Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Moorcock, Michael – Gloriana

„Gloriana“ erschien in Deutschland bereits 1981 als |Heyne Taschenbuch| 06/3808 in seiner ursprünglichen Version, wurde 1993 jedoch vom Autor vollständig bearbeitet und ergänzt. Diese Version hat |Heyne| nun in seiner Reihe |Meisterwerke der Fantasy| veröffentlicht und, um es vorweg zu nehmen, auch die Lektüre der überarbeiteten Fassung (mit einem Vorwort von Tad Williams) lohnt das Lesen.

„Gloriana“ spielt in einer Alternativwelt zur Zeit des Elisabethanischen Zeitalters. Großbritannien heißt hier Albion und Gloriana ist die Tochter eines grausamen Herrschers, der von Lord Montfallcon und Großadmiral Lisuarte Armstrong von Ingleborough dereinst gestürzt wurde. Seitdem helfen diese beiden und einige andere der jungen Königin Gloriana, das mächtige Großreich zu regieren. Vor allem Montfallcon erledigt vermittels eines gedungenen Mörders und Intriganten namens Kapitän Arturus Quire alle schmutzigen Staatsaufgaben. Doch Quire, der Mann fürs Grobe, versteht sich als Künstler und Meister seines Faches, und so kommt es, als der Lord dem Kapitän eines Tages nicht genug Wertschätzung und Achtung für dessen geniales Vorgehen und seine Effizienz entgegenbringt, zum Zerwürfnis. Quire tritt in die Dienste der Osmanen und nimmt sich vor, Glorianas Königreich Albion zum Einsturz zu bringen. Dabei geht er mit solcher Diffizilität und Genialität vor, dass die Herrschaft der jungen Königin immer mehr zu wanken beginnt.

Verzweifelt versuchen Ingleborough und Montfallcon diesen Fall aufzuhalten, aber Quire hat ein unglaublich verschachteltes Intrigenräderwerk in Gang gesetzt, dessen Arbeit kaum noch Einhalt geboten werden kann …

Gloriana ist ein absolutes Meisterwerk der phantastischen Literatur und steckt voller opulenter Beschreibungen und farbenprächtiger Sujets, die man sonst nur von Jack Vance kennt. Dabei ist nicht wirklich genau zu eruieren, ob es sich bei der Geschichte um Fantasy oder SF handelt. Zwar gibt es keine Zauberei, jedoch können einige Erfinder und Alchimisten an Glorianas Hof zwischen den verschiedenen Alternativwelten hin und her reisen, andere Wahrscheinlichkeiten besuchen, ohne dass aus deren Technik klar wird, ob sie magischen oder naturwissenschaftlichen Ursprungs ist. Öfters erhält man in Albion auch Besuch von anderen Realitäten und erfährt so von völlig abweichenden geschichtlichen Abläufen.

Moorcocks Erzählung ist jedoch nicht nur farbenprächtig, sondern auch überaus spannend und packend. Während der Leser schnell Quires Plan versteht und dessen einzelne Schritte mit angehaltenem Atem beobachtet, stehen Gloriana und Montfallcon den Geschehnissen ahnungs- und hilflos gegenüber. Während Glorianas Macht bedrohlich zu schwanken beginnt, gewinnt der kalte Intrigant Quire immer mehr an Einfluss. Als er sich auch noch ins Herz der Königin schleicht und Montfallcon nach dem Tod Ingleborougs kalt gestellt wird, scheint es um Albion geschehen. Nur die Initiative einiger Getreuer kann jetzt noch die Rettung bringen. Diese machen sich auf in die unergründlichen Tiefen des gewaltigen Königspalastes, der ominöse Geheimnisse birgt, um Quire zu entlarven.

Überhaupt spielt das Labyrinth des titanischen Gebäudes von Glorianas Palast mehr als nur eine unbedeutende Rolle. In ihm erschafft der Autor fast einen eigenständigen und überaus faszinierenden Kosmos.

Auch wenn „Gloriana“ auf der Grenzlinie zwischen SF und Fantasy liegt – eines dürfte dem phantasiebegabten Leser nach der Lektüre dieses spannenden und überaus faszinierenden Werkes klar sein: „Gloriana“ ist definitiv ein Meisterwerk der Phantastik!

© _Gunther Barnewald_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [buchrezicenter.de]http://www.buchrezicenter.de veröffentlicht.|

Andreas Brandhorst – Exodus der Generationen (Perry Rhodan. Lemuria 3)

Faszinierend! Da rätselt man seit Jahren, wie die alten Lemurer als Vorfahren der Menschen an fünfdimensionale Technik gekommen sein können, wo der moderne Terraner anscheinend nicht in der Lage ist, die Hypermathematik wirklich zu verstehen – und dann liefert eine Spin-off-Serie die Antwort.

Andreas Brandhorst, in den letzten Jahren bekannt geworden durch seine Übersetzungen zum Beispiel für Terry Pratchet und „Star Wars“, machte 2004 Schlagzeilen mit seiner großartig angelegten Space-Opera um die „Kantaki“ – auch dort existieren eine fast mythische Vergangenheit und ein Kampf durch die Zeiten. Vielleicht fiel es ihm dadurch leichter, sich in den gigantischen Kontext von Perry Rhodan einzuarbeiten, und es ist ihm hervorragend gelungen. Wir erhalten sozusagen von einem „Rhodan-Neuling“ Einblicke in die spannendste Zeit der irdischen Geschichte, als nämlich die bisher als unerreichbar geltenden Lemurer den Sprung zu den Sternen wagen.

Hauptakteure des Romans sind der lemurische Chronist Deshan Apian und Levian Paronn in der Vergangenheit, ein akonisch-terranischer Einsatztrupp um die Kommandantin der PALENQUE und eine seltsame Gemeinschaftsintelligenz aus Menttia und KI in der Gegenwart. Die letzten Überlebenden der Sternenarche LEMCHA OVIR (Lemuria 2: „Der Schläfer der Zeiten“) wechseln in der Bedrohungssituation mit Hilfe parapsychischer Kräfte in eine andere Existenzform und verschwinden im All.

Apian ist Chronist im Großen Solidar Lemurias und erhält den Auftrag, eine Chronik über Levian Paronn bei seinem Vorhaben, die „Kinder Lemurs zu den Sternen zu führen“, zu erstellen. Er wird zum langjährigen Wegbegleiter des anderen, den ein unergründliches Geheimnis umgibt. Brandhorst gelingt eine ungewöhnlich dichte und tiefe Charakterisierung des Mannes, aus dessen Sicht man den Lauf der Zeit in jenem fernen Lemuria erfährt. Die Lemurer – nach einem Jahrhunderte währenden Überlebenskampf gegen die albtraumhaften Konos, der über die Zeit der Primitivität hinaus, in eine Art Mittelalter und länger, dauerte – stehen unter einem kollektiven Trauma. Es entwickelte sich ein perfektes Solidarsystem, in dem alle an einem Strang ziehen, um das Überleben der eigenen Art zu sichern. Bis zum Auftreten der Sternensucher, als deren Anführer Paronn sich entpuppt. Er kennt die Zukunft, weiß um die Gefahr, die die Lemurer in Form der „Bestien“ heimsuchen wird, und setzt alles daran, mit den Sternenarchen die Saat Lemurs im All zu streuen. Letztlich verlassen 46 Archen das Heimatsystem. Apian erhält wie die Kommandanten der Schiffe einen Zellaktivator, der ihnen die relative Unsterblichkeit schenkt.

Paronn selbst offenbart seine eigene Unsterblichkeit spät. Mit seinen geistigen Zwiegesprächen streut Brandhorst neue Rätsel, aber auch Ansatzpunkte für deren Lösung, die den Leser verblüffen. So schickt er mit jeder fertig gestellten Arche den bis dahin fertigen Teil der Chronik zu den Sternen, um sie einer Person in der Zukunft zugänglich zu machen. Außerdem denkt er an seinen „vierarmigen Freund“, in dem wir schnell einen Haluter vermuten. Im Rückblick auf den zweiten Roman der Serie fragen wir uns, ob es sich um jenen Icho Tolot handeln könnte, dem Rhodan in der akonischen Station auf Mentack Nutai begegnet …

In der Gegenwart findet Rhodan einen Datenchip an Bord des gelandeten Kommandomoduls der LEMCHA OVIR. Bei der Entschlüsslung spricht der Chip auf ihn an und versenkt ihn ins Koma, wo er Apians Chronik erfährt. Offenbar ist Rhodan die Person, auf die Paronn die Chronikchips sensibilisiert hat. Ein neues Rätsel.

Tolot erscheint auf Rhodans Ruf im System und gerät mit seinem Schiff in die Transmitterfalle einer alten akonischen Station, die sich zwischen den Asteroiden eines Gürtels um die Sonne befindet. Dorthin verschlägt es auch den Einsatztrupp der beiden menschlichen Schiffe, die hier um ihr Überleben kämpfen und auf ein neues Rätsel stoßen. Ein fremder Haluter wird aus einem Stasisfeld befreit. Er hat eine wichtige Nachricht für Tolot, den er um das Jahr 2400 n. Chr., kurz nach dessen Kontaktaufnahme mit den Terranern, zu suchen begann. Vor seinem Tod flüstert er Tolot die Koordinaten eines offenbar wichtigen Orts zu.

Schade, dass sich die hervorragend angelegten Charaktere von Jorgaldarhelmemerek und Alahandra wohl verabschiedet haben. Der „Maschinenflüsterer“ war ein interessanter Begleiter und könnte mit seinen Fähigkeiten zu einer Lebensform ähnlich dem „Specter“ der Hauptserie werden. Was aus dieser neuen Wesenheit wird, steht buchstäblich in den Sternen.

Die Gestalt des Prospektors Roderich bedarf noch einer eingehenderen Betrachtung, wenn die von Brandhorst eingestreuten Details zu ihm Serienrelevanz bekommen sollen. Sonst könnte er wirken wie ein künstlich interessant gemachter Charakter.

Wohin die Reise geht, lässt sich erahnen. Nächstes Ziel jedenfalls ist Akon, wo die letzte Sternenarche ACHATI UMA entdeckt wurde – jenes Schiff, mit dem Levian Paronn in die Zukunft aufbrach. Um ihn wird es im nächsten Band von Leo Lukas gehen, „Der erste Unsterbliche“. Eine Frage bezüglich der Unsterblichen hat Brandhorst schon in diesem Band beantwortet: Die Frage nach den augenscheinlichen Defekten zumindest einiger Aktivatoren. Levian Paronn baute sie in der Vergangenheit nach dem Vorbild seines eigenen, doch fehlten ihm schließlich die Materialien, so dass er improvisieren musste. Neue Frage: Woher hat Paronn seinen Aktivator und wieso kann er ihn überhaupt nachbauen, während Generationen von terranischen Wissenschaftlern an den Geräten von Rhodan und Co. verzweifelten?

Einen letzten Zweifel streut Brandhorst auf den letzten Seiten: Geht es Paronn wirklich um die „Bestien“, die das lemurische Reich in einem fast hundertjährigen Krieg vernichteten, ehe sie befriedet und zu „Halutern“ wurden, wenn er vom „Feind“ spricht? Dieser Feind existiert nicht mehr, und doch verheimlicht eine fremde Präsenz ihre Anwesenheit …

„Exodus der Generationen“ ist ein vielschichtiger Roman, mit dem Andreas Brandhorst seine Klasse beweist und gleichzeitig auf sich und sein Kantaki-Universum aufmerksam macht. Abgesehen von winzigen Widersprüchen zur Serientechnik zeigt er seine Professionalität in der Schriftstellerei in der Art, wie er sich in das komplexe Rhodan-Umfeld hat einarbeiten können. Erfrischend sind seine Darstellungen von Gefahren und technischen Details, die bei einigen der Stammautoren routiniert abgehandelt werden. Um das schon an sich spannende und faszinierende Thema des Romans herum entwickelt er eine Geschichte mit erzählerischer Dichte und Fließkraft. Die vier verschiedenen Erzählebenen machen nicht den Eindruck, als müsse man den Stoff unbedingt unterbringen und wisse nicht, wie das möglich wäre, sondern werfen hier und da ein Schlaglicht auf die Gedanken und Gefühle der Protagonisten und schaffen damit eine schlüssige Atmosphäre.

Mit jedem Roman gefallen mir der rätselhafte Aufbau und die Geschichte der Serie und vor allem die Erzählkunst in den einzelnen Romanen besser. Ich bin guter Hoffnung, dass sich dieses Niveau durch die Serie fortsetzt und denke, dass „Lemuria“ der beste Spin-off-Zyklus und damit ein Meilenstein in der Rhodan-Historie wird.

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 4,00 von 5)

Feist, Raymond / Wurts, Janny – Zeit des Aufbruchs (Kelewan-Saga 4)

„Nur wenige Gongschläge trennen die junge Mara von einem Leben hinter Klostermauern, da erfährt sie, dass ihr Vater und ihr Bruder auf der barbarischen Welt Midkemia im Kampf getötet wurden und dass sie jetzt das neue Oberhaupt des Hauses Acoma ist. Unterstützt von einer Handvoll treuer Soldaten und Bediensteter muss sie sich einer Aufgabe stellen, die schwieriger kaum sein könnte. Doch Mara ist entschlossen, die Acoma zu alter Größe zurückzuführen. Sie fasst einen waghalsigen Plan …“ So weit also der Klappentext; den kann man so stehen lassen.

_Die Autoren_

Raymond Feist, geboren 1945 in Los Angeles, studierte an der Universität San Diego und war Fotograf und Spielerfinder, ehe er mit dem Schreiben begann. Fast alle seine Romane spielen auf der erfundenen Welt Midkemia, die zu Anfang ein regelrechter Mittelerde-Klon war, mit Elfen und Zwergen, die sich dann aber rasch weiterentwickelte und auch gewisse Science-Fiction-Elemente enthält. Dazu gehört der „Spalt“, den ich immer als Dimensionstor aufgefasst habe und der das „magische“ Tor zur Welt Kelewan bildet – in beide Richtungen. Die Midkemia-Romane sowie die Krondor-Saga wurden auch zu Rollenspielen verarbeitet; sie dürften mehr als zwei Dutzend Bände umfassen, speziell in den gesplitteten deutschen Ausgaben bei Goldmann/Blanvalet.

Janny Wurts, geboren 1953, eine amerikanische Autorin und Künstlerin, ist mit dem bekannten Illustrator Don Maitz verheiratet. Nach Verlagsangaben lebt sie in Florida. Ihr erster Roman „Sorcerer’s Legacy“ erschien 1982 und bediente sämtliche Klischees und Gesetze des Fantasygenres. Ihr „Feuer“-Zyklus (1984-88) hingegen mischt bereits Science-Fiction mit Magie. Die Kelewan-Trilogie, die sie 1987-1992 zusammen mit Raymond Feist schrieb, spielt in einem fantastisch überhöhten byzantinischen Kaiserreich. Ihre am besten ausgearbeitete Trilogie ist wohl „The Wars of Light and Shadows“, die 1993 bis 1995 erschien, aber erst vor wenigen Jahren bei Bastei Lübbe veröffentlicht wurde („Der Fluch des Nebelgeistes“, „Die Schiffe von Merior“ usw.).

Die Kelewan-Saga – eigentlich eine Trilogie – besteht aus folgenden Bänden:

Kelewan I = 1+2: Die Auserwählte; Die Stunde der Wahrheit (beide zusammen: Daughter of the Empire);

Kelewan II = 3+4: Der Sklave von Midkemia; Zeit des Aufbruchs (beide zusammen: Servant of the Empire);

Kelewan III = 5+6: Die schwarzen Roben; Tag der Entscheidung (beide zusammen: Mistress of the Empire).

[„Die Kelewan-Saga I“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=861 erschien im November 2004, Kelewan II soll im Juni 2005 veröffentlicht werden. Der Schluss liegt nahe, dass Kelewan III im November 2005 auf den Markt kommt.

_Hintergrund_

Kelewan ist eine mit Midkemia durch den „Spalt“ verbundene Parallelwelt, die es zu erobern gilt, um Rohstoffe zu beschaffen, vor allem Metall, das auf Kelewan selten ist. Während Midkemia stark angelsächsisch beeinflusst ist, trägt Kelewan ganz andere Züge. Diese Kultur erinnert in ihrer Stagnation und Starrheit an altchinesische Dynastien, aber auch an das alte Byzanz, erfüllt von Machtkämpfen und Intrigen.

Die kleinen Adelshäuser konkurrieren um den Aufstieg in den Hohen Rat, der von den fünf Großen Häusern gestellt wird. Erst dort können sie Einfluss auf die Politik des Kaiserreiches nehmen, so etwa auf die Partei, die den langjährigen Spaltkrieg befürwortet. Daher wählt der Rat auch den Kriegsherrn. Über allem thront der gottgleiche, jedoch politisch machtlose Kaiser, eine Marionette des Rates.

Außerhalb dieser Hierarchie, jeglicher Gerichtsbarkeit und Weisungsbefugnis entzogen, stehen die Magier der „Schwarzen Roben“. Mit diesen Gestalten bekommt es unsere Heldin erst im dritten Band zu tun. Im ersten Band tauchen Zauberer als eine Art Theaterattraktion auf, ähnlich wie Gandalf im Auenland für das Feuerwerk zuständig ist. Die Schwarzen Roben sind einzig der unveränderten Erhaltung des Reiches verpflichtet, was sie zu einer Art Kardinalsliga macht.

Die Auseinandersetzungen um die Macht im Reich, das so genannte „Spiel des Rates“, folgt strengen, von der Geschichte scheinbar unabänderlich vorgegebenen Regeln. Die mächtigen Adelshäuser tragen ihre Differenzen mittels Intrigen, gedungenen Meuchelmördern und Verrat aus. Das erinnert stark an das Byzanz, das beispielsweise Guy Gavriel Kay in seinem [Sarantium-Zyklus]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=242 schildert.

