Archiv der Kategorie: Comics / Graphic Novels

von Kummant, Thomas / von Eckartsberg, Benjamin / Hohlbein, Wolfgang – Chronik der Unsterblichen, Die (Band 1 – Am Abgrund)

Lange haben sich Hohlbein-Anhänger gedulden müssen, doch Ende letzten Jahres ist sie endlich gestartet: die Comic-Reihe zum Bestseller-Zyklus „Die Chronik der Unsterblichen“, veredelt vom |Ehapa|-Verlag und erschaffen vom Duo Nejmain von Eckertsberg und Thomas von Kummant, die beide schon einschlägige Erfahrungen bezüglich Graphic Novels mit historischem Inhalt vorweisen können. Von Eckertsberg arbeitete dabei auch schon mit seinem Kollegen für „Goethe 2 – Zum Schauen bestellt“ im Auftrag des Goethe-Instituts zusammen, in dem er von Kummants Zeichnungen mit Farben anreicherte. Außerdem steuert er den monatlichen Comic zum Fashion-Magazin „Maxim“ bei. Erste Erfahrungen mit den Werken von Wolfgang Hohlbein sammelte Benjamin von Eckertsberg anschließend, indem er ebenfalls mit von Kummant die Cover zur Sammler-Edition von Hohlbeins Werk „Der Hexer“ illustrierte. Man sieht, hier arbeitet ein eingespieltes Team zusammen, kein Wunder also, dass der erste Teil des Comics der Original-Buchreihe dem qualitativ in nichts nachsteht.

_Story:_

Andrej Delany kehrt nach Jahren in sein Heimatdorf zurück, aus dem er schon in frühester Kindheit aufgrund eines Streiches verbannt wurde, infolgedessen man ihn der Hexerei und schwarzen Magie bezichtigte. Als Ausgestoßener zog es ihn in die transilvanische Bergwelt, wo er von seinem Stiefvater in der Kampfkunst unterrichtet wurde und den Umgang mit dem Schwert erlernte. Als jedoch seine Familie ums Leben kommt, entdeckt Andrej seine Bestimmung und reist zurück in den Ort, in dem er schon lange kein willkommener Gast mehr ist.

Bei seiner Rückkehr geht es Delany vor allem darum, seinen Sohn wiederzusehen. Doch der kleine Ort ist nicht mehr das, was er einst war. Andrej stößt auf Spuren der Verwüstung, auf brutal verstümmelte Leichen und Überbleibsel eines brutalen Gemetzels. Seinen Sohn entdeckt er aufgespießt wieder, jedoch scheint er als einziger Mensch überlebt zu haben. Um ihn von seinen Qualen zu befreien, tötet Andrej ihn schließlich, wird im Anschluss aber von noch größerer Pein geplagt.

Dann entdeckt er Frederic, ebenfalls ein Nachkomme der Delany-Familie, der Andrej von den Vorkommnissen in seiner Heimat berichtet und trotz seiner Jugend Rache schwört. Zunächst will sich der zurückgekehrte Krieger nicht auf die Gelüste seines jungen Kumpanen einlassen; als sie jedoch zum ersten Mal selber in einem brutalen Kampf mit dem Tod konfrontiert werden, die Schlacht allerdings überleben, ziehen sie gemeinsam mit einem weiteren Kumpanen auf einen Rachefeldzug gegen den Kirchenfürsten Domenicus und stoßen dabei auf einige grausame Geheimnisse …

_Bewertung:_

Die Geschichte ist wirklich sehr spannend und in den Zeichnungen sehr packend illustriert worden. Die Brutalität der Story wird dabei in keiner einzigen Zeichnung ausgelassen, wobei speziell die Bilder von den Opfern und der puren Zerstörung mehr aussagen als viele Worte. Hier gilt den beiden Zeichnern ein gehöriges Lob. Ebenfalls gut gefällt, dass man einen recht eigenen Stil entwickelt hat, der zwar auf den ersten Blick etwas schwammig wirkt, im Detail aber umso besser gefällt, weil man sich hier weder an den überspitzt dargestellten asiatischen noch an den farbenfrohen amerikanischen Vorlagen orientiert hat. Stattdessen haben von Kummant und von Eckertsberg einen sehr düsteren Comic erschaffen, der wunderbar die Atmosphäre der Handlung einzufangen imstande ist.

