verschlägt es sie nach Frankfurt am Main, wo sie wiederum Montevideo vermisst und nicht richtig heimisch wird. Frankfurt wird als aufstrebendes Macht- und Kulturzentrum in Europa charakterisiert. Doch seine Einwohner und hierbei vor allem die Frauen scheinen im Vergleich zu Rosa zwar gebildeter, dafür aber auch steif und hinterhältig. Der Niedergang der im Überschwang der Gefühle geschlossenen Ehe und ihre Entwicklung hin zur Ehrlichkeit und zum Verzeihen, die schließlich in einer Freundschaft mündet, ist unter den Beziehungen im Roman am differenziertesten ausgearbeitet. Mit Rosas Tochter Valeria und Clair, der Tochter ihrer Schwägerin, hingegen kehrt der Leser mit der nächsten Frauengeneration wieder zurück nach Montevideo.

Vor der Kulisse des Krieges verlieben sich die beiden Cousinen; Valeria, wie es das Schicksal aller Frauen ihrer Familie ist, in einen völlig unpassenden Mann; in diesem Fall ihren paraguayischen Entführer, und Clair in einen Polizisten, den sie ihrer Schwester zur Liebe verraten muss. Während Valerias Entführungsmonate schildert die Autorin sehr farbig und dicht die unterschiedlichen Landschaften Uruguyas und Paraguays und streut zahlreiche interessante Informationen über die kriegsführenden Staaten ein. So wird deutlich, dass sie sehr gut recherchiert hat.

Die nächste Generation in diesem Frauen- und Familienroman sind die beiden Zwillingstöchter von Valeria, von denen die eine bei ihrer Mutter in ärmlichen Verhältnissen und die andere bei ihrem Großvater in Reichtum aufwächst. An dieser Stelle bietet sich die Möglichkeit zu einem Verwechslungsspiel, denn auch diese Frauengeneration hat den fatalen Hang geerbt, sich treffsicher in den falschen Mann zu verlieben; dieses Mal in einen Stallburschen bzw. den Gesangslehrer. Natürlich sind diese Parallelen beabsichtigt, aber die Verwechslungsgeschichte und das Verlieben in den erstbesten Mann, der unabsichtlich ihren Weg kreuzt, nehmen dem Roman gleichzeitig seine Spannung und wirken wie ein Ausflug in die Backfischliteratur.

Die Frauen der Familie de la Vegas sind alle impulsiv und entscheiden sich spontan für einen Mann und damit für einen bestimmten Lebensweg, ohne die möglichen Konsequenzen zu überdenken. Trotzdem bleiben ihre Charaktere flach und einfältig. Die Naivität, die sie an den Tag legen, ist manchmal schon befremdlich und steigert sich von einer geschilderten Beziehung zur nächsten bis hin zur Konstellation „reiches Mädchen und Stallbursche“. Was verwundert, ist jedoch die Tatsache, wie konsequent die Frauen mit ihren Entscheidungen umgehen und für ihren gewählten Weg verzichten und leiden. Trotzdem sind einige ihrer Handlungen, wie beispielsweise Valerias Aufgabe ihres zweitgeborenen Kindes nur auf den Verdacht hin, dass es eventuell die Geburt nicht lange überleben könnte, oder die Tatsache, dass Rosa ihren Mann in den Glauben lässt, sie hätte eine Affaire mit dem Klavierlehrer gehabt, nicht nachvollziehbar. Nach mehreren Hundert Seiten sich in ähnlicher Weise wiederholender Einfalt und folgendem Leid hält sich das Mitleid des Lesers dann schließlich in Grenzen. Wenn nach der Fluchtgeschichte Valerias auch der dürftige Spannungsbogen abreißt, wird man verführt, ins überfliegende Blättern zu verfallen.

„Die Rosen von Montevideo“ sind daher eine leichte Urlaubslektüre vor einer noch unverbrauchten exotischen Kulisse, in der sich Frankfurts Aufstieg zum Kultur- und Finanzzentrum sowie die Stimmung der Märzrevolution kontrastierend spiegeln. Diese eindrucksvoll beschriebenen Hintergründe machen den Roman interessant, aber als MUSS kann man ihn nicht bezeichnen.

Taschenbuch: 781 Seiten
ISBN-13: 978-3426510230

www.droemer-knaur.de
www.carlafederico.de

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