_Vorgeschichte_

Mara ist siebzehn Jahre alt, als ihre Kindheit und Jugend abrupt enden. Jahrelang hat sie als Klosterschülerin gelebt und wurde in der Philosophie der Göttin Lashima ausgebildet. Gegen den Willen ihres Vaters, Lord Sezu Acoma, hat sie sich für ein Leben fern von der Welt entschieden. Doch gerade als sie endgültig das Gelübde als Nonne ablegen soll, unterbrechen sehr männlich klingende Stiefel die feierliche Zeremonie: Es sind die letzten überlebenden Soldaten des vernichteten Heeres ihres Vaters. In einer verheerenden Niederlage auf der Welt Midkemia hat sie neben dem Vater auch ihren geliebten Bruder Lano sowie zweitausend Krieger verloren. Sie ist jetzt die unumschränkte Herrscherin des Hauses Acoma, die Letzte ihres Geschlechts.

Schuld an dem Gemetzel auf Midkemia, so erfährt sie von ihrem Truppenkommandeur Keyoke, ist der Verrat des Hauses Minwanabi. Lord Jingu sollte eigentlich der Acoma-Armee zu Hilfe eilen, um den Feind an der Flanke anzugreifen. Als die Hilfe ausblieb beziehungsweise zu spät gewährt wurde, war von den Acoma nichts mehr übrig außer einem kleinen Häuflein, das sofort zur Heimatwelt zurückkehrte, um die letzte Angehörige der Herrscherfamilie zu ihren Pflichten zu rufen.

Mara ist zunächst von Trauer und Schmerz überwältigt. Sie begehrt als Erstes, die Trauerfeier abzuhalten. Dazu geht sie in den heiligen Hain des Anwesens und ehrt den Heimstein ihres Geschlechts, das auf eine weitaus längere Geschichte als das der Minwanabi zurückblicken kann. Prompt wird sie in diesem unbewachten Augenblick Opfer eines Mordanschlags. Nur die Gesetzesübertretung ihres getreuen Kämpfers Papeweio bewahrt sie vor dem frühzeitigen Tod. Sie schickt den Minwanabi das Zeichen der Blutfehde …

Durch kluge und vor allem unkonventionelle Taktiken gelingt es Mara, ihr Haus vor dem Untergang zu bewahren. Sie gewinnt mächtige Verbündete, baut den Handel aus, ihre Ranch gedeiht, und sie heiratet. Allerdings ist Buntokapi aus dem Hause Anasati ein grobschlächtiger, wenn auch schlauer Mann, der seine Frau prügelt. Sobald Mara ein Kind erwartet, nimmt er sich eine Konkubine, doch diese Teani entpuppt sich als eine Spionin der Minwanabi …

_Handlung von Band 3_

Nach dem rituellen Selbstmord von Lord Jingu, dem Oberhaupt des Hauses Minwanabi, übernimmt dessen Sohn Desio die Geschäfte. Sein Hass auf die „Acoma-Hexe“ Mara, die aus unbegreiflichen Gründen seinen Vater besiegen konnte, ist unermesslich. Sein Kanzler Incomo hat jedoch durch logisches Denken den Grund gefunden: Es müssen Spione der Acoma am Hofe sein. Zu dem gleichen Schluss ist auch schon Desios Cousin Tasaio gekommen, den man hat rufen lassen.

Tasaio ist ein ganz anderes Kaliber als der genusssüchtige, fette Desio – er ist der stellvertretende Kriegsherr Kelewans auf der Welt Midkemia. Sein militärisches Genie steht außer Frage. In kürzester Zeit hat er die Spione der Acoma ausfindig gemacht. Doch er lässt sie entgegen Desios Wunsch keineswegs hinrichten, sondern missbraucht sie für seine eigenen Zwecke. Nachdem er ihnen falsche Informationen untergeschoben hat, lockt er die beiden fähigsten Truppenführer Maras in eine ausgetüftelte Falle. Keyoke und Lujan ahnen ebenso wenig wie Mara, was sie erwartet …

Doch zum Glück für Mara hat sie einen neuen Lover namens Kevin, der in der Welt Midkemia gefangen genommen und versklavt wurde. Sie hat ihn mit seinen Gefährten gekauft, um Weiden zu roden. Mit seinem unkonventionellen Denken vermag er sie ebenso zu verblüffen wie zu brüskieren. Weil Kevin fürchtet, wie alle anderen midkemischen Offiziere getötet zu werden, verheimlicht er ihr, dass er als Baron Truppen gegen Tasaio angeführt hat. Er kennt Tasaios durchtriebene Taktik …

_Handlung von Band 4_

Um ein Haar hätte Tasaio alle seine Ziele erreicht. Wenn Kevin nicht gewesen wäre, würde das Haus Acoma nicht mehr existieren. Während der Fehden und Kriege sind zehn Jahre ins Land gegangen, Maras Sohn Ayaki entwickelt sich zu einem kleinen Krieger, denn er soll eines Tages die Truppen der Acoma anführen. Allerdings muss sie ständig um seine Sicherheit bangen. Werden die Minwanabi einen weiteren Anschlag verüben?

Maras Blick richtet sich nun auf eine höhere Ebene: auf ihren Clan Hadama. In ihm sind mehrere Häuser, die untereinander blutsverwandt sind, zusammengeschlossen. Sie sind im Hohen Rat repäsentiert, intrigieren aber meist gegeneinander. Mara plant, dies radikal zu ändern, denn manche der ketzerischen Ideen ihres Geliebten leuchten ihr unter dem Eindruck der Geschehnisse durchaus ein.

Mara reist in die kaiserliche Hauptstadt Kentosani, die zum Glück nicht allzu weit entfernt liegt. Hier erlebt sie mehrere böse Überraschungen. Sie lernt zwar ihren Clan näher kennen, gerät aber während einer Kampfdarbietung zu Ehren des kelewanischen Sieges über Midkemia in eine Katastrophe. Der midkemische Magier Milamber – der auf seiner Heimatwelt als Pug bekannt ist – wurde in die Gilde der Erhabenen aufgenommenen. Als midkemische Kriegsgefangene kelewanischen Bestien vorgeworfen werden, rastet er irgendwie aus und entfesselt ein magisches Inferno. Die vier Elemente der Natur setzt er für seine Zwecke ein, doch es ist vor allem ein Erdbeben, das die Zuschauermenge in der riesigen Arena in panischen Schrecken versetzt. Mit knapper Not gelingt es Kevin, Mara in Sicherheit zu bringen.

Dieser Zwischenfall beschämt den amitierenden Kriegsherrn derart, dass er sich durch rituellen Selbstmord töten muss, um die Ehre seines Hauses und seines Kaisers zu rehabilitieren. Sofort wird ein Nachfolger gewählt: Axantucar. Dieser ist bemüht, seine Macht und Stellung durch gezielte Attentate zu festigen und auszubauen. Endlich sieht auch Tasaio die Gelegenheit gekommen, seine Erzfeindin Mara zu vernichten.

In dem labyrinthisch angelegten Kaiserpalast haben sich die wenigen Leibgardisten der Acoma verschanzt. Zwei Lords verstärken mit ihren Männern Maras mickrige Truppe. Nachdem in den benachbarten Gemächern einer der Lords nach dem anderen abgemurkst wird, wartet Mara bang auf den endgültigen Angriff. Er erfolgt erst nach drei Tagen, dann aber in mehreren Wellen so massiv und lang anhaltend, dass ihrem kleinen Häuflein die vollständige Auslöschung droht. Es sind von Tasaio angeheuerte Attentäter, aber auch reguläre Truppen ohne Abzeichen, die von allen Seiten auf ihre Soldaten einstürmen.

Kevin schlägt sich wie ein Tiger für seine geliebte Herrscherin, sobald er ein richtiges Metallschwert in der Hand hält. Weil Metall auf Kelewan sehr selten ist, sind Schwerter normalerweise aus speziell gefertigtem Leder, das durch Harz verstärkt wird. Dem von den Ninjas geklauten Metallschwert (nur Tasaio kann sich so ein Ding leisten) haben die anderen nur wenig entgegenzusetzen. Aber es sind zu viele. Der Moment ist abzusehen, da zwischen Mara und einem Angreifer kein Verteidiger mehr steht. Ihr Gewand ist bereits rot vom vergossenen Blut anderer, als eine überraschende Wendung eintritt …

_Mein Eindruck_

Um das, was sie vorhaben, zu erreichen, jagen die beiden Autoren ihre Heldin Mara durch allerlei überraschende Wendungen und sogar Entscheidungen, die sie fast um den Verstand bringen. Als Herrscherin hat man’s eben nicht leicht. Und wenn es um die Revolution geht, sind Opfer vonnöten.

Die Handlung lässt sich auf zwei Ebenen darstellen, die ich als Inside- und als Outside-Story bezeichne. In der OUTSIDE-Story finden sich äußerliche Aktivitäten wie etwa die oben beschriebene „Nacht der blutigen Schwerter“ wieder. Es gibt noch ein paar weitere Actionszenen, die wirklich lesenswert und spannend sind. Dazu kommen aber auch Nachrichten, die Mara von ihrem Geheimdienstchef Arakasi erhält. So hat etwa ein Ereignis auf der Welt Midkemia erhebliche Konsequenzen für Kelewan und Mara: Bei einem Verrat der Midkemier werden etliche Lords der Tsurani getötet, darunter auch Lord Desio, der amtierende Minwanabi-Lord. Dadurch wird automatisch sein Cousin Tasaio Nachfolger auf dem Minwanabi-Thron und Mara muss sich nun wirklich in Acht nehmen.

Fast noch wichtiger ist die Nachricht, dass sämtliche Dimensionstore nach Midkemia geschlossen wurden, von wem auch immer. Deshalb erscheint Maras Besuch beim kaiserlichen Lordsiegelbewahrer, also dem Chef der Bürokratie, zunächst ziemlich witzlos. Erst im grandiosen Finale stellt sich heraus, dass sie mit ihrem Antrag auf Handelsbeziehungen mit Midkemia ein Monopol erlangt hat, das ihre Stellung im Hohen Rat erheblich stärkt.

Ihr gelingt es dadurch, den eigenen Clan Hadama auf sich einzuschwören, wodurch alle folgenden Auseinandersetzungen zu Clan-Konflikten werden. Kein Einzellord kann mehr ungestraft seinen Nachbarn angreifen, ohne dass es Sanktionen von Seiten dessen Clans gibt. Das trägt einerseits zur Befriedung Kelewans bei, vergrößert aber gleichzeitig die Dimension der Konflikte: Am Ende steht eine Schlacht zwischen Maras Hadama-Clan und Tasaios Shonshoni-Clan kurz bevor, wobei hunderttausende von Kriegern beteiligt sind. Kann Mara das Ruder herumreißen?

Die INSIDE-Story ist wesentlich weniger wichtig, wenn es um Politik geht, doch für Mara und Kevin hat sie die gleiche Bedeutung. Und weibliche Leser dürften sie mit weitaus größerem Interesse verfolgen als irgendwelche Schlachten.

Maras Problem mit Kevin ist folgendes: Sie kann keinen Sklaven heiraten. Ganz einfach deshalb, weil vor dem tsuranischen Gesetz Sklaven keine Personen, sondern lebende Gegenstände wie Haustiere sind. Uns würde es ja auch nicht einfallen, einen Hund zu heiraten, oder? Na also. Nichtsdestotrotz liebt Mara ihren Leibsklaven Kevin, auch wenn andere das anstößig finden. Aber zumindest keiner aus ihrem Hofstaat, der ihn mal kämpfen gesehen hat.

Doch Mara wird ja auch nicht jünger und muss standesgemäß heiraten. Das hat auch politische Gründe, wie alles auf Kelewan. Prinz Hokanu von den Shinzawai ist weder blöd noch hässlich, sondern ziemlich verständig und ansehnlich – und sein Haus ziemlich mächtig. Der ideale Heiratskandidat! Wenn da nur Kevin nicht wäre. Während sie schon vor Gewissensbissen ihm gegenüber schlaflose Nächte hat, kommt ihr der kaiserliche Befehl, alle midkemischen Sklaven auf ihre Heimatwelt zurückzubringen, irgendwie auch zupass. Auch wenn es ihr fast das Herz im Leib zerreißen will, nimmt Mara Abschied von ihrem nichts Böses ahnenden Liebling, der in ihrem Schoß ein Erinnerungsstück zurückgelassen hat …

Diese kaiserlichen Befehle tauchen im vierten Band auffällig häufig auf, um drastische Wendungen einzuleiten, und sie werden häufig nicht erklärt. (Den Autoren liefert das natürlich ein wohlfeiles Instrument, um ihren Plot in die richtige Richtung zu steuern – oder ist es vielmehr andersrum?) Der Kaiser ist nun nicht mehr das geistige Oberhaupt, sondern eine politische Macht, mit der zu rechnen ist. Und Mara kapiert dies früher und klarer als alle anderen …

|Die Übersetzung|

Ich bin an drei Stellen auf merkwürdige Ungereimtheiten gestoßen. Man muss sie nicht unbedingt als Fehler auffassen, aber man könnte darüber streiten.

Auf Seite 164 heißt es: „Man wird dich wegen untsuranischer Ansichten in Bausch und Bogen aus dem Rat jagen.“ Man kann eine Sache „in Bausch und Bogen“ ablehnen, also in ihrer Gesamtheit, aber auf Menschen wird diese Redewendung normalerweise nicht angewandt. Wesentlich logischer erscheint die Redewendung „mit Schimpf und Schande“. Und es alliteriert sich ebenfalls.

Auf Seite 275 wird ebenfalls ein bekanntes Wort falsch verwendet. „Es war ein fassungsloser Vorgang, der mit jeder Tradition, jeder Vorrangstellung brach.“ Weil aber nur Menschen fassungslos sein, also die Fassung verlieren können, ist das Wort „fassungslos“ im Zusammenhang mit einem abstrakten Vorgang fehl am Platze. Korrekt müsste es „unfassbar“ heißen.

„Um das Wohl des Kaiserreiches Willen rufe ich den Lord der Tonmargu“, heißt es auf Seite 446. Der arme Genitiv, das hat er nicht verdient. Wenigstens macht ihm diesmal nicht der Dativ, sondern der Nominativ den Garaus. Weil „Willen“ hier den Genitiv verlangt (wie in „um Gottes Willen“) müsste es richtig heißen: „Um des Wohles des Kaiserreiches Willen …“

_Unterm Strich_

Von der Klosterschülerin zur First Lady – nun ja, beinahe – in nur zehn Jahren. Eine beachtliche Leistung für eine Siebzehnjährige, die schon mit der Welt abgeschlossen hatte. Dieses wahre Wunderkind hat das allerdings nur geschafft, weil sie die bedingungslose Loyalität und Liebe ihres Hofstaates besitzt. Gepriesen sei Lashima, die Göttin der Weisheit, der Mara ihr Leben weihen wollte! Glückliches Kelewan, das von einer solchen Frau von Grund auf umgekrempelt wird!

Der Kelewan-Band Nummer vier wartet mit der bereits gewohnten Mischung aus Actionszenen, Meisterstücken der Diplomatie und herzzerreißenden Szenen menschlichen Dramas auf, so dass eigentlich jeder Leser und jede Leserin zufrieden sein sollte. Nur ich mal wieder nicht. Zu offensichtlich sind die plumpen dramaturgischen Eingriffe der Autoren, so dass es im Getriebe der Handlung mächtig knirscht.

Auch Maras Beziehung zu ihrem lieben Kevin wollte mir gar nicht gefallen – wahrscheinlich kann ich solchen Schoßhündchen wenig abgewinnen. Wenn am Schluss Mara (wie in jedem Band) triumphiert – natürlich in aller Bescheidenheit -, so hat dies doch einen bitteren Beigeschmack angesichts der Opfer, die sie hinter sich zurücklässt. Der erste Gesamtroman gefiel mir besser. Mal sehen, wie der dritte Gesamtroman (die deutschen Bände 5+6) wird.

|Originaltitel: Servant of the Empire, Kap. 15-27, 1990
Aus dem US-Englischen übertragen von Susanne Gerold|

Bujold, Lois McMaster – Cetaganda (Barrayar-Zyklus)

„Cetaganda“ ist ein spannender Agentenroman aus Lois McMaster Bujolds SF-Welt, die sich als |Barrayar|-Universum nun schon dem vollen Dutzend Bände nähert.

Ausgewählte Bände aus dem Barrayar-Zyklus (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

– Die Quaddies von Cay Habitat (Vorstufe zum Barrayar-Zyklus)
– Scherben der Ehre (Band 1)
– Barrayar (2) (Band 1 & 2 neu als [„Barrayar – Cordelias Ehre“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=865 bei |Heyne|)
– Der Kadett (3)
– Der Prinz und der Söldner (4)
– Cetaganda (5)
– Ethan von Athos (6)
– Waffenbrüder (7)
– Spiegeltanz (8)
– Viren des Vergessens (9)
– Komarr (10)
– Die Grenzen der Unendlichkeit (Episodenroman mit Miles-Abenteuern)

Mit „Cetaganda“ liefert die erfolgreiche Autorin Lois McMaster Bujold nun netterweise eine kleine Chronologie, die es erlaubt, die Geschehnisse ihrer Romane zeitlich einzuordnen, da die Veröffentlichungen nicht immer dieser Reihenfolge entsprachen. Insbesondere „Grenzen der Unendlichkeit“ verteilt die Abenteuer von Miles Vorkosigan über die gesamte Frühphase seiner Entwicklung. Auch „Cetaganda“ ist der „frühen Miles-Phase“ gewidmet und spielt sechs Jahre vor den Ereignissen in „Spiegeltanz“. Miles ist 22 Jahre alt.