Prinzipiell ist die Comic-Ausgabe von „Am Abgrund“ – so der Name des ersten Bandes – recht simpel dargestellt; die beiden Zeichner haben nicht übertrieben in ihren Illustrationen, sondern sich vermehrt darauf konzentriert, die Stimmungen der Haupdarsteller und der Geschichte an sich in ihren stets dunklen Zeichnungen einzufangen. Natürlich kommt ihnen der eigentliche Handlungsstrang bei dieser Vorgehensweise zugute, dennoch kann man dem Duo dazu gratulieren, das Ganze genau passend umgesetzt zu haben.

Schade ist lediglich, dass die eigentliche Story hier nur in der Kurzform beschrieben wird; Details, wie sie Hohlbeins Vorlage liefert, werden also immer wieder bewusst ausgespart. Sicher, man kann nicht die ganze Geschichte illustrieren, das wäre zu viel des Guten, aber ein wenig ausführlicher und mit weniger Zeitsprüngen (gerade zur Mitte des Comics) wäre das Unterfangen letztendlich noch besser geglückt. Aber wer weiß, vielleicht gelingt es den beiden Zeichnern ja schon beim nächsten Mal, etwas mehr in die Tiefe zu gehen.

Andererseits muss man sich vor Augen halten, dass es hier vermehrt um die Zeichnungen und erst dann um die Wiedergabe der Geschichte geht. Man kann der Linie folgen, erfreut sich aber viel mehr an den tollen Bilder. Deshalb bleibe ich auch dabei und empfehle diesen Band sowohl an Comic- als auch an Fantasy-Begeisterte. Den Wunsch, beim nächsten Mal ein etwas dickeres Buch vorgelegt zu bekommen, kann ich indes trotzdem nicht unterdrücken …

Kurz noch ein paar Worte zur Aufmachung: „Am Abgrund“ kommt in einer wirklich schicken Hardcover-Edition und schindet schon deshalb Eindruck. Einige Worte zu den Zeichnern, ein herrliches Cover und das glänzende Papier ergänzen den Rahmen dabei nahezu perfekt und liefern einen weiteren Grund, sich auch mal mit der Comic-Auflage von „Die Chronik der Unsterblichen“ auseinanderzusetzen.

|Siehe dazu auch unsere Rezension des ersten Bandes in der [Hörbuchfassung.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=891 |

Miller, Frank / Mazzuchelli, David / Lewis, Richmond – Batman – Das erste Jahr

„Batman – Das Erste Jahr“ behandelt, wie der Titel schon sagt, das erste Jahr, in dem der psychopathische Superheld in Gotham City in Erscheinung tritt.

_Die Story_ dürfte den meisten bekannt sein: Der Millionenerbe Bruce Wayne verlor mit sechs Jahren beide Eltern, die von einem Straßenräuber erschossen wurden. Von nun an hat sein Leben für ihn jeglichen Sinn verloren, bis er sich eines Tages entschließt, den von Verbrechen und Korruption geschüttelten Großstadtmoloch Gotham City zu „säubern“.

Frank Miller schreibt jedoch weder ein glorioses Heldenepos, noch das tragische Psychogramm eines Opfers, das zum Täter wird. In erster Linie schreibt er eine ganz normale schwarze Kriminovelle, die ziemlich hard-boiled daherkommt, sich jedoch durch sehr gelungene Charakterentwicklungen auszeichnet und so wohltuend vom Einerlei der bunten Heftchen abhebt.

Bezeichnenderweise beginnt die Geschichte mit keiner heißen Actionszene und auch nicht mit einer plumpen Vorausdeutung auf den späteren Batman, sondern (wie ein Film) mit einer realistischen, grauen und recht ernüchternden Szene, in der ein gewisser James Gordon aus Chicago am tristen Bahnhof von Gotham City ankommt, wo er demnächst seinen Dienst als Lieutenant der Polizei verrichten wird.

Miller und sein Zeichner Davie Mazzuchelli erschaffen auf hervorragende Weise von Anfang an eine eigentümliche Atmosphäre der Stadt, die den Leser im weiteren Verlauf der Geschichte immer stärker in den Bann zu schlagen vermag. Das Bild einer Stadt voller Entfremdung setzt sich im Kopf des Lesers in dem Maße zusammen, in dem die Illusionen und die noch recht neutrale Erwartungshaltung Gordons mehr und mehr den Frustrationen des harten Alltags weichen müssen.