_Hintergrund_

Die |Vor| auf dem Planeten Barrayar sind eine Militärdynastie, die sich ständig mit dem Nachbarreich Cetaganda in den Haaren liegt. Miles Vorkosigan ist zwar Angehöriger dieser Dynastie, hat aber wegen eines Giftanschlags, dem seine Mutter zum Opfer fiel, scheinbar nur geringe Überlebenschancen: Seine Knochen sind spröde wie Glas und er ist kleinwüchsig. Diese Mängel macht er durch Grips, Mut und ein flottes Mundwerk wieder wett.

In einer Periode des Barrayar-Zyklus, der zur Zeit wieder neu aufgelegt wird, führt Miles seine private Söldnerflotte der Dendarii von Gefecht zu Gefecht – unter dem Decknamen Miles Naismith. Diese verdeckten Operationen sind von seinem Kindheitsfreund, dem Kaiser Gregor von Barrayar, abgesegnet. Ansonsten arbeitet er meist für den kaiserlich-barayaranischen Geheimdienst. In Elli Quinn wird er wohl seine Lebensgefährtin finden.

_Handlung_

Nach den immer wieder auftauchenden kleinen Bemerkungen oder Storys (siehe „Grenzen der Unendlichkeit“) war es an der Zeit, Näheres zu erfahren über den schlimmsten Feind der Barrayaner: Cetaganda. Miles Vorkosigan und sein Cousin Ivan Vorpatril stellen die barrayanische Delegation, die zu den Trauerfeierlichkeiten nach dem Tod der Kaiserinwitwe nach Cetaganda reist.

Zunächst wird ihre Fähre, die sie zum Planeten bringen soll, auf ein abgelegenes Terminal umgeleitet. Noch verwirrender erweist sich jedoch das Auftauchen eines Fremden in der Luftschleuse, der eine Nervendisruptor-Waffe bei sich trägt. Der agile Ivan stürzt sich auf den Fremden und entwaffnet ihn. Dabei verliert der Mann auch noch ein weiteres längliches Objekt, das Miles ebenfalls an sich nimmt. Danach verschwindet der Fremde. Von der Attacke gibt es keine Videoaufzeichnung, weil jemand die Monitore zuvor deaktiviert hat.

Danach werden Ivan und Miles mit ihrer Fähre zum korrekten Andockterminal geleitet. Dort hat man keine Ahnung von dem, was soeben passiert ist. Und obwohl Ivan Blut und Wasser schwitzt, macht Miles keine Andeutungen, das etwas Ungewöhnliches passiert sein könnte. Er ahnt, dass derjenige, der den Angriff in Auftrag gegeben hat, genauso gut auch Verbindungen zu den obersten Ebenen im cetagandanischen Sicherheitsdienst haben kann. Wie sich zeigt, liegt er damit völlig richtig.

Am Abend der Ankunft schnuppert Miles mal hinein in die hiesige Gesellschaft. Gastgeber der Party ist ein gewisser Lord Yenaro, der besonders stolz auf eine Multimediaskulptur ist. Da Ivan sie schon betreten hat, sieht auch Miles keine Gefahr für sich und seine zerbrechliche Konstitution. Er ist nur wenige Schritt gegangen, als seine stählernen Beinschienen zu glühen anfangen und ihm die Haut verbrennen. Mit Müh und Not schafft er es in Sicherheit. Offenbar trachtet man ihm nach dem Leben. Oder ist Barrayar das Ziel des Komplotts?

Am nächsten Tag soll der Verstorbenen die letzte Ehre erwiesen werden. Vorwitzig tritt Miles aus der Reihe der Kondolenten heraus und entdeckt direkt neben dem Katafalk der Toten eine weitere Leiche: Es ist der vermeintliche Attentäter vom Vortag. Er hat sich angeblich selbst die Kehle aufgeschlitzt. Warum aber dann in solcher Öffentlichkeit?

Durch kriminalistische Nachforschungen gewinnt Miles bald ein klareres Bild von der Lage. Der Tote war Ba-Lura, und die Ba sind die Neutren innerhalb des herrschenden Volkes der Haud. Die Haudfrauen sind stets hinter Energieschilden verborgen, so dass kein Barrayaraner weiß, wie sie aussehen. Die Haudmänner – nun, der Kaiser Fletchir Giaja ist von schlankem, elfenhaftem Wuchs. Miles hat keine Hoffnung, ihn jemals aus der Nähe sehen zu dürfen.

Das Siegel auf dem geheimnisvollen Gegenstand, der ihm in die Hände gefallen ist, erweist sich als uralt. Es ist das Siegel der Sternenkrippe der Haud, dem geheimen Genomprojekt, das alle genetischen Daten der cetagandanischen Herrscherrasse beherbergt und zu verbessern sucht. Die Hüterin der Sternenkrippe war bis ihrem Tod die Kaiserinwitwe. Ba-Lura war ihr langjähriger Mitarbeiter und vielleicht auch Freund. Warum hatte ausgerechnet dieser Geheimnisträger zwei Ausländer kontaktiert? Steckt mehr dahinter?

Eines Abends wird Miles an einen geheimen Treffpunkt eingeladen. Er hat das Privileg, eine Haud-Frau von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Haud Rian ist so wunderschön, wie man sich Galadriel vorstellt, allerdings mit schwarzem Haar. Oja, und sie will das geheimnisvolle Objekt zurückhaben. Ob Lord Vorkosigan wohl die Güte hätte? Hat er nicht! Er will Infos.

Und er bekommt sie zur Genüge: Der kurze Einblick in das, was die Sternenkrippe vorhat und welche Rolle der Gegenstand darin spielt, kommt einem Blick in den Abgrund gleich. Und dieser Abgrund droht die Galaxis um Cetaganda zu verschlingen – und natürlich auch Barrayar …

Die schwer durchschaubaren Feinheiten der cetagandischen Gesellschaftsstruktur zwingen Miles, der nun extrem heikles Wissen erworben hat, zu riskanten Gratwanderungen auf dem diplomatischen Parkett und zu waghalsigen Improvisationen, die seinem Botschafter Vorob’yev den Angstschweiß und dem barrayaranischen Sicherheitschef Vorreedi die Zornesröte ins Gesicht treiben. Ob das wohl gut geht?

_Mein Eindruck_

Was mag wohl die Autorin dazu bewogen haben, solch einen Roman zu schreiben? Ich stelle ein paar begründete Vermutungen an. Bujold reizte wohl vor allem das Thema „alternative Methoden der Fortpflanzung in Herrscherhäusern“. Und darum dreht sich ja das Sternenkrippe-Projekt der Haud auf Cetaganda. Allerdings ist es nicht beschränkt auf eine Kaste, sondern betrifft die komplette Rasse der Haud. Kein Haud darf ohne Genehmigung der Sternenkrippe – welch passender Name! – sein Erbgut in eine geplante Verbindung einbringen. Nur so wird die Rasse als Ganzes optimiert.

Dazu muss man natürlich wissen, dass die seit Jahrmillionen bewährte Methode der menschlichen Forpflanzung schon längst abgeschafft worden ist, vor allem aus ästhetischen Gründen (Schwangerschaftsstreifen etc. sind unbekannt) , aber auch aus Gründen der besseren Planbarkeit der Gen-Kombinationen und der Manipulation des Erbguts selbst. Über die Trägerinnen des Haud-Gene, die Frauen, verschafft sich die Herrscherrasse auch Kontrolle über die Rasse der Ghem auf Cetaganda. Die Ghem sind vor allem Militärs und machen die Drecksarbeit für die Haud. Aber sie stellen auch die Gouverneure auf den acht Planeten der Cetagandaner.

Es dauert eine Weile, bis Miles kapiert hat, dass die Haud-Gemahlinnen der acht Gouverneure ihre Loyalität vor allem der Sternenkrippe schulden und sonst niemandem. Wenn also Lord X, der finstere Drahtzieher hinter den Anschlägen und dem Mord an Ba-Lura, etwas mit der Sternenkrippe vorhat, dann dürfte mit einiger Berechtigung angenommen werden, dass auch eine Haud-Gemahlin dieses Gouverneurs X darin verwickelt ist. Und noch jemand hoch oben in der Hierarchie des Sicherheitsdienstes. Miles wird klar: Hier wird hoch gepokert. Wenigstens ist die Haud Rian auf seiner Seite.

Das Thema „Fortpflanzung als Machtmittel“ ist natürlich für jede Frau, sprich: Leserin von gewisser Bedeutung. Das macht wohl zum Teil auch den Erfolg der Barrayar-Romane aus. Bujold hat das Thema daher erneut aufgegriffen, und zwar in Verbindung mit Klonprojekten (in „Waffenbrüder“ und „Spiegeltanz“).

Ein weiterer Grund, warum die Barrayar-Romane regelmäßig mit Leser-Auszeichnungen, den |HUGO Awards|, überschüttet werden, liegt in der bodenständigen Ironie, mit der Miles alle Dinge betrachtet. Das ist echter Yankee-Humor und zuweilen ziemlich schwarz. Kostprobe gefällig?

|Miles: „Ghem-General Estanis hat Selbstmord begangen – es war doch Selbstmord, nicht wahr?“
„Auf eine unfreiwillige Weise“ antwortete Vorb’yev. „Diese cetagandanischen politischen Selbstmorde können schrecklich blutig werden, wenn die Hauptperson nicht kooperieren will.“
„32 Stichwunden im Rücken, der schlimmste Fall von Selbstmord, den man je gesehen hat“, murmelte Ivan, sichtlich fasziniert von entsprechenden Gerüchten.| (Seiten 38/39)

Darüber hinaus macht Miles in Gedanken ständig defätistische Kommentare, die jedes Aufkommen von Pathos im Keim ersticken. Auch tabuisierte Körperzonen sind davon nicht ausgenommen. Ein prächtiges Kerlchen mit einem goldigen Humor, dieser Miles.

_Die Übersetzung_

Michael Morgental gelingt ein geradezu salopper Tonfall, um damit den Text aufzulockern, der doch mit schwierigen Sachverhalten gespickt ist. Aber auch er kann nichts gegen Fehler der Autorin ausrichten. So hat mich auf Seite 34 der Ausdruck „asymptotisch zunehmende Schärfe“ stutzig gemacht. Eine Asymptote ist eine Kurve, die nie ihr Ziel erreicht, sich ihm aber unendlich weit annähert. Das trifft für „Schärfe“ wohl weniger zu. Vielleicht hat die Autorin den Ausdruck „exponentiell“ gemeint, der weitaus passender ist: Wenn es um Geldstrafen, Gebühren usw. geht, erscheint ein exponentielles Wachstum durchaus plausibel. Aber kein asymptotisches.

Auf Seite 92 fehlt ein halber Satz: „(…), wenn seine anderen ehelichen Verbindungen vielleicht schon etwas an Frische.“ Was fehlt? Mögliche Fortsetzung: „… verloren haben.“

Auch auf Seite 192 kommt mir folgender Ausdruck seltsam vor: „(Ivan) verbeugte sich mit ächzender (!) Ironie und ging hinaus.“ Da es nicht Ivan ist, sondern Miles, der krank ist, erscheint „ächzend“ hier deplatziert. Ob es wohl „ätzend“ heißen sollte? Das würde hier einen Sinn ergeben.

Diese Fehler werden hoffentlich in der Neuausgabe im Sommer ausgebügelt oder wenigstens erklärt.

_Unterm Strich_

In bewährter Manier versteht es Lois McMaster Bujold, Kultur und politisches System des cetagandischen Imperiums vor den Lesern auszubreiten, verpackt in eine wie immer spannende Detektiv- und Agentenstory. Wieder einmal münzt Miles seine vermeintlichen Schwächen – dünne Knochen, geringe Körpergröße – bravourös in eine starke Vorstellung um. Seine ironischen Bemerkungen machen jeden Auftritt zu einem Vergnügen. Und der Showdown lässt schließlich auch nicht auf sich warten.

Der Barrayar-süchtige Leser wird die neuen Informationen sicher ebenfalls dankbar aufnehmen, denn damit rundet sich endlich das Bild des Barrayar-Universums ab. Dennoch wäre mir eine bessere oder offensichtlichere Einbindung in den Zyklus lieber gewesen, denn bislang ist nicht ersichtlich, dass Miles das Wissen, das er sich hier aneignet, später irgendwo verwendet hätte (vielleicht in „Viren des Vergessens“, aber das habe ich – noch – nicht gelesen).

|Originaltitel: Cetaganda, 1996
Aus dem US-Englischen übertragen von Michael Morgental|

Feist, Raymond / Wurts, Janny – Sklave von Midkemia, Der (Kelewan-Saga 3)

Nachdem die Acoma-Herrscherin Mara die ersten Anschläge auf ihr Leben überlebt hat, trachtet die nächste Generation ihres Erzfeindes, des Hauses Minwanabi, nach ihrem Leben. Doch diesmal soll eine zweistufige Strategie den totalen Erfolg bringen.

_Die Autoren_

Raymond Feist, geboren 1945 in Los Angeles, studierte an der Universität San Diego und war Fotograf und Spielerfinder, ehe er mit dem Schreiben begann. Fast alle seine Romane spielen auf der erfundenen Welt Midkemia, die zu Anfang ein regelrechter Mittelerde-Klon war, mit Elfen und Zwergen, die sich dann aber rasch weiterentwickelte und auch gewisse Science-Fiction-Elemente enthält. Dazu gehört der „Spalt“, den ich immer als Dimensionstor aufgefasst habe und der das „magische“ Tor zur Welt Kelewan bildet – in beide Richtungen. Die Midkemia-Romane sowie die Krondor-Saga wurden auch zu Rollenspielen verarbeitet; sie dürften mehr als zwei Dutzend Bände umfassen, speziell in den gesplitteten deutschen Ausgaben bei |Goldmann/Blanvalet|.

Janny Wurts, geboren 1953, eine amerikanische Autorin und Künstlerin, ist mit dem bekannten Illustrator Don Maitz verheiratet. Nach Verlagsangaben lebt sie in Florida. Ihr erster Roman „Sorcerer’s Legacy“ erschien 1982 und bediente sämtliche Klischees und Gesetze des Fantasygenres. Ihr „Feuer“-Zyklus (1984-88) hingegen mischt bereits Science-Fiction mit Magie. Die Kelewan-Trilogie, die sie 1987-1992 zusammen mit Raymond Feist schrieb, spielt in einem fantastisch überhöhten byzantinischen Kaiserreich. Ihre am besten ausgearbeitete Trilogie ist wohl „The Wars of Light and Shadows“, die 1993 bis 1995 erschien, aber erst vor wenigen Jahren bei |Bastei Lübbe| veröffentlicht wurde („Der Fluch des Nebelgeistes“, „Die Schiffe von Merior“ usw.).

Die Kelewan-Saga – eigentlich eine Trilogie – besteht aus folgenden Bänden:

Kelewan I = 1+2: Die Auserwählte; Die Stunde der Wahrheit (beide zusammen: Daughter of the Empire);

Kelewan II = 3+4: Der Sklave von Midkemia; Zeit des Aufbruchs (beide zusammen: Servant of the Empire);

Kelewan III = 5+6: Die schwarzen Roben; Tag der Entscheidung (beide zusammen: Mistress of the Empire).

Der Doppelband [„Die Kelewan-Saga I“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=861 erschien im November 2004, Kelewan II soll im Juni 2005 veröffentlicht werden. Der Schluss liegt nahe, dass Kelewan III im November 2005 auf den Markt kommt.

_Hintergrund_

Kelewan ist eine mit Midkemia durch den „Spalt“ verbundene Parallelwelt, die es zu erobern gilt, um Rohstoffe zu beschaffen, vor allem Metall, das auf Kelewan selten ist. Während Midkemia stark angelsächsisch beeinflusst ist, trägt Kelewan ganz andere Züge. Diese Kultur erinnert in ihrer Stagnation und Starrheit an altchinesische Dynastien, aber auch an das alte Byzanz, erfüllt von Machtkämpfen und Intrigen.

Die kleinen Adelshäuser konkurrieren um den Aufstieg in den Hohen Rat, der von den fünf Großen Häusern gestellt wird. Erst dort können sie Einfluss auf die Politik des Kaiserreiches nehmen, so etwa auf die Partei, die den langjährigen Spaltkrieg befürwortet. Daher wählt der Rat auch den Kriegsherrn. Über allem thront der gottgleiche, jedoch politisch machtlose Kaiser, eine Marionette des Rates.

Außerhalb dieser Hierarchie, jeglicher Gerichtsbarkeit und Weisungsbefugnis entzogen, stehen die Magier der „Schwarzen Roben“. Mit diesen Gestalten bekommt es unsere Heldin erst im dritten Band zu tun. Im ersten Band tauchen Zauberer als eine Art Theaterattraktion auf, ähnlich wie Gandalf im Auenland für das Feuerwerk zuständig ist. Die Schwarzen Roben sind einzig der unveränderten Erhaltung des Reiches verpflichtet, was sie zu einer Art Kardinalsliga macht.

Die Auseinandersetzungen um die Macht im Reich, das so genannte „Spiel des Rates“, folgt strengen, von der Geschichte scheinbar unabänderlich vorgegebenen Regeln. Die mächtigen Adelshäuser tragen ihre Differenzen mittels Intrigen, gedungenen Meuchelmördern und Verrat aus. Das erinnert stark an das Byzanz, das beispielsweise Guy Gavriel Kay in seinem [Sarantium-Zyklus]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=242 schildert.