Die später eingeführte, stark einseitige Perspektive des Bruce Wayne ist es aber, die den Wahnsinn dieser Stadt noch stärker aufzeigt und ein endgültig düsteres Bild der Metropole zeichnet; es ist jedoch eine Perspektive, die schon so gebrochen erscheint, dass man als Leser allmählich zu zweifeln beginnt, ob man hier die ganze Wahrheit gezeigt bekommt.

Dieser Wayne ist nämlich keineswegs ein überlegener Moralist mit harten Methoden, sondern ein arroganter Schnösel, den die Schuldgefühle gegenüber seinen Eltern keineswegs davor bewahren, die Ausgestoßenen der Gesellschaft pauschal als Abschaum zu betrachten. Erst als er sich hinab begibt in ihre (Halb-)Welt, dämmert es ihm unbewusst, dass es sich um Menschen handeln könnte, die genauso ihre Motive haben wie jeder andere auch. Das führt noch längst zu keiner Wandlung; wäre das der Fall, würde Batman auch recht schnell unglaubwürdig. So aber erleben wir ihn beim Training, beim Räsonieren, beim Planen, beim Repräsentieren und natürlich dann doch beim Kämpfen als einen innerlich zerrissenen Menschen, der sich äußerlich (auch vor sich selbst) aber immer zu rechtfertigen weiß.

Gordon ist ebenso ein Mensch mit Fehlern und dunkler Vergangenheit. Er eignet sich recht schnell die illegalen Methoden seiner Kollegen an, wird hart und abgebrüht, versucht den Job nicht an sich ranzulassen und seine schwangere Frau aus allem rauszuhalten. Und beginnt eine Affäre mit einer Kollegin. Er stellt nach und nach fest, dass sich sowohl Kollegen und Vorgesetzte als auch der Bürgermeister selbst tüchtig schmieren lassen, und es kotzt ihn an. Schon bald ist er recht unbeliebt und beginnt notgedrungen, Verbündete gegen die internen Intrigen im Polizeiapparat zu suchen. Er stellt fest, dass die Korruption zum Himmel stinkt, die meisten Verdächtigen jedoch Protektion von oberster Stelle genießen.

Als Batman seine nächtlichen Streifzüge und aufsehenerregenden Selbstjustizaktionen beginnt, ist es Gordon, der ihn bekämpfen soll. Anfangs nimmt er diesen Job an wie jeden anderen. Doch nach und nach beginnt er an den Methoden der Polizei zu zweifeln, zumal einige Leute den Fledermausmann offenbar unbedingt tot sehen wollen, obwohl dieser bisher stets darauf achtete, niemanden zu töten …

Ein interessanter Nebenstrang ist der einer Prostituierten, die eines Tages beschließt, ihr Leben zu ändern. Noch im selben Jahr tritt nach dem Mann im unheimlichen Fledermauskostüm eine zweite kostümierte Gestalt in Gotham Citys Polizeiberichten in Erscheinung: Eine Fassadenkletterin, die sich ihre Opfer stets unter den reichsten Verbrechern der Stadt auswählt.

Derweil muss Batman sich Gedanken um seine Sicherheit gegenüber dem immer rücksichtsloseren Polizeiapparart machen, und nach einem ersten „Presse-Erfolg“ auch um sein Image, als er mit der katzenhaften Fassadenkletterin in Verbindung gebracht wird. Auch Gordon, der bisher als erfolgreicher Einsatzleiter unter dem Schutz der öffentlichen Meinung stand, wird die Luft dünn. Nachdem er bereits von oben eine „inoffizielle Abmahnung“ wegen „unkollegialen Verhaltens“ bekam, wird nun seine Frau bedroht …

_Die Zeichnungen_ von Mazzucchelli sind recht schlicht gehalten, aber dennoch wirkungsvoll. Die teils nur schemenhaften, teils stark eingetuschten Bilder bringen die desolate Nachtstimmung ausgesprochen realistisch rüber. So richtig beeindruckend wirken sie aber erst durch die perfekt auf diesen Zeichenstil abgestimmte Farbgebung (Richmond Lewis), bei der im jeweiligen Panel meist ein bestimmter Ton in diversen Schattierungen dominiert und so nahezu jedes Bild mit einer zu eben diesem passenden, flächigen Eintrübung zusammenhält und atmosphärisch verdichtet.

Den Actionszenen kommt besonders ihre drastische Schemenhaftigkeit zugute, die diese Momentaufnahmen blitzschneller Entscheidungen und Reaktionen von der Alltagsrealität deutlich abhebt. Die Gewalt bricht stets als dunkle Bedrohung in das Geschehen ein.

Hier erweist sich David Mazucchelli als Meister der dramaturgischen Licht- und Schattengebung. Bemerkenswert sind auch die Zwischentitel, deren grundlegende Schwarzweiß-Technik aufgebrochen wird, indem Detailausschnitte auf beeindruckende Weise durch Einfärbungen in den Focus genommen werden, fast so, als blicke man durch ein Zielfernrohr.

Frank Millers Verdienst aber ist es, die Handlungsstränge auf spannende Weise miteinander zu verweben und so nicht nur ein psychologisch nachvollziehbares Handlungsgerüst, sondern auch eine komplexe Darstellung seiner Kulisse zu liefern.

Wie es scheint, ist es nämlich erst diese dämonische Stadt, die die Personen zu dem gemacht hat, was sie sind. Für mich ist Gotham City der wahre (Dark) Star dieser Erzählung.

Barker, Clive / Niles, Steve / Bolton, John – Ein höllischer Gast

_Eine höllische Weihnachtsgeschichte_

Ein exzellentes Comic-Book von Starautor Clive Barker, kongenial illustriert von Starzeichner John Bolton. Es ist die spannend-witzige Geschichte eines Duells, das am Weihnachtsabend seinen Höhepunkt findet. (Wer die Story nachlesen möchte, findet sie im [„1. Buch des Blutes“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=538 unter dem Titel „Das Geyatter und Jack“.)

_Handlung_

Die Herren der Hölle haben das Geyatter, das auf den netten Namen Cuazzel hört, in das Haus des Essiggurken-Importeurs Jack J. Polo abkommandiert, weil Polos Familie sie um eine Seele betrogen hat. Rache ist Blutwurscht, ist die Devise – Polos Seele muss her!

Leichter gesagt als getan. Cuazzel hat den Job, Jack in den Wahnsinn zu treiben. Aber nicht einfach so, sondern es gibt Regeln zu beachten: Es darf Polos Haus nicht verlassen; es darf sich ihm nicht zeigen; es darf Polo nicht berühren. Das macht den Job schon schwer genug, findet es.

Aber auch Jack Polo kennt die Regeln, hat sich doch seine Familie mit Seelenkunde und Theologie beschäftigt. Und das macht Cuazzels Job zu einer Achterbahnfahrt des Grauens: Schon drei Katzen hat es abgemurkst, und Jack ist immer noch nicht wütend! Immer erklärt er alles mit diesem blöden Spruch: „Que sera sera.“ (Was sein wird, wird sein.)

Doch als die beiden süßen Töchter Jacks, Gina und Amanda, ihn besuchen kommen, um mit ihm ein kuscheliges Weihnachtsfest zu feiern, sieht das Geyatter endlich seine große Stunde gekommen. Jetzt oder nie …

_Fazit_

Das Geyatter, dieser rote Dämon aus der Hölle, ist wirklich ein abgrundtief hässliches Kerlchen – mit Recht möchte man es um seine undankbare Aufgabe bedauern, Jack aus der Fassung zu bringen. Und seine Herren sind ja so was von gnadenlos! Und dann all diese Regeln … Wie soll ein ganz normaler Dämon wie Cuazzel da auf einen grünen Zweig kommen?

John Bolton hat in faszinierenden, ungewöhnlichen Bildern und Perspektiven das Treiben und Grimassieren des Dämons eingefangen. Dagegen sieht Jacks Miene abgrundtief … äh, langweilig aus. Wie gern würden wir diese stoische Ruhe aus der Fassung gebracht sehen! Doch dann verschiebt der Erzähler unsere Sympathie auf Jacks Seite, denn nun entsteht die Spannung, wie es ihm wohl gelingen wird, den Quälgeist in seinem Haus zu bezwingen.

Ein feines Comicbook, sauber produziert und übersetzt.

Terry Pratchett, Graham Higgins, Stephen Briggs – Wachen! Wachen!

Die Stadtwache von Ankh-Morpork ist sicher eine der glorreichsten Erfindungen Terry Pratchetts für seine Scheibenwelt. Dieser Comic, den es seit 2002 als Hardcover-Ausgabe gibt, schildert eines der bekanntesten Abenteuer der Wache: das mit dem Drachen und dem König.

Handlung

Karotte ist als Waise bei den Zwergen aufgewachsen. Eines Tages ruft ihn ein Brief in die Hauptstadt, nach Ankh-Morpork, um der Stadtwache beizutreten. Schweren Herzens nimmt er als rechtschaffener Zwergenbub von rund 1,90 m Größe Abschied von den einzigen Eltern, die er kennt. Er hat ein Gesetzbuch geerbt und ein Schwert und ein seltsames Muttermal.