_Vorgeschichte_

Mara ist siebzehn Jahre alt, als ihre Kindheit und Jugend abrupt enden. Jahrelang hat sie als Klosterschülerin gelebt und wurde in der Philosophie der Göttin Lashima ausgebildet. Gegen den Willen ihres Vaters, Lord Sezu Acoma, hat sie sich für ein Leben fern von der Welt entschieden. Doch gerade als sie endgültig das Gelübde als Nonne ablegen soll, unterbrechen sehr männlich klingende Stiefel die feierliche Zeremonie: Es sind die letzten überlebenden Soldaten des vernichteten Heeres ihres Vaters. In einer verheerenden Niederlage auf der Welt Midkemia hat sie neben dem Vater auch ihren geliebten Bruder Lano sowie zweitausend Krieger verloren. Sie ist jetzt die unumschränkte Herrscherin des Hauses Acoma, die Letzte ihres Geschlechts.

Schuld an dem Gemetzel auf Midkemia, so erfährt sie von ihrem Truppenkommandeur Keyoke, ist der Verrat des Hauses Minwanabi. Lord Jingu sollte eigentlich der Acoma-Armee zu Hilfe eilen, um den Feind an der Flanke anzugreifen. Als die Hilfe ausblieb beziehungsweise zu spät gewährt wurde, war von den Acoma nichts mehr übrig außer einem kleinen Häuflein, das sofort zur Heimatwelt zurückkehrte, um die letzte Angehörige der Herrscherfamilie zu ihren Pflichten zu rufen.

Mara ist zunächst von Trauer und Schmerz überwältigt. Sie begehrt als Erstes, die Trauerfeier abzuhalten. Dazu geht sie in den heiligen Hain des Anwesens und ehrt den Heimstein ihres Geschlechts, das auf eine weitaus längere Geschichte als das der Minwanabi zurückblicken kann. Prompt wird sie in diesem unbewachten Augenblick Opfer eines Mordanschlags. Nur die Gesetzesübertretung ihres getreuen Kämpfers Papeweio bewahrt sie vor dem frühzeitigen Tod. Sie schickt den Minwanabi das Zeichen der Blutfehde …

_Handlung von Band 3_

Nach dem rituellen Selbstmord von Lord Jingu, dem Oberhaupt des Hauses Minwanabi, übernimmt dessen Sohn Desio die Geschäfte. Sein Hass auf die „Acoma-Hexe“ Mara, die aus unbegreiflichen Gründen seinen Vater besiegen konnte, ist unermesslich. Sein Kanzler Incomo hat jedoch durch logisches Denken den Grund gefunden: Es müssen Spione der Acoma am Hofe sein. Zu dem gleichen Schluss ist auch schon Desios Cousin Tasaio gekommen, den man hat rufen lassen.

Tasaio ist ein ganz anderes Kaliber als der genusssüchtige, fette Desio – er ist der stellvertretende Kriegsherr Kelewans auf der Welt Midkemia. Sein militärisches Genie steht außer Frage. In kürzester Zeit hat er die Spione der Acoma ausfindig gemacht. Doch er lässt sie entgegen Desios Wunsch keineswegs hinrichten, sondern missbraucht sie für seine eigenen Zwecke. Nachdem er ihnen falsche Informationen untergeschoben hat, lockt er die beiden fähigsten Truppenführer Maras in eine ausgetüftelte Falle. Keyoke und Lujan ahnen ebenso wenig wie Mara, was sie erwartet.

Parallel dazu fädelt Tasaio einen langfristigen Plan ein, um Maras Truppen abzuziehen und ihr Land zu entblößen. Dazu versieht er Wüstenkrieger mit Waffen und lässt sie Länder des Hauses Xacateca angreifen. Der Xacateca-Lord Chipino wiederum ruft via kaiserlichen Boten Mara zu Hilfe. Sie kann das Ersuchen nicht ablehnen, ohne an „Ehre“ einzubüßen. Mit drei Kompanien Menschen und einer Kompanie Cho-ja-Soldaten setzt sie auf den Südkontinent über, ein mulmiges Gefühl im Magen. Das haben bestimmt die Minwanabi eingefädelt. Sie soll Recht behalten.

Doch zum Glück für Mara hat sie einen neuen Lover namens Kevin, der in der Welt Midkemia gefangen genommen und versklavt wurde. Sie hat ihn mit seinen Gefährten gekauft, um Weiden zu roden. Mit seinem unkonventionellen Denken vermag er sie ebenso zu verblüffen wie zu brüskieren. Weil Kevin fürchtet, wie alle anderen midkemischen Offiziere getötet zu werden, verheimlicht er ihr, dass er als Baron Truppen gegen Tasaio angeführt hat. Er kennt Tasaios durchtriebene Taktik.

Als die Entscheidungsschlacht – übrigens fachmännisch inszeniert – gekommen ist, sieht sich Kevin in der Klemme: Will er Mara und ihre Truppen vor dem Untergang bewahren, muss er ihr endlich enthüllen, dass er als ein Offizier über militärisches Wissen verfügt. Sein Leben oder ihres, das ist die Frage. Er entscheidet sich aus Liebe.

_Mein Eindruck_

Endlich kommt auch die Liebe in Maras Leben zu ihrem Recht. Doch was ist das für eine Liebe? Sie, die Herrscherin, nimmt sich unter den Sklaven aus der fremden Welt einen Geliebten, den sie jederzeit wieder ersetzen lassen kann, sollte er einmal ungehorsam sein – der Traum einer jeden dominanten Frau.

|Fallstricke der Liebe|

Allerdings hat Mara nicht damit gerechnet, dass der hochgewachsene und adelige Kevin nicht nur ihr Herz umgarnt, sondern auch ihre fest gefügten Auffassungen von kelewanischer Ehre durcheinander wirbelt. Mehr als einmal zahlt sich dies zu Maras Vorteil aus – sie ist in der Lage, flexibel und innovativer zu agieren als ihre konservativen Konkurrenten im Großen Spiel des Rates. Mit seinem militärischen Sachverständnis hilft Kevin auch der Streitmacht Maras und der Xacatecas, als er erkennt, welche ausgeklügelt eingefädelte Falle die Minwanabis aufgestellt haben.

|Widersprüche|

Würde man allerdings die Psychologie dieser Beziehung, die den gesamten zweiten Roman bestimmt, analysieren, stieße man auf einige Brüche und Widersprüche, die nur zugunsten von positivem Zusammenhalt übergangen oder gekittet werden. Warum ist beispielsweise Kevin emotional so abhängig von Mara, dass er bald wieder auf ihren Ruf hin zurückkehrt, nachdem sie ihn monatelang verbannt hat? Er findet bei ihr und ihrem Sohn eine Ersatzfamilie, könnte man sich sagen. Doch er sollte eigentlich wissen, dass er nie Teil der Erbfolge sein kann.

Und warum bestraft sie ihn nicht für seine ständigen Tabubrüche? Weil sie „im Grunde ihres Herzens“, wie man so schön sagt, einen starken Liebhaber braucht? Das ließe sie schwächer erscheinen, als Mara wirklich ist. Dass Kevin auch Qualitäten als Leibwächter und Ratgeber besitzt, beweist er noch stärker im vierten Band der Saga „Zeit des Aufbruchs“. Er selbst zahlt ebenfalls einen hohen Preis: Seine eigenen Leute, die als Sklaven auf dem Land der Lady Mara schuften, entfremden sich zunehmend von ihm. Man fragt sich, ob er überhaupt noch in seine Heimat zurückwill.

|Ein zweiter „Shogun“-Blackthorne?|

Es wäre ein schiefer Vergleich, wenn man Kevin mit Captain Blackthorne aus James Clavells Roman „Shogun“ in eine Reihe stellte. Blackthorne ist zu keinem Zeitpunkt Sklave, und seine Beziehung zu Lady Mariko ist die Liebe zu einer geächteten Außenseiterin (Marikos Vater ist ein Verräter). Außerdem genießt Blackthorne schon früh das Wohlwollen des Fürsten Toranaga, des späteren Shogun, des kaiserlichen Kriegsherrn.

_Unterm Strich_

Der dritte Band ist als Auftakt des zweiten Romans natürlich weniger stark auf Action ausgerichtet als ein Band, der ein Finale enthält. Dennoch finden hier zwei recht ansehnlich ausgebaute Schlachten statt. In ihrer fachmännischen Inszenierung meine ich den Sachverstand eines männlichen Autoren erkennen zu können, nämlich von Raymond Feist.

Ein Fan von Action-Fantasy kann sich kaum befriedigendere Kampfszenen wünschen. Frauen hingegen dürften die oben betrachtete romantische Seite der Handlung anziehender finden. Daher liefert auch Band 3 eine optimale Mischung an Elementen. Alles, was noch fehlt, sind Magier. Es sei nur so viel gesagt, dass Band 4 mit mehr als genug Magiern aufwartet, und zwar gleich im ersten Kapitel. Und da die Minwanabi und ihre Vasallen weiterhin Intrigen spinnen, ist auch für genügend Spannung gesorgt.

|Originaltitel: Servant of the Empire, Kap. 1-14, 1990
Aus dem US-Englischen übertragen von Susanne Gerold|

Foster, Alan Dean – Am Ende des Regenbogens

Da hatte ich mir doch wesentlich mehr erwartet. Alan Dean Foster zählt zu den Altmeistern der Szene, hat im Science-Fiction- wie Fantasy-Genre gleichermaßen faszinierende Romane abgeliefert. „Am Ende des Regenbogens“ (Kingdoms of Light) fällt leider nicht in diese Kategorie. Eine zwar routiniert erzählte Geschichte, auch stilistisch ist dem Autor kaum ein Vorwurf zu machen, aber so recht will der Funke nicht überspringen. Dafür ist der Roman letztlich zu unausgegoren, zu wenig prickelnd, in seiner Gesamtheit zu flach. Die Grundkonzeption erinnert an die weitaus gelungenere |Bannsänger|-Reihe. Während es dort den Protagonisten Jon-Tom Meriweather in eine Welt intelligenter und sprechender Tiere verschlägt – was gerade in den zahlreichen Szenen mit dem großmäuligen Otter Mudge für viele unterhaltsame Momente sorgt -, müssen sich hier diverse Tiere in Menschengestalt durch das arg handlungsarme Geschehen schleppen.

Khaxan Mundurucu, „ein Monster, Herrscher, seelenloser Schlächter von Männern und ein Frauenräuber“, wie es im Text so schön heißt, zudem auch noch den dunklen Künsten zugetan, belegt die Welt mit einem Fluch. Er raubt ihr alle Farben. Der angeblich mächtige Magier Susnam Evyndd wird bei dem Versuch, Munduruncu und seine Horden aufzuhalten, getötet. Sein letzter Zauber verwandelt seine Haustiere in Menschen. Oskar, der Hund, Taj, der Singvogel, die Schlange Samm sowie die Katzen Cocoa, Mamamitzi und Cezer finden sich schlagartig in menschlichen Körpern wieder – ihre Begeisterung hält sich stark in Grenzen. Eine schriftliche Botschaft ihres ehemaligen Meisters klärt sie darüber auf, was sie tun sollen: Um die Gothlanden, wie sich die heimatliche Gegend nennt, von der dunklen Horde befreien zu können, müssen die Farben wiederhergestellt werden. Das geheimnisumwitterte reine Weiße Licht der wahren Farbgebung soll von den Tieren gefunden werden, um eben dies zu bewältigen. Sie brechen auf, gewöhnen sich dabei langsam an ihre Menschenkörper und werden auf ihrer Reise durch die verschiedensten Welten mit allerlei Seltsamkeiten konfrontiert.

Gerade die fremden Sitten und Gebräuche, mit denen es die Weltenretter auf ihrer Reise zu tun bekommen, sollen dem Roman wohl die „Farbe“ geben. Leider verkehrt sich dies ins Gegenteil: So sonderlich exotisch ist das alles nicht, wirklich lustig – wie dann und wann zart angedeutet – auch nicht, sondern eher ziemlich oberflächlich und nur von mäßigem Unterhaltungswert. Logische Fehler, wilde Handlungssprünge und lieblos hingeworfene Charaktere tun ihr Übriges. Vielleicht hätte die Beschränkung auf eine Hauptperson, die sich in einem ungewohnten Körper wiederfindet und eine fremde Umgebung durchqueren muss, etwas retten können. Den gleich sechs Tieren, welche die Handlung tragen sollen, geht ein Eigenleben aber ab. Zur Bewertung: Ursprünglich stand hier mal ein gnädiges „Na ja“. Immerhin handelt es sich ja um einen Roman von Alan Dean Foster, so schlecht kann der doch eigentlich gar nicht sein, so die Intention. Genaueres Nachdenken förderte es aber zu Tage: „Am Ende des Regenbogens“ ist tatsächlich fast durchgängig laue Kost und beim besten Willen nicht zu empfehlen. Selbst die eher schnöden Auftragsarbeiten des Autors zu Filmen oder Serien zeichnen sich durch mehr Originalität aus und sind spannender zu lesen. Ein Vergleich mit den wirklich guten Titeln aus Fosters Feder – den erwähnten Bannsänger-Romanen oder seinem Homanx-Zyklus – verbietet sich.

© _Armin Rößler_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [buchrezicenter.de]http://www.buchrezicenter.de veröffentlicht.|

Feist, Raymond – verwaiste Thron, Der (Die Midkemia-Saga 2)

Dies ist der zweite Band in Feists äußerst erfolgreicher Midkemia-Saga, eine direkte Fortsetzung der Geschehnisse im Startband [„Der Lehrling des Magiers“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=864

_Der Autor_

Raymond Feist, geboren 1945 in Los Angeles, studierte an der Universität San Diego und war Fotograf und Spielerfinder, ehe er mit dem Schreiben begann. Fast alle seine Romane spielen auf der erfundenen Welt Midkemia, die zu Anfang ein regelrechter Mittlerde-Klon war, mit Elfen und Zwergen, die sich dann aber rasch weiterentwickelte und auch gewisse Science-Fiction-Elemente enthält. Dazu gehört der „Spalt“, den ich immer als Dimensionstor aufgefasst habe, und der das „magische“ Tor zur Welt Kelewan bildet – in beide Richtungen. Die Midkemia-Romane sowie die Krondor-Saga wurden auch zu Rollenspielen verarbeitet; sie dürften mehr als zwei Dutzend Bände umfassen, speziell in den gesplitteten deutschen Ausgaben bei Goldmann/Blanvalet.

_Handlung_

Zur Erinnerung: Der Planet Midkemia und im besonderen „Das Königreich“ erleidet durch eine Dimensionsbrücke, den „Spalt“, eine Invasion durch die kriegerischen Völker der Tsurani, die in erster Linie an den Erzen aus den Minen Midkemias interessiert sind. Magier beschützen die Tsurani-Truppe, so dass sich das Kriegsglück immer mehr zu Ungunsten der Verteidiger neigt. Es ist abzusehen, dass sie der nächsten Frühjahrsoffensive nicht standhalten können.

Der junge Zauberer Pug ist durch den Spalt auf die Tsurani-Welt Kelewan verschlagen worden. Zunächst als Sklave in den Sümpfen schuftend, wird schließlich seine Klugheit und seine Zauberkraft erkannt. Er erhält eine Ausbildung im magischen Zirkel und steigt gar zum Erhabenen auf, der nicht einmal dem Kaiser gehorchen muss. Leider muss er zuerst seine unterdrückte Erinnerung an seine Heimatwelt wiederfinden, bevor er zurückkehren kann. Auf Kelewan führt er einige Neuerungen ein, überhaupt macht er sich in der auf Bewahrung des Erreichten bedachten Gesellschaft und besonders bei der Kriegspartei unbeliebt.

Am Schluss gerät sein Weltenwechsel zu einer wilden Flucht. Doch gerade zur rechten Zeit, den der Frühjahrsfeldzug steht bevor.

Unterdessen auf Midkemia: Pugs Jugendfreund Tomas hat die Rüstung eines der längst vergangenen Drachenlords gefunden und angelegt. Nun plagen ihn Tag und Nacht Phantasien von Gewalt und Macht, die sogar seine neue Gemahlin, die Elbenkönigin, in Furcht versetzen. Doch als schließlich der mächtige Zauberer Macros auftaucht, erwacht auch Tomas aus seinem Albtraum und erkennt seine Pflicht. In einem schicksalhaften Zusammentreffen von Pug, Tomas, Macros, Midkemia- und Tsurani-Truppen findet schließlich eine Entscheidungsschlacht statt, die eigentlich als Friedensschluss zwischen König und Kaiser geplant war.

Dumm gelaufen oder von Macros arrangiert?

_Kurzes Fazit_

Die Erzählung ist in mehreren Strängen kunstvoll aufgebaut, und der Leser sollte stellenweise ein wenig Geduld aufbringen, bis mal wieder ein entscheidender Punkt in der Handlung erreicht ist. Dieser Szenen sind dann umso effektvoller. Feist versteht es immer wieder, den Leser zu fesseln. Dennoch ragt seine Saga zwar über die Masse der Genreproduktion hinaus, erreicht aber sicherlich nicht Tolkiens Niveau.

|Originaltitel: Magician: Master, 1982
Aus dem US-Englischen übertragen von Dagmar Hartmann|

Feist, Raymond / Wurts, Janny – Kelewan-Saga I, Die

„Nur wenige Gongschläge trennen die junge Mara von einem Leben hinter Klostermauern, da erfährt sie, dass ihr Vater und ihr Bruder auf der barbarischen Welt Midkemia im Kampf getötet wurden und dass sie jetzt das neue Oberhaupt des Hauses Acoma ist. Unterstützt von einer Handvoll treuer Soldaten und Bediensteter muss sie sich einer Aufgabe stellen, die schwieriger kaum sein könnte. Doch Mara ist entschlossen, die Acoma zu alter Größe zurückzuführen. Sie fasst einen waghalsigen Plan …“ So weit also der Klappentext; den kann man so stehen lassen.

_Die Autoren_

Raymond Feist, geboren 1945 in Los Angeles, studierte an der Universität San Diego und war Fotograf und Spielerfinder, ehe er mit dem Schreiben begann. Fast alle seine Romane spielen auf der erfundenen Welt Midkemia, die zu Anfang ein regelrechter Mittelerde-Klon war, mit Elfen und Zwergen, die sich dann aber rasch weiterentwickelte und auch gewisse Science-Fiction-Elemente enthält. Dazu gehört der „Spalt“, den ich immer als Dimensionstor aufgefasst habe und der das „magische“ Tor zur Welt Kelewan bildet – in beide Richtungen. Die Midkemia-Romane sowie die Krondor-Saga wurden auch zu Rollenspielen verarbeitet; sie dürften mehr als zwei Dutzend Bände umfassen, speziell in den gesplitteten deutschen Ausgaben bei Goldmann/Blanvalet.

Janny Wurts, geboren 1953, eine amerikanische Autorin und Künstlerin, ist mit dem bekannten Illustrator Don Maitz verheiratet. Nach Verlagsangaben lebt sie in Florida. Ihr erster Roman „Sorcerer’s Legacy“ erschien 1982 und bediente sämtliche Klischees und Gesetze des Fantasygenres. Ihr „Feuer“-Zyklus (1984-88) hingegen mischt bereits Science-Fiction mit Magie. Die Kelewan-Trilogie, die sie 1987-1992 zusammen mit Raymond Feist schrieb, spielt in einem fantastisch überhöhten byzantinischen Kaiserreich. Ihre am besten ausgearbeitete Trilogie ist wohl „The Wars of Light and Shadows“, die 1993 bis 1995 erschien, aber erst vor wenigen Jahren bei |Bastei Lübbe| veröffentlicht wurde („Der Fluch des Nebelgeistes“, „Die Schiffe von Merior“ usw.).

Die Kelewan-Saga – eigentlich eine Trilogie – besteht aus folgenden Bänden:

Kelewan I = 1+2: Die Auserwählte; Die Stunde der Wahrheit (beide zusammen: Daughter of the Empire);

Kelewan II = 3+4: Der Sklave von Midkemia; Zeit des Aufbruchs (beide zusammen: Servant of the Empire);

Kelewan III = 5+6: Die schwarzen Roben; Tag der Entscheidung (beide zusammen: Mistress of the Empire).

Der Doppelband „Die Kelewan-Saga I“ erschien im November 2004, Kelewan II soll im Juni 2005 veröffentlicht werden. Der Schluss liegt nahe, dass Kelewan III im November 2005 auf den Markt kommt.

_Hintergrund_

Kelewan ist eine mit Midkemia durch den „Spalt“ verbundene Parallelwelt, die es zu erobern gilt, um Rohstoffe zu beschaffen, vor allem Metall, das auf Kelewan selten ist. Während Midkemia stark angelsächsisch beeinflusst ist, trägt Kelewan ganz andere Züge. Diese Kultur erinnert in ihrer Stagnation und Starrheit an altchinesische Dynastien, aber auch an das alte Byzanz, erfüllt von Machtkämpfen und Intrigen.

Die kleinen Adelshäuser konkurrieren um den Aufstieg in den Hohen Rat, der von den fünf Großen Häusern gestellt wird. Erst dort können sie Einfluss auf die Politik des Kaiserreiches nehmen, so etwa auf die Partei, die den langjährigen Spaltkrieg befürwortet. Daher wählt der Rat auch den Kriegsherrn. Über allem thront der gottgleiche, jedoch politisch machtlose Kaiser, eine Marionette des Rates. Zumindest normalerweise …

Außerhalb dieser Hierarchie, jeglicher Gerichtsbarkeit und Weisungsbefugnis entzogen, stehen die Magier der „Schwarzen Roben“. Mit diesen Gestalten bekommt es unsere Heldin erst im dritten Band zu tun. Im ersten Band tauchen Zauberer als eine Art Theaterattraktion auf, ähnlich wie Gandalf im Auenland für das Feuerwerk zuständig ist. Die Schwarzen Roben sind einzig der unveränderten Erhaltung des Reiches verpflichtet, was sie zu einer Art Kardinalsliga macht.

Die Auseinandersetzungen um die Macht im Reich, das so genannte „Spiel des Rates“, folgt strengen, von der Geschichte scheinbar unabänderlich vorgegebenen Regeln. Die mächtigen Adelshäuser tragen ihre Differenzen mittels Intrigen, gedungenen Meuchelmördern und Verrat aus. Das erinnert stark an das Byzanz, das beispielsweise Guy Gavriel Kay in seinem [Sarantium-Zyklus]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=242 schildert.

_Handlung_

Mara ist siebzehn Jahre alt, als ihre Kindheit und Jugend abrupt enden. Jahrelang hat sie als Klosterschülerin gelebt und wurde in der Philosophie der Göttin Lashima ausgebildet. Gegen den Willen ihres Vaters, Lord Sezu Acoma, hat sie sich für ein Leben fern von der Welt entschieden. Doch gerade als sie endgültig das Gelübde als Nonne ablegen soll, unterbrechen sehr männlich klingende Stiefel die feierliche Zeremonie: Es sind die letzten überlebenden Soldaten des vernichteten Heeres ihres Vaters. In einer verheerenden Niederlage auf der Welt Midkemia hat sie neben dem Vater auch ihren geliebten Bruder Lano sowie zweitausend Krieger verloren. Sie ist jetzt die unumschränkte Herrscherin des Hauses Acoma, die Letzte ihres Geschlechts.

Schuld an dem Gemetzel auf Midkemia, so erfährt sie von ihrem Truppenkommandeur Keyoke, ist der Verrat des Hauses Minwanabi. Lord Jingu sollte eigentlich der Acoma-Armee zu Hilfe eilen, um den Feind an der Flanke anzugreifen. Als die Hilfe ausblieb beziehungsweise zu spät gewährt wurde, war von den Acoma nichts mehr übrig außer einem kleinen Häuflein, das sofort zur Heimatwelt zurückkehrte, um die letzte Angehörige der Herrscherfamilie zu ihren Pflichten zu rufen.

Mara ist zunächst von Trauer und Schmerz überwältigt. Sie begehrt als Erstes, die Trauerfeier abzuhalten. Dazu geht sie in den heiligen Hain des Anwesens und ehrt den Heimstein ihres Geschlechts, das auf eine weitaus längere Geschichte als das der Minwanabi zurückblicken kann. Prompt wird sie in diesem unbewachten Augenblick Opfer eines Mordanschlags. Nur die Gesetzesübertretung ihres getreuen Kämpfers Papeweio bewahrt sie vor dem frühzeitigen Tod. Sie schickt den Minwanabi das Zeichen der Blutfehde.

Angesichts der geringen Zahl ihrer Soldaten muss sie rasch etwas unternehmen, bevor der Angriff der Feinde – die Minwanabi sind nicht die einzigen – erfolgt. Ihre Amme und Beraterin Nacoya, die sie an Mutter statt aufgezogen hat, drängt sie dazu, möglichst bald zu heiraten. Sie wählt ein mächtiges Haus: die Anasati, eigentlich Feinde der Acoma. Sie hofft, ihren Gemahl kontrollieren zu können, sobald sie ihm einen Erben geschenkt hat. Sie wird bitter enttäuscht.

In den zweiten Hälfte (bisher „Stunde der Wahrheit“ betitelt) führt Mara nach der Geburt des Erben unmerklich, aber stetig den Untergang ihres treulosen und unfähigen Gatten Buntokapi herbei. Er hat in der nahen Stadt Sulan-Qu ein Haus bezogen, um dort mit seiner Mätresse Teani zusammen zu sein, ein Liebesnest. Zu ihrem Schrecken erfährt Mara, dass Teani eine Spionin der Minwanabi ist. Sie muss etwas unternehmen, bevor die Feinde entscheidende Vorteile erlangen …

Doch die richtige Prüfung ihres Könnens folgt erst noch. Das gesamte letzte Drittel des Romans ist dem Besuch der Burg ihrer Todfeinde gewidmet. Dorthin wurde sie zur Geburtstagsfeier des Kriegsherrn Almecho eingeladen (aber die Anasati nicht). Es ist klar, was Lord Jingu von den Minwanabi beabsichtigt: das Haus Acoma ein für alle Mal auszulöschen. Mara nimmt ihren Leibwächter Papewaio mit, doch sie hat nicht mit den Intrigen Teanis gerechnet.

_Mein Eindruck des Gesamtbandes_

In einer Gesellschaft, die Frauen als Menschen zweiter Klasse und Eigentum ihres jeweiligen Ehemanns – der sie verstoßen kann – ansieht, und ohne mächtige Verbündete muss sich Mara durch ihre Intelligenz, ihr Einfühlungsvermögen, ihren Ideenreichtum, aber auch durch ihr Durchsetzungsvermögen behaupten. Viele Ratgeber wollen sie in unterschiedliche Richtungen lenken. Ihre zunächst wichtigste Tat, um das Haus Acoma vor dem Untergang zu bewahren, ist jedoch etwas sehr Unkonventionelles.

Wie im alten Japan verlieren die Soldaten und Samurai ihre Ehre, sobald ihr Herrscher, durch ihr Verschulden oder nicht, getötet worden ist. Sie werden zu Grauen Kriegern (oder Ronin), die von den Herrscherfamilien als umherstreifende Banditen ohne Ehre und Loyalität betrachtet werden. Dies trifft auch für Maras ersten Gatten Buntokapi Anasati zu. Sie benötigt jedoch dringend Soldaten, Bauern, Handwerker als Ersatz für die verlorenen Krieger. Mit einer genial inszenierten Überraschungstaktik gelingt es ihr jedoch, eine Bande von über dreihundert Grauen Kriegern für sich zu gewinnen, vor allem durch Einfühlungsvermögen, Überredungskunst – und ein wenig Glück. Buntokapi hätte diese Ronin einfach abgeschlachtet.

Diese Aufgeschlossenheit und unkonventionelle Verhaltensweise führt dazu, dass sich weitere Ronin bei ihr melden, um durch den Eintritt in ihr „Haus“ wieder Ehre zu erlangen – und natürlich um ein Dach überm Kopf und eine warme Mahlzeit zu erhalten. Unter den Ronin befindet sich zu Maras Erstaunen auch der Geheimdienstchef eines eroberten und untergegangen Adelshauses. Seine Verbindungen erweisen sich als unschätzbar wertvoll. Anakasi ist es auch, der sie mit den Aliens, den Cho-ja, auf Kelewan bekannt macht.

|Starker Anfang|

Ich habe die erste Hälfte des Romans, die unter dem Titel „Die Auserwählte“ veröffentlichten wurde, in nur einem Tag gelesen, und in der gleichen Zeit die restlichen Kapitel, die als „Die Stunde der Wahrheit“ veröffentlicht wurden.

Die Handlung ist ebenso mitreißend wie die interessanten Figuren, mit denen uns das Autorengespann bekannt macht. Allerdings muss ich zugeben, dass ich die ersten zwei Drittel – bis etwa Seite 230 – wesentlich actionreicher und interessanter fand als den ganzen Rest des ersten Bandes. Vor allem die darauffolgende Hochzeit mit dem stiernackigen Kämpfer Buntokapi fand ich ziemlich öde. Diese Dumpfbacke dient hauptsächlich dazu, unserer lieben und tapferen Mara blaue Flecken zu verpassen und ein Kind zu machen. Mara dürfte nicht die Einzige sein, die Mordgedanken hegt.

|Starkes Finale|

Das letzte Drittel des zweiten Bandes ist ein Meisterstück von kalkulierter Handlungsführung, die ein Maximum an Spannung erzeugt. Mara sieht sich dem bevorstehenden sicheren Tod gegenüber, und die listig-verführerische Teani tut das Ihre, um für einen baldigen Tod der „Acoma-Hexe“ zu sorgen. Der Plan hätte auch Erfolg gehabt und der gastgebende Lord Jingu wäre mit einem blauen Auge davongekommen, wenn es nicht einen Joker im Spiel gäbe: zwei Magier, die der Kriegsherr Almecho vom kaiserlichen Hof mitgebracht hat. Dieses Finale ist nicht gut für die Fingernägel, die unweigerlich dran glauben müssen. Ich konnte diesmal auch keine Übersetzungsfehler feststellen, im Gegensatz zum ersten Band.

|Alter Fehler|

In diesem letzten Drittel des ersten Halbromans stieß ich frustiert auf einen alten Fehler, den Autoren machen, um die Handlung zu beschleunigen: Sie berichten statt zu erzählen. Das Buch liest sich dann wie eine langweilige Chronik der laufenden Ereignisse statt wie ein Roman, der aus einer Folge von Szenen gebildet wird. Chroniken sind jedoch sterbenslangweilig, weil im Grunde nichts passiert. Zum Glück hält sich diese Passage in Grenzen und endet mit der Geburt des ersten männlichen Erben der Acoma.

|Die Übersetzung …|

… von Susanne Gerold ist zu 99,9 Prozent gelungen. Doch auf Seite 203 stetht ein dicker Fehler, den man zunächst vielleicht überliest. Hier heißt es: „[…] Ihr seht alle so fremd aus – beängstigend.“ Sie [die Alienkönigin] wandte sich an Mara. „Allerdings seht Ihr weniger beängstigend als auch die Männchen.“ Was gemerkt? Es müsste heißen: „… weniger beängstigend aus als die Männchen.“

Ein weiterer Fehler entging auf Seite 265 der Qualitätskontrolle. Es geht darum, dass die Klosterschülerin Mara bislang keine Erfahrung mit Männern im horizontalen Nahkampf gesammlt hat. Nacoya hatte ihr vorgeschlagen, einen sanften Mann zwecks Unterweisung kommen zu lassen, doch Mara hatte das Angebot abgelehnt. „[…] daß Mara ihren Rat abgeschlagen und sich geweigert hatte, sich durch eine sanfte (Achtung!) Bewegung mit einem Mann aus der Ried-Welt [= Gigolo] Kenntnisse über Männer zu verschaffen.“ Statt „Bewegung“ müsste es eigentlich „Begegnung“ heißen. Das dürfte wohl mehr Sinn ergeben.

_Unterm Strich_

Die Kelewan-Saga ist erstklassiges Fantasyfutter für Leser, die Abenteuer, Action, große gesellschaftliche Szenerien und eine sehr lange Handlung mögen. Das Buch liest sich recht schnell, unter anderem deswegen, weil die Handlung flott voranschreitet, die Spannung nur selten – außer bei Hochzeiten – nachlässt, ständig neue Figuren eingeführt werden und die Leseabschnitte kurz sind. Hier bewährt sich die Erzählkunst des routinierten Raymond Feist. Das Finale des zweiten Bandes – also des ersten Romans – sucht in punkto Komplexität und Spannung seinesgleichen.

Während Feist offensichtlich für die klar und übersichtlich gestalteten Auseinandersetzungen zuständig war, widmete sich seine Ko-Autorin offenbar den weiblicheren Themen in Maras Leben, nämlich Haushalt, Kloster, Wirtschaft und vor allem die Hochzeit sowie alles, was damit verbunden ist.

Insgesamt kommt auch der Humor nicht zu kurz, und zwar vor allem in Form von leiser Ironie. Maras unkonventionelles Verhalten überrascht doch etliche Leutchen in der Hierarchie der Tsurani. Andererseits bringt es ihr ungewöhnliche Freunde wie etwa die neue Königin der Cho-ja-Aliens ein.

Wer farbige Abenteuer mit einem Touch Sozialkritik und einer tapferen, intelligenten Frauenfigur im Mittelpunkt mag, liegt bei der Kelewan-Saga genau richtig. Angeblich ist der letzte Band der beste.

|Originaltitel: Daughter of the Empire, 1987
Aus dem US-Englischen übertragen von Susanne Gerold|

Grimwood, Ken – Replay – Das zweite Spiel

Manchmal sitzt man da, umgeben vom grauen Einerlei des Alltags, und träumt von der Vergangenheit, von verpassten und verpatzten Situationen. Wenn man die Chance hätte, würde man alles anders und besser machen. Natürlich besser, denn man kennt ja die Konsequenzen seines ersten Tuns, in manchen Bereichen auch die Entwicklung der Menschheit – wobei dies meist auf die Entwicklung des so genannten „Westens“ beschränkt ist. Was könnte man alles erreichen? Es gibt allerlei Möglichkeiten, die genau sich zu überlegen wenige Träumende durchhalten – zu schnell greift der Alltag nach einem und hinterlässt höchstens melancholische Gefühle oder Trauer um verpasste Gelegenheiten.

Nicht so Ken Grimwood (1944-2003): In „Replay“ beschäftigt er sich eingehend mit diesen Möglichkeiten und den Folgen, denn der normale Träumende lässt stets außer Acht, dass das veränderte Verhalten große Veränderungen zumindest des eigenen Lebens nach sich ziehen würde. So würde man nach einer „korrigierenden“ Entscheidung vor einer neuen Situation stehen und einem neuen Leben die Stirn bieten.

Der Protagonist seines Romans, Jeff Winston, scheint eine Zeichnung seiner Selbst zu sein: Ebenso wie Grimwood selbst ist Jeff Radiojournalist und wird in einigen seiner „Replays“ Schriftsteller. Ob allerdings Grimwood so unzufrieden mit seinem Leben war wie der Jeff seines Romans, bleibt pure Spekulation. Grimwood starb in Kalifornien.

Jeff Winston ist ein leicht übergewichtiger Mann, der seinen Traum vom großen Erfolg und dem Wechsel zum Fernsehen aufgegeben hat. Zwar hat er eine gute Stellung bei seinem Radiosender, aber reich und zufrieden wird er damit nicht. Als seine Frau anruft, erkennt er deutlich, wie sehr sie sich auseinander gelebt haben. Ein richtiges Gespräch wäre dringend nötig, aber Jeff hört die Worte seiner Frau: „Wir brauchen dringend …“ – und bevor sie ausreden kann, schießen ihm alle möglichen Varianten durch den Kopf von Dingen, die sie dringend brauchten und die seine Frau jetzt von ihm verlangen könnte. Zum Beispiel ein Duschvorhang. Weitere Worte hört er gar nicht, denn ein brutaler Schmerz zerreißt seine Brust. Typischer Herzinfarkt. Jeff ist nur ungläubig, als er seinen Tod mitverfolgt.