Terry Pratchett, Graham Higgins, Stephen Briggs – Wachen! Wachen! weiterlesen

Oidium, Jan – Fire & Steel III – The Death Of Planet King

Jan Oidium ist freier Illustrator, den es nach einem abgebrochenen Studium in Graphikdesign im Jahr 2000 nach Berlin verschlagen hat, wo er heute eine eigene Verlagsgesellschaft betreibt und nebenbei seinem Hobby Musik nachgeht; seine erste CD „Solist“ mit experimentellen Klavierstücken wurde vor Kurzem veröffentlicht. „Fire & Steel 3“ erscheint erstmalig außerhalb der metallischen ‚fünften Jahreszeit‘, sprich dem W:O:A:, und wird nun auch über den Zeitschriftenhandel in Deutschland, der Schweiz und Österreich vertrieben.

Oidium widmet die erste Seite einem Kurzbericht über seine Aktivitäten im vergangenen Jahr und zieht Bilanz über das „lauteste Dixie der Welt“, das er in Wacken aufstellte und die Besucher zum fröhlichen Bangen in seinem 800-Watt-Klo einlud. Auf der zweiten Seite ist ein interessanter Bericht des Wacken-Teams mit einigen Daten und Fakten zum Festival 2003 (Wusstet ihr, dass dort 45.000 Rollen Klopapier verbraucht wurden?).

Und nach der mittlerweile obligatorischen Darstellung der Figuren (neu dabei der „Splatterling“, ein kosmisches Flugrudeltier, und als Gaststar Arjen Lucassen (VENGEANCE, AYREON, STAR ONE) sind wir dann auch gleich im Geschehen. Der kleine Planet, den der Oitiontiser aus dem All geholt hat, um die im Vorgängerheft durch die Gewalt der Soundschlacht zwischen den Bands PLANET KING und ETERNAL WINTERFROST abgesprengte Hälfte zu ersetzen, wird aufgrund eingedrungener Bakterien leider abgestoßen.

Rettung verspricht nur der oitiontiserische Blauschimmelkäse, der „stärkste und brutalste Käse des Universums, den nur der mächtige Oitiontiser zu essen vermag“. Nur ist dessen letzter Laib lange verzehrt und die Zunft der Käsehersteller bei dessen Herstellung zu Tausenden ausgestorben. Thunderforce zieht sich zum Nachdenken in den Tower of Truth zurück und findet schließlich die Lösung. Helfen kann nur ein sogenannter Holländer – diese sind schließlich berühmt dafür, Käse herzustellen – namens Arjen Lucassen, der ein elektrisches Schloss auf dem Planeten „Stern 1“ bewohnt.

Derweil lässt sein Widersacher Dark Even McBaron nach der Absprengung der Planetenhälfte auf „dem wimpigsten, untruesten und verabscheuungswürdigsten Planeten, den es für Blackmetaller geben kann“ – gemeint ist die Sonne – die Maulwurfsmenschen unter Führung seines Schergen Neroon ein Raumschiff aus dem Magma der Sonne bauen, um zum Planeten King zurückzukehren und mit seinem Feind abzurechnen.

Mehr wollen wir hier noch nicht verraten, da „Fire & Steel 3“ erst am 17. Dezember erschienen ist. An beknackten Ideen ist Nummer Drei des Spektakels nicht ärmer als seine Vorgänger. Alleine der oitiontiserische Blauschimmelkäse und das Gelaber unserer beiden Helden über bakterielle Zersetzung im Inneren von Planeten und Käselaiben ist einfach köstlich und beweist einmal mehr Oidiums schrägen Humor. Als Anmerkung und Aufklärung sei erwähnt, dass „Oidium“, auch Echter Mehltau oder Äscherich genannt, eine Schimmelsorte ist, die Weinreben befällt und demnach natürlich ein Künstlername. Aber wer sucht sich schon den Namen einer Schimmelsorte als Künstlername aus?

Herrlich sind auch wieder die beiden „truen Tiere“ Drachenwurm und Iron Igel, die gelangweilt auf der Couch sitzen und sich eine Folge ihrer Lieblingsserie „Captain Kosmos“ anschauen, deren Dialoge verdächtig an eine an Schwachsinn potenzierte Version von „Raumschiff Orion“ erinnern („Wir gehen in Megamorphmodus.“), bevor ihnen der Neuzugang „Splatterling“, eine Art Heavy-Metal-Schmetterling, von den bösen Plänen Dark Even McBarons berichtet.

Die ironischen Anspielungen auf die Werke von Arjen Lucassen – sowohl Oidium als auch Thunderforce sind eingeschworene Fans des Holländers – sind wirklich gelungen und beweisen, dass der sympathische Holländer wohl auch ein Freund von blühendem Blödsinn ist (Natürlich wurde zu der Verballhornung seiner Figur – er tritt in dem etwas merkwürdigen silbernen Raumanzug der STAR ONE-Tour auf – seine Zustimmung eingeholt).

Stilistisch gibt es gegenüber dem Vorgänger nicht viel Neues, Oitiontiser und Thunderforce scheinen noch ein wenig runder und voller, der doch etwas eckige und kantige Stil des ersten Hefts gehört wohl der Vergangenheit an. Für Eingeweihte bleibt die nicht wirklich interessante Frage, ob denn der Oitiontiser irgendwann einmal mit kurzem Haar zu sehen sein wird, nachdem sich auch Oidium von seiner Matte getrennt hat.

Wem Teil Zwei gefallen hat, der wird auch Teil Drei mögen und gespannt auf die Fortsetzung warten.

Beziehen könnt ihr „Fire & Steel 3“, wie eingangs erwähnt, im gutsortierten Zeitschriftenhandel, im Powermetal.de-Online-Shop, über die Homepage von Jan oder über http://www.metaltix.de.

Auf http://www.oidium-comics.de sind auch andere Illustrationen von Oidium (u.a. Poster von GAMMA RAY und IRON MAIDEN) sowie einige seiner Auftragswerke) zu sehen.

Oidium, Jan – Fire & Steel II

Jan Oidium ist freier Werbezeichner, den es nach einem abgebrochenen Studium in Graphikdesign im Jahr 2000 nach Berlin verschlagen hat, wo er heute eine eigene Verlagsgesellschaft betreibt und nebenbei seinem Hobby Musik nachgeht; seine erste CD „Solist“ mit experimentellen Klavierstücken wurde vor Kurzem veröffentlicht. Zum Wacken Open Air 2003 erschien Ausgabe Zwei seines Comic „The Heavy Metal World Of Fire & Steel“ und wurde vorerst nur auf dem Festival vertrieben.

Oidium selbst störte an „Fire & Steel 1“, dass man seiner Meinung nach nicht richtig erkennen konnte, wohin die ganze Sache ging. Bei „Fire & Steel 2“ ist dies jedoch eindeutig zu erkennen. War das Vorgängerheft noch der Anfang einer Idee, so hat sich diese im zweiten Teil zu einer kompletten Geschichte entwickelt, die sich über fast das gesamte Heft erstreckt.

Der Wahnsinn beginnt mit einer Art Zeitungsnachricht, verfasst von Georg Weihrauch, die über einen heimtückischen Angriff auf das Leben des Zeichners durch die bösartigen Maulwurfsmenschen berichtet, dem er nur mit knapper Not und durch den beherzten Einsatz seines Schwertes entrinnt. Die zweite Seite gehört wieder einem Auszug aus dem „Buch der Macht“ und die folgende Doppelseite bietet eine Karte vom „Land der Welt“, bevor es nach einer Darstellung der Figuren mit der Geschichte losgeht.

Der mächtige Oitiontiser und sein Gehilfe Thunderforce erhalten eines Tages unliebsamen Besuch von einem Beamten des Einwohnermeldeamtes. Da der Oitiontiser nach eigenem Bekunden seit Anbeginn der Zeit in dem „Land der Welt“ lebt, sich jedoch niemals die Mühe einer Anmeldung machte oder Steuern abführte, schuldet er dem Fiskus nunmehr die auch für ihn nicht ganz unbeträchtliche Summe von 400 Millionen Tonnen Gold. Aufgrund einiger verschwenderischer Anschaffungen, wie zum Beispiel die 34 Kilometer lange, aus Edelmetall gegossene Schlittschuhbahn, auf der er mit seinen diamantenen Kufen durch die Kathedrale gleitet, ist seine Kasse jedoch bedenklich leer. Um den irrwitzigen Forderungen nachzukommen, beschließen die beiden, ein gewaltiges Konzert der Band PLANET KING zu veranstalten, um mit den Einnahmen der Besucher; immerhin wird nicht weniger als die gesamte Bevölkerung erwartet; die Schuld zu begleichen.