Jeff erwacht in seiner Junggesellen-WG auf dem Campus seines Colleges und denkt anfangs an einen bösen Traum. Natürlich kommen ihm Zweifel, wie man sein ganzes Leben so präzise hätte träumen können, doch die verschiedenen Begegnungen und Situationen in den folgenden Tagen wirken bis auf Kleinigkeiten so bekannt auf ihn, dass er schließlich die Probe aufs Exempel machen will. Mit Achtzehn ist er nun wieder zu jung, um Wetten abzuschließen, also sucht er sich einen älteren Studenten und lässt ihn als vierzigprozentigen Teilhaber seine gesamten Ersparnisse in einem Pferderennen setzen, an dessen Ausgang er sich aus seinem ersten Leben erinnert.

Der Erfolg spornt ihn an, er wird durch weitere Einsätze und Börsenspekulationen reich, gründet eine Firma – bis er im gleichen Alter wie damals plötzlich einen Herzinfarkt erleidet, unter den gleichen, fast schon vergessenen Schmerzen.

Im übernächsten „Replay“ findet er sich schnell zurecht und setzt alles auf schnellen Reichtum. Trotzdem ist er deprimiert und verzweifelt, sucht diesmal die Erlösung in Sex und Drogen. Er sieht keinen Sinn in seinem Schicksal und versinkt in Selbstmitleid. Sein Tod kommt nicht überraschend, nachdem er im zweiten Durchlauf alles umsonst auf ein gesundes Herz gesetzt hat.

Einige Replays später, nachdem er verschiedene Variationen seines Lebens durchlebt hat und sogar den Mord von JFK verhindern wollte (mit dem Resultat, dass ein anderer Mann als Mörder hingerichtet wurde), stößt Jeff auf einen Film, den er nicht kennt und der ein beispielloses Meisterwerk wird. In ihm sind alle damals noch unbekannten Größen aus dem Filmgeschäft versammelt, unter anderem George Lucas und Steven Spielberg, deren Genie noch nicht erkannt war. Die Inhaberin der Filmgesellschaft, gleichzeitig Autorin des Drehbuchs, muss ebenso wie Jeff ein „Wiedergänger“ sein.

Ihrer beider gemeinsames Schicksal schweißt sie über verschiedene Replays zusammen, es entwickelt sich eine starke Liebe zwischen ihnen. Im Glauben, ihnen bliebe unendlich viel Zeit, unternehmen sie Versuche, andere Wiedergänger zu finden oder durch öffentliche Zukunftsseherei die Wissenschaft auf ihr Problem zu lenken. In letzterem Fall verursachen sie einen dramatischen Zusammenbruch der politischen Interaktion der ganzen Welt. Ihrem Ziel, aus diesem Kreislauf auszubrechen, kommen sie nicht näher.

Eine einzige Veränderung stellen sie fest: Die Dauer der Replays verkürzt sich in zunehmenden Intervallen – was erwartet sie, wenn die Wiederholungen dicht bei ihrem Tod beginnen, oder mit ihm zusammentreffen? Ewiges Leid? Endgültiger Tod? Grimwood zeichnet mit meisterhafter Leichtigkeit die Gefühlswelt und die Erlebnisse seines Protagonisten; erst stellt sich Erleichterung ein, als Jeff auf seine Gleichgesinnte trifft, dann fesselt uns die Tragik ihres Auseinanderlebens bis zur erneuten Annäherung. Durch die Verkürzung der Phasen entfernen sich die Wege des bewussten Wiederlebens der beiden voneinander, die festgelegten Wege ihres ersten Lebens beengen ihre Möglichkeiten umgekehrt proportional zur Dauer eines Replays.

Trotzdem läuft alles auf eine Erkenntnis hinaus, die sich allen Anstrengungen zum Trotz durchsetzt und einen Kompromiss zur Zufriedenheit aller Beteiligten zumindest zulässt. Es kommt darauf an, ein zufriedenes Leben zu führen und Differenzen in der Partnerschaft frühestmöglich zu klären. Grimwood gelingt es auf subtile Art, seinem Protagonisten Charaktertiefe und ein gewisses Maß an Weisheit zu verleihen, beides vorstellbare Folgen eines durch viele Wiederholungen stark verlängerten Lebens. Das Wissen um Zusammenhänge, das sich vertieft und verfeinert, hebt Jeff aus der Masse seiner Mitmenschen heraus – ist aber gleichzeitig eine unüberwindliche Kluft.

Es ist eine Tragödie mit melancholischen Schwingungen zum Ende, in denen Grimwood doch Jeffs Entwicklung und dessen ruhige Abgeklärtheit hervorhebt und ihn nicht in Selbstmitleid versinken lässt. Denn ihm wird eines klar: Im Endeffekt gibt es immer nur |ein| Leben, das nur lebenswert gestaltet werden muss. Sind die Replays nun eine Strafe oder eine Belohnung, vielleicht auch ein „Augenöffner“ für das Leben? Wieso Jeff in ihnen gefangen ist, bleibt ungeklärt und spielt auch keine Rolle – entscheidend sind seine Erkenntnisse. Ein hervorragender Roman, aufgrund seiner Komplexität wohl zu schwer für den Durchschnittsjugendlichen, empfehlenswert aber für jeden Erwachsenen! Er ist fesselnd und flüssig zu lesen, ohne Längen und Hänger, und regt auf unterhaltsame Art zum Nachdenken an.

Hans Kneifel – Der Schläfer der Zeiten (Perry Rhodan. Lemuria 2)

Die guten Vorsätze und die Anfänge von Vertrauen, die sich durch Alemaheyus Luftgitarre anbahnten, scheinen durch das alte Misstrauen verdrängt worden zu sein. Die PALENQUE und die LAS-TOOR umkreisen manövrierunfähig den Planeten „Mentack Nutai“, auf dem erst kürzlich die Überlebenden der zweiten Sternenarche bruchlandeten. Eine noch unbekannte Macht entzieht den Schiffen jegliche Energie bis auf die Lebenserhaltung, merkwürdigerweise sind die Beiboote nur bedingt betroffen.

Perry Rhodan und einige Prospektoren und Akonen fliegen den Planeten an, um Kontakt mit den Gestrandeten aufzunehmen und möglichst mehr Informationen über die Sternenarchen und die damit verbundenen Rätsel zu finden. Sie stoßen meist auf hilflose Lemurer, die Zeit ihres Lebens nur an Bord eines Raumschiffs lebten und mit der Weite des Planeten sowie den überlebenswichtigen Aufgaben überfordert sind.

Der Kommandant der Arche, der „Sternensucher“ Atubur Nutai, notlandete mit seiner Kommandofähre abseits der Rettungsfähren. Hier erliegt er seinen Verletzungen, gepflegt von seiner Begleiterin Nydele. Sein Zellaktivator verhindert nicht seinen Tod.

Eine Energiesignatur lockt Rhodan und sein Team in den Norden, in die Eiszone, wo er erstmals auf intelligente Bewohner des Planeten trifft: Energiewesen, die für die Probleme der Mutterschiffe verantwortlich sind. In primitiven Kontaktversuchen erfahren die Menschen, dass die „Menttia“, die Energiewesen, bereits schlechte Erfahrungen mit ihresgleichen hatten und sich nur absichern wollen. Es bahnt sich gegenseitiges Verständnis an, als Rhodan auf eine uralte Station der Akonen stößt, die anscheinend einen Konflikt mit den Menttia austrugen. Dort treffen sie auf ein zerstörerisches Wesen, in dem Denetree den „Hüter“ der Sternenarchen und Rhodan seinen Freund Icho Tolot, den Haluter, erkennt …

Hans Kneifel schreibt seit Jahrzehnten für die Perry-Rhodan-Serie, mittlerweile nur noch sporadisch wegen seines doch recht hohen Alters. Der Fan freut sich über seine gelegentlichen Gastspiele. Kneifel schrieb den Großteil der Atlan-Zeitabenteuer und ist damit einer der „Väter“ dieser Figur, die sich unter den Lesern seit ihrem ersten Auftritt größter Beliebtheit erfreut. Zwischenzeitlich gab es eine eigene Serie um den Arkoniden Atlan, die neuerdings einen neuen Versuch wagt.

Im vorliegenden zweiten Band des sechsbändigen Taschenbuchzyklus „Perry Rhodan – Lemuria“ fügt Kneifel neue Fragen dem großen Rätsel hinzu, das sich um die Sternenarchen rankt. Antworten werden noch keine gegeben, aber das Flair des Kosmischen verstärkt sich noch und bildet die fesselnde Atmosphäre des Romans. Mit den Menttia führt Kneifel ein neues faszinierendes Volk ein, das sich an einen uralten Konflikt mit den Akonen erinnert. Die Akonen wiederum wissen nichts mehr davon, die Lemurer und Terraner schon gar nicht. Dank Rhodans zeichnerischer Künste lässt Kneifel so etwas wie ein Friedensabkommen zustande kommen. Von den wenigen hundert Schiffbrüchigen fühlen sich die Menttia nicht bedroht, und Rhodan kann klar machen, dass von den anderen Gruppen keine Aggressionen zu befürchten sind.

Leider scheint keinem der Handelnden, und damit Kneifel ebenfalls nicht, aufgefallen zu sein, dass der Kommandant der zweiten Arche als Sternensucher bezeichnet wird, während auf der ersten Arche die Sternensucher verfolgt und vernichtet wurden. Das wird natürlich seinen Grund haben, den wir jetzt noch nicht kennen. Trotzdem hätte das gerade Denetree auffallen müssen, da ihr Bruder doch als Sternensucher den Tod gefunden hat.

Die Zellaktivatoren der Kommandanten werden ein größeres Rätsel. In beiden Archen wird einer getragen, doch beide scheinen defekt zu sein: Der erste Kommandant altert trotz Aktivator, nur langsamer, und seine Beweglichkeit wird stark eingeschränkt, der zweite Kommandant, Atubur Nutai, unterzog sich einer regelmäßigen, unbekannten „Verjüngungskur“, in deren Verlauf er immer einen Teil seiner Erinnerungen verlor. Das ist eins der Rätsel, die es zu lösen gilt: Woher kommen die Aktivatoren, warum sind sie fehlerhaft?

Zu Beginn des Romans erfährt man von einem fremden schwarzen Kugelraumschiff, das sich in der Arche befindet. Durch die Darstellungen des „Hüters“ angeregt denkt der kundige Leser sofort an ein Haluterschiff – befindet sich einer an Bord dieser zweiten Arche? Bekanntlich erleidet die Arche Schiffbruch, und man erfährt, dass das schwarze Schiff bei der akonischen Station strandet. In dieser Station werden die Menschen um Rhodan fast von einem aggressiven Ungeheuer überrannt, das die Station zerstört. Rhodan erkennt seinen alten Freund Tolot. Neue Frage: Wie kann Tolot seit fünfzigtausend Jahren an Bord der Arche sein, wenn er aktuell mit Rhodan befreundet ist? Wir ahnen, dass es nicht Tolot sein kann, denn Kneifel lässt Rhodan zum Ende noch ein Funkgespräch mit ihm führen.

Die Miniserie macht einen faszinierenden Eindruck, anders als die Vorgängerserien zieht sie ihr Potenzial nicht aus Action, sondern aus der geheimnisvollen kosmischen Atmosphäre. Trotzdem handelt es sich um Fragen, die einem Serienneuling eventuell nicht viel bedeuten, da sie erst im Serienkontext ihre wahre Größe enthüllen. Unterhaltsam sind die Romane bisher allemal, ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis wird man schwerlich auf dem Buchmarkt finden. Insgesamt kann Kneifel nicht ganz an die Güte seines Vorgängers anschließen, trotzdem steigt die Spannung und macht Lust auf mehr. Im nächsten Band zeigt Andreas Brandhorst, wie er sich im Rhodan-Kosmos zurechtfindet. Man darf wirklich gespannt sein!

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 2,50 von 5)

Feist, Raymond – Lehrling des Magiers, Der (Die Midkemia-Saga 1)

Mit diesem Buch eröffnete Feist seinen Zyklus um die Fantasy-Welt Midkemia und schuf sogleich einen Klassiker: ein umfassendes Universum verschiedener Welten.

Allerdings macht sich hier der Einfluss von Tolkien noch sehr stark bemerkbar: Es gibt unterschiedliche Elbenvölker, desweiteren Drachen, Kobolde, Zwerge und natürlich Zauberer und Recken. Immerhin sind die Frauenfiguren weitaus lebensechter und realitätsnaher gezeichnet als beim alten Meister (sogar die Elfenkönigin!).

_Der Autor_

Raymond Feist, geboren 1945 in Los Angeles, studierte an der Universität San Diego und war Fotograf und Spielerfinder, ehe er mit dem Schreiben begann. Fast alle seine Romane spielen auf der erfundenen Welt Midkemia, die zu Anfang ein regelrechter Mittlerde-Klon war, mit Elfen und Zwergen, die sich dann aber rasch weiterentwickelte und auch gewisse Science-Fiction-Elemente enthält. Dazu gehört der „Spalt“, den ich immer als Dimensionstor aufgefasst habe, und der das „magische“ Tor zur Welt Kelewan bildet – in beide Richtungen. Die Midkemia-Romane sowie die Krondor-Saga wurden auch zu Rollenspielen verarbeitet; sie dürften mehr als zwei Dutzend Bände umfassen, speziell in den gesplitteten deutschen Ausgaben bei Goldmann/Blanvalet.

_Handlung_

Pug ist ein Waisenkind und hat kaum Chancen im Leben. Sein einziger Freund ist der Halbelf Tomas. Da nimmt ihn der Magier Kulgan in die Lehre, und es zeigt sich, dass Pug – er rettet damit Carline, der Tochter des Herzogs, das Leben – über eine neuartige Methode verfügt, Magie anzuwenden. Pug ist ein Held, Tomas hingegen lediglich ein unscheinbarer Schwertkämpfer – vorerst.

Beide können zeigen, was in ihnen steckt, als Soldaten von einer anderen Welt in den Westen des Königreichs einfallen. Die Armeen überfallen alles in der Nähe der Berge, deren Minen sie ausbeuten wollen. Pug, nunmehr in den herzoglichen Hofstaat aufgenommen, reist mit Kulgan und Herzog Borric über die Berge nach Osten, um den jungen König Rodric von der Gefahr zu unterrichten. Leider fallen den Angriffen von Dunkelelben viele Begleiter zum Opfer, und Tomas verschwindet in den Minen.

Herog Borric wird zum Befehlshaber der Armeen des Westens ernannt, und auch Pug kann nicht zurück in die Heimat reisen, um Borrics Tochter Carline seine Liebe zu beweisen. Der verschollene Tomas findet in der Höhle eines sterbenden Drachen eine wundersame Rüstung und ein erstklassiges Schwert: Die Rüstung wird nie schmutzig und das Schwert nie schartig. Nachdem er gehört hat, dass Pug bei einem Angriff auf die Eroberer gefangen genommen wurde, kämpft Tomas noch härter gegen die Tsurani. Mit knapper Not entkommen er und seine Zwergenfreunde zu den guten Elben und zu Königin Aglaranna.

Der Rest des Buches ist ausgefüllt mit dem Kampf um die Burg von Herzog Borric, Crydee. Hier beweist sich Prinz Arutha als genialer Soldatenführer. Die Tsurani ziehen sich geschlagen zurück.

_Kurzes Fazit_

„Der Lehrling des Magiers“ ist also nur die erste Hälfte der Geschichten um Pug und Tomas. Die Fortsetzung heißt „Der verwaiste Thron“. Dies ist bunte Fantasy der unterhaltsamsten Art und lässt sich jedem jung gebliebenen Fantasy-Anhänger guten Gewissens empfehlen. Wer jedoch etwas anderes als Tolkien-Imitatoren mag, der suche woanders.

|Originaltitel: Magician: Apprentice, 1982
Aus dem US-Englischen übertragen von Dagmar Hartmann|

Bujold, Lois McMaster – Barrayar – Cordelias Ehre

In den USA längst Kult, nun auch in Deutschland als Neuauflage: Lois McMaster Bujolds Space-Opera |Barrayar| wird von |Heyne| im Doppelpack neu aufgelegt. „Barrayar – Cordelias Ehre“ enthält die ersten beiden Romane des zehnbändigen Barrayar-Zyklus: „Scherben der Ehre“ und den mit dem |Hugo-Award| ausgezeichneten Roman „Barrayar“.

Um die Qualitäten dieses Zyklus und Lois McMaster Bujolds zu unterstreichen, sollte Folgendes nicht unerwähnt bleiben: Mit _fünf_ |Hugos|, einem |Nebula Award| (zwei, zählt man auch Novellen) und unzähligen anderen Preisen wurde die 1949 geborene amerikanische Autorin bereits ausgezeichnet. Drei |Hugos| und den |Nebula Award| brachte ihr alleine der |Barrayar|-Zyklus ein. Nebenbei bemerkt, auch im Fantasybereich ist die Autorin überaus erfolgreich, sowohl [Chalions Fluch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=517 als auch „Paladin der Seelen“ (Hugo-Award-Gewinner) wurden mehrfach prämiert.