Dummerweise plant auch sein Widersacher, Dark Even McBaron, unterstützt von seinem Schergen Neroon, ein mächtiges Konzert seiner Black-Metal-Band ETERNAL WINTERFROST. Für die Konzerte ist natürlich nur ein Ort ‚true‘ genug, nämlich Wacken. Dort allerdings ist man gerade noch dabei, die Spuren des Open Air vom letzten Jahr zu beseitigen. Nur durch die Hilfe der „truen Tiere“ Drachenwurm und Iron Igel kann der Veranstaltungsort rechtzeitig für das Konzert vorbereitet werden und die beiden rivalisierenden Bands versuchen sich in einem irrwitzigen Showdown von den gegenüber liegenden Bühnen aus zu übertönen. Erst durch die Kopplung der Systeme von PLANET KING, MANOWAR und SPINAL TAP (deren Verstärker bekanntermaßen eine Skala bis 11 haben) kann der dunkle Feind endgültig vernichtet werden. Leider auf Kosten des gesamten Planeten, der durch die mächtige Soundgewalt in zwei Stücke gerissen wird.

„Fire & Steel 2“ hat von allem mehr als sein Vorgänger. Mehr Story, mehr Farben, mehr Figuren und vor allen Dingen mehr Blödsinn. Daran sind sicherlich die Gehilfen Thunderforce und Neroon nicht ganz unschuldig, im richtigen Leben Freunde Oidiums mit echtem Namen, nunja, eben Thunderforce und Neroon – um bei ihren Nicknames in einem Heavy-Metal-Forum zu bleiben – die Oidium durch Inspiration und Unsinn unterstützt haben.

Im Heft stellen die beiden Adjutanten jeweils eine Art von Intelligenz und Vernunft ihrer durchgeknallten Herrscher dar und verfügen über magische Kräfte: Neroon kann durch „roonen“ die Gedanken anderer manipulieren und Thunderforce kann alles und jeden mit Hilfe von „Force-Strahlen“ in Stücke „forcen“. Gerade Letzteres hat im Vorfeld der Veröffentlichung wieder einmal zu einer Internet-Anekdote geführt, nachdem Odium allen Ernstes das Wort „forcen“ samt plastischer Beschreibung zur Aufnahme in das Wörterbuch eines semi-professionellen Forums von Übersetzern beantragt hat und dann laut- und wortstark von einem guten Dutzend Metallern unterstützt wurde, die wie marodierende Heuschrecken über die bierernste Gruppe von Germanisten und Anglistikern hergefallen sind. Zu deren Ehrenrettung soll gesagt sein, dass es sich bei dem Forum um eine wirklich sinnvolle Einrichtung handelt und es durchaus nicht nur aus Vertretern der Anti-Spaß-Fraktion besteht, zumindest war für ein paar Tage dort aber mehr ‚Bewegung‘ als sonst das ganze Jahr über und hat ihnen sicherlich den längsten Thread ihrer Existenz verschafft.

„Fire & Steel 2“ hat noch mehr Detailfülle an wirklich vollkommen Unsinnigem, als das nach dem ersten Heft als vorstellbar erschienen wäre. Das fängt schon mit dem getürkten Zeitungsartikel über den Angriff der Maulswurfsmenschen samt Bildkollage an und geht über die kleingedruckten rechtlichen Hinweise weiter (in denen Oidium „auf ewig über alle Rechte herrscht“), bevor der Autor mit dem „Buch der Macht“ dann beweist, dass dem Schwachsinn in seinem Paralleluniversum wirklich keine Grenzen gesetzt sind. Dort huldigen die Bewohner des Planeten dem Oitiontiser kniend 27 Jahre lang, nachdem sie ihn zur Feier seines Sieges über die acht Plagen viermal um den ganzen Planeten getragen haben; Thunderforce forct ganze Schweineherden in Stücke, die von seinem Herrn in die Luft geschleudert werden, damit sie den acht Milliarden Gläubigen wie gebratene Tauben in den Mund fallen; Tausende von Schreibern sterben, weil sie es nicht wagen zu atmen und die Luft mit ihrem unreinen Atem zu verpesten, während der Oitiontiser über sein Diktat nachdenkt.