Dieser Doppelband stellt den Auftakt zu der beliebten Space-Opera dar, deren eigentlicher (Anti-)Held Miles Vorkosigan erst im nächsten Band als „Der Kadett“ (ab Februar 2005 im |Heyne|-Doppelband „Der junge Miles“) seinen Auftritt hat. Vorerst agieren seine Eltern Cordelia Naismith und Aral Vorkosigan – deren Liebesbeziehung sich von Anfang an dramatisch gestaltete …

_Captain Naismith und der Schlächter von Komarr_

|Barrayar| spielt in ferner Zukunft, die Menschheit beherrscht bereits die überlichtschnelle Raumfahrt, Wurmlöcher dienen als Sprungtore in ferne Sonnensysteme. Viele kleine Sternenreiche stehen im permanenten Konflikt, insbesondere um strategisch und wirtschaftlich bedeutsame Systeme mit vielen Wurmlöchern. Die Gesellschaft des technologisch und kulturell leicht rückständigen Kaisterreichs Barrayar erinnert an einen Mix aus dem Zarentum der Romanovs (die Adelskaste der „Vor“ stellt Offiziere und Regierung, der Kaisertitel ist erblich) und Stalinismus, dank Politoffizieren und ausgeprägtem Geheimdienstapparat. Der berechtigte Ruf der Grausamkeit eilt den Barrayanern voraus, insbesondere mit dem Nachbarreich Cetaganda und der kleineren Beta-Kolonie kommt es schon nahezu traditionell zu blutigen Gefechten.

|Scherben der Ehre|

Als Kommandantin des betanischen Erkundungskommandos muss man mit dem Unvorhergesehenen rechnen – auch mit dem Überfall einer barrayanischen Militärpatrouille. Während Cordelias Erkundungstrupp getötet wird, kann sie vorerst entkommen und ihr Schiff warnen.

Cordelia wird schließlich vom Captain der Barrayaner persönlich gefangen genommen. Aber warum ist er völlig alleine mit ihr im Dschungel und nicht an Bord seines Kreuzers? Zu ihrem Entsetzen stellt sich Aral Vorkosigan als der „Schlächter von Komarr“ heraus, der von seinem Polit-Offizier offensichtlich bewusst in Stich gelassen wurde. Auf dem Fußmarsch quer durch die Wildnis zurück zu seinem Schiff kommen sich beide näher und lernen sich schätzen. Cordelia hilft sogar dem altmodischen, ehrenhaften Aral, sein Kommando wiederzuerlangen und eine Meuterei niederzuschlagen. Trotz ihrer großen gegenseitigen Zuneigung flieht Cordelia schließlich, um ihrem Oberkommando eine Warnung zukommen zu lassen: Die Barrayaner planen eine Offensive im Escobar-System, der Krieg steht unmittelbar bevor.

|Barrayar|

Während des Krieges gegen die Barrayaner gerät Captain Naismith erneut in Gefangenschaft, diesmal allerdings in keine annähernd so angenehme. Dabei erhält sie tiefe Einblicke in die barrayanische Gesellschaft: Dynastische Streitigkeiten sind für die kriegs- und siegesgewohnten Barrayaner der eigentliche Grund für die verlustreiche Offensive im Escobar-System. In diesem perfiden Plan des Kaisers, der seinen erstgeborenen Sohn opfert, spielt der wieder in den Admiralsstand erhobene Aral Vorkosigan eine wichtige Rolle.

Trotz ihrer geheimen Kenntnisse schenkt er Cordelia im Rahmen eines Gefangenenausstauschs die Freiheit. Die sich als zweischneidiges Schwert entpuppt: Man hält sie für eine Doppelagentin, die man einer Gehirnwäsche unterzogen hat. Den Schlächter von Komarr lieben? Absurde Behauptungen über angebliche Kriegsgründe aufstellen? Offensichtlich wurde Cordelia von den Barrayanern völlig gebrochen, man steckt sie in ein Militärsanatorium und traktiert sie, bis ihr keine andere Möglichkeit als Flucht bleibt.

Auf Barrayar wird aus Captain Naismith bald Lady Vorkosigan, doch auch hier kommt das Paar nicht zur Ruhe. Aral Vorkosigan wird zum Regenten des Kaisers ernannt – und damit zur Zielscheibe für Attentäter. Bei einem missglückten Giftgas-Attentat wird zudem Cordelias ungeborenes Kind in Mitleidenschaft gezogen. Die nötige Behandlung Cordelias beschert ihrem Sohn brüchige Knochen und andere körperliche Schwächen, nur modernste Technik kann ihn überhaupt retten und in einem externen Bruttank am Leben erhalten.

Als Erbe der Vorkosigans will Arals Vater einen Krüppel nicht akzeptieren. Die feudalistische, körperbetonte Kultur der Barrayaner ist in vielerlei Hinsicht rückständig, Cordelia selbst als ehemalige Offizierin passt nicht in ihr Weltbild.

Inmitten all dieser Probleme kommt es kurz nach dem Tod des Kaisers zum Putsch: Cordelia und Aral müssen nicht nur um das Leben ihres von aller Welt verachteten, noch nicht einmal geborenen Kindes fürchten, sondern auch ihr eigenes und das des Thronerben Prinz Gregor schützen – und ihm seine Krone zurückerobern.

_Erzählkunst kontra Klischee_

Eine Frage stellt sich zwangsläufig: Wie konnte so eine Seifenoper den |Hugo Award| gewinnen? Nach wenigen Seiten finden sich die Hauptakteure sehr attraktiv, bis zur hundertsten Seite hat Aral Vorkosigan Cordelia bereits zwei schüchterne Heiratsanträge unterbreitet. Sergeant Bothari ist offenkundig ein handelsüblicher Psychopath, und während die Betaner Cordelia für eine Doppelagentin halten und vergraulen, ist es offenkundig für die Barrayaner kein Problem, sie als Ehefrau des Regenten zu akzeptieren. Eine feudale, rückständige Kriegerkultur, ein in Space-Operas häufig abgegriffenes, beliebtes Klischee, rundet das fragwürdige Bild ab.

Die Erklärung ist sehr einfach: Dafür ist alles andere mehr als gelungen. Spannung und Action werden wortwörtlich von der ersten Seite an geboten, Unwichtiges konsequent gerafft und ausgespart – Cordelias Flucht nach Barrayar und ihre Hochzeit mit Aral nehmen nur wenige Seiten ein, die Hochzeit gar nur drei Zeilen. Cordelia und Aral sind ein sympathisches, dynamisches Duo, die toughe Kommandantin und ihr ehrenhafter Adliger alter Schule erobern schnell das Herz des Lesers. Dasselbe gilt auch für Nebenfiguren wie den psychopathisch angehauchten Sergeant Bothari und andere Personen des Vorkosigan-Haushalts, die dem Leser in der Art einer Familie ans Herz wachsen.

Trotz der schnellen und handlungsorientierten Erzählung spielt ein Großteil der Handlung im psychologischen Bereich: Technik ist eher Mittel zum Zweck in Bujolds Science-Fiction. Wenn Charaktere wie Bothari auf einmal an Tiefe sowie der Konflikt zwischen Cordelia und dem alten Piotr Vorkosigan wegen Miles an Plastizität gewinnen, dann zeigt sich, was den |Barrayar|-Zyklus ausmacht: Bujolds mitreißende Erzählkunst überzeugt sowohl mit temporeicher äußerer Handlung als auch mit der spannenden Thematisierung innerer Konflikte, die nahtlos in dieselbe integriert sind.

_Es wird noch besser …_

Lois McMaster Bujold ist eine begnadete Erzählerin. Innovative, neuartige Ideen oder gar Welten schaffen ist nicht ihre Stärke. Das hat sie aber auch gar nicht nötig. Nur wenige Autoren können eine Geschichte so mitreißend und kurzweilig über fast 600 Seiten hinweg erzählen und dabei so trefflich darstellen und charakterisieren. Einmal in die Hand genommen, möchte man „Barrayar – Cordelias Ehre“ gar nicht mehr weglegen.

Gerade dass Bujold im Vergleich zu gängigen Space-Operas zwar auch Action bietet, die Handlung sich aber weitgehend im Inneren abspielt, unterscheidet |Barrayar| vom üblichen Einerlei. Vielleicht trifft aber gerade deshalb der Vorwurf der Trivialität diesen Zyklus besonders: Denn bei anderen Sagas wie |Star Wars| kommt man gar nicht erst auf die Idee, unter dem Pathos nach einem tieferen Sinn zu suchen.

Am besten vergleicht man |Barrayar| mit einem leckeren, italienischen Speiseeis an einem sonnigen Tag: Man genießt es in einem Zug. Danach ist es weg, rückstandslos verschwunden – und man möchte mehr davon.

|Heyne| lässt den Leser nicht im Stich: Mit „Der junge Miles“ ist bereits der nächste |Barrayar|-Doppelband erschienen, und mit Miles Vorkosigan betritt die wohl beliebteste Figur von Lois McMaster Bujold zusammen mit den Dendarii-Söldnern die Bühne – die Abenteuer des körperlich behinderten Miles in der ihn kontrastierenden Barrayaner-Gesellschaft erhielten ebenfalls einen |Hugo Award|. Übersetzer der gesamten Serie ist wie bei Bujold üblich Michael Morgental, hohe Qualität ist somit gewährleistet – Setzfehler früherer Ausgaben wurden zudem vollständig eliminiert.

Wer Unterhaltung sucht, findet sie im Barrayar-Universum im Übermaß!

Die offizielle Homepage der Autorin:
http://www.dendarii.com/

Dick, Philip Kindred – galaktische Topfheiler, Der

Joe Fernwright, kleiner Handwerker und Meister der aussterbenden Kunst des Topfheilens, steckt in einer Sackgasse. In einer keramiklosen Zeit, die offensichtlich für seine Fähigkeiten keine Verwendung mehr hat, wartet er seit Monaten tagtäglich untätig in seiner Werkstatt auf Arbeit. Endlich eröffnet ihm der Auftrag eines außerirdischen Überwesens von einem fernen Planeten die Chance, sich aus dieser hoffnungslosen Situation zu befreien. Joe Fernwright entschließt sich, den Auftrag anzunehmen und verlässt die Erde, um auf dem Planeten Plowman, gemeinsam mit einer bunt zusammengewürfelten Gruppe verschiedener Spezialisten unterschiedlichster Spezies, das gigantische Projekt anzugehen. Ein alle Grenzen sprengendes Abenteuer beginnt.

Das Vorhaben – und der Roman – entpuppt sich schon bald als Reise in metaphysische, philosophische Dimensionen, wie es typisch für Philip K. Dicks Romane ist. Diese Hintergründigkeit hebt den Roman deutlich aus der Masse einfacher gestrickter SF-Storys hervor. Dazu wimmelt die Geschichte von skurrilen Einfällen und seltsamen Wesen, die den Leser mit wunderbarer Leichtigkeit in die Tiefen von Dicks Gedankenwelt eintauchen lassen. Besonders köstlich etwa die Seelsorgerzelle, in der sich Verunsicherte gegen Münzeinwurf entsprechend den Regeln des Zen, der puritanischen Ethik, der römisch-katholischen Kirche, des Islam oder wahlweise des mosaischen Glaubens beraten lassen können.
Oder das Spiel, mit dem man in jener Gesellschaft (unter einem repressiven, pseudosozialistischen System, das völlig abgewirtschaftet wurde) die Langeweile des Alltags betäubt – ein Ratespiel, bei dem zuvor per Computerübersetzung verstümmelte Buchtitel wieder dechiffriert werden müssen. (… darauf kam Dick im Jahr 1969!)
Dann der Android, der Schriftsteller werden möchte und Klassiker zitiert (überhaupt, die werden im Roman öfters zitiert, vor allem Goethes Faust – und auch klassische Musik spielt immer wieder eine Rolle). P. K. Dicks Begeisterung für die deutsche Sprache und seine Leidenschaft für Musik blitzen in dem Roman immer wieder durch. Auch in der Szene, in der das Radioprogramm mit seinen absonderlichen Wechseln zwischen geistlicher/klassischer Musik und Werbung für Korsetts, Mittel gegen Menstruationsbeschwerden, Hämorrhoidensalbe und Katzenstreu beschrieben wird. Selbst solche Slapstickszenen führen kleine, hintergründige Extrabotschaften mit sich und regen zum Denken an, ohne belehrend zu wirken. Schon die Idee, das Heilen zerbrochener Keramik zu einem Handwerksberuf der Zukunft zu machen – und den Besten dieser Zunft zum Helden eines Romans – hat eine metaphorische Extradimension – verdeutlicht die Allegorie. Das Thema Vorherbestimmung/Vorhersage der Zukunft fügt Dick im „galaktischen Topfheiler“ einmal als Ergebnis einer computergenerierten Partnerschafts-Simulation ein, ein andermal als geheimnisvolles Buch der mysteriösen Kalenden, die einzig damit beschäftigt sind, darin die Zukunft vor(aus)zuschreiben.

Zum Ende hin wird der Roman stetig surrealer und zeigt immer deutlicher seine erweiterte Dimension. Metaphysische, theologische und philosophische Fragen – die Suche nach dem wahren Wesen des Menschen, dem Sinn der Existenz, der Frage nach Vorbestimmung, nach Täuschung und Realität, der Struktur der Zeit – sind in Dicks Roman so spritzig verpackt, dass man sich trotz der „Schwere“ der Themen bestens amüsiert. Im Backcovertext wird der Roman sehr treffend als „faszinierend absurde Parabel“ bezeichnet – dass die Handlung an manchen Stellen etwas holpert, an anderen die Logik wackelt, tritt angesichts der Aussagekraft auf anderer Ebene völlig in den Hintergrund – das Buch bleibt eine in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken anregende und gleichzeitig kurzweilige Lektüre, ein Stück Literatur weit jenseits der Trivialität.

Zum zwanzigsten Todestag Philip K. Dicks begann der |Heyne|-Verlag im Jahr 2002 damit, ausgewählte Werke des Autors sukzessive in einer neuen Taschenbuchreihe auf den Markt zu bringen. Mit „Der galaktische Topfheiler“ wurde jetzt, im Januar 2005, Band 11 der Edition herausgebracht – der nächste ist für April angekündigt – weitere werden folgen.
Die Reihe präsentiert sich einheitlich im seriös-distinguierten Nadelstreifenlook (in von Band zu Band unterschiedlicher Grundfarbe) – darauf prangen schlicht und edel, in silberglänzenden Prägelettern Titel und Verlagsname, in Blau der Autorenname. Diese Aufmachung hebt nun auch optisch Philip K. Dicks Werk aus der vorurteilsbeladenen Trivialecke heraus. „Der galaktische Topfheiler“ kommt in einem die winterlich fröstelnden Finger wärmenden sonnigen Orangecover daher.

Beklagenswerterweise verzichtete Heyne in diesem Band auf ein einführendes bzw. erläuterndes Vor- oder Nachwort. Es findet sich lediglich der dürre Hinweis, es handele sich um eine erstmals ungekürzte deutsche Ausgabe, und zwar die Übersetzung von Joachim Pente (*) in von Alexander Martin neu durchgesehener und vollständig überarbeiteter Version. Weder wurden eine bibliographische Einordnung des Romans, noch etwas ausführlichere Anmerkungen zur Überarbeitung, noch gar eine leicht vertiefte Betrachtung Dicks wechselvoller Biographie angefügt.

(*) 1976 bzw. 1984 erschien der Roman bereits in deutscher Übersetzung (von Joachim Pente) – unter dem Titel „Joe von der Milchstraße“. Allerdings in gekürzter Fassung: 168/192 Seiten hatte der Roman in jener Version (Fischer/Moewig). Die hier besprochene, ungekürzte Ausgabe ist 207 Seiten lang.

Ob die Neuausgabe denn nun – abgesehen vom geschmackvoll schlichten Design des Covers – auch von den inhaltlich Qualitäten her betrachtet einen Gewinn gegenüber den Vorgängern darstellt, lässt sich, ohne allzu sehr in Details zu gehen, vielleicht so beantworten: Wer bei Übersetzungen Wert auf eine gelungene Kombination aus inhaltlicher Werktreue, möglichst weitgehend erhaltener „Handschrift“ des Autors und dabei noch gutes Deutsch legt, ist mit der Neubearbeitung bestens bedient. Auch die Wahl des Titels zeugt vom Bestreben des Verlags, das Werk Dicks in dieser Edition möglichst originalgetreu wiederzugeben.

Vom einzigen kleinen Wermutstropfen – dem fehlenden Vor- oder Nachwort – abgesehen, kann ich Heynes ungekürzte Neuausgabe von P. K. Dicks „Der galaktische Topfheiler“ jedem Freund tiefgründiger und origineller Literatur wärmstens empfehlen! Dass dieser Roman unter Dicks Werken bisher eher wenig beachtet wurde, wird sich durch die Neuausgabe hoffentlich ändern: Das Buch hat es verdient.

|Originaltitel: „Galactic Pot-Healer“, 1969|

_Susanne Jaja_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [X-Zine]http://www.x-zine.de veröffentlicht.|

Philip K. Dick – Nach der Bombe

Warum wird Philip K. Dick außerhalb des Science-Fiction-Genres kaum wahrgenommen? Eigentlich unbegreiflich, denn seine Romane und Kurzgeschichten handeln von Menschen und ihren Beziehungen zueinander. Seine Beobachtungen sind dabei derart präzise, dass wohl jeder Leser sich selber in den Figuren seiner Geschichten wiedererkennt. Wie in einem Comic sind die Verstrickungen, in denen sich die Protagonisten bewegen, überspitzt dargestellt. Das mag der Grund sein, weshalb der Autor sich in dieses Genre „geflüchtet“ hat. Ein Roman über die Welt, in der wir leben, könnte schwerlich den tiefen Einblick in das Wesen des ganz normalen Menschen tragen, den Dick uns in seinem Werk schenkt.

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Lloyd Biggle jr. – Spiralen aus dem Dunkel

Biggle Spiralen Cover 1983 kleinSeltsame Flugkörper landen in der US-Provinz; sie streuen zerstörerische Kraftfelder von spiralförmiger Gestalt aus, scheinen aber nicht direkt feindlich zu sein. Kommen die Fremden aus dem All – oder sind es Sendboten aus einer möglichen Zukunft der Erdmenschen? … Herrlich altmodischer, d. h. langsam oder besser gesagt: sorgfältig komponierter, spannender und überraschend witziger Science Fiction-Roman um eine Invasion der besonders merkwürdigen Art.
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Lowder, James – Prinz der Lügen, Der (Vergessene Reiche: Die Avatar-Chronik Band 4)

Einst erschütterte die Zeit der Sorgen das Gefüge der Welt. Die Götter waren von Ao verdammt worden, in den Reichen zu wandeln, um die Tafeln des Schicksals zurückzuholen. Einige Götter ließen dabei ihr Leben und Menschen nahmen ihren Platz im Pantheon ein: Mitternacht und Cyric. Einst Freunde, nun verhasste Feinde.

Die Götter sind zurück an ihrem angestammten Platz und wachen wieder über die Geschicke der Welt. Noch immer sind sich Mitternacht – nun Mystra, die Göttin der Magie – und Cyric – Gott der Lügen, Intrigen, des Todes und des Chaos’ – spinnefeind. Cyric plant gar, sich zum einzig wahren Gott aufzuschwingen. Sein Schwert, Götterfluch, leistet ihm dabei gute Dienste, denn es vermag Götter zu töten.

Cyric ist ein erbarmungsloser Gott, der keine Gnade kennt und selbst in seinem Totenreich Unmut hervorruft. Die Götter bitten Ao, Cyric zu bestrafen, doch Cyrics Handeln entspricht seinen Aufgabengebieten als Gott – er kann nicht bestraft werden.

Nur Mitternacht vermag scheinbar zu erkennen, wie gefährlich Cyric ist. Doch auch andere, verborgene Machtgruppen ziehen die Fäden im Hintergrund. Aber ihre genauen Ziele sind unbekannt.

Cyric scheint niemand aufhalten zu können. Er lässt ein magisches Buch schreiben, um alle Andersgläubigen auf seine Seite zu ziehen. Und er ist kurz davor, seine Rache an dem Mann zu vollenden, der ihm einst ebenbürtig war: Kelemvor. Doch dessen Seele wird von einer fremden Macht verborgen – selbst Mitternacht vermag ihren ehemaligen Geliebten nicht zu finden.

Der Prinz der Lügen – Cyric – ist kurz davor, alle seine Ziele zu erreichen …

Mit „Der Prinz der Lügen“ wächst die Avatar-Trilogie zur Avatar-Chronik heran und spinnt den Faden weiter, der in der Zeit der Sorgen seinen Anfang nahm. Denn gerade jetzt erleben die „Vergessenen Reiche“ eine spannende Zeit, die vor allem Fans der Reihe miterleben möchten. James Lowder weiß, zum Glück, die Vorlage der Trilogie gut zu nutzen.

Im Mittelpunkt steht der Konflikt zwischen Cyric und Mitternacht. Letztere nennt sich als Göttin der Magie Mystra und bildet einen Gegensatz zur Bösartigkeit Cyrics. Beide waren einst Menschen und vermögen über den Tellerrand der Göttlichkeit hinwegzuschauen. Und genau das macht sie gefährlich, den anderen Göttern gegenüber vielleicht sogar überlegen.

Cyric macht seinen Aufgabengebieten alle Ehre. Er metzelt alles nieder, kennt keine Skrupel und spinnt tödliche Intrigen. Dabei geht es oftmals brutal und blutig zu. Der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund und stellt die entsprechenden Szenen sehr plastisch dar. Das ist dann allerdings Geschmackssache – wobei die Brutalität nicht Mittel zum Zweck ist, sondern Cyrics bösartigen Charakter aufzeigt.

Während sich Cyric in der Götterwelt schnell zurechtfindet, hat Mitternacht Anpassungsschwierigkeiten. Sie begreift nur langsam, was Göttlichkeit bedeutet und wie die anderen Götter die Welt wahrnehmen. Und das ist schlussendlich Mitternachts wahre Stärke im Kampf gegen Cyric. Das Charakterspiel der beiden Hauptfiguren und ihr greifbarer Konflikt sorgen für die nötige Spannung.

Überhaupt: Der Spannungsbogen steigt stetig an. Das wird hauptsächlich durch die vielen verschiedenen Handlungsebenen und Schauplätze erzielt – ohne den Leser zu verwirren. Man behält stets den Überblick und kann sich gut in die Figuren des Romans hineinversetzen. Sie sind sehr farbig und beleben das Bild, das James Lowder zeichnet.

Der Autor besitzt einen plastischen und detaillierten Stil, mit dem er die Geschichte packend transportiert. Gefesselt verfolgt man das Schicksal der Götter, der Menschen und der Halbmenschen. Obwohl diese den Göttern unterlegen sind, lassen sie sich nämlich nicht alles gefallen. Ganz im Gegenteil: Einige von ihnen wissen sich richtig zu wehren – selbst im Leben nach dem Tod.

Man merkt sehr schnell, dass Lowder gerne mit Überraschungen arbeitet. Intrigen und Verwirrspiele scheinen ihm zu liegen, aber auch große Wendepunkte werden vom Autoren gezielt eingesetzt. Sein Roman ist einfach fesselnd und sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Fans der Reihe und Kenner der Reiche kommen an dem Buch jedenfalls nicht vorbei, behandelt es doch auch einen der wichtigsten Zeiträume der Buchreihe.

Die Schauplätze und Figuren überraschen übrigens durch ihre Kreativität und Vielfalt. So gibt es nicht nur Menschen und Götter, sondern unternimmt der Leser Ausflüge auf andere Ebenen, verfolgt die Erlebnisse einer getäuschten Seele und erlebt die Befreiung einer gefährlichen Bestie. Großartige Zaubereien, gefährliche Kämpfe und mechanische Kreaturen – Lowder kocht ein appetitliches Süppchen aus fantastischen Zutaten. Einfach wunderbar.

Auch die Aufmachung des Buchs ist gelungen. Das düstere Cover ist passend gestaltet, Titel und Detailangaben dynamisch angeordnet. Das Schriftbild ist klar und lässt sich gut lesen. Jedes Kapitel wird durch eine kurze Inhaltsangabe eingeleitet, über der sich das Symbol Cyrics befindet – immerhin wurde der Roman auch nach ihm benannt: Der Prinz der Lügen.

Das Buch schließt mit Verlagswerbung ab. Zum einen gibt es einen Ausblick auf den nächsten Teil der Avatar-Chronik (Band 5: Die Feuerprobe), zum anderen wird auch auf die weiteren Romane der „Vergessenen Reiche“ hingewiesen. Nicht fehlen darf die Information zum Rollenspiel „Dungeons & Dragons“, das von Feder & Schwert verlegt wird und die Grundlage der Romane bildet. Immerhin sind die „Vergessenen Reiche“ Bestandteil dieses Spiels.

Einzig wirkliche Schwachpunkte liegen im Lektorat, dem zwei große Fehler unterlaufen sind. So findet man an zwei auffälligen Stellen noch englische Begriffe. Da wäre das Wort Skyline, bei dem man aber getrost ein Auge zudrücken darf. Schlimmer ist jedoch, das Fürst Schach plötzlich Fürst Chess genannt wird. Das ist zwar nicht besonders schlimm, aber trotzdem auffällig und stört kurz ein wenig den flüssigen Lesefluss.

Unter dem Strich bleibt ein gelungenes Fantasy-Buch, das man gerne liest.

|Originaltitel: Prince of Lies
Übersetzung: David Raphael Flor
Lektorat: Oliver Hoffmann|

_Günther Lietz_ © 2005
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [buchrezicenter.de]http://www.buchrezicenter.de veröffentlicht.|

Herbert, Brian / Anderson, Kevin J. – Kreuzzug, Der (Der Wüstenplanet: Die Legende 2)

„Der Kreuzzug“ ist die Fortsetzung von [„Butlers Jihad“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=827 zugleich der zweite Teil der Legenden des Wüstenplaneten und spielt ungefähr 25 Jahre nachdem Serena Butler den Denkmaschinen den heiligen Krieg, den Djihad im Namen ihres ermordeten Sohnes Manion erklärt hat.

Die Kämpfe sind seit einiger Zeit voll im Gange, doch immer wieder mussten die Menschen herbe Rückschläge gegen die Roboterarmeen von Omnius in Kauf nehmen. In der Zwischenzeit hat sich aber auch einiges geändert. Die Protagonistin, Serena Butler, hat sich mittlerweile fast ganz zurückgezogen und ihre Führungsrolle zugunsten ihrer Aufgabe als Priesterin aufgegeben. Iblis Ginjo, einst bei der Rebellion auf der Erde Anführer der menschlichen Streitkräfte, hat nun gewissermaßen ihren Posten eingenommen und sich selber den Titel Großer Patriarch verliehen. Und gerade dieser Iblis ist es auch, der im zweiten Buch der Legenden des Wüstenplaneten die Hauptrolle übernimmt. Mit seinen Entscheidungen und letztendlich auch mit seinen Intrigen steht und fällt die gesamte Geschichte. Derweil wird den beiden Kampfpiloten Xavier Harkonnen und Vorian Atreides im zweiten Teil weniger Platz eingeräumt. Xavier ist trotz etlicher Einsätze mehr und mehr zu einem Familienmenschen geworden, während Vorian auf dem fernen Planeten Caladan die große Liebe entdeckt hat.

Wenn man das erste Buch bereits gelesen hat, so kann man jetzt schon sehen, dass sich einschneidende Veränderungen abgespielt haben, die eigentlich von ihrer Wichtigkeit viel näher hätten beleuchtet werden müssen. Das ist nämlich einer der Kritikpunkte an „Der Kreuzzug“; zu viele wichtige Details aus der Vergangenheit werden dem Leser zunächst vorenthalten und auch anschließend nur bruchstückhaft erzählt. Die ganzen Schlachten, der Aufstieg von Iblis Ginjo, all das wird völlig ausgelassen und am Ende nur mit einer chronologischen Rückblende versehen.
An anderer Stelle ist hingegen fast gar nichts passiert; die Zeit scheint gerade im Sektor der Denkmaschinen stehen geblieben zu sein. Und auch die Situation der versklavten Zenschiiten hat sich über die Jahre keineswegs geändert. Umso verwunderlicher ist es, dass sich die Dinge im Buch dann plötzlich nach so langer Zeit auf kurze Dauer überschlagen. Ein tödlicher Sklavenaufstand hätte den Ereignissen des ersten Buches zufolge jedenfalls viel früher geschehen müssen. Desweiteren ist mir schleierhaft, warum der Wissenschaftlerin Norma Cenva plötzlich sämtliche Ideen aus dem Kopf schießen, die sich anscheinend in 25 Jahren nicht ergeben haben.

Ich könnte weitaus mehr Beispiele nennen, fest steht jedoch, dass wichtige Geschehnisse übergangen worden sind, und das ist für die Fortsetzung des Buches alles andere als förderlich. Doch es gibt noch mehr Kritik zu äußern: Der Schreibstil hat sich nämlich gravierend geändert, und manchmal scheint es tatsächlich so, als würden die beiden Autoren lediglich versuchen, die Seitenzahl zu strecken. Immer wieder werden Sachen wiederholt, die man als aufmerksamer Leser bereits einige Male zuvor ausführlich vorgestellt bekommen hat. Zudem werden wiederholend die Ereignisse aus dem ersten Band ins Gedächtnis gerufen, vielleicht ja auch, damit man das Buch auch unabhängig lesen kann, jedoch ist wohl davon auszugehen, dass man, sofern man sich für die Materie interessiert, beide Bücher durchliest.
Die Geschichte an sich verläuft hingegen weiterhin sehr spannend und nimmt besonders zum Ende hin einige sehr überraschende Wendungen, die das Ganze quasi noch einmal komplett auf den Kopf stellen. Ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, aber mit einem derartigen Ende war keinesfalls zu rechnen.

In der Kritik zum ersten Band hatte ich betont, dass ich die Enttäuschung mancher Kritiker über diese Serie nicht ganz verstehen kann, muss diese Behauptung jedoch jetzt teilweise zurücknehmen, da mir manche inhaltliche aber auch einige stilistische Elemente in „Der Kreuzzug“ nicht mehr so gut gefallen. Hat man sich durch „Butlers Djihad“ gekämpft, dann ist dieses zweite Buch sicherlich Pflichtlektüre, aber so ganz das, was man sich von „Der Kreuzzug“ erhofft hatte, ist es eben nicht geworden.
Sehr schade, wie ich finde, denn die Geschichte an sich hat eine ganze Menge Potenzial.

Brooks, Terry – Ausgestoßene von Shannara, Der

Bestseller-Autor Terry Brooks erzählt die Vorgeschichte seines bekannten Fantasy-Zyklus‘ um das Königreich Shannara. Er verrät, wie es zum ersten König von Shannara kam.

_Handlung_

Während des ersten großen Krieges hatten die Druiden von Paranor in Shannara mitansehen müssen, was geschehen konnte, wenn Magie in die falschen Hände geriet. Seitdem widmeten sie sich nur noch dem Studium der herkömmlichen Wissenschaften. Nur einige wenige von ihnen, darunter der Druide Bremen, befassten sich noch mit Magie und den alten Geheimlehren. Und die Druiden waren sich schnell einig, was mit dem Frevler zu geschehen hatte – sie schlossen Bremen aus ihrer Gemeinschaft aus.

Doch der nunmehr Ausgestoßene macht eine Entdeckung, die nur allzu deutlich darauf hinweist, dass man sich in Paranor in falscher Sicherheit wiegt. Aus den Nordlanden fallen Trolle in die Vier Länder ein, und ihre Späher sind Schädelträger – abtrünnige Druiden, die sich der Schwarzen Magie verschrieben haben. Ihr Anführer ist der Dämonenlord Brona, und sein Ziel ist die endgültige Unterwerfung der Vier Länder mitsamt der Vernichtung ihrer Völker. Doch die Druiden haben längst die Macht verloren, um seinen Armeen zu widerstehen.

Also macht sich Bremen nach Paranor auf, um Hilfe gegen Brona zu holen und die Druiden zu warnen. Er wird nicht ernstgenommen außer von zwei alten Freunden, Risca und Kinson. Wenig später schließt sich ihm eine junge Frau an, die über empathische Kräfte verfügt, sie aber nicht zu kontrollieren versteht. Mit Hilfe eines Orakels vom Geist eines Toten erfährt Bremen mehr über die Zukunft. Es steht nicht zum Besten.

In einer breit angelegten Rettungsaktion begeben sich die Gefährten zu verschiedenen Völkern, um sie vor Bronas Horden zu warnen und zum Widerstand aufzurufen. Doch Bremen begibt sich mit einem magischen Schwert zum Schädelberg, um dort eine weitere Geheimwaffe zu holen. Es gelingt ihm mit knapper Not, denn Bronas Trolle sind bereits überall. In einer über hundert Seiten beschriebenen Schlacht – genauer: eine Reihe davon – wird Brona schließlich von den vereinten Völkern bekämpft. Die Führung haben Bremen und der künftige König von Shannara. Wie’s ausgeht, will ich hier nicht verraten.

_Fazit_

Der Roman ist gut und übersichtlich strukturiert, wird nicht überhastet, sondern wohlverständlich erzählt. So hat der Leser Muße, über die Motivationen der verschiedenen Beteiligten nachzudenken. Die mehreren Höhepunkte werden daher umso intensiver erlebt, bis schließlich der üble Brona verjagt ist. Diese Punkte täuschen allerdings nicht darüber hinweg, dass sich in menschlicher Hinsicht nichts Neues oder Aufregendes ergibt. Man hat den Eindruck, als habe Brooks mit dieserm Vorgeschichte-Roman eine Pflichtübung absolviert – dieser Aufgabe hat er sich mit Anstand entledigt. Seine später folgenden Landover-Romane, die in der Gegenwart spielen, sind weitaus besser und ausgereifter.

|Originaltitel: First King of Shannara, 1996
Aus dem US-Englischen übertragen von Susanne Gerold.|

Isaac Asimov – Lucky Starr

Mit dem Namen Isaac Asimov (1920-1992) verbindet man in der Science-Fiction vor allem eines: Seine drei Robotergesetze sind mittlerweile legendär und auch heute noch aktuell und heiß diskutiert, wie der auf frühen Kurzgeschichten Asimovs beruhende Film I, Robot zeigt.

Ein wenig untergegangen in dem Rummel um die Robotergesetze und seine Foundation-Trilogie ist eines seiner frühesten Werke überhaupt:

Die Lucky-Starr-Serie

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Armin Rößler (Hrsg.); Dieter Schmitt (Hrsg.) – Walfred Goreng

Anthologien deutscher (oder überhaupt) Science-Fiction sind mittlerweile äußerst seltene Publikationen. Kurzgeschichten scheinen der heutigen Leserschaft immer weniger zu bedeuten. Im Wurdack-Verlag erschien Anfang 2004 die erste SF-Anthologie („Deus ex machina“) des Verlags, der damit schwieriges Terrain betritt. Es ist ein erfreuliches Ereignis, dass mit „Walfred Goreng“ bereits der zweite Band erschienen ist – Kurzgeschichtenanthologien dienen als wichtige Plattform für aufstrebende Autoren und bieten in unterhaltsamer Form einen Querschnitt durch die deutsche Science-Fiction-Landschaft. Vielleicht spielte auch die von Andreas Eschbach jüngst herausgegebene Sammlung von Geschichten bekannter europäischer Schriftsteller eine unterstützende Rolle, um das Interesse an derartigen Publikationen zu erhöhen.

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