Die Karte zum „Land der Welt“ zeigt dann den geographischen Zusammenhang von Orten wie dem „Tower of Truth“, dem „Black Iceberg of Doom“, der „Kathedrale zu Oi“ oder dem „Berg der Macht“, die im folgenden Comic von Bedeutung sind und liefert auch gleich die offiziellen Umrechnungskurse der Zentralbank des Planet King zwischen Euro und der einheimischen Währung, bestehend aus Humpen, Krempen, Fobbel und Asser, teilweise unterteilt in Nominationen von Halb-, Unter- und Quatter (z.B. 1 Quatterfobbel = 25 Euro-Cent).

Während Oitiontiser und Thunderforce in satten Blau-, Braun- und Grautönen dargestellt werden, sind die dunklen Gestalten Dark Even McBaron und Neroon konsequent mit weißen Strichen auf schwarzem Hintergrund gezeichnet, und stolpern dann in ihrer selbstgewählten Dunkelheit auch gleich über ihre eigenen Merchandisingartikel und stechen sich an ihren Nieten, bevor Neroon dann ein Licht anbringen darf, natürlich ein besonders dunkles. Ein herrlich ironischer Seitenhieb ist die Antwort auf die Frage nach der Gestaltung eines Logos für die Black-Metal-Band: „Ach, mach es wie bei allen Black-Metal-Logos. Nimm einen Haufen Nacktschnecken, tunk sie in weiße Farbe und lass sie über einen schwarzen Untergrund kriechen. An strategisch günstigen Stellen haust du sie dann platt.“

Für mehr als nur einen Lacher sorgen auch wieder die ‚truen Tiere‘, die dem Konzertveranstalter H. (als Gaststar : Wacken-Organisator Holger Hübner) beim Aufräumen in Wacken helfen. Der Drachenwurm zieht es nämlich vor, sich mit den Resten der Bar zu besaufen und wird von H. versehentlich in einen Cocktail aus vierzigprozentigem Whisky und achtzigprozentigem Strohrum gemischt („macht 120 Prozent Alk-Anteil“) und verschluckt. In seiner Panik kachelt er dann mit seinem Motorroller und samt Drachenwurm in die noch im Weg stehenden Bühnenaufbauten und zerlegt diese in ihre Bestandteile, der Wurm hat seinen Job erledigt („Nur gut, dass ich keine Knochen habe, die ich mir brechen kann. All Hail To The Weichtiere“).

Und so reiht Oidium einen Schwachsinn an den nächsten, nicht zu vergessen das zweiseitige Special in der Heftmitte, bei dem die beiden truen Tiere Verstärkung von dem gehörnten Lungenfisch („fick mich“) und der wandelnden Alk-Blume („ich ficke nicht, ich werde bestäubt“) bekommen sowie dem „Power Pin-Up“, in dem der Iron Eagle von PRIMAL FEAR eine Kralle auf den Drachenwurm stellt („nimm den komischen Papagei von mir runter“) und der Iron Igel ihm dafür den ausgestreckten Mittelfinger zeigt.

Stilistisch gesehen, hat sich Oidium sichtlich weiterentwickelt, die Figuren wirken etwas flüssiger und stimmiger und zeigen auch deutlichere Gesichtsmimik, die Farben sind weitaus satter als das noch beim ersten Heft der Fall war. Darüberhinaus ist „Fire & Steel 2“ Schwachsinn in Reinkultur und übertrifft das erste Heft noch bei weitem. Man darf gespannt auf das nächste Heft warten und auf die Beantwortung der Frage, ob Oidium das alles noch einmal übertreffen kann.

Restexemplare können im Powermetal.de-Online-Shop, über http://www.metaltix.de oder über die Homepage von Jan bezogen werden: http://www.oidium-comics.de , auf der auch andere Illustrationen (u.a. Poster von GAMMA RAY und IRON MAIDEN sowie einige seiner Auftragswerke) zu sehen sind.

Jan Oidium – The Heavy Metal World Of Fire & Steel

Jan Oidium ist freier Werbezeichner, den es nach einem abgebrochenen Studium in Graphikdesign im Jahr 2000 nach Berlin verschlagen hat, wo er heute eine eigene Agentur betreibt und nebenbei seinem Hobby Musik nachgeht; seine erste CD „Solist“ mit experimentellen Klavierstücken wurde vor kurzem veröffentlicht. Anlässlich des Wacken Open Air 2002 erschien sein erstes Comic „The Heavy Metal World Of Fire & Steel“ und wurde in einer Auflage von zunächst 4.000 Stück ausschließlich auf dem Festival vertrieben.

Jan Oidium – The Heavy Metal World Of Fire & Steel weiterlesen